Montag, 16. August 2010

Im Schatten des Stieres


"Freitag Abend, den 13. August brach die Fiesta aus. Es gibt keinen anderen Ausdruck dafür". So oder ähnlich hätte Ernest Hemingway den Beginn der Feria von Málaga beschrieben. Seit letztem Wochenende befindet sich die südandalusische Hauptstadt im Ausnahmezustand. Und er ist mittendrin. El toro bravo! Kein Festzelt wo sein Symbol nicht zu finden ist. Kein Strassenzug ohne ein cartel de toros. Kein Sherryglas ohne den Osbornestier, keine Zeitung ohne mehrseitige Berichterstattung über die Welt der Stiere und der Tod am Nachmittag bei der corrida de toros in der Malagueta.

Begleitend dazu gibt es eine Ausstellung im Geburtshaus von Pablo Picasso:  Tauromaquias. Ich hatte davon schon geschrieben. Und nun gibt es im Stadtratsamt für Umwelt einen weitere Ausstellung, die sich ebenfalls mit dem Thema der tauromaquia beschäftigt. Zu sehen sind Photographien von Javier Arroyo mit dem Titel "La sombra del toro".


Der Stier und seine Umgebung. Der Fotograf hat den toro bravo ganze vier Jahre auf den dehesas begleitet, sein Leben in der Natur beobachtet, die Weiden, die Erde, den Himmel, Licht wie Schatten und den Umgang der Menschen mit ihm. Die Gesten, die Reaktionen, das Feingefühl und die Fürsorge. Und er ist der Hauptdarsteller, steht stets im Mittelpunkt. El toro bravo. Respekt, Ehrfurcht und Anerkennung, alles Attitüde die sich in diesen Bilder reflektieren.


"Ich ging einen Weg, um dem Betrachter den normalen Tagesablauf der toros de lidia näherzubringen. Dabei durchlaufe ich vier Stationen: "Die Landschaft", "Die Details", "Der Mensch" und "Der Stier". Die Stierzucht der Söhne von Celestino Cuadri und des Züchters Fernando Cuadri haben mir geholfen Ideen zu entwickeln, Motive zu versinnlichen die sich nun in dieser Ausstellung wiederspiegeln. Unvergessliche vier Jahre Arbeit. Ich bin ihnen sehr zu Dank verpflichtet."

Die Stadträtin Araceli González überascht nun schon das zweite Mal mit einer taurinischen Ausstellung. 2016 möchte Málaga zur Kulturhauptstadt Europas werden, und sie ist sich da ziemlich sicher. Der toro bravo gehört auch dazu.   


La sombra del toro
 Photographien von Javier Arroyo

Stadtratsamt für Umwelt
Sala Noble
Bis zum 15. September 2010
9:00 - 14:00 / 18:00 - 20:00
Ausstellung beendet

Donnerstag, 5. August 2010

Toros in Málaga

Stierkämpfe und eine Austellung in der südandalusischen Metropole

Lange Warteschlangen in Málaga
Während das Verbot des Stierkampfes in Katalonien eher eine Momentaufnahme ist, zeigt die andalusische Stadt Málaga, welche wichtige Bedeutung die Stiere für sie hat. Es ist August und eines der grössten südeuropäischen Feste steht vor dem Beginn. Sherry, Flamenco, Sevillanas, Kastagnetten, Pferde, caballeros y señoritas, alles was das andalusische Herz begehrt … und das nicht zu knapp. Und natürlich gehören auch die toros dazu. Ganze 15 Veranstaltungen  finden in der 1876 eingeweihten Plaza de toros statt, von der schon der Romantiker Théophile Gautier zu berichten wusste. Und das Interesse ist gross. Tausende von aficionados mussten sich beim Vorverkauf anstellen um eine Eintrittskarte zu ergattern. Besonderes Interesse gilt diesmal dem Startorero Enrique Ponce.
Entwurf für das Stierkampfplakat in Madrid

Begleitend zur Feria kann man sich im Geburtshaus von Pablo Picasso die Ausstellung “Tauromaquias” anschauen. Zu sehen sind 129 Radierungen der Künstler, Goya, Picasso und José María Cano. Drei Jahrhunderte prägende Kunst der tauromaquia, aus Aragon, Málaga und Madrid. Den Kennern werden natürlich die Werke von Goya und Picasso nicht unbekannt sein und so wirft man einen Blick auf den jüngsten im Bunde. José Maria Cano. “Könnte ich wiedergeboren werden, ich würde gerne ein toro bravo sein,” teilte der Künstler in einem Interview mit. Im Stierkampf erkennt er die Liebe zu den Tieren und das ökologische Interesse.  



“Der toro bravo wird während seiner ganzen Lebenszeit respektiert. So wie kaum ein anderes Tier. Er führt ein herrliches Leben auf den Weiden,  bewaffnet mit einer Hornung, die er nie benutzt. Aber am Ende seines Lebens könnte sie eine todbringende Wirkung haben.”




Tauromaquias
bis zum 29. August 2010

Sala de exposiciones de la Fundación Picasso-Museo Casa Natal, primera planta (Plaza de la Merced, 15)
Öffnungszeiten: 9:30 – 20:00 (Feria 9:30 – 14:00)
www.fundacionpicasso.es
José María Cano

Freitag, 30. Juli 2010

Kennen Sie Toro?

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Ganz Spanien ist von den Spaniern besetzt … Ganz Spanien? Nein! Eine von unbeugsamen Katalanen bevölkerte Region hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten. Und das Leben ist nicht leicht für die spanischen Politiker, die als Besatzung in in den Lagern von Madrid, Sevilla, Pamplona und Valencia liegen …

Katalonien will den Stier nicht mehr

Das katalanische Parlament hat entschieden. 55 Prozent stimmten einem Verbot von Stierkämpfen in Katalonien zu. Aber immerhin, 45 Prozent waren dagegen! Weiss Gott keine Minderheit!

Und wie ich schon an anderer Stelle geschrieben hatte, selten ging es um die Stiere. Erst war es Politik und nun ist es ein Fall für die Justitia. Besorgt schaut Madrid nach Barcelona. Kann ein regionales Parlament so einfach spanisches Grundrecht aushebeln? Auch die Hälfte der freiheitsliebenden Katalanen ist sich jetzt nicht mehr so sicher ob man die Freiheit der Individuen so einfach beschneiden sollte. Die libertad de los toros bravos auf Kosten der Freiheit für die Menschen? Dabei geht es hier auch nicht um den Stier, sondern es stellt sich die Frage, welche juristischen wie politischen Konsequenzen das mit sich bringen könnte. Das Verfassungsgericht wird es uns beantworten.

Die spanischen Medien betrachteten es auf Distanz. Aber die Kommentaristen der grössten Mediengruppe VOCENTO waren sich dennoch einig. Teodoro León Gros stellte fest: “ Hier geht es nicht um Ökologie sondern um Politik. Es sind keine antitaurinos sondern antiespañoles die das mythische Symbol Spaniens von der Landkarte radieren wollen.” Und Rosa Belmonte differenziert: “Catalonia is not Spain!” Auch hier scheinen alle einer Meinung zu sein. Es geht nicht um Tierschutz sondern alles wirkt wie pures politisches katalanisches Kalkül. Und nicht umsonst erschienen weltweit die meisten Zeitungsartikel zu diesem Thema nicht wie üblich in der Rubrik “Kultur” oder “Panorama”, sondern in der Sektion “Politik”.

Und der toro?

