Donnerstag, 24. März 2016

Als deutsche Zeitungen das Ohr entdeckten




von Philip de Málaga


Wie plötzlich deutsche Medien etwas entdecken, 
was es schon sehr lange gibt
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Jeder der sich mal ein wenig mit dem Ablauf einer corrida de toros beschäftigt hat, bekam irgendwie mit, dass die matadores am Ende von einer erfolgreichen lidia mit einem oder zwei orejas als trofeos belohnt werden. Um diese zu fordern, benötigt der aficionado in den tendidos ein weisses Taschentuch, welches er in Richtung presidente schwingt, um zu signalisieren, dass er ein oreja fordert.
Das Publikum war mit der Leistung des matadores zufrieden und fordert
mit den weissen Taschentüchern die Prämie eines orejas vom Präsidenten.
Ist es die Mehrheit des Publikums, welche mit den weissen pañuelos winkt, wird von dem presidente der corrida das erste oreja gewährt. So gelang es dem matador de toros Curro Díaz, am letzten Palmsonntag in Las Ventas, der grössten plaza de toros in Europa, nicht nur ein oreja zu erlangen, sondern gleich zwei Mal ein oreja  welches im die puerta grande in einem der wichtigsten cosos in Spanien öffnete, wo er auf Schultern durch getragen worden ist.

Der matador de toros Curro Díaz in Madrid
In fast allen spanischen Medien wurde dieses Ereignis lobend erwähnt wie zum Beispiel in der konservativen Tageszeitung EL MUNDO: Puerta grande für die Kunst des Curro Díaz. Man sprach von der arte del toreo.


So viel Kunst konnte wohl die deutschen Presse in der arte de lidiar nicht entdecken. Im Gegenteil sogar. Gerne betitelt man die toros wieder als ein sportliches Ereignis und die Pose des toreros sei eine einzige Schande.


Ob sich die Verfasser solcher Beiträge überhaupt einmal  mit der mundo de los toros journalistisch korrekt befasst haben, kann man wohl bezweifeln. Wenn die meistgelesene Tageszeitung Deutschlands nicht einmal in der Lage ist den Ort des Geschehens korrekt zu nennen, was kann man da schon erwarten.

Ausschnitt aus dem Artikel der BILD.
Zwar gab es im amerikanischen Las Vegas in der Tat auch schon mal corrida de toros, aber das hiesige Ereignis fand in Spaniens Hauptstadt Madrid statt, in der plaza de toros Las Ventas.

Zwar erwähnt BILD am Ende seines kurzen Berichtes die pro-taurinische Demonstration in Valencia diese Tage, aber trotzdem scheint die Frage nicht so ganz ungerechtfertigt, was will man mit solchen Artikeln eigentlich erreichen? Was möchte man dem Leser mitteilen? Fachkundige und gut recherchierte Information wohl kaum. Auch scheint es kein sinnvoller Beitrag für die abolición de los toros zu sein. Oder doch? Immerhin, benutzt man das Wort "immerhin" um anzudeuten, dass es auf der Inselgruppe der Balearen und in Katalonien verboten ist. Verboten? In Katalonien? Das dort lediglich eine Handvoll corrida de toros in der katalanischen Hauptstadt Barcelona verboten wurden, haben sie nicht erwähnt. Auch nicht die über 65 festejos populares, welche weiterhin mit grossem Eifer in den vor allem ländlichen Gegenden  Kataloniens weiterhin organisiert werden. Selbst Tierschützer und antitaurinos erkennen dieses politische Intrigenspiel mit den toros. Die deutsche Presse muss da wohl noch ein wenig lernen.

Aber immerhin, dass mit den orejas haben sie jetzt auch mitbekommen. Immerhin, eine Tradition, welche es schon seit dem 18. Jahrhundert gibt, und in Ronda und Sevilla entstanden ist. Ursprünglich wurde mit dieser Geste dem matador das Fleisch seines getöteten toros zugeteilt, damit er es mit seiner cuadrilla, der Familie und den Freunden verspeisen konnte. Manchmal stellte der torero das Fleisch auch wohltätigen Zwecken zur Verfügung.

