Mittwoch, 3. April 2013

Begegnung mit den toros (7. Teil)

Ein Besuch in der Plaza Real del Puerto de Santa María und anderes ...
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von Colin Ernst 


Vor drei Jahren verschlug es mich zum erstenmal nach El Puerto de Santa María, kurz "El Puerto" genannt. Das Objetiv der damaligen Reise, wie immer: Die Welt des Sierkampfes näher kennen zu lernen.

Ganz optimistisch hatte ich mich damals in einer kleinen Pension, nahe der Plaza real del Puerto de Santa María eingemietet, im Januar... Schon am ersten Urlaubstag musste ich feststellen, alles war geschlossen. Die plaza war nicht zu besichtigen, ein museo taurino nicht vorhanden, frustiert drehte ich eine Runde um die imposante Arena, linste durch die Schlüssellöcher, um wenigstens einen winzigen Blick in das Innere zu erhaschen. 

Auf einer der zahlreichen Türen, entdeckte ich das kleine Schildchen "Escuela taurina - La Gallosina". Prima, dachte ich, eine Toreroschule, vielleicht kommt man ja da rein. Aber auch daraus wurde nichts, unter dem Schildchen klebte der Hinweis, bis Mitte Feruar geschlossen. Meine Laune sank auf Tiefpunkt, sollte ich soweit gereist sein, ohne auch nur einen Zipfel taurino zu sehen?


Die nächste Bar an der plaza angesteuert, vielleicht lernt man ja dort aficionados kennen? Ich wurde reich belohnt. Beim vorichtigen hereinlinsen in die Bar mit dem namen "Sol y Sombra", wurde mir klar, das dies genau das richtige Lokal für einen Stierkampffreund ist. Einfach ausgestattet, aber mit reichlich Fotografien und carteles an den Wänden, ein schöner Stierkopf ziert den Eingang. "Tango", lidiado von dem Lokalmatador schlechthin - Jose Luis Galloso. Ich verrenkte mir schier den Hals um die zahlreichen Fotos zu betrachten, viele mit Autogrammen bekannter Größen : Jose Tomás, El Cordobés etc. und natürlich auch von dem maestro puertuense Galloso. Als der Wirt, Antonio Cruz Jamás, mein offenkundiges Interesse bemerkte, forderte er mich auf, mir die Fotos aus der Nähe anzusehen. Ich war beeindruckt, zum einen von seiner Freundlichkeit, zum andern von den Fotos, auf denen auch er ab und an zu sehen ist. Mit keinem Geringeren, als Jose Tomás. Lächelnd erklärte er, mir, dem Greenhorn, das JT der beste torero von allen sei, er ist ein richtiger JT-Fan. Anhand der Bilder, erzählt er die Geschichten, die dahinter stehen. Der letzte Kampf eines maestros, oder der erste eines Newcomers. Die cornada, welcher der abgebildete torero sich nach dem Foto abgeholt hat, wie besonders die faena des Meister an diesem Tag, in der plaza von El Puerto war. Ich war hoch erfreut, einen Mann mit großem Wissen über den mundo taurino, kennen zu lernen. Das "Sol y Sombra" wird mein Stammlokal, dort läuft Stierkampf im TV und das Essen ist sehr gut. Antonio lieh mir die neuste Aplausos (Stierkampfzeitung) und hat mir, nachdem er mein echtes Interesse an allem bestätigt sah, sogar einige uralte Journale vom "El Burladero" zur Verfügung gestellt.


Auch in den Folgejahren, fuhr ich oft von Sanlúcar nach El Puerto, um ihn zu besuchen, sein rabo de toro ist ausgezeichnet und es immer wieder schön, sich mit ihm über die corridas auszutauschen. 

Diesmal erkläre ich ihm den Grund meines Besuches. Neben dem Wunsch, noch mehr Taurinoluft" zu schnappen, habe ich vor die Serie  "Auf den Spuren der toros und toreros" zu schreiben und erzähle ihm von der Webseite STIERKAMPF für ALLE. Er ist erstaunt, das es tatsächlich noch mehr "locos por los toros" in Deutschland gibt. Er ist von der alten Garde, das Internet hat ihn noch nicht erreicht, wohl aber seinen Sohn, der sich die Web kurz auf seinen Handy anschaut. "Doch, sieht gut aus", so sein Komentar, wohl wissend, das Antonio sich freut, das ein Foto von "seinem" JT auf der Startseite ist. Meine Fotos finden sie auch gut, besonders weil mein Konterfei neben der Skulptur von Paquirri zu sehen ist, welche hinter der plaza von El Puerto steht. Schade nur, das der Text in deutsch ist, aber man ist der Sache geneigt, ich darf Fotos machen und erzählen.

Im ersten Jahr meines Besuches in El Puerto und bei Antonio, erfuhr ich viel über die Zeit, wo noch nicht alles so professionell war, und Spanien grade anfing, sich von seiner Vergangenheit zu erholen. Und so lernte ich auch einen anderen Zeitzeugen aus dieser Epoche kennen, Pepe. Bei meiner "Beschwerde", weder plaza noch das museo taurino zu sehen zu bekommen, meinte Antonio, er wolle mal mit Pepe reden.... 

