Samstag, 5. Oktober 2013

El Cid erobert Madrid




von Philip de Málaga


Las Ventas im Rausch einer faena
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Vor mehr als 23.000 Zuschauern liess der matador de toro El Cid die tendidos vibrieren. Verbenero, war der Name des toros aus der ganadería Victoriano del Rio

Der toro Verbenero aus der ganadería Victoriano del Rio.
Ein typischer astifino galoppiert ins ruedo und mit seiner Figur kann er eigentlich nicht so richtig überzeugen. Doch schon gleich im tercio de varas, erkennen die Leute den Ansatz eines toros bravos. Er griff an, ging den Aufforderungen der toreros nicht aus dem Weg. El Cid gelangen wunderbare quites.



Und dann kam sie. Die faena de la temporada. So konnte man es in Aplausos nachlesen.

Ihm gelangen verschiedene Serien von Manövern, welche die tendidos vibrieren liessen. Er verstand es den toro zu lesen, ihn zu verstehen, und brachte naturales, da blieb dem Publikum einfach nur die Luft weg.



El Cid beherrscht zu jedem Moment die Situation. Er kreuzte den Stier, das heisst, er bewegte sich vor dem Kopf des toros von der rechten auf die linke Seite, um dann zum nächsten Manöver anzusetzen. Das Publikum war einfach nur berauscht, von dem was sie zu sehen bekamen.


Er führte die muleta wie ein maestro. Das temple dominierte, der toro folgte. Ein toro bravo, ohne Frage.


So viel Emotionen hatte man in der grössten plaza de toros von Spanien schon lange nicht mehr erlebt. Dos orejas, eigentlich keine Frage, doch mit dem espada, dem Moment der Wahrheit kehrte die Realität zurück. Matadores müssen eben töten können. Im richtigen Moment. Wenn sie dabei scheitern, werden sie in den wichtigen plaza de toros auch nicht belohnt. Aber immerhin, für ein starke ovación für den toro hat es gereicht und eine vuelta al ruedo für El Cid.




Mexiko und die Stiere

Ein Blick über den Atlantik, bevor es so richtig losgeht
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von Colin Ernst


Um den geneigten Leser auf die bevorstehende Saison in Südamerika vorzubereiten, schauen wir uns mal an, was es denn so mit den toros in Mexiko und anderen südamerikanischen Ländern so auf sich hat. Man muss voraus schicken, das maestro Enrique Ponce bereits dort ist und schon eine puerta grande geöffnet hat. Viele der rejoneadores, wie Ventura Pferde dort aufstallen und das südamerikanische Publikum viel enthusiastischer ist, als das europäische. Sie nehmen es nicht ganz so ernst, die fiesta de toros ist das was das Wort sagt: Eine fiesta.                                          

Der matador de toros Enrique Ponce
Die erste corrida soll zu Ehren der Rückkehr Hernán Cortés de las Hibueras, um 1526 stattgefunden haben. Seit dem gab es den Stierkampf in der Geschichte Mexikos. Mitunter gab es durch Verbote große Unterbrechungen, aber die afición der Mexikaner blieb bestehen. Um 1552 brachte Juan Gutiérrez Altamirano zwölf Paar toros aus Navarra ins Land. Er kreuzte sie mit den dort wild lebenden vacas criollos. Die ganadería Atenco soll die älteste Zuchtstätte dort sein. Doch was steckt heute in den schönen toros Südamerikas? Bei näherem Betrachten, sehe ich Stiere, die aussehen wie Victorinos, oder Santa Colomas, auch ihr comportamiento ähnelt diesen. Schnell, wendig, und trapio. In Spanien sieht man die figuras meist mit Tieren, die diese Eigenschaften nicht unbedingt präsentieren und trotzdem fordern sie die Startoreros in Spanien. 