In Madrid werden jedes Jahr zwischen 35 und 50 orejas verteilt. Genau waren es in den letzten zehn Jahren 396 orejas. Und in Deutschland ist diese Erkenntnis jetzt angekommen . . .

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Siehe auch:

Orejas und rabos, was hat es eigentlich damit auf sich?, SfA Reportage vom 2. Februar 2014

Mittwoch, 23. März 2016

Über das Publikum




von "El Papa Negro"


Der matador de toros Manuel Mejías Rapela (1884 bis 1964), bekannt unter dem Künstlernamen "El Papa Negro" ist der Begründer der bekannten Bienvenida Dynastie, welches sich darin begründet, dass er in der Gemeinde Bienvenida in der Extremadura geboren ist. Aber schon mit sieben Jahren wechselte er mit seiner Familie in die andalusische Hauptstadt Sevilla. Den Namen seiner Geburtsstadt nahm er mit und begründete eine Dynastie an torero. Er hatte sieben Kinder, fünf wurden zu matadores de toros, einer unter ihnen der bekannte Antonio Bienendia, mit welchem der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway befreundet war und auch über diesen geschrieben hatte.

"Das Publikum protestiert viel zu häufig und ohne Grund, 
denn sie kennen nicht einmal 
die schwierigen Konditionen der toros!"

Dienstag, 22. März 2016

Ein Torero legt eine Pause zur Wiederfindung ein




von Philip de Málaga


Salvador Vega aus Málaga teilt sich in den Sozialen Netzwerken mit
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Das sich ein matador de toros mal für eine Zeit aus der mundo de los toros zurückzieht ist weder etwas neues noch besonderes. Schon gar nicht, wenn man jenen torero unter den internationalen aficionados kaum kennt. So der am 8. März 1984 in Málaga geborene Salvador Vega. Eine Familie taurina, sein Vater selbst war novillero. Im Februar 2003 hält er seine alternativa in Nîmes ab, wo kein geringerer als der maestro Joselito ihm als padrino zur Seite steht. Mit einem toro und dem stolzen Gewicht von 589 Kilo erlangt er als trofeo dos orejas, und es beginnt für ihn eine tolle temporada, wo es ihm gelang in Santander, Jerez de la Frontera, Algeciras, Puerto de Santa María, Dax, Bilbao und zwei Mal in Málaga. Auch 2004 lief hervorragend für den Malgueño. Die folgenden zwei bis drei Jahre waren geprägt von Höhen und Tiefen, von Triumphen in Ronda, Sevilla, Madrid und Valladolid aber auch zahlreichen silencios in anderen plaza de toros. Dann gelang es ihm zwar sich mit einer kontinuierlichen Leistung zu  präsentieren, aber der richtig Durchbruch wollte nicht mehr gelingen. Im letzten Jahr trat er ersatzweise für Jiménez Fortes ein, wo er bei seinem ersten toro das Publikum mit einer sehr guten estocada überraschte, welches ihm auch die Prämie der besten estocada der feria taurina in Málaga 2015 einbrachte.

Nun will sich der maestro aus Málaga zurückziehen, in sich gehen um dann neu geordnet, motiviert und wieder die ruedos zu betreten und die mundo taurino zu erobern. Bei seinen Fans und der afición hat er seinen Schritt gestern Vormittag in den Sozialen Netzwerken angekündigt:


"Mit diesem Schreiben möchte ich Ihnen meine Entscheidung mitteilen, dass ich mich auf eine unbestimmte Zeit aus den ruedos zurückziehen werde. Ich spüre dazu die innere Notwendigkeit meinen eigenen und passionierten Weg des toreos zu finden, meine persönliche Form es zu interpretieren. Die Zeit ausserhalb der ruedos ist, wie ich schon sagte, nicht vorgegeben.  Hängt aber davon ab, wie meine Motivation und die Gefühle welche mich immer dazu bewegten mich auszudrücken,  genauso wie die Leidenschaft mit der ich den Beruf erlebte, mich wieder beleben, welche derzeit eher verschwunden erscheinen.

