Donnerstag, 20. Februar 2014

Encastes duras - Schwierige Stiere (2.Teil)

Über die Vorlieben der toreros und woher diese kommen
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von Colin Ernst
(Fotos: La Tauromaquiamundotoro, SfA)



Benachteiligt von den Vorlieben der toreros und empresarios, sind die ganaderías, deren Zucht man als die encastes duras bezeichnet. Der Begriff duro, bedeutet: hart, zäh, schwierig, widerstandsfähig und trifft den Nagel auf den Kopf. Denn genau dass sind die Stiere dieser ganaderías und das macht sie für einige toreros zu unbequem und auch so mancher aficionado kann wenig mit ihnen anfangen, denn beide verstehen diesen toro nicht. Die beiden wohl bekanntesten ganaderías die harte, zähe Stiere züchten sind die Miuras von Don Eduardo und die Victorinos von Victorino Martin

Ein toro der Zucht Miura
Um dieses zu verstehen, muss man etwas in der Zeit zurückgehen, zu den Anfängen der gezielten Zucht und den corridas der Vergangenheit. Damals war das Zuchtziel ein Tier, welches in einer corrida bis zu vierzig Pferde tötete. Desto mehr tote Pferde, desto besser die corrida. Heute nicht mehr vorstellbar, Gott sei es gedankt. Damals züchtete man also mit Schwerpunkt, unter anderem, auf Angriffslust, Stärke, Schnelligkeit, beim Angriff auf das Pferd. Mit Beginn der Epoche des Stierkampfes zu Fuss, änderte sich das Zuchtziel allmählich. Nun wurden ganz andere Dinge von einem Tier gefordert, welches in seiner Essence dazu gezüchtet wurde, um auf Pferde loszugehen und die Lanzenstiche der Reiter auszuhalten. Nun sollte es nicht nur auf das Pferd sondern auch noch auf ein Tuch reagieren. Nun schieden sich die Geister der Züchter. Die einen begannen mit der so genannten kommerziellen Zucht, die anderen behielten die alten Blutlinien und suchten ihren Weg über die Selektion. Es entwickelte sich ein breites Band an ganaderías und deren Zuchtversuchen, auf der Suche nach dem idealen Stier. Einige hatten Erfolg mit ihren Kreuzungen, andere verschwanden vollkommen. Das gleiche passierte bei den alten, traditionellen ganaderías, hatten sie falsch selektiert, drohte auch ihnen das Aus. Und so ist es bis heute geblieben. 

