Montag, 9. November 2015

Der Morgen vor dem Stierkampf





mit Juan Belmonte


Der spanische matador der toros Juan Belmonte García  (1892 bis 1962) wurde und wird häufig als einer der einmaligsten toreros aller Zeiten betitelt. Wegen seiner kurzen Beine war er oft gezwungen, seine Manöver mit den toros ohne viel Bewegung durchzuführen. Weglaufen kam nicht in Frage. So gehörte er auch mit zu den ersten toreros, der über seine Gefühle sprach, über Ängste und sein innerstes Seelenleben in der mundo taurino sprach. Hier erzählt er nun nach Der Nacht vor dem Stierkampf von dem Morgen vor dem Kampf.

Nun ist der Moment gekommen. Da sitzt man am Rande seines Bettes, niedergeschlagen und voller Mutlosigkeit. Fast lautlos bewegt sich der mozo, kommt und geht ins Zimmer, bringt alles was notwendig ist um den torero zu kleiden.

Dann, wenn der torero gekleidet wird, hat der mozo das Sagen, schubst nach Gutdünken den maestro hin und her um ihm die Kleidung passend und gut aussehend anzubringen. Der torero nimmt dieses kaum wahr, denn in diesem Moment hat die Angst ihn wieder im Griff, das Patronat übernommen. Ein mühseeliger Moment, eine Schwerfälligkeit der Angst, welche der torero versucht zu überwinden. Gedanken jagen durch den Kopf:

„Ich verstehe, es stimmt! Du wirst es schon sehen ... Das mit dem toreo ist wirklich eine absurde Angelegenheit. Ich leugne es noch nicht einmal. Und wenn es denn sein muss, und das muss ich sogar zugeben, die Lust auf das toreo, so wie ich sie früher hatte, habe ich irgendwie verloren. Nein, es ist entschieden, ich werde nicht mehr antreten. Wenn diese temporada taurina vorbei ist, werde ich aufhören. Trete ich ab.

Und wie stellst Du Dir das vor? Wie kommst du aus all den corridas die dir da noch bevorstehen so ganz heraus?

Gut, diese zwei oder drei corridas werden ich antreten und nicht einfach absagen. Das könnte bedeuten, wenn ein toro will, kann er dich in diesen zwei oder drei corridas vernichten.

Nein oder gut, ich bestreite nur noch den heutigen tarde de toros.

Nun. Auch heute könnte ich ...

Genug! Fertig, habe ich gesagt, genug! Die corrida von heute werde ich machen und wenn der Heilige Geist herunterkommt und es mir sagt, werde ich das ruedo nicht mehr lebend verlassen.“

Würde man die toreros dazu bringen, die Verträge zu den corridas zwei Stunden vorher zu unterschreiben, es würde zu keinen corridas kommen. Denn die toreros treten letztendlich an, weil die Verträge schon unterschrieben worden sind. Wochen vorher, oft Monate, ehe sie erfüllt werden müssen. Da ist man mit dem Moment, wo man das ruedo betreten muss um toros zu töten noch  nicht so konfrontiert. Doch dieser Moment, diese unabwendbare Stunde kommt unweigerlich näher.

Der Moment ist gekommen, die corrida hat mit dem paseillo begonnen, Belmonte links 
Diese Augenblicke der Angst, welchen man im Vorfeld einer corrida begegnet sind grauenhaft. Wer das Gegenteil behauptet, sagt einfach nicht die Wahrheit. Alles verändert sich. Der Klang der Stimme wird zaghafter, dein Charakter verändert sich irgendwie und ziemlich verrückte Gedanken passieren deinen Kopf.

Später, wenn man dann dem toro gegenüber steht ist es etwas vollkommen anderes. Denn der toro lässt einem keine Zeit, darüber nachzudenken. Um mit dem Tier zu arbeiten, ihn auszuforschen, werden deine fünf Sinne abverlangt.

Juan Belmonte mit einer natural
Im ruedo gibt es nur eine kurze Zeit, wenn man noch einmal nachdenken kann. Wenn beim zweiten tercio die banderilleros die banderillas setzen und man am Rand steht und es beobachtet. Was denkt da so ein torero? Er meditiert, beobachtet den toro und bereitet sich im Geiste auf seinen auftritt mit muleta und estoque vor.

Dann tritt er an. Vor dem toro gibt es keine Momente mehr zum Denken oder gar zu zweifeln. Jetzt ist es an der zeit zu handeln. Denn die Manöver der faena nehmen einen so voll in Anspruch, es geht nur noch um das Leben, und es geht darum, und nach meinem Dafürhalten, wer sich nicht mit Entschiedenheit vor die Hörner des toros stellt, die Partie unweigerlich verlieren wird.

