Sonntag, 7. April 2013

Wirtschaftsfaktor: José Tomás

In Spanien, Frankreich oder México füllt einer wie kein anderer die plaza de toros, wenn er denn antritt. Und dabei füllen sich nicht nur die Reihen der Zuschauer, auch die Kassen des Veranstaltungsortes. Man nennt es den José Tomás Effekt.
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von Philip de Málaga


Matador de toros José Tomás
(Foto: mundotoro)
Man bezeichnet ihn als den torero eines Jahrhunderts. Und das, obwohl sich auch die tauromaquia mitten in ihrer größten wirtschaftlichen Krise befindet. Kein matador de toros hat es dermassen verstanden die afición in seinen Bann zu ziehen wie er. Nicht einem toreador ist es gelungen, dass es an Worten fehlte, seine Auftritte zu beschreiben. Die Rede ist von José Tomás, der 1975 in Galapager bei Madrid als erster von vier Brüdern geboren ist. Es war sein Grossvater Celestino der seinen Enkel mehrmals zu den toros in Las Ventas mitnahm und mit zehn Jahren stand José Tomás das erste Mal vor einer becerra. Der Grossvater und seine Freunde waren beeindruckt von diesem jungen Talent und spendierten ihm 1988 eine becerrada mit freien entradas. Ein Jahr später präsentierte sich das junge Talent am 25. Juli 1989 der Öffentlichkeit, wo es ihm gelang einen rabo als Auszeichnung zu erlangen. Ein Genie der tauromaquia war geboren.

Apotheose in Nimes
(Foto: HJD)
In den nächsten Jahren entwickelt er sich zur makellosen Reinheit des toreo, da ist die Rede von temple und Wahrheit. 1995 bestreitet er seine alternativa in Mexiko und am 14. Mai 1996 wird sein Ritterstatuts als matador de toros in Madrid bestätigt. Jedoch dauert es vier Jahre bis es ihm gelingt in Las Ventas die puerta grande zu öffnen. 2001 viel das magische Wort, das man mit José Tomás in Verbindung brachte: Apotheose. Erst Barcelona und dann León wo er schwer verletzt wurde und seine temporada abbrach. Im folgenden Jahr begegnete der maestro etwas, womit er nicht umzugehen vermochte. Im Sommer wurde er zunächst in Barcelona und dann in Murcia von dem Publikum ausgepfiffen. Jose Tomás zögerte nicht lange und trat von den toros zurück. Die afición war sprachlos.

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"Die Wahrheit beim toreo ist,
du must bereit sein den toro herauszufordern, 
dass er der muleta folgt ...
... oder dass er dich erwischt."

José Tomás
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Delirium in Nimes
José Tomás
auf allen Titelseiten am 17. September 2012
Es dauerte fünf Jahre bis am 17. Juni 2007 eine informative Bombe ein taurinisches Erdbeben in Bewegung setzte. José Tomás kehrt zurück. Und gerade Barcelona wo er so in Schmach verabschiedet worden ist sollte der Ort seiner neuen Triumphe werden. Und wie von magischer Hand gesteuert, keine plaza de toros wo es kein no hay billetes gab, wo der maestro aus Galapagar antrat bis hin zum magischen Auftritt in Nimes, wo es seit langem einem torero gelungen ist auf wirklich alle Titelseiten der spanischen wie französischen Medien zu kommen. Der personifizierte duende hat sein Ziel erreicht.
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"Natürlich habe ich Angst. 
Wenn es nicht so wäre, wäre ich kein Mensch, aber ich bin einer.
Aber wenn ich den toro sehe 
versuche ich meinen Körper zu vergessen 
und an meine Angst nicht zu denken.
Denn wenn mir das nicht gelingt, finde ich nicht die nötige Ruhe."

José Tomás
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Der José Tomás Effekt

Am letzten Freitag konnten die Leser von SfA einen Blick auf die taurinische Finanzwelt werfen. Und bei dieser Finanzwelt spielt auch der maestro aus Galapager eine tragende Rolle. Die Medien sprechen vom José Tomás Effekt. Denn seit seiner Rückkehr in die ruedos im Jahr 2007 füllt der matador de toros nicht nur die plaza de toros hasta la bandera sondern lässt es auch gewaltig in den Kassen klingeln. Während nur einer corrida werden in und um der plaza durchschnittlich 2,4 Millionen Euro umgesetzt. Davon weit über 850.000 Euro für die entradas. Der Kenner der Szene wird sicherlich hier gleich einwenden, 850.000 Euro für entradas? Soviel passen ja gar nicht in eine plaza de toros rein! Und es stimmt. Denn um überhaupt in den Genuss zu kommen an jenem Tage José Tomás zu erleben, waren zahlreiche aficionados gezwungen, sich so genannte abonos, also Dauerkarten zu besorgen. Teilweise war der Verkauf jener abonos bis zu 400 Prozent gestiegen. Und das nur für das Interesse an einem torero. Den empresarios konnte das nur gefallen. Von den restlichen 1,5 Millionen Euro profitierten die umliegenden Gastgewerbe, das Transportwesen und andere Geschäfte. 