Es war eine sehr schwere Entscheidung für mich, aber ich bin davon überzeugt, dass es richtig war. Und so möchte ich mich ganz herzlich bei allen aficionados und Fans bedanken, welche mit ihrer Treue und Liebe während meiner gesamten Karriere zur Seite standen. Dank auch an meine Familie, welche mich ebenfalls auf dieser neuen Etappe bedingungslos unterstützen wird. Schliesslich habe ich noch das Bedürfnis mich bei meinem gegenwärtigen apoderado Manolo Cortes zu entschuldigen, für ein Projekt, welches wir abbrechen mussten, da andere Prioritäten gesetzt worden sind. Ich danke ihm für die Unterstützung und sein Verständnis für meine Entscheidung.

Ich verabschiede mich mit Worten, obwohl die beste Form mich auszudrücken war stets in der plaza. Darum möchte ich es auf diesem Weg mit einer Zusammenfassung meines letzten Auftrittes der letzten temporada bei der Feria von Málaga tun."

Salvador Vega mit seinem ersten toro in der La Malagueta am 21. August 2015:

Montag, 21. März 2016

Über die Kenntnis, die ein Aficionado de toros haben sollte




von Rafael "El Gallo"


Der matador de toros Rafael Gómez Ortega mit dem Künstlernamen El Gallo und später Divino Calvo (Göttlicher Kahlkopf) war der älteste Bruder des legendären maestros Joselito (1895 bis 1920). Er war übrigens auch der Schwager des bekannten toreros Ignacio Sánchez Mejías, welcher nicht nur den andalusischen Poet García Lorca animierte, sondern auch SfA Mitarbeiterin Torodoro Gorges auf ihrem Webauftritt torodoro.


"Mein Vater ist der beste aficionado den ich kenne.
Wenn er sagt, dass eine Sache schlecht oder gut war,
erklärte er auch immer warum."

Sonntag, 20. März 2016

Wenn der Stier eine Tonne wiegt!

Über den grössten Kampfstier der Welt - 950 Kilo!
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von Philip de Málaga


Schon bei einem toro bravo mit mehr als 600 oder gar 700 Kilo geht ein Raunen durch die plaza de toros. Zu viel toro, zuviel sich bewegendes Fleisch, für einen torero.  Solche corridas sind in der Regel der ganadería Miura zugestanden, jene Stierzucht, welche die meisten toreros auf dem gewissen hat.  Besonders mutig wird es dann, wenn der matador von kleiner Gestalt ist. Wie zum Beispiel der Sevillaner Domingo Valderrama. Mit einer Grösse von nur 1,62 Meter scheute er sich nicht gegen die kräftigen und grossen Tiere der Miuras anzutreten. Und manchmal waren die Tiere mit ihren 700 Kilo grösser als der torero und er konnte nicht einmal über sie hinwegsahen. Und für die estocada benötigte er einen gewaltigen Satz nach oben, um den estoque richtig zu platzieren. Für viele aficionados galt der kleine maestro aus der andalusischen Hauptstadt als einer der mutigsten toreros seiner Epoche.

Domingo Valderrama fürchtet keine grossen toros.
"Nur weil man so klein ist, beeinträchtigt das doch nicht eine figura zu sein," verkündet voller Überzeugung der kleine torero aus Sevilla.

Was ist nun, wenn aber der toro selbst alle optischen Masse sprengt? Sich in seiner Evolution in einem optischen Grössenrausch befindet? Weit mehr als 700 Kilo auf die Wage bringt, beinahe 1.000 Kilo, eine ganze Tonne gegen vielleicht 70 Kilo torero?


Zugegeben, eigentlich bekommt man diese eher nicht zu sehen. Scheitert es doch schon daran, dass kein torero sich gegen diese taurinischen Monster herangetraut. Aber trotzdem hält man Ausschau, wer hält den den Guinessrekyord mit dem grössten toro im ruedo aller Zeiten?

Weit muss man zurückschauen. Wir gehen in das Jahr 1932 nach Barcelona, eine Epoche wo die mundo taurino in der katalanischen Hauptstadt noch Willkommen war. Und was an diesem Tag der corrida de toros in der Monumental de Barcelona zu sehen bekamen, wurde in den folgenden Tage in den Medien als eine Bestie beschrieben, als das wildeste Tier dass jemals ein ruedo betreten hatte.

