Sonntag, 19. Juli 2015

Wenn Toreros am Strand werben





von Philip de Málaga


Toreros wie Morante gehen viele Wege um für sich zu werben
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In Zeiten der Krise ist es der Verdienst von einigen toreros, dass sie sich besonders für die tauromaquia einsetzen. Dazu gehören eben auch Marketingmassnahmen. Einer unter jenen ist der populäre matador de toros Morante de la Puebla, der immer neue Wege geht um für die toros zu werben. So steht zum Beispiel vor jeder plaza de toros, wo er eine corrida de toros bestreiten wird sein schwarzer Bus, dessen Inhalt über ihn und die mundo de los toros informiert.
(Foto: mundotoro)
Und nun haben wir Sommer. Heisse Monate mit vielen Touristen, die vor allem neben den Besichtigungen der örtlichen Sehenswürdigkeiten den Tag am Meer und in der Sonne verbringen. Ein Grund mehr für Morante de la Puebla auch dort mal die Werbeflagge für die toros zu hissen, wie jetzt in Roquetas de Mar, um für die heutige corrida de toros mit den maestros El Juli und den Franzosen Sebastián Castella zu werben.

(Foto: mundotoro)
Statt den europäischen Qualitätsflaggen für Strände verzieren nun blaue taurinische Flaggen die Strandpromenade von Roquetas. El Arte no tiene miedo - Die Kunst hat keine Angst. Der Werbeslogan eines toreros, der neue Wege geht, auch mal auf der Strandpromenade wo er schon zu sehen war.

Begleitet wird sein Auftritt an diesem Ort von einer Photoausstellung des Photographen Héctor Rey, welcher in seinen Photos Momente in andalusischen plaza de toros des matadores de toros Morante de la Puebla festhält.

Samstag, 18. Juli 2015

Stierkampf bietet eine mächtige Metapher für das Leben selbst




von Paul Ingendaay


Der Literaturredakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung arbeitet seit 1998 als Kulturkorrespondent für die FAZ in der spanischen Hauptstadt Madrid. Fasziniert von Land und Leute hat er auch schon mehrere Bücher darüber verfasst: Gebrauchsanweisung für Spanien, Gebrauchsanweisung für Andalusien und die Nacht über Madrid. Es versteht sich von selbst, dass der Kulturkorrespondent sich auch mit dem spanischen Kulturgut der tauromaquia auseinandersetzt. Er selbst versteht sich nicht als ein Liebhaber oder aficionado von Stierkämpfen, verurteilt aber auch die toros nicht und findet es nicht grausam, barbarisch oder tierquälerisch. 


"Wer öfters zum Stierkampf geht, verliert die Fähigkeit, 
die Grausamkeit des Schauspiels moralisch zu bewerten.

Stierkampf bietet eine mächtige Metapher für das Leben selbst: 
Jeden kann es erwischen, doch Stil kann dabei nicht schaden."

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Quellennachweise:

Ein Kult aus Blut und Empfindsamkeit, Paul Ingendaay, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9.06.2004
Gebrauchsanweisung für Spanien, Paul Ingendaay, Piper Verlag, München 2002

Freitag, 17. Juli 2015

San Fermín befindet sich auf dem Höhepunkt seiner Geschichte.




von Javier Solano

Mit Jahrgang 42 gehört er zu den Veteranen des spanischen Fernsehens. Und in Pamplona geboren moderiert er auch schon seit 25 Jahren für das RTVE das morgendliche encierro. "Ich erlebe die encierros ziemlich ruhig, weil ich in der Strasse nicht mitlaufe, aber ich bin nervös, weil ich meine Arbeit professionell rüberbringen möchte. Und somit muss ich die gefährlichen Momente kommentieren." So avancierte er zu einem der Experten der encierros von Pamplona, besonders in Spanien, Frankreich, Argentinien und in den Vereinigten Staaten. Besondere Aufmerksamkeit schenkte man ihm in diesem Jahr als er folgendes von sich gab:

"San Fermín befindet sich 
auf dem Höhepunkt seiner Geschichte! 

Aber es werden mehr Läufer 
und eines Tages 
wird es auf einmal gleich fünf Tote geben, 
und dann wird das Ganze 
schnell ein Ende haben."

