Dienstag, 13. Oktober 2015

... und die Deutschen interessieren sich doch für die Stiere




von Philip de Málaga


Das deutsche Lexikon der Stiere 
mit über 100.000 nachgeschlagenen Begriffen!
SfA weiterhin auf Erfolgskurs!
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Der COSSÍO en alemán ist gerade drei Jahre und drei Monate online und es wurden schon über 100.000 Begriffe nachgeschlagen. Täglich werden an die 100 taurinische Fachbegriffe angeklickt. Für dieses doch sehr spanische, sensible und einzigartige Thema eine durchaus beeindruckende Zahl.


Ein eindeutiges Indiz dafür, dass Personen, welche Haltung sie auch immer zur mundo de los toros haben, sich auch intensiver mit dem Thema der tauromaquia beschäftigen, auseinandersetzen wollen. Man will einfach mehr wissen. Man will verstehen. Einen tieferen Einblick in die Szene der toros bekommen. Mitreden können. Und das geht in der Regel auch nur, wenn man versteht was gesprochen und geschrieben wird.

Das Logo im Juni 2012
Im Dezember 2011 ist die Idee entstanden, als SfA im Laufe des Jahres einige Mails mit Anfragen nach Begriffserklärungen erhielt. So begann man mit der Arbeit und ging ein halbes Jahr später, Ende Juni 2012 und etwas mehr als 1.000 Begriffen online, dessen Anzahl sich mittlerweile verdoppelt hat und weiterhin auch kontinuierlich ergänzt wird. Der COSSÍO en alemán hat sich somit nicht nur zum grössten Nachschlagewerk in Sachen tauromaquia in deutscher Sprache entwickelt, sondern wird auch, wie die Zahlen eindeutig zeigen, in Anspruch genommen. Und da sage einer, im deutschsprachigen Bereich interessiere man sich nicht für die toros . . .

Vor dem Stier





Fotoserie von mundotoro


Wenn man sich dem toro gegenüber aufstellt, vielleicht sogar in kniender Position, kann man von der wahren Begegnung toro und torero sprechen. Wenn sich beide in die Augen schauen können. Hier eine Fotoserie aus Las Ventas in Madrid vom 20. September 2015.









Montag, 12. Oktober 2015

Barcelona zensiert taurinische Kunst




von Philip den Málaga


Kaum zu glauben, aber wahr.
Die katalanische Hauptstadt verbietet Kunst in Bezug aufs Toreo
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Da fehlen einem die Worte. Die einen definieren es als eine Einschränkung der künstlerischen Freiheit, andere sehen darin ein weiteres politisches Intrigenspiel auf dem Weg zur Unabhängigkeit der Katalanen und schliesslich gibt es diejenigen die es einfach nur lächerlich, gar peinlich finden. Was ist geschehen?

Der matador de toros Morante de la Puebla, unter den toreros artistas wohl der Künstler unter allen, hat in der katalanischen Hauptstadt Barcelona an einem privaten Gebäude am Paseo de Colón eine leerstehende Wand gemietet, um auf einem riesigen Plakat für sich zu werben und somit selbstredend auch für die tauromaquia. Dabei werden von dem torero aus Sevilla Parallelen zum katalanischen Künstler Salvador Dali gezogen und die Message ist eindeutig: "Ich bin pure Kunst" - Und das gilt in diesem Fall für beide, für Morante de la Puebla wie für Salvador Dali - und genau das verärgerte gewisse Herrschaften im Rathaus.

Aber seien wir ehrlich. Dali gilt als einer der Hauptvertreter des Surrealismus. Der künstlerische Drang zum Absurden, Traumhaftem, Phantastischem gar Unwirklichem oft durch pure Provokation zum Ausdruck gebracht. Und gerade das faszinierte Morante, sich als Motiv mit dem Künstler Dali zu identifizieren. Auch er wollte mit dieser Aktion ein wenig Provokation in die katalanische Hauptstadt bringen. Eine Art taurinischer Surrealismus.