Morante de la Puebla in Mexiko
In Mexiko triumphiert ein Morante mit toros bravos, die wesentlich beweglicher sind als die Mehrzahl unserer heimischen encastes. Und betrachtet man deren Abstammung, sind es genau die encastes  die sie hier in Spanien ablehnen, bzw. nicht grade bevorzugen. Don Rafael Rueda Quintavilla, besser bekannt als Marqués de Saltillo brachte seine Saltillos nach Südamerika und so hielt die Blutlinie der Saltillos Einzug in diesen Ländern. Heute sind fast alle toros bravos in Mexiko auf diese Linie gezogen, aufgefrischt mit Santa Colomas, im Ursprung Buendía und später Ibarra-Saltillo. Joselito brachte die ersten Stiere von Parladé nach Mexiko, diese führten hauptsächlich Domecqblut. So wollte man andere Zuchtlinien einführen…, der toreros wegen. 

Ein toro von Piedras negras
Ein südamerikanischer Kritiker taurino beschrieb dies so: Characterísticas: Nobleza, ni presente grandes problemas para el lucimiento del diestro… Heißt, brav und macht keine Probleme für den Erfolg des toreros. Der Name einer ganadería in Mexiko ist mir besonders im Gedächtnis geblieben, die „Piedras negras“, sie sehen den Albaserradas sehr ähnlich und haben als Kuriosität eine „Krawatte“, einen langen Hautfellfetzten unter Hals baumeln. Soweit ich weiß, wurde dies früher zur Kennzeichnung einer ganadería so gemacht, ein Hautlappen der Wamme, wurde eingeschnitten. Auf Grund der Haltungsbedingungen in den südlichen Ländern Amerikas hat sich der ursprünglich spanische Stier den Gegebenheiten seiner neuen Heimat angepasst. An die Kälte der Nacht, die Hitze des Tages genauso gewöhnt, wie an lange Hitzeperioden, die das Land karg, den Bewuchs spärlich werden lassen. 

César Rincón
César Rincón, ehemaliger torero und heute ganadero, ist bestens vertraut mit den unterschiedlichen Bedingungen auf dem alten und neuen Kontinent, erklärte einmal, das besonders bei der Fütterung und dem Bedarf der Tiere große Unterschiede zu verzeichnen seien. Ebenso im Bewegungsablauf, denn in den oft felsigen, steinigen Gegenden Südamerikas, entwickeln sich die Stiere anders als in Europa. Nun, in der nun angehenden Wintersaison werden die sich die spanischen toreros in Mexiko, Peru, Kolumbien ein Stelldichein liefern und sich mit den besten matadores dieser Länder messen. Suerte toreros!!!   

Freitag, 4. Oktober 2013

Wenn die Stiere noch einmal verkauft werden




von Ursula Herzog


Ein kurioses Foto aus Frankreich
die toros werden dort am Tag nach der corrida namenhaft angeboten.
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Man werfe einen Blick auf die schwarze Tafel im Hintergrund. In der Markthalle von Nimes wurde bereits schon am 13. September Fleisch von dem toro der ganadería Fuente Ymbro angeboten, den der matador de toros David Mora am Tag vorher am 12. September toriert hatte. Geradezu ein cartel in einer Fleischerei, welches nicht nur die ganadería benennt, sondern auch den matador de toros, dass ist doch schon eher etwas Ungewöhnliches.
(Foto: Josef Herzog)

Donnerstag, 3. Oktober 2013

ILP taurina: Was ist das eigentlich?




von Philip de Málaga


Der Weg zum Kulturerbe wurde dadurch in die Wege geleitet, 
weil man im Kongress die ILP taurina mit absoluter Mehrheit beschlossen hat. 
ILP taurina, was verbirgt sich dahinter?
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Bei der ILP taurina handelt es sich um eine Volksinitiative mit dem Ziel der fiesta de los toros eine noch sicherere gesetzliche Grundlage zu verschaffen und sie letztendlich zum immateriellen Kulturerbe von Spanien erklären zu lassen. Hierzu hat ein Ausschuss ein fünfseitiges Pamphlet erstellt, welches gestern im Congress mit einer 55 prozentigen Mehrheit angenommen worden ist, und somit nun offiziell ein neuer Teil des spanischen Gesetzes darstellt, was wiederum mit der spanischen Verfassung verankert ist.