Ist das wirklich so? Schauen nicht jeden Morgen Millionen von Menschen in den Fernseher, in der Hoffnung dass der Lauf nicht zu langweilig wird ohne das etwas geschieht? Warten nicht viele Zuschauer auf spektakuläre und aufregende Momente? Nun, der Tod ist sicherlich nicht erwünscht, aber wenn etwas im encierro geschieht erregt das doch ein wenig mehr Aufmerksamkeit. Auch für die Gespräche des Tages und die Nachrichtensendungen. Und der toro, der während des encierros grossen Schaden angerichtet hat, dem wird man bei der corrida de toros selbst doch eine besondere Aufmerksamkeit schenken.

Ein paralleler Gedanke kommt auf. Als im Jahr 2007 die mundo de los toros geradezu explodierte, es gab über 2.000 corridas de toros, im Fernsehen wurden weit mehr als 120 festejos taurinos live übertragen, die plazas waren voll, und was war die Folge ... die mundo taurino startete eine beispiellose Talfahrt bis hin zum Jahr 2013. 

Wie auch immer es Solano meinte, zur Diskussion hat es angeregt.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Pamplona: Neue Rekorde





von Philip de Málaga


Das Fest der Stiere in Pamplona so populär wie noch nie
Auch im Ausland!
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Was unterscheidet die fiesta de los toros von Pamplona von anderen ferias taurinas? Die Antwort ist einfach. Während die anderen fiestas nacionales vorwiegend von spanischer afición besucht werden, findet das Fest taurino in Pamplona weltweites Interesse. Nicht nur dass man sich dafür interessiert, man reist sogar hin. Laut den Reiseveranstaltern kam gut die Hälfte aus dem Ausland. Für spanische Veranstaltungen mit den toros einzigartig, kommt sie normalerweise nicht mal an fünf Prozent ran. Selbst in Las Ventas (Madrid), in der Real Maestranza de Sevilla oder an der Touristenküste Costa del Sol in der grossen Malagueta von Málaga bilden die Ausländer eine ziemlich bescheidene Minderheit. Die ausländischen Besucher in Pamplona kamen in diesem Jahr hauptsächlich aus den Vereinigten Staaten, Grossbritanien und aus Deutschland.

Wie lässt sich dieser ausländische Boom erklären? Er begann vor 87 Jahren, als der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway in seinem Roman Fiesta (The sun also rises) die zweite Hälfte seines Werkes dem Fest San Fermín widmete. Seitdem war der Ansturm der Ausländer nicht mehr zu bremsen und es avancierte zu einer Art Weltmeisterschaft der toros. Und sie gehörten plötzlich zur Literatur, eine Andeutung der toros als Teil der Kultur? Nur vier Jahre später erschien Hemingways zweiter Bestseller über die mundo de los toros: Tod am Nachmittag.

Zurück in die Gegenwart. Geradezu dementsprechend war auch das Interesse der ausländischen Presse gross. Weltweit wurde von 685 Journalisten aus über 20 Ländern berichtet. Auf nationaler Ebene waren natürlich alle Medien vertreten, bis hin zum Fernsehen, welches die encierros nicht nur live übertrug sondern auch mehrmals am Tag wiederholte. Morgens ab 7:15 Uhr schalteten in Spanien für die encierros 632.000 bis 821.000 Zuschauer ihre Fernseher ein m live dabei zu sein. Das entspricht einer Einschaltquote von stolzen über 40 Prozent. Mehrmals am Tag wurden die Läufe wiederholt ausgestrahlt und somit ein Millionenpublikum erreicht. Auch die Nachrichten berichteten stündlich vom aktuellen Geschehen taurino aus Pamplona, vor allem wenn es bei den morgendlichen Stiertreiben Verletzte oder sonstige Zwischenfälle gegeben hatte. Auch weltweit (unter anderem auch in den Vereinigten Staaten, Australien und Japan) wurden TV-Rechte veräussert. Unter anderem an den amerikanischen Sender NBC.

Spanisches wie internationales Fernsehen dabei
Und sie, die Besucher aus dem In-und Ausland haben Geld dort gelassen. Denn billig war Pamplona gewiss nicht. Nicht nur bei den corridas, welche stets sehr gut besucht waren, bis hin zum ausverkauften No hay billetes, oder bei den täglichen Trinkgelagen, sondern auch bei den Unterkünften, obwohl das Schlafen bei Nacht kaum angesagt war. Mehr als 200 Euro wurden teilweise dort pro Person und Nacht gelassen.

Die corridas in Pamplona: Fast immer ausverkauft! Fast 20.000 Zuschauer!
So war für den linken Bürgermeister der Stadt, Don Joseba Asirón (SfA-Leser kennen ihn schon: Kurioses aus Pamplona: Die linke BILDU leitet Stierkampf) die Sanfermines in diesem Jahr muy maravillosa, besonders fabelhaft. Ein wirtschaftlicher, populärer wie kultureller Erfolg.