Nach ein paar Minuten Telefonat, verkündete er zufrieden, das es ein Museum gäbe, das ich besuchen könnte, ein privates. Es sei das private museo taurino des maestros Jose Luis Galloso. Eigendlich sei es über Winter stetz geschlossen, aber sein Freund Pepe hätte den Schlüssel und würde uns rumfühen. Das Museum befindet sich in der Bodega "El Cortijo", an der Straße, die am Hafen längst geht, kurz vor der Brücke, die nach Cádiz führt. Dort erwartete uns Pepe, ein liebenswerter Mensch, mit blitzenden blauen Augen, die immer strahlen, wenn es um Stierkampf geht. Er bereitete damals grade eine Gala vor, eine Preisverleihung, die im El Cortijo stattfinden sollte. Ausgezeichnet würden bekannte toreros und novilleros, für ihre gute faena in der Saison in der plaza von El Puerto. Aha...!? Damals wusste ich noch nicht, das viele Fanclubs, so genannte peñas, jedes Jahr, Auszeichnungen vergeben. Ähnlich wie beim Fussball, für das schönste Tor, gibt es Auszeichnungen für : Die beste Arbeit mit der capa oder der muleta, die beste, den besten toro oder novillo, den besten novillero, den besten picador und noch vieles mehr, was man so ehren kann. Pepe nahm sich viel Zeit, um uns das Museum und dessen kompletten Inhalt zu zeigen. Auch er ist mit Herz und Seele dabei, merkte ich beim aufmerksamen Zuhören. Das außergewöhnliche museo taurino zeigt ein ganzes Toreroleben. Das des maestros Galloso. Bilder von den mageren Jungs beim Üben, alte Schwarzweissfotos, vergilbte carteles, novillerocapas, banderillas, und Paradecapas, hinter Glaskästen  Trophäen, Degen, der Reisealtar und mein Lieblingsobjekt, ein alter Koffer, aus Leder, mit dem Namen des maestros und die Degentasche. Bestimmt 2 Stunden, wenn nicht mehr, verbrachten wir in diesen Räumen. Am Ende kauften wir dort ein Buch mit dem Titel Inedito - mundo del toro, das unsere wichtigste Lektüre wurde, für die nächsten 2 Jahre. Denn dieses Buch enthält soviele alte Fotos, von allem was mit der mundo de los toros zusammenhängt, das man auch ohne viel spanisch zu sprechen, viel davon hat.

José Luis Galloso
So hatten wir also noch einen Menschen gefunden, der uns die afición näher brachte. Es sind ganz besondere Menschen, bodenständig, herzlich und wenn es um maestro Galloso geht, schwingt ein neidloser Stolz in ihrer Stimme mit. Sie sind mit einander aufgewachsen, Antonio, Jose Luis, und Pepe. Zusammen haben sie, in einer Gruppe von circa zehn "Bengels" angefangen, auf der Strasse torero zu spielen. Damals war das, in Spanien, so wie bei den Deutschen, Fussballspielen auf der Strasse. Matadore waren ihre Idole, und denen eiferten sie nach. Ich fragte Antonio, wie es weiterging, warum er kein torero geworden sei. Seine Antwort ist sowas von ehrlich - jeder andere hätte Ausreden benutzt. Er musste mit dreizehn bis vierzehn Jahren arbeiten, da blieb kein Platz mehr für Spielchen und auch würden es in Zukunft keine Kälbchen mehr sein, denen man gegenüberstehe. Und dann hat man ja auch eine "novia" (Freundin)... - ein verschmitztes Lächeln zeigt sich da... Auch Pepe ging es ähnlich, aber er hatte doch etwas mehr Zeit, seinen Freund José Luis zu folgen. Er hat seinen Freund auf vielen Wegen begleitet.

Dieser Jose Luis Galloso muss aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein, denke ich. Antonio bestätigt dies. Viele von den Jungs, mit denen man auf der Strasse trainiert hatte wären nach und nach verschwunden. Nachts hätten sie sich tatsächlich auf die Weiden der ganaderias geschlichen, um sich einer Kuh, oder einem Jungstier zu nähern. Und eine Anekdote finde ich besonders nett, nämlich als er mir erzählt, wie Galloso sie beinahe mit seiner Besessenheit zur Weissglut gebracht hat. Im August, die Temperaturen in Andalusien, kochen einen bei über vierzig Grad, wartete José Luis vor dem Arbeitsplatz von Antonio. 15 Uhr mittags... Der Junge war froh, in die Siesta zu kommen und sein Freund fordert ihn auf, mit ihm zu trainieren.... "Von wegen, ich geh schwimmen, abkühlen, du bist doch verrückt, - trainieren bei dieser Hitze." Ich kann sie mir vorstellen, die beiden, wie sie auf dem Weg zum Meer diskutieren "vamos hombre" (gehen wir) ... Auch hätten sie ihn mehrfach "auf die Hörner genommen", beim Training, damit er vielleicht etwas die Lust verlöre, aber vonwegen, Galloso hätte nie nachgelassen. "Von uns allen hat es nur Einer geschafft , mit seiner Besessenheit", erklärt er beim Interview. Und eine andere Anekdote kommt durch Antonio ans Licht. "Als ich entschloss mit dem toreo aufzuhören, hatte ich eine capa, noch ganz neu. Die habe ich dann an ihn verkauft und mit dieser hat er seine erste novillada bestritten." Stolz schwingt in seinen Worten mit.

Auch beim diesmaligen Besuch, ist Pepe mit einer Gala beschäftigt, einer Buchpräsentation. Unser Freund Pepe ist nämlich der Präsident der peña taurina Galloso und der museo taurino. Er ist stolz darauf, wenn bekannte matadores "sein " museo taurino besuchen und bemerken, das es bei der Sammlung, der Qualität und Presentation, eines der reichhaltigsten und gepflegtesten in Spanien ist. Ich kann dies nur bestätigen. Kein Staubkorn ist zu finden, in den riesigen Hallen der Bodega, wo die Sammlung ausgestellt ist. Die ausgestopften Stierköpfe glänzen im Fell, wie am Tag der lidia. Die Messingschilder darunter sind auf Hochglanz poliert, die Scheiben der zahlreichen Vitrinen und Bilder sind mehr als durchsichtig. In einem seperaten Raum hängen auch die pañuelos, welche der Präsident, je nach Bedarf über seine Balkonbrüstung legt... Das Beste, das orangene, für den indulto eines toros, das blaue für den vuelta al ruedo für den toro, das rote (heutzutage micht mehr verwendete) für die banderillas negras oder banderillas de castigo, das güne Tuch, wenn ein Stier wegen Verletzung oder Unbrauchbarkeit mit den zahmen Ochsen aus der Arena geholt werden soll und das weiße, mit welchem er die corrida leitet und gegebenenfalls die trofeos für die matadores gewährt.

