Freitag, 20. September 2013

Logroño: Und wieder einmmal Morante



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Morante de Puebla gewinnt erneut die Herzen der Zuschauer
Auch Ángel Perera konnte überzeugen
Enrique Ponce ohne Glück
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Erneut gelingt es dem maestro Morante de la Puebla die Reihen in den tendidos vibrieren zu lassen. In Logroño, einer Stadt in der Provinz La Rioja, einer Zone der besten Weine der Welt, gab der derzeit beliebteste torero Spaniens eine fantastische Vorführung. Guter Wein und bester toreo, dass passt irgendwie zusammen. Veronicas zum Träumen, chicuelinas voller Eleganz übertrugen den duende in die tendidos
Und dann im dritten tercio, nur die ersten muletazos, das Publikum hielt den Atem an. Geradezu genial führte er die muleta mit der linken Hand. Derechazo, nennt man das im Fachjargon. Und dann auch noch wie Zeitlupe. 


So ein temple, eine solche Ruhe, solch dermassen langsam durchgezogene Manöver hatte man schon lange nicht mehr gesehen. Der Gipfel, die beste Darstellung und die geradezu Erleuchtung einer faena beschreiben es die spanischen Medien. Ein Höhepunkt der tauromaquia. Auch bei den letzten Manövern mit der muleta wurde das Publikum in Ekstase versetzt. Bewegungen, Harmonie, ein simpler Rausch der die Sitzplätze geradezu überflutete. Wenn der toro und der torero verschmelzen, wenn sie die Zusammengehörigkeit repräsentieren, dann erkennen, dann verstehen die taurinos, warum sie zu aficionados geworden sind. Dos orejas  eine wahrlich gute und durchaus gerechtfertigte Belohnung für diese Verschmelzung des Lebens mit dem Tod.

Animiert durch Morante trat Ángel Perera mit dem letzten toro des Tages an. Absolut kein einfacher Stier, aber der maestro verstand es mit einer grossartigen faena zu überzeugen. Der toro galoppierte gut an, und Perera führte seine muleta auffallend tief, was dem Manöver eine gewisse Langsamkeit vermittelte. 
Besonders lobenswert, der torero bewegte sich fast nicht vom Platz und führte viele seiner Manöver von derselben Stelle aus. Dominanz, das gefiel dem Publikum und dos orejas mehr als gerechtfertigt.

Der rangälteste matador in dieser Runde, der maestro Enrique Ponce hatte nicht nur Pech mit seinem lote, sondern konnte auch nicht mit der estocada überzeugen.

Puerta grande für Morante de la Puebla und Ángel Perera


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Logroño: Toros von der ganadería La Ribera für die matadores de toros 
Enrique Ponce (silencio nach einem aviso, ovación)
Morante de la Puebla (silencio und dos orejas)
Ángel Perera (silencio und dos orejas)
Circa 8.000 Zuschauer





Die Stiere in Spanien: Tradition, Kunst und Wirtschaft




von Enrique Ponce

Bei einer Podiumsdiskussion "Die Stiere in Spanien, Tradition, Kunst und Wirtschaft" in Alicante bezieht der matador de toros Enrique Ponce aus Chiva (bei Valencia) Stellung. 

Debatte in Alicante: Enrique Ponce, dritter von links. (Foto: mundotoro)
"Die Politik hat die Freiheit, die Herzen, die Gefühle 
und die wirtschaftliche Bedeutung mehr als beeinflusst. 
Der Stier ist ein Markenzeichen unseres Landes 
und hat einen unzweifelhaften kulturellen Wert. 
Wenn es etwas gibt, dass uns Spanier so kennzeichnet, 
dann sind es die Stiere. 
Viele Bereiche leben von ihnen, 
wie der Tourismus, das Hotelgewerbe, die Gastronomie 
und zahlreiche Menschen verdienen direkt 
mit dem Stier ihren Unterhalt."