Sonntag, 8. November 2015

Grösste Kaufhauskette Spaniens veranstaltet Ausstellung über Stierkampf



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga


El Corte Inglés identifiziert sich mit der spanischen Tradition der Stiere
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Die im Jahre 1940 in Madrid gegründete und mittlerweile grösste Kaufhauskette in Spanien, El Corte Inglés, identifiziert sich mit Spanien und ihren Traditionen. Und da gehören die toros einfach dazu. Hierzu veranstaltet das Einkaufszentrum in Valencia in der Avenida de Francia eine Ausstellung über das 25-jährige Jubiläum des matadores de toros Enrique Ponce. Unter den 25 Jahren versteht man die Zeit als matador vom Zeitpunkt der alternativa an. Noch bis zum 15. November hat der Besucher nun die Möglichkeit den maestro während seiner 25-jährigen Laufbahn als matador de toros zu begleiten. Zu sehen sind neben Photos, Zeichnungen, trajes de luces, Auszeichnungen und die Vorstellung der Biografie "Enrique Ponce, 25 Jahre, ein einzigartiger torero" des Autoren Francisco Villaverde.

Enrique Ponce bei der Einweihung zur Ausstellung zu seinem 25-jährigem Jubiläum
Der diestro Enrique Ponce wurde am 8. Dezember 1971 in der Gemeinde Chiva geboren. Da diese in der Provinz Valencia liegt, wurde auch dort eine entsprechende Ausstellung organisiert. Seine alternativa hatte er im März 1990 in der plaza de toros von Valencia. Sein padrino war kein geringerer als der maestro Joselito. Als testigo fungierte Miguel Báez "El Litri". Das besondere an der temporada von Enrique Ponce war vor allem die Tatsache, dass er die 25 Jahre durchgehend in den plazas zu sehen war, also keine Unterbrechung einlegte wie so viele seiner Kollegen.

Traje de luces von bekannten Auftritten des maestros
Enrique Ponce ist mehr als eine figura. Ein Ausnahmetorero der über ein enormes Wissen über die toros verfügt. Wenn andere toreros schon längst aufgegeben haben, ist er noch in der Lage jeden toro von der besten Seite zu  zeigen. Den toro zum Mittelpunkt des Geschehens bringen. Seine bravura zum Ausdruck bringen. Nicht umsonst führt der torero aus Valencia die Liste mit den meisten indultos an, jenen toros, die wieder das Licht der dehesas erblicken konnten.

Enrique Ponce
Das Besondere an dieser Ausstellung ist, dass ein Kaufhaus nicht aus opportunistischen Motiven darauf verzichtet, eine Ausstellung über einen torero zu zeigen. Antipropaganda und Drohungen wird es sicher geben. Wenn diese Ausstellung nicht stattfände, wäre El Corte Inglés auf der "sicheren Seite"!

Aber es ist nun einmal als Tatsache anzusehen, die tauromaquia versteht es immer besser sich in das gesellschaftliche Leben Spaniens mit seinem ganzen Umfeld einzubringen. Sie gehört dazu. Sie ist unumstritten ein wichtiger Bestandteil der spanischen Kultur und wie das Wirtschaftsmagazin Forbes bestätigte auch ein wichtiger wie stabiler Faktor in der Wirtschaft geworden.

Samstag, 7. November 2015

Das deutsche Lexikon des Stierkampfs ist wieder funktionsfähig

Nach einer grösseren technischen Panne funktioniert jetzt das deutschsprachige Lexikon zum Thema Stierkampf wieder. Ab sofort sind wieder alle blau markierten Begriffe aus der mundo de los toros mit dem COSSÍO en alemán verlinkt.

Natürlich hat im COSSÍO en alemán auch jeder die Möglichkeit nach eigenen Begriffen zu suchen.

Wir bitten alle Leser diesen Ausfall zu entschuldigen. Danke auch an das Team von Dreamlex.

Wenn ich ein Tier wäre ...



und noch einmal der toro
von Joaquin Sabina


Der bekannte andalusische Liedermacher und aficionado, 1949 in Úbeda geborene Joaquín Sabina ist relativ häufig in den tendidos der plaza de toros zu sehen. Meistens sitzt er in der ersten Reihe an der barrera oder hält sich im callejón auf. Verständlicherweise setzt er sich auch in seinen Gedanken und Werken mit der Tauromachie. mit den toros und toreros auseinander. Sein Ausspruch, "Entschuldigung, aber mir gefallen die toros" ging durch fast alle spanischen Medien. Ein echter Andalusier als bekennender aficionado de toros.