Es war der 24. Juli 1932 und der matador de toros aus México, David Liceaga, traute seinen Augen nicht, als er seinen toro aus dem toril rennen sah. Zwar hatten ihn seine banderilleros vorgewarnt, aber diese Dimension hatte der Mexikaner nicht erwartet. Ein toro von gigantischem Ausmasse, mit stolzen 950 Kilo von der ganadería Arránz.

950 Kilo für einen historischen Nachmittag
Und was der matador aus México zeigte gefiel dem Publikum in den tendidos. Furchtlos trat er seinem "Gegner" entgegen und zum Erstaunen der Zuschauer gelang es dem torero seiner Aufgabe als matador gerecht zu werden, und tötete den toro mit einer beeindruckenden estocada.

Obwohl David Liceaga der Hauptakteur an diesem historischen tarde de toros in Barcelona war, wo er den grössten toro in der Geschichte der tauromaquia mit Erfolg einem erstaunten Publikum präsentierte und auch in den dreissiger Jahren in einigen plaza de toros stets gern gesehen war, wo er vor allem mit der capa überzeugte, ist er der heutigen afición weitgehend unbekannt.


Samstag, 19. März 2016

Die Universität von Murcia fördert den Stierkampf




von Philip de Málaga


Das akademische Institut von Murcia 
bietet Stipendien für angehende Toreros der Stierkampfschule an
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Gestern hat die katholische Universität San Antonia de Murcia (UCAM) und die Escuela de Tauromaquia der Region Murcia einen Kooperationsvertrag unterschrieben, wo Studenten der akademischen Hochschule die Möglichkeit gegeben wird, parallel zu ihrem Studium, eine Ausbildung in der lokalen escuela taurina anzutreten, um auch die Möglichkeit zu haben, die mundo de los toros besser kennenzulernen, und gegebenenfalls repräsentieren zu können. Mit diesen Stipendien soll die tauromaquia als Kulturgut gefördert werden, nicht nur um sie als Tradition zu erhalten, sondern auch den gesetzlichen Standards zu entsprechen.

Rocío Bernal von der escuela taurina und José Luís Mendoza, Präsident der UCAM
(Foto: mundotoro)
Die Präsidentin der escuela taurina, Rocío Bernal, bedankte sich bei dem Präsidenten der Universität, Don José Luís Mendoza für seinen Einsatz und die Unterstützung der mundo taurino,  Dabei betonte sie, dass diese besondere Sensibilität für die Escuela de Tauromaquia nicht nur ein kurzes Aufflackern einer losen Idee sei, und fügt hinzu, dass es eine gute Alternative für Schulversager sei um einen neuen Blick für die Zukunft der Schüler zu offenbaren.

Der matador de toros Pepín Liria
Mendoza bemerkte dazu, dass sicherlich einige dieser toreros Erfolg haben werden, andere wohl nicht, aber man habe wenigstens die Mittel zur Verfügung gestellt, um einigen diese andere Ausbildung zugute kommen zu lassen, welche ihnen ein zukünftiges Leben ermöglich könnte.

Anwesend war auch der matador de toros Pepín Liria. Der professionelle torero sieht in diesem Vertrag eine echte Chance für die alumnos der escuela taurina. Die grösste Sorge für die Anwärter des toreos sieht er jedoch in deren Zukunft. Es ginge nicht allein nur um eine gute Ausbildung anzubieten, denn man weiss ja wie schwer es ist eine gute figura im toreo zu werden, sondern man sollte diesen toreros auch die entsprechenden Möglichkeiten für eine Zukunft garantieren können.

Freitag, 18. März 2016

Drei Nationen - Zwei Stiere - Ein Kampf




von Philip de Málaga



Korida: Der Dokumentarfilm von Siniša Vidović
Ein Stierkampf für den Frieden?
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Über den Stierkampf in Bosnien Herzegowina hatte SfA schon im August letzten Jahres berichtet. Nun gibt es über dieses doch besondere Ereignis der Stiere einen Dokumentationsfilm, der in der letzten Woche offiziell vorgestellt worden ist.


Pressemitteilung

Korida begleitet mehrere Protagonisten auf ihrer bewegenden Reise durch die Welt der bisher kaum filmisch festgehaltenen bosnischen Stierkämpfe, der Koridas. Der Dokumentarfilm nähert sich dem Phänomen Korida und eröffnet uns neue Blickwinkel auf fremde Strukturen und althergebrachte Vorstellungen.


