Montag, 19. September 2016

Eine Lanze für den Toro de la Vega

Toro de la Vega (Foto: La Tauromaquia)

Schon im Oktober 2014 verfasste SfA-Mitarbeiter Dr. Andreas Krumbein einen Bericht, wo er sich ausführlicher mit dem Thema der Tötung von toros auseinandersetzt, insbesinsondere in Bezug auf den Toro de la Vega. Aus aktuellem Anlass hier noch einmal sein Beitrag zum nachlesen.


Eine Lanze für den Toro de la Vega

Eine Stellungnahme zu den Tötungsritualen von Stieren
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von Dr. Andreas Krumbein

Die corrida de toros, so wie sie sich seit dem Ende des 18. Jahrhunderts aus den Anfängen einer Darbietung für die Bevölkerung, unter Erscheinens und Akzeptierens bezahlter, professioneller Spezialisten für das Töten und durch die Erarbeitung und Einführung komplizierter Regeln bis zum heutigen Tage entwickelt hat, vereint in sich eine verwirrende Vielzahl von Details, Überresten und Anspielungen auf althergebrachte Riten, Symboliken und Gebräuche aus vielen Regionen Spaniens und möglicherweise eines viel weiter ausgedehnten Bereiches um das Mittelmeer. Diese Riten, Symboliken und Gebräuche selbst sowie die Art und Weise, wie und zu welchen Anteilen sie in die corrida de toros eingeflossen sind, wie stark sie dort in Erscheinung treten und welche Bedeutung sie für die Menschen der früheren Epochen gehabt haben mögen und welche Bedeutung sie für den Einzelnen und die Gesellschaft insgesamt heutzutage haben oder haben könnten, ist Gegenstand von Interpretationen, Deutungen und Diskussionen, sowohl beim einfachen aficionado als auch in der Wissenschaft. Da gibt es die Demonstration von Mut und Männlichkeit beim Laufen der Stiere zum Beispiel während der encierros oder bei capeas, da gibt es die Opferung der jungen Männer, deren Leben irgendwann geschont und als deren Ersatz wertvolle Tiere, nämlich Stiere, getötet wurden. Da gibt es die Hochzeitsstiere, die einem frisch vermählten Ehepaar die Nachkommenschaft sichern sollen, es gibt das gemeinsame Totschlagen und –stechen eines Stieres mit anschließendem gemeinsamen Zerlegen, Zubereiten und Verzehr des Fleisches durch das gesamte Dorf. Es gibt in dem, was bei der corrida de toros dargeboten wird, das Erkennen einer als schicksalhaft angesehenen gesellschaftlichen Rolle von Mann und Frau, die Zuschreibung dieser Rollen den Akteuren toro und matador, und den allmählichen Rollentausch zwischen den beiden. Es gibt das Erkennen sexueller Komponenten zwischen den beiden Rollen und der Ausübung des Geschlechtsaktes.

VolanteToro de la Vega 2012
(Foto: Gerardo Abril)
Ob das alles tatsächlich so ist, ob die Deutungen stimmen oder nicht, ob die überlieferten Erzählungen Erfindungen sind oder reale Ereignisse wiedergeben, ist häufig unklar, wirkliche Beweise gibt es nicht, lediglich Indizien. Indizien gibt es auch für die Ansicht, dass die Art und Weise, wie in Spanien Stiere bei gemeinschaftlich ausgeführten Ritualen getötet werden, ursprünglich auf die Jagd zurückgeht. Der Mensch begann einerseits dem Stier sein Territorium streitig zu machen und sich neuen Lebensraum zu erobern, andererseits war der Stier aufgrund seiner Größe und Masse ein begehrter Lieferant für Fleisch, Haut, Horn und Knochen. Der Stier verteidigt sein Leben und sein Territorium (su terreno), er ist gewaltig und wild und wird, vor allem wenn er als einzelnes Tier von der Herde abgesondert wird, außerordentlich aggressiv; wegen seiner Stärke und Waffen ist er sehr gefährlich. Der Mensch lernt, sich gegen die Art, wie sich der Stier verteidigt, zu wehren. Mensch und Stier sind in dieser Epoche natürliche Rivalen. Später entwickelt sich das Opfer des Stieres, der im Mittelmeerraum einerseits als Lebensspender oder Überträger sexueller Potenz das Prinzip des Schöpferischen symbolisierte und dessen heilbringende Wirkung man für sich selbst erbat. Andererseits existierte der Stier als Symbol zerstörerischer, roher Kraft und Gewalt, die den Menschen und sein Überleben bedroht, die gebändigt und vernichtet werden soll, oder auch als Symbol des Bösen, dessen Vernichtung und Verzehr durch Übertragung der Lebenskraft des Opfertieres neues Leben schafft oder dessen Tod mit Vorstellungen von Weihe und Wiedergeburt verbunden waren. Man kann Anklänge an solcherart Glauben und religiöse Vorstellungen in allen spanischen Tötungsritualen mit Stieren erkennen. Zwingend ist das nicht, aber es geht.