Kommen wir zurück zur Frage. Kennen Sie Toro? Nicht den toro, sondern Toro? Weinliebhabern dürfte diese Region bekannt sein. Ich aber spreche von einer 10.000 Seelengemeinde in der Provinz Zamora, die schon im 14. und 15. Jahrhundert unter Heinrich III, Isabella von Kastilien, Ferdinand II von Aragon und Johanna der Wahnsinnigen, zu historischem Ruhm gelangte. In Toro gab es natürlich toros, und das schon seit 1828. Doch mit der Zeit verblich die tauromaquia und die plaza de toros führte ein eher tristes gar kümmerliches Dasein. Doch sie wurde wieder hergerichtet und 2008 zum Kulturerbe erklärt. Und jetzt, gerade vorletzten Sonntag gab es wieder toros in Toro! Vor 3.800 Zuschauern wurde sie mit einer corrida de toros feierlich eingeweiht, wo die maestros mit sechs orejas triumphierten.

Und nur fünf Tage später trotzte dem katalanischen antitaurinismo ein weiteres Städtchen mit seiner taurinischen Wiedergeburt:  Archidona in Andalusien. In deren berühmten Plaza Ochavada wurde eine plaza de toros portátil errichtet, deren Kulisse so spektakulär war, dass die corrida de toros live im TV übertragen wurde.

Und da alle guten Dinge drei sind begeben wir uns in die Heimat des Don Quijotes, in die La Mancha. In Villarrubia de los Ojos wurde vor einer Woche gleich eine neue plaza de toros eingeweiht. Vor 3.500 Zuschauern gaben sich die bekannten matadores de toros El Cid, Miguel Ángel Perera und Alejandro Talavante mit neun orejas und einem rabo ein unterhaltsames Stelldichein.

3 : 1 für die tauromaquia

Jetzt brauchen wir nur ein wenig zu rechnen. Während die Tierschützer schon seit Jahren versuchen den Stierkampf in nur einer Stadt zu unterbinden, nämlich Barcelona, und dem wohl auch ein Stück näher gekommen sind, haben die taurinos in nur einer Woche gleich drei plaza de toros aktiviert. Nur die afición hängt es nicht an die grosse Glocke.

… kommen wir zurück zu den unbeugsamen Katalanen. Zwar sind sie immer ausgezogen um ordentlich alles durcheinander zu wirbeln, viele zu verärgern, aber letztendlich haben sie sich stets in ihr kleines Dorf wieder zurückgezogen. Nicht anders wird es dem katalanischen antitaurismo ergehen … wenn überhaupt.

Montag, 12. Juli 2010

Spanien zeigt Flagge

Und er ist auch dabei: el toro bravo

Alle haben gestern gefeiert. Spanien ist Weltmeister 2010. Sie haben ihre Aufgabe als Favorit erfüllt. Und so begab sich heute Nacht ganz Spanien auf die Strassen. ¡Viva España! Festlich gekleidet zogen sie sich die Flagge an. Alles in rot, und als Verzierung die rot-gelb-rote Flagge. Grosse und kleinere Fahne meist mit dem königlichen Wappen versehen. Doch wer genauer hinsah konnte auch ihn entdecken: Den spanischen Stier! ¡El toro bravo! Und nicht zu wenig. Ich fragte nach, warum denn der Stier? Hör mal, bekam ich als Antwort, der Stier gehört genauso zu Spanien wie der Weltmeistertitel. Das erinnert mich an die Worte von Philipp II der 1567 feststellte, dass die Stiere den Spaniern im Blut liegen.
Wie der Osborne-Stier auf den grossen Reklametafeln gehört auch der toro bravo für viele Spanier mit aller Selbstverständlichkeit zur spanischen Identität. Spanien und der Stier, es wird noch sehr lange dauern gegen dieses Image anzukämpfen.

Samstag, 26. Juni 2010

Das Geld der Touristen

Dass der Stierkampf nicht für die Touristen ist, dürfte weitgehend bekannt sein (siehe Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus!). Trotzdem versuchen immer noch eine Handvoll empresarios (Manager von meist kleinen Plaza de toros) in touristisch intensiven Zonen an das Portemonnaie einiger Urlauber zu kommen. Dagegen ist ja auch grundsätzlich nichts zu sagen, doch was die Touristen dort für viel Geld geboten bekommen übersteigt schon jede Unverschämtheit. Oft sind es nur vier Jungstiere, manchmal Kälber an denen sich meistens nicht professionelle Amateure oder Jungstierkämpfer üben können. Solche Veranstaltungen dauern in der Regel eine knappe Stunde. Zum Vergleich, ein klassische corrida de toros geht über zwei Stunden und mehr.
Hier an der Costa del Sol sind es vor allem die Plaza de toros von Benalmádena, Torremolinos, Mijas und Marbella die an das Geld der Touristen wollen. Die zuletzt genannten beiden Städte veranstalten einen solchen Stierkampf am nächsten Sonntag. Fairerweise sollte man aber noch hinzufügen, dass in Marbella und Torremolinos auch richtige corridas de toros und novilladas organisiert werden.

Stierkampf und Flamenco

Um die Touristen noch mehr zu locken, haben sich die Veranstalter etwas Neues ausgedacht. ¡Dos en uno! Zwei in Einem! Flamenco und Stierkampf. Dabei sparen sie sogar noch Geld. Statt in einen vierten Stier zu investieren engagieren sie eine günstigere Flamencogruppe, Amateure die noch vor dem Stierkampf im ruedo für 20 bis 30 Minuten ihr Bestes geben.

Die Spanier dürfen umsonst rein

Kaum zu glauben aber war! Denn die tendidos lassen sich mit den Touristen kaum füllen. Ein Mitarbeiter des cosos von Benalmádena sagte mir mal, an so einem Tag verkaufen wir an die 200 bis 400 entradas. Die Menschen gehen natürlich in der 3.600 Personen fassenden Plaza de toros vollkommen unter. Und um eine gewisse Stimmung zu garantieren werden viele invitaciones, Einladungen unter den Einheimischen verteilt. Im Mijas wird das anders geregelt. Da öffnen sich kurz vor Beginn der Veranstaltung die Tore zum sombra (dem Schattenbereich) und eine Menge Einheimischer lässt sich auf den noch freien Plätzen nieder.

Preise die es in sich haben!


Marbella:
GRAN CORRIDA DE NOVILLOS SIN PICADORES
Stiere: 4 Novillos (*1)
Toreros: Jesus Torres und Juan Reyes
Barrera Sombra: 85 €
Barrera Sol: 65 €
Tendidos: 50 bis 65€


Benalmádena:
GRAN CORRIDA DE NOVILLOS SIN PICADORES
Stiere: 4 Erales (*2)
Toreros: Juan Antonio Valverde und Pablo Hernandez
Barrera Sombra: 90€
Barrera Sol: 75€
Tendidos: 50 bis 65€


Mijas:
2 GRANDES ACONTECIMIENTOS EN UNO
TOROS Y FLAMENCO
Stiere: 3 Ejemplares (*3)
Toreros: José Luís Cabrero, Ivan Menacho, Sanchez Beltran
Barrera Sombra: 95 €
Barrera Sol: 80€
Tendidos: 50 bis 65€


Anmerkungen:
*1 Novillos = Jungstiere bis zu 3 Jahren
*2 Erales = Jungstiere bis zu 2 Jahren
*3 Ejemplares = Also Exemplare und der Züchter kann hier seine billigsten Tiere an den Mann bringen. Oder auch umgekehrt, dass der Veranstalter günstigste Tiere wählt. In der Regel werden becerros, also Kälber eingesetzt, die sich noch nicht novillos nennen dürfen.

