Montag, 22. April 2013

Frauen im Torerohimmel




von Philip de Málaga


In Spanien wurde wieder eine neue matadora de toros gekürt
________________________________________________________________

Daysi heisst sie, und ihr Vorname klingt so gar nicht nach torero, eher vermutet man eine Version von Disney & Co. dahinter. Doch nicht nur mehreren Wundern (spanisch: milagros) gleich, reiht sich Daysi Milagros Sánchez Lazarte mit dem Künstlernamen "Milagros del Perú" in die Reihe der matadores de toros ein. Sie ist damit die elfte Frau, die mit viel Vision alles dran setzte um diese Position zu erkämpfen, mit der arte del toreo

Die neue matadora ist am 27. Oktober 1987 in Perú geboren. Im Oktober 2010 hatte sie ihr Debut mit picadores hier in Medina de Pomar (Burgos, Spanien). Und nun mit 25 Jahren bestritt die junge Dame gestern in der plaza de toros von Moralzarzal bei Madrid ihre alternativa. Ihr Ritterschlag vom novillero zum matadores de toros. Vor lediglich gut 2.000 Zuschauern, denn die tendidos waren lediglich nur zu einem Drittel gefüllt, gelang es der Debütantin trotzdem gleich mit ihrem ersten toro der alternativa zu überzeugen und erhielt die Auszeichnung von dos orejas. Salida por la puerta grande, so etwas tut jedem Einsteiger gut.

Der Ritterschlag zum matador de toros
Jesuli de Torrecera, Esaú Fernández und Milagros Sánchez
(Foto: mundotoro)
Milagros de Perú
Wie heisst es eigentlich? Wie nennt man die weiblichen torerosLa matadora? "Ja, selbstverständlich", sagt die wohl bekannteste und wohl auch erfolgreichste matadoraCristina Sánchez, und sie ist die erste die dazu steht. Aber trotzdem ist gerade bei Milagros de Perú auffallend, da spricht kaum einer von der matadora. Alle reden von der la matador. Grammatikalisch wohl nicht ganz so in Ordnung, aber es zeigt auf, wie Frauen hier versuchen in eine Männerdomäne vorzustossen. Mit Frauenquote käme man hier nicht weit, denn der Schlüssel zum Erfolg liegt in den tendidos. Kein Publikum, kein Erfolg, eine simple Rechnung. Und wie es scheint, wurde auch die junge Südamerikanerin ein wenig gemieden. Was nicht wundert, denn sie betrat das ruedo gleich mit zwei Nachteilen. Da war nicht nur der Hauch der rundum femininen Weiblichkeit, nein, sie kam auch noch von ausserhalb von Spanien. Da tun sich selbst männliche Kollegen schwer und nur wenige aus Amerika haben es wirklich geschafft, wie der Kolumbianer César Rincón. Naja, letzterer hat es nicht nur geschaft, er versetzte Spanien in einen wahren Rausch. 1991 gelang ihm in Madrid vier Mal die salida por la puerta grande innerhalb von nur einem halben Jahr. Das ist bis heute noch keinem gelungen: "César Rincón in Madrid zu sehen ist wie Gott etwas zu fragen und er antwortet dir!"


Ein derechazo vom Milagros Sánchez 
(Foto: mundotoro)
Zurück zu den Damen. Es gibt einige taurinos, vor allem in den Reihen der älteren aficionados, ist man geneigt dazu bei den toros eher das Männliche hinein zu interpretieren. Die Symbolik deutet irgend etwas von Zeugungskraft an. Und genau da hätte so eine matadora nicht all zu viel zu verlieren. Dass sie dabei genauso ihr Leben aufs Spiel setzten um gute suertes zu vollführen, dass sie denselben Kennerblick für die toros benötigen, dass die estocadas deswegen nicht weniger gefährlich werden, wie für männliche matadores de toros kann sie nicht so ganz überzeugen.


Cristina Sánchez
Ich selbst habe bis jetzt nur eine matadora gesehen. Das war Cristina Sánchez in Estepona. Und mit allem Respekt, sie war nicht nur der beste torero sondern durchaus auch die überzeugendste im ruedo an diesem tarde de toros. Und immerhin stand an ihrer Seite Manuel Díaz "El Cordobés" dem es eigentlich fast immer gelingt, dass Publikum in den plaza de toros der unteren Kategorien für sich zu gewinnen. Aber Sánchez agierte ruhig, routiniert und elegant. Und in den tendidos kam das an. 

Bisher haben es zwölf Damen geschafft den Himmel der matadores de toros zu erobern:

1968: Bertha Trujillo "Morenita del Quindío"  (Quindío, Kolumbien)
1979: Ángela Hernández (Alicante, Spanien)
1981: Raquel Martínez  ( Tijuana, México)
1981: Maribel Atienzar (Albacete, Spanien)
1996: Cristina Sánchez (Madrid, Spanien)
1997: Mari Paz Vega  (Málaga, Spanien)
2005: Raquel Sánchez  (Toledo, Spanien)
2007: Marbella Romero  (Morelia, México)
2010: Hilda Tenorio  (Ciudad de México, México)
2010: Sandra Moscoso (Jerez de la Frontera, Spanien)
2011: Lupita López    (Yucatan, México)
2013: Daysi Milagros Sánchez Lazarte "Milagros del Perú" (Perú)

In dieser Übersicht sind vor allem dass es in Spanien erst seit 1979 matadoras gibt. Die Erklärung ist einfach, denn von 1908 bis zum Jahr 1974 war es dem weiblichen Geschlecht gesetzlich vollkommen untersagt sich die traje de luces anzuziehen. 

