Freitag, 6. Mai 2016

120 Jahre L’Union Taurine Nîmoise




von Ursula Herzog


Interessante Ausstellung in Nîmes
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Die L’Union Taurine Nîmoise wurde am 13. Dezember 1896 gegründet und feiert in diesem Jahr ihren 120. Geburtstag. Aus diesem Anlass wird im Mai zur Zeit der Feria de Pentecôte eine Ausstellung gezeigt werden, in welcher 120 Künstler (Bildende Künstler, Bildhauer, Maler….) aus dem Departement Gard Werke, die einen Bezug zur tauromaquia haben, in der Chapelle des Jésuites in Nîmes ausstellen werden. Die Kapelle des Jesuitenkollegs in Nîmes (Chapelle des Jésuites) wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert erbaut und ist heute Schauplatz wechselnder Ausstellungen. Die Vernissage fand am Dienstag um 17:30 Uhr statt.
Die Ausstellung findet vom 4. bis zum 22. Mai 2016 statt.
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Quellennachweis:

torofiesta.com (in französischer Sprache)

Donnerstag, 5. Mai 2016

Wenn der König zum Torero wird






von Peter aus Marbella


Ein Gemälde von dem spanischen König als ein Torero
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Don Juan Carlos I.  bei den toros
Auf meiner Reise am letzten Wochenende nach Sevilla entdeckte ich ein kurioses Gemälde. Es zeigt den Ex-Monarchen von Spanien Don Juan Carlos I. in einer traje de luces. Es ist ja weitgehend bekannt, dass er ein grosser aficionado de toros ist, sich auch öffentlich zu der mundo de los toros bekennt und sich für die Erhaltung der tauromaquia einsetzt. Das tut er auch jetzt noch. Denn schon in diesem Jahr hat man ihn bei mehreren corridas de toros als Gast gesehen. Überhaupt steht fast das ganze Königshaus hinter den toros. Ausser Königin Sofía, die sich als Vegetarierin da eher etwas neutral verhält. Und auch keine corridas mehr besucht. Ich finde es eine wunderbare Sache, wenn Personen, die im Licht der Öffentlichkeit stehen, sich auch zu den toros bekennen. Dazu gehören natürlich auch Politiker wie Mariano Rajoy und Javier Arenas, sowie Sportler und Grössen aus der Wirtschaft.

Don Juan Carlos Alfonso Victor María de Borbón y Borbón - Dos Sicilias
ein leidenschaftlicher aficionado de toros

Mittwoch, 4. Mai 2016

Der Sport begegnet dem Stierkampf




von Philip de Málaga


Gestern in Sevilla: Wenn Sportler auf Toreros treffen
Ein "Mano a Mano" der besonderen Art
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Es ist nichts unbekanntes zu erfahren, dass es toreros gibt, welche eigentlich Sportler werden wollten. Und umgekehrt finden sich einige Sportler, welche der tauromaquia etwas abgewinnen können, corridas de toros besuchen oder gar mit toreros befreundet sind, wie man am Montag bei SfA lesen konnte, zwischen dem matador de toros Alejandro Talavante und dem Abwehrspieler von Real Madrid Sergio Ramos (Siehe: Die Menschen sorgen sich viel um die Tiere, aber wenig um ihre Mitmenschen). 

Die Stiftung Cajasol (Fundation Cajasol) widmet sich der vor allem andalusischen Kultur. Der Vermittlung und Verbreitung von kulturellen Werten. Dazu zählt selbstredend auch die tauromaquia. Und dabei geht es der Stiftung nicht um die Rechtfertigung der toros, sondern man möchte die mundo de los toros in das Leben der Gegenwart integrieren. Es ist allgemein bekannt, dass die toros im kulturellen Sektor durchaus rentabel ist. Ein anderer erfolgreicher wie populärer Bereich ist der Sport. Und so lässt die Stiftung in einem verbalen Austausch bei einem so genannten Mano a Mano diese beiden Welten morgen aufeinander treffen. Und etwas haben sie gemeinsam. Sie müssen sich vor einem Publikum behaupten. Gelingt ihnen dieses nicht haben die Fussballer leere Stadien, und die toreros leere tendidos. So scheint es doch sehr spannend zu erfahren, wie beide Seiten sich in der Konfrontation mit ihrem Umfeld sehen.

Dieses Mano a Mano geht heute in Sevilla in seine 32. Runde. Diesmal mit dem triunfador der Feria de Abril in der andalusischen Hauptstadt, dem matador de toros Juan José Padilla und dem Fussballspieler von Betis Sevilla Joaquín Sánchez Rodríguez. Der eine agiert im centro des ruedos, der andere im Mittelfeld. Beide sind gefordert taktisch zu reagieren, und dazu haben sie nicht all zu viel Zeit, müssen in der Lage sein ihren enemigo einzuschätzen, um letztendlich Resultate zu erzielen, welche dem Publikum gefallen müssen.