Warum so teuer?

Die Erklärung ist einfach. Zum einen sprechen sie zu wenig Urlauber damit an, als dass es lohnend wäre. Zum anderen bekommen die Vermittler (El Corte Inglés, Carrefour, Hotels, Reiseveranstalter und Reisbüros) ihr Kommission. Und schliesslich will ja auch noch der kostenlose Shuttle-Service finanziert werden.

Was kann man als Tourist tun?

Eigentlich lautet die Frage, wie erkenne ich als Urlauber eine solche Touristenfalle? Grundsätzlich an den Plakaten. Mit einem Format von ungefähr 30 cm Höhe und ca. 12 cm Breite liegen sie an den Hotelrezeptionen und Reisebüros aus. Und das Erste was einem auffallen sollte, ist der Hinweis “BUS GRATIS - FREE BUS”. Da kann man schon davon ausgehen, dass Touristen damit angesprochen werden. Plaza de toros wie Málaga oder Fuengirola, wo es richtige corridas de toros oder novilladas zu sehen gibt haben das gar nicht nötig.
Zwar sind solche Plakate nett anzusehen, lassen Sie sich aber dadurch nicht täuschen. Die Stiere sind längst nicht so gross wie dort dargestellt. Auch die toreros entsprechen nicht der Wahrheit. Zu der Veranstaltung in Mijas zum Beispiel ist der Starmatador Enrique Ponce abgebildet. Der hat gewiss diese Stierkampfarena nicht einmal von aussen gesehen.


Um ganz sicher zu gehen, sollten sie eine Tourist-Information aufsuchen und nach einem richtigen Stierkampf fragen, einer corrida de toros, wo eben die Spanier hingehen. Hier an der Costa del Sol sind das vor allem Málaga und Fuengirola aber auch gelegentlich Torremolinos, Estepona und Marbella.

Freitag, 4. Juni 2010

Die Tragödie von Alhaurín el Grande

Täglich wird in fast allen Medien davon berichtet und gestern wurden die ersten sechs jungen Leute von der Guardia Civil verhaftet. Dabei gibt es viele offene Fragen:
  • Warum hat das Publikum nicht eingegriffen?
  • Warum waren weder Policía Local noch Guardia Civil präsent?
  • Warum waren keine professionellen toreros anwesend, um die Veranstaltung zu überwachen, wie es zum Beispiel in Fuengirola der Fall ist?

Und jetzt eine der wichtigsten Fragen?

  • Überall können wir nachlesen, dass diese Veranstaltung in Alhaurín von der CACMA (Colectivo Andaluz Contra el Maltrato Animal) dokumentiert worden ist um es sofort an die Medien weiterzuleiten. Es waren also Tierschützer vor Ort. Dann stellt sich doch die Frage, warum um Himmels Willen, haben die Tierschützer nicht interveniert? Zumal es doch gerade die Tierschützer waren, die kritisierten, dass das Publikum nicht eingegriffen hätte.

Fast ausnahmslos alle verurteilen das Geschehene. Auch die afición. Doch dann kann man sich nur noch wundern, denn die antitaurinos erkennen das mit der afición nicht an. Wollen es nicht anerkennen. Schnell ist da die Rede von Heuchelei und die Meinung sei nur offiziell. Und das Verbot der suelta de vacas wird als Bauernopfer von Stierkampffanatikern bezeichnet oder als ein Zugeständnis der Tauromafia.

Einer der jungen Leute aus Alhaurín el Grande, der die vacas misshandelt hatte bekam unerwarteten Besuch:


Mittwoch, 2. Juni 2010

Eine Schande für die Tauromaquia

In der Provinz Málaga wurden am letzten Wochenende Kühe bis in den Tod brutal misshandelt
Alhaurín el Grande ist eine knapp 24.000 Seelengemeinde im Norden der Sierra de Mijas in der Provinz Málaga. Eine Kleinstadt in der sich schon die Phönizier, die Römer, die Araber und Westgoten tummelten. Und heute ist es ein friedlicher Ort mit vielen bekannten Persönlichkeiten wie der Schriftsteller Antonio Gala oder der 1987 verstorbene Gerald Brenan und zahlreichen ausländische Residenten. Wie in jedem Jahr so wurde auch jetzt Ende Mai die Feria gefeiert. Als besonderes Spektakel eine suelta de vaquillas, ein Freilassen von jungen Kühen in der Plaza de toros, denen sich dann die meist jungen Leute gegenüber stellen können um ihren Mut unter Beweis zu stellen. Oft sind diese Leute in so genannten peñas taurinas organisiert und stellen an ihre Auftritte irgendwelche Herausforderungen. Sei es über die Kühe zu springen wie die recortadores, oder die vaquilla einfach nach portugiesischem Stiel festzuhalten, wie es die forcados tun. Andere versuchen es im klassischen Stiel mit der roten muleta oder der capa. Wieder andere üben sich in Clownerien, wie bomberos toreros. Im Grunde genommen eine eher spassige Veranstaltung, bei der die Kühe weder verletzt noch getötet werden sollen. Doch aus dieser Unterhaltung wurde in Alhaurín el Grande bitterer Ernst.
Zahlreiche Jungendliche, im Jugendzelt auf dem Kirmesgelände bis in die frühen Morgenstunden durchgezecht hatten begaben sich bei Sonnenaufgang, bewaffnet mit je einer cubata (ein Ein-Liter-Trinkkübel mit alkoholischer Mischung) Richtung Plaza de toros. Dort nahmen sie an einer suelta de vaquillas teil, wo sie eine junge Kuh nach langen und willkürlichsten Misshandlungen, wie kräftige Fusstritte, in den Tod trieben.
Warnung: Dieses Video enthält Inhalte mit teilweise brutalen Szenen, die die Sensibilität einiger Nutzer treffen könnte.


Eine solche Veranstaltung empörte nicht nur Tierschützer, sondern auch die Bevölkerung von Alhaurín und die afición selbst. Das habe nichts mit Stierkampf zu tun, hiess es da, weder kunstvolle Manöver, noch Eleganz und schon gar nichts mit Würde. “Da bräuchte man auch keine Stiere oder Kühe dazu, man hätte jedes beliebige Wesen nehmen können,” beschwerte sich unser Nachbar Andrés und fügte hinzu, ”und ich bin mir sicher dass diese jungen Betrunkenen nicht mal Gäste in den tendidos sind, wenn es einen richtigen Stierkampf gibt! Die haben von der tauromaquia nicht die leiseste Ahnung.” Diese Meinung scheint weit verbreitet. Selbst die Presse berichtet auf nationalem Niveau und überall wird diese Veranstaltung verurteilt.
Bei so viel nationalem Druck musste der Bürgermeister Don Juan Martín Serón schnell handeln und sprach schon am nächsten Tag ein Verbot mit sofortiger Wirkung von allen sueltas de vaquillas in seinem Bereich aus. Ich glaube es ist somit eines der ersten Male, wo afición, antitaurinos und Tierschützer am selben Strang gezogen haben.
Die Staatsanwaltschaft überprüft zurzeit ob sie juristische Schritte in den Wege leiten soll. Das Problem bei solchen Veranstaltungen ist die Rechtslage. Im Gegensatz zum Beispiel einer corrida de toros gibt es weder beim Innenministerium noch bei den lokalen Obrigkeiten diesbezüglich irgendein Regelwerk. Somit sind die Tiere der reinen Willkürlichkeit der Bevölkerung vollkommen ausgesetzt. Und so kam es, dass weder die Guardia Civil noch die Policía Local in der Plaza de toros präsent waren.