Die corrida de toros ist ein besonders entwickeltes Tötungsritual mit Stieren. Federico García Lorcas Ausspruch „Ich glaube, dass der Stierkampf heutzutage das kultivierteste Fest der Welt ist“. wird zu Recht an exponierter Stelle zitiert. Doch darf Kultiviertheit, hoher Bildungsstand und gute Erziehung dem aficionado den Blick für einen anderen Teil der (vermeintlichen) Wirklichkeit und des menschlichen Wesens nicht trüben: „Cossío meinte, die historisch älteste Form des Stierkampfs, abgesehen von der Jagd und bevor er im dreizehnten Jahrhundert zu einem Privileg des Adels wurde, sei zweifellos das tumultuarische, anarchische und brutale Stierspiel auf provisorisch zu diesem Zweck hergerichteten öffentlichen plazas gewesen, an dem Adlige und Leute aus dem Volk, Stierkämpfer zu Pferd und zu Fuß, Amateure und manchmal auch bezahlte Stiertöter teilnahmen. Das Volk »lief« die Stiere (»correr toros«), hetzte sie, lief mit ihnen zum Platz, die Stiere wurden dort eingepfercht und einer nach dem anderen losgelassen, und die Adligen bewiesen Mut und Geschicklichkeit, indem sie - unterstützt von Lakaien zu Fuss, die den Stier mit ihren capas in Position brachten und ihm Harpunen oder banderillas setzten, - den Stier vom Pferd aus mit der Lanze oder dem »rejón« (kurze Lanze) verletzten oder töteten. War der Stier erschöpft, aber noch nicht tot, oder fand sich für einen Stier kein caballero, so fiel das Volk über das Tier her und machte ihm den Garaus.“ [1] Schilderungen solcher Vorkommnisse und besonderer Eigenarten bei den sogenannten „Stierspielen“ gibt es in Neuhaus Kulturgeschichte über Stierkampf [1] viele. Alle sind für das Empfinden eines Mitteleuropäers sehr grausam, manche in der bildlichen Vorstellung fast unerträglich. Doch warum ist das so? Und: Warum machen diese Menschen so etwas?

VolanteToro de la Vega 2012
(Foto: José Carpita)
Das numerische Gewicht der »festejos populares« oder »menores« (Stierspiele und –kämpfe außerhalb der Arenen, für die kein Eintritt zu zahlen ist) übersteigt nach wie vor bei weitem das der »festejos profesionales« oder »mayores«. Es gibt etwa acht- bis zehnmal so viele »kleine« Stierfeste wie große; bei ihnen werden rund doppelt so viele Tiere getötet wie in den Arenen, und sie weisen wohl mindestens ebenso viele Teilnehmer auf wie die Arenen Zuschauer verzeichnen.“ [1] Die Situation für den aficionado, der der corrida de toros zugetan ist, sich aber mit den anderen Tötungsritualen mit Stieren nicht abfinden kann, stellt ein ebenso großes Dilemma dar, wie dasjenige, in dem sich mancher antitaurino befindet, der den Stierkampf abschaffen will, aber die übliche Schlachtung von Nutztieren aus der Landwirtschaft akzeptiert. (Siehe dazu den Beitrag Stierkampf und Tierquälerei [2].) Es gelingt nicht, das eine, dem man zugetan ist, gegenüber dem anderen, das man ablehnt, durch Argumente zu stützen, ohne sich selbst zu widersprechen oder die eigene Position zu zerstören. Besucht man als aficionado eine corrida de toros, hat man sich damit abgefunden, dass ein Tier öffentlich getötet wird, dass die Möglichkeit besteht, dass der Stier Schmerzen empfindet, dass das Töten und das Sterben des Stieres lange dauern kann und dass der Stier im allgemeinen den Kampf gegen den Tod durchlebt und möglicherweise auch durchleidet. Alle Argumente, dass der Stier, aus welchen Gründen auch immer, keine Schmerzen empfände oder nur reduziert, können nicht geltend gemacht werden, denn ein Beweis dafür kann nicht erbracht werden. Von ihrer Grundstruktur her ist die corrida de toros so geartet wie alle spanischen Tötungsrituale mit Stieren: eine Gemeinschaft von Menschen tötet gemeinsam ein Tier. Dass nicht jeder Einzelne bei der Ausführung der Tötungsprozedur mit Hand anlegt, spielt dabei keine Rolle. Der matador fungiert als Abgeordneter der Gemeinschaft, in deren Auftrag er den Stier für die Gemeinschaft, der er selbst angehört, tötet. Für die Übernahme des damit verbundenen Risikos, der Lebensgefahr und der Verpflichtung bestimmte Regeln einzuhalten, die das Risiko und die Gefahr noch erhöhen, wird er vom Rest der Gemeinschaft bezahlt. Die Gemeinschaft lässt sich damit ihren Schneid abkaufen, doch eines behält und trägt sie: die Verantwortung für die Tötung des Tieres, das für jeden einzelnen Anwesenden bei der corrida stirbt, eine Verantwortung, deren Übernahme nach außen hin und in aller Öffentlichkeit sichtbar gemacht wird und zu der jeder Anwesende steht. Häufig wird der Dreiklang von Stier, matador und Publikum, das sowohl die Qualitäten von Stier und matador beurteilt und einfordert, bemüht. In "Die Herausforderung der Corrida" [3] wird zusätzlich die presidencia als vierte Komponente, die die Einhaltung von Regeln auf Seiten der toreros sowie auf Seiten des Publikums zu kontrollieren und durchzusetzen hat und gegen den das Publikum als Vertreter der Obrigkeit und Gegenspieler des gemeinen Volkes in Opposition gehen kann, eingeführt, was anthropologisch, soziologisch und sozial-psychologisch von höchstem Interesse ist, für die prinzipielle Einordnung von Tötungsritualen mit Stieren jedoch ohne Belang. Eigentlich gibt es nur zwei wesentliche, gegensätzliche Komponenten: das Tier und die Gemeinschaft von Menschen, die nach dem Tod des Tieres verlangt und die Tötung ausführt.