Joaquín Sánchez ist am 21. Juli 1981 in Puerto de Santa María geboren.  Nicht nur, dass er seine Leidenschaft für den Fussball professionell umsetzen konnte, auch ging er jedes Mal wenn er konnte seiner afición a los toros nach. Gerne besuchte er corridas de toros, war in den letzten Wochen häufig in der Real Maestranza de Sevilla zu sehen, und verteidigt konsequent die fiesta de los toros


In der von der Stiftung Cajasol organisierten Präsentationen Mano a Mano stellten sich bis jetzt schon 33 toreros dem Dialog mit anderen Bereichen aus der Gesellschaft. Unter anderem die maestros Emilio Muñoz, Miguel Abellán, Victor Mendez, Juan Mora, Pepe Luis Vázquez, El Soro, Juan Antonio Ruíz "Espertaco", Francisco Rivero Ordoñez "Paquirri", Jaime Ostos, Palomo Linares, und viele andere.
Mano a Mano mit El Soro 

Dienstag, 3. Mai 2016

Über die blutigen Spektakel





von Marcelino Menéndez Pelayo

Er war absolut kein aficionado de toros. So wusste der Conde de Navas über Marcelino Menéndez Pelayo (1856 bis 1912) zu erzählen. Trotzdem verteidige er mit grosser Leidenschaft die toros. Eben nicht weil er der afición verfallen war, sondern weil er grundsätzlich sich für alle traditionellen Werte einsetzte, welche durch Politik oder Kirche bedroht bzw. für eigene Interessen missbraucht worden sind.

Marcelino Menéndez zeigte recht früh seine ausserordentlichen Begabungen. Schon mit fünfzehn Jahren begann er an der Universität von Barcelona zu studieren. Sechs Jahre später wurde er mit einer Sondergenehmigung des spanischen Parlamentes mit 21 Jahren zum Professor für spanische Literatur an der Universität von Madrid ernannt, wo er dann zwei Jahre später auch lehrte. 1905 wurde er für den Nobelpreis vorgeschlagen.

Seine leidenschaftliche Verteidigung der tauromaquia veranlasst die Universität von Santander, welche auch den Namen des Literaturwissenschaftlers trägt, regelmässig Vorlesungen, Seminare, Vorträge und Runde Tische zu dem Thema "Rund um die toros" zu organisieren.

Wieder ein Beleg dafür wie gerade intelligente und intellektuelle Menschen sich für die mundo de los toros immer wieder einsetzen. Das war früher schon so und hat sich bis heute eigentlich nicht geändert.

Der spanische Literaturwissenschaftler und Historiker Marcelino Menéndez Pelayo
"Die toros sind von den blutigen espectáculos
die am wenigsten barbarischen 
und die am meisten künstlerischen,
inner- wie ausserhalb Spaniens."

Montag, 2. Mai 2016

Die Menschen sorgen sich viel um die Tiere, aber wenig um ihre Mitmenschen





Mit Alejandro Talavante


Er gehört mit Sicherheit zu den grossen figuras der Gegenwart. Nun stellt sich der matador de toros Alejandro Talente den Fragen des Journalisten Zabala de la Serna:
Mit Deinem Beruf den Du ausführst, fühlst du dich als ein Mensch der Gegenwart?

Würde ich das nicht fühlen, entspräche dies einer gewissen Abnormalität. Ich habe gar keine andere Wahl als das zu leben, was ich in der Gegenwart bin.

Und warum ist es gut zu dieser Zeit zu gehören?

Es geht nicht um die Zeit, in welcher man am besten lebt. In der Tat, Menschen die im letzten Jahrhundert gelebt haben, fanden es damals auch besser, einfach weil sie Kinder des 19 Jahrhunderts sind. Aber es stimmt schon, dass meine Gefühle und Gedanken mehr im letzten Jahrhundert gewürdigt worden sind. Und ich glaube weiterhin ganz fest an sie und mit ihnen passe ich mich an das 21. Jahrhundert an.
In welchem Sozialen Netzwerk fühlt sichTalavante zuhause?

Wir haben die Sozialen Netzwerke mit viel Freude aufgenommen. Wir sind ein wenig verwirrt in ihnen auf der einen Seite zu existieren und auf der anderen Seite uns in die Köpfe der ganzen Welt zu begeben. Wenn du assimilierst, dass es eigentlich unmöglich ist, ist es doch eigentlich ein guter Ausgangspunkt, das Netzwerk, welches wir in unserem eigenen Inneren tragen zu erkennen, was uns wiederum zu einer Ruhe verhilft, oder wo andere von Glückseligkeit sprechen. Ich sehe, dass die Menschen die permanente Notwendigkeit haben alles zu überprüfen, und man hat so die Stille verschmäht, welches wiederum über einen viel wahrhaftigeren wie ausdauernden Nachhall verfügt als das Gedächtnis. So sind wie dem Narzissmus verfallen zu erzählen wie wir sind, ohne es dabei nicht einmal zu wissen.

Leben die toreros auf dem Rücken der Gesellschaft, oder lebt die Gesellschaft auf dem Rücken der toreros?