"Wenn ich ein Tier wäre, 
wäre ich sicherlich ein toro bravoein toro de lidia
weder eine Ziege noch ein Schaf, Lamm oder Huhn;
es ist das am besten behandelte Tier der Welt
es wird am meisten respektiert, am meisten verehrt;
es ist sehr schwierig dieses jenen billigen Umweltschützern zu erklären ..."

Freitag, 6. November 2015

Die vierte Dimension

mit Juanito Barranco Posada

Gerade in diesen Zeiten ist es mal wieder ziemlich offensichtlich geworden, wie die Szene der antitaurinos die mundo de los toros zu einem Politikum deklarieren. Immer wieder gibt es Menschen, die nie in ihrem Leben, ausser ein paar Fotos, eine corrida miterlebt haben. Trotzdem machen sie daraus ein politisches Thema. Dabei scheint der meiste Druck von der linken Seite zu kommen. Scheint das gerechtfertigt?

Juan Barranco Posada
"Ein ziemlicher Unsinn! Es gibt im toreo eine Rechte, die vor allem dazu benutzt wird zu töten.. Dann gibt es die Linke, mit der gestaltet man das schönste Manöver mit der roten muleta, welches es in einer corrida gibt, den natural.

Wenn ein matador mit der linken Hand die natural ausführt. (Foto: mundotoro)
Wenn der torero in der Lage ist, und dieses toreo spürt, fühlt er sich ein wenig wie der toro, und erreicht dadurch, dass der toro sich wie ein Mensch, etwas Gleichgesinntem fühlt. Dadurch wird eine Einheit geschaffen, bei der Intuitionen übertragen werden. Dadurch gelingt beiden etwas, was das Publikum in den tendidos sie in den magischen Kreis zieht, denn die plaza de toros ist rund, das ruedo auch und das Publikum wird eben, wenn es diese plaza betritt, auf dieses Rund, auf jenen konzentrischen Kreis, fixiert zu einer vierten Dimension, welche wir immer und überall suchen. Da gibt es kein Links und kein Rechts. 

Da gibt es etwas, was einen berührt, man wird an etwas herangeführt, nur flüchtig, aber ein sehr starker Moment, nicht links nicht rechts, aber es geht durch die Mitte, in die Mitte hinein, in einen Zustand der Seele, das ist toreo!"

Donnerstag, 5. November 2015

Der Tod erinnert uns daran, dass wir leben.




von Fernando Savater


Der spanische Schriftsteller und aficionado de toros, 1947 in San Sebastián geboren, ist Professor für Philosophie an der Universität Complutense von Madrid. Er sorgte ausserdem für sein politisches Eintreten gegen den baskischen Nationalismus auf sich aufmerksam. Besonders populär sein Werk "Ethik für Amador". Auffallend dabei der Untertitel "Tu was du willst, eine Ethik für die Erwachsenen von morgen". Wie weit man solche philosophischen Äusserungen auf die tauromaquia anwenden kann, bleibt jedem SfA-Leser selbst überlassen.


"Ja, beim Stierkampf ist der Tod gegenwärtig, 
aber als ein Verbündeter, als ein Komplize des Lebens;
der Tod wird zum Komparsen um das Leben zu bestätigen."


Mittwoch, 4. November 2015

42.000 Eintrittskarten in weniger als zwölf Stunden!




von Philip de Málaga


Es war allen klar:
Wenn José Tomás wieder in Mexico das ruedo betritt,
startet eine taurinische Walfahrt
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Und so geschah es. Kaum waren die taquillas zum Verkauf der entradas für das mano a mano der beiden matadores de toros José Tomás und Joselito Adame geöffnet dauerte es keine zwölf Stunden, da waren alle Eintrittskarten zur grössten plaza de toros der Welt vergriffen.

José Tomas, wenn er kommt füllt sich die plaza (Foto: mundotoro)
Ein No hay billetes in nur so kurzer Zeit, 42.000 Zuschauer in den tendidos, für nur eine corrida de toros, wer will da schon von einer Krise taurino sprechen? Oder gar von Unpopularität? Alle zwei Sekunden wurde eine entrada verkauft. Über dreissig Karten in der Minute!

Die grösste plaza de toros der Welt: Ausverkauft für die toros!
Nicht einmal Showstars wie Madonna oder Paul McCarty gelang es so schnell an selber Stelle. Bei Ihnen dauerte es zwei Tage! Der spanische matador de toros aus Galapager benötigte dafür gerade mal einen halben Tag!