Ausländische Tierschützer machen dabei aber keinen Unterschied. Stierkampf sei Stierkampf; punkt aus. Wie schon in dem Beitrag Ich bin gegen Stierfeste! zu lesen ist, solche Veranstaltung schaden der mundo de los loros, denn mit tauromaquia hat das gewiss nichts zu.

Freitag, 28. Mai 2010

¡Sí a los toros!

Die pharmazeutische Genossenschaft bekennt sich zum Stierkampf!
Noch bis zum 12. Juni 2010 kann man bei der pharmazeutischen Genossenschaft COFARAN die Ausstellung ¡Sí a los toros! besuchen. Sechs Künstler, Andrés Mérida, Rogerio Abreu, Nacho Alcalá, Juan Charro, Antonio Pastor und David Vaamonde zeigen hier Photografien, Bilder und Skulpturen die ihre Sichtweise der Tauromaquia aufzeigen. Andrés Mérida sagte hierzu der spanischen Tageszeitung SUR, “Das sei kein Anspruch oder eine Forderung sondern eine Bestätigung, was die Welt der Stiere für uns bedeutet. Wir wollen lediglich aufzeigen, dass die fiesta nacional es Wert ist weiterhin fortzubestehen. Die fiesta aus unserer Kultur zu eleminieren wäre das Gleiche, wie die Kunstwerke eines Goyas, eines Picassos oder eines anderen bekannten Künstlers zu ignorieren.” Und fügt hinzu, “Im ruedo sehe ich nicht die Gewalt wie sie andere Menschen sehen. Für mich ist es ein Kampf. In meinen Genen fliesst einiges an taurinischer Kultur. Das ist eine ganz persönliche Sichtweise, und dieses ästhetische Gefühl möchte ich mit meinen Bilder vermitteln.” Er sein ein aficionado de toros aber auch ein aficionado der Kultur. Gerade in diesen Zeiten, wo amerikanische Franchise Projekte und riesen grosse Einkaufszentren den Markt überschwemmen sei es doch mal notwendig ein Zeichen für unsere wahre eigentliche Identität zu setzen.
Diese Ausstellung sei ein “Brindis por la fiesta nacional”, ein “Hoch” auf den spanischen, französischen und portugiesischen Stierkampf.

'SÍ A LOS TOROS'

Künstler: Andrés Mérida, Rogerio Abreu, Nacho Alcalá, Juan Charro, Antonio Pastor und der Franzose David Vaamonde.
Sala de Exposiciones Cofaran: Sede de la cooperativa farmacéutica Cofarán. C/ Prokofiev, s/n. Polígono Trévenez, Málaga
Montag bis Freitags: 10.00 bis 13.30 und von 17.30 bis 19.30 Uhr
Der Eintritt ist frei

Mittwoch, 28. April 2010

Sterben für die Unsterblichkeit

… doch der Tod am Nachmittag muss noch warten!

José Tomás wurde in Mexiko lebensgefährlich verletzt. Viel wurde schon darüber geschrieben. Wer es nachlesen möchte kann dies gerne bei tauromaquia.de (Heute … 2010) tun. Dem brauch ich nicht mehr viel 
hinzuzufügen.





Mir ist am Montag etwas anderes aufgefallen. Ging man zu einem Zeitungsstand konnte man feststellen dass wirklich ausnahmslos auf allen Titelseiten spanischer Tageszeitungen mit einem grossen Foto davon berichtet worden ist. Im Inneren folgten meist mehrseitige Artikel. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben.

Fernsehanstalten und Radiosender berichten regelmässig und im Stundenrhythmus wird das spanische Volk über den Gesundheitszustand des matadores de toros informiert.

Auch in den Tagen danach wird in den Medien mehrseitig berichtet und es werden Parallelen zu den toreros gezogen, die bei einer corrida de toros ihr Leben liessen, wie Joselito (1920), Manolete (1947), Paquirri (1984) oder El Yiyo (1985). Ganz nach dem Motto “Sterben für die Unsterblichkeit”. Doch “la mano de dios”, die Hand Gottes hatte andere Pläne. Denn der banderillero Diego Martínez war der eigentliche Held des Tages. Er presste, als der verwundete matador aus dem ruedo getragen wurde, seine Hand auf die Wunde um noch mehr Blutverlust zu verhindern, und nur deswegen hatte José Tomás überhaupt erst eine Chance zu überleben. Der Tod am Nachmittag muss also noch warten.

Selbst in der Weltpresse wird davon berichtet. Eher neutral oder mit Erstaunen, wie dieser Vorfall Spanien beschäftigt.

Und den Tod den Taurinos – zweiter Teil

Die Tierschutzverbände haben diese Nachricht eher mit Genugtuung aufgenommen. “Die Bestie” so wird José Tomás in antitaurinischen Kreisen genannt, hat es endlich erwischt. Und so können wir von Nathalie Dubois (Pro Tier) vernehmen, dass da sicher kein Mitleid aufkomme.
Es gibt aber auch Kommentare dazu, wie zum Beispiel bei SOS Galgos die irgendwie an den Beitrag Tod den Taurinos erinnern:

“Ich hoffe so sehr, dass dieser nichtsnutzige Torero stirbt !!!”

“B R A V O – für den Stier, leider gibt’s für ihn kein zweites Mal. Hoffe dass es irgendwann einem Kollegen gelingt, diesen primitiven Feigling final zur Strecke zu bringen.

“Ich habe es mir angesehen und ich muss sagen ………………ich habe es genossen. … Lebenslängliche unerträgliche Schmerzen und dann wünsche ich ihm noch dass er Uralt werden soll!

"Hoffentlich wird ihn bald ein Stier töten oder verkrüppeln."

Den taurinos wird von antitaurinos oft das Menschsein abgesprochen, doch sich am Tod oder Leiden eines Menschen zu erfreuen …

Donnerstag, 8. April 2010

Plaza Nostra: Die Mafia der Tauromaquia

Über die bildhaften Phantasien der Tierschützer

Unter Bildern verstehen wir visuelle Darstellungen, die in der Regel beim Betrachter eine gewisse emotionale Reaktion auslösen sollten. In der Kunst mit der Hand gefertigt oder in der Fotografie wie beim Film eine optische Reproduktion der Realität. Einer Wirklichkeit die sich allerdings oftmals als gestaltet darstellt; der Dramaturgie wegen.

So entsteht der Eindruck, dass den antitaurinos in Sachen Stierkampf die rhetorischen Mittel auszugehen scheinen. Und statt zu argumentieren versuchen sie nun mit bildgewaltigen Darstellungen verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. Denn, so können wir an verschiedenen Stellen lesen, wie auch in diesem Blog “Una imagen vale más que mil palabras” bzw. in der deutschen Variante bei SOS Galgos “Bilder sagen mehr als Worte”. Fairerweise sollte man hinzufügen, dass sich besagtes Zitat auf die Demonstration in Madrid bezog. Und noch fairer wäre es zu erwähnen, den bildlichen Beweis der 25.000 Personen sind sie nach wie vor einer breiten Öffentlichkeit schuldig.

Und trotzdem entstehen Bilder, Plakate und anderes aufgeputschtes Fotomaterial mit teilweise doch sehr brutalen Sequenzen. Dabei wird geschickt und farblich unterstützt meistens auf das Blut fokussiert. Da kommt einen der Vergleich mit Bildern einer Operation in den Sinn. Solche chirurgischen Eingriffe sind alles andere als appetitlich. Im Gegenteil sogar, sie schrecken eher ab, sich in das OP zu begeben. Und dabei kommt keiner auf die Idee diese Operationen in Frage zu stellen.