Das hängt von der Fähigkeit eines jeden ab, wie er die Menschen aushält. Da gibt es jene, die es kaum aushalten, und die anderen, welche ihren Lebensstiel auf die sozialen Beziehungen aufbauen. Ich bin genau wie jeder andere, nur mit anderen Verpflichtungen.
Aber was ist an einem 28-Jährigen von der Strasse noch in dir?

Genau dasselbe wie bei allen. Das Drama ist doch zu wissen das man nicht ewiglich ist, und ständig versucht die Kindheit im Alltag zu suchen.

Kann es daran liegen dass der Beruf eines matadores einen zwingt zu schnell zu reifen, um zu solchen Antworten zu gelangen ...

Mich haben stets ältere Menschen umgeben mit einer gewissen Natürlichkeit. Du weisst dass du ein Kind im Körper eines Mannes bist und zugleich möchtest du es auch nicht sein, um auf die unschuldigste Art und Weise zu denken.

Der ständige Kontakt mit dem Tod, stärkt ein solcher den Charakter?

Er gibt dir das Bewusstsein an Zeit, und das schwierigste daran ist es in diesen Altersgruppen einzuschätzen. Die Zeit rennt, und jeder Moment ist eine Möglichkeit in sich selbst zu wachsen.

Wenn du dich weit aus dem Fenster deines Aussichtspunktes lehnst, wie siehst du die politische Situation in Spanien seit dem 20. Dezember?

Nun, ich verfüge nicht über den Verstand um zu erklären was hier geschieht. Oder die Politik war nicht in der Lage es mir zu vermitteln. Es interessiert mich auch nicht. Ich bin ebenso wie die Menschen über die politische Klasse empört. Und wenn, wie einige es sagen, sich Spanien irrt, wenn es wählt, dann haben wir uns alle geirrt. Ehrlich gesagt, ich selbst identifiziere mich mit keiner politischen Facette. 
Widert dich die Korruption die uns umgibt, nicht an?

Die Korruption hat es schon immer gegeben. Der Unterschied zu früher, jetzt weiss man es.

Wie siehst du die Massaker von Paris und Brüssel, diesen zügellosen islamischen Terrorismus?

Er ist barbarisch! Ich unterstelle es aber nicht dem religiösen Fanatismus wie der Migration der Menschen und denjenigen die in den Regierungen die Entscheidungen treffen. Da muss Europa noch eine ganze Menge ertragen.

Welche Perversion liegt darin einen Dschihadisten einen Mörder zu nennen, und als einen Mörder auch den torero zu bezeichnen?

Diejenigen die es jetzt sagen, haben ein schlechtes Konzept von ihren Eltern vererbt bekommen. Ich bin damit nicht einverstanden. Aber wenn es jemandem gefällt, mich einen Mörder zu nennen, und dabei auch noch gut schlafen kann, dann sollen es ruhig tun. Ich habe damit kein Problem.
Die Gattung Gewalt breitet sich in Spanien jedes mehr wie ein unheilbares Krebsgeschwür aus. Leidest du selbst unter der Welle dieser chauvinistischen Verbrechen?

Genetisch betrachtet, ist die Frau dem Mann überlegen. aber der Mann verfügt über Kraft welche er missbraucht. Es ist durchaus schwierig diese Ungleichheit von Geschlechtern bei den Menschen zu entsprechen. Im Grunde ist es der Mangel an Verständnis und Bildung. Der Mann der misshandelt oder gar tötet hat einen grosses Komplex mit sich selbst.

Wie siehst du das Problem der Einwanderung, wenn sich jemand mit einer Emigrantin verheiratet (zum Beispiel aus México)?

Das ist eine ganz natürlich Angelegenheit.  Sich zu mischen und revolutionieren mit Rassenkreuzung ist notwendig. Für mich war es etwas wunderbares, und hat meinen Horizont erweitert.
Als du 2007 die Puerta del Príncipe in Sevilla geöffnet hattest, schlich sich die Wirtschaftskrise durch die puerta de chiqueros ein.  Du hast es ja recht nah mitbekommen, hast du da wie in einer Seifenblase gelebt?

Ich konnte es einordnen. Und ich habe sie weder mit Frust noch Hass erlebt, was das Schlimmste ist, was die Krise einem zufügen kann. Denn Hass haben sie benutzt um einige Spanier zu spalten. Ich habe stets versucht wirtschaftlich gesehen das Beste daraus zu machen, alles in der Waagschale zu halten.

Dasselbe trifft wohl auch für das Sprichwort, was man ja nicht wiederholen soll, zu :"Hure und Torero, wir sehen uns im Alter wieder" ...

Ihre Generation wurde hart von der Arbeitslosigkeit erwischt. Auch ich habe mich sehr stark an dieser Grenze gesehen. Ich weiss nicht wie ich mich in einer solchen Situation, wo man die Familie nicht mehr ernähren kann, verhalten hätte. Oder gar nicht einmal ich mich selbst. Aber ich denke es ist auch die Folge einer schwachen Erziehung, welche wir in den Schulen erhalten haben.

