Freitag, 28. Mai 2010

¡Sí a los toros!

Die pharmazeutische Genossenschaft bekennt sich zum Stierkampf!
Noch bis zum 12. Juni 2010 kann man bei der pharmazeutischen Genossenschaft COFARAN die Ausstellung ¡Sí a los toros! besuchen. Sechs Künstler, Andrés Mérida, Rogerio Abreu, Nacho Alcalá, Juan Charro, Antonio Pastor und David Vaamonde zeigen hier Photografien, Bilder und Skulpturen die ihre Sichtweise der Tauromaquia aufzeigen. Andrés Mérida sagte hierzu der spanischen Tageszeitung SUR, “Das sei kein Anspruch oder eine Forderung sondern eine Bestätigung, was die Welt der Stiere für uns bedeutet. Wir wollen lediglich aufzeigen, dass die fiesta nacional es Wert ist weiterhin fortzubestehen. Die fiesta aus unserer Kultur zu eleminieren wäre das Gleiche, wie die Kunstwerke eines Goyas, eines Picassos oder eines anderen bekannten Künstlers zu ignorieren.” Und fügt hinzu, “Im ruedo sehe ich nicht die Gewalt wie sie andere Menschen sehen. Für mich ist es ein Kampf. In meinen Genen fliesst einiges an taurinischer Kultur. Das ist eine ganz persönliche Sichtweise, und dieses ästhetische Gefühl möchte ich mit meinen Bilder vermitteln.” Er sein ein aficionado de toros aber auch ein aficionado der Kultur. Gerade in diesen Zeiten, wo amerikanische Franchise Projekte und riesen grosse Einkaufszentren den Markt überschwemmen sei es doch mal notwendig ein Zeichen für unsere wahre eigentliche Identität zu setzen.
Diese Ausstellung sei ein “Brindis por la fiesta nacional”, ein “Hoch” auf den spanischen, französischen und portugiesischen Stierkampf.

'SÍ A LOS TOROS'

Künstler: Andrés Mérida, Rogerio Abreu, Nacho Alcalá, Juan Charro, Antonio Pastor und der Franzose David Vaamonde.
Sala de Exposiciones Cofaran: Sede de la cooperativa farmacéutica Cofarán. C/ Prokofiev, s/n. Polígono Trévenez, Málaga
Montag bis Freitags: 10.00 bis 13.30 und von 17.30 bis 19.30 Uhr
Der Eintritt ist frei

Mittwoch, 28. April 2010

Sterben für die Unsterblichkeit

… doch der Tod am Nachmittag muss noch warten!

José Tomás wurde in Mexiko lebensgefährlich verletzt. Viel wurde schon darüber geschrieben. Wer es nachlesen möchte kann dies gerne bei tauromaquia.de (Heute … 2010) tun. Dem brauch ich nicht mehr viel 
hinzuzufügen.





Mir ist am Montag etwas anderes aufgefallen. Ging man zu einem Zeitungsstand konnte man feststellen dass wirklich ausnahmslos auf allen Titelseiten spanischer Tageszeitungen mit einem grossen Foto davon berichtet worden ist. Im Inneren folgten meist mehrseitige Artikel. Das hat es in dieser Form noch nicht gegeben.

Fernsehanstalten und Radiosender berichten regelmässig und im Stundenrhythmus wird das spanische Volk über den Gesundheitszustand des matadores de toros informiert.

Auch in den Tagen danach wird in den Medien mehrseitig berichtet und es werden Parallelen zu den toreros gezogen, die bei einer corrida de toros ihr Leben liessen, wie Joselito (1920), Manolete (1947), Paquirri (1984) oder El Yiyo (1985). Ganz nach dem Motto “Sterben für die Unsterblichkeit”. Doch “la mano de dios”, die Hand Gottes hatte andere Pläne. Denn der banderillero Diego Martínez war der eigentliche Held des Tages. Er presste, als der verwundete matador aus dem ruedo getragen wurde, seine Hand auf die Wunde um noch mehr Blutverlust zu verhindern, und nur deswegen hatte José Tomás überhaupt erst eine Chance zu überleben. Der Tod am Nachmittag muss also noch warten.

Selbst in der Weltpresse wird davon berichtet. Eher neutral oder mit Erstaunen, wie dieser Vorfall Spanien beschäftigt.

