Dienstag, 4. Oktober 2016

Sol y Sombra




von Julián López (mundotoro)

Die Sonne und der Schatten, Licht und Dunkelheit, sol y sombra sind bei einem tarde de toros nicht nur ein optisches Element sondern auch von tragender Bedeutung und Wirkung. Egal ob in den tendidos oder im ruedo selbst. Ob die blendenden wie heissen Strahlen die Gemüter erhitzen, die Weitsicht einschränkt, die glitzernde traje de luces zur glühenden Qual degradiert, die Sonne, verwandelt, nein verleiht einem festejo taurino erst richtig ihre Farbenpracht, die sie auf dem roten Sand im ruedo entfachen kann. Aber auch ohne Farben wird es einem bewusst. Die Gegenwart der sol. Der untergehenden Sonne während des Tod am Nachmittag welche den sombra überhaupt erst in Szene setzt. Hier eine Photoserie von der letzten corrida de toros in Las Ventas am vergangenen 2. Oktober 2016 in einer fast vollen plaza de toros der spanischen Hauptstadt.

Montag, 3. Oktober 2016

Montag ... Ruhetag





von Peter G. aus Ulm


Von seiner Südamerikareise hat Herr Peter G. aus Ulm SfA Post geschickt. Auf seiner Reise suchte er um diese Jahreszeit die toros vergeblich und fand schliesslich auch eine Erklärung dafür. Vielen Dank dafür. Das haben wir gerne aufgenommen und wollen uns auch heute daran halten.
Die Ruhepause des Stieres. In diesem Sinne ...

Sonntag, 2. Oktober 2016

Warum Aficionados wegschauen

Warum sich die Anhänger der klassischen Stierkämpfe
in die Diskussionen über populäre Stierfeste nicht einmischen
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von Philip de Málaga


Pedro drehte sich um und sagte mit betonender Stimme "Soy un aficionado de toros, de todo corazón!" (Ich bin ein aficionado de toros, von ganzem Herzen!)" das wirkte überzeugend, noch mehr, wenn man seine offen gezeigte Hände sah und ihm dann in die Augen blickte. Er liebte die toros, der Besuch einer corrida de toros in der Malagueta oder in den beiden Maestranzas von Andalusien war für ihn als überzeugter Katholik wichtiger als die Kirche zu besuchen. Wie oft sass er an der barrera, sah die maestros Morante de la Puebla, José Tomás oder einen Enrique Ponce, und sein Herz schlug Kapriolen vor Freude. "Wenn du den duende spürst, vergisst man die ganze Welt!" Aber was wäre die mundo de los toros ohne den toro. Er liebt ihn geradezu. Vor etwa vier Jahren, er war in Granada, sass im sol y sombra an der barrera, da zertrümmerte direkt vor seinen Augen ein toro bravo einen grossen Teil der hölzernen barrera am ruedo. So etwas hatte er noch nie erlebt. Und so nah. Die geballte animalische Kraft, die Begegnung mit etwas was Gott geschaffen hatte, keine zwei Meter von ihm entfernt, es war beängstigend, faszinierend, berauschend, einfach jede Sekunde Wert dabei gewesen zu sein. Ja, Pedro war mit seiner ganzen pureza ein Vollblutaficionado de toros.

Und doch, etwas sah er ganz anders. Da schaute er erst gar nicht mehr hin. Als das Gespräch auf capeas, encierros, festejos populares und den Toro de la Vega kam, verzog sich seine Mine. "Hombre, willst du mich beleidigen?" Pedro zeigte sich betroffen, "wir reden hier von den echten und wahrhaftigen toros. Ein von Gott geschaffenes unbändiges Wesen. Geboren und gezüchtet für die corrida!" Mit der rechten Hand gestikulierte er, als ob an dieser Tatsache überhaupt keine Zweifel bestehe. "Diese fiestas populares, wie der Toro de la Dingsbumsda, dass seien doch nur festejos wo sich der primitive Mob an Tieren vergreife. Das könnten die auch mit Kühen oder anderen Tieren veranstalten. Dazu brauche man keinen toro, im Gegenteil, eine solche fiesta sei eine Beleidigung für einen jeden toro bravo." Und noch etwas stellte er enttäuscht fest, "die meisten die an solchen fiestas populares teilnehmen, haben nicht einmal die geringste Ahnung von einer corrida de toros". Damit hatte er auch alles gesagt, mehr wollte er sich zu diesem Thema nicht äussern.