Was für eine Tatsache, welch eine Realität. Ein torero füllt ein Colosseum mit genau 41.262 Sitzplätzen hasta la bandera, bis zur obersten Fahnenstange. Eins dürfte schon jetzt feststehen. Der Schwarzmarkt kann sich freuen und die Vorbereitungen zur Walfahrt nach México können beginnen.  

Dienstag, 3. November 2015

Stierkampf im andalusischen Fernsehen sehr beliebt




von Philip de Málaga


Das Stierkampfmagazin Toros para Todos (Stierkampf für Alle)
erfreut sich in Andalusien hoher Einschaltquoten
Fast jeder Dritte schaut mal rein
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Der andalusische Regionalsender Canal Sur bringt jeden Sonntag Mittag seine Sendung, Toros para Todos (kurz: TpT), welche über die aktuellen Geschehen der mundo de los toros berichtet. Dabei fokussieren sie ihr Augenmerk nicht nur auf das Geschehen in den plaza de toros und die toreros sondern und vor allem auf den Hauptprotagonisten, ohne ihn es die toros ja auch nicht geben würde. Den toro.
Das erfolgreiche Programm und sein Moderator Enrique Romero
Da gibt es zunächst einmal den charismatische Moderator Enrique Romero, der es versteht mit viel Freude und Emotionen die wahren Begebenheiten der mundo taurino über den Bildschirm zu bringen. Dazu gehören nicht nur die Olés bei den den Liveübertragungen von Stierkämpfen, sondern auch die wichtigen Geschehen bei der Zucht. Warum geschieht was? Dabei versucht sich das Team von TpT relativ nah dem Geschehen mit den toros zu nähern. Ein nicht oft ungefährliches Unternehmen, und für den Zuschauer ein aufregendes Erlebnis den Tieren bei der Zucht so nahe zu kommen.
TpT immer nah am toro.
Enrique Romero selbst kommt aus einer Familie muy taurina. Sein Bruder Juan Ramón berichtet über die toros beim Radio und Fernsehen aus Málaga. Und seine Schwester Ana María ist gar öfters eine recht faire und populäre presidenta bei einer corrida de toros in der La Malagueta.
Das Team bei der Arbeit, oft mit versteckter Kamera um ganz nah an den toro zu kommen
Und der Einsatz wird belohnt. Beim Sender Canal Sur spricht man von einem Phänomen. Ein solche hohe Einschaltquote zu dieser mittäglichen Sendezeit seine eine absolute Ausnahme. Denn immerhin lockt Toros para Todos mit einer Einschaltquote von 10 bis 26 Prozent die Zuschauer vor den Bildschirm die das Programm live verfolgen. Und in fast in jeder öffentlichen Bar gibt es dieses Programm ebenfalls zu sehen. Weit mehr als ein ¼ Million Zuschauer. Um die 300.000 jeden Sonntag. Und das nur in einer Region von Spanien. In Andalusien.










Montag, 2. November 2015

Was ist da eigentlich los? Werden die Stiere nun subventioniert oder nicht?




von Philip de Málaga


Zu der EU-Abstimmung und den Folgen erreichten SfA zahlreiche Anfragen
Hier ein paar Informationen zu diesem Thema
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Da wird im Europäischen Parlament, vor allem wegen dem Drängen der politischen Grünen, darüber abgestimmt, ob der Stierkampf subventioniert werden soll oder nicht. Das Ergebnis viel mit 438 zu 199 relativ eindeutig aus. Und kaum wird das Ergebnis bekannt gegeben, verkünden verschiedene Medien und die Europäische Kommission, dass diese Entscheidung gar nicht durchführbar sei.

Was ist hier eigentlich los? Um was geht es genau? Was soll denn verboten werden? Viele Fragen erreichten SfA. Die Antwort ist einfach: Die europäischen Subventionen für Zucht des toros bravos sollen ab 2016 untersagt werden.

Nur unterliegt diese Forderung einem kleinen Schönheitsfehler. Wann beginnt ein toro ein so genannter toro bravo zu werden? Wer entscheidet dieses? Was geschieht mit denjenigen, welche nicht zu einem toro bravo werden? Und was geschieht mit dem Umfeld?

Gehen wir doch mal in das Detail:

Was ist eine Stierzucht und was gehört dazu?

Da gibt es eine ganadería. Ein landwirtschaftlicher Betrieb, der unter anderem eben auch toros züchtet. Stiere für den Tod in einer plaza de toros. Zudem verfügt dieses Unternehmen aber auch über andere landwirtschaftliche Zweige, wie Pferde-, Schweine-, Ziegen- oder Milchkuhzuchten. 