So reagierten die Behörden in Barcelona und antworteten dem maestro aus Sevilla: "Nach Begutachtung ihrer Abbildung, welche wir am vergangenen Freitag den 2. Oktober erhalten haben, für die Genehmigung der Installation einer grossformatigen Leinwandwerbung am Paseo de Colón, setzen wir Sie davon in Kenntnis, dass die städtische Verwaltung ihre vorgestellte Kreativität nicht genehmigt. Das Rathaus von Barcelona hat eine Erklärung gegen die corrida de toros und für die Tierrechte verabschiedet".

Die mundo taurino reagierte sofort und sehe in dieser Vorgehensweise "einen Affront gegen die Freiheit der Meinungsäussserung, wie überhaupt in einigen anderen Bereichen dieser Stadt, welche von Politikern regiert wird, wo es so scheint, dass die Tiere mehr Rechte haben als die Menschen."


Der Rechtsanwalt Moeckel teilte dem Internetportal mundotoro mit,  "er sei der Auffassung, dass die Ereignisse der Stadtverwaltung von Barcelona ein absoluten Angriff auf die Meinungsfreiheit darstelle. Da sei jemand durchgedreht. Es könne sich doch nicht durchsetzen, das Tierrechte durch Zensur und Verbote das Recht auf Meinungsfreiheit beschneiden."

Auch die deutsche afición und das Team von SfA sind sprachlos. Und die Frage scheint nicht ganz ungerechtfertigt: Was ist den der nächste Schritt? Werden jetzt Buchhandlungen geschlossen, weil sie Literatur aus der mundo de los toros verkaufen? Bekommt ein Gastronomiebetrieb keine Genehmigung mehr, weil es carteles de toros als Dekoration verwendet? Das beträfe wohlgemerkt lediglich den Alltag. Aber wo bleibt die Kunst. Was geschieht mit Picasso, Goya und Co? Bald alle verboten? 
Um ihn geht es auch, den aficionado de toros und Katalane Salvador Dali
Und hier schneidet sich die katalanische Hauptstadt ins eigene Fleisch. Denn die Verantwortlichen scheinen einen wichtigen Punkt übersehen zu haben. Der katalanische Künstler Salvador Dali ist nicht nur einer der Hauptwerbeträger für katalanische Kultur und Kunst, sondern auch ein leidenschaftlicher aficionado de toros gewesen, welcher durch die mundo de los toros, so teilte er sich selber mit, sich für zahlreiche künstlerische Objekte inspiriert fühlte.

Man kann es interpretieren wie man will, es ist ein weiteres Beispiel dafür, hier geht es weder um Tierschutz, Tauromachie oder Kunst, es ist wieder die Politik die sich aufbauscht und die toros für politische Interessen, eigene Zielsetzungen thematisiert. Weder ein Erfolg für die antitaurinos, noch eine Niederlage für die taurinos. Sie spielen bei diesen Entscheidungen nur die Statisten.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Stierkämpfe in Afrika: Angola

Die Portugiesen brachten die toros auch in ihre Kolonien
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von Philip de Málaga


Die  Hauptstadt der Republik Angola erhielt ihren Namen Luanda durch den ersten portugiesischen Seefahrer der an deren Küste schon im 16. Jahrhundert landete. Doch bevor die Portugiesen die toros einführten, musste man in diesem afrikanischen Staate an der Atlantikküste gut zweihundert Jahre warten.

Manuel dos Santos
Die erste und letzte plaza de toros wurde in der angolanischen Hauptstadt am 1. März 1964 eingeweiht. Eine corrida mixta mit den matadores de toros Manuel und Antonio dos Santos sowie dem rejoneador José Maldonado Cortés. Es folgten noch einige festejos taurinos. Doch die Zeit der tauromaquia in Angola war auf elf Jahre begrenzt. Denn nach der Unabhängigkeitserklärung von 1975 zogen sich nicht nur die Portugiesen aus Angola zurück sondern auch die toros und toreros.

Danach wurde das ruedo noch für einige Zeit für Rodeos und andere Veranstaltungen genutzt, bis es sich selbst dem Verfall überlassen wurde. Zwar gab es immer wieder Versuche die plaza de toros zu restaurieren, scheiterte aber an den finanziellen Mitteln. Nun soll der Bau taurino abgerissen werden.

Ein kolonionaler Zeitzeuge der portugiesischen toros in Luanda

Samstag, 10. Oktober 2015

Mallorca: Was spricht eigentlich dagegen, dass es dort keine Stierkämpfe gibt?