Wenn du jetzt nicht torero geworden wärst, was wärst du jetzt?

Das könnte ich dir jetzt nicht einmal sagen. Ich habe einen Bruder, der ist Chemiker, ein anderer studiert Jura ... Meine Veranlagungen wären da nicht so brillant gewesen.
Deine Generation ist mit Videospielen und Konsolen gross geworden, aber die Zukunft kommt wohl nicht aus einer virtuellen Welt.

Ich bevorzuge das meine Kinder sich durch das Labyrinth des Lebens schlagen als vor dem Spiegelbild eines Bildschirms sitzen. Ich habe nie dem Verlieren oder Gewinnen Bedeutung gegeben. Ich bevorzuge das sie auf dem Land leben, in der Natur.

Es gibt eine neue Spezies: Die städtischen Ökologen, die animalista der Stadt.

Der Mensch, welcher sich vom Land entfernt, verliert die Interaktion zur Natur, und so wird die Unwissenheit geboren, der perfekte Nährboden um Unsinn zu reden, eigene Dinge der Ignoranz. Ich sehe Menschen sich sehr angeregt über den animalismo unterhalten aber wenig besorgt um das Wohlergehen der anderen sind.

Ich sehe dich nie über diese Dinge mit deinen Kollegen in Badajoz sprechen.

Ich kann immer über Frauen reden wenn ich copas zu mir nehme. Aber eigentlich bevorzuge ich mich mit mir selbst zu unterhalten. Und die Geschwindigkeit jenes Teils was ich nicht kontrollieren kann, bereitet mir Schüttelfrost, aber gleichzeitig gibt es mir ein Gefühl sehr lebendig zu sein.

Unter deinen grossen Freunden findet sich Sergio Ramos. Bewirkt diese nicht eine neidische Wahrnehmung, dass die Gesellschaft die Fussballer wie Götter verehrt, während sie den toreros eher eine bescheidene Projektion entgegenbringt?

Sergios Leben ist voller Stress, auf das ich nicht vorbereitet bin. Es nimmt mir die Zeit mit meinem Instinkt zu kämpfen, damit ich weiss was ich zu tun habe. Der torero ist als ein Idol für die Massen nicht geeignet, weil die jungen Leute nichts über unseren beruf wissen.
Es wäre von entscheidender Bedeutung dieses zu erklären.

Und ich mach es mit Vergnügen vor einem Glas Bier. Es müsste eigentlich für sie attraktiv sein, auch wenn ihnen das espectáculo nicht gefällt, in die Haut eines toreros zu schlüpfen, einen toro mit gewaltiger Kraft vor sich zu haben, und 24.000 Menschen die dich observieren und beurteilen. Ich verstehe nicht, warum das so nicht ist. Manchmal möchte ich mich in die Köpfe derer versetzen, die das toreo als eine bestialische und archaische Ausübung sehen. Ein Mensch, angetrieben von seinem sozialen Beharrungsvermögen sollte sich nicht die Schuhe des anderen anziehen. Wir leben in einer von Etiketten geschnürten Gesellschaft. Aber wir leben alle. Ein Mensch kann für alle stehen. Sich in seine Gedankengänge versetzen, den Gegenüber verstehen. Genauso wenig macht es viel Sinn den toreo mit capa und der espada nur durch die blosse Tatsache zu verteidigen, dass es Kultur sei.

In Spanien wird die Kultur in Allgemeinen recht schlecht behandelt und insbesondere das toreo  obwohl es jene kulturelle Aktivität ist, welche dem Staat die meisten Millionen bringt.

Das Finanzamt trägt die Kultur zwischen den Augenbrauen. Ich zahle viel Steuern. Die Regierung weiss ziemlich genau Bescheid wie viel Einahmen sie durch die corridas erhält, und diese Einahmen verwendet der Staat für andere Angelegenheiten. Und ich denke, das es grossartig ist, aber was mich wütend macht ist die Tatsache, dass sie es nicht anerkennen.

Wer hat eigentlich erfunden, dass das toreo zur politisch rechten Seite gehört?

Man muss keine politischen Ideen haben, damit es dir etwas bringt. Und da kommen wir wieder zurück zu den Etiketten und den Zersplitterungen. Ich gehöre nicht zur Partei welche eine Ungleichheit unterstützt. Ich komme von der Strasse, meine Eltern waren Anarchisten...

Noch eine Frage an dich. Du bist 1987 geboren. Was denkst du über Franco?

An mich,  über Francooooo? Nicht den leisesten Schimmer. War nicht meine Zeit.