So wie Pedro empfinden zahlreiche aficionados de toros. Sie besuchen corridas, verfolgen die Zucht auf den ganaderías, beobachten wie sich die toreros entwickeln, aber zu diesen vor allem dörflichen fiestas wo die Tiere nicht selten der Willkür der Bevölkerung ausgesetzt sind, stehen sie auf Distanz. Verurteilen diese sogar, aber sie äussern sich nicht öffentlich dagegen. Da stellen sie sich lieber wie die drei japanischen Affen, als Vorbild im Umgang mit dem Schlechten, nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.
Wie kommt es dazu, dass so viele Personen etwas verurteilen, oder zumindest ablehnen, aber doch nichts dagegen unternehmen? Enrique aus Fuengirola sieht es ziemlich klar: "Ich bin Katholik, gehe in die Kirche und zu den toros. Mit diesen öffentlichen fiestas in den Strassen sehe ich das so: Genauso wie viele Priester die Semana Santa meiden, meiden viele aficionados die populären fiestas. Genauso wie viele Nichtgläubige an den Osterprozessionen teilnehmen und ihre Freude haben, so erfreuen sich an diesen fiestas populares auch fast nur diejenigen, die von den toros wenig oder gar nichts verstehen. Nichts verstehen wollen. Dann bevorzugen sie nämlich den Fussball".

Es scheint auf der Hand zu liegen, dass Publikum bei den festejos populares ist ein ganz anderes als in den Plaza de toros bei den klassischen corridas. So sind es auch keine professionellen toreros, welchen man bei den meist ländlichen Stierfesten findet, sondern das Volk hat die Möglichkeit sich an den Tieren zu üben. Zwar befindet sie meistens immer ein torero in der Nähe, nicht als Akteur, sondern um einzugreifen, wenn Unvorhergesehenes geschieht.

Aber warum, die Frage stellt sich natürlich, warum melden sich die taurinos nicht zu Wort, um gegen solche festejos populares zu protestieren? Sich dagegen aufzulehnen dass hier die Würde des toro bravos mit Füssen getreten wird?

Die Antwort ist einfach. Nicht nur, dass ganaderías damit auch ihr Geld verdienen, und das nicht zu wenig, sondern die Hauptschuldigen finden sich im sector antitaurino. Denn die Gegner der toros benutzen eine jegliche Niederlage eines festejos taurinos, wie zum Beispiel die abolición de los toros in Katalonien oder das aktuelle Verbot des Toro de la Vega, um zum Rundumschlag gegen die gesamte mundo de los toros auszuholen. Schnell werden Argumente in die Medien geschleudert wie, weitere Niederlage für die tauromaquia, oder, immer mehr Spanier seien gegen die toros. Im schlimmsten Fall, sogar falsche Behauptungen aufstellen, wie eingefleischte aficionados de toros wenden sich von den toros ab, oder das Ende der tauromaquia stehe bevor.

Um eben solchen Kampagnen entgegen zu wirken, bevorzugen es viele taurinos eher zu schweigen und sich nicht darüber zu äussern. Hinzu kommt die Erkenntnis, dass viele keine Lust haben, sich von den antitaurinos dermassen beleidigen und beschimpfen zu lassen, nur weil man etwas in Anspruch nimmt, was einem im spanischen Staat als Kulturgut und Grundrecht zusteht, wenn man es möchte. Schliesslich wird dazu je keiner gezwungen.