Wie dem auch sei, die taurinos sollten endlich beginnen die Grenzen zu vergessen und sich alsmundo de los toros verstehen. Genauso wie die banderilleros zu Hilfe eilen, wenn einem matador eine cornada zugefügt wird, genauso sollten alle die mit den toros zu tun haben an einem und dem selben Strang ziehen. In diesem Sinne wünscht SfA der neuen matadora viel suerte (in diesem Fall bedeutet es Glück) für ihre taurinische Zukunft.
eine einzige
Die erste puerta grande für die neue matadora de toros "Milagros de Perú"
Moralzarzal, bei Madrid, 20. April 2013
(Foto: mundotoro)
__________________________________________________________
ANMERKUNG VON SfA:
Die taurinischen Medien wie mundotoro, burladero oder Aplausos sprechen davon, dass "Milagros de Perú" erst als zehnte Frau es gelungen ist sich matadores de toros nennen zu dürfen. 

Die Liste der weiblichen matadores de toros  wurde um Sandra Moscoso (2010) nachträglich erweitert. Ein aufmerksamer Leser von SfA hat uns darauf hingewiesen. Vielen Dank dafür nach München.

LITERATURHINWEIS:
MATADORA, MEIN LEBEN ALS STIERKÄMPFERIN, Cristina Sánchez, Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt am Main, 1998

Sonntag, 21. April 2013

Ein Tag mit den Stieren (2. Teil)

Der Besuch der Stierzucht Cebado Gago geht dem Ende zu
__________________________________________________________________






von Colin Ernst


Und weiter geht es ...
Nun geht es vorbei an einem weiteren corral, dort sind Stiere untergebracht, die auf den Strassenfesten, den capeas, oder dem correbous zu sehen sind. Anders als die selektierten novillos, werden sie sofort nervös und hektisch, als wir uns nähern, ja sie rennen sogar weg! Da liegt also der sichtbare Unterschied. Während sich die novillos gestellt haben, rennen diese weg. Was sie um so gefährlicher machen wird, wenn sie erstmal auf sich gestellt durch die Strassen rennen - dann sind sie nicht zu berechnen. Aber auch sie sind in gutem Futterzustand. Als letztes kommen wir zum corral wo die toros stehen, also jene, welche mit den matadores de toros antreten. Sie sind etwas schwerer, aber auch wachsamer. Sie gehen nicht nur in Stellung, nein, sie gehen zur Angriffshaltung über. Auch hier sehe ich den Unterschied. Für mich ein tolles Erlebnis, diese vier Kategorien von Stieren zu beobachten und zu begreifen. Nun erwartet uns noch das Training der Stiere. 

Ein Reiter mit einer garrocha (Lanze), öffnet das Tor zum corral. Zwei weitere Reiter haben sich, in sicherer Entfernung postiert. Nun kommen sie herausgetrabt, das Spiel scheinen sie zu kennen. Zu Dritt treiben die Reiter, darunter eine junge Frau, die Herde aus dem hofähnlichen Grundstück, auf einen Feldweg. Ein Stier ist zurückgeblieben, er hat anscheinend keine Lust, aufs Training. Der Lanzenreiter versucht noch, ihn an der Rückkehr in den offenen corral zu hindern, aber am Ende gewinnt der sture Stier, denn nun wäre es für den Reiter zu gefährlich, sich ihm zu nähern - ich denke, das der toro das auch weiss. Also prescht er nun auf seinem Hispano árabe (Pferderasse) an der Herde vorbei, in rasendem Galopp setzt er sich davor und lenkt sie so zu dem Zielort, einer saftigen Wiese. Dass die Stiere das Ganze kennen, ist ersichtlich, denn schnell versenken sie ihren massigen Kopf ins hohe Grün. Nun gönnt man ihnen eine kleine Verschnaufpause, dann geht es wieder auf dem gleichen Weg zurück.


Das Schauspiel bringt mich auf Pamplona, wo jedes Jahr zu San Fermín, die toros durch die Strassen getrieben werden. Auch die Cebada Gagos laufen dort mit. José klärt mich auf: Die Stiere beruhigt es, wenn sie sich auslaufen können, der Lauf schadet ihnen daher nicht. Aber wie kommt es, das die toros so zielstrebig auf die plaza zuhalten? Nun, die Kampfstiere verbleiben bis zu Tag X in einem corral bei der plaza, erzählt uns Jose. Dann werden sie, bei Nacht und Nebel in den corral getrieben, zusammen mit den zahmen Ochsen, wo sie am nächsten Morgen losgelassen werden. Da sie den Weg kennen, die Ochsen sie geleiten und sie nichts sehnlicher wollen, als in ihren "heimatlichen" corral zurück zu kehren, ist nichts einfacher als das. Einleuchtend. 