Ein wertvolles Reisegepäck
Wenn dieser Koffer auf Reisen geht klingeln die Kassen.
(Foto: HJD)
Beim letzten grossen Auftritt in Nimes am 16. September 2012 sollen laut offiziellen Angaben die aficionados mehr als drei Millionen Euro in der südfranzösischen Stadt gelassen haben. Und das nur wegen zwei Stunden José Tomás, der an einem Vormittag mit 6 toros 6 sein Leben riskierte. Apotheose pur, aber auch im Geldbeutel.
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Siehe auch:
Der Stierkampf erobert die Titelseiten
Apotheose von Torodora Gorges
José Tomás von Dominik Sachsenheimer
Wie sieht sie eigentlich aus, die taurinische Finanzwelt von Philip de Málaga

Quellennachweise:
COSSÍO LOS TOROS, INVENTARIO BIOGRÁFICO, Espasa Calpe 2007
EXPANSIÓN, spanisches Wirtschaftsmagazin, Unidad Editorial Información Económica, Madrid 2013
JUAN MEDINA, Profesor für wirtschaftliche Theorien an der Universität de Extremadura

Samstag, 6. April 2013

Wie sieht sie eigentlich aus, die taurinische Finanzwelt?

Immer wieder preschen die Gegner der toros vor und behaupten, die mundo de los toros könnte nur überleben, weil sie auch und vor allem von Europa subventioniert werde. Stimmt diese Behauptung?
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von Philip de Málaga


Den antitaurinos gehen schon seit langem die Argumente aus. Und weil dem so ist werden immer neuere Unwahrheiten erfunden um provozierend gegen die taurinos zu Felde zu ziehen. Wo man es zum Beispiel nicht geschafft hat toreros und aficionados zum kriminalisieren oder mit Nazi-Vergleichen schlecht darzustellen versucht man es auf wirtschaftlicher Basis und bringt einfach finanzielle Unwahrheiten auf den Markt. Aber diese gleichen eher einer europäischen Märchenwelt als der spanischen Realität. Schauen wir sie uns doch mal an:

Wie war es denn gerade in den letzten Monaten in San Sebastian. Die dortige Partei BILDU hat mit ihrem Minderheitenkabinett und gegen eine 75-prozentige Mehrheit die toros verboten. Eine der Erklärungen von Bürgermeister Juan Carlos Izagirre war, dass man nicht mehr bereit sei, mehr Geld in die toros zu investieren. Tatsache ist aber, in diesem Jahr, wo es in der baskischen Küstenstadt keine corridas geben soll, haben sie deswegen nicht mehr Geld zur Verfügung, wie man eigentlich annehmen sollte, nein im Gegenteil, denn nun fehlen an die 150.000 Euro in der Stadtkasse. Die Rechnung ist nicht aufgegangen.
Steuereinkommen (IVA) verschiedener Veranstaltungen (Angaben in Millionen Euro)
Der Präsident des spanischen Senats, Graf Pío García-Escudo, verkündete Ende Februar diesen Jahres, dass allein die toros ein Vielfaches mehr an Steuereinnahmen erwirtschaften als das spanische Kino und Theater. Sogar mehr als internationales Kino. Hinzu käme der Tatbestand, dass im Umfeld der toros weitere 900 Millionen Euro generiert werden.  Und in diesem Jahr werden es mit Sicherheit noch mehr werden, denn die Mehrwertsteuer für die entradas der corridas wurde auf 21 Prozent angehoben.

In der Tat werden die toros von den Landesregierungen subventioniert. Aber dieser Geldfluss ist keine Einbahnstrasse. Im Gegenteil, für jeden Euro, der in die mundo de los toros fliesst wird allein nur mit der Mehrwertsteuer der entradas die Investition zurückgewonnen. Mehr noch, für jeden investierten Euro, werden 8,10 Euro generiert.

Dass die ganaderías subventioniert werden, sollte doch eigentlich verständlich sein. Zum einen erhalten die Zuchten strengste staatliche Auflagen und zum anderen gibt es dort nicht nur den toro bravo. Auch andere Tiere wie Pferde, Schweine, Hühner etc. werden gezüchtet, oder als Agrarbetrieb die Olivenplantagen gehalten nicht zu vergessen der grosse Korkeichenbestand auf den dehesas. Aber wir reden hier nur von kleinen Summen. Laut dem Wirtschaftsmagazin der BBVA verteilte das Landwirtschaftsministerium im Jahr 2008 auf die 1.355 ganaderías für die Zucht der toros bravos die Summe von 997.040 Euro. 2010 waren es nur noch 442.514 Euro. Das sind gerade mal etwas mehr als 3 Euro pro toro bravo.

Mitte Februar erklärte der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy, dass die toros in diesem Jahr keine öffentlichen Zuschüsse in Höhe von 700.000 Euro erhalten werden.

Auch aus Europa gibt es keine finanzielle Unterstützung. Das kann man auf der offiziellen Europa-Seite der Grünen nachlesen, datiert vom 23. November 2012: 
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Es könne aktuell davon ausgegangen werden, 
dass keine direkte oder indirekte Förderung des Stierkampfs 
durch Agrarmittel der Europäischen Union stattfindet. 

EUROPAGRUPPE GRÜNE
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Wer also einen objektiven Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung der fiesta brava wirft, wird feststellen, dass derzeit 130.000 toros auf den 300.000 Hektar bestem ökologischem Weideland stehen und von 10.000 Personen betreut werden. Die Aufzucht eines toros kostet 3.500 bis 5.000 Euro, davon gehen lediglich 44 Prozent in die Nahrung. Überhaupt 150.000 bis 200.000 Personen verdienen ihren Lebensunterhalt mit den toros. In Spanien befinden sich 380 plaza de toros wo bis zu 40 Millionen entradas mit einem Volumen von 380 Millionen Euro verkauft werden und weltweit wird die Zahl der aficionados auf 60 bis 65 Millionen geschätzt. Allein in Spanien werden jährlich an die 2,5 Milliarden Euro mit den toros umgesetzt. Das sind 1,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes und entspricht in etwa der Summe, die die spanische Regierung in soziale Ausgaben investiert.