Warum erzürnen sich die taurinos dermassen darüber,
dass es dort keine toros mehr geben soll?
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von Philip de Málaga


Derzeit wird in vielen deutschen Medien erwähnt, in Mallorca soll es keine toros mehr geben. Und einige deutschsprachige aficionados sind aufgebracht. Fühlen sich in ihrer deutsch-spanischen Ehre gekränkt. Sind geradezu beleidigt.

Mal eine Frage: Woran denken Sie wenn Sie Spanien hören: Mittelmeer, Sonne, Flamenco, Paella, Stierkampf .... Und was fällt Ihnen zu Mallorca ein? Insel der Deutschen, Urlaub, Ballermann, Touristen, Chopin, schöne Insel ....
Bei Mallorca denkt man nicht unbedingt zuerst an die mundo de los toros
Erkennen Sie den Unterschied? Ein jeder der nach Mallorca fährt oder darüber nachdenkt, kommt nicht unbedingt auf jene typischen Eigenarten die eben das klassische Spanien prägen. Wer puren Flamenco sehen und hören will bereist bestimmt andere Ecken, wer die Sherry-Bodegas besuchen möchte, wer die toros vor typischer und traditioneller Kulisse erleben möchte, der sucht mit Sicherheit nicht die Baleareninsel aus.

Nicht einmal die afición. Kaum ein aficionado kommt auf die Idee extra nach Mallorca zu fliegen um irgendwelche toreros zu sehen. Einzige Ausnahme dürfte wohl der matador de toros José Tomás sein, der für ein No hay billetes sorgen würde. Und seien wir ehrlich. Bezüglich der tauromaquia ist der mallorquinische Anspruch eher bescheiden. Die wahren taurinos eine absolute Minderheit. Und man muss es sich einmal vorstellen. In der Inselhauptstadt fand pro Jahr gerade mal ein festejo taurino statt. Kann man da von einer aktiven cultura taurina sprechen? Gewiss hat Mallorca historisch betrachtet sogar eine gewisse Tradition der toros nachzuweisen, die erste plaza de toros gab es schon 1865 mit immerhin 9.500 localidades, aber gegenwärtig so viel Theater wegen einer einzigen corrida de toros in der Hauptstadt, welche es zu einem lleno kaum schaffte (von der letzten corrida mal abgesehen) und den wenigen festejos auf dem Lande? Eigentlich nicht nachvollziehbar.
Das Coliseo Balear in Palma de Mallorca wurde 1929 eingeweiht.
Auf den Kanaren gibt es auch keine toros. Und wen stört es? Keinen! Hat es irgendeine Bedeutung für Katalonien? Auch keine! Denn gerade mal sieben corridas wurden abgeschafft. Im Gegenteil, es wurde auf wunderbare Weise dargestellt, dass es gar nicht um die Tiere geht, sondern die Entscheidung ein reines Politikum geworden ist. Und die festejos populares gibt es dort weiterhin.
Eine corrida in Inca, eine plaza de toros aus dem Jahre 1910
Es gibt Menschen die sich gegen die tauromaquia aussprechen. Das sollten wir, die aficionados respektieren. Das ist deren gutes Recht. Und wenn die toros nach demokratischen Massnahmen (nicht so wie in San Sebastian) verboten werden, ist dieses zu akzeptieren.  Dieses gilt selbstredend auch umgekehrt, wenn die mundo de los toros zum Kulturerbe erklärt wird, und in der spanischen Verfassung verankert ist, verdient es nicht nur denselben Respekt sondern muss von den öffentlichen Behörden entsprechend geschützt werden.

Aber ich denke die tauromaquia kann ganz gut auch ohne Mallorca leben und im Grunde genommen hat sie es auch schon jetzt getan. Die toros gab es halt auf der Baleareninsel auch, aber eine tragende oder wichtige Rolle haben sie schon lange nicht mehr gespielt. Eine Tatsache, der sich die taurinos gerne verschliessen, es aber nicht sollten. Gerne erzählen sie, wie toreros im gesellschaftlichen Leben gesehen sind, wie sie in der Unterhaltungs- oder Werbebranche eingesetzt werden. Gewiss, das ist so, aber mit Sicherheit nicht wegen mallorquinischer Fundamente in Sachen der toros.