Eine tolle  fiesta de los toros welche am letzten Tag mit einem gebührendem Rekord endete: Denn beim morgendlichen encierro legten die toros von Miura, einer der wohl berühmtesten ganaderías Spaniens, eine Rekordzeit hin. In nur zwei Minuten und fünf Sekunden rannten die Miuras die 825 Meter zur plaza de toros, ohne auch nur einen Läufer auf die Hörner zu nehmen. Das war das bis jetzt schnellste encierro seit Beginn der Zeitmessung vor 35 Jahren.

Der Highlight eines jeden Morgen in Pamplona: Der encierro
Seit 1924 kamen in der Geschichte der encierros von Pamplona fünfzehn Menschen ums Leben. Das letzte Mal im Jahr 2009. Ein Grund dafür, dass es weniger Todesfälle gibt ist wohl auch der, dass die Polizei sehr wohl darauf bedacht ist, angetrunkene Läufer von der Strecke fern zu halten. Was allerdings die Zahl der Verletzten nicht minderte. In diesem Jahr wurden 835 registriert (plus 3 Prozent zum Vorjahr).

Fazit: Die fiesta de los toros von Pamplona erfreut sich weiterhin allergrösster Beliebtheit. Und zwar nicht nur für ein paar Spanier. Das Interesse im Ausland wird stets grösser und auch in den Besucherzahlen von San Fermín reflektiert sich ebenfalls eine erneut steigende Tendenz in der mundo de los toros.

Als Hemingway am letzten Tag sein Hotel verliess verteilte er sehr grosszügig Trinkgelder, um noch mehr Freunde zu erwerben, wie er schrieb, und um beim nächsten Besuch in den Genuss eines noch besseren Service zu kommen. Er wollte wieder kommen. Das stand fest. Und er tat es auch. Ob er wohl erahnte, welche Boom er mit seinem Roman, der über diesen Aufenthalt erzählt, auslöste? Wohl kaum.

¡Viva San Fermín!

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Auch bei SfA bemerkte man das steigende Interesse an den toros während San Fermín in Pamplona. Das hat wohl auch damit zu tun, dass einige deutsche Medien von den encierros berichteten. Obwohl SfA eher bescheiden im Detail davon berichtete, gab es die komplette Berichterstattung bei Toros y Toreros von Colin Ernst.

Mittwoch, 15. Juli 2015

Die Querencia: Wenn der Stier nicht angreift

Über die bevorzugten Zonen der toros in einer plaza
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von Philip de Málaga



Mit dem Begriff querencia wird der Neueinsteiger in die mundo de los toros relativ spät konfrontiert. Dabei handelt es sich um eine Zone, welche vom toro bevorzugt aufgesucht wird, vor allem auch deswegen, weil er sich dort in einer gewissen Geborgenheit fühlt, wo er meint sich auch gut verteidigen zu können.

Das klassische Lexikon des Stierkampfs, der Cossío beschriebt die querencia in einem Satz: "Der Ort in einer plaza, welchen der toro bevorzugt aufsucht, wo er sich nach einer jeden suerte hin begibt."

Der toro zieht sich nach einer suerte zu seiner bevorzugten querencia zurück
Ernest Hemingway beschreibt es als den Teil der Arena, in dem der Stier sich am liebsten aufhält; wo er sich zu Hause fühlt. 

Roland Rollhäuser geht einen Schritt weiter und behauptet, dass es eine Stelle sei, wo ein Stier sich gerne aufhält und wenn er sich erst einmal in seiner querencia verschanzt hat, den Kampf unmöglich macht.

Mit anderen Worten. Bei einer corrida in einer plaza de toros fixiert im ruedo das Gehirn eines toros sich auf bestimmte Stellen, in welchen er das Gefühl hat, sich in einer Zone zu befinden, welche ihm eine gewisse Sicherheit gibt, und von wo er meint, sich leichter gegen die drohenden Gefahren verteidigen zu können. 

Nicht selten befinden sich diese querencias in der Nähe des torils, also dem Tor wo er das ruedo betreten hat und vielleicht im Unterbewussten hofft, es auch dort wieder verlassen zu können. 

Aber auch Stellen, wo er erfolgreich gegen seine Feinde vorgegangen ist könnten zu querencia deklariert werden, wie etwa, wo er ein Pferd eines picadores erfolgreich umgeworfen hat, was besonders in den Jahren vor 1929 eine Rolle spielte, trugen die Pferde damals noch keinen peto, also keine schützende Matratze, und starben im ruedo. Das Blut, la sangre im arena ermutigte den toro weitere zu töten.