Der pregonero 2014 André Viard
Die Durchführung des Tötungsrituals ist etwas Besonderes. Es geschieht nur selten,
manchmal nur einmal im Jahr. Man bereitet sich vor, man macht sich fein, man ist aufgeregt, man will dabei sein, es miterleben, vielleicht in direkter Aktion daran teilnehmen. Man feiert ein Fest, das Tötungsritual selbst ist eine öffentliche Zeremonie. Man erlebt bei sich selbst und anderen manchmal starke Emotionen. Danach ist man zufrieden. Manchmal, nicht immer. Man geht essen und trinken. Man hat den Tod erlebt, gesehen wie er zugefügt wurde – vielleicht hat man ihn selbst zugefügt – und eingetreten ist, man hat Lebensgefahr mit angesehen und beobachtet, wie durch das Aufwenden von Mühen und durch das Annehmen von Risiken ein Ziel auf einem Weg voller Gefahren erreicht wurde. Vielleicht ist man den Weg ein Stück weit selber gegangen und hat es selber erlebt und gespürt. 

Und warum machen die das? Warum tun Menschen Dinge, die andere als grausam empfinden? Ist der Mensch vielleicht einfach so? Warum ist der Mensch manchmal grausam zu Tieren? Warum ist er es manchmal zu Menschen? Welche Umstände oder Gegebenheiten müssen vorliegen, damit ein einzelner Mensch grausam ist, welche, damit eine Gruppe es ist? Was bedeutet es, wenn eine Gruppe von Menschen eine geplante, organisierte Grausamkeit an einem Tier verübt? Was bedeutet es, wenn eine solche Gruppe dies an einem anderen einzelnen Menschen oder an einer anderen Gruppe verübt? Warum passiert so etwas immer wieder, unvorhersehbar und in fürchterlichster Ausprägung, gegenüber anderen Menschen? Ist es im Menschen, vielleicht in jedem einzelnen, angelegt, dass er zum aktiven Täter wird, wenn die Umstände und Gegebenheiten in bestimmter Weise vorliegen? Kann man diese Umstände und Gegebenheiten antizipieren, für einen einzelnen oder eine Gruppe? Kann man das Auftreten von Grausamkeiten gegen Menschen steuern, begünstigen oder verhindern? Kann die organisierte Grausamkeit gegen Tiere als Steuermechanismus dienen? Dient die organisierte Grausamkeit gegen ein Tier, in Anlehnung an seit Jahrtausenden erlebte Jagd- und Kampferfahrungen und ausgeübte Opferrituale und eingebettet in althergebrachte Riten, Symboliken und Gebräuche der Stabilisierung der Gemeinschaft zur Abwehr von Angriffen und Gefahren, die von innerhalb und außerhalb der Gruppe das Bestehen der Gemeinschaft bedrohen und zerstören könnten?  