Immerhin haben die andalusischen Stiere schon gut acht bis zehn Tage in diesem verbracht, fühlen sich dort sicher. Was in den Unglücksfällen eine große Rolle spielt, ist, wenn ein Stier von der Herde getrennt wird. Dann hat er, aufgrund seiner Rasse, keine andere Wahl, als alles anzugreifen, was sich ihm, auf dem Weg "nachhause" entgegenstellt. Ein durchschnittliches encierro in Pamplona dauert knapp drei Minuten. Danach sind die toros relativ zufrieden, wieder in gewohnter Umgebung zu sein und entgegen meiner Vermutung, das sie durch die Rennerei und den Kontakt mit Menschen in der Arena anders reagieren, soll es keine negativen Auswirkungen haben. Sollte ein Stier verletzt sein, wird der veterinario ihn ohnehin aussortieren. Ich schaue sie mir genau an, jene, welche in Pamplona antreten werden, denn jedes Jahr schau ich mir jeden morgen am Fernseher die Liveübertragung des encierros an. Und das schon seit zehn Jahren, mit dem Traum, es einmal selbst mit zu erleben. Nun kenne ich die Helden für dieses Jahr "persönlich" und wünsche auch ihnen im Stillen "suerte", ein indulto wäre doch schön. 

Auf unserer Rundfahrt haben wir viel gesehen und gelernt, keine Trophäensammlung, keine Weinprobe hätte uns besser gefallen, als dieser Einblick in eine ganadería. Auf dem Rückweg zur Hauptstrasse, kommen wir an den mansos, den zahmn Ochsen vorbei, die friedlich am Wegesrand grasen. Ob ich mal einen streicheln möchte, werde ich gefragt. Fast bin ich schon aus dem Pick-Up gesprungen, als ich das Gesicht meiner Mutter sehe - kalkweiss. Nein, ich versuch es nicht, obwohl...

Nach dem Besuch bei Cebada Gago begleitet uns José noch in ein Restaurant-Hotel in Medina Sidona, wo die toreros übernachten oder essen. Hier sind ein paar Fotos zu bewundern, aber das Highlight ist die Küche. Wirklich toll, Ravioli al toro, Rabo de toro, paté de perdiz... Auch das Städtchen ist ansprechend, wir erklimmen noch die Burg, bzw, deren Reste, von dort oben hat man einen Ausblick... Beim Fotographieren knie ich in einer saftigen Wiese, der Geruch von Frühling, Erde und Stieren sticht mir in der Nase, am liebsten wäre ich dort geblieben.

Epilog

Dies war nun, der letzte Tag unserer Reise in Andalusien zu den toreros und den Stieren. Das Wetter hat uns üble Streiche mitgespielt, aber letztendlich haben wir alles gesehen, was eingeplant war und noch mehr erfahren, über die Welt der taurinos. Es hat auch in mir etwas verändert, das Verstehen eines Rituals, das Verstehen im allgemeinen, was Zucht und corrida anbetrifft . Was "alma y corazon" ("Herz und Seele") wirklich bedeuten und was junge Leute dazu bringt, sich einem toro zu stellen. Es sind ganz besondere Menschen. Aber auch die afición, die uns, mit diesem Verständnis zu dem macht, was wir sind und wofür wir einstehen. Ein aficionado ist nicht nur ein "Fan", nein er lebt und fühlt, was die tauromaquia ausmacht. Keiner von ihnen wird einen geschwächten Stier präsentieren wollen, sehen wollen, keiner will so einen toro entgegentreten und die größte Freude ist ein indulto  Die toreros sind eine ganz bestimmte Art von Menschen, die wir, mit all unserem modernen, schnellen Leben, kaum begreifen können. Züchter zu sein, ist eine Lebensart, und ein Erhalt einer uralten Rasse, die mit den heutigen Fleisch.- und Milchlieferanten nichts zu tun hat. aficionados  sind Menschen, die bodenständig sind, die nicht jeder Mode folgen, die wissen, das es nur eine Wahrheit in der plaza de toros gibt. Sie sind fair, schimpfen auf den Züchter, den unfähigen torero, aber nie auf den Stier.

Zum Abschlussmöchte ich mich bedanken, bei den Lesern von SfA und bei meinen Mitstreitern, die es mir möglich machten, all dies zu erfahren und zu erleben. Und ein ganz besonderes Dankeschön an meine Mutter, die mich vor über 30 Jahren loschickte, ein Buch - die Biographie von El Cordobés, zu kaufen. Ohne Sie wäre ich heute keine aficionada  sondern unwissende Gegnerin des Stierkampfes. Ihr Spruch: "Sieh es dir erstmal an, bevor Du urteilst", leitet mich bis heute und es war ein Vergnügen, sie auf dem Weg zu den toros und toreros zu begleiten.