Bis 1929 töteten viele toros die ungeschützten Pferde der picadores
Ähnlich verhält es sich mit den Stellen, wo er einen torero auf die Hörner nehmen konnte und in seinem Inneren eine Art Siegesgefühl mit sich trägt. Und er somit solche Stellen erneut aufsuchte um weitere Erfolge zu erringen.

An heissen Sommertagen können es auch einfach nur frische Zonen im sombra sein, wo er sich von seinen Stress ein wenig erholen oder abkühlen kann. 

Mit dem Rücken zur barrera gibt dem toro Sicherheit
Aber meistens handelt es sich um Zonen wo er sich einfach nur zurückzieht, oft mit dem Rücken zur barrera, sich weigert diesen zu verlassen und für den matador sowie für die anderen toreros ist es nicht ungefährlich ihn aus diesen Zonen herauszubekommen. Allein schon deswegen, weil die toreros sich auffallend dem toro nähern müssen um ihn dazu zu bringen sich zu bewegen. Dies geschieht öfters so, dass die toreros die capa oder der matador die muleta in der Nähe des Mauls vom toro auf dem Boden halten und sie langsam wegziehen, damit dieser ihnen folgt. Eigentlich kein schön anzusehendes Manöver.

Die querencia findet der toro nicht gleich zu Beginn, sondern sie entwickelt sich im Laufe der corrida. Je nach den Gegebenheiten nistet sich im Gehirn des toros im ruedo eine Stelle fest, wo er ein Gefühl der bevorzugten Sicherheit entwickelt hat. Und hat er diese erst einmal für sich entdeckt und eingenommen beginnt für die toreros eine unangenehme und für das Publikum in den tendidos eine nicht so schön anzuschauende Darbietung.

Aber auch das gehört zu einer corrida de toros und zeigt auf, wie animalisch die Tiere reagieren und mit welchem Instinkt es die toreros zu tun haben. So bietet jedes res wieder eine Herausforderung für sich allein. Man erkennt die Begegnung zwischen dem animalischen Instinkt und der menschlichen Intelligenz.
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Quellennachweise:

COSSÍO, LOS TOROS, Band 1, Vocabulario, Espasa Calpe S.A., 2007
DEATH IN THE AFTERNOON, Ernest Hemingway,  Charles Scribner`s Sons, New York, 1932
TOROS, TOREROS, Roland Rollhäuser, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbeck bei Hamburg, 1990

Dienstag, 14. Juli 2015

Die Toreros in der Boulevardpresse und in der Werbung

Ob Männermagazine, Modedesigner, Klatschmagazine oder andere Medien,
Toreros sind begehrte Objekte
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von Philip de Málaga


Spätestens als der Modedesigner Giorgio Armani sich dem Design eines traje de luces für den matador de toros Cayetano bei einer corrida goyesca im andalusischen Ronda widmete, sind die toreros endgültig in der Welt der Mode angekommen. 

Traje de luces von Armani
SfA hat schon öfters Beispiele dafür gebracht. Der torero Cayetano ist nun in ganz Spanien schon seit Jahren an Bushaltestellen, Litfasssäulen oder anderen Werbeplakaten im Grossformat zu sehen; genau genommen nicht einmal zu übersehen:

Der torero Cayetano als Werbeikone in ganz Spanien zu sehen
Obwohl er sich zurückgezogen hatte, war er als torero und Werbeikone populär. Und nun hat er als matador de toros erneut die ruedos erobert.

Wie Ursula Herzog schon  gestern berichtete, es gibt auch andere Personen aus der mundo de los toros, welche sich für die Werbung hergeben. Wie eben den matador de toros José María Manzanares

Diesen hat man schon 2010 in Italien als den "Neuen Jungen in der alte Garde" in den Medien platziert. Verkörpern gut aussehende toreros doch den Mut und den Erfolg eines Mannes mit Eleganz bis hin zur subjektiven Schönheit. Das kommt an. So zum Beispiel in dem Modemagazin für Männer L`Uomo Vogue, welches 1967 von Flavio Lucchini gegründet worden ist. Und in einer Serie, überhäuft dieser die Leser gleich mit einer Bilderserie eines spanischen matador de toros: José María Manzanares.