VolanteToro de la Vega 2012 (Foto: Gerardo Abril)
Ein Raketenschuss, dann ein Knall – es beginnt. […] Der Stier Presumido stürzt mit seinen fünfhundert Kilogramm die Gasse abwärts in Richtung Fluss. Vor und hinter ihm rennen die Mutigsten. Jetzt hat er die Brücke erreicht und biegt in das offene Gelände ein. Der entscheidende Moment kommt. Noch hundert Meter bis zur Fahne. Presumido schaut nicht zur Seite, er läuft und läuft. Reiter sprengen heran und flankieren ihn. Bei der Fahne ein Gewirr und dann eine große Staubwolke: die Lanzenmänner haben den Stier verpasst. Verzweifelt rennen sie ihm mit ihren langen Stangen nach. Presumido ist zu schnell. Er läuft geradeaus und sucht Schutz im Pinienwald. Einen Kilometer später macht er am Waldrand halt. Die Verfolger holen ihn ein. Eine erste Lanze fährt in seine Flanke. Presumido dreht ab und flieht in den Wald, die Lanzen­kämpfer hintendrein. Der sandige Boden macht ihnen schwer zu schaffen. Auf der anderen Seite des Waldes erreicht ihn Felipe Abril, El Carpita, als erster. Drei-, viermal fährt seine Lanze in die schwarze Flanke des Tieres. Presumido fällt in die Knie. Er steht nicht mehr auf. Langsam sickert sein Blut in den Boden. Eine Minute später ist er tot. So beschreibt Werner Herzog die an eine paläolithische Jagd erinnernde Stierhatz des Toro de la Vega, die jedes Jahr am zweiten Dienstag des September in Tordesillas (Provinz Valladolid) am Río Duero stattfindet. Der alte Brauch, heute mehr ein Turnier, hat seine Regeln: Der Stier darf erst ab der Fahne angegriffen werden, und wenn er die Gemeinde­grenze erreicht, ohne dass ein Lanzenträger zum Stoss gekommen ist, wird er begnadigt. Wer aber den Stier erledigt, gilt als der Geschickteste, Schnellste, Stärkste und bekommt den untersten, buschigen Teil des Schwanzes als Trophäe zugesprochen, die er auf seine Lanze steckt; früher waren es die Hoden.“ [4]

Moscatel der ganadería Victorino MartínToro de la Vega 2009 (Foto: mundotoro)
Aber die Kunst! Was ist mit der Kunst? Die Kunst ist das Totschlagargument, mit dem sich der aficionado selbst die Grube gräbt. Die Kunst dient der Ausschmückung, der Verzierung, sie ist ein Element der Vervollkommnung, sie ist wie goldene alamares auf der chaquetilla, sie ist die Maraschino-Kirsche auf dem Sahnehäubchen. Sie ist Kultiviertheit, Geschmack, Stil und Eigenart, doch sie ist nicht der Grund, warum die Menschen zu den Stieren gehen, weder bei der corrida, noch bei den festejos populares, sie war nie der Grund und wird es nie sein. Wer die Kunst im Zusammenhang mit der corrida de toros verwendet, hat meist nicht einmal definiert, was er damit meint. Hat er es, so versäumt er in der Diskussion mit seinem Gegenüber zu erörtern, was der denn unter Kunst versteht. Und so redet man aneinander vorbei und um den heißen Brei. Das Argument und die Konzentration auf die Kunst dienen dazu, die Grausamkeit, die bei jeder corrida de toros in mehr oder weniger starkem Maße für den Einzelnen wahrnehmbar ist, zu verbrämen und erträglich zu machen, so lange bis man sie erfolgreich verdrängt hat. Doch wer zu den Stieren geht, muss sich gerade diesem Aspekt stellen, der Grausamkeit. Jedes gewaltsame Töten eines Lebewesens hat etwas grausames, manchmal mehr, manchmal weniger, und für unterschiedliche Menschen auf verschiedene Art und Schwere. Solange der Mensch tötet, muss er sich der von ihm ausgehenden Grausamkeit bewusst sein und sie sich aktiv bewusst machen. Auch dazu dienen die Stiere.

Stellvertretend für die Vielzahl von festejos populares mit Stieren breche ich hier eine Lanze für den Toro de la Vega und für die Art und Weise, wie er von einer Gemeinschaft von Menschen zu Tode gebracht wird. Ob ich selber als Beobachter eines so ausgeführten Tötungsrituals das Geschehen ertragen könnte, gälte es noch unter Beweis zu stellen. Trotz allem: die festejos populares sind die direkten Vorfahren der corrida de toros, vielleicht ihre ungehobelten Verwandten vom Lande. Die mag man unangenehm finden oder vielleicht sogar hassen. Verraten oder umbringen darf man sie nicht.  

Im Übrigen: die Tradierung der Hintergründe und Bedeutung der althergebrachten Riten, Symboliken und Gebräuche, ihre Verteidigung gegen Angriffe und Abschaffung und das öffentliche Stellungbeziehen in Medien und Diskussionen in Spanien, wer übernimmt das?
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Quellennachweise:


[1] Rolf Neuhaus, Der Stierkampf, eine kleine Kulturgeschichte, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007
[2] Andreas Krumbein, Stierkampf und TierquälereiStierkampf - Corrida de toros, 2007
[3] Gunzelin Schmid Noer, Annelinde Eggert, Die Herausforderung der Corrida - Über den latenten Sinn eines profanen Rituals, Seite 99 bis 162 in: Kultur-Analysen - Psychoanalytische Studien zur Kultur. Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1986

[4] Rolf Neuhaus, Der Stierkampf, eine kleine Kulturgeschichte, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007

Weitere Informationen zu diesem Thema:

Offizielle Webseite: Patronato del Toro de la Vega

Reinhard Haneld, Taurosophie 
Karl Braun, Der Tod des Stieres, Fest und Ritual in Spanien, Verlag C. H. Beck, München, 1997
Lorenz Rollhäuser, Toros, Toreros, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbeck bei Hamburg, 1990