Was macht sie so anziehend, dass sie eine derartige Faszination auslösen? Warum vergessen gerade hier die drei ehemals Krieg führenden jugoslawischen Ethnien ihre Differenzen und lassen stattdessen die Stiere kämpfen? Stimmt es, dass Koridas dem bosnischen Volk mehr Frieden gebracht haben als die Europäische Union?


Korida widmet sich der weitgehend unbekannten aber jahrhundertalten Tradition des bosnisch-herzegowischen Stierkampfes und seiner völkerverbindenden Wirkung.


Die Hauptprotagonisten sind nicht die kämpfenden Stiere selber, sondern die Menschen, die hinter ihnen stehen sowie ihre Gesellschaft. Eine Gesellschaft, die sich im Wandel befindet und mit ihrer Vergangenheit und um einen positiven Blick in die Zukunft.


Die Welt der Stierkämpfe des bosnischen Hinterlandes bietet auf Grund seiner gesellschaftspolitischen Brisanz und der immens spannenden und bisher nie portraitierten Charaktere die Möglichkeit einen ungeschönten Blick auf ein Land zu werfen, das sich auch nach über zwei Jahrzehnten noch nicht von den Auswirkungen des Krieges erholt hat. Alte Wunden bluten immer noch unter der Oberfläche und Politiker unterschiedlichster Parteien führen Stellvertreterkriege auf dem Rücken der Bevölkerung. 


Eine Bevölkerung, die wie so oft im friedlichen Miteinander schon viel weiter ist, als viele Politiker wahrhaben wollen. Der Film zeigt zudem die universelle Verbundenheit von Mensch und Natur und der kathartischen Wirkung dieser Verbindung. Korida ist ein Dokumentarfilm von archaischer Poesie, ein Film über das ewige Wechselspiel zwischen Mensch und Natur, Jung und Alt und der der Vergangenheit, die in der Zukunft sichtbar wird.

Der Regisseur Siniša Vidović über seinen Film

"Wer sind die Menschen, die in diesem Kosmos leben? Und warum scheint es einer der wenigen Massenevents der Region zu sein, bei dem es keine ethnischen Konflikte gibt? Diese Fragen beschäftigten mich und führten mich zu einer mehrjährigen Reise, die nun in diesem Dokumentarfilm mündet. 


Der Zuschauer bekommt nicht nur einen Einblick in das ihm weitgehend unbekannte bosnische Stierkampf-Milieu, sondern auch in die Menschen und ihre Konflikte. Die Protagonisten sprechen oft darüber, dass trotz des Krieges zwischen den Ethnien aktuell keine Probleme vorherrschen, zumindest nicht in der ländlichen Welt der Koridas. Zugleich zeigt der Film jedoch, wie eine der wichtigsten Koridas des Jahres auf Grund eines ethnischen Konflikts nicht stattfinden kann. Dieser Bruch zwischen den Behauptungen der Protagonisten und der harten hier dokumentierten Realität  erlaubte mir einen einen Blick jenseits der Welt der Koridas: Er gab mir einen neuen Blick auf die fragilen, zwischenmenschlichen Beziehungen einer krisengeprägten Nachkriegsgesellschaft. Und diesen Blick möchte ich nun mit dem Kinopublikum teilen und diskutieren."


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Offizieller Link: Korida





















Donnerstag, 17. März 2016

Eine Kultur für das Volk




von Enrique Ponce


Am Tag 13M (13. März 2016) der Demonstration für die Freiheit der tauromaquia in Valencia war der matador der toros Enrique Ponce einer der hervorstechenden Sprecher, welcher tausende von aficionados mit seinen Worten begeistern konnte.  SfA hatte darüber berichtet: Der Ruf der Freiheit

"Kultur ist nicht das, was einige meinen was es ist, 
sondern was das Volk will! 


Der toro ist weit mehr als ein Hobby oder ein Zeitvertreib; 
wir reden hier von der freien Wahl des Menschseins, 
das Lied des Lebens zu singen im Angesicht des Todes. 
Und all das was wir verteidigen 
tun wir in vollem Bewusstsein der Moral und Ethik."