Wo also liegt der Unterschied, zwischen den “duras“ und den Kommerziellen? Die duras sind die, aus Jahrhunderten langer Selektion einer Zuchtlinie, welche durch Auslese den Weg zum modernen Stierkampf gefunden hat. Und besonders diese Exemplare, haben auch viel von dem charakteristischen comportamiento ihrer Ahnen behalten. Grade die Miuras und die Victorinos sind im ersten tercio, am Pferd, meist aussergewöhnlich kraftvoll und tapfer. Dafür hat man schon mit der capa oft Probleme, den Stier zu zitieren, zu leiten und zu parieren. Wachsamkeit, Intelligenz, die diese encastes im Blut haben, lässt sie nicht so einfach blind drauf los stürmen. Auch zeigen sie ihre Absichten nicht besonders klar an, so das mancher torero böse überrascht wurde. Für das ungeübte Auge sieht dies oft so aus, als würde der Stier nicht angreifen. Aber dieser toro überlegt. Warum soll er sein Opfer, (das Pferd), aus den Augen lassen und auf weit entfernte Gegenstände losgehen, die „noch“ keine Bedrohung darstellen? Hat er sich dann entschieden, einem dieser Gegenstände (torero mit capa), den Garaus zu machen, hat er seine eigene Art, dies zu tun. Mitunter muss man sehr nah an den Stier heran, damit er reagiert. Oftmals reagiert er dann so schnell, das die Arbeit mit der capa nicht besonders schön aussieht. Für media veronicas oder chicuelinas bleibt keine Zeit. Dieser Stier lernt schnell, für viele toreros zu schnell. Der Instinkt der encastes duras ist ausgeprägt, schnell haben sie herausgefunden, wo ihr eigentlicher Feind steht. Und dann suchen sie ihn, den torero. Die Handhabung der capa oder der muleta verlangt in diesem Fall eine besondere Kunst. Dieser Stier muss anders gelenkt werden, als ein herkömmlicher toro. Das rote Tuch sollte am besten das ganze Gesichtsfeld bedecken. Die Linien, in dem man diesen Stier zitiert sind eher lang und grade, als rund, den jede Wendung bringt den torero in Lebensgefahr. Denn er ist schnell, wendig und sobald die muleta im Moment der Wendung von seinem Gesicht genommen wird, hat er seinen Gegner da hinter erspäht. Und sein schnelles Reagieren, hat schon viele Menschenleben gefordert. Berühmtes Beispiel, der matador de toros Manolete, wurde 1947 in Linares von Islero, einem Miura getötet. 
Der matador de toros Manolete wird 1947 von einem Miura getötet
Diese encastes duras, jede hat ihre Eigenarten, wie alle ganaderías, aber sie sind nicht leicht zu berechnen, nicht leicht zu nehmen und auch nicht leicht zu töten. Ihre Ahnen waren harte Kämpfer und sie sind es ebenso. Sticht der Degen nicht hundertprozentig dort wo er den unmittelbaren Tod bringt, kämpft dieses tapfere Tier weiter. Wo andere sich an die tablas zurückziehen und aufgeben, fällt die alte Rasse nicht, sie kämpft buchstäblich bis zum letzten Moment. Das ist oft nicht schön anzusehen. Daher ist es auch nicht einfach, selbst wenn man mit den „duras“ bestanden hat, Trophäen zu bekommen. Das Pferd hat der Stier fast zu Fall gebracht, wiederwillig, so scheint es, folgt er der capa, Die banderilleros setzten ihre Stäbe schlecht und hektisch, und der muleta folgte er auch nicht. Heftige Kurzangriffe auf den torero und wenig zu sehen von schönen pases…, denkt so mancher. Bei der estocada steht er nicht unbedingt demütig still und so misslang auch diese im ersten Anlauf. Und dann will er nicht fallen…, manch einer in den tendidos sieht es so. Der torero, hat in diesem Fall, den toro nicht verstanden. Denn diese Rassen, werden, mit herkömmlichem toreo nicht zum Ruhm verhelfen. Da braucht es toreros, die sich einbringen, auf die Eigenarten einlassen und sie zu nutzen wissen. Dann sieht die corrida ganz anders aus. Der Stier hat zweimal die vara empfangen, man belästigt ihn nicht gross mit der capa und wenn, legt man sie ihm quasi vor die Füße. Die banderillas setzt der maestro schon mal selbst, weil er weiss wie er sich ihnen nähert (z.B Padilla, Ferrera, Espla). 

Wenn die maestros die banderillas selbst setzen: Padilla, Ferrera und Espla.
Im letzten tercio gelingt es den maestros, den Stier vorzuführen, wie es im Buche steht, parar, templarmandar. Aber wie? Mit ihrer Erfahrung, ihrem Einfühlungsvermögen und ihrem Mut. Die muleta beständig vor den Augen des Stieres, die Wendungen sorgfältig abgestimmt auf die Bewegung und den Rhythmus des Tieres, vorausschauend von einem muletazo zum übernächsten. Das erfordert vor allem ein Hineindenken in dieses besondere Exemplar. Voraussehen, wie lange es dauert, bis der Stier auch den maestro durchschaut hat. Nun kommt die Kunst des Stierkampfes zum Tragen. Ein sabio, wie Ponce, El Cid, ja auch Morante, erkennten diesen Moment und halten ihn aus. Diesen Moment, wo das Horn des Stieres nach innen stößt, in Richtung des toreros. Nun wissen sie, das es Zeit wird, den Degen zu holen, es bleiben nicht viele pasesmuletazos, bis der Stier sein Ziel endgültig festlegt und direkt angreift. Nun ist es wieder die Kunst des toreo, welches uns noch ein paar letzte, sorgfältigste ausgeführte Bewegungen mit der muleta zeigt, bist der torero den toro aufstellt. All dies muss mit Ruhe und Selbstsicherheit ausgeführt werden, denn das Tier riecht Angst und Nervosität, reagiert dem entsprechend. Nun ist Sicherheit in der Ausführung der estocada gefragt, und das möglichst schnell, denn ein duro, wartet nicht lange. Am Ende hat der Zuschauer eine wirklich spannende, emotionelle corrida gesehen, welche sich nicht mit einer sogenannten kommerziellen vergleichen lässt. Diese corridas sind etwas Besonderes, aber eben auch duro, für den Stierkämpfer und auch für das Publikum. 