Rainer Bischof, Heilige Hochzeit, Böhlau Verlag, Wien, München, Weimar, 2006

Sonntag, 18. September 2016

Un Agosto muy taurino (2)

2. Teil: Bilbao
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von Adrian Neville aus Nürnberg


Am nächsten Morgen dann ein kurzer Inlandsflug ins Baskenland. Zwei verschiedene Welten. Das heisse, ausgedörrte Andalusien, die fröhliche Feria mit Rumbas und Sevillanas, mit Flamencokleidern und Sombreros und dann im Landeanflug schon das satte, an´s Allgäu erinnernde Grün, die Berge und Wälder. Bilbao, die alte Industriestadt, die zu einer Kunst- und Designmetropole „umgekrempelt“ wurde. Vom Flughafen gleich zur PlazaVista Alegre“, ein Betonbau aus den frühen 60ern, der ganz seltsam auf einem Hügel liegt, zu dem eine steile Strasse führt. Interessant: die barrera sol kostete in Málaga 40€ (in Madrid 60€), und in Bilbao satte und freche 82€!!! Deshalb also tendido und Reihe 8 bis 12. Mit Plastikschalensitzen ausgestattet, eine sehr bequeme plaza
Vista Alegre ist mit einem aforo für 14.781 Zuschauer eine sehr bequeme plaza de toros
Ich war vor 2 Jahren schon mal in Bilbao zur Feria und machte den grossen Fehler, mich in einem Hotel in Zentrum einzuquartieren. In Málaga ist es nämlich so, daß die Feria nur tagsüber im Zentrum ist: Flamenco, Cartojalwein und Pferde, alles sehr folkloristisch und schön. Auch laut, aber am Abend verlagert sich alles in den „Recinto Ferial“ ein Festgelände in der nähe des Flughafens ca. 8 km vom Zentrum, wo dann bis zum Morgengrauen gefeiert wird. Nicht so in Bilbao (und das ahnte ich nicht)! Dort hört man hauptsächlich gerne Ska, Punk und Techno in voller Lautstärke und es hört nicht auf. Vor meinem Fenster (und „vor“ meint es wörtlich!) drei riesige Bühnen, auf denen bis fünf Uhr in der Früh nur so auf die Instrumente eingedroschen wurde. An Schlaf nicht zu denken. So suchte ich 2014 nach endlosen drei Nächten,  mir in der komplett ausgebuchten Stadt eine Absteige fünfzig Meter von der Arena.
2014 in der Zwei-Sterne-Absteige (links). 2016 im Vier-Sterne-Hotel am Meer (rechts).
2016 dann in sicherer Entfernung in einem Hotel im schönen Seebad Getxo ca. fünfzehn Kilometer nördlich von Bilbao. Von dort fährt im 5-Minuten Takt eine Strassenbahn in zwanzig Minuten ins Zentrum. Perfekt.

Im direkten Vergleich liegen zwischen beiden plazas ebenfalls Welten. Das festive, essende, trinkende und schwatzende Publikum der „Malagueta“ und nun Bilbao:
Oben Málaga, Unten Bilbao: Zwei Städte, zwei plaza de toros, zwei Welten.
Vista Alegre ist eine absolut ernsthafte plaza niemand isst oder trinkt während der corrida. Alles im ruedo wird sofort mit aplausos oder pitos kommentiert. Wehe der picador überquert die „raya“, den Ring der seinen Bereich markiert. Wehe der zweite puyazo wird nur angedeutet usw. Die Stiere sind wohl die am besten präsentierten toros in ganz Spanien (ausser Las Ventas in Madrid natürlich). 

Zu den banderillas spielt immer auf dem höchsten Rang ein kleines Trio aus Trommler und zwei Trompetern in weissen Hosen und Hemden und roten Baskenmützen seltsame Baskischen Melodien. Die banderillas sehen anders aus, sind nicht mit Papier geschmückt.
Das kritische Publikum in den tendidos von Vista Alegre in Bilbao
Mir gefällt es in Bilbao sehr. Hier wird die corrida durch und durch ernst genommen. Der Zuschauer kommt nicht zum feiern in die plaza  sondern um kritisch zu bewerten. Dabei ist er dennoch nicht so fundamentalistisch, wie der Madrilene in Las Ventas

Auch hier ein sehr guter Joselito Adame, ein grossartiger Ponce, ein katastrophaler MoranteDiego Urdiales, der hier letztes Jahr schon eine der faenas der Saison hinlegte, bekam nun endlich die dos orejas
Eine natural von dem matador de toros Diego Urdales
José Garrido, der vor zwei Jahren einen sensationellen Auftritt „en solitario“, also alleine mit (damals noch) novillos hinlegte, ist nun endgültig der matador de toros, den Bilbao verehrt.