___________________________________________________________

Anmerkung von SfA: Hier das Buch welches Colin Ernst zur afición verführte:

. . .   O D E R    D U    W I R S T    T R A U E R    T R A G E N

Das fantastische Leben des El Cordobés
Larry Collins, Dominique Lapierre
- 1967 -

El Cordobés
(Foto: mundotoro)
Der junge Manuel Benítez übernimmt nach den Wirren des spanischen Bürgerkrieges die Verantwortung für seine Schwester Angelita. In ärmlichsten Verhältnissen versuchen sie zu überleben, und als der junge Mann die Entscheidung getroffen hatte ein berühmter matador zu werden, war das Elend noch längst nicht überstanden. Doch unaufhaltsam strebte Manuel Benítez seinem Ziel entgegen, bis er am 20. Mai 1964 in der spanischen Hauptstadt in der größten plaza de toros von Europa, Las Ventas, von der afición seine alternativa, die Ernennung zum matador de toros bestätigt wissen will. Er versetzt damit Spanien in einen Rausch. Doch bevor Manuel Benítez "El Cordobés" zur plaza de toros aufbricht wendet er sich seiner Schwester zu, "Weine nicht Angelita, heute Abend kauf`ich dir ein Haus - oder du wirst Trauer tragen". Der Beginn eines dramatischen tarde de toros, den Spanien und die Welt bis heute nicht vergessen haben.

Wann die toros von Cebada Gago in Pamplona an den Start gehen
wird Sie das Team von SfA zeitig wissen lassen.

Samstag, 20. April 2013

Ein Tag mit den Stieren (1.Teil)

Besuch der Stierzucht Cebado Gago in Andalusien
__________________________________________________________________






von Colin Ernst 

Schon immer wollten wir mal ein campo bravo besuchen, aber abseits von Touristenführungen, wie es so angeboten wird. Bei unserem Abstecher nach Sevilla, drückte uns ein junger Mann einen Werbezettel in die Hand, das Übliche, Ausfüge in Gruppen ab 15 Personen, in die weißen Dörfer, in den Nationalpark Coto de Doñana, etc. Nun sah ich einen Stier auf dem Flyer und fragte den Verteiler, ob sie auch was hätten, wo man richtige toros zu sehen bekäme. Zuerst bot er die übliche Palette, die Weinprobe und "Besichtigung" an. Ich bohrte weiter, was Individuelles, wir wollten toros pur erleben. Doch..., es geht auch individual, auf irgendeiner finca,  er wisse den Namen aber nicht. Ich sollte doch en la oficina, im "Büro" mal anrufen... Nun, diese Schiene war ich schon die letzten Jahre im Januar gefahren und es hatte keine Resultate, sprich Besuche gegeben, noch nichtmal das ACAMPOBIERTO der ganadería  Alvaro Domecq war offen.
Genau dort wollten wir hin. Das wollten wir sehen. Ein campo bravo. Wo Stiere kämpfen.
(Foto: Dr. Andreas Krumbein)
Aber ich wollte es nochmal versuchen, also rief ich bei Naturanda an. Überrascht bekam ich auf meine Anfrage ein positives Echo. Kein Problem, man würde auch für zwei Personen was anrangieren, individuell, auch mit Essen, Transfer und allem. Morgen könne man los, abgeholt vor der Haustüre - ich war baff! Ich war verblüfft, denn der Name der ganadería war mir bekannt. Kurzdrauf eine Absage, das dort zur Zeit keine Besucher Zutritt hätten. ..., hätte mich auch schwer gewundert. Aber kein Problem, da wäre noch eine in der Provinz Cádiz, den Namen kannte ich nicht, dort könne man übermorgen hin. Wunderbar, bis es anfing zu regnen, wiedereinmal. Nächste Absage, man komme mit dem Wagen nicht durch den Schlamm... - Klasse! Etwas frustiert, erkundeten wir die Umgebung, mit Stops in El Puerto de Santamaría. Morgen sollte es losgehen, heute war die Sonne da, aber morgen, ich sah es in den Nachrichten, kommt wieder ein Guss. Man stelle sich vor, das man die ganze Nacht wachliegt und auf Regen horcht... sechs Uhr, kein Tropfen..., sieben Uhr, keinTropfen, obwohl fette Wolken da oben hängen ... ich mache Frühstück, und als der Kaffee fertig ist schüttet es wie aus Kübeln! "Nicht schon wieder!", denke ich, im Geiste schon am Telefon hängend, den Ausflug endgültig stornierend. Mein Mitstreiter kuckt auch verdrieslich in seine Kaffeetasse, selbst die doppelte Dosis, frisch gepresser Orangen, kann uns jetzt kein Lächeln entlocken. Wir haben nur noch drei Tage, oder besser gesagt zwei, dann ist es aus, mit Andalusien, adiós toros, adiós toreros. Um halb Neun hänge ich am Handy, berichte die Wettterlage, denn der Guide kommt ja aus Sevilla..., er sieht das auch so, dass es sich nicht lohnt. Letzter Versuch, der Tag vor unserer Abreise. Letzter Wettercheck online, sieht gut aus für die Region Medina Sidona. Auf welcher finca werden wir landen? Keine Ahnung, was wir zu sehen bekommen, nicht eine Idee. 