Donnerstag, 19. September 2013

Die Liberalen in Spanien setzen sich für die Stiere ein




von Philip de Málaga


Die UPyD fordert die Anerkennung der toros als immaterielles Kulturgut
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Die liberale UPyD, die Unión Progeso y Democracia (Union für Fortschritt und Demokratie) stellte einen Antrag, der sich eindeutig für die tauromaquia aussprach. Bekannt ist die Partei dafür, nicht nur dass sie sich zwischen PP und PSOE ansiedelt, sondern vielmehr dafür, dass sie regionale Nationalismen vollkommen ablehnt. Ein regionales Verbot der toros geht in Augen der UPyD gar nicht.

So haben sie in ihrem jüngsten Manifest klar Stellung bezogen:

Rosa Díez
Die fiesta de los toros, die verschiedenen Veranstaltungen dazu, die festejos populares, und die tauromaquia im Allgemeinen, erfassen alle sozialen Ausdrucksformen und alle kulturellen Bezüge zur lidia de los toros, und reflektieren damit Elemente, die es wert sind als immaterielles Kulturerbe deklariert zu werden.

Die Partei unter der Führung von Rosa Díez González vertritt den Standpunkt, dass Regionen nicht berechtigt sein sollten nationale Kulturgüter einfach abzuschaffen um provinzialischem Gedankengut Priorität zu verleihen. Hinzuzufügen sei, dass Rosa Díez sehr wohl mit europäischem Gedankengut vertraut ist. Immerhin war sie von 1999 bis 2007 Mitglied für die PSOE im Europäischen Parlament. 

Mit diesem Zugeständnis, denn die linken Parteien haben sich gegen die toros ausgesprochen, wird das Thema im Kongress am 26. September erneut verhandelt.

Ein religiöses Ritual im Übergangsstadium



Ein Zitat von
Alison Louise Kennedy


"Ich denke, 
dass der klassische Stierkampf 
immer noch sehr nah 
an seinen religiösen Ursprüngen, 
dass er ein religiöses Ritual 
im Übergangsstadium ist. 
Dieser langsame Übergang 
verschiebt die Bedeutung 
vom Töten des Stieres 
hin zur Vorbereitung 
des Todesstosses, 
zu den Passagen mit der capa
bei denen Mensch und Tier 
eine seltsame Verbindung einzugehen scheinen."

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Quellennachweis:
 On bullfihting, A. L. Kennedy, 
Yellow Jersey, Random House UK
London 1999

Mittwoch, 18. September 2013

Warum gewisse Stierfeste abzulehnen sind

Wenn unprofessionelle Hobby-toreros am Werke sind 
hat das nichts mehr mit dem klassischen Stierkampf zu tun
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von Philip de Málaga


In Katalonien gäbe es keine Stiere mehr, so denkt man im Ausland. Stimmt das? Wer einen Blick auf die taurinische Landkarte wirft wird eines besseren belehrt. Zwar haben die Herrschaften in Barcelona die klassischen corridas, also die corrida de toros, novilladas und rejoneos verboten, und davon gab es 2012 nicht mal zehn Veranstaltungen, haben aber auf der anderen Seite keine zwei Wochen später alle anderen weit über vierhundertfünfzig Stierfeste zugelassen. Wer sich nicht auskennt denkt, ja, bei den corridas werden die toros gequält und getötet, aber bei den dörflichen Stierfesten werden die toros weder gefoltert und auch nicht getötet, sie werden friedlich durch die Strassen getrieben. Ist das wirklich so?

Bei klassischen corrida treten professionelle toreros an. Personen die ihr Handwerk gelernt haben. Gerade jetzt in der Gegenwart sind zahlreiche escuelas taurinas dabei, das Wissen der toros an ihre vielen alumnos weiterzugeben.