Gerne werden auch Holocaustvergleiche genannt. Stierkämpfer seien Massenmörder! Stierzuchten und Stierkampfarenen erinnerten an Konzentrationslager. Erinnern wir uns an die Holocaust-Kampagne von PETA. Zwar ging es hier nicht um den Stierkampf selbst, zeigt aber gut auf, wie solche Aktionen rechtlich in Frage zu stellen sind. Das Motto "Der Holocaust auf ihrem Teller". Auf der linken Seite der Plakate ausgehungerte KZ-Opfer, übereinanderliegend in engsten Bettgestellen, und auf der rechten Seite Hennen in einer Legebatterie und darüber der Schriftzug: „Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi“.PETA wollte bewusst die Massentierhandlung mit KZ`s gleichstellen um zu provozieren und um den Betrachter zu schockieren! Die SUEDDEUTSCHE TAGESZEITUNG bezeichnete diese Kampagne als einfach nur schmierig!

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte 2004 vor Gericht eine Verfügung erwirkt. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden bezeichnete damals diese Fotomontagen als "menschenverachtend und als eine Beleidigung aller Opfer des Holocaust".

Als im März 2004 Harald Ullmann, der zweite Vorsitzende der deutschen PETA-Sektion, vom SPIEGEL-Reporter Hauke Goos gefragt wurde, warum denn die PETA Kampagne sich auf das Jahr 1938 bezöge, zuckte Herr Ullman nur mit den Schultern. Keine Ahnung, sie hätten die Zahl vom Hauptquartier bekommen. So viel in Sachen zum ethischen Verständnis gewisser Tierschützer.

Auch eine regelrechte Filmbranche ist im Begriff der Entstehung. Antitaurinisches Hollywood. Effektvoll werden Musik und Bild zu dramatischen Sequenzen verknüpft um nur eine Botschaft zu vermitteln: Verbot von Stierkämpfen! Der jüngste Streifen heisst "Die Bestie kehrt nach Santander zurück!" Vuelve la Bestia a Santander!


Da kommt man gar nicht um herum die Frage zu stellen, entsprechen diese Werbekampagnen überhaupt jener Kinderfreundlichkeit, mit der die antitaurinos den Stierkampf an den Pranger stellen? Keiner wird gezwungen Stierkämpfe zu besuchen, aber durch solche Werbemassnahmen wird brutales Bildmaterial einer Öffentlichkeit gezeigt ohne eine jede Altersbegrenzung.

Gerade in dieser Woche bei Menschen bei Maischberger verkündete der Publizist und Dokumentarfilmer Michael Mirsch, dass Tierschutzorganisationen einseitiges Material einsetzen, was der Realität nicht immer oder sogar öfters nicht entsprechen würde.
Fast alle Tierschutzorganisationen sprechen von der Stierkampf-Lobby. Der Mafia der tauromaquia. Skrupellose Promotoren die sich in einer Art Geheimbund organisieren und von dort aus ihre Fäden ausstrecken. Mit ihrem Machtimperium kontrollieren sie alle spanischen Medien, sogar Polizeiangaben sollen beeinflusst worden sein. Prominenz aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft stehen auf ihren Gehaltslisten und sind gern gesehene Gäste bei den corridas de toros. Und schliesslich wagen sie es, die Macher der Sierkampfszenerie, auch noch Subventionen zu erhalten. Die Stierkampfarena sei eine Plaza Nostra, ein Sündenpfuhl, wo gewalttätige Machos ihren perversen Vergnügen nachgehen können. Natürlich zu Gunsten geldgieriger Mafiosos und auf Kosten armer Lebewesen. 

Mal im Ernst. Sind solche Interpretationen auch nur im leisesten Ansatz haltbar? Sind toreros nicht Schauspieler, Menschen die darstellen? Sind empresarios nicht Veranstalter, Intendanten eines Schauspiels? Personen mit Verantwortung? Einer Verantwortung die in der spanischen Verfassung verankert ist? Sind es nicht auch Steuerzahler? Demokratie ist und bleibt Demokratie, dass sollten auch Tierschützer respektieren!

Kommen wir zurück zum Bild. Das Wort selbst ist vom hochdeutschen bilidi abgeleitet und stand ursprünglich für ein Wunder. Wahrlich, auf ein Wunder können antitaurinos nur hoffen.

Sonntag, 28. März 2010

Doch so viele oder nur so wenig?

Mehr als 2.000 Gegner von Stierkämpfen demonstrierten in Madrid. Muss sich die afición sorgen? Sicherlich nicht!
Der 28. März 2010 sollte der Startschuss einer grossen Kampagne der antitaurinos für ein Verbot von Stierkämpfen werden. Dazu haben sie zu einer Grosskungebung in Madrid aufgerufen. Und damit es der Demonstranten nicht zu wenige werden, haben sie vorsichtshalber mit Bussen ordentlich Unterstützung aus der katalanischen Region in die spanischen Hauptstadt gekarrt. Viele sollten es sein, sehr viele, so viele wie möglich!
Und da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Welt der Stierkämpfe sich einen Moment von ihrem Domingo de Ramos mit den Prozessionen abwendete um einen Blick in die Metropole zu werfen. Schliesslich wollte man doch auch wissen, was da auf einen zukommen könnte. Während die taurinos sich fragten, welche Zahl an Demonstranten zum Nachdenken anrege, beschäftigte die Veranstalter eher die Frage nach dem Minimum an Beteiligung um überhaupt irgendetwas in Bewegung setzen zu können. Und schon lesen wir bei der antitaurinisch eingestellten Zeitung Público, dass die Organisatoren eine Beteiligung von an die 25.000 Personen angeben. Um dem nicht zu widersprechen bezifferte man dann im selben Blatt die Beteiligung als “Miles de personas” (Tausende von Menschen), ohne dabei irgendwie konkret zu werden.
Doch die grösste spanische Tageszeitung, EL PAIS sah es nach eigenen Recherchen ein wenig anders. Zwischen 2.000 und 3.000 Demonstranten sollen sich mit Pappschildern bewaffnet und viel Geschrei zur Puerta del Sol begeben haben. Lautstark schrien sie “Esperanza, te gusta la matanza” (“Esperanza, dir gefällt das Gemetzel"), in Anspielung auf Esperanza Aguirre, der Chefin der Regionalregierung von Madrid, die mit als erste Person des politischen Lebens den antitaurinos Kontra bot und verkündete, den Stierkampf zum regionalen Kulturerbe erklären zu lassen. Denn dass die afición es nun wagt ihre afición zu verteidigen, stösst bei den Tierschützern auf allerhöchste Empörung.
Zwei- bis dreitausend Demonstranten! Was sagt uns diese Zahl? Doch so viele oder nur so wenig? Vergleicht man diese Zahlen mit den Zuschauerzahlen von Stierkämpfen in Madrid ist die Erkenntnis eindeutig. In den Monaten Mai und Juni gibt es allein in der plaza de toros von Madrid 36 Stierkämpfe. Bei einer Kapazität von 24.000 Zuschauern käme man auf die stolze Zahl von über 850.000 verkauften entradas. Natürlich, nicht alle Tage sind gut besucht, aber auf eine Zahl kann man sich sicherlich einigen. Denn mehr als eine halbe Million werden es schon sein. Wahrscheinblich an die 700.00'0. Und wenn man dann dieses, man kann ruhig sagen, etwas grössere Häufchen an antitaurinos gegenüberstellt, liegen die Demonstranten bei weit unter einem Prozent. Das ist weder genug noch politisch gesehen irgendwie relevant.
“Nicht umsonst sprechen die Veranstalter von 25.000 Teilnehmern”, erklärt mir ein Freund, “denn mit dieser Zahl wollten sie die 24.000 Zuschauer, die so eine corrida an einem Nachmittag in Las Ventas verfolgen, übertreffen.” Das leuchtet ein. Aber selbst ein solches Ziel scheint in ziemlich weiter Ferne zu liegen; fehlen da noch weit mehr als 85 Prozent!
Man kann die Zahlen drehen und wenden wie man will, man kann vergleichen oder Statistiken erstellen, den Gegnern von Stierkämpfen bleibt nur die traurige Erkenntnis, dass es einfach nicht gereicht hat. Es waren halt nur so wenig! Und die afición erinnert sich irgendwie an das Jahr 1600, wo William Shakespeare die Feder zur Hand nahm und schrieb:

Montag, 15. März 2010

Schlafende Stiere sollte man nicht wecken!