"Und hier ein vehemente Empfehlung: 
Verleugnen sie uns nicht, ohne uns zu kennen!"

Montag, 14. März 2016

Kurze Unterbrechung bei SfA

Für ein paar Tage gönnen wir den toros auf ihren weiträumigen dehesas ein paar Tage noch mehr Ruhe. Können sie, wie kaum ein anderes Zuchttier so herrlich ungestört ihre Freiheit geniessen um ihr Leben als ein toro bravo in einer plaza de toros mit ihrer raza den duende in die tendidos zu übertragen, und um so vielleicht mit einem wohl verdienten indulto einer langen Zukunft auf den grossen Weiden ihrer ganadería entgegenzusehen.


Gegen Ende dieser Woche werden wir von SfA mit der Berichterstattung fortfahren und die deutschsprachige afición über die Neuigkeiten, über Historisches und vor allem über neue Zahlen aus der Wirtschaft informieren, die aufzeigen, dass mit der tauromaquia mehr verdient wird, als finanzielle Hilfen hineingesteckt werden. Mit anderen Worten, ein Verbot der toros kommt letztendlich den Steuerzahler teurer zu stehen, als die wenigen Subventionen. Doch bald mehr davon

Auf diesem Weg möchten wir es auch nicht versäumen:
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Vielen Dank, an alle treuen Leser
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Denn auch in diesem Jahr konnte SfA gut starten. Im Januar hatten wir noch knapp 9.000 Hits und im Februar waren es mit 11.342 schon eine Steigerung von 27 Prozent! Wir können uns auf 2016 freuen. Denn das Interesse beim deutschsprachigen Publikum steigt kontinuierlich. 

MUCHAS GRACIAS an ALLE

und hasta muy pronto.

Sonntag, 13. März 2016

Der Ruf der Freiheit




von Philip de Málaga


Eine historische Manifestation in Valencia für die Tauromachie
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Demonstrationen über die Stiere war bis jetzt eigentlich stets eine Angelegenheit der antitaurinos. Doch diesmal, heute am Sonntag den 13. März 2016 zum Beginn der grosse Fiesta Las Fallas mit ihrer populären feria taurina zeigte die afición a los toros in Valencia Stärke. Tausende von aficionados und taurinos füllten die Strassen der valenzianischen Hauptstadt. Nach inoffiziellen Darstellungen waren es 35.000 bis 40.000 Beteiligte, öffentliche Regierungsstellen sprachen von mehr als 10.000. Egal, wie viel auch immer es gewesen sind, es handelt sich um eine protaurinische Manifestation von historischem Ausmasse.


Lautstark halten die Rufe nach Libertad, nach Freiheit durch die Strassen. Tausende setzten sich für ihre Geschichte, ihre Tradition und ihre ureigene Kultur ein. Begleitet wurde die afición von namenhaften toreros, ganaderos, empresarios und apoderados. Besonderer Blickfang die vielen figuras unter den Besuchern wie die maestros Enrique Ponce, El Juli, Morante de la Puebla, José María Manzanares, José Tomás, El Soro, Ortega Cano, und die matadora Cristina Sánchez und andere.

Mit folgenden Worten beeindruckte der diestro Enrique Ponce die afición: "Heute ist ein historischer Tag. Dafür können wir uns gratulieren. Wir zeigen hier Bürgercourage und sind stolz darauf aficionados de toros zu sein. Das sollte jeder mitbekommen den es etwas angeht. Kultur ist das, was die Leute wollen. El toro und seine Welt ist Kultur. Wir sind Spanier mit vollen Rechten. Spanier mit ihren empfindlichen Gefühlen und Trends."  

Und er fuhr fort: "Wir wollen niemanden verstossen. Wir sind Menschen des Friedens und der Harmonie. Wem es nicht gefällt, der soll nicht kommen. Aber wir fordern die Freiheit zu denken und zu wählen, die Gleichbehandlung in Bezug auf Aktivitäten und Kunst. Wir akzeptieren keine Verleumdungen und Beleidigungen."

Alle Printmedien und im Fernsehen brachten dieses Ereignis, und am Rande sprach man auch von den dreissig antitaurinos welche vor dem Rathaus ihre Gegendemonstration organisierten.