Auch verbindet man die Leidenschaft des toreo mit irgendwelchen Produkten. Das wird zwar ein Bezug zur mundo de los toros geschaffen aber kein torero beim Namen genannt oder gezeigt, wie hier in der spanischen Werbung für eine bekannte Biermarke:


Die mundo de los toros spiegelt sich in allen Bereichen des spanischen Lebens wieder. Sie ist überall sichtbar, überall präsent. Nicht zu übersehen. Die toros gehören zu Spanien, wie die Gitarre, der Flamenco oder der Sherry.

Montag, 13. Juli 2015

Pamplona: Eine Fiesta und vier Worte




von Ernest Hemingway


Pamplona, die Hauptstadt der Region von Navarra, mit ihren gut 200.000 Einwohnern wird in jedem Juli zur Hauptstadt der mundo de los toros in der Welt. Der Grund dafür liegt wohl darin, das der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway im Jahre 1926 in seinem Roman Fiesta über dieses doch einzigartige festival taurino mit seinen morgendlichen encierros berichtete. Mit einem Schlag kannte man die toros von Spanien, ihre Stiertreiben und corridas. Man könnte es als Geburtsstunde der Popularität für die tauromaquia für ein internationales Publikum bezeichnen. Aus der ganzen Welt kam Prominenz angereist, um dieses Schauspiel zu verfolgen. Und noch heute berichtet man weltweit in zahlreichen Medien, besonders über die morgendlichen encierros

San Fermín ist ein besonderes Fest. Eine extreme fiesta, in der die toros und die fiesta im Mittelpunkt stehen, ein Fest bei dem auch der Alkohol eine besondere Rolle spielt und auch einigen Läufern mit den toros das Leben gefährdete gar kostete. Etwas Einzigartiges in seiner extremsten Form. Der amerikanische Schriftsteller fand für den Beginn nur vier Worte:

Hemingway an der barrera in Pamplona

"Sonntag mittag, den 6. Juli, brach die fiesta aus."

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Quellennachweis:

Fiesta, 8. Kapitel, Ernest Hemingway, Charles Scribbner`s Son, New York 1926


Wer Aktuell über die encierroscorridas und das Drumherum informiert sein möchte kann dieses auf der Seite von Colin Ernst tun:












Sonntag, 12. Juli 2015

Der Beckham unter den Toreros





von Ursula Herzog


Wenn toreros die Welt der Magazine erobern
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Die Zeitschrift L’Optimum hat in ihrer letzten Nummer ein Interview mit dem spanischen matador de toros José María Manzanares unter dem Titel "Der Beckham der toreros" publiziert, welches in Madrid von Thierry Mantoux geführt wurde.

Spanischer torero im französischen Männermagazin
L‘Optimum ist ein monatlich erscheinendes französisches Journal „der Oberklasse“ für Männer. Sein Slogan : „Alles für den Mann“. Das Ziel der Zeitschrift ist es, die Männer zu unterhalten.

Seite 094

Samstag, 11. Juli 2015

Auch in Portugal werden weiterhin Stierkämpfe im Fernsehen live übertragen




von Philip de Málaga



Beim spanischen Nachbarn Rekordeinschaltquote um Mitternacht!
Bis zu 21 Prozent!
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In Portugal erfreut sich vor allem das rejoneo grosser Beliebtheit. So werden nicht selten die abendlichen corridas de rejones vom Campo Pequeno in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon live vom staatlichen Fernsehsender RTP 1 übertragen. Und zwar mitten in der Nacht. Das festejo taurino begann um 0:30 Uhr und dauerte fast drei Stunden. Manchmal erreichte der Sender eine Einschaltquote von 21 Prozent! Durchschnittlich verfolgten zwischen 13 und 15 Prozent die toros. Also mehr als 700.000 Zuschauer und dieses, nach Mitternacht!

Rejoneo in Lissabon ist populär (Foto: mundotoro)
Im letzten Jahr wurden in Portugal sechs festejos taurinos live übertragen welche insgesamt von über drei Millionen Zuschauern verfolgt wurden. Weitere Übertragungen sind geplant. Der portugiesische Nachbar denkt gar nicht daran die Live-rejoneos einzustellen!

Freitag, 10. Juli 2015

Links oder rechts: Anhänger von Stierkämpfen gibt es in beiden politischen Richtungen



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga



Die Politisierung der toros scheint vollkommen ungerechtfertigt.
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Im letzten Beitrag von SfA (Kurioses aus Pamplona: Die linke BILDU leitet einen Stierkampf) ging es darum, dass der Bürgermeister von Pamplona, der links orientierten Partei Bildu als presidente eine corrida de toros leitete. Allgemein wird gerne pauschaliert das die politisch rechte Seite für die toros sei und die Linken eher gegen die tauromaquia tendieren. Dabei sollte man und kann dieses auch nicht einfach so im Raum stehen lassen. Die Mediengruppe Vocento berichtet laut einer Umfrage, dass sich von der spanischen Arbeiterpartei PSOE 43 Prozent definitiv nicht gegen die toros aussprechen.