Und den Tod den Taurinos – zweiter Teil

Die Tierschutzverbände haben diese Nachricht eher mit Genugtuung aufgenommen. “Die Bestie” so wird José Tomás in antitaurinischen Kreisen genannt, hat es endlich erwischt. Und so können wir von Nathalie Dubois (Pro Tier) vernehmen, dass da sicher kein Mitleid aufkomme.
Es gibt aber auch Kommentare dazu, wie zum Beispiel bei SOS Galgos die irgendwie an den Beitrag Tod den Taurinos erinnern:

“Ich hoffe so sehr, dass dieser nichtsnutzige Torero stirbt !!!”

“B R A V O – für den Stier, leider gibt’s für ihn kein zweites Mal. Hoffe dass es irgendwann einem Kollegen gelingt, diesen primitiven Feigling final zur Strecke zu bringen.

“Ich habe es mir angesehen und ich muss sagen ………………ich habe es genossen. … Lebenslängliche unerträgliche Schmerzen und dann wünsche ich ihm noch dass er Uralt werden soll!

"Hoffentlich wird ihn bald ein Stier töten oder verkrüppeln."

Den taurinos wird von antitaurinos oft das Menschsein abgesprochen, doch sich am Tod oder Leiden eines Menschen zu erfreuen …

Donnerstag, 8. April 2010

Plaza Nostra: Die Mafia der Tauromaquia

Über die bildhaften Phantasien der Tierschützer

Unter Bildern verstehen wir visuelle Darstellungen, die in der Regel beim Betrachter eine gewisse emotionale Reaktion auslösen sollten. In der Kunst mit der Hand gefertigt oder in der Fotografie wie beim Film eine optische Reproduktion der Realität. Einer Wirklichkeit die sich allerdings oftmals als gestaltet darstellt; der Dramaturgie wegen.

So entsteht der Eindruck, dass den antitaurinos in Sachen Stierkampf die rhetorischen Mittel auszugehen scheinen. Und statt zu argumentieren versuchen sie nun mit bildgewaltigen Darstellungen verlorenes Terrain zurück zu gewinnen. Denn, so können wir an verschiedenen Stellen lesen, wie auch in diesem Blog “Una imagen vale más que mil palabras” bzw. in der deutschen Variante bei SOS Galgos “Bilder sagen mehr als Worte”. Fairerweise sollte man hinzufügen, dass sich besagtes Zitat auf die Demonstration in Madrid bezog. Und noch fairer wäre es zu erwähnen, den bildlichen Beweis der 25.000 Personen sind sie nach wie vor einer breiten Öffentlichkeit schuldig.

Und trotzdem entstehen Bilder, Plakate und anderes aufgeputschtes Fotomaterial mit teilweise doch sehr brutalen Sequenzen. Dabei wird geschickt und farblich unterstützt meistens auf das Blut fokussiert. Da kommt einen der Vergleich mit Bildern einer Operation in den Sinn. Solche chirurgischen Eingriffe sind alles andere als appetitlich. Im Gegenteil sogar, sie schrecken eher ab, sich in das OP zu begeben. Und dabei kommt keiner auf die Idee diese Operationen in Frage zu stellen.

Gerne werden auch Holocaustvergleiche genannt. Stierkämpfer seien Massenmörder! Stierzuchten und Stierkampfarenen erinnerten an Konzentrationslager. Erinnern wir uns an die Holocaust-Kampagne von PETA. Zwar ging es hier nicht um den Stierkampf selbst, zeigt aber gut auf, wie solche Aktionen rechtlich in Frage zu stellen sind. Das Motto "Der Holocaust auf ihrem Teller". Auf der linken Seite der Plakate ausgehungerte KZ-Opfer, übereinanderliegend in engsten Bettgestellen, und auf der rechten Seite Hennen in einer Legebatterie und darüber der Schriftzug: „Wo es um Tiere geht, wird jeder zum Nazi“.PETA wollte bewusst die Massentierhandlung mit KZ`s gleichstellen um zu provozieren und um den Betrachter zu schockieren! Die SUEDDEUTSCHE TAGESZEITUNG bezeichnete diese Kampagne als einfach nur schmierig!

Der Zentralrat der Juden in Deutschland hatte 2004 vor Gericht eine Verfügung erwirkt. Paul Spiegel, Präsident des Zentralrats der Juden bezeichnete damals diese Fotomontagen als "menschenverachtend und als eine Beleidigung aller Opfer des Holocaust".