Als encastes duras sind zum Beispiel diese ganaderías bekannt: Miura, Victorino, José Escolar, Adolfo MartinAna Romero, Prieto de la Cal und Samuel Flores. Mit vielen dieser ganaderías und encastes haben toreros mit Rang und Namen, triumphiert. Manolete, Joselito, Belmonte, Ponce, PadillaRuiz Miguel, letzterer ist ein Spezialist, genau wie heute Ferrera und Castaño, die sich ihren Weg nach oben, über die corridas duras suchen.

Mittwoch, 19. Februar 2014

Encastes duras - Schwierige Stiere (1. Teil)

Über die Vorlieben der toreros und woher diese kommen
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von Colin Ernst
(Fotos: La Tauromaquiamundotoro)



Als aficionado, der sich sehr für die Stierzucht interessiert, verfolge ich die Planungen der verschiedenen carteles für die grossen und kleinen ferias mit besonderem Interesse. Nicht nur welche toreros zusammen auftreten, sondern auch welchen ganaderías sie sich stellen. Seit ewigen Zeiten haben die toreros ihre Vorlieben, was in den letzten Jahren zu einer gewissen Eintönigkeit bei den corridas geführt hat. Oft sah man die gleichen toreros, mit den gleichen ganaderías beziehungsweise encastes. Viele aficionados haben dies beklagt und es scheint, das unsere Klagen etwas Gehör gefunden hat. Victorino Martin, sagte kürzlich in einem Interview, das sich eine "figura", ein Star torero sich jeder encaste stellen können muss (Siehe SfA TAUROZITAT: Wer zu den Grossen gehören möchte ...). 

Als einer der ersten toreros del arte – Künstlertoreros, hat Miguel Angel Perera sich bereit erklärt, zu San Isidro den sogenannten encastes duras entgegen zu treten. Den Victorinos und den Adolfos (Beide ganaderías führen das Blut der Albaserradas, was eine Kreuzung aus Santa Colomas und Saltillos ist). 

Der torero artista Miguel Ángel Perera will sich den toros duros stellen
Was aber hat es mit Vorlieben der toreros und den „duras“ auf sich? Beginnen wir mit den Vorlieben eines toreros. Jeder hat seinen Stil, seine eigene Art, den Stier zu zitieren, zu bewegen, an zu halten und zu dominieren. Mit dem einen Stier gelingt es quasi spielend, mit dem andern nur schwer, mit manchen gar nicht. In der Ausbildung zum torero, als novillero, beginnen sie mit Kälbern zu trainieren, später mit Kühen, nehmen an tentaderos teil. So lernen sie ihr Handwerk. Wie in allen Professionen, beginnt man mit den Vorlieben dort, wo man Erfolgserlebnisse hat. Hat man einmal mit einem Rind eine gute faena gezeigt, gibt es, neben dem Applaus auch die Sicherheit, beim nächsten res dieser ganaderías. Denn nun kennt der torero schon die Eigenart dieser Zucht. Er lernt in Laufe dieses praktischen Trainings viel über die Art, wie das Tier angreift, oder, wie zum Beispiel für einige Blutlinien charakteristisch, das nach oben stossen der Hörner, sobald sie die capa oder muleta vor den Augen haben. Andere ganaderías, anderes comportamiento. Man lernt, welche Züchtungen Schwächen in Vorder- oder Hinterbeinen haben, so das man lernt, die Schwächen oder auch die Stärken auszugleichen. 

Nun hat der torero, im Laufe der Lehrjahre, bestimmte ganaderías kennen und schätzen gelernt. Er hat vielleicht dem tentadero beigewohnt, in dem die zukünftige Mutterkuh geprüft wurde und ein paar Jahre später, steht er ihrem ersten Sohn gegenüber. Er wird sich an das Benehmen und die Qualitäten der Mutter dieses toros erinnern. Wahrscheinlich kennt er auch den semental, den Vater dieses Stieres. Nun, zu Beginn einer corrida, sucht er die Plus- und Minuspunkte der Eltern in dem Stier und kann so eine intelligente, künstlerisch wertvolle Arbeit aufbauen. Hat dieser torero mit dieser „Familiengeschichte“ Glück hat und triumphiert, dann wird er mit Sicherheit nicht Nein sagen, wenn er noch mal und noch mal gebeten wird, mit Exemplaren dieser ganaderías oder encaste anzutreten. In ihren Anfangszeiten, kümmert es die jungen toreros wenig, mit welchen Züchtern sie sich zeigen können, Hauptsache, sie können überhaupt auftreten. Erst viel später können sich es die toreros leisten, bestimmte ganaderías zu bevorzugen. Auf dem langen, steinigen Weg nach oben, haben sie auch viele Stiere kennen gelernt, die ihnen nicht behagten, sie sogar schwer verletzten. Auch dies behalten sie in ihrem Gedächtnis, die meisten, um aus ihren Fehlern zu lernen, andere, um solche Begegnungen in Zukunft zu vermeiden. Den Tag, an dem ein torero beinahe hilflos in einer plaza steht, weil der Stier nicht reagiert, wenn er sich nicht zur estocada aufstellen lässt, wenn er ständig den Kopf hoch trägt und, und, und,..., wird der torero nie vergessen. Das wiegt schwerer als eine cornada