Das Fazit: Es fliessen bedeutend größere Summen in Richtung Staat als umgekehrt zu den toros. Und wenn öffentliche Einrichtungen die toros verbieten, dann gibt es auch kein Geld, wie wir es in San Sebastián beobachten können.
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Quellennachweise:
ACTIBVA, das Wirtschaftsmagazin der BBVA vom 15. Juni 2012
INE, Instituto Nacional de Estadística
ECD, El Confidencial Digital
EXPANSIÓN, Wirtschaftsmagazin: La importancia de los toros
JUAN MÉDINA, Profesor de Teoría Económica de la Universidad de Extremadura

ES SEI DARAUF HINGEWIESEN  
DASS ES SICH UM NEUTRALE, ALSO NICHT UM TAURINISCH BEEINFLUSSTE QUELLEN HANDELT!

Freitag, 5. April 2013

Wenn die muleta zum sombrero wird ...




von Philip de Málaga


... aber eigentlich war es umgekehrt!
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Victor Puerto führt mit einem sombrero de charro einen derechazo durch
(Foto: mundotoro)
Am letzten Sonntag tauschte gegen Ende seiner faena der spanische matador de toros Victor Puerto im mexikanischen San Cristobál de las Casas die muleta gegen einen mexikanischen sombrero de charro um mit diesem einige muletazos mit seinem toro vorzuführen. Mit einem oreja wurde seine Arbeit belohnt. Das ein torero in Mexiko einen sombrero de charro benutzt ist schon öfters vorgekommen. 

(Foto: mundotoro)
Aber wer einen Blick in die Geschichte wirft, wird entdecken, dass der Wechsel von der muleta zum sombrero umgekehrt dargestellt wird. So war es ein spanischer matador der schon im 18. Jahrhundert das erste Mal einen sombrero benutze. Dabei handelte es sich um den legendären Pedro Romero (1754 - 1839), der, nachdem ein anderer torero zu Boden gegangen ist, seinen sombrero einsetzte, um die Aufmerksamkeit des toros auf sich zu lenken. Romero erkannte, dass der toro keinesfalls nur den Menschen anvisierte, sondern auch den bewegenden Elementen wie eben dem sombrero  hinterher jagte. Aus diesem Akt entwickelte sich dann die muleta die anfangs in weiss und auch nur für die estocada gedacht war.
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Ergänzung von Torodora Gorges

Irgendwie habe ich ein Bild vor Augen, wie Pedro Romero mit einer "gorra" - Mütze, also kleiner als ein sombrero den toro aufhält. Es wird auch der Begriff gorra benutzt, den ich mir aus irgendeinem Grund gemerkt habe. 

Donnerstag, 4. April 2013

Die toros bleiben in Frankreich ein Kulturgut!




von Philip de Málaga



Das französische Bundesverwaltungsgericht lehnte einen Antrag verschiedener antitaurinischer Organisationen ab

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Die antitaurinos haben gestern in Frankreich eine erneute Niederlage hinnehmen müssen. Eigentlich müssten sie sich doch schon daran gewöhnen. Da haben sich mehrere Organisationen des antitaurinismo zusammengeschlossen um gegen die Ernennung der tauromaquia zum französischen Kulturgut zu klagen und der Aufhebung zu erwirken. Doch das Bundesverwaltungsgericht von Paris sah es ganz anders. Die toros stehen sehr wohl im Einklang mit der französischen Verfassung, sie seien es wert, Teil der französischen Kultur zu repräsentieren und somit gäbe es überhaupt keinen Grund zur Beanstandung an der Rechtsmässigkeit, dass die tauromaquia zum Kulturgut erklärt worden ist. 

Es ist wirklich erstaunlich zu beobachten, wie die französischen Nachbarn ein klares Zeichen setzen und überhaupt keine Zweifel aufkommen lassen, das die toros Teil der europäischen Kultur sind und bleiben werden. Viva la France! 

Mittwoch, 3. April 2013

Begegnung mit den toros (7. Teil)

Ein Besuch in der Plaza Real del Puerto de Santa María und anderes ...
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von Colin Ernst 


Vor drei Jahren verschlug es mich zum erstenmal nach El Puerto de Santa María, kurz "El Puerto" genannt. Das Objetiv der damaligen Reise, wie immer: Die Welt des Sierkampfes näher kennen zu lernen.

Ganz optimistisch hatte ich mich damals in einer kleinen Pension, nahe der Plaza real del Puerto de Santa María eingemietet, im Januar... Schon am ersten Urlaubstag musste ich feststellen, alles war geschlossen. Die plaza war nicht zu besichtigen, ein museo taurino nicht vorhanden, frustiert drehte ich eine Runde um die imposante Arena, linste durch die Schlüssellöcher, um wenigstens einen winzigen Blick in das Innere zu erhaschen. 

Auf einer der zahlreichen Türen, entdeckte ich das kleine Schildchen "Escuela taurina - La Gallosina". Prima, dachte ich, eine Toreroschule, vielleicht kommt man ja da rein. Aber auch daraus wurde nichts, unter dem Schildchen klebte der Hinweis, bis Mitte Feruar geschlossen. Meine Laune sank auf Tiefpunkt, sollte ich soweit gereist sein, ohne auch nur einen Zipfel taurino zu sehen?