Diese Baleareninsel zählt nicht mal eine Million Einwohner, das sind gerade etwas mehr als zwei Prozent der spanischen Bevölkerung. Und da sollen wir uns aufregen, dass die corrida de toros verboten werden? Das tun wir ganz bestimmt nicht.

Mallorca ist ohne Frage ein schöne Insel die sich lohnt zu besuchen. Auch ohne toros. Es muss halt nicht alles in Spanien einem zu spanisch vorkommen. Die Weisswürste wie Schuhplattler gehören nach Bayern und auch die toros haben ihre Heimat, wo sie traditionell verankert sind und auch noch lange bleiben werden.

Freitag, 9. Oktober 2015

Stierkämpfe in Afrika: Mosambik

Über die südlichste Plaza de Toros auf der Welt
und den ersten Torero aus Afrika
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von Philip de Málaga

Ganz im Süden von Afrika am indischen Ozean findet sich die Küsten-Republik Moçambique. Mehr als 7.000 Kilometer Richtung Süden von der wahrhaftigen mundo de los toros entfernt. Und dort soll es toros geben? Warum nicht, scheint gar nicht mal so ungerechtfertigt. Immerhin ist die Amtssprache Portugiesisch (zugegeben, nur 15 Prozent der Bevölkerung beherrschen diese auch), denn immerhin war es ja auch mal eine portugiesische Kolonie. Und Portugal und die toros, das gehört doch irgendwie zusammen. 


Toros gab es dort wohl schon öfters. Vor allem in den zwanziger und dreissiger Jahren. Leider gibt es kaum Material über diese festejos taurinos. Mein weiss nur, dass auch grosse spanische matadores de toros wie der maestro Marcial Lalanda dort in improvisierten cosos aufgetreten sind. 

Die erste richtige plaza de toros in Mosambik wurde erst 1956 in der Hauptstadt Maputo eingeweiht. 

Die plaza de toros in der Hauptstadt von Mosambik im Jahr 1956
Dem Photo nach zu urteilen nicht mal so klein und so an die 3.000 Zuschauer werden in den tendidos wohl Platz gefunden haben. Trotzdem ist darüber ist relativ wenig bekannt. Weder im Cossío noch bei mundotoro wird sie erwähnt. Somit ist völlig unbekannt, wie viel corridas es dort gab, welche toreros dort antraten, woher kamen die toros oder über sonstige Ereignisse. Aber es gibt sie noch. Aber keine toros. Sonntags findet im Inneren jede Woche der Markt statt und im äusseren Bereich haben sich einige Geschäfte untergebracht, wie zum Beispiel auch eine Autowerkstatt.

Die plaza de toros in Maputo heute.
Aber Mosambik hat auch eine andere Geschichte zu erzählen. Denn von dort kam der erste afrikanische matador de toros, dem es auch in Spanien gelang, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu bekommen. Sein Name Ricardo Paulo Chibanga und wurde am 8. November 1947 in Lourenço Marques (dem heutigen Maputo) geboren.


Seinen ersten Auftritt in Europa hatte er am 9. Mai 1965 bei einer novillada in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon in der plaza de toros Campo Pequeño. Ein merkwürdiges festejo taurino, bei dem ein novillero, aus welchem Grund auch immer, vor der plaza streikte. Trofeos konnte der afrikanische novillero nicht erobern, aber es reichte für zwei vueltas al ruedo. Und so wurde man in Spanien auf ihn aufmerksam. Die konservative Tageszeitung ABC schrieb: "Ein schwarzer Triumph bei einer seltsamen novillada in Lissabon!". So bekam er 1967 seinen ersten Auftritt in Spanien, in San Sebastián. Drei Jahre später, am 15. August 1970 hatte er in der Real Maestranza de Sevilla seine alternativa, wo er als einziger matador ein oreja erhielt. Sein padrino war immerhin der bekannte maestro Antonio Bienvenida und als testigo fungierte Rafael Torres.

Viele Kollegen waren begeistert von ihm. Selbst der legendäre Curro Romero, der anfangs der schwarzen Gestalt nicht allzu viel zutraute.  Er galt vor allem als ein sehr kompletter torero, der fast alle Teile der lidia ziemlich überzeugend beherrschte. So setzte er selbst auch die banderillas. Es folgten verschiedene erfolgreiche corrida de toros, auch in Las Ventas in Madrid, auch in México, Kolumbien und Frankreich.