Sabios, wie Enrique Ponce, von dem man sagt, ihn habe eine vaca geboren (natürlich im Scherz), haben nicht nur allen encastes gegenüber gestanden. Viel mehr. Jemand wie er, mit über 25 jähriger Erfahrung, kennt alle Vatertiere, Mutterkühe und deren Nachfahren, der verschiedenen ganaderías. Vom toro, den er mitunter indultiert hat, kennt er wahrscheinlich die ganze Ahnenreihe persönlich. Auch er hat seine Vorlieben, was aber für den maestro nicht heisst, dass er nicht mit anderen ganaderías antritt. Andere toreros riskieren das erst gar nicht.

Enrique Ponce, der sabio unter den maestros
Im Grunde ist das nicht anders, als wenn wir uns einen Hund zulegen. Der eine kann mit einem Jagdhund nichts anfangen, der andere kommt mit einem Hütehund nicht zurecht. Als Reiter bevorzuge ich Pferde mit viel Vollblut, viele meiner Kollegen lesen die Abstammungspapiere und steigen gar nicht erst auf. Aber warum sehen wir in manchen Dekaden so viel Einheitsbrei in den plazas? Das liegt zum Teil an der Ausbildung des Nachwuchses, dem geflüstert wird, das er mit dieser encaste nicht triumphieren kann. An den Star toreros, welche die Idole der novilleros sind und oft ihren eigenen Interessen gemäss, ihre Lieblingsganadería ordern. Und an den empresarios, die schon seit Jahren ihre Vorlieben haben. Das kann der Preis für die Tiere, oder aber auch der Erfolg an der taquilla sein, der ihn motiviert, in seiner feria eine bestimmte Blutlinie zu promovieren, mit toreros, von denen er annimmt, dass sie mit diesen am besten aussehen. Viele puertas grandes sind auch sein Gewinn.

Dienstag, 18. Februar 2014

Das erste Mal (2. Teil)

HINWEIS: Die blau-kursiven spanischen Fach-Begriffe
sind mit dem deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs verlinkt.

Wer das erste Mal einen Stierkampf besucht sollte gewisse Punkte bedenken

2. Teil: Vor dem Stierkampf
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von Philip de Málaga



Zeitig ankommen, lohnt sich

In Spanien beginnen zwei Dinge mit ziemlicher Pünktlichkeit. Die kirchlichen Messen und die corridas. Somit ist es empfehlenswert schon zeitig an der plaza de toros zu erscheinen. Und wer es sich einrichten kann sollte auch frühzeitig dort ankommen, allein schon deswegen um das einzigartige Ambiente ausserhalb der plaza geniessen zu können. Die anliegenden Restaurants, Bars und Cafeterías sind gefüllt mit aficionadostaurinos, welche sich voller Inbrunst der bevorstehenden corrida widmen. Da werden die letzten Auftritte der heutigen toreros analysiert, man tauscht sich über die ganaderías aus, man träumt von seinen Favoriten oder schimpft über Versager im ruedo. Man erinnert sich an grosse Momente in der tauromaquia, und die Erwartungen für diesen tarde de toros sind wie jedes Mal in der Regel recht hoch. Auch wenn unbekannte toreros antreten, oder welche, die vom Glück nicht gerade verfolgt werden, die Hoffnung unvergessliche Momente an diesem Nachmittag zu sehen zu bekommen manifestiert sich stets im Unterbewusstsein. Uns so trifft man sich im Vorfeld, erfreut sich dabei spanischer Delikatessen wie den Käse aus der La Mancha, Oliven aus Jaén oder den Serrano-Schinken und mit Bier, Sherry und Wein schmeckt gleich alles viel besser. Man ist nun vorbereitet, die toros können kommen.