Dann kommt noch die Gruppe derjenigen hinzu, welche solche fiestas populares zwar nicht gut heissen, aber als Teil der spanischen, oft lokalen Tradition respektieren und anerkennen.

Samstag, 1. Oktober 2016

Neue Suchmaschine bei SfA







in eigener Sache


Seit letztem Donnerstag den 29. September 2016 verfügt STIERKAMPF für ALLE über eine neue Suchmaschine. Bis jetzt war es so, wenn man dort einen Begriff eingegeben hatte, wurde im ganzen Netz gesucht. Das ist jetzt anders. Wenn man nun in dem entsprechenden Feld einen Begriff eingibt, wird nur das Portal von SfA danach durchsucht und die entsprechenden Ergebnisse angezeigt.

Freitag, 30. September 2016

Treibjagd mit dem Auto - das gehört nicht in die Welt der Stiere!




von Philip de Málaga


Wenn populäre Stierfeste so gar nichts zur bravura eines toros beitragen
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Schon in einigen Beiträge hat SfA die Berechtigung für gewisse festejos populares in Frage gestellt. Besonders dann, wenn ein toro keine Möglichkeit hat seine bravura vorzuzeigen. Im Gegenteil, wenn man versucht das Tier der Lächerlichkeit preiszugeben. Viel schlimmer noch, wenn es dabei gar nicht mehr um die Begegnung Mensch und Tier geht. Genau jenes dramatische Schauspiel, in dem zahlreiche aficionados erkennen wollen, wie sich im ruedo, in der Begegnung das Leben sich widerspiegelt.

Doch was hier in der La Alcarría, einer ländlichen Zone östlich von der spanischen Hauptstadt Madrid, stattfindet, ist weit von den elementaren Werten der tauromaquia entfernt. Mit Autos den toro zu jagen, keine toreros sondern Fahrzeuge, dass widerstrebt nicht nur den leidenschaftlichen Emotionen eines aficionado de toros, sondern es wirkt peinlich. Aus feigen Positionen den toro zu provozieren, dass hat bei weitem nichts mehr mit dem Vergleich des kraftvollen von Instinkten gesteuerten Tieres gegen einen viel schwächeren, aber durch Intelligenz und Eleganz geschulten Menschen.
Die Treibjagd kann beginnen. (Foto: PACMA)
Die Partei und Tierschutzorganisation PACMA spricht davon, dass sich ein authentisches encierro in eine Auto-Rally gegen die toros entwickelt hat. Mit Kraftfahrzeugen, Traktoren, Motorrädern jagt man den toro über das Feld und versucht ihn dazu zu bringen die Fahrzeuge anzugreifen. Selbstredend geschieht dieses stets aus feigem Hintergrund, oder im Schutz der Vehikels. Ein sehr traurig anmutendes festejo, wofür sich ein jeder taurino schämen sollte. Vor allem den toristas dürften solche festejos populares auf Gröbste missfallen.
Wo bleibt der Mut und die Eleganz bei der Begegnung mit dem toro?
Schändlich auch mit anzusehen, dass es ganaderías gibt, ihre wertvollen toros für solch minderwertige Veranstaltungen zur Verfügung zu stellen.

In der Provinz Guadalajara (Kastilien - La Mancha) werden jährlich an die einhundert solche festejos veranstaltet. Nicht selten kleine Gemeinden, knapp 50 Prozent zählen nicht mal mehr als 400 Einwohner. Erstaunlich dabei zu sehen, das 56 Prozent der Rathäuser von der sozialistischen PSOE regiert wird. Nur 34 Prozent befinden sich in der Hand der konservativen Partido Popular.
Auffallend, die Sozialisten, obwohl landesweit eher antitaurinisch eingestellt,
gehören mit zu den Hauptveranstaltern. (Angaben in Prozent)
Auch ist festzustellen, was man ebenfalls in dem Video erkennen kann, dass nicht wenige Personen bei dieser motorisierten Treibjagd sich in angetrunkenem Zustand befinden. Jedoch ist die Teilnahme in angetrunkenem Zustand an jeglichen festejos taurinos laut Gesetz ohne Ausnahme untersagt. PACMA wird diesbezüglich juristische Schritte in die Wege leiten.