Natürlich sind hier noch mehr Fotos zu bewundern und im ersten Stock laufen die Vorbereitungen, eine Biblothek einzurichten. Weltklasse, da schließe ich mich dann ein! Pepe lacht, sein Mitstreiter, ein Cousin des maestros stimmt ein. Pepe hat noch eine ordentliche Sammlung zu Hause, auch über 2000 Videos sind dabei. Ich kann mir vorstellen, wie das aussieht..., seine arme Gattin in mitten von Taurinohistorias (Geschichten der tauromaquia), kaum Platz, den Besen oder den Kochlöffel zu schwingen. Naja, mein Schlafzimmer schrumpft ja auch mittlerweile und im Salon hängen schon die ersten Fotos (man will die Gäste nicht erschrecken). Wie dem auch sei, Pepe ist schwer beschäftigt und hat mir seine Hilfe zugesagt, falls ich etwas brauche, mein Novilleroprojet findet er gut und erzählt, das in Gallosos escuela taurina eine chica, ein Mädchen dabei sei, die dem maestro sehr viel Spass macht.

Seit vier Jahren hecheln wir einem Besuch in der plaza de toros von El Puerto hinterher. Immer war sie geschlossen. Naja, es war immer im Januar, diesmal ist es März. Das Wetter, welches uns viele Ausflüge verleidet hat, ist weiterhin launisch. So ziehen wir also los, mit Regenschirm und Regencape in der Tasche. Natürlich sind wir in unserem Eifer, mit deutscher Pünktlichkeit, zu früh dran. Die Tür ist zu, um fünf vor zehn. Natürlich drehen wir die obligatorische Runde um die plaza. 1880 erbaut, ist der coso ein schönes, imposantes Bauwerk. Details, wie die Kacheln an den Eingängen, das schöne Portal und die riesige Stierskulptur davor, so richtig was fürs Auge. Ich habe Fotos gesehen, aus der Zeit, wo noch keine Hochhäuser gebaut wurden, die Bodegas stehen weiter entfernt, heute ist jede Lücke gefüllt. Wir betreten die Arena durch den Haupteingang, die puerta grande. Der erste Eindruck ist vielversprechend. Schöne Stierköpfe ziehen den Eingangsbereich, man schaut ins geöffnete ruedo. Ich nehme den Schirm runter, die Brille ab - was schimmert da  im ruedo so grün, wo es doch eigentlich gelb sein sollte? Die plaza hat dank des Regens anscheinend einen Golfrasen bekommen. An einer Seitentür steht der Aufseher, auch ein aficionado, der hier die Aufgabe hat, Gäste im Auge zu behalten. Wir dürfen die plaza betreten. Trotz der großen Pfützen, kann ich es nicht lassen, bis in die Mitte zu gehen und einmal aussen rum, bis zum Knöchel im Schlamm. Im Vergleich mit Sanlúcar einfach nur riesig. Wie imposant sie ist, mit ihren Balkonen, im sol y sombra. Aber man sieht auch den Zahn der Zeit, der stetig nagt. Eine Vernachlässigung seitens des empresario. Jemand hat ihm wohl im letzten Jahr die Leviten gelesen, denn es sind Renovierungsarbeiten in Gange. Sie sind dringend nötig, nicht nur der Putz bröckelt. Im Eingang befindet sich auch das so genannte museo taurino, über das ich kein Wort verliere, nachdem ich das private von José Luis Galloso gesehen habe. In einem Teil der vernachlässigten Katakomben, befindet sich die private escuela taurina La Gallosina. - wie anders ist es doch in Sanlúcar, denke ich mir im Stillen.
                                                                                                   
Nun ist er mal wieder da, der Abschied. Ein letztes Mal, schauen wir in der Bar "Sol y Sombra" den Fernsehsender Canal Plus Toros, bewundern erneut die carteles und die Fotos, ein brindis, mit unserem Tinto auf Tango und die unzähligen toreros, die wir auf den Bildern sehen. Eine herzliche Umarmung und Schulterklopfen, ein letztes "suerte" was in diesem Fall Glück bedeutet, dann ziehen wir unseres Weges weiter, auf den Spuren der toros und toreros
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Anmerkung von SfA
Die plaza de toros von El Puerto de Santa María in der andalusischen Provinz Cádiz gehört zu den wenigen cosos der zweiten Kategorie, obwohl es sich bei diesem Ort nicht um eine Provinzhauptstadt handelt. Der Durchmesser der ruedos beträgt 58 Meter und sie bietet Platz für 12.687 Zuschauer. Sie wurde am 5. Juni 1880 mit den maestros Gordito, Rafael Molino und dem berühmten Largatijo eingeweiht.  Bekannt ist diese plaza de toros vor allem auch wegen dem Ausspruch des matador de toros José Gómez Ortega "Joselito" (1888 bis 1920) der seinerzeit mit Belmonte (1892 - 1962) zu den besten toreros gehörte: "Wer noch keine Stiere in El Puerto gesehen hat, weiss nicht was ein Tag mit den Stieren bedeutet."

Dienstag, 2. April 2013

Antitaurinos machen nun auch gegen Benefizstierkämpfe mobil




von Philip de Málaga


Gegner von Stierkämpfen wehren sich gegen Stierkämpfe für wohltätige Zwecke
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Eine Zeit lang haben die antitaurinos es nur aus der Ferne betrachtet. Wussten nicht so richtig wie sie sich verhalten bzw. wie sie mit dieser Thematik umgehen sollten. Schliesslich wird mit einer solchen Veranstaltung Menschen geholfen. Das ist eine Tatsache! Das kann man nicht wegleugnen!