Samstag, 12. März 2016

Der versteckte Tod

In Portugal werden die Stiere nicht im Rund einer Plaza getötet
Ist das sinnvoll?
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von Philip de Málaga


Immer wieder liesst man auf gewissen Portalen der antitaurinos, warum werden die toros in Spanien nicht wie in Portugal ausserhalb der plaza de toros getötet. Auch SfA erhält diesbezüglich gelegentliche Anfragen wie diese Tage von Franz M. aus Gelsenkirchen:

"... nun habe ich mich hier schon eine Zeit lang durch gelesen, und kann gut verstehen, dass aus Gründen der Tradition, einer gewissen Portion Begeisterung, von den Stierkämpfen einiges an Faszination ausgeht. Was ich aber nicht verstehe, warum müssen die Stiere in der Arena vor den Augen des Publikums, nicht selten Kinder, getötet werden. Könnte man da nicht dem Beispiel wie in Portugal folgen, wo die Tier ausserhalb der Stierkampfarena getötet werden? ..."

Nun, SfA hat ja schon an anderer Stelle über den symbolischen, ethischen wie ästhetischen Tod in einer plaza de toros vor Publikum gesprochen: Über den Tod des Stieres, warum der Stier eigentlich sterben muss.

Wie steht es denn nun mit der Behauptung, es sei besser die toros ausserhalb des ruedos zu töten. Nun sei einmal klar festgestellt, dass es sich hier eindeutig um einen grossen Irrtum handelt, wenn man annehme, dass das Töten der toros ausserhalb der plaza de toros weniger grausam bzw. qualvoller sein. Im Gegenteil sogar! Ein toro der lebend aber verletzt das ruedo verlässt muss nicht selten Stunden warten, bis er abgeholt wird, damit man ihn zum Schlachthof, dem matadero bringt. Es gibt sogar Aussagen die bestätigen, dass die Tiere manchmal sogar bis zum nächsten Tag dort warten müssen. Und da ist er nun, eingesperrt in einem meist kleinen dunklen Raum, seine Schmerzen beginnen sich zu steigern, da der Adrenalinspiegel am sinken ist und auch der Ausstoss der Beta Endorphine nachlässt. Und er selbst kann gar nichts dagegen tun, sich nicht mal wütend dagegen aufbegehren. Ein purer Leidensweg zum Tod. Ein Kalvarienraum zum Ende des Lebens.

In Portugal werden die toros ebenfalls verletzt, verlassen aber das ruedo lebend,
um dann später im Schlachthaus getötet zu werden.
Den einzigen Vorteil dieser Qual findet sich in der scheinheiligen Vorstellung, "Was man nicht sieht, existiert nicht!". Das Publikum rechtfertigt seinen Besuch damit, bei dem eigentlichen Tötungsakt nicht anwesend zu sein. Wir verstecken das Blut, die Wunden und den Tod, dann können wir auch der Vollstreckung des Todes nicht beschuldigt werden. Dahinter verbirgt sich ein Gedankengut der Heuchelei.

Der toro bravo wird mit grossem Aufwand auf einer ganadería zum Sterben in einer plaza de toros gezüchtet. Der Tod, wie schon beschrieben ist das essentielle Ende einer corrida. Es geht um die Darstellung des Lebens durch den Tod und die Darstellung des Todes im Leben (*).  Und in Portugal geht man diesem mit gezielter Affektiertheit aus dem Wege. Ob das die portugiesische afición will oder nicht spielt keine Rolle. Es ist auf jeden Fall eine traurige Tatsache.
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Quellennachweis:
(*) Heilige Hochzeit, Rainer Bischof, Böhlau Verlag, Wien - Köln - München, 2006


Freitag, 11. März 2016

Valencia und Enrique Ponce




von Philip de Málaga


Wer an den Torero Ponce denkt, der denkt an Las Fallas
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Der am 8. Dezember 1971 in der Gemeinde Chiva geborene matador de toros Enrique Ponce Martínez gehört schon seit Jahren nicht nur zu den führenden figuras in Spanien, sondern ist ein gern gesehener lidiador in allen ruedos auf der Welt. Mehr noch, was ein Franz Beckenbauer für den deutschen Fussball ist, ist Enrique Ponce für die spanische mundo de los toros. Dabei versteht er es nicht nur in den plazas de toros durch seine ruhige Art des toreo zu überzeugen (kaum ein torero setzt sich so für eine gute Vorstellung des toros so ein wie er, womit sich auch seine zahlreichen indultos erklären lassen), auch gesellschaftlich gesehen ist der Gentleman der tauromaquia häufig ein Gast. Ob bei königlichen Hochzeiten, offiziellen Anlässen oder in den Medien, Ponce steht häufig im Mittelpunkt.