Als im März 2004 Harald Ullmann, der zweite Vorsitzende der deutschen PETA-Sektion, vom SPIEGEL-Reporter Hauke Goos gefragt wurde, warum denn die PETA Kampagne sich auf das Jahr 1938 bezöge, zuckte Herr Ullman nur mit den Schultern. Keine Ahnung, sie hätten die Zahl vom Hauptquartier bekommen. So viel in Sachen zum ethischen Verständnis gewisser Tierschützer.

Auch eine regelrechte Filmbranche ist im Begriff der Entstehung. Antitaurinisches Hollywood. Effektvoll werden Musik und Bild zu dramatischen Sequenzen verknüpft um nur eine Botschaft zu vermitteln: Verbot von Stierkämpfen! Der jüngste Streifen heisst "Die Bestie kehrt nach Santander zurück!" Vuelve la Bestia a Santander!


Da kommt man gar nicht um herum die Frage zu stellen, entsprechen diese Werbekampagnen überhaupt jener Kinderfreundlichkeit, mit der die antitaurinos den Stierkampf an den Pranger stellen? Keiner wird gezwungen Stierkämpfe zu besuchen, aber durch solche Werbemassnahmen wird brutales Bildmaterial einer Öffentlichkeit gezeigt ohne eine jede Altersbegrenzung.

Gerade in dieser Woche bei Menschen bei Maischberger verkündete der Publizist und Dokumentarfilmer Michael Mirsch, dass Tierschutzorganisationen einseitiges Material einsetzen, was der Realität nicht immer oder sogar öfters nicht entsprechen würde.
Fast alle Tierschutzorganisationen sprechen von der Stierkampf-Lobby. Der Mafia der tauromaquia. Skrupellose Promotoren die sich in einer Art Geheimbund organisieren und von dort aus ihre Fäden ausstrecken. Mit ihrem Machtimperium kontrollieren sie alle spanischen Medien, sogar Polizeiangaben sollen beeinflusst worden sein. Prominenz aus Kultur, Politik, Sport und Wirtschaft stehen auf ihren Gehaltslisten und sind gern gesehene Gäste bei den corridas de toros. Und schliesslich wagen sie es, die Macher der Sierkampfszenerie, auch noch Subventionen zu erhalten. Die Stierkampfarena sei eine Plaza Nostra, ein Sündenpfuhl, wo gewalttätige Machos ihren perversen Vergnügen nachgehen können. Natürlich zu Gunsten geldgieriger Mafiosos und auf Kosten armer Lebewesen. 

Mal im Ernst. Sind solche Interpretationen auch nur im leisesten Ansatz haltbar? Sind toreros nicht Schauspieler, Menschen die darstellen? Sind empresarios nicht Veranstalter, Intendanten eines Schauspiels? Personen mit Verantwortung? Einer Verantwortung die in der spanischen Verfassung verankert ist? Sind es nicht auch Steuerzahler? Demokratie ist und bleibt Demokratie, dass sollten auch Tierschützer respektieren!

Kommen wir zurück zum Bild. Das Wort selbst ist vom hochdeutschen bilidi abgeleitet und stand ursprünglich für ein Wunder. Wahrlich, auf ein Wunder können antitaurinos nur hoffen.

Sonntag, 28. März 2010

Doch so viele oder nur so wenig?