Wie es begann

Es begann eigentlich in Barcelona. Radikale Katalanen und fanatische antitaurinos konnten es in der Tat durchsetzen, ein Verbot der corridas in Katalonien durchzusetzen. Das es dabei allen gewiss nicht um Tierschutz ging, sondern politische Motivation gegen Madrid war, ist weitgehend bekannt. Die Verantwortlichen der spanischen mundo de los toros hatten zum einen die Situation unterschätzt und dann es schliesslich vollkommen versäumt dem entgegenzuwirken. Als dann der französische Nachbar vormachte wie es geht, die tauromaquia zum nationalen Kulturerbe erklärte und die mundo de los toros vor radikalen antitaurinos zu schützen begann, wurde man auch in Spanien wach und fing langsam an neue Wege zugehen. 



Was wurde gestern beschlossen?

Zunächst einmal wurde festgestellt, dass ab dem jetzigen Zeitpunkt der Oberbegriff für die fiesta de los toros  der Begriff tauromaquia sein wird. Und jene fiestas taurinas beinhalteten nicht nur die corridas sondern alle festejos populares, eben alle Veranstaltungen wo der toro im Mittelpunkt steht. Mehr noch, dem Schutz der tauromaquia wird alles unterstellt, was mit der mundo de los toros zu tun. Das geht von den ganaderías mit ihren dehesas, über die plaza de toros bis hin zu den Utensilien wie die traje de luces.

Unbestreitbar ist die tauromaquia ein spanisches immaterielles Kulturerbe. Der kulturelle Charakter der tauromaquia sei nicht diskutierbar und als eine artistische Manifestation verfüge sie über keine politischen Ambitionen.

Auch den wirtschaftlichen Faktoren spricht man eine besondere Rolle zu. Nicht nur die tauromaquia selbst, auch andere Wirtschaftsbereiche seien von ihr gewinnbringend betroffen, und letztendlich werden tausende von Arbeitsplätzen geschaffen.

Festgehalten wird ebenfalls, das gegensätzlich zur aficíon es auch Bürger gebe, welche die tauromaquia differenzierter sehen. Es sei Aufgabe der öffentlichen Einrichtungen, die taurinos diesbezüglich zu schützen.

Alle Aktivitäten der tauromaquia unterliegen der Ausübung von Grundrechten und bürgerlich, sprich öffentlichen Freiheiten, welche selbstredend in der spanischen Verfassung verankert seien. Einmal zum immateriellen Kulturerbe deklariert, unterliegt die tauromaquia dem Artikel 46 der spanischen Verfassung und geniesst somit die volle Unterstützung und den Schutz des spanischen Staates.

Nur wenige Artikel, aber klar definiert

In nur vier Artikel wird die Vorgehensweise klar dargestellt:

Artikel 1: Darstellung des Konzeptes der tauromaquia.
Artikel 2: Die tauromaquia zum immateriellen Kulturerbe von Spanien erklären zu lassen.
Artikel 3: Der Schutz der tauromaquia in Bezug auf Artikel 46 der Verfassung.
Artikel 4: Promotions- und Schutzmassnahmen durch die öffentlichen Einrichtungen.

Damit die neue gesetzlich Vorgaben auch umgesetzt werden können, nimmt eine Comisión Consultiva Nacional de Asuntos Taurinos ihre Tätigkeit auf.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Der Stierkampf auf dem Weg zum Kulturgut




von Philip de Málaga


Der Kulturausschuss des spanischen Unterhauses 
hat heute eindeutig beschlossen, den Weg zum Kulturerbe zu ebenen
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 - - - - - >   B R E A K I N G    T O R O S    < - - - - -

(Foto: mundotoro)
Es hat ein wenig gedauert, denn es gab Ungereimtheiten bei der Stimmenauszählung. Doch nun ist es öffentlich. Die spanische Regierung gibt ein klares Ja für den Weg um die tauromaquia zum Kulturerbe zu erklären. Einer absoluten Mehrheit von knapp 55 Prozent hatte die Opposition nichts entgegenzusetzen. Die letzte Entscheidung liegt nun beim Senat, die innerhalb von drei Monaten fallen sollte.


Tag der Entscheidung




von Philip de Málaga


Der Kongress wählt und bestimmt über die Zukunft der tauromaquia
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Heute wird in Unterhaus des spanischen Parlaments, dem Congreso de los Diputados, darüber entschieden, ob die mundo de los toros auf den Weg zum Kulturerbe gebracht werden soll. Das Plenum ist heute für 16:30 Uhr angesetzt.