Die nächste Bar an der plaza angesteuert, vielleicht lernt man ja dort aficionados kennen? Ich wurde reich belohnt. Beim vorichtigen hereinlinsen in die Bar mit dem namen "Sol y Sombra", wurde mir klar, das dies genau das richtige Lokal für einen Stierkampffreund ist. Einfach ausgestattet, aber mit reichlich Fotografien und carteles an den Wänden, ein schöner Stierkopf ziert den Eingang. "Tango", lidiado von dem Lokalmatador schlechthin - Jose Luis Galloso. Ich verrenkte mir schier den Hals um die zahlreichen Fotos zu betrachten, viele mit Autogrammen bekannter Größen : Jose Tomás, El Cordobés etc. und natürlich auch von dem maestro puertuense Galloso. Als der Wirt, Antonio Cruz Jamás, mein offenkundiges Interesse bemerkte, forderte er mich auf, mir die Fotos aus der Nähe anzusehen. Ich war beeindruckt, zum einen von seiner Freundlichkeit, zum andern von den Fotos, auf denen auch er ab und an zu sehen ist. Mit keinem Geringeren, als Jose Tomás. Lächelnd erklärte er, mir, dem Greenhorn, das JT der beste torero von allen sei, er ist ein richtiger JT-Fan. Anhand der Bilder, erzählt er die Geschichten, die dahinter stehen. Der letzte Kampf eines maestros, oder der erste eines Newcomers. Die cornada, welcher der abgebildete torero sich nach dem Foto abgeholt hat, wie besonders die faena des Meister an diesem Tag, in der plaza von El Puerto war. Ich war hoch erfreut, einen Mann mit großem Wissen über den mundo taurino, kennen zu lernen. Das "Sol y Sombra" wird mein Stammlokal, dort läuft Stierkampf im TV und das Essen ist sehr gut. Antonio lieh mir die neuste Aplausos (Stierkampfzeitung) und hat mir, nachdem er mein echtes Interesse an allem bestätigt sah, sogar einige uralte Journale vom "El Burladero" zur Verfügung gestellt.


Auch in den Folgejahren, fuhr ich oft von Sanlúcar nach El Puerto, um ihn zu besuchen, sein rabo de toro ist ausgezeichnet und es immer wieder schön, sich mit ihm über die corridas auszutauschen. 

Diesmal erkläre ich ihm den Grund meines Besuches. Neben dem Wunsch, noch mehr Taurinoluft" zu schnappen, habe ich vor die Serie  "Auf den Spuren der toros und toreros" zu schreiben und erzähle ihm von der Webseite STIERKAMPF für ALLE. Er ist erstaunt, das es tatsächlich noch mehr "locos por los toros" in Deutschland gibt. Er ist von der alten Garde, das Internet hat ihn noch nicht erreicht, wohl aber seinen Sohn, der sich die Web kurz auf seinen Handy anschaut. "Doch, sieht gut aus", so sein Komentar, wohl wissend, das Antonio sich freut, das ein Foto von "seinem" JT auf der Startseite ist. Meine Fotos finden sie auch gut, besonders weil mein Konterfei neben der Skulptur von Paquirri zu sehen ist, welche hinter der plaza von El Puerto steht. Schade nur, das der Text in deutsch ist, aber man ist der Sache geneigt, ich darf Fotos machen und erzählen.

Im ersten Jahr meines Besuches in El Puerto und bei Antonio, erfuhr ich viel über die Zeit, wo noch nicht alles so professionell war, und Spanien grade anfing, sich von seiner Vergangenheit zu erholen. Und so lernte ich auch einen anderen Zeitzeugen aus dieser Epoche kennen, Pepe. Bei meiner "Beschwerde", weder plaza noch das museo taurino zu sehen zu bekommen, meinte Antonio, er wolle mal mit Pepe reden.... 

Nach ein paar Minuten Telefonat, verkündete er zufrieden, das es ein Museum gäbe, das ich besuchen könnte, ein privates. Es sei das private museo taurino des maestros Jose Luis Galloso. Eigendlich sei es über Winter stetz geschlossen, aber sein Freund Pepe hätte den Schlüssel und würde uns rumfühen. Das Museum befindet sich in der Bodega "El Cortijo", an der Straße, die am Hafen längst geht, kurz vor der Brücke, die nach Cádiz führt. Dort erwartete uns Pepe, ein liebenswerter Mensch, mit blitzenden blauen Augen, die immer strahlen, wenn es um Stierkampf geht. Er bereitete damals grade eine Gala vor, eine Preisverleihung, die im El Cortijo stattfinden sollte. Ausgezeichnet würden bekannte toreros und novilleros, für ihre gute faena in der Saison in der plaza von El Puerto. Aha...!? Damals wusste ich noch nicht, das viele Fanclubs, so genannte peñas, jedes Jahr, Auszeichnungen vergeben. Ähnlich wie beim Fussball, für das schönste Tor, gibt es Auszeichnungen für : Die beste Arbeit mit der capa oder der muleta, die beste, den besten toro oder novillo, den besten novillero, den besten picador und noch vieles mehr, was man so ehren kann. Pepe nahm sich viel Zeit, um uns das Museum und dessen kompletten Inhalt zu zeigen. Auch er ist mit Herz und Seele dabei, merkte ich beim aufmerksamen Zuhören. Das außergewöhnliche museo taurino zeigt ein ganzes Toreroleben. Das des maestros Galloso. Bilder von den mageren Jungs beim Üben, alte Schwarzweissfotos, vergilbte carteles, novillerocapas, banderillas, und Paradecapas, hinter Glaskästen  Trophäen, Degen, der Reisealtar und mein Lieblingsobjekt, ein alter Koffer, aus Leder, mit dem Namen des maestros und die Degentasche. Bestimmt 2 Stunden, wenn nicht mehr, verbrachten wir in diesen Räumen. Am Ende kauften wir dort ein Buch mit dem Titel Inedito - mundo del toro, das unsere wichtigste Lektüre wurde, für die nächsten 2 Jahre. Denn dieses Buch enthält soviele alte Fotos, von allem was mit der mundo de los toros zusammenhängt, das man auch ohne viel spanisch zu sprechen, viel davon hat.