Katalonien: Wenn der Schuss nach hinten losgeht!

Sie haben allen Grund zum Jubeln. Den Champagner könnten sie schon mal kalt stellen. Denn noch nie waren sie, die antitaurinos, ihrem Ziel, einem Verbot von Stierkämpfen in Katalonien, so nahe wie in diesen Tagen. Die abolición de las corridas de toros en Cataluña in greifbarer Nähe. Doch ist es wirklich das, was die Tierschützer eigentlich erreichen wollen?

Erinnern wir uns. Im Jahr 2007 preschten deutsche, österreichische und britische Tierschützer nach Brüssel und forderten ein “europaweites Verbot von Stierkämpfen!”. Nun, Katalonien ist nicht Europa. Und genau genommen wollen die Katalanen nicht mal Spanier sein, welche sich ja als ein Teil Europas verstehen, sogar den Vorsitz führen. Kommt es also zu einem Verbot, können sich die antitaurinos rühmen eine Gebiet überzeugt zu haben, welches 1,4 Prozent der Bürger der Europäischen Union beansprucht.

Um ihr Ziel zu erreichen, liessen sich die Tierschützer vor den katalanischen Karren spannen. Mit politischer Autorität lasse sich vielleicht etwas mehr erreichen. Dachten sie! Doch sie wurden eines anderen belehrt, denn es ging vielmehr um katalanisches Freiheitsdenken als um die Abschaffung der tauromaquia. Das erkannten auch resignierte Tierschützer: “Es geht doch nicht gegen Spanien, sondern um Tierschutz!”, verkündeten sie vor knapp zwei Wochen in der Tageszeitung EL PAIS.
Ihre Hoffnung ein Verbot von Stierkämpfen in Katalonien würde im restlichen Spanien Nachahmer finden wurde enttäuscht. Ein möglicher Dominoeffekt wird definitiv ausbleiben. Im Gegenteil sogar, der Schuss ging nach hinten los, denn Spaniens Regionen wurden so überhaupt erst einmal wach gerüttelt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie den antitaurinischen Initiativen eher mit nicht all zu viel Respekt begegnet. Sie haben sie nicht einmal zur Kenntnis genommen.
Wie konnten wir damals beim deutschen Internetportal La Tauromaquia lesen? „Ich habe den Verdacht, dass in Spanien die Meinung herrscht, dass die Pyrenäen hoch genug seien, damit kein Brüsseler Gesetz 'drüberweg kommt...". Ob Brüssel oder Tierschützer aus dem Ausland, man nahm sie nicht war. Doch jetzt werden sie langsam zur Plage und schneller als jedem antitaurino recht ist, fahren die taurinos ihre Verteidigungsgeschütze auf. Gleich drei Regionen, Madrid, Murcia und Valencia boten innerhalb weniger Stunden ein eindeutiges Contra. Weitere Region werden sich anschliessen und Spanien wird, wie schon jemand in einem Kommentar in diesem Blog erwähnte zu einer uneinnehmbaren Festung der tauromaquia.

Und während man in Katalonien streitet und die ausländischen Tierschutzportale jubeln, läuft auf der Iberischen Halbinsel die neue Stierkampf-Saison an. Mit nicht wenig Erfolg. Wo auch immer die ersten corridas de toros zu sehen waren, meistens mit einem ¡No hay billetes! – ausverkauft! Da können die Tierschützer nun wirklich nicht von einem Erfolg sprechen.

Mittwoch, 10. März 2010

Von der Sinnlosigkeit eines Boykotts

Um ihr Ziel eines Verbotes von Stierkämpfen zu erreichen fordern Tierschützer gleich zu mehreren Boykotts auf

In der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 ist zu lesen: “Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.” Dabei findet der letzte Teil, “ohne Rücksicht auf Grenzen” beim Tierschutz sicherlich seine eigene Interpretation.

Um ihr Ziel eines europaweiten Verbotes von Stierkämpfen näher zu kommen, scheint den antitaurinos fast jedes Mittel recht. Gerade am Dienstag dieser Woche konnten wir beim Internetportal von SOS Galgos einen Boykottaufruf spanischer Waren zur Kenntnis nehmen. Als Erklärung heisst es, “das Land steckt in der Krise, das Gesundheitssystem ist schlecht, Kranke warten monatelang auf einen Operationstermin, für jedes “OLÉ” welches man schreit, bleibt ein weiterer Patient ohne Operationssaal und vielen spanischen Familien steht das Wasser bis zum Hals.” Mit anderen Worten, durch den Boykott wird letztendlich dem Patienten geholfen. Dies zu glauben sei einem jeden selbst überlassen.

Die Organisation tierdach.de ruft zum Boykott spanischer Sponsoren auf. Hier wird die Liste allerdings lang (siehe Stierkampf in der Werbung). Besonders bezieht man sich da auf IBERIA, weil sie mit dem torero El Juli werben sowie die Firmen Volkswagen, Cadillac, Renault, Daimler Chrysler, Easy Jet, Jim Beam und Lidl. Auch Bücher und Touristenführer stehen im Schussfeld, die nur andeutungsweise neutral über den Stierkampf berichten.

Die Tierrechtsbewegung Flensburg zielt auf die Reisebranche: Boykott von Reisebüros, Reiseveranstaltern, Hotels und Restaurants. Dabei soll man sich auch die Mühe machen den jeweiligen Institutionen mitzuteilen, warum man deren Dienstleistung nicht in Anspruch nimmt. Die deutschen Organisationen animal 2ooo und die Initiative Anti-Corrida haben per Internet zu einem generellen Tourismusboykott aufgerufen, wie auch die Arbeitsgemeinschaft Tier & Welt von einem konsequenten Boykott der Luftlinien und der Touristikbranche spricht.

Bei Foren zum Tierrechtsdiskurs wird generell gefordert Spanien konsequent zu boykottieren. Dieser allgemeine Spanienboykott findet sich allerdings auch auf anderen Anti-Stierkampf-Portalen.

Vor einem Jahr wurde ich von einer lokalen Anti-Stierkampf-Organisation sogar zu einem Boykott einer Picasso & Goya –Ausstellung in Fuengirola aufgefordert, weil es dort Exponate mit Stierkampfmotiven zu sehen gab.

Diese Aufzählung könnte sicherlich noch unentwegt fortgesetzt werden. Souvenirläden, Kunstobjekte, Museen, Theater und Opernhäuser etc.. Alles sei radikal zu boykottieren. Den Empfehlungen eines Boykotts scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Und was ist mit dem Danach? Dem Fleisch der toros nach einer corrida? Den Verzehr auch boykottieren?