Bei spanischen Delikatessen sich auf die corrida vorbereiten
Auch ein Blick auf das Publikum lohnt sich. Gerade in bekannten plaza de toros wie Madrid, Sevilla, Valencia und anderen zeigen sich Prominenz aus Politik, Wirtschaft und Kultur. Elegant gekleidet treten sie auf, bekennen sich als aficionados und man erkennt schnell, die toros sind ohne Frage ein gesellschaftliches Ereignis.

Vor den Toren der plaza selbst versuchen Wiederverkäufer ihre letzten entradas an den Mann zubringen. Offiziell dürfen sie dafür nicht mehr als zwanzig Prozent Aufschlag nehmen, aber gerade bei Touristen und wenn Startoreros antreten schnellen die Preise zügig in die Höhe.

Gelegentlich tummeln sich auch einige wenige antitaurinos im Umfeld der plaza und versuchen die Besucher von der corrida mit lauten Geschrei abzuhalten. Jedoch erreichen sie damit gar nichts, sind sie sowieso nur in einer bescheidenen Minderheit angetreten. Sie dürfen dieses nur mit behördlicher Genehmigung tun, und werden in der Regel durch Polizeieinheiten von den Besuchern der toros abgeschirmt. In Frankreich ist das Demonstrieren in der Nähe von plaza de toros per Gesetz verboten, da auch beim französischen Nachbarn die tauromaquia zum nationalen Kulturgut erklärt worden und somit zu schützen ist.

Es ist Zeit Platz zu nehmen

Es empfiehlt sich ungefähr zehn bis fünfzehn Minuten vor Beginn der Veranstaltung seinen Platz aufzusuchen. Zum einen, um sich erst einmal umzuschauen und zum anderen, im Falle, sollte die corrida schon begonnen haben, gibt es plazas, welche die Besucher während der lidia des ersten toros nicht zu ihren Plätzen lassen, damit andere Zuschauer nicht gestört werden können.

Hat man erst einmal die entsprechende puerta gefunden und die plaza de toros betreten, sollte man sich erst einmal ein almohadilla besorgen, ein Sitzkissen, denn zwei Stunden oder auch länger auf den steinigen asientos in den tendidos zu sitzen könnten unbequem werden.  

Wenn man seinen Platz eingenommen hat sollte man sich die Zeit nehmen, sich zu orientieren. Wenn etwas bei den toros so ganz unspanisch scheint, so ist es die Pünktlichkeit. So sollte man als erstes die grosse runde Uhr auszumachen, an welcher sich der Zeitablauf der corrida richten wird. Diese befindet sich in der Regel ganz oben, unter- oder oberhalb des Daches der andanada, dem obersten Rang, auf der Seite der sol.

Richtet man nun seinen Blick, von der Uhr aus auf die entgegengesetzte Seite des ruedos entdeckt man auf dem Dach die spanische Flagge, gegebenenfalls begleitet von lokalen Wimpeln. Etwas weiter unten, im ersten Rang, dem grada findet sich der palco presidencial. Von dort aus leitet der presidente mit seinen zwei asesores artístico die gesamte Veranstaltung.

In einigen plaza de toros gibt es noch einen palco real. Eine Ehrenloge, welche ausschliesslich für das spanische Königshaus und seine Gäste reserviert ist. Diese ist dadurch gekennzeichnet, dass die Brüstung mit einem dunkelroten Samttuch verziert ist, worauf sich das königliche Wappen befindet. Ist kein Vertreter des Königshauses anwesend, bleibt der palco während der corrida leer.
Etwas weiter links oder rechts vom palco presidencial befindet sich auf den obersten Plätzen die banda taurina, also jene Musikkapelle, welche mit den berühmten paso dobles das festejo taurino begleiten wird. Laut dem reglamento taurino ist die banda taurina so weit weg wie möglich von den corrales zu platzieren, damit die dort wartenden toros durch die Lautstärke der Musik nicht gestört werden.

Kommen wir wieder zurück zur Seite mit der Uhr. Unterhalb von ihr befinden sich jeweils rechts und links ein Zugang zum ruedo. Bei dem kleineren Tor handelt es sich um das toril, wodurch der toro das ruedo betritt. Durch das andere grössere portal, der puerta grande betreten die Akteure mit einem paseillo das Geschehen.