Sonntag, 1. Mai 2016

Die Toros kommen ... Pamplona kündigt sich an




von Pio Guerendiain


Es ist kurz vor acht Uhr morgens in Pamplona. Während der Sanfermines begibt sich Pio Guerendiain jeden Morgen an die Ausgangstür des Geschäftes für Badezimmermobiliar seiner Eltern, in der Calle Estafeta Nummer 1. Dieses Gebäude befindet sich gleich hinter der wohl gefährlichsten Kurve der Welt. Denn hier wurden und werden immer noch während der zehn Tage im Juli tausende von Menschen von sechs toros und den cabestros durch die Strassen bis zur plaza de toros, der La Casa de Misercordia gejagt, wo beinahe an die 20.000 Menschen in den tendidos auf die heran galoppierenden Tiere und den gescheuchten Läufer warten.

Pio kommt zur schützenden Bretterwand vor der Tür, öffnet eine kleine Luke um freien Blick auf die Strasse zu bekommen. Seine Kamera einsatzbereit in der Hand, bereit sofort los zu legen, denn wenn sie kommen, bleiben ihm oft nur wenige Sekunden. Momente der Panik, der Kraft, der Ängste, Eindrücke des Vorbeirauschens von Mensch und Stier, welche durch das spanische Fernsehen in die ganze Welt live übertragen werden. Ganze 50 Jahre verfolgte der Photograph aus Pamplona von dieser privilegierten Stelle aus das morgendliche encierro. Das Gebäude selbst, schon seit sieben Generation in der Hand der Familie, wurde schliesslich vor zwei Jahren verkauft. Aber 2012 war es noch in Familienbesitz und der Photograph verharrte in Wartestellung wie ein Jäger. Die Treibjagd konnte beginnen. "Ich nenne es den Geruch der Angst", sagt Pio, "er macht mich darauf aufmerksam, das gleich die cohete ertönen wird, ein ganz entsetzlicher Geruch, und was ganz Besonderes."

Aus der Luke betrachtet. Das encierro in Pamplona. Der Aussichtsposten von Pio Guerendiain.
Dann kommen sie voller Kraft, mit einer gewaltigen Wucht aus der curva de la muerte geschossen, die toros bravos der ganadería Victoriano del Rio. Und schliesslich der entscheidende Moment, ein Klick, ausgeführt von Pio Guerendiain im richtigen, im entscheiden Moment, der nun vier Jahre später auf jedem cartel taurino zu San Fermín 2016 zu sehen ist. 

Cartel taurino für Pamplona 2016
Fast sein ganzes Leben verbrachte der 66-jägrige Photograph an dieser Kurve des Todes, der curva de la muerte. Er selbst sieht es jedoch ein wenig anders: "Ich glaube nicht, dass in dieser Kurve jemals etwas Ernstes geschehen ist, ja, ein Schock vielleicht, aber nie Tote oder etwas wirklich ernsthaftes." Als die Presse ihn nach seiner Methode, seiner Einstellung fragte, wenn er solch Eindrücke festhalte antwortete er, "ich lebe nicht von der Photographier, ich sterbe für sie!"

Der Künstler bei der Präsentation des cartel taurino 2016 am letzten Freitag.
Die handgemalten Texte auf dem cartel sind von dem ebenfalls aus Pamplona stammenden Architekten Fernando Redón. Zu sehen lediglich der Schriftzug Feria del Toro, die Jahreszahl und die Brandzeichen der zehn ganaderías, welche dieses Jahr Sanfermines mit toros und novillos versorgen.

50 Jahre die encierros in San Fermín  Eine lange Tradition, auf die Pio Guerendiain zurückblicken kann. Hautnah an der Gefahr. Kaum einer bekam die toros so nah vor das Objektiv wie er. Augenblicke der höchsten Erregung, wo sein Adrenalin nach oben schnellte, seine Hände angespannt, die Waffe geladen in der Hand ... es war an der Zeit, dass eines seiner Photos endlich das cartel taurino seiner Stadt schmücken sollte, ja musste. Denn seine Photos wäre nicht nur begehrt und in zahlreichen Gallerien und Museen wie das Reina Sofía in Madrid zu sehen, sondern er verstand es mit einer pureza die Spannung der einzelnen Sequenzen voller Emotionen abzulichten wie kaum ein anderer, aber auch in der plaza


Samstag, 30. April 2016

Die Tauromachie ist ...




von Andrés Calamaro


Wie ein argentinischer Künstler die Welt der Stiere sieht
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Der argentinische Sänger und aficionado de toros, 1961 in Buenos Aires geboren, empört sich immer wieder über die antitoristas. Verärgert über deren einseitige Haltung und Tätigkeiten sieht er in der tauromaquia etwas ganz anderes:
Andrés Calamaro in der plaza de toros (Foto: Vocento)
Die tauromaquia ist weder Tierquälerei, noch Mord, noch Folter. Die tauromaquia ist ein Kompass, ein Wert und ein Respekt der Umwelt und dem toro gegenüber. Sie ist ökologisch und erhält eine beispiellose Tradition der Rinderzucht. Sie ist eine gutartige Kultur, weil sie mit den Gewohnheiten der Poesie von Lorca, der chinesischen Tusche von Picasso, der Bücher von Hemingway, der umgänglichen Texte von José Bergamin, die Geschichte von Belmonte und Chávez Nogales erzählt; es ist die tauromaquia eines Dali, und von jenen welche den toro in der plaza lieben, der mit jedem Galopp auf gefährliche Weise attackiert. Sie ist Kunst, die das Leben bietet. Sie ist Musik, Farbe und Anerkennung.