Mehr als 2.000 Gegner von Stierkämpfen demonstrierten in Madrid. Muss sich die afición sorgen? Sicherlich nicht!
Der 28. März 2010 sollte der Startschuss einer grossen Kampagne der antitaurinos für ein Verbot von Stierkämpfen werden. Dazu haben sie zu einer Grosskungebung in Madrid aufgerufen. Und damit es der Demonstranten nicht zu wenige werden, haben sie vorsichtshalber mit Bussen ordentlich Unterstützung aus der katalanischen Region in die spanischen Hauptstadt gekarrt. Viele sollten es sein, sehr viele, so viele wie möglich!
Und da ist es nicht verwunderlich, dass auch die Welt der Stierkämpfe sich einen Moment von ihrem Domingo de Ramos mit den Prozessionen abwendete um einen Blick in die Metropole zu werfen. Schliesslich wollte man doch auch wissen, was da auf einen zukommen könnte. Während die taurinos sich fragten, welche Zahl an Demonstranten zum Nachdenken anrege, beschäftigte die Veranstalter eher die Frage nach dem Minimum an Beteiligung um überhaupt irgendetwas in Bewegung setzen zu können. Und schon lesen wir bei der antitaurinisch eingestellten Zeitung Público, dass die Organisatoren eine Beteiligung von an die 25.000 Personen angeben. Um dem nicht zu widersprechen bezifferte man dann im selben Blatt die Beteiligung als “Miles de personas” (Tausende von Menschen), ohne dabei irgendwie konkret zu werden.
Doch die grösste spanische Tageszeitung, EL PAIS sah es nach eigenen Recherchen ein wenig anders. Zwischen 2.000 und 3.000 Demonstranten sollen sich mit Pappschildern bewaffnet und viel Geschrei zur Puerta del Sol begeben haben. Lautstark schrien sie “Esperanza, te gusta la matanza” (“Esperanza, dir gefällt das Gemetzel"), in Anspielung auf Esperanza Aguirre, der Chefin der Regionalregierung von Madrid, die mit als erste Person des politischen Lebens den antitaurinos Kontra bot und verkündete, den Stierkampf zum regionalen Kulturerbe erklären zu lassen. Denn dass die afición es nun wagt ihre afición zu verteidigen, stösst bei den Tierschützern auf allerhöchste Empörung.
Zwei- bis dreitausend Demonstranten! Was sagt uns diese Zahl? Doch so viele oder nur so wenig? Vergleicht man diese Zahlen mit den Zuschauerzahlen von Stierkämpfen in Madrid ist die Erkenntnis eindeutig. In den Monaten Mai und Juni gibt es allein in der plaza de toros von Madrid 36 Stierkämpfe. Bei einer Kapazität von 24.000 Zuschauern käme man auf die stolze Zahl von über 850.000 verkauften entradas. Natürlich, nicht alle Tage sind gut besucht, aber auf eine Zahl kann man sich sicherlich einigen. Denn mehr als eine halbe Million werden es schon sein. Wahrscheinblich an die 700.00'0. Und wenn man dann dieses, man kann ruhig sagen, etwas grössere Häufchen an antitaurinos gegenüberstellt, liegen die Demonstranten bei weit unter einem Prozent. Das ist weder genug noch politisch gesehen irgendwie relevant.
“Nicht umsonst sprechen die Veranstalter von 25.000 Teilnehmern”, erklärt mir ein Freund, “denn mit dieser Zahl wollten sie die 24.000 Zuschauer, die so eine corrida an einem Nachmittag in Las Ventas verfolgen, übertreffen.” Das leuchtet ein. Aber selbst ein solches Ziel scheint in ziemlich weiter Ferne zu liegen; fehlen da noch weit mehr als 85 Prozent!
Man kann die Zahlen drehen und wenden wie man will, man kann vergleichen oder Statistiken erstellen, den Gegnern von Stierkämpfen bleibt nur die traurige Erkenntnis, dass es einfach nicht gereicht hat. Es waren halt nur so wenig! Und die afición erinnert sich irgendwie an das Jahr 1600, wo William Shakespeare die Feder zur Hand nahm und schrieb:

Montag, 15. März 2010

Schlafende Stiere sollte man nicht wecken!

Katalonien: Wenn der Schuss nach hinten losgeht!

Sie haben allen Grund zum Jubeln. Den Champagner könnten sie schon mal kalt stellen. Denn noch nie waren sie, die antitaurinos, ihrem Ziel, einem Verbot von Stierkämpfen in Katalonien, so nahe wie in diesen Tagen. Die abolición de las corridas de toros en Cataluña in greifbarer Nähe. Doch ist es wirklich das, was die Tierschützer eigentlich erreichen wollen?

Erinnern wir uns. Im Jahr 2007 preschten deutsche, österreichische und britische Tierschützer nach Brüssel und forderten ein “europaweites Verbot von Stierkämpfen!”. Nun, Katalonien ist nicht Europa. Und genau genommen wollen die Katalanen nicht mal Spanier sein, welche sich ja als ein Teil Europas verstehen, sogar den Vorsitz führen. Kommt es also zu einem Verbot, können sich die antitaurinos rühmen eine Gebiet überzeugt zu haben, welches 1,4 Prozent der Bürger der Europäischen Union beansprucht.