Am nächsten Morgen scheint die Sonne, der Begleiter trifft pünktlich  ein und los geht es, in die wunderschöne Landschaft, rund um Medina Sidona und Vejer de la Frontera. Unser Führer zu den Stieren ist sympathisch und bei der Beobachtung einiger Greifvögel, kommen wir ins Gespräch. Ein richtiger Fachmann, was Vögel und Reptilien angeht, ebenfalls in Geschichte hat er fundiertes Wissen. Auch er war noch nicht auf der finca, wo wir landen werden, denn er hat sich mit einem anderen Fachkundigen kurzgeschlossen, Jose Gautier, von Toro 4x4. Irgendwann biegen wir ab, nachdem wir staunend die riesigen Herden von toros bewundert haben, die bei Medina Sidona, quasi am Strassenrand grasen. Ein Pic-up wartet auf uns. Nun wird unser Führer also auch geführt, ich bin mal gespannt. Ob wir Lust hätten, das Verladen einiger Stiere zu sehen, werden wir gefragt - Klar wollen wir! Wir müssen ganz leise sein und auch die Kameras sollen bleiben wo sie sind, man darf dabei nicht unnötig stören, so Josés Order. Nun sehe ich zum erstenmal wo ich gelandet bin: CEBADA GAGO! Super, ich hab schon einige gute corridas mit diesen Stieren gesehen. Wir erklimmen die Stufen, wo es zur Umrandung des callejón geht. Ein torobreiter Gang, mit verschiedenen Türen, durch die der Stier, behutsam, in Richtung Transporter geleitet wird. Kaum ein Laut ist zu hören. Nur das Schnaufen der Rinder, die sich die fremden Gerüche erschnüffeln. Kein wütendes Gestampfe, kein Gebrüll von Seiten der Helfer. Alles geht gaaaanz ruhig von statten. Die zahmen Ochsen leisten Hilfestellung, bis zum letzten cajón. Danach geht es für sie wieder in die Freiheit. Als der letzte Stier verladen ist, entspannt sich die Gruppe, die direkt am Geschehen beteidigt war, sie atmen auf, Alles ist gut gegangen. Der majoral wird mit den toros mitfahren, diese hier gehen nach Arles in Frankreich. Ich frage José (der Mann weiß alles!) über das Thema Transport aus. Aus eigener Erfahrung, weiss ich, das Pferde und Rinder, beim Transport an Gewicht verlieren. Und so ein sanftes Verladen bei Rindern, habe ich noch nie gesehen. José steht mir Rede und Antwort. Da die Stiere für Arles sind, welches erst am 2. April stattfindet, wenn ich mich recht entsinne, wieso starten sie heute? Ich werde aufgeklärt: Pro einhundert Kilometer Entfernung, rechnet man einen Tag convalecencia, also die Zeit, die das Tier braucht, um wieder zu Kräften zu kommen. Ich denke an die Schlachtviehtransporte, quer durch Europa... Der majoral  also der verantwortliche Vorarbeiter für die ganadería wird die ganze Zeit bei seinen Stieren bleiben. Wie ich, wenn ich Rennpferde oder Turnierpferde betreut habe, man lässt sie nicht aus den Augen. Ich bin froh, denn nun kann ich wirklich, reinen Gewissens sagen, das ein Stier nicht leidet, wenn er in fachmännischen Händen ist. 
Auch andere Tiere gehören zum Bild einer ganadería
Ein begnadigter Stier als Zuchtbulle
Nun geht es wieder weiter, in einen anderen Teil der finca  und ich bin immer noch "Baff", schliesslich ist dieses ja keine No-Name-ganadería sondern Cebada Gago. Den Wegesrand säumen Opuntien und unzählige Kaninchen, ich staune. Dann treffen wir auf eine kleine Eselherde, eine geschützte Rasse, die der Besitzer von Cebada Gago erhalten will. Durch einen etwas verfallenen Hof gelangen wir zu unseren ersten Stieren, den Deckstieren, den sementales, den indultos. Sie stehen alle zusammen auf einem etwas abschüssigen Gelände, welches durch den Regen unten sehr matschig geworden ist. Wieso sie hier stehen, will ich wissen. Wenn sich das Wetter bessert, werden sie ihren Herden zugeordnet, hier werden sie vorher gefüttert, damit sie genug Kraft haben, ihren, aus bis zu fünfzig Kühen, bestehenden Deckeinsatz zu meistern. Dies ist wichtig, insofern, das man wirkliches Eingreifen von Menschen vermeidet. Das heißt, dass der Stier mit dreissig bis fünfzig Kühen auf ein campo losgelassen wird, wo sie sich ihr Futter weitestgehend selbst suchen müssen. Und der semental soll ja dabei die Damenwelt beglücken, das kostet Kraft. Der älteste toro zählt über dreissig Jahre, der jüngste indulto gerade mal fünf Jahre, einer von ihnen ist Marismeño. Nun lerne ich wieder etwas, nämlich, dass der ranghöchste Stier ganz oben auf dem Hügel des abfallenden Terrains steht. Daher die Wahl des corrals, für circa zwanzig Deckstiere. José erklärt, das die toros sich Nachts oft bekämpfen, mitunter bis aufs Blut. Mehr als einmal, fand man einen Stier, verblutet nach einer sogenannten "pelea". Auch Menschen lassen im campo ihr Leben, so berichtet er. Unvorsichtige Jäger, die Nachts den Rebhühnern oder den Kaninchen nachjagen, geraten auf einmal in eine Herde.... Und dann die jungen Möchtegernstierkämpfer, die sich nach wie vor auf die Weiden schleichen, um sich an einem novillo oder einer Kuh zu versuchen. Der matador de toros Enrique Ponce, so erzählt er uns, hatte einmal einen Stier, dem er nach dem ersten Nehmen mit der capa, auf den Kopf zusagte, das dieser Stier schon mit Menschen gekämpft habe... So dumm ist ein Stier, ein toro bravo nämlich nicht, er lernt recht schnell, wer sein Opfer ist.