SfA wird darüber berichten.

Dienstag, 1. Oktober 2013

Kulturelle Motive



von Lorenz Rollhäuser



Der Verfasser von diesem Zitat ist 1953 in Marburg/Lahn geboren, studierte Erziehungswissenschaft und 1979 zog er nach Hamburg, wo er seit 1982 sein Geld als Kellner, Koch und Kuchenbäcker verdient. Sein Toros, Toreros gehört sicherlich zu den Klassikern der deutschsprachigen taurinischen Literatur.

"Der Stier wir aus kulturellen Motiven gehalten, 
um auf eine bestimmte Weise getötet zu werden, 
das heisst er wird nicht getötet, 
um verzehrt zu werden, 
sondern getötet, 
und zudem verzehrt."
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Toro, Toreros, Lorenz Rollhäuser
Rowohlt Taschenbuchverlag GmbH, Hamburg, Mai 1990

Montag, 30. September 2013

Sevilla: Ausverkauftes silencio



von Philip de Málaga
(Foto: mundotoro)


Die maestros Morante de la Puebla, El Juli und Alejandro Talante 
präsentieren sich in der andalusischen Hauptstadt
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Die meisten kamen nur um ihn zu sehen. Den torero des Jahres. Morante de la Puebla. El Juli und Alejandro Talavante eine luxuriöse Beigabe. Kaum ein torero artista hat es bisher dermassen geschafft die Massen dermassen anzuziehen. No hay billetes. Ausverkauft ist die La Real Maestranza von Sevilla. Knapp 13.000 Zuschauer füllen die tendidos. Alle Blicke richten sich nach oben, alle hoffen, das ein Regenschauer diesem espectáculo taurino keine Ende bereiten wird. Zu Beginn nieselt es ein wenig.

Der erste toro, Fantasía, 532 Kilo ist zwar folgsam doch recht schwach in den Beinen. Morante beginnt damit, was er am besten kann. Mit den verónicas. Im tercio de varas platziert er den toro weit weg vom picador und dieser greift auch an, aber die Attacke war wohl eher als bescheiden anzusehen. Die überzeugend platzierten banderillas. im zweiten Drittel waren auch schon der letzte Höhepunkt. Es war kein toro für Morante. Silencio

Morante de la Puebla, es sollte der krönende Abschluss einer Saison werden, doch es war nicht sein Tag.
Chorrada, der Unfug, der Blödsinn wog 503 Kilo. Ein toro ziemlich serio und der matador de toros El Juli empfing in mit geschlossenen Beinen und einer Serie von verónicas, welche er mit einer wunderbaren media verónica beendete. Im tercio de varas zeigte der toro wenig Energie. Auch im letzten Drittel gab der toro dem matador wenig Möglichkeiten zu glänzen. Weder rechts noch links gelang es dem maestro komplette Manöver durchzuführen. Hinzu kam der störenden Effekt von aufkommendem Wind. Wieder ein silencio.

El Juli musste die muleta auffallend tief führen.
Wenn ein toro den Namen Trágico trägt könnte man schon ein nicht so gutes Vorzeichen deuten. Mit 540 Kilo ein grosses Exemplar. Serio und astifino greift er an, dem matador Alejandro Talavante gelingen einige verónicas und eine wunderbare media verónica, die von den tendidos besonders applaudiert wurde. Nach dem ersten puyazo verhielt sich der toro vollkommen gelähmt. Kaum eine Bewegung war zu ersehen, keine Reaktion ersichtlich, das Publikum protestierte und es war nur noch eine Frage der Zeit, dass der presidente das grüne Tuch zeigte um damit des Austausch des toros in die Wege zu leiden. Trágico wurde seinem Namen gerecht.

Alejandro Talavante
Descorchado mit seinen 436 Kilo war von Beginn an nicht recht angriffslustig aber schliesslich doch folgsam. Und im tercio de varas verstand es Talavante bei den quites mit der capa durchaus zu überzeugen. Im letzten Drittel kam endlich die Emotion ins ruedo. Der matador konnte mit der Arbeit seiner muleta überzeugen. Herrliche derechazos mit der Rechten, traumhafte naturales mit der Linken aber mit diesem toro beherrschte er definitiv mehr die muletazos largos auf der rechten Seite. Einfach nur herrlich anzusehen, ein Hauch von duende erreichte endlich mal die tendidos. Mit einer estocada entera rundet er es ab, ab zu wenig Publikum forderte das oreja.