José Luis Galloso
So hatten wir also noch einen Menschen gefunden, der uns die afición näher brachte. Es sind ganz besondere Menschen, bodenständig, herzlich und wenn es um maestro Galloso geht, schwingt ein neidloser Stolz in ihrer Stimme mit. Sie sind mit einander aufgewachsen, Antonio, Jose Luis, und Pepe. Zusammen haben sie, in einer Gruppe von circa zehn "Bengels" angefangen, auf der Strasse torero zu spielen. Damals war das, in Spanien, so wie bei den Deutschen, Fussballspielen auf der Strasse. Matadore waren ihre Idole, und denen eiferten sie nach. Ich fragte Antonio, wie es weiterging, warum er kein torero geworden sei. Seine Antwort ist sowas von ehrlich - jeder andere hätte Ausreden benutzt. Er musste mit dreizehn bis vierzehn Jahren arbeiten, da blieb kein Platz mehr für Spielchen und auch würden es in Zukunft keine Kälbchen mehr sein, denen man gegenüberstehe. Und dann hat man ja auch eine "novia" (Freundin)... - ein verschmitztes Lächeln zeigt sich da... Auch Pepe ging es ähnlich, aber er hatte doch etwas mehr Zeit, seinen Freund José Luis zu folgen. Er hat seinen Freund auf vielen Wegen begleitet.

Dieser Jose Luis Galloso muss aus einem ganz besonderen Holz geschnitzt sein, denke ich. Antonio bestätigt dies. Viele von den Jungs, mit denen man auf der Strasse trainiert hatte wären nach und nach verschwunden. Nachts hätten sie sich tatsächlich auf die Weiden der ganaderias geschlichen, um sich einer Kuh, oder einem Jungstier zu nähern. Und eine Anekdote finde ich besonders nett, nämlich als er mir erzählt, wie Galloso sie beinahe mit seiner Besessenheit zur Weissglut gebracht hat. Im August, die Temperaturen in Andalusien, kochen einen bei über vierzig Grad, wartete José Luis vor dem Arbeitsplatz von Antonio. 15 Uhr mittags... Der Junge war froh, in die Siesta zu kommen und sein Freund fordert ihn auf, mit ihm zu trainieren.... "Von wegen, ich geh schwimmen, abkühlen, du bist doch verrückt, - trainieren bei dieser Hitze." Ich kann sie mir vorstellen, die beiden, wie sie auf dem Weg zum Meer diskutieren "vamos hombre" (gehen wir) ... Auch hätten sie ihn mehrfach "auf die Hörner genommen", beim Training, damit er vielleicht etwas die Lust verlöre, aber vonwegen, Galloso hätte nie nachgelassen. "Von uns allen hat es nur Einer geschafft , mit seiner Besessenheit", erklärt er beim Interview. Und eine andere Anekdote kommt durch Antonio ans Licht. "Als ich entschloss mit dem toreo aufzuhören, hatte ich eine capa, noch ganz neu. Die habe ich dann an ihn verkauft und mit dieser hat er seine erste novillada bestritten." Stolz schwingt in seinen Worten mit.

Auch beim diesmaligen Besuch, ist Pepe mit einer Gala beschäftigt, einer Buchpräsentation. Unser Freund Pepe ist nämlich der Präsident der peña taurina Galloso und der museo taurino. Er ist stolz darauf, wenn bekannte matadores "sein " museo taurino besuchen und bemerken, das es bei der Sammlung, der Qualität und Presentation, eines der reichhaltigsten und gepflegtesten in Spanien ist. Ich kann dies nur bestätigen. Kein Staubkorn ist zu finden, in den riesigen Hallen der Bodega, wo die Sammlung ausgestellt ist. Die ausgestopften Stierköpfe glänzen im Fell, wie am Tag der lidia. Die Messingschilder darunter sind auf Hochglanz poliert, die Scheiben der zahlreichen Vitrinen und Bilder sind mehr als durchsichtig. In einem seperaten Raum hängen auch die pañuelos, welche der Präsident, je nach Bedarf über seine Balkonbrüstung legt... Das Beste, das orangene, für den indulto eines toros, das blaue für den vuelta al ruedo für den toro, das rote (heutzutage micht mehr verwendete) für die banderillas negras oder banderillas de castigo, das güne Tuch, wenn ein Stier wegen Verletzung oder Unbrauchbarkeit mit den zahmen Ochsen aus der Arena geholt werden soll und das weiße, mit welchem er die corrida leitet und gegebenenfalls die trofeos für die matadores gewährt.

Natürlich sind hier noch mehr Fotos zu bewundern und im ersten Stock laufen die Vorbereitungen, eine Biblothek einzurichten. Weltklasse, da schließe ich mich dann ein! Pepe lacht, sein Mitstreiter, ein Cousin des maestros stimmt ein. Pepe hat noch eine ordentliche Sammlung zu Hause, auch über 2000 Videos sind dabei. Ich kann mir vorstellen, wie das aussieht..., seine arme Gattin in mitten von Taurinohistorias (Geschichten der tauromaquia), kaum Platz, den Besen oder den Kochlöffel zu schwingen. Naja, mein Schlafzimmer schrumpft ja auch mittlerweile und im Salon hängen schon die ersten Fotos (man will die Gäste nicht erschrecken). Wie dem auch sei, Pepe ist schwer beschäftigt und hat mir seine Hilfe zugesagt, falls ich etwas brauche, mein Novilleroprojet findet er gut und erzählt, das in Gallosos escuela taurina eine chica, ein Mädchen dabei sei, die dem maestro sehr viel Spass macht.