Doch nun hat PACMA (Partido Animalista Contra el Maltrato del Animal) die 2003 gegründete Partei für Tierrechte, die Entscheidung getroffen, sich gegen die corridas de benificiencia zu engagieren. Mit anderen Worten, man will das Töten der toros verhindern, aber auf Kosten von notleidenden Menschen. Sie erklären es mit der Behauptung, dass hinter solchen Benefizstierkämpfen eine Tauromafia stehe, die für ihre mundo de los toros auf diese Weise die Werbetrommel rührt. 

Meine verehrten Leser, Sie haben richtig gelesen. Organisationen die sich für den antitaurinismo einsetzen, die den taurinos den Krieg erklärt haben, nehmen das Leiden von Menschen in Kauf, damit es den Tieren besser geht.

Montag, 1. April 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Sevilla am Ostersonntag 2013 - No hay billetes - AUSVERKAUFT
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Lleno hasta la bandera
In der ausverkauften Maestranza in der andalusischen Hauptstadt Sevilla zeigte der matador de toros El Juli vor 12.538 Zuschauern, dass er zu den ganz großen toreros der Gegenwart gehört. Mit drei orejas öffnete sich für ihn am Ostersonntag die Puerta del Principe. Eine der wohl größten Ehren, die einem matador zuteilwerden kann.

Die Puerta del Principe öffnet sich für El Juli und fast 13.000 Personen feiern ihn.


Das Baskenland und die Stiere. Geht das überhaupt?

Immer wieder wird gefragt, ob die klassische corrida de toros im Land der Basken überhaupt ihre Rechtfertigung hat
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von Philip de Málaga


Nach Barcelona ist es nun die baskische Stadt San Sebastián die sich gegen die toros aufbegehrt. Immer wieder wird gerne die Behauptung ins Rennen geworfen, die Basken würden ähnlich den Katalanen die corrida ablehnen, weil es zu spanisch sei und sie sich lieber anderen Stierfesten zuwenden würden. Ist es wirklich so? Steht der Baske den toros abweisend gegenüber? Wer ein Blick in die taurinische Vergangenheit von Euskadi wirft wird das Gegenteil erkennen.

In Sevilla bevorzugte man die muleta um den toro zu reizen.
Denn in der Tat kann sich das Baskenland sehr wohl mit der klassischen corrida de toros identifizieren. Mehr noch, sie haben dazu beigetragen. Um dies zu verstehen muss man einen Blick zurück in das 18. Jahrhundert werfen. Also genau zu jener Zeit, wo man begann die Abläufe der corrida in geregelte Bahnen zu lenken, der Geburtsstunde der tauromaquia. Denn noch bevor dieses geschah trafen zwei unterschiedliche Welten des Umganges mit den toros aufeinander. Da war zunächst der Süden Spaniens mit seinen andalusischen Hochburgen in Sevilla und Ronda. Dort bevorzugte man für eine corrida Hilfsmittel wie muleta und capa um mit den toros umzugehen. Im Gegensatz dazu im Norden, mit seinen Hochburgen in Pamplona und Zaragoza, wo man versuchte mit dem Körper, den so genannten recortes die Aufmerksamkeit der toros zu erregen.

Da man aber im Süden begann die corrida zu strukturieren, sie zu organisieren, und nicht wie jene aus dem Norden der Willkürlichkeit der toreros überliess, gewann die corrida de toros nach andalusischem Vorbild immer mehr an Einfluss. Den endgültigen Durchbruch erlangten die Andalusier mit einer feierlichen und klassischen corrida de toros mit den matadores CostillaresPepe Hillo und Pepe Romero, am 17. Juni 1789 zur Thronbesteigung von Karl V. in Madrid.

Aber um dem breiten Publikum in ganz Spanien zu gefallen nahmen die Südländer etwas in ihr Repertoire mit auf, welches seinen Ursprung südlich der Pyrenäen findet, vor allem in Navarra und eben im Baskenland: Das zweite Drittel, das tercio de banderillas. Somit kann man durchaus die Behauptung stehen lassen, das ein Drittel der heutigen corrida ihren Ursprung im Norden hat. 

"Martincho"
"Martincho"
Und es war ein Baske, Martin Barcaiztegui "Martincho", der als einer der berühmtesten toreros mit den banderillas Geschichte geschrieben hat. Seine Art den toros zu begegnen war einzigartig.  Sein übermässigen Mut bezeichnete man als barbarische Tollkühnheit. So beeindruckend, dass sie sogar von Francisco de Goya auf zwei Zeichnungen festgehalten worden sind, wo er unter anderem einen toro auf einem Stuhl sitzend tötet, wobei er in der linken Hand, statt der muleta einen sombrero führte. Die Zeitschrift La Lidia bezeichnete diese estocada als schwierigste durchzuführende suerte de matar. Bisher hat kein anderer matador diese estocada versucht in irgendeiner Form nachzuahmen. Stets suchte "Martincho" noch gefährlichere Herausforderungen. So hat er auch auf einem Tisch stehend den toro empfangen oder nach ein paar Manövern mit der capa sich einfach vor den toro gesetzt. Gerne fasste der auch mal den toro mit der rechten Hand am Horn mit der linken am Schwanz.

Doch kommen wir wieder zurück in die Gegenwart. Die grösste Stadt des Baskenlandes, Bilbao ist mit ihrer plaza de toros Vista Alegre und dem dazu gehörendem gesellschaftlichem Leben neben SevillaMadrid und Valencia mit Sicherheit eine Hochburg der spanischen tauromaquia. Eine Stadt die nicht nur toros darstellt sondern auch Jahr für Jahr die toros erlebt. Neben den corridas begleiten Gesprächsrunden, Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerte und andere kulturelle Events die toros.
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ANMERKUNG: 
Zeichnungen von José de Chaves aus den Jahren 1883 und 1884

Hier die Darstellung von Goya.