Links: Toril wo der toro eintritt. Rechts: Puerta grande wo die Akteure eintreten
Werfen wir noch einen Blick ins ruedo. Dieser hat in der Regel einen Durchmesser zwischen 45 und 60 Metern. Er wird von einer barrera mit einer Höhe von 1.60 Metern umgeben. Auf dem Sand befinden sich zwei Kreise, meistens in weisser Farbe, manchmal auch in rot. Diese dienen vor allem dem tercio de varas, also jenem Drittel der picadores. Die äussere Linie kann der picador überschreiten, sollte er aber nicht. Die Innenlinie zu überqueren ist ihm dagegen vollkommen untersagt. Denn Innenbereich nennt man medios, und vor allem toros bravos verstehen es sich in dieser Zone zu beweisen.

- Fortsetzung folgt

© Philip de Málaga

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Die Serie für Neueinsteiger bei SfA:

Montag, 17. Februar 2014

Wer zu den Grossen gehören möchte . . .




mit Victorino Martin


"Wer zu den grossen Stars
 unter den Stierkämpfern gehören möchte, 
muss in der Lage sein, 
sich allen Stieren zu stellen."

Im Original heisst der Satz: "Quién quiera ser figura, que va a tener que matar toros de todos los encastes y demonstrar en la plaza su largura y capacidad para resolver los distintos problemas de cada sangre." Mit anderen Worten, ein matador sollte Ausdauer zeigen und gewissenhaft mit den verschieden Eigenschaften und Charakteren der verschiedenen toros umgehen. Der ganadero Victorino Martin spielt darauf an, dass einige der derzeitigen matadores relativ inflexibel mit den ganaderías umgehen, und sich nicht selten lediglich die leichteren "Designerstiere" aussuchen.

Vielmehr gehe es darum, sich seinem Beruf als matador zu stellen und der afición und überhaupt allen taurinos zu beweisen, dass das Tragen dieses Berufstitels auch gerechtfertigt sei. Und wieder ist dabei der Begriff der corridas duras gefallen, jene festejos taurinos wo sich die toreros mit viel Kenntnis, Erfahrung und Einfühlungsvermögen einem wahren Kampf, körperlich wie mental, zu stellen haben. Einige toreros scheinen aber gerade diese Art von festejos zu meiden. Aber keine Frage, natürlich gibt es sie auch, jene figuras, die sich schwierigen toros stellen, mehr noch, erst dann werden sie richtig gut, wie zum Beispiel der maestro aus Valencia, der matador Enrique Ponce.
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Quellennachweis:
Interview mit Victorino Martin
Aplausos, 16. Februar 2014

Sonntag, 16. Februar 2014

Wieder Stierkämpfe im mexikanischen Free-TV




von Philip de Málaga


Nach 14 Jahren Abstinenz wieder Stierkampf für alle in México
Auch in Europa via Internet oder Satellit zu sehen
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Die letzte corrida im freien mexikanischen Fernsehen gab es am 15. Januar 2000. Dort verabschiedete sich der mexikanische matador de toros David Silveti für eine Zeit lang von den corridas. Von da an war es nur noch einem zahlendem Publikum vorenthalten die festejos taurinos im Pay-Tv zu verfolgen.


Es sollte weit über 5.000 Tage dauern, bis nun endlich wieder heute an diesem Sonntag eine corrida im mittlerweile privaten Fernsehsender Azteca TV um 14:30 Uhr Ortszeit zeitversetzt zu sehen sein wird. In Europa hat man die Möglichkeit diese corrida ebenfalls um 21:30 Uhr via Proyecto 40 (http://www.proyecto40.com) oder über Satellit anzuschauen.


Antreten werden die matadores de toros El Juli, Joselito Adame und der rejoneador Alejandro Zendejas. Die toros kommen von der ganadería Fernando de la Mora. Kommentiert wird diese Übertragung von den beiden Starmoderatoren Juan Antonio Hernández und Luis Niño de Rivera, welche auch durch das populäre Magazin México Bravo führen.

Samstag, 15. Februar 2014

Picasso in Zaragoza




von Philip de Málaga


In Zaragoza gibt es 79 Werke von Pablo Picasso zum Thema toros zu sehen
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Die überdachte plaza de toros von Zaragoza bietet Platz für 11.200 Zuschauer.
Im Oktober eines jeden Jahres findet dort eine der letzten grossen ferias taurinas statt.
Zum Anlass des 250-jährigen Bestehens der plaza de toros der nordspanischen Stadt Zaragoza (Aragon), La Misercordia, werden verschiedene Kunstwerke von Pablo Picasso  gezeigt. Zu sehen sind neben einigen Keramikgefässen und illustrierten Büchern vor allem seine Stiche der Serien "La Tauromaquia o Arte de Torear de Pepe Hillo" sowie "La Tauromaquia".