Alejandro Talavante konnte gerade noch die Katastrophe vom zweiten 6 silencios 6 verhindern.

Nun kam der zweite Auftritt von Morante. Doch der 565 Kilo schwere Espanto, übersetzt soviel wie das Grauen und Entsetzen, dachte gar nicht daran, dem matador Folge zu leisten. Schwach im Angriff forderten einige im Publikum den Wechsel des toros, was beim presidente auf taube Ohren stiess und er schnell das tercio de varas beendete. Mit der muleta versuchte Morante noch einiges aus dem toro zu holen, vergeblich, er war einfach zu schwach und so griff er relativ schnell zum espada und mit einer estocada, welche lediglich ein Viertel eingedrungen ist, beendet er das Grauen. Silencio. Enttäuschung macht sich in den tendidos breit. Man hatte definitiv mehr erwartet.

Auch wenn es nicht sein Tag war, mit seiner media verónica konnte er schon immer überzeugen.
Mit dem schon christlichen Namen Luterano (Parladé) betreten 536 Kilo die Bühne. Anfangs schien er angriffsfreudiger als seine Vorgänger, doch nach dem ersten puyazo war auch diesem ein Ende gesetzt. Glänzen konnte hier lediglich Morante mit einer quite. El Juli gelang es fast gar nicht den toro aus seiner defensiven Stellung herauszulocken Und so findet mit einer estocada corta auch dieses Kapitel ein enttäuschendes Ende. Ein weiteres silencio.

Mit geschlossenen Beinen führt El Juli mit viel temple auf auffallend tief eine verónica durch.
Der letzte toro war mit 565 Kilo wieder ein ordentlicher Brocken. Lingotazo, ebenfalls aus der Zucht von Parladé war serio, beweglich und Alejandro Talavante gelangen einige schöne verónicas, chicuelinas und abschliessend eine media verónica. Erneut leider eine schwache Vorstellung im tercio de varas nur Morante konnte sich mit lediglich einer media verónica noch einmal bei Publikum für seine schwache Leistung rechtfertigen. Der matador widmet den toro dem Publikum und obwohl ihm einige Manöver gelingen, der toro baut von immer mehr aber, zieht sich zurück, und schmeisst schliesslich beim Passieren der muleta den Kopf nach oben. Die corrida endet mit dem, womit sie begonnen hat. Einem silencio.

Alejandro Talavante mit einer verónica
Fazit: Die Feria von San Miguel in Sevilla hat mit seinen vier corridas ganze siebzehn silencios gegeben. Statistisch gesehen über 90 Prozent. Eine durchaus bescheidene Bilanz. Vor allem der Sonntag, die grosse Enttäuschung, hat man doch einiges erwartet, allein schon das No hay billetes zeigt auf, wie gross dass Interesse war. Hasta la bandera, da hätten ganaderos wie toreros doch ein wenig mehr zeigen können.
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Real Maestranza de Sevilla
No hay billetes  Ausverkauft, 12.538 Zuschauer
Toros von Juan Pedro Domecq (1-4) und Parladé (5+6)
Morante de la Pueblasilencio und silencio
El Julisilencio und silencio
Alejandro Talavante - ovación und silencio

Sonntag, 29. September 2013

Über die Notwendigkeit des Todes im Leben


Ein Zitat von
Rainer Bischof


Die fiesta de toros ist das letzte mystische Schauspiel des Todes in der europäischen Kultur. Das versteht sich als eindeutiges Bekenntnis des Wissenschaftlers und Künstlers aus Wien.


"Im Ablauf der corrida ist die Darstellung des Lebens im Tode und die Notwendigkeit des Todes im Leben dargestellt. Mehr noch: Es ist die umfassendste Darstellung des Lebens im Sinne des Theaters. Für jeden aficionado geschieht dies auf dem Boden der Kunst - es un arte de torear. Die corrida ist somit auch eine Entwicklung und Resultat in Richtung Humanisierung und Ästhetisierung theatralischer Lebensumstände der Menschen, dargestellt in einem Opferritual."