Seit vier Jahren hecheln wir einem Besuch in der plaza de toros von El Puerto hinterher. Immer war sie geschlossen. Naja, es war immer im Januar, diesmal ist es März. Das Wetter, welches uns viele Ausflüge verleidet hat, ist weiterhin launisch. So ziehen wir also los, mit Regenschirm und Regencape in der Tasche. Natürlich sind wir in unserem Eifer, mit deutscher Pünktlichkeit, zu früh dran. Die Tür ist zu, um fünf vor zehn. Natürlich drehen wir die obligatorische Runde um die plaza. 1880 erbaut, ist der coso ein schönes, imposantes Bauwerk. Details, wie die Kacheln an den Eingängen, das schöne Portal und die riesige Stierskulptur davor, so richtig was fürs Auge. Ich habe Fotos gesehen, aus der Zeit, wo noch keine Hochhäuser gebaut wurden, die Bodegas stehen weiter entfernt, heute ist jede Lücke gefüllt. Wir betreten die Arena durch den Haupteingang, die puerta grande. Der erste Eindruck ist vielversprechend. Schöne Stierköpfe ziehen den Eingangsbereich, man schaut ins geöffnete ruedo. Ich nehme den Schirm runter, die Brille ab - was schimmert da  im ruedo so grün, wo es doch eigentlich gelb sein sollte? Die plaza hat dank des Regens anscheinend einen Golfrasen bekommen. An einer Seitentür steht der Aufseher, auch ein aficionado, der hier die Aufgabe hat, Gäste im Auge zu behalten. Wir dürfen die plaza betreten. Trotz der großen Pfützen, kann ich es nicht lassen, bis in die Mitte zu gehen und einmal aussen rum, bis zum Knöchel im Schlamm. Im Vergleich mit Sanlúcar einfach nur riesig. Wie imposant sie ist, mit ihren Balkonen, im sol y sombra. Aber man sieht auch den Zahn der Zeit, der stetig nagt. Eine Vernachlässigung seitens des empresario. Jemand hat ihm wohl im letzten Jahr die Leviten gelesen, denn es sind Renovierungsarbeiten in Gange. Sie sind dringend nötig, nicht nur der Putz bröckelt. Im Eingang befindet sich auch das so genannte museo taurino, über das ich kein Wort verliere, nachdem ich das private von José Luis Galloso gesehen habe. In einem Teil der vernachlässigten Katakomben, befindet sich die private escuela taurina La Gallosina. - wie anders ist es doch in Sanlúcar, denke ich mir im Stillen.
                                                                                                   
Nun ist er mal wieder da, der Abschied. Ein letztes Mal, schauen wir in der Bar "Sol y Sombra" den Fernsehsender Canal Plus Toros, bewundern erneut die carteles und die Fotos, ein brindis, mit unserem Tinto auf Tango und die unzähligen toreros, die wir auf den Bildern sehen. Eine herzliche Umarmung und Schulterklopfen, ein letztes "suerte" was in diesem Fall Glück bedeutet, dann ziehen wir unseres Weges weiter, auf den Spuren der toros und toreros
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Anmerkung von SfA
Die plaza de toros von El Puerto de Santa María in der andalusischen Provinz Cádiz gehört zu den wenigen cosos der zweiten Kategorie, obwohl es sich bei diesem Ort nicht um eine Provinzhauptstadt handelt. Der Durchmesser der ruedos beträgt 58 Meter und sie bietet Platz für 12.687 Zuschauer. Sie wurde am 5. Juni 1880 mit den maestros Gordito, Rafael Molino und dem berühmten Largatijo eingeweiht.  Bekannt ist diese plaza de toros vor allem auch wegen dem Ausspruch des matador de toros José Gómez Ortega "Joselito" (1888 bis 1920) der seinerzeit mit Belmonte (1892 - 1962) zu den besten toreros gehörte: "Wer noch keine Stiere in El Puerto gesehen hat, weiss nicht was ein Tag mit den Stieren bedeutet."

Dienstag, 2. April 2013

Antitaurinos machen nun auch gegen Benefizstierkämpfe mobil




von Philip de Málaga


Gegner von Stierkämpfen wehren sich gegen Stierkämpfe für wohltätige Zwecke
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Eine Zeit lang haben die antitaurinos es nur aus der Ferne betrachtet. Wussten nicht so richtig wie sie sich verhalten bzw. wie sie mit dieser Thematik umgehen sollten. Schliesslich wird mit einer solchen Veranstaltung Menschen geholfen. Das ist eine Tatsache! Das kann man nicht wegleugnen!

Doch nun hat PACMA (Partido Animalista Contra el Maltrato del Animal) die 2003 gegründete Partei für Tierrechte, die Entscheidung getroffen, sich gegen die corridas de benificiencia zu engagieren. Mit anderen Worten, man will das Töten der toros verhindern, aber auf Kosten von notleidenden Menschen. Sie erklären es mit der Behauptung, dass hinter solchen Benefizstierkämpfen eine Tauromafia stehe, die für ihre mundo de los toros auf diese Weise die Werbetrommel rührt. 