Werte guter Traditionen. Sie ist das Volk und das Land, die Stadt und der Tumult, sie reflektiert sich in encierros und novilladas, sie ist die Illusion der Kinder-toreros. Sie gibt den aficionados einen Sinn des Lebens, und dem Leben des toros, der unter den Tieren das am meisten geliebte ist. 

Das Handy ist des Menschen bester Freund, der Hund ist sein Haustier, kastriert lebt er ohne das Leben in der wilden Natur auch nur zu kennen. Der toro dagegen ist ein mythologisches Wesen, ein Tier, welches eine Legende repräsentiert.

Freitag, 29. April 2016

Morante der bestgekleidete Torero in Sevilla 2016




von Philip de Málaga


Wer dem Himmel so nahe ist, sollte auch entsprechend gekleidet sein
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Während der Feria de Abril konnten die aficionados de toros mit dem toreo eines Morante de la Puebla an die Himmelspforte klopfen (SfA: Der Himmel über Sevilla, und mit dem Toreo ihm so nahe!). Wer dort um Einlass bittet sollte schon entsprechend gekleidet sein. Nobel und elegant, respektvoll und galant. Ein Spiel der Worte? Gewiss, aber doch nicht so fern.
Denn die angesehene Massschneiderei in der andalusischen Hauptstadt Sevilla Tom Black hat den torero  bei den corridas in der Real Maestranza de Sevilla mit dem elegantesten traje de luces prämiert. Ein elfköpfiges Jurorenteam bewertete die getragenen Lichteranzüge aller toreros, begonnen vom Ostersonntag bis zum letzen Tag der Feria de Abril. Und die Wahl fiel auf den maestro Morante de la Puebla, den Boheme aus Andalusien. 
Ein neues Konzept der männlichen Mode
Das verde de botella, das Flaschengrün sprach nicht nur die Jury an, sondern auch in verschiedenen Medien fand es Erwähnung, und dem Publikum in den tendidos gefiel es sowieso. Aber auch matadores de toros wie der diestro Fernando Cámara inspirierte es zur Poesie. Und mal sehen, vielleicht inspiriert es Inditex, die grösste Textilgruppe der Welt, mit spanischen Ursprung, diese Farbe der spanischen Tradition des toreos in Form einer chaquetilla für wen auch immer auf den Markt zu bringen.
Muchas gracias

Donnerstag, 28. April 2016

Ein wirklich tapferer Kampfstier hat vor nichts auf dieser Welt Angst





von Ernest Hemingway



Über toros die nichts fürchten, wendig und schnell sind
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Die toros sollen in Spanien schon Autos angegriffen haben. Und sogar, wenn sie auf die Gleise der Eisenbahnen gerieten, einen Zug zum Stehen brachten. Dann haben sie sich geweigert, rückwärts zu gehen oder gar das Gleis zu räumen, und bis dann der Zug mit grossem Lärm der Pfeifen und Signalhörner lossollte, scheuten sich die toros nicht, die Lokomotive blindlings anzugreifen.

Ernest Hemingway in nächster Nähe, im callejón.
Ein wirklich tapferer toro bravo hat vor nichts auf dieser Welt Angst, und in verschiedenen spanischen Städten hat bei speziellen und grausamen festejos ein toro einen Elefanten öfters und immer wieder angegriffen. Toros haben Löwen und Tiger getötet, indem sie die Tiere einfach und voller Mut angegriffen haben, genauso wie sie es bei den picadores tun. Ein echter toro bravo fürchtet nichts, und für mich ist er wenn er angreift oder in Ruhe das wunderbarste Tier der ganzen Welt, welches man beobachten kann. 
Der wahre toro bravo kennt keine Furcht.
Vom Start an, wird ein toro ein Pferd auf zwanzig Meter Entfernung schlagen, obwohl das Pferd ihn bei vierzig Metern wieder überholen wird. Ein toro ist beinahe so wendig wie eine Katze; wendet viel schneller als ein kleines Pony, und mit vier Jahren hat er in seinen Schultern dermassen viel Kraft, um ein Pferd samt Reiter hochzuheben und über seinen Rücken zu schleudern.

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Quellennachweis:

Death in the Afternoon, 11. Kapitel, Ernest Hemingway, Charles Scribner`s Sons, New York 1932

Mittwoch, 27. April 2016

Protest auf Mallorca gegen Stierkampfverbot




von Philip de Málaga


Das Verbot der Stiere findet nicht in ganz Mallorca Zuspruch
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Im Gegensatz zu Katalonien brachte die balearische Landesregierung, am Dienstag den 19. April diesen Jahres, ein Verbot auf den Weg, alle festejos taurinos nicht mehr zuzulassen. In Barcelona war es lediglich ein Verbot für die corridas. Auf den Balearen dagegen sind auch die festejos populares, capeas und encierros sowie die correbous davon betroffen. Kurz, alle Veranstaltungen bei denen toros, novillos, becerros oder vacas zum Einsatz kommen, sollen von nun an verboten werden.