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Quellennachweis:
Heilige Hochzeit, Rainer Bischoff
Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar, 2006

Samstag, 28. September 2013

Sevilla: 6 silencios 6




von Colin Ernst


Schlechter kann eine feria taurina kaum beginnen
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Wie soll man das mano a mano zwischen Nazaré und Fortes beschreiben, wie soll man so eine corrida beschreiben? Im spanischen fällt es mir leicht: Falta fuerza, falta transmision, falta chispa (falta = es fehlt an). Gleich der erste Stier wurde zurück in den corral geschickt, zu schwach… Schon beim Betrachten der toros im corral fiel mir auf, das sie schwach bemuskelt waren. Dies, zusammen mit Fettansätzen, macht die Tiere nicht besser. Zwei toros gefielen mir in ihrer Art, aufmerksam verfolgten sie das Geschehen um sich herum und reagierten. Und genau das taten sie später auch im ruedo. Alle toros der dehesa waren im ersten tercio noch frisch, galoppierten munter ihren Herausforderern entgegen. Doch schon die kleinste Prüfung, ließ sie schwächeln, zu tiefe muletazos konnten die Meisten nicht durchhalten. Hier mussten die beiden toreros ihr ganzes Wissen zitieren um ein halbwegs gutes Bild abzugeben. Antonio Nazaré, Sohn der Stadt, versuchte durch saubere, technisch gute faena zu überzeugen. Doch weder toro noch torero konnten die tendidos erreichen.
Porta gayola  von Antonio Nazaré vor doch leeren Rängen (Foto: mundotoro)
Ohnehin ein launischer Nachmittag, die plaza nur ein Drittel voll, zwischendurch regnete es, das Publikum wenig animiert. Kaum stimmte es das heisere „bién“ an, war auch schon wieder silencio angesagt, denn die toros waren mangels Kraft, auf Verschnaufpausen angewiesen. Dies zerstört jegliche flüssige faena. Beide toreros schonten die toros wo sie konnten. Wie gern hätte Jímenez Fortes mit der capa geglänzt, empfing er doch alle seine Stiere a porta gayola. Die quites wurden zwar nicht verschenkt, aber doch wenig spektakulär ausgeführt. Der torero aus Málaga gefiel mir einen Tick besser, baute er, wenn immer der toro es erlaubte, klassische Elemente ein. Leider waren diese Momente endtäuschend selten. Ein torero soll mit seiner Arbeit den toro verbessern, Defekte beheben und erziehen. Davon war`s gut wie nichts zu sehen, dazu waren die zu wenig kooperativ, durch die fehlende Stärke. Einer von ihnen, welcher Jímenez Fortes kurz auf die Hörner nahm war ein protestón, ständig protestierte er durch hoch stossen des mächtigen Kopfes, verlor so den Anschluss und wurde zusehends saurer und unzufriedener. Mit einer anderen Art des Zitierens, des Lockens und ausreichend Raum lassender faena  hätte man diesen  verbessern können. Eine Trophäe hätte Nazaré mit seinem zweiten toro erbeuten können. Grunete, 536 Kilo, hatte mir schon im corral gefallen und schenkte dem matador ein paar gelungene naturales templados. Schade das er am Ende nicht über genügend Power verfügte. Estocada entera und silencio das Ergebnis, ein oreja wäre bei etwas mehr Enthusiasmus gewiss gewährt worden. Aber das Publikum hatte sich gedanklich schon nach dem zweiten toro verabschiedet, dann noch der Regen… es kam keine Stimmung auf. Der dritte und letzte toro für Fortes, Casablanca, 501 Kilo, castaño, bociblanco, war ein schicker Kerl, der anfangs auch recht frisch und ehrlich angriff, leider waren auch seine Kräfte rasch verbraucht. Das enttäuschte Publikum verließ die tendidos noch während des Schauspiels.  6 Silencios 6 betitelte ein spanischer Journalist die corrida. Glanzloses Ergebnis für eine so wichtige feria in Sevilla. Der ganadero hat mich enttäuscht, die toros waren physisch nicht gut vorbereitet. Die toreros haben meine durchwachsene Erwartung erfüllt, die Stärke, das Durchhaltevermögen der Tiere wurde zu hoch eingeschätzt und zahlte es ihnen bei der faena mit der muleta heim. Keiner konnte die Defekte der toros wirklich beheben, von Verbesserung waren sie Meilen entfernt. Kein aficionado der sich mit der Materie auskennt, kann mit so etwas zufrieden sein. 6 Silencios 6 auch von mir.