Meine verehrten Leser, Sie haben richtig gelesen. Organisationen die sich für den antitaurinismo einsetzen, die den taurinos den Krieg erklärt haben, nehmen das Leiden von Menschen in Kauf, damit es den Tieren besser geht.

Montag, 1. April 2013

Und sie sagen keiner geht mehr zu den Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Sevilla am Ostersonntag 2013 - No hay billetes - AUSVERKAUFT
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Lleno hasta la bandera
In der ausverkauften Maestranza in der andalusischen Hauptstadt Sevilla zeigte der matador de toros El Juli vor 12.538 Zuschauern, dass er zu den ganz großen toreros der Gegenwart gehört. Mit drei orejas öffnete sich für ihn am Ostersonntag die Puerta del Principe. Eine der wohl größten Ehren, die einem matador zuteilwerden kann.

Die Puerta del Principe öffnet sich für El Juli und fast 13.000 Personen feiern ihn.


Das Baskenland und die Stiere. Geht das überhaupt?

Immer wieder wird gefragt, ob die klassische corrida de toros im Land der Basken überhaupt ihre Rechtfertigung hat
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von Philip de Málaga


Nach Barcelona ist es nun die baskische Stadt San Sebastián die sich gegen die toros aufbegehrt. Immer wieder wird gerne die Behauptung ins Rennen geworfen, die Basken würden ähnlich den Katalanen die corrida ablehnen, weil es zu spanisch sei und sie sich lieber anderen Stierfesten zuwenden würden. Ist es wirklich so? Steht der Baske den toros abweisend gegenüber? Wer ein Blick in die taurinische Vergangenheit von Euskadi wirft wird das Gegenteil erkennen.

In Sevilla bevorzugte man die muleta um den toro zu reizen.
Denn in der Tat kann sich das Baskenland sehr wohl mit der klassischen corrida de toros identifizieren. Mehr noch, sie haben dazu beigetragen. Um dies zu verstehen muss man einen Blick zurück in das 18. Jahrhundert werfen. Also genau zu jener Zeit, wo man begann die Abläufe der corrida in geregelte Bahnen zu lenken, der Geburtsstunde der tauromaquia. Denn noch bevor dieses geschah trafen zwei unterschiedliche Welten des Umganges mit den toros aufeinander. Da war zunächst der Süden Spaniens mit seinen andalusischen Hochburgen in Sevilla und Ronda. Dort bevorzugte man für eine corrida Hilfsmittel wie muleta und capa um mit den toros umzugehen. Im Gegensatz dazu im Norden, mit seinen Hochburgen in Pamplona und Zaragoza, wo man versuchte mit dem Körper, den so genannten recortes die Aufmerksamkeit der toros zu erregen.

Da man aber im Süden begann die corrida zu strukturieren, sie zu organisieren, und nicht wie jene aus dem Norden der Willkürlichkeit der toreros überliess, gewann die corrida de toros nach andalusischem Vorbild immer mehr an Einfluss. Den endgültigen Durchbruch erlangten die Andalusier mit einer feierlichen und klassischen corrida de toros mit den matadores CostillaresPepe Hillo und Pepe Romero, am 17. Juni 1789 zur Thronbesteigung von Karl V. in Madrid.

Aber um dem breiten Publikum in ganz Spanien zu gefallen nahmen die Südländer etwas in ihr Repertoire mit auf, welches seinen Ursprung südlich der Pyrenäen findet, vor allem in Navarra und eben im Baskenland: Das zweite Drittel, das tercio de banderillas. Somit kann man durchaus die Behauptung stehen lassen, das ein Drittel der heutigen corrida ihren Ursprung im Norden hat. 

"Martincho"
"Martincho"
Und es war ein Baske, Martin Barcaiztegui "Martincho", der als einer der berühmtesten toreros mit den banderillas Geschichte geschrieben hat. Seine Art den toros zu begegnen war einzigartig.  Sein übermässigen Mut bezeichnete man als barbarische Tollkühnheit. So beeindruckend, dass sie sogar von Francisco de Goya auf zwei Zeichnungen festgehalten worden sind, wo er unter anderem einen toro auf einem Stuhl sitzend tötet, wobei er in der linken Hand, statt der muleta einen sombrero führte. Die Zeitschrift La Lidia bezeichnete diese estocada als schwierigste durchzuführende suerte de matar. Bisher hat kein anderer matador diese estocada versucht in irgendeiner Form nachzuahmen. Stets suchte "Martincho" noch gefährlichere Herausforderungen. So hat er auch auf einem Tisch stehend den toro empfangen oder nach ein paar Manövern mit der capa sich einfach vor den toro gesetzt. Gerne fasste der auch mal den toro mit der rechten Hand am Horn mit der linken am Schwanz.

Doch kommen wir wieder zurück in die Gegenwart. Die grösste Stadt des Baskenlandes, Bilbao ist mit ihrer plaza de toros Vista Alegre und dem dazu gehörendem gesellschaftlichem Leben neben SevillaMadrid und Valencia mit Sicherheit eine Hochburg der spanischen tauromaquia. Eine Stadt die nicht nur toros darstellt sondern auch Jahr für Jahr die toros erlebt. Neben den corridas begleiten Gesprächsrunden, Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerte und andere kulturelle Events die toros.
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ANMERKUNG: 
Zeichnungen von José de Chaves aus den Jahren 1883 und 1884

Hier die Darstellung von Goya.