Escuela taurina mit zahlreichen Schüler in Málaga
Bei den Stierfesten mit dörflichem Charakter ist es in erster Linie die unprofessionelle Bevölkerung, die sich mit der toros üben darf, beziehungsweise versucht ihren Mut darzustellen. Dabei gehen sie auffällig brutal zur Sache. Die toros sind der schmerzhaften Willkürlichkeit der Bevölkerung meistens ausgeliefert.
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"Stierfeste 
bei denen die toros 
der schmerzhaften Willkürlichkeit 
der Bevölkerung ausgesetzt sind, 
sind in jedem Fall zu verurteilen!"

Philip de Málaga
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Ein Foto aus Katalonien.
Kommen wir zurück nach Katalonien. Tarragona liegt im Süden dieser nordöstlich gelegenen spanischen Region. Also eine Stadt in einer spanischen Zone, wo es angeblich verboten ist Stiere zu quälen oder zu töten. Doch gerade dieser Ort mit immerhin knapp 140.000 Einwohner ist bekannt für seine Feuerstiere, den so genannten toros embolados. Dabei werden den Stieren zu nächtlichen Zeit Feuerkugeln an den Hörnern befestigt. Von Panik erfasst rennen sie über den Platz und manchmal durch die Strassen. Das Feuer brennt in den Augen, auch in den Ohren spüren sie es und das Schlimmste dabei, der toro kann davor noch nicht einmal weglaufen. Nicht selten dauert dieses eine Ewigkeit. Ja meine Damen und Herren, Sie haben richtig gelesen, in Katalonien sind solche festejos populares erlaubt!

Aber nicht nur in Katalonien finden sich solche Stierfeste statt. Bekannt sind auch Coria (Cáceres) oder Fuentelencina (Guadalajara) oder ganz aktuell der Toro de la Vega in Kastillien-Leon, worüber SfA-Mitarbeiterin Colin Ernst heute morgen berichtet hat. Viele Orte gibt es, wo diese festejos populares an willkürlicher Schmerzzufügung kaum zu übertreffen sind. Viele Kenner der tauromaquia und aficionados lehnen solche Stierfeste grundlegend ab.

Toro de la Vega im kastilischen Tordesillas (Foto: tauromaquia.de)
Was sagt eigentlich der Gesetzgeber dazu? 

Wer einen Blick in das reglamento taurino wirft, wird schnell erkennen, eigentlich nicht viel. Lediglich in Artikel 91 werden an 6 Punkten gesetzliche Vorgaben vorgeschrieben. Aber nicht ein Punkt stellt dar, wie man mit den toros umzugehen hat. Da ist die Rede von einer Gewährleistung eines ambulanten Service für verletzte Personen, die Tiere müssen sich in einem gesunden Zustand befinden und dementsprechend einen Tag von einem veterinario untersucht und freigegeben werden. Der einzige Punkt für die toros ist der, dass der Gesetzgeber die Anwesenheit eines diestros, eines so genannten director de lidia mit mindestens drei Helfern vorschreibt. Bei encierros, also den Stiertreiben, werden gar zehn Helfer verlangt. Die Hauptaufgaben des director de lidia bestehen in erster Linie daraus, dass der oder die toros den dafür bestimmten Raum nicht verlassen können, gegebenenfalls den Teilnehmern zu helfen und darauf zu achten dass die toros adäquat behandelt werden. Was man unter adäquat auch immer verstehen mag, der Interpretationsfreiheit sind hier keine Grenzen oder Schranken gesetzt. Wer an solchen festejos populares schon einmal teilgenommen hat, weiss sehr wohl, wie wenig diese toreros ins Geschehen eingreifen. Nicht selten sind es noch nicht einmal professionelle matadores de toros. Einfach nur eine traurige Realität.

Und was sagen taurinos und aficionados dazu?

Nicht viel. Viele von ihnen können sich dafür nicht begeistern. Aber sie kritisieren es nicht so in der Öffentlichkeit. Verständlich, denn schliesslich sind sie ja selbst Anhänger von Veranstaltungen wo toros getötet werden. Aber mit dem entscheidenden Unterschied, dass es hier gesetzlich kontrolliert ist und professionelle toreros am Werk sind.