Aber 1973 zog es ihn wieder dorthin wo alles begonnen hatte. In seine Heimat Mosambik. Sein Elternhaus war nur wenige Schritte von der plaza de toros entfernt, einer der Gründe wie sein afición begann. Denn mit nur acht Jahren verteilte er Werbezettel für die festejos taurinos. Nun stand er selbst auf dem cartel, und immer wenn er antrat füllte sich die plaza zum lleno bis No hay billetes und lockte zahlreiche aficionados aus dem benachbarten Südafrika an. 


Doch diese Triumphe sollten nur noch ein Jahr dauern, denn das Augenlicht von Ricardo Paulo Chibanga begann sich extrem zu verschlechtern und er sah sich gezwungen seine Karriere als torero zu beenden. Dies tat er nicht in seinem Heimatland sondern im chinesischen Macao. Und da sage man, das Thema der toros sei nicht so international.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Die Antitaurinos in Frankreich



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga


Sie versuchen es immer wieder, auch aggressiver, aber erfolglos
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Die antitaurinos beim französischen Nachbarn gehen weitaus aggressiver vor als hier in Spanien. Dabei scheuen sie sich auch nicht gegen die Gesetzgebung zu verstossen, bzw. Rechte zu missachten. Federführend dürfte hier wohl die Organisation CRAC sein, welche sich auch nicht selten für ihre Aktionen vor Gericht verantworten muss, bzw. deren Mitglieder bei ihren antitaurinischen Tätigkeiten von der Polizei verhaftet worden sind. Obwohl es ihnen per Gesetz untersagt ist, sich festejos taurinos zu nähern, bzw. zu versuchen zu stören oder sie gar zu verhindern versuchen sie es immer wieder. Und so gehören mittlerweile verstärkte mobile Einsatzkräfte der Polizei zur Tagesordnung einer corrida de toros.

Wenn es in Frankreich toros gibt ist die Polizei präsent.
In Nîmes war in diesem Jahr ruhig. Die Medien berichteten, dass „nur“ Nägel auf die Strasse geworfen worden waren, um den Transport der toros zu verhindern. Bei der Arènes de Nîmes blieb es jedoch ruhig.

Die Polizei hält die antitaurinos auf Distanz
Dafür wurde es in Rodilhan vor ein paar Tagen turbulent. Dort kommt es jedes Jahr zu Demonstrationen der antitaurinos. SfA-Leser werden sich erinnern. im letzten Jahr haben sich die antitaurinos im ruedo vor Beginn der corrida angekettet, wobei es zu richtige Tumulten kam, auch deswegen, weil die Polizei erst recht spät eintraf. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum die CRAC erneut diese plaza de toros (übrigens verfügt der Ort nicht über eine eigene plaza, sondern errichtet dafür eine plaza portátil) als Einsatzgebiet für ihre Manifestation wählte. Doch diesmal stiessen sie auf polizeilichen Wiederstand.

Mit brachialer Gewalt dringen die antitaurinos vor. Illegal natürlich.
Sitzblockaden gegen das Kulturerbe.
Aber letztendlich gelang es der Polizei den Ablauf der corrida zu gewährleisten.
Der Polizei gelang es, wenn auch mit Verzögerung, den ruhigen Ablauf der corrida zu ermöglichen, wobei sogar Tränengas eingesetzt wurde. Zehn Personen wurden vorübergehend festgenommen. Die antitaurinos (CRAC) sprechen von 500 bis 700 Demonstranten, die Polizei zählte dagegen etwa 350. 