Glauben überzeugte Tierschützer wirklich, mit diesen Boykottmassnahmen nur annähernd etwas erreichen zu können? Besinnen wir uns, die Welt der Stiere lebt nicht vom Tourismus (Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus). Auch fügt ein Boykott anderer ökonomischer Betriebe dieser Branche keinen finanziellen Schaden zu. Mal ehrlich, ob nun eine Fluglinie wie IBERIA wirtschaftliche Verluste erleidet, das interessiert aus dem Umfeld der tauromaquia doch wirklich keinen. Und grosse Konzerne wie Daimler, Volkswagen, Lidl und Co. werden bei Umsatzverlusten ganz bestimmt nicht in der Welt der toros die Schuldigen suchen oder gar vermuten.

Freitag, 5. März 2010

Natürlich tut das weh!

In Katalonien wird über den Stierkampf diskutiert. Auch das nationale Interesse ist grösser geworden. Fast alle Tageszeitungen berichten täglich gar auf mehreren Seiten davon. Dabei fiel das Augenmerk eigentlich fast gar nicht auf die Aussagen der taurinos, sondern viel mehr auf die verbalen und emotionalen Geschosse der Stierkampfgegner. Gewiss es gab auch relativ sachliche Anmerkungen wie die des Ethologen Jordi Casamitjana: “Vom ökologischen und zoologischen Standpunkt betrachtet leidet der Stier … und Schuld daran ist die corrida de toros.”  Eine klare Aussage.

Doch als der baskische Philosoph Jesús Mosterín das Wort ergriff, bekam die Debatte eine neue Dimension:  “Wir regen uns darüber auf, dass in Afrika die Klitoris der Frau beschnitten wird,” und fügt an späterer Stelle hinzu, “Die Misshandlung der Frau sei ebenfalls eine Tradition.” Beide Vorgänge sind Verbrechen, kriminelle Handlungen gegen die Menschlichkeit und vor europäischer Gerichtbarkeit. Und auf genau diese Ebene wird die afición von den Tierschützern gestellt.

Politiker reagieren

Aber hier gingen die Tierschützer wohl auch den Politikern auf nationaler Ebene zu weit. Der Oppositionsführer der Partido Popular Mariano Rajoy nahm diesbezüglich gestern beim spanischen Privatsender Telecinco Stellung: “Es sei vollkommen unakzeptabel, das Leiden der Tiere bei eine corrida de toros mit Frauenmisshandlung oder afrikanischen Traditionen wie die Klitorisbeschneidung zu vergleichen.” Die Katalanen wären gut beraten sich doch mehr auf die aktuellen Probleme zu konzentrieren, denn immerhin 600.000 Katalanen sind arbeitslos, und denen sei es relativ egal, was denn mit den toros geschehe. Und wenn überhaupt denken sie bei einer abolición de las corridas de toros en Cataluña eher an weiterer Arbeitsplatzvernichtung.

Auch die Präsidentin der Comunidad de Madrid Esperanza Aguirre reagierte auf die katalanische Offensive. Die tauromaquia “sei eine Kunst die es wert ist zu verteidigen und gehöre seit undenkbaren Zeiten zur spanischen und mediterranen Kultur.” Um den Stierkampf nun in der Region Madrid gesetzlich zu schützen soll im Laufe der nächsten 15 Monate die fiesta nacional zum regionalen Kulturerbe erklärt werden.

Auch aus Frankreich kamen Stimmen. Der sozialistische Politiker   Christian Bourquin kommentierte die katalonische Debatte als “einen Angriff auf die Freiheit und den Respekt zum Pluralismus sowie als Angriff auf eine Minderheit.”

Sind aficionados Kriminelle?

Im September 2008 wurden im deutschsprachigen Forum spanien-talk toreros als Massenmörder bezeichnet. Sogar Hitlervergleiche werden gezogen. Stierkampffans seien Nazis und Päderasten, unheilbar kranke Menschen. Grabschändung eines toreros wird gut geheissen usw.

Der Hass auf die afición geht manchmal so weit, dass wir zum Beispiel bei einem Kommentar bei SOS Galgos im Oktober letzten Jahres lesen konnten: “Den Tieren das Leben - den Taurinos den Tod!”

Wer die Debatte aus einem neutralen Blickwinkel verfolgt wird erkennen, dass die Welt der antitaurinos sehr bemüht ist, die Anhänger der tauromaquia zu kriminalisieren. Obwohl das Recht auf tauromaquia in der spanischen Verfassung verankert ist, wird der afición von den Tierschützern eben nicht nur jenes Grundrecht mit einer Selbstverständlichkeit abgesprochen, nein viel mehr, die ganze Welt der toros wird geradezu kriminalisiert. Als Verbrecher abgestempelt. Veranstalter und Manager sind Mafiabosse, die toreros Auftragskiller und die Zuschauer die Kleinganoven, die Verachteten einer modernen Gesellschaft. Und hier kommt die Frage auf, haben sie, die Tierschützer überhaupt ein Recht dazu? Und wie fühlen wir uns als Teil dieser taurinischen Welt? Uns stimmt dieses wohl eher traurig. Mehr noch. Es tut weh … natürlich tut es weh!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Eric Fischl in Málaga

Es sind nur zehn Bilder, eine relativ kleine Ausstellung und trotzdem stösst sie bei den spanischen Medien auf grosses Interesse. Spaniens grösster Medienkonzern die Grupo Vocento (ABC, El Correo, Ideal, Hoy, Que etc), zum Beispiel hat schon mehrere Berichte über die Ausstellung gebracht. Da werden Vergleiche angebracht mit Goya, Tiziano, El Greco und Verlásquez, oder man erkennt eine Effekthascherei wie theatralische Darstellung eines Caravaggio. Auch in den leuchtenden schattenspielenden Flecken erkennen viele einen Manet.
Welche künstlerischen Eigenschaften man auch immer hineininterpretieren mag, für den aficionado ist diese Ausstellung mit Sicherheit ansprechend. Da trägt sicherlich der Umstand bei, dass die sechs grossen Bilder sehr tief aufgehängt sind. Dadurch wird der Betrachter geradezu auf den Boden der Tatsachen versetzt, er begibt sich auf Augenhöhe mit den toreros. Er beobachtet das Geschehen nicht wie die Zuschauer oben von den tendidos sondern vom ruedo selbst oder vom callejón aus. So wird der Besucher zum Teilhaber des Stierkampfes, der corrida goyesca, vom Voyeur zum Mittäter.
Hautnah erlebt er eine Auseinandersetzung zweier Rivalen, dessen Ergebnis im Tod endet, enden sollte. Kraftvoller animalischer Instinkt der am Ende dem eleganten menschlichen Intellekt zu Füssen liegen wird.

Besonders wichtig für Eric Fischl ist das Bild Nummer 4. Es stellt den torero Cesár Rincón dar, der nach einer erfolgreichen estocada dem toro der hier in seinen letzten Lebenssekunden ausharrt, gemächlich den Rücken zukehrt und sich dem Publikum zuwendet. Die Augen des Tieres lassen sich nur erahnen, aber die Haltung verrät eine Mischung aus Traurigkeit und ohne das wirkliche Verständnis was hier eigentlich geschehen ist. Und genau darin liegt das wahre Dilemma eines toro bravo.
Und schliesslich lässt einen der Künstler auch noch an dem persönlich Triumpf des matadores und seiner cuadrilla teilhaben.