Interessant auch zu beobachten, dass sich die Stierkampf bezogenen Medien, wie mundotoro, Burladero, Aplausos oder auch SfA sich mit den Berichterstattungen über solche festejos populares weitgehend zurückhalten. Das liegt wohl auch daran, dass man sich mit dieser Art von Stierfesten weder identifizieren noch anfreunden kann oder will.

Toro de la Vega

In diesen Tagen in aller Munde, das Stierfest in Tordesillas, 
bekannt als Toro de la Vega
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von Colin Ernst

Der Stier, zwischen vier und sieben Jahre alt, 500-600 Kilo schwer, wird vom Dorf bis ins offene campo gejagt. Die Jäger sind die Lanzenreiter und auch zu Fuß stellen sich Menschen dem toro entgegen. Das blutige Ritual ist schon über fünf Jahrhunderte Tradition in diesem Dorf. Seit 1980 ist es als Fest mit touristischem Interesse deklariert. 

Das Stiertreiben beginnt im Dorf und sollte festen Regeln folgen. Wenn das Tier die Brücke des Duero überquert und den Platz Cristo de Batallas erreicht hat, dürfen sich die Beteiligten Lanzenreiter und Fußgänger sich ihm in den Weg stellen, ihn umlenken, locken oder stoppen. Sie dürfen ihm allerdings keinen Schaden zufügen, so das reglamento

Noch dürfen sie dem toro keinen Schaden zufügen (Foto: mundotoro)

Kommt der Stier im Campo de Honor an, beginnt das Gemetzel. Das „Torneo de la Vega“. Die Reiter versuchen den Stier mit ihrer Lanze zu töten. Da es sich dabei nicht um geübte rejoneo Reiter handelt, ist das blutige, entwürdigende Schauspiel alles andere als ansprechend. In den Regeln heißt es, das die Reiter, oder auch die Fußgänger dem toro keinen unnötigen Schaden auf der Strecke zufügen dürfen. Auch darf, wenn der Stier am Boden liegt kein Stich mehr ausgeführt werden, der tapfere toro soll in Frieden sterben dürfen. Am Zielort wartet ein professioneller Töter, um das Tier mit einem Stich ins Genick zu töten – „apuntillar al toro“, wie es heißt. 

Der Todesstoss.
Auch dieses Jahr haben Tausende dagegen demonstriert, 84.000 Unterschriften wurden angeblich gesammelt und in Madrid präsentiert. Auch wenn SfA ein Pro Stierkampf Portal ist, muss ganz klar gesagt sein, das ich auch dagegen bin. Einen Stier so zu hetzen, so zu töten, hat nichts mit den encierros wie in Pamplona zu tun. Correbous , toros embolados, den sogenannten Feuerstieren, oder auch sonstige Spektakel dieser Art, lehne ich generell ab. Nichts gegen Jahrhundert alte Tradition, aber das unprofessionelles Töten muss ein Ende haben. Man kann den Stier auch, wie bei anderen Festen üblich, gewaltlos durchs Dorf treiben und ihm an Ende einem Profi (wie zum Beispiel einem rejoneador) gegenüber stellen. Es gibt ein Fest in einem anderen Dorf in Spanien, wo eine große Anzahl Reiter die Stiere durch die Straßen geleiten. Sie bilden praktisch einen Kokon um die Gruppe toros. Das finde ich schön und die Reiter können mit Recht stolz auf sich sein, denn das ist eine Kunst. Natürlich muss man objektiv sein. Wenn der toro de la vega nicht zum Spektakel ausgewachsen wäre, ginge es wahrscheinlich wesentlich gesitteter zu. Pamplona ist ein Beispiel, wie eine fiesta zu einem Multikulti-Besäufnis verkommen kann. Das hat nichts mehr mit Hemingways Erzählungen zu tun, das ist ein Mega Touristenrummel geworden. So läuft es nun auch in Tordesillas, was vermehrt die antitaurinos und fanatischen Tierschützer auf den Plan ruft. Dies zieht dann die Anwesenheit der Gegenpartei an und wird obendrein politisch auf das Gröbste ausgenutzt. 