Pablo Picasso begegnete schon in seinen jungen Jahren der mundo de los toros. Sein Vater nahm ihn zeitig mit in die Malagueta um sich corridas anzuschauen. Fasziniert von der Begegnung mit den toros, von dem was er dort geboten bekam zeichnete er schon mit nur acht Jahren sein erstes taurinisches Kunstwerk: El zurdo.

Vom Kreistag in Zaragoza organisiert, ist die Ausstellung Arte y Arena mit ihren 79 Werken des Künstlers aus Málaga bis zum 4. Mai 2014 im Palacio de Sástago zu sehen. Der Eintritt ist frei.

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Siehe auch:
Der kleine Picasso und die Stiere, SfA-Reportage vom 17. April 2013
Die Stier in Picassos Lebenswerk, SfA-Reportage vom 18. April 2013
Der Stier im Mittelpunkt der internationalen Kunstszene, SfA-TAURONEWS vom 8. Juni 2013
Der Inbegriff der Tauromachie, SfA-TAURONEWS vom 11. November 2013

Freitag, 14. Februar 2014

La Montera

Über die Kopfbedeckung der toreros
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von Colin Ernst
(Fotos: La Tauromaquia, mundotoro)


Vor einiger Zeit las ich in einem Interview mit Jose Maria Manzanares, das er das toreo revolutionieren will. Dies brachte mich dazu, einmal nachzuforschen, welche grossen Veränderungen es überhaupt in der Geschichte der tauromaquia gab. 

Zunächst ist natürlich die Verlagerung vom „Sport für die Herrschaften“ zur offiziellen Veranstaltung zu verzeichnen. Vom toreo zu Pferde, ging es zum toreo “a pie“, zu Fuß. Dann erfolgte die Reglementierung, Man gab der corrida eine klare Gliederung und Regeln, der peto für die Pferde war einer der neusten Fortschritte. Schaut man sich alte Gemälde an, kommt man nicht umhin, sich auch mit der Bekleidung der Akteure zu befassen. Im Wandel der Zeit, der finanziellen Möglichkeiten, der technischen Neuerungen, die in den Jahrhunderten stattfand, lässt sich ein gewisser modischer Einfluss, gemäß der Zeiten nicht verleugnen. Zwischenzeitlich wurden der modischen Entfaltung von den plazas sogar Riegel vorgeschoben, in Sevilla durfte man zeitweise nur mit einem strohfarbenen Kostüm auftreten. Die trajes de luces, sind auch heute noch Handarbeit, aber im Laufe der Jahre haben sich die Stoffe, die Steinchen, Perlen, Plättchen und Kordeln im Material gewandelt. Waren die Jacken früher, ähnlich wie man es heute von den corridas goyescas kennt, geschnitten, lang tailliert, sind die späteren jaquetillas kurz, bis zur untersten Rippe.

Auch die Tradition, eine montera zu tragen entwickelte sich später. Früher wurden Haarnetze getragen, die auch den traditionellen Zopf (coleta) der toreros, optisch ersetzten. Fransisco Montes, „Paquiro“ ( Chiclana de Frontera, 1805 -1850) führte als erster die montera ein und fügte der trajes de luces auch einige neue Details zu. Sie hatte zu Anfang, wie auf Bildern zu sehen, eine etwas andere Form, als die heutigen. Auch ihr Gebrauch ist seit dieser Zeit vorgeschrieben. Im paseillo nimmt ein Debütant der plaza die montera ab, der schon mal dort aufgetretene torero behält sie auf. Die montera behält man im tercio de varas und beim Setzen der banderillas auf.

Vor dem dritten tercio grüßt der torero, die montera zum Präsidenten zeigend und somit um Erlaubnis für den Beginn des letzten tercios. Er kann dann auch jemanden im Publikum grüssen und ihm den Stier widmen kann (brindis). Dann wirft der torero diesem die Kopfbedeckung zu.