Donnerstag, 29. September 2016

Wenn Trump zum Stier wird ...




von Peter Winkler


Die matadora Hillary Clinton begegnet in der Plaza de toros Hofstra in Hempstead dem toro Nummer 001 Donald Trump mit einem Gewicht von 90 Kilo, Jahrgang 1946, von der ganadería der Republican Party. Die corrida wurde weltweit live im Fernsehen übertragen.
Die corrida stelle in ihrem Ablauf ein Abbild des Lebens dar, so bezeichnet es Rainer Bischof in seinem Buch Heilige Hochzeit. Überhaupt erkennen vor allem intellektuelle aficionados de toros, wie Vargas Llosa, Joaquín SabinaRafael Alberto Arieta oder Antonio Gala, in einer wahrhaftigen corrida de toros eine Reflexion der Gegenwart. Oder wie wir gerade vor ein paar Tagen bei SfA lesen konnten, einen runder Spiegel der Menschlichkeit.

So werden auch in verschiedenen Medien immer wieder gerne Vergleiche oder Parallelen zwischen dem Geschehen im ruedo bei einer corrida und der Realität gezogen. Gerade diese Tage konnte man so etwas in der Neuen Zürcher Zeitung lesen.
"Ein Stierkampf stellt in seinen besten Szenen die rohe, ungestüme Kraft des Tieres der intelligenten Eleganz des körperlich unterlegenen Matadors entgegen. Die Parallelen dazu waren in der ersten Fernsehdebatte zwischen den amerikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump und Hillary Clinton unübersehbar. Trump machte gleich zu Beginn klar, dass Angriff und Nachsetzen seine taktische Option war: Er kommentierte fast alles, was seine Gegenspielerin sagte, er unterbrach sie, warf ein, schnaufte und gestikulierte." 
"Nach gut einem Drittel des eineinhalbstündigen Duells wirkte Clinton dem Ansturm nicht mehr gewachsen. Sie verzichtete oft darauf, das Wort, das ihr eigentlich zustand, zurückzufordern. Sie schien kein Mittel zu finden, um sich überhaupt noch Gehör zu verschaffen." 
"Doch mit der Zeit, als Trump in seinem ungebremsten Sturmlauf mehrmals Chancen verpasste ... wandelte sich langsam das Bild. Das Clinton den New Yorker Immobilienmogul weitgehend machen liess, schien immer mehr System zu haben: Sie liess den Stier seine Energie verbrauchen. Sein steter Angriff wirkte zunehmend wie triebhaftes Nörgeln, statt Kraft und Überlegenheit zu verströmen. Er verrannte sich, liess sich von Clinton hierhin und dann dorthin locken und beging schliesslich kapitale Fehler." 
"Sie nutzte den ungestümen Schwung des Angreifers aus, um ihm - scheinbar ohne grosse Anstrengung - harte Schläge zu versetzen."

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Quellennachweis:

Ein Duell wie ein Stierkampf von Peter Winkler, Neue Zürcher Zeitung vom 27.9.2016

Mittwoch, 28. September 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (2)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga



In der Musik: 