Doch trotz allen Argumenten, die ich gegen diese Art taurinischer Feiern habe, geht mir das letzte Wort eines jungen Dorfbewohners nicht aus dem Kopf: „Was wollen denn all die Fremden hier, die gar nicht wissen, worum es geht?! Wenn es ihnen nicht gefällt, warum sind sie dann hier?" Eine sehr gute Frage…

Dienstag, 17. September 2013

So sieht das Gesetz die indultos

Die offiziellen Regelwerke für die Stierkämpfe bestimmen ziemlich eindeutig 
wann ein Begnadigung eines Stieres erfolgen kann und sollte
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von Philip de Málaga

Im Artikel 83, Absatz 1 des spanischen und in Artikel 60, Absatz 1 des andalusischen reglamentos taurinos wird ziemlich klar festgehalten, dass ein indulto nur dann gerechtfertigt sei,
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... wenn ein res mit seinem tierzüchterischem Charakter 
und einem exzellenten Verhalten 
allen Phasen der lidia folgt, ohne Ausnahme, 
besonders bei der suerte de varas
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Die Betonung liegt hier eindeutig auf zwei Punkten: Zunächst einmal die Hervorhebung das der Stier "allen Phasen" der lidia zu folgen hat, welches meint, die toreros müssen dem res auch die Möglichkeit eröffnen dieses zu tun. Es wird damit aber auch angedeutet, dass das res auch allen Aufforderungen mit capa und muleta ohne zu zögern nachgehen muss. Ohne Ausnahme! Zögerliche Angriffe eines toros dürfen nicht mit einem indulto belohnt werden. Besonders im letzten tercio bei der Arbeit mit dem matador, erkennt man, ob nach den Prüfungen mit der pica, das Tier ein indulto verdient hat oder eben nicht.

Hier wird einem auch der zweite Punkt bewusst, die Wichtigkeit des tercio de varas. Dieses Drittel dient nicht dazu, dem Tier bewusst Schmerzen zuzufügen, sondern bei einem toro bravo tritt genau das Gegenteil ein, Adrenalin und Beta-Endorphine sorgen dafür, dass der toro eben an bravura dazu gewinnt und sich nicht davon abhalten lässt weiterhin anzugreifen. Das reglamento taurino bezieht dazu eindeutig Stellung.

In anderen Ländern sieht man es ähnlich. Im Land mit der grössten plaza de toros der Welt, in Mexiko lässt man ein wenig Spielraum und erwähnt den indulto im reglamento taurino lediglich ein Mal:
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... wenn ein res mit Tapferkeit, Kraft und Noblesse
während des ganzen Stierkampfes angreift ... 
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Mehr hat man dazu in Mexiko nicht festgelegt. Aber man achte darauf, auch hier wird erwähnt während der gesamten lidia! In Equador, Peru und Frankreich sieht man es ähnlich wie in Spanien.

Wo sich aber eigentlich fast alle einig sind, ein indulto sollte nicht nur in den Händen des Publikums und gar des matadores liegen. Wenn ein matador versucht ein indulto zu erzwingen, so ist dieses definitiv unerwünscht. So darf er auch nicht die tendidos drängen nach einem indulto zu fordern. In Peru ist das sogar im reglamento taurino schriftlich festgehalten.