Wenn das Publikum schweigt




von Philip de Málaga


Wenn man für seine Eintrittskarte nichts zu sehen bekommt
6 silencios 6 !!!!
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Sevilla, ohne Frage einer der Hochburgen des toreos. Der Anspruch des Publikums ist alles andere als bescheiden. Und genauso erwartet man von den toreros, dass sie in der Real Maestranza ihr Bestes geben. Zeigen, dass sie es wert sind, matador genannt zu werden. Auch wenn man weiss, dass nicht jeder torero immer seinen besten Tag hat, oder dass die toros nicht immer den Erwartungen entsprechen, aber irgend etwas sollte doch der zahlende Zuschauer zu sehen bekommen. Doch was man gestern im ruedo von Sevilla gesehen hat, da fehlen einem die Worte. Keine Leben, keine Freude, kein Inhalt, so schrieb man im Portal von mundotoro. Eine glanzlose corrida können wir bei Aplausos lesen. Mit ganzen sechs silencios wurden die matadores abgestraft. Schweigen im Publikum. Gibt es etwas schlimmeres, wenn man als empresario erfahren darf, dass die Zuschauer von der Vorstellung mehr als enttäuscht sind? Wenn sie bereuen, überhaupt einen Cent in diese corrida investiert zu haben. Einen schlechteren Beginn konnte sich die Feria de San Miguel de Sevilla nicht wünschen.
Jímenez Fortes (Foto: mundotoro)

Antonio Nazaré (Foto: mundotoro)

Freitag, 27. September 2013

Über das Konkurrenzdenken beim Stierkampf




von Rainer Bischof


Im Allgemeinen sprechen sich die Österreicher gegen die toros aus. Bei der schriftlichen Erklärung im Jahr 2007 war Österreich das einzige Land Europas. welche sich komplett für ein europaweites Verbot von Stierkämpfen eingesetzt hat. Trotzdem gab es in dieser mitteleuropäischen Republik eine Persönlichkeit aus Wien die es ein wenig anders gesehen hat. Bischoff gilt als einer der angesehensten Komponisten, dessen Leben die Verbindung zwischen Musik und Philosophie reflektiert. Auch er versteht sich als ein aficionado de toros. Über die corrida hat er folgendes geschrieben:

"Die Begriffe Kampf und Konkurrenz gibt es in der corrida nicht. Alle Überlegungen in diese Richtung sind vom Ansatz her falsch. Daher kann sie auch nicht als Sport bezeichnet werden. Weil keine Konkurrenz, keine Gleichwertigkeit im Ausgangspunkt des Wettstreites, eben weil die corrida frei ist von jedem Konkurrenzdenken. Es geht nicht um eine Chance, welche jemand - welches Wesen immer - hat, es geht um die Darstellung des Lebens durch den Tod und die Darstellung des Todes im Leben. Selbst wenn man Leben und Tod als Konkurrenz betrachtet, kann dieser Konkurrenzgedanke nicht für die corrida angewendet werden, weil der Tod immer Sieger ist."

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Quellennachweis:
Heilige Hochzeit, Rainer Bischof
Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar, 2006