Sonntag, 31. März 2013

Fast 11.000 Besucher in 8 Monaten im deutschen Stierkampflexikon




von Philip de Málaga


Und da sagen sie, die Deutschen interessieren sich nicht für den Stierkampf
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Wenn sich eine Person der mundo de los toros nähern möchte wird sie mit zahlreichen Fachbegriffen konfrontiert. Diese nachzuschlagen, so viele Möglichkeiten gab es in dem deutschsprachigen Raum nicht. Das diesbezüglich einzige akzeptable Nachschlagewerk fand sich im Anhang von Hemingways "Tod am Nachmittag" (1932) wo immerhin auf 33 Seiten 576 taurinische Bergriffe erklärt werden. So enstand im Oktober 2011 die Idee ein Lexikon zu schaffen um zu versuchen, taurinische Begriffe in der deutschen Sprache zu erklären. Mit der Hilfe von Dreamlex und dem besonderen Einsatz von Herrn Klaus Colschen wurde Ende Juli 2012 Das deutsche Lexikon des Stierkampfs, der Cossío en alemán mit 1.000 Begriffen online freigeschaltet. Seitdem sind acht Monate vergangen und es wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 10.973 Besucher gezählt. Dabei sei erwähnt, dass die Besucher täglich nur einmal erfasst werden, auch wenn sie mehrere Begriffe nachschlagen. Mittlerweile verfügt der Cossío en alemán über 1.658 Begriffe. Man kann wohl davon ausgehen, dass es nicht gerade die antitaurinos sind, die hiervon Gebrauch machen. Insofern scheint es durchaus gerechtfertigt mal festzustellen, so klein scheint das Interesse an den toros auch im deutschsprachigen Raum nicht zu sein.

Die matadores de toros Pepe Hillo und Pedro Romero in der Kapelle
(A. Lizcano, 29. August 1883)
Das Team von SfA möchte sich bei allen Lesern bedanken. Besonders auch für die zahlreichen Schreiben die uns erreichen. Wir haben uns über diese Anerkennungen sehr gefreut, vor allem deswegen, weil sie uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und es trotz antitaurinischem Geschrei nicht so wenige sind die sich für die tauromaquia interessieren. Gerne möchten wir diesen Weg fortsetzen.

In diesem Sinne wünschen Ihnen Torodora Gorges, Colin Ernst, Dominik Sachsenheimer, Dr. Andreas Krumbein und Philip de Málaga ein wundervolles Osterfest.

Samstag, 30. März 2013

Angriff auf die Demokratie




von Philip de Málaga


In San Sebastián soll es in den nächsten zwei Jahren keine Stiere mehr geben
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Keine toros mehr im Illumbre?
(Foto: mundotoro)
Kann eine Stadtverwaltung eine Entscheidung alleine treffen, wenn sie über 75 Prozent der Stadträte diesbezüglich gegen sich weiss? Man möchte meinen, eigentlich nicht. Doch im baskischen San Sebastián sieht das die regierende Partei BILDU ein wenig anders. Mit einem Minderheitskabinet von gerade mal 24 Prozent wurde in dieser Woche von Bürgermeister Juan Carlos Izagirre Hortelano eine Ausschreibung für einen Pachtvertrag der Illumbre, der plaza de toros von San Sebastián herausgegeben. Allerdings seien keine festejos taurinos, keine toros mehr zugelassen. Der neue Pachtvertrag gelte für zwei Jahre. Die komplette Opposition, bestehend aus PSOE, PP und PNV die schon in einem Plenum Ende Dezember letzten Jahres mit einer 75-prozentigen Mehrheit sich der abolición de los toros in ihrer Gemeinde widersetzte, zweifelt die Rechtsgültigkeit des Vorgehens von BILDU an. 

In Katalonien konnte man es ja noch nachvollziehen. Oder besser gesagt nachzählen, denn dort stimmten immerhin, wenn auch nur knapp, die Mehrheitsverhältnisse gegen die toros. Doch hier in San Sebastián?

Die sozialistische Stadträtin Marisol Garmendia spricht von den Allüren eines Bürgermeisters. Allüren, welche obendrein den Steuerzahler viel Geld kosten. Mit den neuen Vorhaben mit der plaza de toros fliessen in diesem Jahr gerade mal um die 25.000 Euro in die Stadtkasse. Mit den toros wären es 175.000 Euro gewesen. Mit anderen Worten, die Stadt verliert runde 150.000 Euro. Eine einfache Rechnung.
Und das in der baskischen Küstenstadt die toros keine Tradition hätten kann es auch nicht sein. Schliesslich gab es die erste plaza de toros schon 1851. Der jetzige überdachte  coso ist allerdings relativ neu. Mit einem Fassungsvolumen von 10.300 localidades wurde er 1998 eingeweiht. Und überhaupt, zu behaupten die Basken hätten mit der corrida nicht so viel am Hut, liegt weit von der Realität entfernt. Denn in der Tat kann sich das Baskenland sehr wohl mit der klassischen corrida de toros identifizieren.  

Da fragt man sich, was bewegt eigentlich Juan Carlos Izagirre? Der Tierschutz ist es genauso wenig wie in Katalonien. Denn gegen andere fiestas populares hat die BILDU durchaus nichts einzuwenden. Jon Ander Sanz von ¡Toros en Donosti, si! sieht in der BILDU eine Partei welche relativ wenig von Politik verstehe und lediglich daran interessiert sei ihre Flagge hoch zu hängen. Eine Partei, die selbst den AVE, jenen Hochgeschwindigkeitszug ablehne versuche doch nur durch spektakuläre Aktionen die Aufmerksam zu erregen.