Zwei Themen am Rande:

Enrique Ponce begnadigt einen toro in Alicante (2009)
(Foto: mundotoro)
Der Meister der indultos dürfte wohl der maestro Enrique Ponce aus Chiva, bei Valencia sein. In den letzten 21 Jahren ist es ihm gelungen 41 toros in sechs Ländern zu begnadigen. Sein erstes indulto erwirkte er 1991 in Quito. In Spanien ein Jahr später, in Murcia, einen toro der ganadería Jandilla. Die plaza de toros mit den meisten seiner indultos, insgesamt fünf, war San Cristobal in Venezuela

Etwas Kurioses entdeckte ich gestern. Der Cossío versteht sich derzeit als grösstes Nachschlagewerk zum Thema der tauromaquia. In dreissig Bänden kann man auf gut 21.000 Seiten alles nachlesen, was man über die mundo de los toros erfahren möchte. Alles? Gerade jetzt beim Thema der indultos wollte SfA erfahren, was der Cossío zu Rechtmässigkeit dieser Begnadigungen schreibt. Grosses Erstaunen beim Team von SfA. Im ersten Band wo das Vokabular für die toros behandelt wird, finden sich weder indulto noch indultar. Auch in den Bänden über die toros oder den Ablauf einer corrida findet sich nichts zu diesem Thema. 

Selbst Ernest Hemingway hat darüber nichts geschrieben.

Indulto oder nicht

Über die Rechtmässigkeit der indultos zweifeln mittlerweile auch aficionados
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von Colin Ernst
Am Wochenende, begnadigte der matador de toros Rafaelillo OPERARIO in Murcia, vom Züchter Fuente Ymbro. (Der Vater von OPERARIO „ALMONTEÑO“ wurde 2006 von Pepin Lira begnadigt.) Auch dieser Stier wurde nur einmal vom picador geprüft. Ähnlich wie der indulto von Talavante mit dem toro TACO.

Wird ein Stier begnadigt wir der Todesstoss nur noch symbolisch, also ohne Degen ausgeführt.
El Cid wartet auf das indulto
In der letzten Woche hatte NADADOR, aus der ganadería Benjumea, das Glück, bei der Auslosung der toros an El Cid zu geraten, der mit seiner Erfahrung und seinem Können dem sehr guten Stier die Rückkehr auf heimische Weiden zu ermöglichte. Die ganadería beherbergt Stiere der Zuchtlinie Nuñez de Cuvillo, dem Vater des jetzigen Besitzers. Die ganadería gehörte  um 1919 dem matador de toros Joselito „El Gallo“ (1895 - 1920), vorher war sie Eigentum der Familie Benjumea und Doña Isabel Benjumea, die Mutter des aktuellen Besitzers kaufte das hierro im Jahr 2000. Seither residieren dort die Cuvillos.

Einen weiteren indulto gab es in Arganda del Rey bei Madrid. Der novillero José Garrido errang diesen Triumph mit einem novillo der ganadería Juan Pedro Domecq.

Wiedermal fragt sich der aficionado, ob diese Begnadigungen gerechtfertigt sind. Hier ein Auszug des reglamento taurino, welches die Normen für eine Begnadigung festlegt. In Arenen der ersten u. zweiten Kategorie, kann ein toro  oder novillo  begnadigt werden, wenn er seine Angriffslust und seine Bereitschaft zur Mitarbeit in allen Phasen der corrida ausnahmslos bewiesen hat. Der Präsident kann die Begnadigung gewähren, wenn die Mehrheit des Publikums und der torero dies fordern und der Präsident sich diesbezüglich mit dem anwesenden Züchter oder dem mayoral der ganadería besprochen hat. Vorausgesetzt, der Züchter will den Stier zur Zucht verwenden.

Hier ein Auszug aus dem reglamento taurino, in spanischer Sprache: "El comportamiento de la res y la calidad en la ejecución de la suerte de varas serán determinantes para la concesión de premios a la res y, en su caso, para la concesión del indulto." Der letzte Satz, sagt aus, was das reglamento taurino für das tercio de varas, also die Präsentation des toro am Pferd/picador verlangt. Das Tier soll sich entschlossen dem picador gestellt haben…, was ich bei einem halbherzigen, schonenden pinchazo, wie grade bei den letzten indultos sah, in Frage stelle.