Sonntag, 31. März 2013

Fast 11.000 Besucher in 8 Monaten im deutschen Stierkampflexikon




von Philip de Málaga


Und da sagen sie, die Deutschen interessieren sich nicht für den Stierkampf
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Wenn sich eine Person der mundo de los toros nähern möchte wird sie mit zahlreichen Fachbegriffen konfrontiert. Diese nachzuschlagen, so viele Möglichkeiten gab es in dem deutschsprachigen Raum nicht. Das diesbezüglich einzige akzeptable Nachschlagewerk fand sich im Anhang von Hemingways "Tod am Nachmittag" (1932) wo immerhin auf 33 Seiten 576 taurinische Bergriffe erklärt werden. So enstand im Oktober 2011 die Idee ein Lexikon zu schaffen um zu versuchen, taurinische Begriffe in der deutschen Sprache zu erklären. Mit der Hilfe von Dreamlex und dem besonderen Einsatz von Herrn Klaus Colschen wurde Ende Juli 2012 Das deutsche Lexikon des Stierkampfs, der Cossío en alemán mit 1.000 Begriffen online freigeschaltet. Seitdem sind acht Monate vergangen und es wurden bis zum jetzigen Zeitpunkt 10.973 Besucher gezählt. Dabei sei erwähnt, dass die Besucher täglich nur einmal erfasst werden, auch wenn sie mehrere Begriffe nachschlagen. Mittlerweile verfügt der Cossío en alemán über 1.658 Begriffe. Man kann wohl davon ausgehen, dass es nicht gerade die antitaurinos sind, die hiervon Gebrauch machen. Insofern scheint es durchaus gerechtfertigt mal festzustellen, so klein scheint das Interesse an den toros auch im deutschsprachigen Raum nicht zu sein.

Die matadores de toros Pepe Hillo und Pedro Romero in der Kapelle
(A. Lizcano, 29. August 1883)
Das Team von SfA möchte sich bei allen Lesern bedanken. Besonders auch für die zahlreichen Schreiben die uns erreichen. Wir haben uns über diese Anerkennungen sehr gefreut, vor allem deswegen, weil sie uns zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und es trotz antitaurinischem Geschrei nicht so wenige sind die sich für die tauromaquia interessieren. Gerne möchten wir diesen Weg fortsetzen.

In diesem Sinne wünschen Ihnen Torodora Gorges, Colin Ernst, Dominik Sachsenheimer, Dr. Andreas Krumbein und Philip de Málaga ein wundervolles Osterfest.

Samstag, 30. März 2013

Angriff auf die Demokratie




von Philip de Málaga


In San Sebastián soll es in den nächsten zwei Jahren keine Stiere mehr geben
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Keine toros mehr im Illumbre?
(Foto: mundotoro)
Kann eine Stadtverwaltung eine Entscheidung alleine treffen, wenn sie über 75 Prozent der Stadträte diesbezüglich gegen sich weiss? Man möchte meinen, eigentlich nicht. Doch im baskischen San Sebastián sieht das die regierende Partei BILDU ein wenig anders. Mit einem Minderheitskabinet von gerade mal 24 Prozent wurde in dieser Woche von Bürgermeister Juan Carlos Izagirre Hortelano eine Ausschreibung für einen Pachtvertrag der Illumbre, der plaza de toros von San Sebastián herausgegeben. Allerdings seien keine festejos taurinos, keine toros mehr zugelassen. Der neue Pachtvertrag gelte für zwei Jahre. Die komplette Opposition, bestehend aus PSOE, PP und PNV die schon in einem Plenum Ende Dezember letzten Jahres mit einer 75-prozentigen Mehrheit sich der abolición de los toros in ihrer Gemeinde widersetzte, zweifelt die Rechtsgültigkeit des Vorgehens von BILDU an. 

In Katalonien konnte man es ja noch nachvollziehen. Oder besser gesagt nachzählen, denn dort stimmten immerhin, wenn auch nur knapp, die Mehrheitsverhältnisse gegen die toros. Doch hier in San Sebastián?

Die sozialistische Stadträtin Marisol Garmendia spricht von den Allüren eines Bürgermeisters. Allüren, welche obendrein den Steuerzahler viel Geld kosten. Mit den neuen Vorhaben mit der plaza de toros fliessen in diesem Jahr gerade mal um die 25.000 Euro in die Stadtkasse. Mit den toros wären es 175.000 Euro gewesen. Mit anderen Worten, die Stadt verliert runde 150.000 Euro. Eine einfache Rechnung.
Und das in der baskischen Küstenstadt die toros keine Tradition hätten kann es auch nicht sein. Schliesslich gab es die erste plaza de toros schon 1851. Der jetzige überdachte  coso ist allerdings relativ neu. Mit einem Fassungsvolumen von 10.300 localidades wurde er 1998 eingeweiht. Und überhaupt, zu behaupten die Basken hätten mit der corrida nicht so viel am Hut, liegt weit von der Realität entfernt. Denn in der Tat kann sich das Baskenland sehr wohl mit der klassischen corrida de toros identifizieren.  

Da fragt man sich, was bewegt eigentlich Juan Carlos Izagirre? Der Tierschutz ist es genauso wenig wie in Katalonien. Denn gegen andere fiestas populares hat die BILDU durchaus nichts einzuwenden. Jon Ander Sanz von ¡Toros en Donosti, si! sieht in der BILDU eine Partei welche relativ wenig von Politik verstehe und lediglich daran interessiert sei ihre Flagge hoch zu hängen. Eine Partei, die selbst den AVE, jenen Hochgeschwindigkeitszug ablehne versuche doch nur durch spektakuläre Aktionen die Aufmerksam zu erregen.