Um ihr Ziel zu erreichen, liessen sich die Tierschützer vor den katalanischen Karren spannen. Mit politischer Autorität lasse sich vielleicht etwas mehr erreichen. Dachten sie! Doch sie wurden eines anderen belehrt, denn es ging vielmehr um katalanisches Freiheitsdenken als um die Abschaffung der tauromaquia. Das erkannten auch resignierte Tierschützer: “Es geht doch nicht gegen Spanien, sondern um Tierschutz!”, verkündeten sie vor knapp zwei Wochen in der Tageszeitung EL PAIS.
Ihre Hoffnung ein Verbot von Stierkämpfen in Katalonien würde im restlichen Spanien Nachahmer finden wurde enttäuscht. Ein möglicher Dominoeffekt wird definitiv ausbleiben. Im Gegenteil sogar, der Schuss ging nach hinten los, denn Spaniens Regionen wurden so überhaupt erst einmal wach gerüttelt. Bis zu diesem Zeitpunkt sind sie den antitaurinischen Initiativen eher mit nicht all zu viel Respekt begegnet. Sie haben sie nicht einmal zur Kenntnis genommen.
Wie konnten wir damals beim deutschen Internetportal La Tauromaquia lesen? „Ich habe den Verdacht, dass in Spanien die Meinung herrscht, dass die Pyrenäen hoch genug seien, damit kein Brüsseler Gesetz 'drüberweg kommt...". Ob Brüssel oder Tierschützer aus dem Ausland, man nahm sie nicht war. Doch jetzt werden sie langsam zur Plage und schneller als jedem antitaurino recht ist, fahren die taurinos ihre Verteidigungsgeschütze auf. Gleich drei Regionen, Madrid, Murcia und Valencia boten innerhalb weniger Stunden ein eindeutiges Contra. Weitere Region werden sich anschliessen und Spanien wird, wie schon jemand in einem Kommentar in diesem Blog erwähnte zu einer uneinnehmbaren Festung der tauromaquia.

Und während man in Katalonien streitet und die ausländischen Tierschutzportale jubeln, läuft auf der Iberischen Halbinsel die neue Stierkampf-Saison an. Mit nicht wenig Erfolg. Wo auch immer die ersten corridas de toros zu sehen waren, meistens mit einem ¡No hay billetes! – ausverkauft! Da können die Tierschützer nun wirklich nicht von einem Erfolg sprechen.

Mittwoch, 10. März 2010

Von der Sinnlosigkeit eines Boykotts

Um ihr Ziel eines Verbotes von Stierkämpfen zu erreichen fordern Tierschützer gleich zu mehreren Boykotts auf

In der Allgemeinen Erklärung für Menschenrechte vom 10. Dezember 1948 ist zu lesen: “Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.” Dabei findet der letzte Teil, “ohne Rücksicht auf Grenzen” beim Tierschutz sicherlich seine eigene Interpretation.

Um ihr Ziel eines europaweiten Verbotes von Stierkämpfen näher zu kommen, scheint den antitaurinos fast jedes Mittel recht. Gerade am Dienstag dieser Woche konnten wir beim Internetportal von SOS Galgos einen Boykottaufruf spanischer Waren zur Kenntnis nehmen. Als Erklärung heisst es, “das Land steckt in der Krise, das Gesundheitssystem ist schlecht, Kranke warten monatelang auf einen Operationstermin, für jedes “OLÉ” welches man schreit, bleibt ein weiterer Patient ohne Operationssaal und vielen spanischen Familien steht das Wasser bis zum Hals.” Mit anderen Worten, durch den Boykott wird letztendlich dem Patienten geholfen. Dies zu glauben sei einem jeden selbst überlassen.

Die Organisation tierdach.de ruft zum Boykott spanischer Sponsoren auf. Hier wird die Liste allerdings lang (siehe Stierkampf in der Werbung). Besonders bezieht man sich da auf IBERIA, weil sie mit dem torero El Juli werben sowie die Firmen Volkswagen, Cadillac, Renault, Daimler Chrysler, Easy Jet, Jim Beam und Lidl. Auch Bücher und Touristenführer stehen im Schussfeld, die nur andeutungsweise neutral über den Stierkampf berichten.

Die Tierrechtsbewegung Flensburg zielt auf die Reisebranche: Boykott von Reisebüros, Reiseveranstaltern, Hotels und Restaurants. Dabei soll man sich auch die Mühe machen den jeweiligen Institutionen mitzuteilen, warum man deren Dienstleistung nicht in Anspruch nimmt. Die deutschen Organisationen animal 2ooo und die Initiative Anti-Corrida haben per Internet zu einem generellen Tourismusboykott aufgerufen, wie auch die Arbeitsgemeinschaft Tier & Welt von einem konsequenten Boykott der Luftlinien und der Touristikbranche spricht.