Am Freitag in Villacarrillo (Jaen, Andalusien), lehnte der Züchter Victorino Martin den indulto ab, nach dem das Publikum die Begnadigung, den indulto forderte. Warum? Der ganadero selektiert seine Deckstiere bereits früh im campo, er bestimmt, welcher Stier durch seine Abstammung, Mut und Tapferkeit die Zucht verbessern kann. Selten entgeht dem geschulten Auge Victorinos eine Perle seiner Zucht. Grade sogenannte „geschlossene“ ganaderías, wie Miura, Victorino oder Prieto de Cal, können nicht jeden tapferen Stier für die Zucht gebrauchen, müssen sie doch zu starke Inzucht vermeiden. Anders sieht es bei der ganadería Juan Pedro Domecq aus. Neben den „Juan Pedros“ haben die zahlreichen Verwandten, Söhne und Neffen eigene ganaderías  die auf der gleichen Basis züchten. So kann man schon mal einen Deckstier untereinander tauschen. Oder verkaufen, denn weltweit werden toros aus dieser Blutlinie gezüchtet, oder eingekreuzt. 

Das der toro den picador angreift um seine bravura zu zeigen ist eines der Basiselemente für ein indulto
(Foto: mundotoro)
Was ich in Frage stelle, ist das Begnadigen eines toros  der sich nicht wie üblich, zwei Mal dem picador gestellt hat. Was ist denn mit der Ausdauer und Tapferkeit, wenn ein Stier das nicht durchhält? Schließlich sieht man oft genug, die unschönen Bilder eines toros, der nach zweimaliger Konfrontation mit dem picador und drei Paar banderillas nach Luft schnappt und sich kaum noch zur Mitarbeit mit der muleta aufrafft. Nun kann ihn zwar der künstlerisch veranlagte torero schön langsam zitieren und herrliche Figuren vorführen, aber von einem Stierkampf ist im Grunde keine Rede mehr. Anders mit den ganaderías  die auf Härte geprüft werden, wie eben Miuras oder Victorinos, die bis zum letzten Moment, mit geschlossenem Maul angreifen und versuchen ihrem Widersacher den Garaus zu machen. Da hat dann so mancher „Künstler“ seine liebe Mühe und Not, um ohne Verletzungen aus diesem Schauspiel hervorzugehen und Trophäen einzuheimsen. 

Ein Meister für die schwierigen Stiere, der matador de toros Enrique Ponce (Foto: mundotoro)
Zum Leidwesen vieler toristas und Züchter bevorzugen die sogenannten figuras, die Startoreros, eher die leichte Variante, die sie oft noch im tercio de varas schonen, um dann mit capa und muleta glänzen zu können. Nur wenige toreros sind heutzutage so gut, das sie einen Stier erziehen können oder schnell entscheiden können, ob sie mit dem Stier lange arbeiten können, ohne das er sich am Ende verausgabt hat. Maestros wie Enrique Ponce oder El Cid sind Profis, aber den jungen Nachwuchstoreros gelingen solche Meisterstücke selten. Das es vom Standpunkt der Züchter aus nicht grade zu empfehlen i schwächere Vatertiere zu verwenden, dürfte auf der Hand liegen. Sonst könnte man ja bald jedwede Milchrinderrasse in die Arena schicken, sofern sie denn Hörner hat. Oder man ändert die corrida gleich so, das man sich den Part des picadores und den der banderilleros spart – wobei wir wieder beim gewöhnlichen Rind wären. Ein toro bravo ist ein wildes Tier, ähnlich wie ein Tiger. Letzterer wird im Zirkus dressiert und von Privatbesitzern zahm gehalten (Krallen und Zähne gestutzt…). Aber er hat trotzdem nichts mit unserer Hauskatze zu tun… Um den toro bravo und damit die fiesta brava zu erhalten, sollten die Verantwortlichen, sowie auch die  anwesenden Zuschauer sich bewusst sein, das sie mit ihrer Petition auch eine Verantwortung tragen. Sie entscheiden mit, über Leben und Sterben, im wahrsten Sinne des Wortes.