Wir stehen kaum fünfzehn Meter entfernt von den Herren der Schöpfung, die uns kaum beachten, sie scheinen das zu kennen, obwohl, man geht bis heute nicht zu Fuß in diesen corral,  dass wäre Selbstmord.
Schön die Distanz wahren, alles andere wäre Selbstmord
Nun geht es zu den Stieren, novillos, welche schon vor einiger Zeit von empresarios der verschiedenen plaza de toros gekauft wurden, für novilladas con picadores. Kaum sind wir aus dem Jeep gestiegen, bemerke ich den Unterschied zu den Deckstieren. Sie haben sofort Witterung aufgenommen und sich in Position gestellt. Die komplette Herde schaut uns an! Dennoch, ich kanns nicht lassen, langsam gehe ich zum Tor um sie von Nahem zu beobachten - impressionante - beeindruckend! Was für schicke Brocken, wobei der Cebada Gago Stier nur durchschnittlich groß und auch keine Fahradlenkerhörner hat. Also nichts für Madrid, denke ich im Stillen. Diese hier, sind für novilladas con picadores bestimmt und einige toreros haben sich da auch toros zum Kampf hinter geschlossener Tür, reserviert. Die nächsten toros stehen vielleicht zwanzig Meter entfernt von mir, es ist faszinierend zu beobachten, wie sie einen wahrnehmen. Sie riechen mich und einer bewegt den breiten Kopf um mich zu sehen. Langsam gehe ich zurück, aber man spürt den Stier im Nacken. Das Sehfeld eines Stieres ist begrenzt, die Augen sitzen seitlich am Kopf, was nach hinten tote Winkel und nach vorne beschränkte Sicht zulässt, nicht umsonst wird jedem Stierkampflehrling beigebracht, das Auge des toros nicht aus den Augen zu lassen... 

Zurzeit verfügt Cebada Gago ungefähr über vierhundert toros  vier- bis fünfjährige Stiere, also 2008, oder 2009 geboren, großgezogene Kampfstiere. 2008 war hier noch ein gutes Jahr, die Krise noch nicht so heftig, man leistete sich viele Bedeckungen. Doch nun musste das Erzeugnis gefüttert und verarztet werden. Das ist ein Kostenfaktor, den man nicht ausser Acht lassen darf.

Hier werden die Stiere vom veterinario behandelt
Einmal im Jahr wird die ganze Zuchtherde geimpft und entwurmt. Wer jemals beim veterinario eine Rechnung zu begleichen hatte, weiß, was das kostet. Außer der Reihe gibt es immer wieder Hornverletzungen zu behandeln. Und dann das Futter. Auch die größte finca hat nicht immer genug Grünfütter oder Getreide angebaut, um über tausend Rinder zu füttern, also wird auch schonmal zugekauft. Besonders Mineralien sind teuer, aber notwendig, um dem jungen Rind einen guten Start ins Leben zu geben - Calcium, Phosphor, Eisen, etc., nicht alles wächst im Überfluss auf andalusischen Weiden. Die Mutterherden leben, weitestgehend von Grass, Stroh und Minerallecksteine liegen aus. Der Kampfstier, sowie der Deckstier, benötigen mehr Energie, sie bekommen ein Gemisch aus Hafer, Gerste, Mais, Erbsen und gemahlenes Trockenfutter. Wer sich in Zucht und Haltung von Sportpferden auskennt, sieht Parallelen. Der toro muss Muskeln aufbauen, die durch das tägliche Training und das eiweissreiche Futter entstehen. Füttert man einen Stier nur fett, sieht man die hässlichen Bilder in der Arena, wo der Stier nach dem ersten tercio der varas rapide, bis zur Unbeweglichkeit, abbaut. Er hat weder die Lungenkapazität, noch die Muskeln, um einen guten Kampf zu liefern. Das will aber weder ein verantwortungsvoller empresario, noch der ganadero und schon gar nicht der torero haben. Also investiert der Züchter in diese Grundlegenden Aufzuchtmittel viel Geld.

Vic-Fézensac im Mai 2013
(Foto: mundotoro
Dieses Jahr wird Cebada Gago elf corrida de toros und fünf novilladas bestreiten, je corrida sechs Stiere, man kann sich ausrechnen, das noch nicht alle verkauft sind.

Die nächste corrida de toros mit toros von Cebada Gago findet am 19. Mai in Vic-Fézensac (Frankreich) statt. Dort stehen sie den maestros Fernando Robleño, Fernando Cruz und David Mora gegenüber. Und wenn alles gut läuft können sich 6.000 Zuschauer in den tendidos der 1931 erbauten plaza de toros von der bravura der toros aus der ganadería Cebada Gago überzeugen. Denn die französische afición hatte schon immer einen besondern Blick für die toros.