Donnerstag, 26. September 2013

Der Stierkampf rückt dem Kulturgut immer näher




von Philip de Málaga


Alle Gegenanträge die toros zum Kulturgut zu erklären 
wurden heute in Spanien abgelehnt!
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Die ganze mundo taurino blickte heute ins spanische Parlament. Und die Überraschung war eigentlich nicht wirklich gross. Alle fünf Anträge zu verhindern, dass die toros zum spanischen Kulturgut erklärt werden könnten, wurde vom spanischen Parlament eindeutig abgewiesen. Die Versuche, der vorwiegend links orientierten Parteien wurde somit zum Scheitern verurteilt. 
Das spanisch Parlament sagt JA zu den Stieren (Foto: mundotoro)
Die mundo de los toros gehört zu Spanien, und wer das nicht versteht, oder anerkennt hat ein Problem mit Spanien. Kultur bleibt Kultur. Da kann man nicht mal daher herkommen und aus populistischen wie politischen Gründen versuchen diese einfach abzuschaffen. Tierschütz hin, Tierschütz her, gibt es nicht gerade in Sachen Tierschutz andere Prioritäten? Gewiss, nackt in Pamplona zu stehen bringt mehr Popularität als nackt vor einer Massentierhaltung sich aufzubauen. Das ist einer der Gründe, meine Damen und Herren, warum sich gewisse Organisationen dermassen gegen die tauromaquia engagieren. 

Aber gerade die Schriftliche Erklärung aus dem Jahr 2007 hat gezeigt, nur die Hälfte der sogenannten Tierschützer stehen hinter diesen Aktionen der antitaurinos. Mehr brauch man dazu nicht sagen.

Michelito - der jüngste Stierkämpfer der Welt




von Ursula Herzog


Der jüngste torero der Welt arbeitet sich nach oben
befindet sich in Mexiko auf der Bestenliste schon ganz oben
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In seiner ersten temporada als matador de toros stand der junge Michelito Lagravére, mit dem Künstlernamen Michelito an zweiter Stelle im mexikanischen escalafón. Er hatte an 27 corridas teilgenommen und dabei 42 orejas und zwei rabos erhalten.

Michelito wurde am 1. Dezember 1997 in Mérida in Mexiko geboren. Sein Vater war der ehemalige französische matador de toros Michel Lagravére, seine Mutter Mexikanerin. Auch sein Grossvater war schon ebenfalls ein matador de toros, der aus Andalusien stammende Jesús de Fariña. So kann man schon erkennen, dass das Blut eines torero in der Familie lag.  Michelito begann im Alter von fünf Jahren seine Karriere als torero. Und recht erfolgreich. In der temporada 2008/2009 erlangte er als novillero bei 61 novilladas die stolze Ansammlung von 111 orejas, 29 rabos und einem indulto. Da war er gerade mal elf Jahre alt.

Mit elf Jahren gegen elf Stiere (Foto: mundotoro)
Michelito war 2009 im Alter von 12 Jahren in die  internationale Presse gekommen, als er  in Mérida, seinem mexikanischen Geburtsort, sechs erales gegenüberstand. Der junge torero erhielt damals zwei orejas.

(Foto: mundotoro)
Seine alternativa fand am 25. November 2012 (kurz vor seinem 15. Geburtstag) in Mérida statt, wo er sein erstes oreja als matador de toros ergattern konnte. Dabei war niemand geringerer als der berühmte französische maestro Sebastian Castella sein padrino. Noch heute wird diskutiert, wer war es denn nun, der torero der im jüngsten Alter seine Alternative bestritt. Angeblich sollen sechzehn Tage zwischen Michelito und dem matador de toros Luis Miguel Dominguín (1926 - 1996) gelegen haben.

Wird er der nächste Superstar unter den toreros?
Es ist immer wieder die Kritik aufgetaucht, dass hier ein ehrgeiziger Vater seinen Sohn verheize. Vielleicht wollte Michelito aber wirklich von frühester Kindheit an mit den toros kämpfen. Wenn man toreo als Kunst betrachtet, muss man auch akzeptieren, dass es Ausnahmeerscheinungen geben kann ("Monstren", wenn man so will). Es gab und gibt in allen Bereichen der Kunst "die frühe Berufung".

Die junge mexikanische temporada ist der neue Star unter den torero etwas ruhiger angegangen. Mit gerade mal der nicht schlechten Bilanz von 9 festejos taurinos, wobei er 15 orejas und einen rabo erobern konnte, kann die afición trotzdem sicher noch viel von diesem jungen Talent erwarten.

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Quellennachweise:
Michelito, in Terres Taurino, Actualité, vom 27. September 2013
Michelito Lagravere, Encyclopedia des Portal Taurino
Luis Miguel Dominguín, Encyclopedia des Portal Taurino
Michelito, el torero más joven del mundo, sueña con Europa, lainformación.com, vom 27. September 2013