Eigentlich begann die Politisierung in Katalonien, als der antitaurinismo versuchte, und sogar mit Erfolg, die corridas zu verbieten. Erst dann reagierten die taurinos und jetzt ist es zu einem politischen Thema verdammt worden. 

Zum Thema links oder rechts entdeckte Ursula Herzog auf der französischen Seite Torofiesta folgenden Kommentar zu diesem Thema:


Frei übersetzt aus dem Französischen von Ursula Herzog

Wenn man die Meinung widerlegen will, dass die Anhänger der toros zur rechten Seite gehören und deren Gegner links stehen, dann wäre es gut bestimmte Politiker, deren Gedächtnis so kurzzeitig wie ihre Ideen ist, daran zu erinnern, dass die toros zwei Hörner haben, nämlich eines auf jeder Seite, so wie es Francisco Cano zeigt….

Man achte auf den Hinweis der kommunistischen Partei!

Donnerstag, 9. Juli 2015

Kurioses aus Pamplona: Die linke BILDU leitet Stierkampf





von Philip de Málaga


Wenn offensichtliche antitaurinos eine corrida leiten ...
... und sogar die puerta grande öffnen!
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Spätestens seit dem Debakel mit der plaza de toros in San Sebastián kennt am auch in der Szene taurino die Partei Bildu, ein sozialistisch orientiertes baskisches Wahlbündnis, welches 2011 die politische Ebene bei den Kommunal- und Regionalwahlen im Baskenland betrat. Nichts ungewöhnliches. Aber im politischen Interesse stand unter anderem auch die abolición de los toros. Also ein verbot der Stierkämpfe. Auch das ist nichts Neues, tendieren die linken Seiten grundsätzlich gegen die mundo de los toros. Obwohl sich auch in deren Reihen aficionados finden. 

Und nun feiert Nordspanien sein San Fermín in Pamplona, was jedes Jahr weltweites Interesse erweckt. Die wohl berühmteste feria del toro auf diesem Planeten. Sogar Nichtkennern ist sie bekannt. In der mit mehr als 19.000 Zuschauern gefüllten plaza de toros, also fast ausverkauft hasta la bandera konnte der Besucher in den tendidos im palco presidencial etwas Erstaunliches beobachten:

Joseba Asirón Simón von der linken Partei Bildu leitet eine corrida de toros
(Foto: mundotoro)
Bei dem presidente der corrida de toros mit den matadores de toros Juan José Padilla, Pepe Moral und López Simón handelte es sich um den neuen Bürgermeister der Stadt Pamplona, Don Joseba Asirón Sáez. Spitzenkandidat der Bildu, einer Partei, welche die toros abschaffen will. Wie geht so etwas? 

Ähnlich wie in Andalusien, seit Jahrzehnten in sozialistischer Hand, wie auch deren Hauptstadt Sevilla, werden dort die toros von der linken Seite gefördert und unterstützt. Liegt vor allem, dass selbst die linken Politiker diese Thematik nicht berühren wollen, sind die toros in Andalusien einfach zu populär. Nicht anders verhält es sich in Pamplona. Ein San Fermín ohne toros, ohne encierros ist einfach nicht vorstellbar. 

Jeden morgen um 8:00 Uhr live im Fernsehen
Seit Hemingway gehört es sogar zur Berichterstattung der weltweiten Presse. Das Interesse ist gross. Beim encierro ist das nationale Fernsehen TVE live dabei und die Nachrichten berichten darüber den ganzen Tag. Kein Barbesuch, ohne mindestens einmal in den Fernseher zu schauen, wie das heutige encierro gelaufen ist. Das gehört zum spanischen Alltag.

Fast ausverkauft: Über 19.000 Zuschauer! (Foto: mundotoro)
Und vor dem vollen aforo mit einem fast no hay billetes schwang der linke presidente dass weisse pañuelo so oft, dass für den matador de toros López Simón mit tres orejas sogar die puerta grande öffnete. Geöffnet von der Bildu.


Er überzeugte und öffnete in Pamplona die erste puerta grande(Foto: mundotoro)
Wie sagte schon der französische Philosoph Francis Wolff dazu, die toros sollten nicht dazu verwendet werden politisiert zu werden. Sevilla und Pamplona haben es vorgemacht wie es geht. Oder anders formuliert, in taurinischen Hochburgen trauen sich die eher links orientierten Parteien das Thema der toros nicht anzupacken, um es nicht mit einem möglichen Wählerpotential zu verderben.