Die Zucht von Pferden und den bekannten iberischen Schweinen gehört dazu
Hinzu kommen die agrartypischen Grundflächen für Oliven, Wein, Orangen, Zitronen, Avocados, Kartoffeln, Korkeichen oder ähnlichem. Auch Gärtnereiprodukte stehen auf dem Programm. Mit anderen Worten, es handelt sich hier um ein Agrarunternehmen, welches sich vielen Bereichen zuwendet, eben auch den toros

Korkeichen, Olivenplantagen und Wein ... auch das gehört zu Andalusien und den toros
Mit einer Subventionsstreichung für die ganadería wäre der ganze landwirtschaftliche Betrieb betroffen und lahmgelegt. Das kann und darf nicht im Interesse europäischer und demokratischer Politik liegen.

Welche Rolle spielt der Stier?

Was viele nicht wissen, die Subventionen für den toro bravo sind ja schon offiziell gestrichen worden. Nur hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Wann können wir von einem toro bravo sprechen, also von einem Stier, welcher für den Tod in der plaza de toros gezüchtet wird. Von Geburt her kann man es nur vermuten, aber erste Ergebnisse erfährt man erst nach einem Jahr, wenn das Tier bei einer tienta getestet wird, ob es über genügend bravura, also Mut, verfügt, um für ein festejo taurino tauglich zu sein. Und selbst dann ist noch nicht einmal garantiert, dass es für eine corrida vermarktet werden kann. So landen viele Tiere im Schlachthaus, ohne einen torero gesehen zu haben. Und genau in dieser Differenzierung liegt die Problematik. Mit welcher Kalkulation will man diese Jungstiere bewerten. Dafür müssten erst einmal entsprechende Experten ausgebildet werden.


Hinzu kommt die Tatsache, dass die Zucht eines toros bravos relativ kostenaufwendig ist. Bei kaum einer Zucht wird dermassen auf den gesundheitlichen Zustand der Tiere geachtet wie bei einer ganadería von toros. Tierärzte sind häufig gegenwärtig und kennen die Tiere der jeweiligen Zucht ziemlich genau. Geradezu schon beim Namen.

Was gäbe es für andere Möglichkeiten der Subvention?

Eine Alternative dazu, wäre eine mögliche Subventionsrückzahlung, nach dem Einsatz in einer corrida. Aber so weit sind die europäischen Politiker, nicht einmal die Grünen oder nicht einmal der sector antitaurino in ihren Gedankengängen noch nicht gekommen.


Ein kuriose Frage wäre: Was geschehe mit einem toro indultado, einem begnadigten Stier. Er ist zwar für den Tod in der plaza de toros gezüchtet worden, auch angetreten um im ruedo zu sterben, aber letztendlich wird er begnadigt. Schliesslich endet er sein Leben als Zuchtbulle auf einer dehesa, jener Weideflächen, von dem das meiste Fleisch auf unsern Tellern nur träumen kann. Stehen ihm etwa keine Subventionen zu?

Da gibt es ja noch andere Feste mit den Stieren!

Und nicht zuletzt die encierros, festejos populares oder capeas in den kleinen Ortschaften. Da werden toros oder novillos für dörfliche Stierlaufen verkauft, aber nicht öffentlich getötet, sondern durch die Strassen und Gassen getrieben, wobei sich die Bevölkerung mit muleta oder capa üben darf. Erst im Schlachthaus, wie die Massentierhaltung findet sein Leben ein Ende. Wenn überhaupt. Oft werden diese Tiere häufiger eingesetzt. 

Capeas in Dörfern wo nicht getötet wird.
Dann finden sich die recortadores, jene mutigen Männer, welche über die toros springen, oder mit Stuhl und Staab andere Manöver unternehmen, bei denen sie dem toro begegnen. Einem Stier, der ebenfalls nicht getötet wird. Nicht öffentlich in der plaza

Ein recortador
Auch hier stellt sich dieselbe Frage. Kein Tod, aber keine Subventionen?

Und Portugal?

Da wird der toro bei einer corrida, meistens ein rejoneo, ja nicht öffentlich in der plaza de toros getötet. Sondern erst danach im Schachthof, beim matadero. Wie steht es denn dort mit den Subventionen? Denn den eigentlichen Anstoss bei den corridas für die antitaurinos bildet ja das öffentliche Töten.