Freitag, 29. März 2013

Mallorca will die Stiere behalten




von Philip de Málaga


Trotz deutschem antitaurinismo, die toros bleiben weiterhin auf Mallorca
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In der 30.000 Seelen-Gemeinde Inca, in der Lieblingskolonie der Deutschen, der Baleareninsel Mallorca, wurde im Rathaus abgestimmt, ob sich ihre Stadt von nun an zum antitaurinismo bekennen soll. Das Ergebnis war eindeutig. Mit 59 Prozent setzte die Stadtverwaltung ein klares Zeichen! Nein! Gerade mal 11 Prozent unterstützten diesen Antrag. Die toros bleiben der Gemeinde weiterhin erhalten! 

In Inca gibt es schon seit 1910 eine plaza de toros, mit immerhin 8.000 localidades, welche am 30. Juli 1995 nach fünfjähriger Pause von den matadores de toros Tomás Campuzano, dem Portugiesen Victor Mendez und Chamaco erneut eröffnet worden ist. Schon im Juli 1924 kam dieser coso in die Schlagzeilen der spanischen Presse, weil die toreros Valencia IIFrancisco Peralta "Facultades" und Luis Fuentes Bejarano sich weigerten gegen die toros der ganadería Perez Tabernero anzutreten. Dafür wurden sie verhaftet und kamen ins Gefängnis.

Donnerstag, 28. März 2013

Fällt José Tomás dieses Jahr aus?




von Philip de Málaga


Der Startorero wurde gestern im Krankenhaus von Cádiz eingeliefert
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Wann wird José Tomás wieder im Rund stehen und grüßen?
(Foto: mundotoro)
Der matador de toros José Tomás, unbestritten derzeit der beste torero der letzten zwei Jahre trainierte gestern vor verschlossenen Türen auf der Finca von Fermín Bohórquez. um sich für sein Comeback entsprechend vorzubereiten. Dafür benötigte er keine kleinen becerros oder novillos, toros mussten her. Die sind größer, gefährlicher und das Training wird realistischer. Und eben ein solcher toro bravo fügte dem maestro aus Galapagar, zwar keine cornada zu, wirbelte ihn aber durch die Luft wobei der torero wohl unglücklich auf dem Boden landete. Auf dem schnellsten Wege ging es in das Universitäts-Hospital Puerta del Mar in Cádiz, wo der maestro sofort von den entsprechenden Ärzten behandelt worden ist.

Nach der erfolgreichen Operation verkündeten die drei verantwortlichen Doktoren, dass sich José Tomás einen Bruch im Mittelknochen des rechten Fusses zugezogen hatte. Wie lange der maestro benötigen wird um wieder die so wichtige Bewegungsfreiheit zu erlangen wurde nicht verraten. Aber wir alle wissen, gerade im Fussbereich, dass kann lange dauern.

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N A C H T R A G 
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Wie heute der Hausarzt von José Tomás der Presse mitteilte, bleibt der maestro mindestens für zweieinhalb Monate krank geschrieben. Mit Glück vielleicht Málaga?

Mittwoch, 27. März 2013

Ratón ist tot




von Philip de Malaga


Der bekannteste Stier für encierros ist diese Tage verstorben
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Im stattlichen Alter von elf Jahren verstarb in dieser Woche der wohl bekannteste toro für encierros. Sein spanischer Name Ratón steht für Maus. Aber ihn traf nicht das typische Schicksal eines spanischen Kampfstieres, nein, er verstarb friedlich auf seiner dehesa. Bekanntheit erreichte er vor allem dadurch, dass er bei den festivos populares in den encierros für viel Wirbel sorgte. Hunderte von Verletzten und zwei Tote hinterliess er. Sein erstes Opfer war 54 Jahre alt und erhielt im Jahr 2006 die tödliche cornada von Ratón im katalanischen Sagunto. Von da an rissen sich alle möglichen encierros und andere Veranstalter von Stierfesten um dieses gefährliche Exemplar. Und gerade das brachte dem Besitzer Don Gregorio de Jesús schon bis zu 10.000 Euro für nur eine Stunde ein. Sein zweites Opfer erwischte der toro in Xátiva vor einem Jahr. Einem 27jährigen jungen Mann rammte Ratón ein cuerno in seinen Hals. Den letzten Auftritt hatte der toro am 15. März diesen Monats in der plaza de toros von Valencia

Killerstier nannte man ihn hier in den spanischen Medien. "Er sei sehr gelenkig, intelligent, und schnell. Von sehr munterer Natur. Nicht so brutal wie die anderen typischen toros, welche nach ihrem Instinkt handeln und so versuchen spontan alle Hindernisse zu beseitigen. Ratón jedoch dachte nach, analysierte und griff dann an", so erklärt es Don Gregorio de Jesús den Medien. Und genau das machte diesen toro mit dem Namen Ratón so gefährlich.

Jetzt wird er dafür vorbereitet, um ausgestopft zu werden, damit noch viele diesen berühmten toro aus Spanien betrachten können.

Ein Manager aus Andalusien





SfA mit Carmelo García



Carmelo García ist empresario der plaza de toros von Sanlúcar de Barrameda, einer 68 tausend Seelengemeinde in der andalusischen Provinz Cádiz. Der coso der dritten Kategorie fasst 6.000 Zuschauer und wurde schon am 1. Juli 1900 mit den matadores de toros Machaquito und Largatijo Chico und den legendären toros der ganadería Miura eingeweiht. Der empresario stellt sich den Fragen von Colin Ernst:


Schon im letzten Jahr, hatte ich Gelegenheit, den empresario der plaza de toros von Sanlúcar de Barrameda, die Hand zu schütteln. Denn Carmelo García hielt mich irrtümlich für einen angekündigten und auch prominenten Besucher. In diesem Jahr war er meine erste Adresse, um mehr über die Arbeit eines Arena-Managers zu erfahren. Mehrfach mussten wir unser Gespräch verschieben, die Verlegung des festejos, das Wetter, Renovierungen und auch meine anderen Termine, verschoben das geplante Interview auf die letzten Tage meiner Reise. 