Und wie der Kaiser in München regierte so bestimmt Enrique Ponce dass Geschehen geradezu dominierend bei den Las Fallas von Valencia. Die erste grosse wichtige feria taurina in der spanischen temporada. Eine fiesta wo dieser torero nicht nur dazugehört, sondern als ein Klassiker geradezu Teil dieser feria symbolisiert:
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"Wenn man Las Fallas sagt, sagt man Enrique Ponce!"

mundotoro -
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Seit seiner alternativa im Jahr 1990, welche life im Fernsehen übertragen worden war, hat der maestro aus Chiva es nicht einmal versäumt in Valencia zu den Las Fallas anzutreten. So kam er auf 55 paseillos wobei er als Trophäen 61 orejas erhielt. Eine grossartige Leistung, welche die afición zu schätzen und zu würdigen weiss. Und jeder aficionado ist dankbar ihn auf dem cartel de toros zu sehen. Und die toros auch. Denn immerhin haben 26 Tiere mit einer faena von Enrique Ponce und einem indulto ihre Freiheit zurückerlangt. Der diestro aus Chiva, 2007 Träger der Goldmedaille der Schönen Künste, kennt sich halt mit den toros bestens aus, ist er auch als ganadero aktiv tätig.

Donnerstag, 10. März 2016

Jerez de la Frontera: Komplett ausverkauft




von Philip de Málaga



Wie in Jerez de la Frontera zu erwarten war, 
verkauften sich alle Eintrittskarten binnen 24 Stunden
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Drei corridas, mal drei no hay billetes ergibt 33.500 Zuschauer in den tendidos der plaza de toros im andalusischen Jerez de la Frontera.  Eigentlich ist es die Feria del Caballo, die grosse fiesta der Pferde, doch diesmal ist es ein Mensch, ein torero der die Massen anlockt. Da kann sich der empresario gewiss freuen. Auch die weltweite Presse der mundo de los toros wird kommen, um zu sehen, was der maestro aus Galapager, der matador de toros José Tomás im ruedo zeigen wird. Kaum öffneten sich die offiziellen taquillas wurden die entradas, also die abonos direkt, per Telefon oder online innerhalb eines Tages verkauft. 
Noch müssen die 11.500 Sitzplätze bis Mai warten.
Den Blick nach oben gerichtet.
Dort will er wieder hin.
Schon früh morgens standen die Leute an, um sich ein abono zu sichern. Jeder will gerne bei der Wiederauferstehung des Menschen José Tomás dabei sein. Bei seiner taurinischen Wiedergutmachung.Wie man es auch immer sehen will, ein Highlight im toreo wird es in jedes in diesem Jahr schon werden. Denn das Rahmenprogramm, wenn man es denn so bezeichnen darf, besteht ja ebenfalls aus figuras, wie Morante de la Puebla, Alejandro Talavante, López Simón, Juan José Padilla, und José María Manzanares. Hinzu kommen am Vortag die sechs caballeros die zur Feria del Caballo ihre Künste beim rejoneo zeigen.

Bei so viel Glanz und Gloria aus der mundo taurino, ist es doch ein wenig bedauerlich, dass hier den Verantwortlichen ein wenig der Blick in die Zukunft zu fehlen scheint. Zwar haben sie jetzt ihre figuras und auch das Interesse, aber wird das immer so sein? Warum konnte man in diese kleine feria taurina nicht ein festival für den Nachwuchs mit einbinden, zum Beispiel in Form eines Certamen de Escuelas Taurinas, auf nationaler oder gar internationaler Ebene, so wie es in Málaga jedes Jahr, sogar recht erfolgreich praktiziert wird? Ein Weitblick, der leider noch in vielen plazas fehlt.