Da kommt einem natürlich zuerst einmal der Paso Doble in den Sinn. Nicht umsonst kennt man Ohrwürmer wie España cañi von Pascual Marquina Narro (1873 – 1948). Und so wurden einige Paso Doble zu Nummer Eins Hits in Spanien. Wie zum Beispiel 1912 El gato montés von Manuel Penella Moreno (1880 – 1939). Oder 1924 das berühmte Valencia von José Padilla (1889 – 1960). 
Und was wäre die Opernwelt ohne Carmen von Georges Bizet (1838 – 1875), welche erst, nach dem Tod des Komponisten, bei der Wiederaufführung in Wien 1875 zu einem internationalen Erfolg wurde. 
"Carmen"
Das sich Literatur mit Musik verbinden kann zeigt hier der Llanto por Ignacio Sánchez Mejías mit dem Text von Federico García Lorca (1898 – 1936) und der Musik von Maurice Ohana (1913 – 1992). 
Auch im Flamenco sorgt der Stierkampf für viel Dramaturgie. Ob Gesang, Gitarre oder beides, in Spanien hat es viele bekannte Namen hervorgebracht, wie unter anderem den Sänger Pepe Marchena (1903 – 1976) oder den Gitarristen Manolo Sanlúcar (geb. 1943) der die Magie der tauromaquia mit seiner bekannten Tauromagia (man achte auf das „gia“ statt dem „qìua“) umsetzt. Nicht umsonst ersetzen Flamencomusiker bei besonderen Stierkämpfen den Paso Doble. 

Im Tanz:


Wo Musik ist kann auch getanzt werden. Und da holt uns zunächst der Paso Doble wieder ein. Und werden nicht die Schritte eines toreros und seine Bewegungen nicht öfters mit der von Balletttänzern verglichen? Nichts versinnbildlicht heute mehr den Stierkampf auf der ganzen Welt als dieser Tanz im 2/4 Takt (ursprünglich im 3/4Takt). Seit 1963 gehört er sogar zum Pflichtprogramm der lateinamerikanischen Tänze.

Aber nirgends findet der Stierkampf soviel theatralischen Ausdruck wie beim Flamencotanz. Die ernsthaften bis verzerrten Gesichter, die gespannten Körperhaltungen und die kontrollierten Bewegungen bis hin in das kleinste Detail spiegeln alle Dramatik einer Corrida de toros wieder. Auch öfters mal in Deutschland zu sehen der aus Sevilla stammende Israel Galván (geb. 1973) mit seinem 2004 entstandenen Programm „Arena“. Hier stellt der Tänzer alles selber dar: Den toro, den matador de toros, den banderillero und auch das Leben und den Tod, und zu der Choreographie ließ er sich durch die Zeichnungen „La Tauromaquia“ von Francisco Goya inspirieren. Von Kunst zu Kunst.
Die tauromaquia mit Musik und Literatur tänzerisch dargestellt. Auch das gibt es. Die Poesie Llanto por Ignacio Sánchez Mejías von Federico García Lorca (1898 – 1936) wurde im Jahr vom andalusischen Flamenco Ballet umgesetzt und aufgeführt.
Torodora Gorges, SfA-Leser bestens bekannt, geht auf die Poesie über den tragischen Tod des toreros Sánchez Mejías von Lorca ganz besonders auf ihrer Seite torodoro ein.
Im Film:

Erstaunlich dass bei soviel Dramaturgie, so vielen Tragödien, der Stierkampf beim Film nie so richtig den Durchbruch schaffte. Das liegt wohl auch daran, dass mit dem Medium Film eine sehr breite Masse angesprochen wird, und mit der mundo de los toros eben wohl nicht der angestrebte Gewinn zu finden sei. Hollywood & Co. trauten sich an dieses Thema nicht ran. Doch ein kleiner mexikanischer Junge namens 
Leonardo schaffte es 1956 in dem Film „Roter Staub“ tausende von jungen Zuschauern zum Weinen zu bringen, als sein toro Gitanillo begnadigt worden ist. 

Und noch jemand traute sich in den Vereinigten Staaten an die toros ran. Na ja, zumindest einen toro. Walt Disney verfilmte 1939 das Buch Ferdinand der Stier, wofür er einen Oscar erhielt. Der erste Oscar für die mundo de los toros.
Und in Spanien? Ein paar Billigproduktionen, oft mit Coplaeinlagen vermischt, für den eigenen Markt – das war es eigentlich auch schon.  