Das gefällt nicht allen mallorquinischen Einwohnern. In der 700-Seelen-Gemeinde Fornalutx, im Norden von Mallorca, unterstützt man die Entscheidung der Landesregierung in keinster Weise. Und so ging man am letzten Sonntag in Fornalutx auf die Strasse um gegen die politische Vorgehensweise zu protestieren und für ihr jährliches Volksfest den correbous zu werben.

Gefühle, Tradition und Kultur ... correbous ist nicht zu stoppen ...
Denn in der Tat gehe es hier doch nur um politische Agitation. Weder die Stiere noch die Wahrung der Tradition interessiere die sozialistische Landesregierung. Denn immerhin gehe der Brauch des correbous auf das Jahr 1892 zurück. Damals kaufte das Dorf anlässlich des Volksfestes zum Anfang eines jeden Septembers einen toro. Dieser wurde bevor man ihn schlachtete von Haustür zu Haustür geführt, damit ihn und auch vor allem die Älteren und die Kranken des Ortes bestaunen konnten. Dann wurde er getötet, damit die Einwohner des Dorfes einmal im Jahr ordentliches Fleisch zu essen bekamen. Daraus entstand dann die Tradition des correbous.

Der Stier wird durch das Dorf geführt.
Bei dem correbous in Fornalutx wird auch kein ausgewachsener toro bravo verwendet sondern ein etwa 300 Kilo schwerer novillo. An zwei Seilen angebunden wird er im Dorf auf einer bestimmten und vorgegebenen Strecke getrieben. Im Gegensatz zu einer corrida wird er weder verletzt oder gar öffentlich getötet. Mehr noch, während des correbous ist es untersagt, den novillo überhaupt zu berühren.


Auch auf national Ebene schaut man auf diesen kleinen Ort
Und auch hier, obwohl von der konservativen Partei PP regiert,  sind die Sozialisten für die Wahrung der Tradition der toros. Sie haben sogar der Zentralregierung gedroht, komplett aus der Partei der PSOE sich auszugliedern, falls man weiterhin auf ein Verbot des correbous bestehe. Diesen Standpunkt hat man jedoch später revidiert, man hätte nur Druck auf die Zentralregierung ausüben wollen. Trotzdem sollen wohl einige Stadträte aus der PSOE ausgetreten sein. Und obwohl Fornalutx eine doch sehr kleine Gemeinde ist, schaut man aus ganz Spanien dorthin, wie die Sozialisten mit diesem Thema umgehen wollen. SfA hatte ja schon darüber geschrieben: Madrid: Die Sozialisten sind aufgefordert sich zu positionieren. Und es stellt sich die Frage Versuchen die Sozialisten ihre neutrale Stellung zum Stierkampf aufzugeben? 

Wie auch immer, Fornalutx scheint entschlossen zu sein, und egal wie die Landesregierung reagiert, man will im Extremfall zivilen Ungehorsam leisten und auf jeden Fall "ihr" festejo popular, den correbous veranstalten. Sollte es so sein, kann man davon ausgehen, dass die antitaurinos, wie auch in den vergangenen Jahren dagegen heftig in Aktion treten werden.

Dienstag, 26. April 2016

Francis Bacon und seine letzte Faena in Madrid





von Philip de Málaga



Der Stierkampf als letztes Werk von Francis Bacon?
Über seine Prophezeiung des Staubes und sein eigenes Ende
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Wir schreiben den 28 April 1992. Es ist 8:30 Uhr und im Hospital Rüber in der spanischen Hauptstadt Madrid stirbt der irische Maler Francis Bacon im Alter von 82 Jahren an einem Herzinfarkt.

Den taurinischen Kennern der Kunstszene dürfte Bacon vor allem wegen seiner Studie über Stierkampf aus dem Jahr 1969 bekannt sein. Obwohl der Künstler den festejos taurinos, dem bullfight, wie man in seiner Sprache sagt, am Anfang eher distanziert gegenüberstand, hatten diese für ihn trotzdem eine gewisse Faszination. Später, so ab 1976, durch die Freundschaft mit dem surrealistischen Schriftsteller und aficionado de toros Michel Leiris, entwickelte Bacon mehr Leidenschaft, mehr Tiefe für die tauromaquia. Vor allem der Blick in das Zentrum des Geschehens, in das Herz eines ruedos während einer corrida. Was ist es, was genau geschieht in jenem ruedo? Was bekommt man dort zu sehen? Ist es der Kampf auf Leben und Tod, oder reflektiert sich hier gar eine leidenschaftliche Liebe? Mit Sicherheit eine Ambivalenz, welche man in zahlreicher seiner Werke begegnet. Wie der Betrachter es auch bewerten will, hier zeichnet Bacon genau das auf, was im toreo sich widerspiegelt. Nämlich die Tatsache, dass der torero genau das tötet, wozu er ein besonderes Verhältnis der Zuneigung hat, den toro.