Bei Foren zum Tierrechtsdiskurs wird generell gefordert Spanien konsequent zu boykottieren. Dieser allgemeine Spanienboykott findet sich allerdings auch auf anderen Anti-Stierkampf-Portalen.

Vor einem Jahr wurde ich von einer lokalen Anti-Stierkampf-Organisation sogar zu einem Boykott einer Picasso & Goya –Ausstellung in Fuengirola aufgefordert, weil es dort Exponate mit Stierkampfmotiven zu sehen gab.

Diese Aufzählung könnte sicherlich noch unentwegt fortgesetzt werden. Souvenirläden, Kunstobjekte, Museen, Theater und Opernhäuser etc.. Alles sei radikal zu boykottieren. Den Empfehlungen eines Boykotts scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein. Und was ist mit dem Danach? Dem Fleisch der toros nach einer corrida? Den Verzehr auch boykottieren?

Glauben überzeugte Tierschützer wirklich, mit diesen Boykottmassnahmen nur annähernd etwas erreichen zu können? Besinnen wir uns, die Welt der Stiere lebt nicht vom Tourismus (Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus). Auch fügt ein Boykott anderer ökonomischer Betriebe dieser Branche keinen finanziellen Schaden zu. Mal ehrlich, ob nun eine Fluglinie wie IBERIA wirtschaftliche Verluste erleidet, das interessiert aus dem Umfeld der tauromaquia doch wirklich keinen. Und grosse Konzerne wie Daimler, Volkswagen, Lidl und Co. werden bei Umsatzverlusten ganz bestimmt nicht in der Welt der toros die Schuldigen suchen oder gar vermuten.

Freitag, 5. März 2010

Natürlich tut das weh!

In Katalonien wird über den Stierkampf diskutiert. Auch das nationale Interesse ist grösser geworden. Fast alle Tageszeitungen berichten täglich gar auf mehreren Seiten davon. Dabei fiel das Augenmerk eigentlich fast gar nicht auf die Aussagen der taurinos, sondern viel mehr auf die verbalen und emotionalen Geschosse der Stierkampfgegner. Gewiss es gab auch relativ sachliche Anmerkungen wie die des Ethologen Jordi Casamitjana: “Vom ökologischen und zoologischen Standpunkt betrachtet leidet der Stier … und Schuld daran ist die corrida de toros.”  Eine klare Aussage.

Doch als der baskische Philosoph Jesús Mosterín das Wort ergriff, bekam die Debatte eine neue Dimension:  “Wir regen uns darüber auf, dass in Afrika die Klitoris der Frau beschnitten wird,” und fügt an späterer Stelle hinzu, “Die Misshandlung der Frau sei ebenfalls eine Tradition.” Beide Vorgänge sind Verbrechen, kriminelle Handlungen gegen die Menschlichkeit und vor europäischer Gerichtbarkeit. Und auf genau diese Ebene wird die afición von den Tierschützern gestellt.

Politiker reagieren

Aber hier gingen die Tierschützer wohl auch den Politikern auf nationaler Ebene zu weit. Der Oppositionsführer der Partido Popular Mariano Rajoy nahm diesbezüglich gestern beim spanischen Privatsender Telecinco Stellung: “Es sei vollkommen unakzeptabel, das Leiden der Tiere bei eine corrida de toros mit Frauenmisshandlung oder afrikanischen Traditionen wie die Klitorisbeschneidung zu vergleichen.” Die Katalanen wären gut beraten sich doch mehr auf die aktuellen Probleme zu konzentrieren, denn immerhin 600.000 Katalanen sind arbeitslos, und denen sei es relativ egal, was denn mit den toros geschehe. Und wenn überhaupt denken sie bei einer abolición de las corridas de toros en Cataluña eher an weiterer Arbeitsplatzvernichtung.

Auch die Präsidentin der Comunidad de Madrid Esperanza Aguirre reagierte auf die katalanische Offensive. Die tauromaquia “sei eine Kunst die es wert ist zu verteidigen und gehöre seit undenkbaren Zeiten zur spanischen und mediterranen Kultur.” Um den Stierkampf nun in der Region Madrid gesetzlich zu schützen soll im Laufe der nächsten 15 Monate die fiesta nacional zum regionalen Kulturerbe erklärt werden.