Heute morgen, bei schönstem Wetter, bespricht er mit einigen Handwerkern, die Verbesserungsarbeiten, welche vor der nächsten corrida anstehen, ausführen sollen. Er kennt jeden Nagel, jede Schraube, jedes Brett dieser plaza, die, wie ich später erfahre, sein Leben bestimmt hat. Um alles kümmert er sich persönlich. Nichts überlässt er Dritten, er ist mit Leib und Seele impressario dieser plaza und ich muss sagen er macht seine Sache verdammt gut - ich habe schon andere Plaza-Manager gesehen, die ihre Arenen nicht so in Ordnung halten und nur auf das Geld schielen, welches ihnen die corridas bringen.

Ich folge dem wichtigsten Mann der Taurinowelt von Sanlúcar in die Katakomben, wo er ein bescheidenes Büro hat. Kein Pomp, keine Selbstdarstellung, ganz im Gegenteil - die Fotos , welche die gelben Wände zieren, zeigen die Protagonisten. Vom Foto des jüngsten novillero, bis zu den carteles in Kleinformat, ein paar Trophäen, ein einfacher Schreibtisch und ein paar Klappstühle, sind das spartanische Imobiliar. Er selbst, nicht in Anzug und Kravatte, sondern in praktischer Jeans und Pullover, steht mir Rede und Antwort.

Meine erste Frage ist, wie er überhaupt dazu kam, empresario vom Coso del Pino zu werden...

Jesulin de Ubrique
(Foto: mundotoro)
Er sei im Häuserblock, direkt gegenüber aufgewachsen, und so wurde die plaza sein zweites Zuhause. Er selbst hat es zum torero gebracht, auch wenn er letztendlich als banderillero arbeitete. Letztes Jahr hat er zu seinem 25 Jahrestag seiner alternativa, eine corrida veranstaltet und alle Freunde der plaza eingeladen. Sein letzter matador, also Arbeitgeber, war kein Geringerer, als Jesulin de Ubrique, den er jahrelang begleitete. Nach dessen Rücktrit, dem sogenannten "cortar de coleta" (Anschneiden des Zopfes), beschloss er, die plaza in Sanlúcar zu lancieren, seiner Heimatstadt.

Ich frage ihn, ob er auch als apoderado (also als ein Manager für einen torero) tätig ist, wie viele andere empresarios.

Nein, das will er nicht. Er hat es versucht, aber schnell gemerkt, das sich da die ureigenen Interessen kreuzen. 

Eine kluge Entscheidung, denn sonst müsste er ständig "seine" toreros in seiner plaza auftreten lassen, und das Publikum will vielleicht ganz andere matadores sehen. Ich schaue mir die carteles der letzten Jahre an, dies hat er klug gelöst. Die corridas hier lassen wirklich nichts zu wünschen übrig - alles was Rang und Namen hat, war hier - PonceManzanaresMorante de la Puebla, die besten ganaderías und trotzdem hat er immer wieder novilleros oder matadores seiner Heimatstadt, wie Antonio José Blanco oder Álvaro Sanlúcar in irgendeiner Veranstaltung berücksichtigt. Für mich genau die richtige Mischung, die es für einheimische aficionados und angereistes Publikum, interessant macht, seine Events zu besuchen. 

Nun möchte ich wissen, wie das Szenario abläuft, wenn er eine corrida plant...

El Juli
(Foto: mundotoro)
Hier kommt seine jahrelange Erfahrung ins Spiel, der Mann kennt sich aus, im mundo taurino. Er kennt die matadores, genauso wie die ganaderías. Er weiß, welcher torero in welchen Zuchtstätten trainieren, also welche Züchter sie bevorzugen. Nun fährt er also zu der ganadería, wo, sagen wir mal maestro El Juli und andere namhafte figuras praktizieren. Dort sucht er sich die Stiere aus. Dank seiner jahrelangen Erfahrung, seines guten Auges für die toros, kann er das schon Monate vor der eigentlichen Veranstaltung machen. Zehn novillos oder toros fallen in die engere Wahl. Nun ruft er die entsprechenden toreros, wie zum Beispiel den matador de toros El Juli an, oder auch dessen apoderado, um zu sehen, ob er am Tag X noch Zeit für eine corrida in der plaza von Sanlúcar hat. Die matadores kommen gerne, denn sie wissen, die erwählten toros werden ihren Ansprüchen gerecht. Hier liegt nämlich der Teufel im Detail.... Carmelo, kauft nicht einfach ein paar toros, nein, er selektiert gewissenhaft. Mehrmals fährt er beim Züchter vorbei, schaut sich seine Auslese an. Sind sie gut im Futter, wie bewegen sie sich, ist ein Stier bei einer pelea verletzt worden? Da kommen viele Faktoren zusammen und dank seiner jahrelangen Erfahrung als torero, weiß er, was er will und was gefragt ist. Er selbst, bezeichnet sich als "pesado", als jemand, der dem Züchter auf den Geist geht, mit seinen vielen Besuchen, aber es ist ihm egal, er will für seine Stadt, für die Stierkampfliebhaber, für die toreros, egal ob berühmt oder nicht, nur das Beste. Und er versteht sein Handwerk! In den vier Wochen, die ich den "Spuren der toreros" folgte, habe ich viel gesehen, aber die novillos, die in Sanlúcar im Rampenicht standen, waren die besten Stiere von allen. Tapfer, agil, angriffslustig und fast ohne Fehl und Tadel. Da können sich andere empresarios noch eine dicke Scheiben von abschneiden, wie man so schön sagt. 

Was muss ein empresario alles bereitstellen, frage ich Carmelo.