Ein denkwürdiger Nachmittag! Es sollte ein höchst interessantes cartel werden: Drei „junge Wilde“ José Garrido, López Simón und Roca Rey. Die neue Generation, erstmals gemeinsam in einer corridaDurch Roca Reys schwere cogida in Málaga bedingt, entschied sich die empresa ein „mano a mano“ daraus zu machen, also zwei matadores gegen 6 TOROS 6. Dem Publikum missfiel das sehr, es gab Pfiffe beim paseíllo. Die Zuschauer hatten gehofft, dass das cartel durch einen interessanten dritten Mann ergänzt wurde. Hierfür bot sich Ginés Marín an, der Roca Rey zwei Tage zuvor vertreten hatte, und eine sehr gute Figur machte. Ein anderer Wunschkandidat war Javier Jiménez (ja, eben dieser, der in Málaga drei avisos kassiert hatte), der ein paar Tage zuvor oreja y oreja  in Madrid bekommen hatte! Tags kreisen um die arena verschiedene Gerüchte: Die apoderados von „El Cid“ hatten ihren matador als Ersatz angeboten. Ein ziemlicher Unsinn, dann damit wäre das cartel der „jungen Wilden“ ruiniert gewesen. Die empresa wollte Javier Jiménez, was aber López Simon´s Management rundum ablehnte. So blieb es beim mano a mano ...
Ein Seltenheit: Ein paseillo unter pitos des Publikums
Doch was für ein seltsamer Nachmittag! López Simón schienen die Pfiffe beim Einmarsch sehr nahe zu gehen. Nach einer sehr blassen Darbietung mit seinem ersten Stier, schleuderte es den Descabello Degen ins Publikum. Ein Mann in der vierten Reihe wurde (gottseidank nur leicht) am Arm verletzt und beschimpfte den matador.

Was dann folgte, habe ich in einer arena noch nicht erlebt: López Simon hatte eine „Ataque de angustias“, eine Art Nervenzusammenbruch. Blass und mit Tränen in den Augen, stütze er im callejón sein Gesicht in seine Hände. 
Der matador de toros  López Simon am Ende seiner Nerven
Seinen zweiten toro konnte er kaum entgegentreten. Pfiffe, der Grossteil des Publikums, begriff nicht, was los war. Er ging in die enfermería und kam nicht wider. José Garrido bestritt heldenhaft und kaltblütig die restliche corrida und bekam eine oreja.
José Garrido rettet den tarde de toros der jungen Wilden.
Die grosse Belohnung kam für ihn dann am an nächsten Tag – dos orejas und Puerta Grande. In letzter Minute, denn das encierro von der ganadería Fuente Ymbro war eines der schlechtesten, die ich jemals in einer arena erster Kategorie gesehen habe. 6 katastrophale Stiere 6! Der sobrero (auch Fuente Ymbro) war´s. Ein Traumstier und ein meisterhafter, absolut selbstbewusster José Garrido.

Das Experiment 13 corridas in 14 Tagen, bei dem ich vorab vermutet hatte, dass es mir eventuell nach der 8 oder 9 corrida zu viel wird, endete damit, dass ich am Tag 14 melancholisch dachte: das war´s dann schon! Schade...


Samstag, 17. September 2016

Kann man den Toro de la Vega mit Abtreibung vergleichen?




von Carlos Salvador


Der 1966 in Pamplona geborene Rechtsanwalt und Politiker Carlos Casimiro Salvador Armendáriz, aktuell Abgeordneter im spanischen Unterhaus, stellte in diesem Jahr eine Frage bei Twitter ins Netz, was einige Gemüter bewegte. SfA möchte den Inhalt hier einfach nur kommentarlos wiedergeben:

"Verbieten sie den Toro Vega weil ein Tier stirbt, 
weil sie es töten, oder aus beiden Gründen?
Wenn es so ist, müssten wir auch die Abtreibung verbieten, 
nicht wahr?"

Freitag, 16. September 2016

Toro de la Vega - Toro de la Peña - und der Stier ist doch tot




von Philip de Málaga



Immer noch viel Polemik um das Stiertreiben in Tordesillas
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Sein Name ist Pelado, er ist im Dezember 2011 geboren, also fast fünf Jahre alt, brachte 670 Kilo auf die Wage und kam mit der Nummer 112 von der ganadería Jaralta. Er war der erste toro beim encierro Toro de la Peña, welches nach einer fünfhundertjährigen Tradition das bekannte Stiertreiben Toro de la Vega in der  Ortschaft Tordesillas im nordspanischen Kastilien-León ersetzte. Der Unterschied zu der vorherigen Tradition, der toro durfte beim encierro weder von den caballeros mit den Lanzen verwundet noch getötet werden.
Der toro "Pelador" von der ganadería Jaralta
Der Unterschied zu der vorherigen Tradition des Toro de la Vegas, der toro durfte während des encierros weder von den caballeros mit den Lanzen verwundet noch getötet werden. Und nach neunzig Minuten wieder in die corrales gebracht werden.

Fast pünktlich so kurz nach elf Uhr begann am letzten Dienstag der Toro de la Peña. In diesem Jahr jedoch mit weitaus weniger Zuschauer. Der Lauf des toros war derselbe wie der aus der traditionellen Torrr Der Startschuss war gegeben, das Gatter des corrales wurde geöffnet und Pelado wurde vom Plaza Mayor erst durch die Strassen getrieben.