Auch aus Frankreich kamen Stimmen. Der sozialistische Politiker   Christian Bourquin kommentierte die katalonische Debatte als “einen Angriff auf die Freiheit und den Respekt zum Pluralismus sowie als Angriff auf eine Minderheit.”

Sind aficionados Kriminelle?

Im September 2008 wurden im deutschsprachigen Forum spanien-talk toreros als Massenmörder bezeichnet. Sogar Hitlervergleiche werden gezogen. Stierkampffans seien Nazis und Päderasten, unheilbar kranke Menschen. Grabschändung eines toreros wird gut geheissen usw.

Der Hass auf die afición geht manchmal so weit, dass wir zum Beispiel bei einem Kommentar bei SOS Galgos im Oktober letzten Jahres lesen konnten: “Den Tieren das Leben - den Taurinos den Tod!”

Wer die Debatte aus einem neutralen Blickwinkel verfolgt wird erkennen, dass die Welt der antitaurinos sehr bemüht ist, die Anhänger der tauromaquia zu kriminalisieren. Obwohl das Recht auf tauromaquia in der spanischen Verfassung verankert ist, wird der afición von den Tierschützern eben nicht nur jenes Grundrecht mit einer Selbstverständlichkeit abgesprochen, nein viel mehr, die ganze Welt der toros wird geradezu kriminalisiert. Als Verbrecher abgestempelt. Veranstalter und Manager sind Mafiabosse, die toreros Auftragskiller und die Zuschauer die Kleinganoven, die Verachteten einer modernen Gesellschaft. Und hier kommt die Frage auf, haben sie, die Tierschützer überhaupt ein Recht dazu? Und wie fühlen wir uns als Teil dieser taurinischen Welt? Uns stimmt dieses wohl eher traurig. Mehr noch. Es tut weh … natürlich tut es weh!

Donnerstag, 18. Februar 2010

Eric Fischl in Málaga

Es sind nur zehn Bilder, eine relativ kleine Ausstellung und trotzdem stösst sie bei den spanischen Medien auf grosses Interesse. Spaniens grösster Medienkonzern die Grupo Vocento (ABC, El Correo, Ideal, Hoy, Que etc), zum Beispiel hat schon mehrere Berichte über die Ausstellung gebracht. Da werden Vergleiche angebracht mit Goya, Tiziano, El Greco und Verlásquez, oder man erkennt eine Effekthascherei wie theatralische Darstellung eines Caravaggio. Auch in den leuchtenden schattenspielenden Flecken erkennen viele einen Manet.
Welche künstlerischen Eigenschaften man auch immer hineininterpretieren mag, für den aficionado ist diese Ausstellung mit Sicherheit ansprechend. Da trägt sicherlich der Umstand bei, dass die sechs grossen Bilder sehr tief aufgehängt sind. Dadurch wird der Betrachter geradezu auf den Boden der Tatsachen versetzt, er begibt sich auf Augenhöhe mit den toreros. Er beobachtet das Geschehen nicht wie die Zuschauer oben von den tendidos sondern vom ruedo selbst oder vom callejón aus. So wird der Besucher zum Teilhaber des Stierkampfes, der corrida goyesca, vom Voyeur zum Mittäter.
Hautnah erlebt er eine Auseinandersetzung zweier Rivalen, dessen Ergebnis im Tod endet, enden sollte. Kraftvoller animalischer Instinkt der am Ende dem eleganten menschlichen Intellekt zu Füssen liegen wird.

Besonders wichtig für Eric Fischl ist das Bild Nummer 4. Es stellt den torero Cesár Rincón dar, der nach einer erfolgreichen estocada dem toro der hier in seinen letzten Lebenssekunden ausharrt, gemächlich den Rücken zukehrt und sich dem Publikum zuwendet. Die Augen des Tieres lassen sich nur erahnen, aber die Haltung verrät eine Mischung aus Traurigkeit und ohne das wirkliche Verständnis was hier eigentlich geschehen ist. Und genau darin liegt das wahre Dilemma eines toro bravo.
Und schliesslich lässt einen der Künstler auch noch an dem persönlich Triumpf des matadores und seiner cuadrilla teilhaben.