Schliesslich konnte die corrida beginnen.
Aber nicht alle aficionados trauten sich zur plaza de toros,
 um nicht mit den gewaltbereiten antitaurinos zusammenzustossen. 
Ob nun 300 oder 700 spielt eigentlich keine Rolle. In Spanien sind es weitaus weniger. In Málaga zum Beispiel gab es während der feria taurina im August mit ihren zwölf festejos taurinos drei Demonstrationen von antitaurinos. Jedoch kamen alle drei zusammen auf viel weniger als 100 Personen. Im Gegensatz dazu wurden die toros in der La Malagueta von weit mehr als 100.000 Menschen besucht. In anderen Städten Spaniens sieht es nicht anders aus.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Stierkämpfe im Libanon

In Beirut gab es den Stierkampf mit den meisten Zuschauern der Geschichte
Eine katholische Tradition im moslemischen Reich
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von Philip de Málaga


Stierkämpfe im Libanon? Klingt ungewöhnlich, fremd, geradezu abstrakt. Aber trotzdem konnten sich die Libanesen in den 50ger bis 70ger Jahren mit den toros anfreunden. Und zwar mit den toros nach dem spanischen Vorbild. Katholische toros im moslemischen Teil der Erde.

So gab es am 2. Juli 1954 die erste novillada in Beirut, mit den novilleros Ramón Aran, El Exquisito und Salvador Ruiz. Es folgten weitere festejos taurinos, sogar corridas de toros, über die es leider recht wenig Informationen zu bekommen gibt.


Den Höhepunkt der mundo de los toros im Libanon gab es im Oktober 1961. Zwei corridas de toros in Beirut. Die erste mit den maestros Julio Aparicio, Juan Bienvenida und Mondeño


Toreros in Beirut: Julio Aparicio, Juan Bienvenida und Mondeño
Das beeindruckende an den festejos taurinos war die Kulisse in den tendidos. An die 60.000 Zuschauer füllten den aforo. Das übertrifft sogar die grösste plaza de toros der Welt, die Monumental de México, mit ihren über 40.000 Sitzplätzen.

Damit die zwei Veranstaltungen ein Erfolg wurden, inszenierte man eine regelrechte Propaganda-Kampagne in arabischer, englischer und französischer Sprache. Interviews standen an der Tagesordnung, und eine Pressekonferenz wurde abgehalten. Dabei wurde der matador de toros Aparicio von einem Journalisten gefragt, ob die toros wirklich getötet werden. Darauf erhob sich der torero, zog sein Hemd aus und zeigte den Presseleuten seine grosse Narbe, welche er beim letzten San Isidro in Madrid bekommen hatte. Selbstverständlich ginge es um den Tod.


Die corrida de toros begann mit viel Pomp. Allein schon die Anzahl der orientalischen Persönlichkeiten, welche mit ihren Rolls Royce vorfuhren waren beeindruckend. Auch der spanische Botschafter Don Emilio García Gómez sass mit seiner Gattin im Publikum. Eine banda taurina gab es nicht. Sondern ein zusammengewürfelter Haufen von Musikern aus den damals 47 Kabaretts der Stadt sorgte für die paso dobles.

Beim Anblick der areneros kam man nicht gleich auf die Idee dass es hier um toros gehe.
Für die toreros war es nicht ganz ungefährlich, denn es gab keine enfermería. Lediglich eine Ambulanz stand vor der plaza, um im Notfall den oder die Verwundeten zum nächsten Hospital zu bringen. In den corrales warteten zwölf toros, denn am nächsten Sonntag gab es noch eine corrida.


Pünktlich um 15:30 Uhr begann das festejo. Die Sonne knallte auf den Platz aber die toreros waren zu allem entschlossen und wollten der arabischen Welt viel an purer tauromaquia vermitteln. Und es gelang ihnen bestens das Publikum in den Bann zu ziehen. Wunderbare suertes mit der capa, faenas die bezauberten und estocadas die sassen. Mit ihrer arabischen Mentalität bewunderten die Zuschauer besonders die Arbeit der berittenen picadores, mehr noch als die der banderilleros. Man muss gar nicht weiter ins Detail gehen, bei jedem toro gab es mindestens eine trofeo.

Der matador de toros Julio Aparicio mit den Prinzen von Saudi Arabien
Alles ging aber auffallend rasch über die Bühne in nur einer Stunde und fünfundvierzig Minuten war die corrida beendet. Es gab übrigens auch keine mulillas. Die toten toros wurden mit Lastwagen abtransportiert.