Viva San Fermín!

Mittwoch, 8. Juli 2015

Das betrogene Gedächtnis

In Barcelona gab es mehr toros als auf der ganzen Welt!
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von José Carlos Arévalo


Übertragen aus dem Spanischen von Dr. Andreas Krumbein

Ohne die anderen, ländlicheren Stierspiele zu berücksichtigen, sind in Barcelona Stierkämpfe seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Fest umbaute Stierkampfarenen, die eigens für die Ausführung den Kampfes gedacht waren, wurden erst später gebaut. Ihre Ausbreitung erfolgte von Süden nach Norden, so wie der Stierkampf selbst. Die erste Stierkampfarena von Barcelona, die der Barceloneta, wurde im Jahre 1834 errichtet. Offensichtlich tat dies ein Katalane, der Architekt Josep Fonsere i Domenech. Es war eine Arena von Bedeutung. Hier wurde zum ersten Male Musik gespielt, zu einer faena des berühmten matadores Lagartijo; später verbreitete sich dieser Brauch in ganz Spanien.

Das erste Mal das ein Paso Doble bei einer faena in Spanien ertönt:
 Beim matador de toros Largatijo in Barcelona

Der picador Agujetas
Und hier wurde der letzte picador der Romantik verabschiedet, und das schon in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts, Agujetas, ein picador aus Tarragona, der in Madrid bei einer corrida zur Feier der ersten Hochzeit König Alfonsos XII. sein Debut gab. Diese Stierkampfarena, die plaza de toros de El Torín de la Barceloneta, die alle großen Stierkämpfer des 19. Jahrhunderts versammelte, machte zunächst der plaza de toros Las Arenas, gebaut im Jahre 1900 von Augusto Font Carreras, den Weg frei, die sich bald, im Jahre 1914, der plaza de toros del Sport unterordnete, auf der man im Jahre 1916 die plaza de toros La Monumental hochzog. Der Bauträger, Pedro Milá, vermietete sie an Pedro Balañá Ende der 20er Jahre und schließlich verkaufte seine Witwe die Arena Anfang der 40er.

Mit den Anfängen des vergangenen Jahrhunderts nahmen die mexikanischen matadores die Gewohnheit an, eine erfolgreiche Stierkampfsaison von Barcelona aus zu beginnen; nur Gaona und Arruza starteten von Madrid aus. Und seit jeher wurde die katalanische Plaza Monumental von vielen großen matadores als ein Glücksbringer angesehen: Domingo Ortega, Manolete, Julio Aparicio, Joaquín Bernadó, Chamaco und José Tomás sind Hauptakteure in der Gunst der Stierkampfbegeisterten von Barcelona. Nur der matador Bombita, der in Barcelona heiratete und dort starb, hatte ein schlechtes Verhältnis zur Stierkampfpassion in der Hauptstadt der Grafschaft von Barcelona. Darüber hinaus hatte er paradoxerweise so viele Anhänger, dass diese Schiffe charterten, um ihn in Mallorca zu sehen, oder Züge nach Castellón oder Valencia.

Barcelona 1951: Und man sagt, da habe es keine afición taurina gegeben!
Die katalanische afición, die Stierkampfbegeisterung, war immer eine ganz eigene; von alters her strebte sie danach, neue Werte zu fördern. Vielleicht war der matador Dámaso González der letzte, für den elf aufeinanderfolgende Jungstierkämpfe veranstaltet wurden. Die aficionados der La Monumental taten sich durch ihre Vielseitigkeit hervor. Zusammengesetzt aus Katalanen und Emigranten, die aus unterschiedlichen Regionen eingewandert waren, zeigte sich das Publikum der Monumental als antidogmatische Gemeinschaft, die der klassischen Stierkampfkunst ebenso anhing wie jenen matadores, die mit Althergebrachtem brachen. Durch nichts liess sie sich in ihrem Urteil beeinflussen, weder von der Kritik, noch von dem fast heiligen Ansehen der Kult-matadores. Und in Barcelona hörte und hört man das echteste Olé, das in einer plaza de toros erschallen kann.