Morante de la Puebla widmet den toro dem matador Fran Rivera Ordoñez

Grüßt er das Publikum, so geschieht dieses von der Mitte des ruedos aus und er wirft die montera über die Schulter in den Sand. Es heisst, das es Glück bringt, wenn sie mit der offenen Seite, im Sand landet. Publikum wie torero sind da oft etwas abergläubisch. Landet der Hut mit „boca arriba“, also zum Himmel hin offen, kann man hören wie ein erschreckter Laut von den tendidos kommt. Viele toreros haben Bilder von Heiligen im Inneren ihrer montera am Rand angebracht, fast alle sind sehr gläubig.

Früher, wie auch heute fertigte man die Kopfbedeckung per Hand an. Sie ist, von vorne gesehen 30 Zentimeter lang, 20 Zentimeter breit, 12 Zentimeter hoch und wiegt 500 Gramm. Der torero lässt sie in einer speziellen Hutschachtel transportierten. Die montera ist weich, nicht wie ein Helm, als Schutz gedacht, sondern eher als ein sombrero, also ein Hut, der zu dieser trajes de luces gehört. Ich hoffe einmal eine sastrería, eine Schneiderei besuchen zu können, um noch mehr über die Kultur der trajes zu erfahren. Aber eines weiss ich, diese Tracht wiegt einiges und in den Sommermonaten, bei 40 Grad, ist es wie eine Sauna. Aber auch dies nehmen die toreros in Kauf, im Gedenken an ihre Traditionen, Respekt vor den aficionados, denen sie den Tribut zollen.

Mittwoch, 12. Februar 2014

Ein grosses Privileg





mit Morante de la Puebla


Ohne Frage gehört Morante zu den gegenwärtigen ganz grossen figuras. Am Sonntag den 15. Juni diesen Jahres tritt er zusammen mit einer der grossen figuras der vergangenen Jahre an. Mit dem maestro aus Madrid, José Miguel Arroyo "Joselito" welcher nach zehn Jahren Abwesenheit wieder die Bühne der tauromaquia im französischem ruedo von Istres betritt. Für den matador de toros Morante de la Puebla ist es ein besonderes Ereignis an dieser reaparición ebenfalls teilnehmen zu können. So erzählte er gestern dem Portal mundotoro:

Morante de la Puebla
"Für mich ist es ein Privileg zusammen mit dieser grossen figura das cartel seiner reaparición zu teilen. Für das toreo ist diese reaparición ein grosses Glück, zwar scheint es eher nur flüchtig, aber wir wissen noch nicht wo es hinführen kann. Aber den maestro wieder von neuem im traje de luces zu sehen bereitet vielen auch eine gewisse Unruhe, vor allem in finanziellen Aspekten. Und so glaube ich aufrichtig, dass gerade in jener Zeit in der wir leben, ist es für alle welche die toros ein Vergnügen bereiten, eine sehr positive Nachricht, denn nicht immer betritt eine klassische Figur wie er erneut die Bühne, mit einem Ruf den er schon immer hatte."

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Siehe auch:
Joselito in Istres, SfA-TAURONEWS von Colin Ernst vom 1. Februar 2014
Joselito betritt wieder die BühneSfA-Reportage von Philip de Málaga vom 1. Februar 2014

Dienstag, 11. Februar 2014

Was aber ist die Wahrheit des Stierkampfs?




von Paul Ingendaay

Geboren 1961 in Köln lebt der Schriftsteller seit 1998 als Kulturkorrespondent in der spanischen Hauptstadt Madrid. Auffallend sein Einfühlungsvermögen für die spanische Lebens- und Sichtweise, wobei er sich auch dem Thema der toros stellt. In kaum einem deutschsprachigen Medium wird dermassen neutral und auch sachkundig über die mundo de los toros berichtet, die Informationen kommen meisten von erster Hand, wie in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, Dank Paul Ingendaay.

"Als ich zum ersten Mal in der Arena sass, 
fragte ich mich keine Sekunde, ob es wohl gruselig werde; 
das also schien die Wahrheit nicht zu sein. 
Eher freute ich mich an der Atmosphäre, 
der Farbe des Sandes, den Details, 
die man viel genauer sieht als am Fernsehbildschirm, 
dem körperlich spürbaren Risiko, 
das die Matadore eingehen 
und das sie mit ihren Fähigkeiten 
und ihrer Reaktionsschnelligkeit 
berechenbar zu machen suchen.

Ich empfinde instinktive Achtung 
vor dem Schachspiel und dem Stierkampf."

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Quellennachweis:


Paul Ingendaay, Gebrauchsanweisung für Spanien
Piper Verlag GmbH, München, 2002