Nur der spanische Regisseur Pedro Almodóvar (geb. 1951) wagte den Sprung mit der Thematik des Stierkampfs auf die internationale Bühne. Und mit Erfolg: „Matador“ aus dem Jahre 1986 mit Antonio Banderas. 
2002 gab es sogar einen Oskar für den vielgerühmten Film „Sprich mit ihr“, wo eine Stierkämpferin im Zentrum des Geschehens steht. Der zweite für die mundo taurino.
Dann war wieder Stille. Und erst 2008 wird die internationale Filmgemeinde gleich mit zwei Stierkampfproduktionen überfallen: Im November 2008 wurde in den Vereinigten Staaten der Dokumentarspielfilm „The matador“ mit einem „echten“ matador de toros, dem populären David Fandila „El Fandi“ aufgeführt. 
Und Hollywood mischte sich wieder ins Geschehen und mit Oscarpreisträger Adrian Brody der den legendären Torero Manolete verkörpert, welcher 1947 von dem Miura-Stier Islero in Linares getötet worden ist, sowie der spanischen Schauspielerin Penélope Cruz als seine große Liebe, wollte man grosse Ziele erreichen. Vielleicht sogar den dritten Oscar?  Grosses Kino wurde angekündigt, doch an Passion sollte es wohl fehlen. Manolete - Blut und Leidenschaft:
Und für Dezember erwartet die afición einen Film aus Südamerika, dort wo die toros einen wichtigen Bestandteil bei den fiestas zu Pfingsten spielen:


Fortsetzung folgt!

Dienstag, 27. September 2016

Die Tauromachie im Visier von künstlerischem Schaffen (1)

Ein Überblick mit der Frage, kann die Tauromaquia als gestaltende Kulturleistung gesehen werden?  
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von Philip de Málaga

I
st Stierkampf Kunst? Für die antitaurinos scheint die Antwort eindeutig. Alles was mit der mundo taurino zu tun hat sei eine Barbarei. Die Akteure, die toreros sind Tierquäler, die Zuschauer in den tendidos mit sadistischen Anlagen versehen … nein das habe mit Sicherheit nichts weder mit Kunst noch mit Kultur zu tun. 

Gehen wir doch mal ins Detail: Unter Kunst versteht man das Ergebnis einer menschlich kreativen Gestaltung. Auf eine corrida übertragen wäre das Ergebnis der Tod des toros. Doch dass der Tod selbst als Vollendung künstlerischen Schaffens nicht in Frage kommt, versteht sich von selbst. Es sei denn, Sterne Köche a la Ferran Adriá verwandeln dieses Endprodukt durch molekulare Einflüsse zu einem kulinarischen Kunstwerk. Jedoch findet sich sehr wohl der Tod als ein Mittel zur Kunst, wie es sich in so zahlreichen Kunstwerken reflektiert. Denken wir zum Beispiel an die Guernica von Pablo Picasso

Unter Kunst verstehen wir aber auch die Entwicklung zum Ergebnis. Den Prozess selber, wie wir ihn auch in der akustischen Darstellung von Musik wiederfinden. Und genau da schafft der Stierkampf, mit seinen Bewegungsabläufen, dem Spiel der Farben, den Effekten durch Licht und der Schatten, der Musik, dem Ambiente und seiner Dramatik viel Freiraum für kreative Gestaltung. Gerade in dieser theatralischen Darstellung mit dem beinahe unabwendbaren Ergebnis des Todes sehen viele Künstler eine Herausforderung. Und so reflektiert sich der Stierkampf in zahlreichen künstlerischen wie kulturellen Gattungen. 

In der Malerei: 


Die Zeichnung "So verherrlicht sich der wilde toro" von Johannes Stradanus (1523)
Die älteste noch existierende Zeichnung stammt von dem belgischen Künstler Johannes Stradanus und stammt aus dem Jahr 1523. SfA hat über die erste Zeichnung des Stierkampfs berichtet. Diese Zeichnung ist im Museum der tauromaquia in Málaga zu sehen.