Sonntag, 1. November 2015

SfA: Ein erfolgreicher Sommer!




von Philip de Málaga


2015: Das deutsche Portal über Stierkämpfe so populär wie noch nie!
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Es musste schon ein paar Jahre dauern bis es SfA, Stierkampf für Alle gelang zu einem bekannten deutschsprachigen Portal in der mundo de los toros zu werden. Im Oktober diesen Jahres wurden das erste Mal die 16.632 Besucher erreicht. Das Interesse in diesem Sommer an den toros war in Deutschland und bei jenen Personen, welcher der deutschen Sprache mächtig sind, relativ gross.

Sommer 2015: Die Besucherentwicklung von SfA
Neben den zahlreichen aficionados interessierten sich auch andere Menschen für die Welt der Stiere. Wollten wissen, was wirklich sich dahinter verbirgt. Warum gehen immer noch so viele Menschen zu den Stierkämpfen? Was fasziniert die Leute, welche aus fast allen Gesellschaftsschichten stammen? Aber auch die Gegner werfen hier einen Blick rein um sich zu informieren. Und hier stellt sich wiederum die Frage nach dem aggressiven Vorgehen der antitaurinos. Fragen über Fragen. 

Und SfA will nicht nur einseitig über toros und toreros berichten, sondern auch sachlich wie unterhaltend über eine Kultur informieren, welche es schon seit Jahrhunderten gibt und noch heute 75 Millionen Menschen in ihren Bann zieht.

Samstag, 31. Oktober 2015

Eine Änderung des Agrargesetzes sei nicht durchsetzbar!




von Philip de Málaga


Wie SfA schon gestern angesprochen hatte, 
ist die Umsetzung der in dieser Woche in der EU abgestimmten Ergebnisses 
gegen die Stiere nicht durchführbar
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Es hat nicht lange auf sich warten lassen, da meldete sich die Europäische Kommission zu Wort.


Laut der spanischen Tageszeitung ABC hat die Europäische Kommission das Abstimmungsergebnis der EU, und damit den Wunsch der Parlamentarier zur Kenntnis genommen, aber festgestellt, dass es hier einer jeglichen Rechtsgrundlage entbehrt. Obwohl der Antrag auf eines Verbotes von Subventionen des toros bravos, von dem sector antitaurino fast jedes Jahr eingereicht wird, kam es in dieser Woche zum ersten Mal zu einer entsprechenden Mehrheit der Befürworter im Europäischen Parlament. Die Problematik findet sich vor allem in der Erkenntnis, für welche Tierhaltung die Agrarsubventionen zur Verfügung gestellt werden. So können Milchspendende Kühe zum Beispiel nicht ausgeschlossen werden.

So erstellte die Kommission ein Durchführbarkeitschreiben, auf welcher sie auf Seite 18 feststellt, dass es bezüglich der Subventionen der toros keine Rechtsgrundlage gäbe, und somit dieser Beschluss nicht durchführbar sei. Wörtlich heisst es: "Diese Änderung modifiziert die gesetzlichen Grundlagen für die gemeinsame Agrarpolitik (GAP), insbesondere der Regelungen des Parlamentes und des Rates 1307 / 2013 und ist daher nicht durchsetzbar."

Wie auch immer die europäische Zukunft der toros aussehen wird, die Länder mit einer tradición taurina haben da noch ein entscheidendes Wort mitzureden. Erst wenn Frankreich, Spanien und Portugal nachgeben gibt es die Möglichkeit diesbezüglich zu intervenieren. Aber selbst in Spanien stehen 90 Prozent der Sozialisten hinter den Subventionen für die mundo de los toros.

PETA: Moralapostel oder Mittäter?

Sie kritisieren, was sie selbst nicht einhalten
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von Philip de Málaga



Es ist kein Geheimnis, die Tierrechtsorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) setzt sich für die Rechte der Tiere ein und nimmt dabei ethische Argumentationstechniken in Anspruch. Dabei stellt sich die Frage, wie weit sie selbst das sittliche Verständnis interpretieren. Wie weit darf man ethische Grundsätze brechen um seine eigenen Ziele zu erreichen? Haben Tierrechtler eine eigene Interpretation von Ethik?

Denken wie zurück wie PETA den Umgang mit Tieren mit Behinderten oder gar dem Holocaust verglichen hat: PETA vergleicht Tiere mit geistig Behinderten.

Ein Vergleich,welcher gerichtlich untersagt worden ist!
Gerade in Sachen Tierschutz gehen die Meinungen von Ethik bis hin zur Legalität weit auseinander. SfA hat schon mehrmals davon berichtet und Mitarbeiter unseres Teams wurden dementsprechend bedroht, attackiert oder gar beim Arbeitergeber diffamiert (Mehr Rechtssicherheit für die mundo de los toros). 