ERIC FISCHL
Corrida en Ronda
CAC Málaga
Centro de Arte Contemporáneo de Málaga
29. Januar 2010 bis zum 04.April 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: frei

Donnerstag, 4. Februar 2010

Die Goyesca in Málaga

Die Corrida Paintings von Eric Fischl in der CAC Málaga
Eric Fischl ist 1948 in New York geboren. Seine Kunstobjekte haben voyeuristischen Charakter und spiegeln oft die Momente des “Danach” oder “Davor” wieder. Bekannt wurde er vor allem durch seine Skulpturenserie ten breaths in welcher sich die Pressefotos zu den Anschlägen am 11. September reflektieren. Dabei wurde die Skulptur Tumbling Woman in den Vereinigten Staaten besonders kontrovers diskutiert. Nicht weniger kontrovers sein jüngstes Projekt: Der Stierkampf, Corrida en Ronda.

Ob Goya, Manet, Sorolla oder Picasso, die tauromaquia hat für die Künstler stets eine faszinierende Ausstrahlung. So liess sich Eric Fischl am 8. September 2007 in der Real Maestranza de Ronda bei einer corrida goyesca mit den matadores de toros César Rincón, Francisco Rivera Ordóñez und Cayetano für sein jüngstes Projekt inspirieren. Als Vorlage dienten ihm Fotos, die er während des Stierkampfes aufgenommen hatte.

Eine Grosszahl der Motive beschäftigt sich mit dem Moment des Todes der Stiere. Insbesondere den Sekunden davor. Und trotz der Dramaturgie des Todes bleibt er seiner Linie treu. Er verwendet auffallend leuchtende, gar fröhlich anmutende Farben, die wohl ein mediterranes Lichtambiente vermuten lassen. Dabei konzentriert er sein Augenmerk auf das eigentliche Geschehen, auf die toreros und toros, die er im rötlichen Staub der plaza de toros eintauchen lässt. Vom Publikum, vom Ambiente, von den Olérufen keine Spur. Er lässt alles geradezu hinter einen dunklen barrera verschwinden. Sehr schön zu erkennen, mit welcher Konzentration die Akteure sich dem Stier zuwenden.

Zu sehen sind die sechs grossformatigen Ölgemälde und vier in Wasserfarben gehaltenen im Museum der Modernen Künste in Málaga noch bis zum 4. April 2010.

ERIC FISCHL
Corrida en Ronda
CAC Málaga
Centro de Arte Contemporáneo de Málaga
29. Januar 2010 bis zum 04.April 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: frei
AUSSTELLUNG BEENDET


Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wäre es eigentlich schlimm …

… wenn es in Katalonien keine Stierkämpfe mehr gebe?
Das es bei der Thematik der Abschaffung von Stierkämpfen in Katalonien nur noch um Politik als um aktiven Tierschutz geht, ist allen bestens bekannt. Doch stellt sich die Frage, im Falle eines Verbotes, wäre es wirklich so schlimm für die tauromaquia? Würde es eine Kettenreaktion auslösen, und die Iberische Halbinsel zu einem stierkampffreien Territorium verurteilen?
Wohl kaum. Auf den Kanaren gibt es ja auch keine toros, und kein Hand kräht danach. Und gerade mal zwei Paar Hände voll an Stierkämpfen auf katalonischem Boden, würden nicht mal die taurinischen Statistiken irgendwie sichtbar beeinflussen. Und überhaupt, welcher aficionado kommt auf die Idee, sich in Barcelona einen Stierkampf anzuschauen, wenn es nicht gerade José Tomás ist?
Der von den antitaurinos herbei gewünschte Dominoeffekt wird sicherlich ausbleiben. Katalonien, oder besser gesagt, ein gewisser Teil der katalanischen Bevölkerung möchte ja von Spanien nicht mehr allzu viel wissen. Und warum soll nun ausgerechtet Spanien, zum Beispiel eine Region wie Andalusien dem katalanischen Beispiel einer abolición de la tauromaquia folgen?
Auf der anderen Seite könnte man mal nachfragen, ob es denn überhaupt Sinn mache, in Barcelona weiterhin corridas de toros zu veranstalten? Ein mögliche Antwort könnte da lauten: Sicherlich, solange es die dazugehörige afición gibt! Das macht in der Tat Sinn, wenn denn diese afición die Stierkampfveranstaltungen auch finanzierbar macht. Und das gerade die plaza de toros in Barcelona fast nur rote Zahlen schreibt, ist gewiss kein Argument für die Erhaltung der tauromaquia in Katalonien.
Und so lässt eines sich sehr wohl erkennen. Ein “Ja” zum Stierkampf trifft die Tierschützer, die antitaurinos weitaus mehr als ein “Nein” die afición.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

… weil es so katalanisch ist!

Ab dem 15. Dezember schaut die Welt der afición und der antitaurinos nach Barcelona. Dort wird abgestimmt, wie es um die Zukunft der tauromaquia auf katalanischen Grund und Boden bestellt sein wird. Das es dabei schon lange nicht mehr um Stierkampf geht, sondern viel mehr um katalanisches Nationalbewusstsein, dürfte auch die Welt der Tierschützer erreicht haben.
So werden Randgruppen zu diesem Thema fast nicht bedacht. Da wäre zum Beispiel die Gastronomie, die sich in der Umgebung der plaza de toros der katalanischen Hauptstadt angesiedelt hat. So verkündet Evangelista García, Eigentümer der Bar La Gran Peña: “Los toros nos dan de comer!” Der Stiere geben uns zu essen! Und in der Tat, sobald es anspruchsvolle Stierkämpfe in Barcelona zu sehen gibt, steigen die Umsätze in den anliegenden Gastronomiebetrieben um ein Vielfaches. Evangelista verkauft an so einem Tag die doppelte Fleischmenge. Auch in der Kebabbude nebenan, werden gut 300 Euros mehr umgesetzt.
Wohlgemerkt, es müssen schon anspruchsvolle carteles sein, und nicht solche Spektakel für Touristen. Denn da wird kaum verdient, weiss Maria, die Geschäftsführerin der Bar Edtih (früher “El Toril”) zu erzählen. Da stürmen Gruppen von Touristen die Bar, einer bestellt sich einen Kaffee, die anderen zwanzig stürmen die Toiletten. Wenn dann aber ein Starmatador wie José Tomás auftritt, brummt das Geschäft. Ein meist elegant gekleidetes Publikum hinterlässt viele Euros für kulinarische Köstlichkeiten.
Das hat auch die südspanische Metropole Málaga erkannt.Während der Feria werden Sondergenehmigungen erteilt, um die Kapazität auf den Terrassen der anliegenden Lokale zu erweitern. Denn in den zwei Wochen sorgen 100.000 bis 150.000 zahlungskräftige aficionados für einen vielversprechenden Umsatz.
Doch in Barcelona wollen sie “Nein” sagen zum Stierkampf. Damit lehnen sie auch die taurinische Gastronomie ab. Schon jetzt gibt es die Lokale wie “Sol y Sombra” oder “El Burladero” nicht mehr (beides jetzt Auto- und Motoradwerkstätten). Und plötzliches gewinnt ein anderes Wort an Bedeutung: Emigration. Denn die taurinische Barkultur muss chinesischen rastros weichen. Die asiatische Antwort auf die Hundert-Peseten-Läden. Billiges Plastik und schlechte Imitationen aus dem Reich der Mitte statt spanischem Kulturgut, statt taurinischem Fundamentalismus. Ist es das, was die Bevölkerung aus Barcelona wirklich will? Wahrscheinlich, weil es ja so katalanisch ist...