Ein espectáculo taurino, welches ins Guinnessbuch der Rekorde gehört. 60.000 Zuschauer, alle waren begeistert und keiner hatte vorzeitig seinen Platz verlassen. Und eins dürfte fest stehen. In keinem Land ausserhalb der wahren mundo de los toros hat es jemals so viel Emotionen gegeben wie in Beirut an diesem tarde de toros. Keine Frage, die drei matadores de toros agierten wie spanische Botschafter im Orient, von denen alle 91 Zeitungen in Beirut lobend berichtet hatten und die Narbe des spanischen matador de toros Julio Aparicio als Symbol der Unsterblichkeit deklarierten. Aber sie sahen die toros auch nicht als so gefährlich an. Die Tageszeitung Oriente beschrieb es folgendermassen: "Die toros seien nicht so wilde Fleischesser wie wir dachten".

Dienstag, 6. Oktober 2015

Stierkampf in Jugoslawien

Selbst in Belgrad wollte man die mundo de los toros zeigen ... live
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von Philip de Málaga



Am 2. und 3. Oktober 1971 veranstaltete man in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad jeweils eine corrida mixta. Dabei war es nicht unbedingt das Ziel, die tauromaquia in jenem Balkanstaat einzuführen, sondern hatte eher den Effekt einer Ausstellung, einer Vorführung, einem Näherbringens jener spanischer Kultur, wo die toros als Teil der iberischen Tradition gelten. Während der corrida wurde dem Publikum über Lautsprecher die einzelnen tercios mit ihren suertes und sonstige Geschehen erklärt. 


Dazu wurde das Fussballstadium von Belgrad in eine plaza de toros umverwandelt. Und an den beiden tardes de toros erschienen immerhin an die 5.000 Zuschauer, welche für die entradas einen doppelt so hohen Preis zahlten, wie für ein Fussballspiel der ersten Liga.

Das cartel war an beiden Tagen dasselbe, lediglich die ganaderías wechselten. Es traten an die matadores de toros Luis Miguel Dominguín und der Franzose Roberto Piles (dem übrigens einen halben Monat vorher, am 12. September 1971, Luis Miguel Dominguín als padrino bei seiner alternativa in Barcelona zur Seite stand) sowie der portugiesische rejoneador Alfredo Conde. Die toros für die erste corrida kamen von der ganadería Carlos Núñez, für das zweite festejo von der ganadería Guardiola.

Luis Miguel Dominguín, Roberto Piles und Alfredo Conde
Die erste corrida begann in einem höchst merkwürdigen Ambiente. Als der Rechtsanwalt Don Manuel Amorós González aus Madrid das festejo eröffnete, begann in den Rängen ein gewisses Murren, weil dass Publikum sich nicht so recht im Klaren war, was es jetzt zu sehen bekam. Sie wussten nur, das jetzt etwas getötet wird. Trotzdem erklang beim paseillo auch einiger Applaus. Und überhaupt, während der corrida zeigten die Zuschauer immer mehr Interesse, man verfolgte aufmerksam das Geschehen und es entwickelte sich dementsprechend eine gewisse Emotion für die toros und toreros beim Publikum.

Der erst toro gehörte Dominguín und meinte es nicht gut mit dem matador. Mit einer voltereta beförderte dieser den torero zu Boden, wo jener ein kurze Zeit lang bewusstlos liegen blieb. Sekunden des Schreckens ging durch die Reihen der Zuschauer, doch dann erhob sich der maestro wieder, und man war erleichtert, Dominguín unverletzt wieder agieren zu sehen. Und je mehr die Jugoslawen diesem Schauspiel beiwohnten, umso mehr konnten sie sich dafür begeistern. So gelang es Luis Miguel Dominguín bei seinem zweiten toro eine gewisse Begeisterung in die tendidos der Fussballarena zu übertragen, auch wenn die meisten nicht wirklich verstanden, was sie zu sahen bekamen, aber mit der Stimmung in den Rängen wurde er mit dos orejas y rabo belohnt.

Am zweiten tarde de toros hatte der matador aus Madrid weniger Glück. Auch hier erwischte Dominguín der erste toro schon gleich zu Beginn beim Beenden einer Serie von verónicas und verwundete seine Hand dermassen, dass er die lidia nicht fortführen konnte und ins Hospital gebracht wurde, wo man seine cornada mit sechs Nähten behandeln musste.

Obwohl sich das Publikum ohne Frage mit den toros anfreunden konnte, gab es nie wieder eine corrida de toros in Jugoslawien. Nun hat sich dort ja auch die politische Landschaft ein wenig verändert.