Sie verlangen ein Verbot von Stierkämpfen. Sie fordern, dass die toros nicht getötet werden dürfen. Weltweit! Dabei töten sie selber Tiere: PETA tötet Tiere, und nicht zu wenig! Zahlen die man nicht vergisst Da wurde im Jahr PETA im 2012 in den Vereinigten Staaten 1.110 Katzen anvertraut, von welchen lediglich 65 überlebten. Keine sechs Prozent! Ist es das, was PETA unter ethischem Tierschutz versteht? Sieht so der Einsatz von Tierrechten aus?

Schon 2007 gab es in North Carolina einen Prozess gegen PETA wegen Müllentsorgung als Tierquälerei. Das muss man sich erst einmal vorstellen. Und dann gibt es da die zahlreichen Prominenten, die für diese Organisation sogar noch werben wie Udo Lindenberg, Katja Riemann, Kaya Yanar, Sarah Connor, Pamela Anderson ...

PETA gilt als die grösste Tierrechtsorganisation und gibt entsprechend viel Geld aus. Aber wo kommt es alles her. Sicherlich, da gibt es Spenden, aber die reichen für solche Kampagnen längst nicht aus. Also wird investiert. Zm Beispiel in Aktien. Und wie das Portal mundotoro berichtete investieren die Tierrechtler eifrig in Unternehmen wie McDonald`s, Oscar Mayer oder Kentucky Fried Chicen und überhaupt hat die Organisation fast in alle Fast-Food-Ketten ihre Gelder. 
Mit jedem Hamburger, mit jedem Bic Mac helfen sie den Tieren!
Es gehe dabei nicht darum Geld zu verdienen, so PETA, sondern um das Leben der Tiere und ihrem Umfeld zu verbessern. Durchaus ist man geneigt zu denken, selbst Tiermissbrauch, Massenhaltung usw. hilft dem Tierschutz? 

Wie weit darf eine solche Organisation gehen, die selbst nicht einem einzigen toro bravo das Leben gerettet hat gehen. Mehr als halbnackte Demonstrationen in Pamplona haben sie bis jetzt noch nicht zustande gebracht. Das ist eine Tatsache in Bezug auf die Tauromachie.

Freitag, 30. Oktober 2015

EU: Keine Subventionen für Kampfstiere mehr?




von Philip de Málaga


Das Europäische Parlament lehnt Hilfen für den toro bravo ab
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Mit einer doch überzeugenden Mehrheit (438 : 199) hat das Europäische Parlament die Subventionen für die Züchtereien des toros bravos abgelehnt. Zwar ist es noch keine endgültige Entscheidung, aber es versteht sich von selbst, dass die EU nach Sparansätzen sucht. Besonders in diesen politisch brisanten Zeiten.

Klare Zahlen in der EU: Nur 29 Prozent unterstützen die toros.
Was die ganaderías angeht denkt man spontan an zwei Punkte: Betrifft es zunächst den ganzen Betrieb? Denn es werden ja nicht nur toros für den Stierkampf gezüchtet, auch Pferde, Schweine und andere Tierarten, sogar Weinberge, Olivenhaine und Korkeichen sind inbegriffen. Und was den toro anbetrifft, nicht alle toros oder vacas werden auch für den tödlichen Stierkampf eingesetzt. Dies zu differenzieren bzw. umzusetzen dürfte nicht einfach werden. Es liegt an der Durchführbarkeit. 

In beiden Punkten sehen die europäischen Politiker die Schwierigkeiten der Einstufung. Und auch hier ginge es weniger um den eigentlichen Tierschutz, sondern vielmehr um die Auffrischung politischer Finanzen. Zwar wurde 2010 ein ähnlicher Antrag schon mal von der EU abgelehnt, doch diese Entscheidung vom 28. Oktober besorgt ein wenig den taurinischen Sektor. 

Auf jeden Fall tragen die antitaurinischen Aktivitäten beim Europäischen Parlament ihre ersten Früchte. Eine Tatsache, vor der die taurinos nicht die Augen verschliessen sollten. Besonders in diesen Zeiten, wo die toros wieder an Popularität gewinnen. Da sollte sich Europa nicht dagegen entscheiden oder einmischen, handelt es sich doch nach wie vor um regionale Angelegenheiten, welche auch lokal entschieden werden sollten.

Am Ende werden die ganaderías ihre Subventionen bekommen, eventuell ein klein bisschen weniger. Des Kompromisses wegen. Aber wie gesagt, noch ist alles offen.