Dann über die Brücke des Flusses Douro 


Und schliesslich auf die Aue, eben die Vega, wo der Name des festejo popular Toro de la Vega ursprünglich auch entstanden ist.

Doch im Gegensatz zu den letzten 500 Jahren warteten hier auf den toro keine picas, jene stechenden Lanzen, welche auf ihn einstachen sondern abgerundete Attrappen um den toro zu provozieren, und vor allem findet er hier nicht in aller Öffentlichkeit den Tod. Auch wurde Pelador nicht direkt von Reitern konfrontiert. Nur ein paar wenige caballeros auf ihren Pferden wachten in unmittelbarer Nähe darüber, dass die Veranstaltung nicht aus dem Ruder lief. Hauptsächlich ging es darum, ähnlich wie in Pamplona dem toro zu Fuss zu begegnen. Während dieser suelta del toro wurde kein Beteiligter von den Hörnern des toros erfasst. 

Normalerweise sollte dieses festejo des frei laufenden toros über einen Zeitraum von ganzen neunzig Minuten laufen. Aber so weit kam es nicht, denn ein stark einsetzender Regen beendete schon nach einer Stunde das festejo, und die Verantwortlichen trieben den toro in den corral del Prado del Zapardiel. Dort hat man Pelado unter Narkose gesetzt und ihn zu einem anderem Ort überführt, wo er nach 24 Stunden in einem matadero getötet worden ist. Dieser Vorgang geschah unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Der stark einsetzende Regen führte zum Abbruch des Toro de la Peña
Wie offizielle Stellen mitteilten, wurde während des encierros einer Treiber von der Guardia Civil verhaftet, weil er versuchte mit einer authentischen lanza den toro Pelado zu attackieren. 

Und obwohl es keinen öffentlichen Tod gab hatten sich trotzdem eine kleine Gruppe von antitaurinos in Stellung gebracht um weiterhin gegen die mundo taurino zu protestieren. Den schliesslich würde zum einen das animal während des festejos populares einem enormen Stress ausgesetzt und zum anderen trotzdem, zwar nicht mehr öffentlich, getötet.

Ihnen gegenüber standen auf der Plaza Mayor an die 3.000 Befürworter dieser 500-jährigen Tradition, mit Schildern bewaffnet wie "Tengo derecho a mi fiesta" (Ich habe ein recht auf meine fiesta), "Tordesillas no se rinde" (Tordesillas wird nicht aufgeben), "Tradición, democracia y libertad" (Tradition, Demokratie und Freiheit) oder auch in ausfallenden Worten wie "Políticos cabrones, respetad las tradiciones" (Politische Scheisskerle, respektiert die Traditionen). Ein Tonfall, welchen man sich besonders von taurinos eher nicht wünscht, denn man sollte sich auf keinen Fall dem Niveau des antitaurinismo angleichen. "Man habe den Toro de la Vega auf diktatorische Weise verboten. Die Gesellschaft von Tordesillas sei ein Opfer der Manipulation der Medien, welche den Fokus auf diese torneo richtete. Damit öffne man die Tür für ein Verbot aller corridas.", verkündete ein Sprecher der Veranstaltung während man im Hintergrund die antitaurinos schreien hörte, "tauromaquia, abolición".
Ein klare Ansage!
Aber das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Denn das Rathaus von Tordesillas will weiterhin gegen die Entscheidung der Landesregierung klagen, und selbst dort tendiert man zwar mit einem Verbot, aber so richtig umgehen kann man dort mit der Situation auch nicht. Wie ein Sprecher der Regierung von Kastilien-León verkündete, der Toro de la Peña sei erst einmal eine Übergangsversion gewesen, um zahlreiche erhitze Gemüter erst einmal zu beruhigen.

Mittwoch, 14. September 2016

Un Agosto muy taurino (1)

1. Teil: Màlaga
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von Adrian Neville aus Nürnberg

Diesen Sommer habe ich mir einen langgehegten Traum erfüllt: die Ferias von Málaga und Bilbao (die aneinander anschliessen) zu besuchen. Sechs Tage lang am Mittelmeer, dann gleich weiter an den Atlantik. Als Student beneidete ich immer die englischen aficionados in Málaga, wenn sie am letzten Abend der Feria davon erzählten, das es am nächsten Morgen gleich weiter nach Bilbao geht. Málaga ist eine meiner Lieblingsplazas, die schöne „Malagueta“ ist nur circa dreihundert Meter vom Meer entfernt, die Luft schmeckt salzig und über dem ruedo kreisen und kreischen die Möwen  Hier habe ich die meisten corridas gesehen.
Die Malagueta liegt nur wenige Meter vom Meer und dem Hafen entfernt.
Mittags kann man zum apartado gehen und sich die Stiere des Abends aus der Nähe anschauen.