Study for a Bullfight No 1 (1969)
In diesem Ölgemälde sind der torero und der toro dazu übergegangen einen gemeinsamen, einen neuen Körper zu bilden, eine Einheit zwischen Mensch und Tier. Ein neues Wesen, welches aber noch von dem Menschen, durch den emporragenden Kopf ohne menschliche Züge im Gesicht, kontrolliert wird.

Das erinnert an die Aussage des matadores de toros Juan Belmonte (1892 bis 1962), der mal sagte: "Wenn ich im ruedo stehe, bilde ich mit dem toro eine Einheit. Wir beide sind eins. Ich bin ganz mit ihm vereint und nehme das Publikum in den tendidos gar nicht wahr. Nur der toro und ich."

Und jetzt, fast fünfzig Jahre später, fünfundzwanzig Jahre nach seinem Tod, taucht ein weiteres Werk Bacons auf, welches sich ebenfalls mit der tauromaquia auseinander setzt. Der Kunsthistoriker Martin Harrison entdeckte durch Zufall in einer ziemlich geheim gehaltenen Privatsammlung noch eine Studie zum Thema der toros.

Study of a bull (1991)
Jenes Gemälde wird eindeutig seiner letzten Phase zugeordnet. Laut Harrison sei es sogar sein letztes künstlerisches Werk gewesen. Aus jener Periode, wo Bacons Werke stets dunkler wurden, das Licht welches er sah immer schwärzer.

"Wenn einer jemals eine corrida gesehen hat" so Bacon," dann vergisst er das nie". Das espectáculo taurino als unvergessliches Ereignis, ganz gleich, wie man dazu steht. Und so scheint es, dass der in Dublin geborene Künstler mit diesem Werk auf seiner Bühne zum letzten Mal Stellung bezieht. Gleich dem toro auf dem Gemälde, welcher zu seiner letzten faena antritt. Der toro kam zum sterben, Bacon betrat das Hospital in Madrid, ebenfalls ohne Hoffnung. Der Alkohol, das Asthma und die Operation, da konnte man nichts Gutes erwarten, und Bacon wusste es.

Der Künstler verwendet bei seinem zwei Meter hohen Werk Staub aus seinem Studio in Kensington, welches er im Bereich des toros einsetzt. Ein Symbol, ein Anzeichen auf den bevorstehenden Tod, so Harrison, und er erinnert sich an Überlegungen von Bacon. "Der Staub ist ewig. Schliesslich werden wir alle wieder zu Staub!"

Ob er wirklich wusste, dass sein persönlicher momento de verdad gekommen war? Der genaue Entstehungszeitpunkt seines letzten Werkes ist unbekannt. Doch seine faena endete wie eine jede. Ohne ein indulto.

Geblieben ist ein Werk eines toros, der das ruedo betritt. Der Beginn einer Dramaturgie nach bestimmten Regeln, mit vorhersehbarem Ende. Nach der Einigung kam der Tod. Bestimmt und sicher, und man endet im Staub.

Doch die erste körperliche Vereinigung zwischen toro und torero aus dem Jahr 1969 wurde am 14. November 2007 bei einer Versteigerung im Hause Sotherby von New York immerhin für die stolze Summe von 22 Millionen Pfund (ca. 28 Millionen Euro) unter den Hammer gebracht. Was wird wohl die jüngste Entdeckung von Harrison bringen?

22 Millionen Pfund bei Sotherby s in New York für ein Bild der tauromaquia
Nachdem der Maler in Madrid verstorben war, wurde sein Leichnam eingeäschert und sein "Staub" in England verstreut.

Ein weiteres Beispiel wie Kunst und Tauromachie ineinander verschlungen sind. Das eine liebt das andere. Begehrt es, sucht und findet die jeweilige Faszination. Francis Bacon suchte die Bewegung des Körpers. Der Maler benutzte dazu seine Hände, der torero seinen Körper. Die Kunst der Figurendarstellung liegt bei beiden Künstlern in den Händen, der eine mit dem Pinsel, der andere mit der muleta. Der Maler wie der lidiador bedienen sich an Bewegungsabläufen, von Sequenzen menschlicher und tierischer Körper, dem Nebeneinander offensichtlich zusammenhängender Körperstellungen, lieb gewonnener Einheiten,  dem Tod oder der Liebe geweiht.

Mit der Bewegung von muleta und Pinsel Kunstwerke erschaffen
Die Künstler bewegen sich wie im Rausch. Die Hand gleitet über die Leinwand und am Körper vorbei streicht der temple. Olé. Der duende erreicht den Betrachter. Die einen vor dem Meisterwerk der Kunst in den Gallerien oder Museen, die anderen in den tendidos der plaza de toros, welche mit strengen Augen das Geschehen im ruedo beobachten. Puerta grande für die artistas.