Der wohl wichtigste Vertreter dieser Gruppe dürfte wohl Francisco de Goya (1746 – 1828) sein. Seine berühmte „La Tauromaquia“ bestand aus 44 Radierungen (von denen heute noch 40 erhalten sind) und ist zwischen 1814 und 1816 entstanden. Nicht weniger unbedeutend seine Darstellungen des toreros José Delgado 'Pepe Illo' (1754-1801), vor allem seinen tragischen Tod in der Plaza de toros von Madrid
Die wohl beiden bekanntesten Serien der La Tauromaquia.
LINKS: 
Pablo Picasso RECHTS: Francisco Goya

Der zweite große Name im Bereich der malerischen tauromaquia kommt aus MálagaPablo Ruiz Picasso (1881 – 1979). Erst ein Besuch einer corrida de toros in dem französischen Arles 1957 inspirierte den Künstler zu einer eindrucksvollen grafischen Umsetzung über die Kunst des Stierkampfes. Schon mit acht Jahren zeichnete er sein erstes Bild taurino. Der kleine Picasso war schon in jungen Jahren von den Stieren fasziniert. Kein Wunder also, dass die toros ein Teil seines Lebenswerkes wurden.
"Le Picador", Pablo Picasso (1889)
Erwähnt seien noch grossartige Künstler wie Ignacio Zuloaga y Zabaleta (1870 – 1945), Eduard Manet (1832 – 1880), Joaquín Sorolla (1863 – 1923), Daniel Vázquez Díaz (1882 – 1969), Eugenio Lucas (1858 – 1918), Roberto Domingo (1883 – 1956), Luis Calderón Jácome (1932 - 2005) Martínez de León (1895 – 1978) und die Illustrationen von Gustavo Doré (1832 – 1883) und Pharamond Blanchard (1805 – 1873) die wir in den Büchern „Voyage en Espagne“ bzw. in der kurzen Form von „Reise in Andalusien“ von Théophile Gautier finden. Um nur eine kleine Auswahl zu nennen.  
"Torero matando toros" Toros tötender torero, Gustavo Doré (Paris, 1867)
Auf den Stierkampfplakaten:  

Das erste cartel de toros kündigte zwei corridas de toros an, welche am 19. und 30. September 1737 in der ersten festen Plaza de toros Soto de Luzón von Madrid statt fanden. 
Das bis jetzt älteste cartel taurino aus dem Jahr 1737, noch ohne Zeichnungen
Im Laufe der Zeit entwickelten sich die carteles  und auch heute noch ist man teilweise bestrebt künstlerischen Anspruch zu stellen.Naheliegend ist es wohl, dass sich einige Künstler in der Gestaltung von den carteles übten. Also Plakate welche die festejos taurinos ankündigen. 
Carteles taurinos aus den Jahren 1852, 1902 und 1965
Ohne darauf näher einzugehen hier ein Kuriosum: Sie hat immer an der barrera gesessen und dabei oft gleich drei Plätze eingenommen - damit sie ihre Malutensilien ausbreiten konnte. Mit Tusche fing die aus Wiesbaden stammende Künstlerin Edith Hultzsch die Bewegungen von toros und toreros ein. 1981 war sie die erste und bisher einzige Deutsche, die den Wettbewerb für das cartel taurino zu den Fiestas de Sanfermin in Pamplona gewinnen konnte.
Siehe SfA-Reportage Edith Hultzsch in der ersten Reihe


 In der Bildhauerei: 

Wer sich in der Dekorationsabteilung des spanischen Kaufhauses El Corte Inglés umschaut, hat mit Sicherheit schon einmal die metallenden Kopien von dem spanischen Bildhauer Mariano Benlliure (1862 – 1947) gesehen. In seinen Figuren spiegelt sich die gesamte Kraft der toros bravos wieder. Dekorativ für einen jeden aficionado der auch die Möglichkeit hat, diesen dekorativ zur Schau zu stellen.


Fortsetzung folgt