____________________________________________________________________________
Links von Interesse:
ACAMPOABIERTO, Stierzucht von Álvaro Domecq
Naturanda: Anbieter von Ausflügen in die andalusische Natur, Mail: info@naturanda.com
Toro 4x4: Reiseveranstalter für die Begegnungen mit andalusischen Traditionen und Kulturen




Freitag, 19. April 2013

Sie machten sich über uns lustig




Théophile Gautier


"Die Zuschauer auf den Schattenplätzen machten sich über uns, also den Zuschauern auf den Sonnenplätzen so richtig lustig; 
Sie schickten Wasserverkäufer zu uns, 
um zu verhindern, 
dass wir in Flammen aufgingen; 
dann wagten sie es uns zu bitten, 
ob sie ihre dicken Zigarren auf unseren 
rot glühenden Nasen anzünden dürften 
und schliesslich 
haben sie uns Öl angeboten, 
damit wir schön braun gebraten werden."

Théophile Gautier
(im August 1840 in Málaga, Andalusien)

_________________________________________________________________________________
Quellennachweis:
Tra los montes - Voyage en Espagne, Théophile Gautier, Charpentier - Libraire Éditeur, Paris 1843

Donnerstag, 18. April 2013

Die Stiere in Picassos Lebenswerk

Viele behaupten, dass der spanische Maler und Bildhauer Pablo Picasso gar nicht so viel mit den Stieren zu tun hatte. Stimmt das?
___________________________________________________________________





von Philip de Málaga


Im gestrigen Beitrag mit dem Titel Der kleine Picasso und die Stiere wurde erwähnt, dass er schon sehr früh von seinem Vater an die toros herangeführt worden ist. Und zehn Jahre nach seiner Geburt zieht seine Familie mit ihm nach La Coruña (Galicien), wo sein Vater als Professor in der Schule der schönen Künste tätig wurde. Für viele stellte sich daher die Vermutung ein, dass dieser Abzug doch auch als ein Ende des Interesses des jungen Picasso an den Stieren zu interpretieren sei, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Doch wer einen Blick in sein Leben wirft, wird etwas ganz anderes erkennen:

1892: Corrida de toros y palomas
1889:  Erstes Ölgemälde mit dem Titel "El pequeño picador amarillo". Picasso war gerade mal neun Jahre alt.

1892:  Erste Zeichnung die er der fiesta taurina widmete: "Corrida de toros y palomas"

1896:  Kehrt er nach Málaga zurück um verschiedene Ölgemälde von den toros anzufertigen. Im selben Jahr entstand auch in Barcelona das Ölgemälde "Corrida de toros". 

1900: Escena taurina
1900: Zur Jahrhundertwende arbeitet Picasso an seinen ersten Stichen: Unter anderem die "Escena taurina", "Apuntes taurino" und "Toreros en la plaza". Auch Ölgemälde wie "Corrida de toros".

1919: In der Alhambra von Granada wird das Theaterstück El sombrero de tres picos aufgeführt, mit der Musik von Manuel de Falla. Picasso gestaltet einige Kostüme mit Bezug auf die mundo de los toros.

1921 bis 1923: Es entstehen Zeichnungen auf Papier und Leinen mit dem Titel "Toro y caballo herido".

1922:  Im Picasso-Museum von Paris wird "La muerte del torero" ausgestellt.

1931: Die erste taurinische Bronzefigur: "Cabeza de toro"

1933: Es entsteht die bekannte Miniserie "La Tauromaquia", bestehend aus 11 Stichen. 
1937: Studie für das Gemälde Guernica,
Cabeza de hombre-toro y ojos

1934: Es entstehen weitere Ölgemälde auf Leinen mit der Thematik "Corrida de toros". Auch Ölgemälde wie "Corrida - la muerte del torero". In diesem Jahre begann Picasso die toros teilweise durch Frauen zu ersetzen.

1935: Er setzt die Frauen-Gemälde zur tauromaquia fort, unter anderem "Mujer, toro y caballo".

1937: Es entsteht die weltberühmte "Guernica", in welcher auch ein toro ein Rolle spielt. Dafür hat Picasso eine Serie von verschiedenen Studien entworfen.

1938: Der Künstler kreiert verschiedene Werke auf Leinen wie "Naturaleza muerta con vela, paleta y cabeza de toro negro".
1942: Cabeza de toro

1942: Aus Anlass des Todes seines Freundes Julio González entsteht zu dessen Ehrung "Naturaleza muerta con cráneo de toro". Im selben Jahr realisiert er die Skulptur "Cabeza de toro", bestehend aus einem Lenkrad und eines Sitzes eines Fahrrades.

1945 bis 1946: Picasso arbeitet an verschiedenen Lithografien mit dem Thema "El toro".

1947: Konzentriert er seine Arbeit auf thematischen Grafiken "Picador y toro 1" und "Picador y torero en el ruedo"

1950: Picasso lernt den matador de toros Luis Miguel Dominguín kennen. Es entstehen eine Toro y Cabeza de toro".
Reihe von Skulpturen mit Stieren und Stierköpfen, "

1951: In diesem Jahr dreht Robert Picault die Dokumentation "La corrida de Picasso".

1955: Es entstehen weitere recht breite Werke auf Leinen: "Corrida: el torero volteando" und "Corrida: el picador volteando".

1955: Corrida: el torero volteando
1956: "Pase de capa" in ebenfalls auffallend grossem Format.