Peru: Stierkämpfe sind populärer als Fussball

Was kaum einer weiss: Stierkämpfe sind in Peru beliebt wie kaum etwas anderes
Die Veranstaltungen sind gut besucht! Mehr noch, fast immer ausverkauft!
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von Philip de Málaga


Das Land Peru an der pazifischen Küste von Südamerika verfügt über eine tradición taurina, welche viele Menschen dort nicht vermuten. Schon vor 500 Jahren brachten die Spanier diese dorthin. Warum ist eigentlich unbekannt, denn der eigentliche Kult der toros wurde damals dort noch nicht praktiziert. Laut einem peruanischen Schriftsteller gab es das erste festejo taurino im Jahr 1538 um den Sieg de Schlacht von Salinas zu feiern. Ursprünglich wurden diese fiestas de los toros in den Dörfern eher als sehr provisorisch freie Veranstaltungen organisiert. 

Das der toro aber schon damals in Peru eine besondere Rolle spielte erkennt man an den Keramikfiguren jener Zeit, dem torito de Pucará, einem Totemsymbol, wobei der weisse Stier für Reinheit und Schutz (vor allem in der Partnerschaft) stand und die schwarzen, braunen oder dunklen Farbe eher das Ego, bzw. die psychologischen Defekte zum Ausdruck brachten.

Der torito de Pucará
Die tauromaquia, wie wir sie damals aus Spanien her kennen, erhielt erst im 17. Jahrhundert in Form des rejoneos, also berittene Stierkämpfe, Einzug in Peru. Die wahre Evolution der toros erfolgte jedoch erst im 19. Jahrhundert. Dann gleich gewaltig. 

Die erste richtige plaza de toros wurde am 23. Februar 1756 in Lima eingeweiht. Erst aus Holz und neun Jahre später als eine feste Konstruktion.

Die peruanische Hauptstadt Lima mit einer plaza de toros für 14.000 Zuschauer
Die Dreissig-Millionen-Republik veranstaltet mittlerweile im Jahr nicht nur an die 650 corridas, sondern zieht auch mehr Menschenmassen an als der König Fussball.

Es entstanden plaza de toros, von einer Grösse, welche die spanische afición zum Staunen brachte. Es gibt allein in der Region Ánkash zehn plaza de toros von auffallend grossen Dimensionen. So füllte sich am letzten Sonntag die plaza de toros von Huari (gewiss kaum ein SfA-Leser kennt diesen Ort) mit knapp 13.000 Zuschauern. Das sind mehr als drei Mal so viele Einwohner wie der Ort selbst hat. in dieser temporada taurina, zwei carteles, zwei No hay billetes! Also 26.000 Besucher der toros an zwei Tagen!

Am letzten Sonntag in Huari: No hay billetes!
Der matador de toros vor beindruckender Kulisse: 13.000 Zuschauer
Dann findet sich in der Nähe die winzige Ortschaft Chavín mit einer ebenfalls riesigen plaza de toros für sage und schreibe 10.000 Zuschauer. So etwas vergleichbares gibt es nicht einmal in Spanien.

Chavín für 10.000 aficionados
Zwar kennt man hier auf der Iberischen Halbinsel die toreros nicht, wie Emilio Serna, Torres Jerez, Morenito de Canta, Juan Carlos Cubas, Alfonso de Lima oder Octavio Chacón nicht, geschweige hat schon mal ihre Namen gehört, aber sie werden verehrt und füllen in Peru die ruedos wie bei uns ein Messi ein Fussballstadion.

El Vizcaino de Chota: 13.000 Besucher: Ausverkauft
In der südamerikanischen Republik findet sich eine sehr intensive afición. Und es gibt kaum eine Gemeinde, welche nicht mindestens eine fiestas de los toros organisiert. Mehr als 2,5 Millionen Peruaner bekennen sich als aficionados de toros. Im Gegensatz zu Spanien, Frankreich und anderen Ländern der toros, ist hier der Besuch einer corrida nicht nur der afición vorbehalten, sondern gleicht einem Familienereignis. Geradezu ein Pflichtprogramm mit Spassfaktor. Alle sind dabei. Ob Grossvater, Söhne, Töchter und Enkel, alle sind dabei. Ein Familienfest rund um das ruedo. Die Familien bringen übrigens den toreros und besonders den maestros besonders viel Respekt und Ehrfurcht entgegen. Etwas, wovon die Sportler, aber auch Schauspieler, Sänger und erst recht Politiker in diesem Land nur träumen können.
Chalhuanca: Ist die plaza voll, füllen sich die umliegenden Berge: Mehr als ausverkauft!