Montag, 16. September 2013

José Tomás in Nimes

Beindruckende Fotoserie von Anya Bartels. Ein Jahr nach dem Triumph des spanischen matadores de toros José Tomás kann man im spanischen Portal mundotoro diese fantastische Fotoserie jener deutschen Starfotografin sich betrachten:






Mehr Fotos bei mundotoro.

Hier die Webseite von Anya Bartels.

Vom Blutrausch ist nichts zu sehen




von Kurt Tucholsky

"Ich kenne das, 
was in den Augen mancher 
Beschauer und Beschauerinnen liegt, wenn Schmeling dumpf 
auf Samson-Körner boxt. 
Kein Sport ist vor Missbrauch sicher. Hier ist nichts davon. 
Ich versäume 
die schönsten Kunststücke 
der Mantelleute, 
die mit dem Stier 
einen grossen Fandango tanzen: 
aber in keinem Gesicht, 
in keinem Auge, 
in keiner Miene ist auch nur der geringste Blutrausch zu sehen.
Sind diese Leute grausam?"

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Quellennachweis:
Kurt Tucholsky (1927)
Stierkampf in Bayonne aus dem Pyrenäenbuch





Sonntag, 15. September 2013

Wieder ein historischer Nachmittag in Nimes



von Philip de Málaga
(Fotos: mundotoro)


Mano a mano im französischen Coliseo von Nimes: El Juli - Manzanares
Grosser Tag von Manzanares mit vier orejas und rabo
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Ein Jahr nach dem Triumph von José Tomás gelingt es wieder einem Spanier in Frankreich Geschichte zu schreiben. Dem 31-jährigen matador de toros aus Alicante José María Manzanares gelang es das französische Publikum vollkommen zu überzeugen. 



Mit seinem ersten toro "Resalado" aus der ganadería Garcigrande gelang es dem maestro beinahe seine komplettes Repertoire vorzuführen. Der toro folgte ziemlich problemlos allen Aufforderungen des toreros und griff griff geradezu mit taurinischem Einfühlungsvermögen an. Mit den veronicas und chicuelinas verstand Manzanares durchaus zu überzeugen. Wenn ein matador in Form ist und einem guten toro bravo gegenübersteht, dann kann sich ein jeder aficionado vorstellen was er bei der faena erwarten kann. Diese Präsentation war rundum gelungen. Der toro folgte und man sah es dem maestro an, er war in seinem Element. Die naturales beeindruckten, liessen die tendidos vibrieren. Eine geradezu grandiose estocada beendete seine Vorstellung mit dos orejas.


Der zweite toro "Soprecita" (Garcigrande) war weitaus komplizierter. Folgte nicht allen Aufforderung und knickte vor allem bei zahlreichen muletazos ein. Ein intensive faena deutete an, Manzanares war zwar encima del toro, es gelangen ihm auch ein paar muletazos largos aber mit der estocada wollte es nicht so richtig funktionieren. Ovación.



Der letzte toro "Furtivo" (Garcigrande) besass alle Eigenschaften eines toro bravo und vor allem liess den temple zu. Im Zeitlupentempo gelang es Manzanares den duende in die tendidos zu übertragen. Mit der muleta verstand er es, das Geschehen zu kontrollieren, den toro zu dominieren, Geschwindigkeit, Bewegungsabläufe, Wendungen, Eleganz, alles in den Händen eines toreros. Pase de pecho - unglaublich wunderbar. Eine geradezu perfekte estocada, eine estocada recibiendo, wobei der torero nicht auf den toro zugeht sondern ihn beim Tötungsakt auffordert anzugreifen, beendete die Ekstase von Nimes: Dos orejas y rabo. Für den toro gab es eine vuelta al ruedo.



Der matador de toros El Juli erhielt jeweils ein oreja, ovación und ein orejaManzanaresdos orejasovación und dos orejas y rabo. Das Coliseo von Nimes war mit 17.000 Zuschauer fast ausverkauft.