1957: In diesem Jahr benutzt er verschieden Materialien (Leinen, Zeichnungen und Skulpturen) um sich den toros zu nähern: "Toro", "Toro echado".

1958: Auch im Folgejahr widmet er sich den Leinen "Naturaleza muerta con cabeza de toro" und den Bildhauerkunst zu, "Gran toro" und "Cabeza de cuernos".

1959: La Tauromaquia
1959: Jetzt beginnt Picasso das Thema der "La Tauromaquia" von José Delgado, Pepe Hillo aufzugreifen und er entwirft 26 Illustrationen die sich mit diesem Thema beschäftigen.

1961: Das Buch "Pablo Picasso. Toros y toreros" mit Zeichnungen von Pablo Picasso und Texten von Luis Miguel Dominguín wird veröffentlicht.

1970: In den folgenden Jahren entwirft Picasso drei trajes de luces.

Wie jeder hier erkennen kann, die toros, die mundo de los toros und die tauromaquia haben sehr wohl Pablo Picasso sein ganzes Leben nicht nur begleitet sondern auch geprägt. Er besuchte corridas, toreros zählten zu seinem Freundeskreis, und in seinen Kunstwerken spiegeln sich die Gedanken der Fundamente der klassischen tauromaquia wieder. Eine Gleichung, die sehr wohl aufgeht:


______________________________________________________________
SIEHE AUCH:
Der kleine Picasso und die Stiere
Zur corrida im Lichteranzug von Pablo Picasso

Die oben aufgeführte Ansammlung von Picassos Tätigkeiten und Werken für die mundo de los toros erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Es soll lediglich hiermit dargestellt werden, inwieweit der Künstler in diesem Thema involviert war.

Mittwoch, 17. April 2013

Der kleine Picasso und die Stiere

Selbst "Pablito" organisierte als kleiner Junge corridas in Málaga
___________________________________________________________________





von Philip de Málaga


Der berühmte spanische Künstler Pablo Picasso (sein kompletter Name war Pablo Diego José Francisco de Paula Juan Nepomuceno María de los Remdeios Cipriano de la Santísima Trinidad Ruiz y Picasso, so steht es zumindest im Taufbrief) ist am Dienstag den 25. Oktober 1881 in der südspanischen Metropole Málaga im Haus Nummer 36 an der Plaza der Riego, dem heute bekannten Plaza de la Merced geboren, begleitet von starkem Regen und den kräftigen Böen des Levante. Und genauso ungestüm wie der Wind durch Málaga fegte, begann eine grosse Karriere des erst geborene Sohn der Familie Ruiz.

Der heutige Plaza de la Merced in Málaga
Pablito, wie er liebevoll genannt wurde, war stets nervös, liebte die Bubenstreiche und war trotzdem allen sympathisch. Seine Spielwiese war der heutige Plaza de Merced. Dort tobte er sich mit seinen Freunden aus, jenen Kindern die einen grossen Gefallen an den toros hatten, wie fast alle jungen Leute. Und so war es naheliegend, dass er seinen Vater regelmässig zu den corrida de toros in Málaga begleitete. Pablito war so angetan davon, dass er gelegentlich die plaza, wo er wohnte in eine plaza de toros verwandelte, einige seiner Kompagnons wurde zu toros und er selbst übte sich im Schwingen der capa und der muleta. So veranstalte er seine eigenen tardes des toreo de salón. Seine ersten selbstorganisierten corridas, nur eben ohne toros.

Der kleine gelbe picador
Sein erstes Wort was er sprechen konnte, laut seiner Mutter María Picasso López war "piz". Dahinter verbarg sich aber nicht eine Anspielung auf die menschlichen wie notwendigen Bedürfnisse sondern vielmehr die Aufforderung nach einem "lápiz", das spanische Wort für Bleistift. Schon mit seinem ersten ausgesprochenen Wort deutet Pablo Picasso an, was er wollte, nämlich den Spuren seines Vaters zu folgen, der ebenfalls ein Künstler war. Schon in frühen Jahren widmete er sich dem Zeichnen und der Kunst und sein erstes Werk in Ölfarben widmete Pablito im Alter von neun Jahren den toros. El pequeño picador amarillo (Der kleine gelbe picador). 

Pablo Picasso malte nicht nur weiterhin viel über und von den toros er konnte sich auch als Künstler und Mensch mit der mundo de los toros identifizieren. Ganze Ausstellungen geben noch heute davon ein Zeugnis ab.
Der grosse Picasso und die Stiere

Dienstag, 16. April 2013

Es ist immer eine Fiesta de toros!




Rainer Bischof


"Es existiert im spanischen Denken um die Fiesta de toros 
der Begriff "Kampf" überhaupt nicht.
Im gesamten spanischen Vokabular für die Corrida, 
überhaupt für das Umgehen mit den Stieren, 
gibt es den Begriff "Kampf" gar nicht. 
Es ist immer eine Fiesta de toros, ein Fest für die Stiere."

Rainer Bischof
(Komponierender Philosoph 
und langjähriger Chef der Wiener Symphoniker)

_____________________________________________________
Quellennachweis:
Heilige Hochzeit, Rainer Bischof, Böhlau Verlag, Wien 2006