Es ist eine typisch andalusische „Plaza torerista“, daß heisst, die Zuschauer kommen hauptsächlich, um ihre toreros zu sehen. Die Präsentation der Stiere ist dabei oft eher zweitrangig und leider wurde die Arena vor ein paar Jahren – gegen jegliche Vernunft – zu einer Plaza erster Kategorie ernannt. Die toros entsprechen leider oft nicht dieser Kategorie. Die meisten eingefleischten aficionados beklagen diesen Umstand. 

Ausgerechnet die erste corrida, mit Stieren von „Partido de Resina“ ehemals Pablo Romero, eine der legendärsten ganaderías überhaupt, war eine riesige Enttäuschung. Selten sah ich so schöne und gut präsentierte toros. Alle auf den ersten Blick „Pabloromeros“, wie aus dem Bilderbuch. Das war es dann aber auch schon. Ausnahmslos alle waren komplett „mansos“.  bekam dann auch noch die drei avisos, wegen seiner absoluten Unkenntnis, wie man den „descabello“ anwendet.

Javier Jimenez konnte seinen ersten toro nicht töten
und Tausende haben es live am TV mitverfolgt.
Ein matador de toros darf nicht dermassen stümperhaft damit umgehen. Als würde er es zum ersten Mal machen. Was dann folgte, war irgendwie typisch Málaga: das Publikum applaudierte für die Gesamtdarbietung, so dass er für „saludos“ in den Ring kam. Eigentlich unmöglich und schlechte Kinderstube. (Anmerkung von SfA: Diese corrida de toros wurde live im andalusischen Fernsehsender Canal SUR und international auf Andalucía TV übertragen).

Insgesamt gab es in allen sechs corridas denen ich beiwohnte keine einzige echte „suerte de varas“. Der Stier wurde irgendwie Richtung picador manövriert, der stach dann ebenfalls irgendwie zu und das Publikum applaudierte, wenn der zweite „puyazo“ (der in Plazas der ersten Kategorie vorgeschrieben ist) möglichst schwach war. Ausführung hiervon ebenfalls weitgehend egal.

Das Publikum in der Malagueta ist eben ein Festives, welches ein Spektakel erleben möchte und besonders der matador soll hierbei glänzen.

Es gab keine Puerta Grande (in Málaga schreibt das neue reglamento taurino vor, dass ein matador dos orejas von einem Stier bekommen muss. Eins und eins reicht nicht aus. Auch dies ein ziemlicher Unsinn, mit den man den aficionados keinen Gefallen tut). Joselito Adame, der mir immer besser gefällt, bekam bei der endlosen, da „8stierigen“ Corrida Picassiana nämlich eins und eins, doch musste die Plaza leider zu Fuss verlassen. Er wird immer feiner in seinen Manövern, technisch immer perfekter, ohne dass es kalt wirkt. Vor ein paar Jahren sagte mir sein toreo noch gar nichts, doch die letzten Male hat er mich absolut positiv überrascht.
Joselito Adame konnte überzeugen: Dos orejas.
An jenem Nachmittag wuchs auch „Fortes“ über sich hinaus. Keine „Kamikaze Aktionen“, sondern ein phantastisches und sehr inspiriertes toreo a natural. Ganz besonders in der Ausführung. Hoffentlich bleibt er auf dieser Linie. Er hätte die dos orejas verdient und hätte sie vor einigen Jahren, als Málaga noch zweite Kategorie war, auch sicherlich bekommen.
Der Lokalmatador Fortes konnte mit seinen ruhigen pases naturales überzeugen.
Cayetano“, der ebenfalls nicht zu meinen Favoriten zählt, hatte einen phantastischen Auftritt. Die „Malagueta“ beflügelt ihn scheinbar immer wieder. Immerhin war es eine der Lieblingsplazas seines legendären Großvaters.

Ponce einfach ein Meister, un verdadero maestro... Jedes Manöver stimmt, er „kann“ mit beinahe jedem Stier. Seltsam hier aber die Tatsache, dass einer der zweifellos grössten matadore aller Zeiten, seit 26 Jahren ganz oben, der alles doppelt und dreifach erreicht hat, es nicht schafft Plazas auszuverkaufen. Woran liegt´s? Ist es inflationär? 
Stets eine der ganz grossen figuras: Der maestro Enrique Ponce
Nach den toros in die Cafetería Bar Flor
mit Blick auf die Plaza de toros La Malagueta
Denkwürdig „Morante de la Puebla“, der es schaffte, an zwei Nachmittagen insgesamt vier „broncas“ zu kassieren. Inklusive drei avisos. Er versuchte den descabello nicht einmal. Mit dem typischen, angewiederten „Morante“ Gesichtsausdruck, die Arme verschränkt, liess er einen aviso nach dem anderen verklingen.

Insgesamt war es wieder sehr schön in Málaga. Auch die tägliche Runde nach der corrida in der „Bar Flor“ ist fast noch die selbe, wie vor fast 20 Jahren, als ich erstmals in Málaga war.

Am nächsten Morgen ging es dann in das Baskenland.

Fortsetzung folgt am nächsten Sonntag.