Das fängt an mit den Leuten, die das ruedo säubern, den Mulis, welche die Stiere aus der Arena ziehen, der Druckerei für die entradas, und vor allem, der Arzt und der Notarztwagen. Der coso hat zwar eine enfermería, aber diese muss am Tag der corrida auch ausgestattet sein, es muss ein Arzt da sein, und die ambulancia, für die hoffentlich nicht eintretenden Notfälle. Umsichtig hat er alles geplant, kontraktiert und bei dem Benefiz-Festival selbst die Kosten getragen.

Wie steht er zu ausländischen Medien die über die tauromaquia berichten?

Ich zeige ihm den Webauftritt von "STIERKAMPF für ALLE", damit er sieht, das sich tatsächlich auch deutsche aficionados für die fiesta brava einsetzen. Das scheint ihm zu gefallen und auch mein Projekt, dort, in der Zukunft novilleros vorzustellen, findet er gut und wichtig. Er will dies unterstützen und sucht mir einen anderen Link heraus, wo sich ein Franzose der gleichen Sache annimmt - sehr hilfreich! Zu meinem Erstaunen, bittet er mich, ihm meine Fotos von der plaza und dem Event zu schicken und die entsprechenden Links zu der Seite (SfA) muss ich ihm auch aufschreiben. 

Mein persönlicher Eindruck

Er ist ein Mann der Tat. Kein eleganter Schreibtischtäter, sondern einer, der mit "corazón y alma" (Herz und Seele) bei der Sache ist. Also jemand, den man wirklich unterstützen sollte. Das Telefon hat mehrmals Sturm geklingelt und als er nun doch den Anruf annimmt, wird ihm bewusst, dass er sein TV Interview für den regionalen Sender Canal Sur, über unsere Plauderei fast vergessen hätte. Höflich entschuldigt er sich bei mir, dass er nicht mehr Zeit hat, aber eine letzte Frage stelle ich ihm, während wir unsere Sachen packen: Wieso hat Sanlúcar keine Waage? Auch diesmal nimmt er sich die Zeit, mir zu erklären, das es für plazas der dritten Kathegorie nicht obligatorisch ist, eine zu besitzen. Die Zücher haben eine, wo die Stiere vor dem Transport gewogen werden.

Nachtrag

Heute Nacht, einen Tag nach dem Interview, zappe ich auf Canal Sur, wo ich zufällig sein Interview mit dem Sender verfolgen kann. Ich bin beeindrukt, nach Abzug der Sozialabgaben, der 21 Prozent Steuern, bleiben noch 12.600 Euro für die Unterstützung der Behinderten übrig. Eine stolze Summe, für so eine kleine plaza de toros. Er betont, das weder das Orchester, noch die toreros, nicht die Helfer und die Kartenverkäufer, nichtmal der Notarzt einen Cent genommen haben... alle haben sich in den Dienst der guten Sache gestellt. Und das er stolz darauf ist, das sein "pueblo", dies so unterstützt hat. Mit Recht, wie ich denke, denn es steckt jede Menge Arbeit dahinter, von allen Beteidigten. Ich ziehe meinen, nicht vorhandenen Hut, vor soviel Initiatve und kann auch nur sagen : Gracias Carmelo, y gracias a los Sanluqueños! In zwei Tagen ist mein Abenteuer hier vorbei, "pero mi corazón queda en Sanlúcar de Barrameda" (aber mein Herz bleibt in Sanlúcar de Barrameda).


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Dienstag, 26. März 2013

Benefizstierkämpfe in Andalusien




von Philip de Málaga


Dieses Jahr beginnt mit auffallend vielen Veranstallungen für die Wohltätigkeit
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Präsentation in Jaén
(Foto: mundotoro)
Ob nun Städte wie Córdoba, Granada, Málaga, nun hat eine weitere andalusische Provinzhauptstadt ihr cartel bekannt gegeben. In Jaén findet am 7. April ein festival taurino statt zu Gunsten der Vereinigung für Krebshilfe in Jaén. Wie auch in den anderen Provinzhauptstädten punktet man hier mit einem cartel de lujo: Die matadores de toros Juan Mora, Enrique Ponce, Juan José Padilla, Curro Díaz, El Fandi, David Mora und der novillero Manuel Fuentes. Die novillos kommen von der ganadería des maestros Enrique Ponce.

Man bedenke, es sind nicht gerade kleine plaza de toros, wo die tendidos für eine Wohltätigkeit gefüllt werden. Jaén mit 11.000 Zuschauern, Granada mit 14.500, Córdoba mit 16.900 und am nächsten Samstag in Málaga mit einer Kapazität von 13.000 asientos. So kommen grosse Summen zusammen um einige Hilfsprojekte finanziell zu unterstützen.

Da setzen toreros für einen guten Zweck ihr Leben aufs Spiel und trotzdem wird es durchaus recht differenziert aufgenommen. Empresariosganaderos und viele andere aus dem Bereich der tauromaquia stellen ihre Leistung umsonst zur Verfügung und werden manchmal dafür geradzu respektlos behandelt. Vor allem antitaurinos sehen darin lediglich einen heuchlerischen Akt um für die toros zu werben. Scheinheilige Selbstdarstellung der tauromafia. Wenn ein matador de toros wie José Tomás mal eben 200.000 Euro spendet, dann löst das im Kreise des antitaurinismo eher Unbehagen aus. Schliesslich leben jene teilweise fanatischen Tierschützer hauptsächlich für die Tiere und haben selbst recht wenig zur menschlichen Wohltätigkeit beigetragen. Erst die Tiere, dann die Menschen, so hat es manchmal den Anschein.

Gerne spricht man den taurinos das Recht ab hier im ach so modernen und fortschrittlichen Europa zu leben, gar werden sie als unmenschlich beschimpft, aber wenn sie dann anderen Menschen helfen wollen, passt das eben nicht in die ethischen Moralvorstellungen der antitaurinos

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Siehe auch: