Mittwoch, 18. Juli 2012

Stierkämpfe in Málaga

Die Feria taurina in der Plaza de toros La Malagueta von Málaga gehört im August ohne Frage zu den Höhepunkten in der mundo de los toros. Insgesamt 15 festejos erwarten die afición.


Alle großen toreros, außer José Tomás geben sich ein Stelldichein. Besonders an den Tagen vom 15. bis zum 18. August wird man mit einem großen Andrang rechnen und hin und wieder ein lleno und no hay billetes erwarten können. Dabei verkündeten die verantwortlichen empresarios in der vergangen Woche, dass sie mit einem hasta la bandera vier Mal rechnen.

Der Verkauf von den entradas hat schon begonnen. Bis Ende Juli hat man die Möglichkeit seine abono zu erneuern, ab dem 29. Juli kann man neue abonos erwerben und ab dem 1. August beginnt der Verkauf von einzelnen entradas. Ab dem 1. August hat man zusätzlich die Möglichkeit die entradas zu den einzelnen Veranstaltungen online zu erwerben.
Als Insider Tipp gilt der tendido 3, sol y sombra. Er befindet sich gleich neben den teuren Schattenplätzen und ist gut mit aficionados gefüllt.

Zu dem VII Certamen Internacional de Escuelas Taurinas "La Malagueta" und dem XXXI Concurso de Enganches Ciudad de Málaga ist der Eintritt frei

Der taquilla befindet sich an der Frontseite der Plaza de toros.

Öffnungszeiten

Bis zum 9. August 2012
11:00 Uhr bis 14:30 Uhr
18:00 Uhr bis 21:30 Uhr

10. bis zum 19. August 2012
11:00 Uhr bis eine halbe Stunde nach Beendigung des festejos.

Ab dem 1. August 2012
hat man die Möglichkeit sich die entradas online zu besorgen:
Chopera Toros (Keine abonos!)

Wer sich vormittags die entradas besorgt hat die Möglichkeit es mit einem Besuch im museo taurino zu verbinden (nur an Arbeitstagen von 10:00 bis 13:00). Der Eintritt beträgt 1,80 Euros. Dabei hat man auch die Möglichkeit sich die Plaza de toros von Innen zu betrachten wobei man die Lage der asientos begutachten kann. Dass läst sich unter Umständen gut mit dem Erwerb der Karten verbinden. 
La Malagueta
Plaza de Toros der 1° Kategorie
Paseo de Reding s/n
E 29016 Málaga
Telefon: +34 (95) 22 21 727

Samstag, 14. Juli 2012

Wo laufen sie denn ... die Frauen?

Die laufenden Stiere von Pamplona und das weibliche Geschlecht

Plakat aus dem Jahr 1926
Seit Ernest Hemingway 1926 seinen Roman Fiesta veröffentlicht hat ist es wohl weltweit das bekannteste Fest der Stiere. San Fermin in Pamplona. Und natürlich gibt es sie, die Frauen, die hübschen Señoras und Señoritas. Sie tanzen, singen und feiern genauso wie ihre männlichen Kollegen. Genauso? Wenn man einen Blick auf das 849 Meter lange morgendliche encierro wirft, wird man etwas vermissen. Da laufen fast keine Frauen mit. Laut der Mediengruppe Vocento sind es nicht einmal fünf Prozent. Und von diesen laufen die meisten schon eine Minute vorher in die Plaza de toros. Also beträgt der feminine Anteil unter den bis zu viertausend mozos, welche versuchen dicht an den torros zu laufen, nicht mal ein Prozent.

Wie lässt sich dieses erklären? Versuchen doch die Damen im Rahmen der Emanzipation in fast alle männlichen Domäne einzubrechen. Sie zu erobern. Doch bei den encierros scheint ein Hemingway recht zu behalten, indem er Pamplona als letztes männliches Refugium bezeichnet. Und so finden wir in fast allen künstlerischen Darstellungen von San Fermin nur das Kräftemessen des männlichen Geschlechts mit den toros.

Früher war es den Frauen verboten teilzunehmen. Sie wurden sogar von der Polizei als unerwünschte Personen von der Strecke entfernt. Erst seit 1974 ist es den Frauen gestattet mitzulaufen. Denn die männlichen mozos rieten ihnen dringend ab und bedrängten sie sich an den Rand zu begeben; nur deswegen, weil sie um ihr Wohl besorgt seien. Der Fernsehreporter Javier Solano erkannte darin jedoch lediglich einen paternalistischen Machismo. So kam es, dass die ersten weiblichen mozos ihre Haarpracht versteckten und sich bemühten wie ihre männlichen Mitläufer zu verhalten. Und es sollte etwa zehn Jahre dauern, bis man begann sich an die wenigen femininen mozos zu gewöhnen. Kaum zu glauben aber erst 1991 wurde als erste Frau die Norwegerin Anne Karlin von einem toro mit einer cornada schwer verletzt. 


Für das Ausbleiben der Frauen hat Javier Solano eine physische Erklärung. Im Durchschnitt wiegen die Damen zwischen 40 und 60 Kilo. Ihre männlichen Kollegen dagegen 70 bis 100 Kilo. Bei einem Zusammenstoss mit ihnen, und davon gibt es beim encierro reichlich, würden sie stets den Kürzeren ziehen und im schlimmsten Fall zu Boden sinken, womit sie eine einfache Beute für die toros sein könnten. Da ist es nur verständlich, dass die weiblichen Läufer die Randzonen der Strecke bevorzugen.

Jeden Morgen überträgt das staatliche spanische Fernsehen die encierros live. Ganze 75 Minuten wird berichtet, analysiert und kommentiert. Und es sind nicht Männer die dort das Sagen haben, sondern sechzig Prozent sind weibliche Moderatoren. 

Freitag, 6. Juli 2012

Der katholische Stier

Die mundo de los toros gegen den Protestantismus?

Santa Cruz de Mudela (Ciudad Real)
Wer einen Blick auf die religiöse Landschaft der Stierkampf veranstaltenden Länder wirft, wird von einer katholischen Dominanz überzeugt. Ob Spanien, Mexiko, Kolumbien, Peru, Ecuador, Portugal oder selbst Frankreich, alle zählen zu katholischen Bastionen. Toreros haben den Ruf vor einem jeden Stierkampf in ihrem Hotelzimmer einen Altar zu errichten. Viele Plaza de toros verfügen über kleine Kapellen, wo sich die toreros vor ihrem Auftritt zurückziehen können um zu beten. Es gibt sogar Plaza de toros die über eine eigene kleine Kirche verfügen. Oder vielleicht sollte man es fairerweise so formulieren und sagen, dass es sich dabei um eine Kirche handelt, die über eine Stierkampfarena verfügt, weil diese nachträglich angeschlossen wurde. 

Heue Abend am 6. Juli beginnt der chupinazo. Die Eröffnung der populärsten feria taurina der Welt: Sanfermines in Pamplona. Gewidmet wird dieses Fest, mit dem Tragen der roten Halstücher, dem Märtyrertod des Heiligen Fermin de Amiens. Die Ernennung zum Schutzheiligen der toros erfolgte 1591. Was aber kaum einer weiss, zu dieser Zeit gab es ein schriftliches Verbot der Stierkämpfe in Spanien durch Papst Sixtus V, welches erst 1595 durch Papst Clemens VIII aufgehoben wieder worden ist. Es war sozusagen eine Heiligsprechung ohne päpstlichen Segen aus Rom.

Dann kamen die Jungfrauen. Die jungfräulichen fiestas, begleitet von verschiedenartigen Stierfesten. Nicht selten wurde eine Heilige Virgen von einem Rinderhirten entdeckt, oder tauchte parellel zu einem encierro auf. So gibt es auch zahlreiche Veranstaltungen wie in Tordesillas, wo toros zu Ehren einer Jungfrau, der Virgen de la Vega in die Flussebene getrieben und getötet werden. Der Stier, der spanische toro und die katholische Kirche scheinen irgendwie zusammenzugehören. Da scheint es doch nur verständlich mal nachzufragen, wie sich das erklären lässt?

Gemälde von Juan Stradan (1578)
Philip II von Spanien trat von seinem Vater ein schweres Erbe an. Zum einen zeigte sich die Bevölkerung wenig von dem katholischen Glauben und noch weniger von den kirchlichen Einrichtungen begeistert, abgesehen von der dezenten Furcht vor der spanischen Inquisition. Und zum anderen bildeten sich um die 1558 protestantische Bewegungen im Norden Spaniens, vor allem in Valladolid, und im Süden in der andalusischen Metropole Sevilla

Dem Volk dagegen war der Glaube so ziemlich egal, aber es zeigte eine auffallend grosse Leidenschaft für die Feste der toros. Hinzu kam eine im 16. Jahrhundert aufkommende Begeisterungswelle für die Verehrung von gefundenen Jungfrauen. Wie schon erwähnt, wurden jene Heilige nicht selten von Rinderhirten oder parallel zu Stierfesten entdeckt. Somit war es für die Monarchie naheliegend, die Stierfeste zu katholizieren. Das Vergnügen mit dem Glauben zu verknüpfen. Obwohl der Vatikan zweimal versuchte die toros zu unterbinden, entschieden sich die spanischen caballeros dazu, den Stierkampf zum katholischen Gedankengut zu deklarieren. So wurden katholische Feste von Stierkämpfen begleitet und umgekehrt. Die spanische Variante einer Popularisierung, bzw. eines Näherbringens des katholischen Glaubens an die nichtadligen Bürger.

Curas toreros von Vicente Arnás 
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Weitere Beiträge zu diesem Thema:



Freitag, 29. Juni 2012

Leeren- statt Ehrenrunde?

Über die Rechtfertigung einer vuelta al ruedo

Es scheint schon irgendwie merkwürdig. Weder im klassischen Nachschlagewerk zum Thema Stierkampf, dem El Cossío, weder im Fachverzeichnis von Hemingway noch beim führenden Internetportal Mundotoro finden sich klärende Worte. Allerdings hat das deutsche Portal La Tauromaquia eine Definition dafür: 

Eine vom Publikum begeistert applaudierte Runde eines matador an den tablas entlang, bei der der matador entweder seine Trophäen präsentiert, - oder ohne Trophäe(n), nach einer besonders guten faena, bei der aber die estocada misslungen ist, sodass keine Trophäe vergeben werden konnte.

Mit anderen Worten, wenn die Mehrheit des Publikums eine Auszeichnung fordert und diese vom Präsidenten verweigert wird, kann zum Beispiel ein matador de toros zu seiner Ehrenrunde antreten. Scheint irgendwie gerechtfertigt zu sein.

Was ist aber, wenn die tendidos halbleer sind, oder überhaupt die Plaza de toros kaum gefüllt ist? 

Vor zwei Wochen gab es in der Malagueta in Málaga eine Becerrada. Die Plaza de toros zählte keine 500 Zuschauer. Keine vier Prozent der Plätze waren besetzt. Wenn also jetzt 260 Zuschauer dem torero gut zugeneigt sind, wären das bescheidene zwei Prozent.

Ehrenrunde vor leeren Rängen.
Da sei doch die Frage erlaubt, ob in einem solchen Falle eine vuelta al ruedo überhaupt Sinn mache? Denn wo kein Publikum ist kann doch auch keine Begeisterung aufkommen.
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SPANISCHE BEGRIFFE SIND VERLINKT!

Quellennachweis:
La Tauromaquia ... und in deutsch?

Freitag, 8. Juni 2012

Die Wirtschaftskrise und der Stier

Er ist überall zu sehen. Fast kein internationales Medium, was ihn nicht abbildet. Den toro bravo. Jenen Kampfstier der unweigerlich mit dem Stierkampf in Verbindung gebracht wird. Dabei geht es gar nicht um ihn und auch steht über ihn nichts geschrieben. Aber jeder sieht ihn, jeder erkennt ihn und jeder weiss was seine Mission ist.

Die Wirtschaftskrise und der Stier. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun, aber es zeigt wieder einmal auf, wie unzertrennlich der toro bravo zu Spanien gehört. Das weiss auch die Welt.








Mittwoch, 23. Mai 2012

Ich wäre im Gefängnis oder tot!


"Meine Ängste und
meinen Hunger
verwalte ich selber!"
"Hätte ich mich nicht als torero behaupten können, ich wäre heute sicherlich im Gefängnis, wenn ich nicht schon an einer Überdosis gestorben wäre." Mit diesem eher dramatischen Bekenntnis beginnt eine ungewöhnliche Autobiografie des ehemaligen matador de toros José Miguel Arroyo Delgado, der afición als Joselito bekannt.

Der am 1. Mai 1969 in Madrid geborene torero erzählt von seiner alles andere als einfachen Kindheit, die sich zwischen Drogen und Junkies abspielte. Die Strasse wurde sein Zuhause und im Laufe der Zeit entwickelte er sich zu einem frühreifen Drogenhändler. "Ich kannte mich bestens aus, konnte ohne weiteres zwischen den verschiedenen Arten von Haschisch unterscheiden. Das Beste kam aus dem Libanon, ein Rötlicher, aber der Braune aus Marokko war auch ziemlich gut", erklärt er um sein angelerntes Fachwissen unter Beweis zu stellen. Su casa, sein Heim war eine Brutstätte für die Drogenszene. In der Küche, im Wohnzimmer, oder wo auch immer "había kilos y kilos de chocolate"; fast keine Schublade, wo nicht irgendwelche Drogen versteckt waren. Und als man dann seinen Vater wegen Kokainhandel verurteilte übernahm er die Geschäfte. "Aber ich habe mit Drogen nur gedealt und nie welche zu mir genommen. Ich habe nur Zigaretten geraucht."

Sein Vater war im Gefängnis
Die Wende kam, als er zum ersten Mal seinen Vater im Gefängnis besuchte. "Als ich ihn dort sah ist mir das Herz in die Hose gerutscht." Er begann zu erahnen, welche Folgen das alles haben könnte. Und es war sein Vater der ihm die Tür für eine neue Zukunft öffnete, indem er ihn in einer escuela taurina anmeldete.

Dort lernte er Martín Enrique Arranz und seine Frau Adela kennen, die ihn aufnahmen wie ihren eigenen Sohn. Und er begann schnell zu lernen, was ihm fehlte. "Ich gewann wieder Boden unter den Füssen und es gefiel mir von den Erwachsenen respektiert zu werden. Aber sie haben mir schnell die Leviten gelesen, wenn ich mal wieder Unsinn im Kopf hatte". Die beiden matadores de toros El Fundi und José Pedro Prados waren ihm treue Weggefährten. Und so verwandelte er sich in kurzer Zeit zu einem Musterschüler bis er am 21. Juli 1983 seinen ersten großen Auftritt in der größten Plaza de toros von Spanien hatte. Genau dort, begann die Geburt eines Idols der afición von Las Ventas, der größten Stierkampfarena von Europa. Und Joselito war gerade erst einmal vierzehn Jahre alt.

Wenn Joselito in Madrid auftritt füllten sich alle 24.000 Plätze.

Dabei geht der Autor nicht nur schonungslos mit seiner eigenen Vergangenheit um, sondern nicht weniger offen äussert er sich über seine Kollegen. Jesulin de Ubrique könne nicht erwarten respektiert zu werden, wenn er diesen Respekt noch nicht einmal sich selbst gegenüber erbringe. Ein Enrique Ponce sei eher kühl, denn er würde nie das fühlen können, in dessen höchsten Genuss er selbst gekommen sei und das Auftreten eines José Tomás wirke eher brutal denn stilistisch.

Seine Mutter liess die Familie im Stich.
Sehr offen spricht er über sein gestörtes Verhältnis mit seiner Mutter, die ihre Familie einfach verlassen hatte. "Ich weiss bis heute noch nicht, warum sie das getan hat". Danach hatte er sie nur noch bei drei Gelegenheiten gesehen. Das erste Mal beim Tod seines Vaters, dann, er war schon längst ein erfolgreicher matador de toros, nach einer Verletzung durch einen toro in Madrid besuchte sie ihn mit ihrem neuen Lebensgefährten im Krankenhaus.  "Dabei machte sie so auf fröhlich und tat so, als ob nichts geschehen wäre. Es war unerträglich". Schliesslich sah er sie bei einem Stierkampf in Alcalá zum dritten Mal, "und ich beschloss, dass es für mich besser sei, ihr aus dem Weg zu gehen. Danach habe ich keinen Vertrag in Alcalá mehr angenommen".

Nicht weniger ungewöhnlich die Tatsache, dass Joselito auch seine politischen Gedanken zum Besten gibt. Aus seiner leicht links orientierten Ader macht er keinen Hehl und soziale wie politische Ungerechtigkeit bringe ihn zum Verzweifeln. Am schlimmsten finde er diese arroganten und selbstherrlichen Señoritos, denen es in erster Linie nur um ihre eigene Machtposition gehe. Aber er bekenne sich zum spanischen Königshaus, vor allem zu Don Carlos. Trotzdem erklärt er, "Er sei ein wenig Republikaner, und ganz manchmal sogar antiklerikal". Ein linker Millionär, so wird er beschrieben und genau darin sieht er sein Dilemma. "Die Rechten weisen mich wegen meinen linken Neigungen zurück, und die Linken wollen nichts von mir wissen weil ich zu reich bin". Und schliesslich fügt er hinzu: "Ich habe halt die Seele und Gefühle eines Armen."

"Wer hätte diesem Zuhälter einmal vorausgesagt, jenem Gauner in Lederjacke, der ich mal war, der Uhren und Kassettenrekorder auf freiem Gelände klaute, dass man ihm eines Tages Visitenkarten vorlegen würde und ihn behandelt wie seine Exzellenz. Um ehrlich zu sein, ich weiss eigentlich immer noch nicht, wer von den beiden der wahre Joselito ist." ... die letzten Zeilen in einer spanischen Version vom Tellerwäscher zum Millionär, von Drogenhändler zum Caballero.

Ein solches Buch zu schreiben verlangt Mut. Den Mut eines toreros, der es versteht mit der Angst umzugehen. "Ich hatte Angst und es hat mich einiges an Überwindung gekostet. Es ist wie sich auszuziehen und ins Leere zu springen. Ich füllte mich so unheimlich schutzlos. Aber jetzt ist es vorbei."

TV-Interview in Antena 3
Dem spanischen TV-Sender Antena 3 verriet der die Gründe für sein Buch: "Zunächst einmal, weil mir danach war, zum zweiten diente es mir als Therapie und drittens, der für mich wichtigste Punkt, möchte ich diejenigen motivieren, die sich in einer ähnlichen Situation wie ich befinden. Ich möchte ihnen aufzeigen, wie schwer die Situation auch sein mag, sie sollen die Hoffnung nie aufgeben." 

José Miguel Arroyo begann mit Drogen und verliess als Joselito die Plaza de toros durch die puerta grande. Ein Leidensweg mit Happy End. Der Cossío, der spanische Brockhaus zum Thema Stierkampf, widmet ihm ganze fünfundvierzig Seiten und schliesst mit den Worten ab, "Joselito hat die Seelen der afición erobert". Und mit dieser Autobiographie, immerhin schon in der fünften Auflage, gewiss nicht nur die Seelen der afición.

Siehe auch: Adrian Neville: Joselito el Verdadero

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SPANISCHE BEGRIFFE SIND VERLINKT


Quellennachweise:
Mediengruppe VOCENTO
Entrevista a José Miguel Arroyo, Antena 3, 20.03.2012
Cossío, Band 11, Espasa Calpe, S.A., 2007
Joselito el verdadero, José Miguel Arroyo, Espasa Calpe, S.A., 2012 (nur in spanischer Sprache)






Sonntag, 19. Februar 2012

Ein Grund zum Jubeln?

"In der spanischen Region Katalonien wurde durch eine Parlamentsabstimmung mit knapper Mehrheit der Stierkampf ab 2012 verboten. Die Tierschützer jubeln, ohne die Hintergründe dieses angeblichen "Erfolges" zu beachten." vegane-gesellschaft.de (1)

Eigentlich scheint diese Überschrift nicht in diesen protaurinischen Blog zu passen. Aber dieser Titel verdient insofern seine Aufmerksamkeit, weil er auf der anderen Seite geäussert worden ist. Das Portal vegane Gesellschaft (1) erkennt die Politisierung zu dieser Thematik und bedauert vor allem das überproportionale Vorgehen verschiedener Tierschützer und stellt die Frage nach der Effektivität. Die sei miserabel, denn die Zahl der in Katalonien getöteten toros beläuft sich auf weniger als 0,00001 Prozent der in Spanien getöteten Tiere.

Getötete Tiere in Spanien pro Jahr:
Vögel  Schweine  Rinder Toros
Konsterniert stellt man fest, jahrelange Proteste und Abertausende Personenstunden Aktivismus und am Ende rettet man nur 100 Tiere. Eine Investition in einen lediglich kleinen und schwachen Randbereich des Tierschutzes.

Zwar erkennt man den Einwand der Aktivisten an, dass es doch egal sei, wodurch der Stierkampf abgeschafft worden sei, denn zumindest werden dadurch diese Tiere nicht mehr umgebracht. Aber hier irrt der Autor. Denn der einzige Unterschied besteht darin, dass die ganaderías, also die Stierzuchten ihre toros nicht mehr nach Barcelona verkaufen, sondern an andere Plaza de toros

Wir erinnern uns, 2007 bei der Schriftlichen Erklärung des Europäischen Parlamentes waren es 72 Prozent aller Abgeordneten, und immerhin 49 Prozent der europäischen Tierschützer, die ein europaweites Verbot von Stierkämpfen nicht unterstützten (2).

Beide Fälle zeigen auf, wie kontrovers das Thema Stierkampfverbot selbst unter den aktiven Tierschützern gesehen wird.
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Quellennachweise:
(1) Stierkampfverbot - Ein Grund zum Jubeln?, vegane-gesellschaft.de
(2) Informationsbüro der Europäischen Union für Deutschland

Sonntag, 5. Februar 2012

Der Wert eines Werts

José Ignacio Wert
Spaniens Minister für Kultur, Bildung und Sport Don José Ignacio Wert verkündete am letzten Donnerstag die neuen Richtlinien in Sachen spanischer Kultur. Verständlich für ein jeden aficionado, dass dabei auch das Thema der Tauromachie angesprochen werden sollte. Die Welt des Stierkampfes wurde nicht enttäuscht und Wert versprach auf nationaler wie internationaler Ebene alles Mögliche zu bewegen, um die tauromaquia zum Kulturerbe zu erklären. 

Federico García Lorca
Der aus Madrid stammende Wert stellte unmissverständlich klar, dass die tauromaquia eine kulturelle Disziplin sei, los toros son cultura, welche sich in der spanischen Kunst und Literatur widerspiegeln würde. So zitierte er den Poeten García Lorca, für den sich im Stierkampf wahrscheinlich der grösste poetische wie vitale Reichtum Spaniens findet. 

Damit der Minister seine Richtlinien auch durchsetzen kann, beruft er dafür gesondert eine Comisión Consultiva Nacional de Asuntos Taurinos ein, einen nationalen Beratungsausschuss für Stierkampfangelegenheiten, der alle nötigen Schritte für eine kulturelle Erbschaft in die Wege leiten soll. 

Joan Tardá i Coma (ERC)
Wenn Madrid so etwas von sich gibt, dann dauert es gar nicht lange bis Katalonien antwortet. So war es auch diesmal. Joan Tardá, politischer Führer der Republikanischen Linken Kataloniens (ERC), stellte trocken fest, dass es in Catalunya auch weiterhin keine toros mehr geben werde, es sei denn, die Legion marschiere ein.

Und damit die Eigenbrötler aus dem politischen Lager in Barcelona die Nachricht auch verstehen, richtete der Minister seine Worte in katalanischer Sprache gegen antispanisches Gedankengut. Als taurino respektiere er die antitaurinos, aber er wünschte sich, dass dieses auf Gegenseitigkeit stosse. Und was die Legion angehe, so gedenke er eine kleine Armee von mündlichen Komunikationen aufzubringen. 

Irgendwie erinnert das an Asterix und Obelix. 

Wir befinden uns im Jahr 2012 n. Chr. Ganz Spanien ist von Taurinos besetzt... Ganz Spanien? Nein! Eine von unbeugsamen Antitaurinos bevölkerte Region hört nicht auf, der Tauromachie Widerstand zu leisten. ...

Siehe: Kennen Sie Toro?

Freitag, 27. Januar 2012

Der digitalisierte Stier

Antonio
El niño de la albóndiga
Für viele ist er einer jener Kellner von denen man sich gerne bedienen lässt. Stets froh gelaunt behandelt er einen jeden Gast so, wie man sich vielerorts nur erträumen kann. Eigentlich wollte er torero werden. Hatte sogar schon einen Kampfnamen: El niño de la albóndiga. Der Kerl einer Frikadelle, das junge Fleischkpflanzerl oder einfach nur das Bulettenkind. Wie auch immer, auf jeden Fall waren ihm die toros doch eine Nummer zu gross, zu schnell, zu gewichtig, mit bedrohlich langen und spitzen Hörnern, kurz, viel zu gefährlich um sich in den Rund einer Plaza de toros zu wagen.

Es war kalt, der Himmel blau und die ersten Sonnenstrahlen erwärmten den grossen Platz am Hafen in Málaga. Ich schlenderte vorbei am Plaza, als Antonio, jener vorweg gepriesene Kellner auf mich zukam, warte Philip ich habe da etwas für dich. Es passte mir gut, denn es war gerade an der Zeit sich einen café con leche zu genehmigen und einen Blick in die Tageszeitung zu werfen. Der Kaffee kam, die Zeitung auch und ein strahlender Antonio stand vor mir. Er habe etwas in seinen Schubladen entdeckt, dass mir gefallen könnte. Nichts besonderes, aber bevor es im basura, im Mülleimer landete, wollte er dem Objekt noch eine Überlebenschance geben. Und die lag bei mir.

Genau genommen waren es zwei Artikel. Da waren Aufkleber mit Stierkampfmotiven und eine Postkarte.  Letzteres fiel mit gleich ins Auge. Da ist ein schwarzer toro von einem Videospiel fasziniert, während de r torero schon von Motten angefressen und Spinnweben umgeben eine eher traurige Figur abgibt. Und das nur, weil ein digitalisierter Stier das Interesse am roten Tuch verloren hat. Welch eine Wonne für einen jeden antitaurino.

Los Toros visto por Ozelui
Ein Blick auf die Rückseite verrät das Alter von diesem Kunstwerk. 1981, vor dreissig Jahren ist es entstanden und will schon damals wissen, welche Bedeutung die Digitalisierung für die tauromaquia haben könnte.

Da kann man sich doch mal fragen wie sieht das überhaupt aus mit dem Zusammenprall dieser Welten. Welchen Einfluss hat das digitale Zeitalter auf die tauromaquia? Gewiss, man kauft sich die entradas mittlerweile online, auch auch die wichtigsten Medien befinden sich im World Wide Web und Liveübertragungen von Stierkämpfen aus Amerika verfolgt man ebenfalls im Netz. 

Doch wie sieht es in den Plaza de toros aus? Welche Rolle spielen technische Neuerrungenschaften bei einer corrida de toros? Nicht eine! Im Gegenteil, technischer Firlefanz scheint verpönt. Seien es Grossleinwände in den tendidos, wo der Zuschauer die Manöver noch einmal in Zeitlupe verfolgen kann, gar als Bewertungsgrundlage für die möglichen Auszeichnungen, oder Messgeräte, um die Abstände zwischen torero und toro festzuhalten, oder elektronische Werbetafeln, ähnlich wie in Fussballstadien, nein, so etwas ist gänzlich unerwünscht. 

Die Welt der toros lebt von den einzelnen Momenten. Momente der Natürlichkeit. Jeder für sich eine Sekunde der Wahrheit. Jene Erlebnisse nach denen sich ein jeder aficionado sehnt. Nicht am Fernseher, auch nicht auf der Grossbildwand, und schon gar nicht mit digitalisierter Bestätigung wie die Hundertstelsekunden beim Sport, nein live, gefühlt und miterlebt. Genau das sind die Momente, und auch wenn diese nur einige wenige Minuten im Leben eines aficionados ausmachen, es sind jene Augenblicke die man nie vergessen möchte. 

Sonntag, 4. Dezember 2011

Ein Ave Maria für die Antitaurinos

Es war ein herrlicher Sonntag. Blauer Himmel und eine wärmende Sonne trieben ganze Horden von Menschen in die Innenstadt von Málaga. Und wer genau hinschaute konnte sie sehen.  Jene die sich von der Wahlniederlage des letzten Monats noch nicht erholt haben. Die antitaurinos. Kraftvoll wollten sie sich spanienweit in vielen Städten in Szene setzten und für ihre Sache demonstrieren. Für die abolición, ein europaweites Verbot von Stierkämpfen. Tausende, zig tausende sollten es sein, doch wer nachzählte, in Málaga war es gerademal eine Hundertschaft.

Antitaurinos in Málaga
Auf der Plaza de la Constitución, im Herzen der südspanischen Metropole versammelten sie sich, gleich einer Schar schwarz gekleideter Jünger, um einen symbolischen Friedhof aus kleinen weissen Pappgrabsteinen. Dabei riefen sich gegenseitig zu: "abolición ... abolición ... abolición.". In ihren Händen hielten sie Stangen mit schwarzen Wimpeln wie wir sie von den chinesischen Heerscharen kennen, und in leuchtendem Gelb verkündeten diese ihr Kampfwort, abolición. Doch die chinesische Wirkung blieb aus, den es waren keine Schaaren zu sehen.

Andrés ist Anwalt und schaute sich kopfschüttelnd das Geschehen an. Wir gehören zu den anderen,  meinte er schmunzelnd, als man uns einen Handzettel geben wollte und stellte trocken fest, dass das eher an eine gothische Subkultur erinnere als an eine Demonstration. Und so wirkte es auch auf die wenigen Schaulustigen. Ein älteres Touristenpaar aus Portsmouth erkundigte sich höflich, was dass denn solle. Nun, erklärte der Anwalt, nur ein paar Verrückte die Spanien abschaffen wollen.

Ave Maria
Durch ein Megafon ertönte eine krächzende Stimme, lucha con nosotros, kämpfe mit uns! Es ruft der Friedhof der Kuscheltiere. 

Eine Stimme erklang, gar so lieblich und doch verzerrt. Aber die Melodie aus Kadenzen und Septakkorden einer Quetschkommode verriet die Herkunft. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder, jetzt und in der Stunde des Todes. Ein Amen für die abolición. Ergriffen wurde durch das blecherne Megafon verkündet, was für ein emotionaler Moment dieser doch gewesen sei, bestätigt durch bescheidendes in die Hände klatschen einzelner Jünger.
Bravo für ein Ave Maria

Doch wer aufmerksam zuhörte fragte sich, über wen reden die? Wer ist hier eigentlich der Sünder? Für wen wird so andachtsvoll gesungen? Wird nicht gerade die Kirche verflucht, weil sie zum Entsetzen der Stierkampfgegner keine Stellung gegen die tauromaquia bezieht? Oder zeigt sich eine Welle der Toleranz, eine heimliche Akzeptanz für kirchlich geistige Güter? Wohl kaum.

Wie der Zufall es wollte zog ein Prozession der Heiligen Jungfrau der Virgen de los Remedios vorbei. Begleitet von ihrer Bruderschaft, den Anhängern und den geistlichen Vertretern, die liebevoll ihre Jungfrau mit Verehrungshymnen besangen.

Der Blick fiel wieder zurück auf die Gothiktruppe, welche unbeeindruckt das Megafon lauter stellte um den Störenfrieden ja nicht die verbale Machtherrschaft auf dem Platz zu überlassen. Lucha con nosotros. Für wenige Minuten die Stimmen zu senken, um der Prozession mit ihrer Jungfrau den nötigen Respekt zu zollen, das kam ihnen wohl nicht in den Sinn.
Virgen de los Remdios
Singen von Ave Maria, sind ergriffen und wenn dann eine richtige Maria vorbeikommt wollen sie von ihr nichts wissen. Ein respektloser und unerzogener Haufen, polterte der Anwalt los. Ein elegant gekleideter Herr gesellte sich zu uns. Dies alles sehe irgendwie deprimierend aus, meinte er, also ob sie ihre eigenen Ideen zu Grabe tragen.
So sehen nicht überzeugte Demonstranten aus.
Und da standen sie nun, so ziemlich alleine gelassen. Sangen sich gegenseitig an und müssten doch gemerkt haben, dass sich eigentlich kaum einer für sie so richtig interessiert.

Siehe auch: Sympathie oder Mitleid für eine Antitaurina?