Ich lebte Ende der sechziger Jahre in Barcelona. Und ich wurde dort Zeuge einer abnormen Situation. Es gab viele corridas, manchmal zwei pro Woche, und man verzeichnete sehr hohe Besucherzahlen in der Arena. Jedoch konnte man am darauffolgenden Tag kaum etwas von dem, was sich ereignet hatte, in den Zeitungen lesen. Damals dachte ich, dass dieses Schweigen der Medien am Ende die Abkehr von Teilen der katalanischen Gesellschaft von den corridas de toros befördern werde. Und so war es. Gleichwohl hat die neue Geschäftsführung, nachdem Pedro Balañá Espinós verstorben war, dieser Entwicklung Schützenhilfe geleistet. Im Durcheinander der Touristenwelle jener Zeiten, sank die Qualität der für die Monumental verpflichteten Akteure, die einstmals auf höchstem Niveau gewesen war, in der gleichen Weise wie die Preise stiegen, mit Freuden bezahlt von einem ausländischen Publikum. Deswegen sind Katalanen sowie aus den süd-spanischen Provinzen Eingewanderte und soeben Eingetroffene weggelaufen.

Später erfolgte der eigentliche Gnadenstoss durch das Verbot der transportablen plaza de toros, die leicht auf- und abgebaut werden können, ein Verbot, das die Stierkampfprofis Kataloniens kaputtgemacht hat, banderilleros, picadores und Schwertburschen, deren Anzahl ebenso gross ist, wie die derjenigen Bevölkerungsanteile in Madrid und Sevilla, die sich dort für die Stiere interessieren. Das Medienschweigen, das zu Gleichgültigkeit geführt hat, tat den Rest. Zum Schluss blieb nur die Erinnerung, eingeschlossen in Zeitungsarchive, in denen keiner nachschlägt, die tausendundeins Stierkampfzeitschriften, die in Barcelona herausgegeben wurden, unter ihnen Fiesta Brava, eine der besten des 20. Jahrhunderts, und Bücher, die keiner liest, Bücher über Geschichten und die Geschichte der fiesta in Katalonien und über wie viele tausend aficionados, konvertiert in Taufbewerber für die Stierkampfkunst, die sich wohl daran erinnern, was Barcelona war, die Stadt der drei plazas, und an ihren Fürsprecher, das Tarragona von Moyita.

Der matador de toros José Tomás bei seinem letzten Auftritt in Barcelona
Alle glaubten, auch ich, dass die Explosion von José Tomás den Fluss in sein Bett zurückwerfen würde. Aber seine Triumphe, die die Rückkehr der aficionados von früher und das Hinzukommen anderer, sehr neuer auslösten, ereigneten sich in einem anderen Barcelona, keiner offenen Stadt mehr, sondern einer, die auf sich selbst bezogen ist, keiner europäischen mehr und auch keiner katalanischen, sondern einer katalanistischen. In der nur die nationalistische Sprache gesprochen wird, angesichts der mehrheitlichen Gleichgültigkeit, oder Machtlosigkeit, der Bevölkerung.

Wen interessiert es, zum Beispiel, sich daran zu erinnern, dass es in den 20er Jahren mehr als 125 Flamenco-Bühnen in Barcelona gab?
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Wer will wissen, 
dass in Barcelona während des 20. Jahrhunderts 
an Zahl und Qualität mehr corridas de toros gefeiert wurden 
als im Rest der Städte auf der Welt? 
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Wer ist bereit, die afición von katalanischen Politikern, Schriftstellern und Künstlern von Gestern und Heute anzuerkennen? Selbstverständlich nicht die Nationalisten, die sich hinter dem Vorwand des Tierschutzes verschanzt haben, die in den Stieren ein spanisches Fest sehen und die es nicht wollen oder denen es nicht behagt, sich daran zu erinnern, dass es katalanisch ist seit dem Mittelalter.

Das, was man im Parlament Kataloniens "demokratisch" begangen hat, ist ein unglaublicher Akt des Kultur-Terrorismus. Mit welchem Recht hält eine Mehrheit eine Minderheit - wenn es so ist, dass es sich um eine Minderheit handelt - davon ab, derjenigen Freizeitbeschäftigung zu frönen, die ihr gefällt? Wie, im Namen welcher Prinzipien, kann man Kunst verbieten, selbst wenn es sich um die umstrittene Kunst des Stierkämpfens und -tötens, des toreo, handelt?

In der Monumental von Barcelona für 19.582 Zuschauer gibt es keine toros mehr.
Wenn dies das "vielfältige Spanien" ist, das Zapatero vorschlägt und das Montilla in Katalonien in die Tat umsetzt, steige ich aus.

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Quellennachweis:

La memoria traicionada, aus 6 toros 6,  Semanario de Actualidad Taurina, No 840, 
3. August 2010, Seite 3: Rubrik: La opinión del director