ERIC FISCHL
Corrida en Ronda
CAC Málaga
Centro de Arte Contemporáneo de Málaga
29. Januar 2010 bis zum 04.April 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: frei

Donnerstag, 4. Februar 2010

Die Goyesca in Málaga

Die Corrida Paintings von Eric Fischl in der CAC Málaga
Eric Fischl ist 1948 in New York geboren. Seine Kunstobjekte haben voyeuristischen Charakter und spiegeln oft die Momente des “Danach” oder “Davor” wieder. Bekannt wurde er vor allem durch seine Skulpturenserie ten breaths in welcher sich die Pressefotos zu den Anschlägen am 11. September reflektieren. Dabei wurde die Skulptur Tumbling Woman in den Vereinigten Staaten besonders kontrovers diskutiert. Nicht weniger kontrovers sein jüngstes Projekt: Der Stierkampf, Corrida en Ronda.

Ob Goya, Manet, Sorolla oder Picasso, die tauromaquia hat für die Künstler stets eine faszinierende Ausstrahlung. So liess sich Eric Fischl am 8. September 2007 in der Real Maestranza de Ronda bei einer corrida goyesca mit den matadores de toros César Rincón, Francisco Rivera Ordóñez und Cayetano für sein jüngstes Projekt inspirieren. Als Vorlage dienten ihm Fotos, die er während des Stierkampfes aufgenommen hatte.

Eine Grosszahl der Motive beschäftigt sich mit dem Moment des Todes der Stiere. Insbesondere den Sekunden davor. Und trotz der Dramaturgie des Todes bleibt er seiner Linie treu. Er verwendet auffallend leuchtende, gar fröhlich anmutende Farben, die wohl ein mediterranes Lichtambiente vermuten lassen. Dabei konzentriert er sein Augenmerk auf das eigentliche Geschehen, auf die toreros und toros, die er im rötlichen Staub der plaza de toros eintauchen lässt. Vom Publikum, vom Ambiente, von den Olérufen keine Spur. Er lässt alles geradezu hinter einen dunklen barrera verschwinden. Sehr schön zu erkennen, mit welcher Konzentration die Akteure sich dem Stier zuwenden.

Zu sehen sind die sechs grossformatigen Ölgemälde und vier in Wasserfarben gehaltenen im Museum der Modernen Künste in Málaga noch bis zum 4. April 2010.

ERIC FISCHL
Corrida en Ronda
CAC Málaga
Centro de Arte Contemporáneo de Málaga
29. Januar 2010 bis zum 04.April 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: frei
AUSSTELLUNG BEENDET


Mittwoch, 16. Dezember 2009

Wäre es eigentlich schlimm …

… wenn es in Katalonien keine Stierkämpfe mehr gebe?
Das es bei der Thematik der Abschaffung von Stierkämpfen in Katalonien nur noch um Politik als um aktiven Tierschutz geht, ist allen bestens bekannt. Doch stellt sich die Frage, im Falle eines Verbotes, wäre es wirklich so schlimm für die tauromaquia? Würde es eine Kettenreaktion auslösen, und die Iberische Halbinsel zu einem stierkampffreien Territorium verurteilen?
Wohl kaum. Auf den Kanaren gibt es ja auch keine toros, und kein Hand kräht danach. Und gerade mal zwei Paar Hände voll an Stierkämpfen auf katalonischem Boden, würden nicht mal die taurinischen Statistiken irgendwie sichtbar beeinflussen. Und überhaupt, welcher aficionado kommt auf die Idee, sich in Barcelona einen Stierkampf anzuschauen, wenn es nicht gerade José Tomás ist?
Der von den antitaurinos herbei gewünschte Dominoeffekt wird sicherlich ausbleiben. Katalonien, oder besser gesagt, ein gewisser Teil der katalanischen Bevölkerung möchte ja von Spanien nicht mehr allzu viel wissen. Und warum soll nun ausgerechtet Spanien, zum Beispiel eine Region wie Andalusien dem katalanischen Beispiel einer abolición de la tauromaquia folgen?
Auf der anderen Seite könnte man mal nachfragen, ob es denn überhaupt Sinn mache, in Barcelona weiterhin corridas de toros zu veranstalten? Ein mögliche Antwort könnte da lauten: Sicherlich, solange es die dazugehörige afición gibt! Das macht in der Tat Sinn, wenn denn diese afición die Stierkampfveranstaltungen auch finanzierbar macht. Und das gerade die plaza de toros in Barcelona fast nur rote Zahlen schreibt, ist gewiss kein Argument für die Erhaltung der tauromaquia in Katalonien.
Und so lässt eines sich sehr wohl erkennen. Ein “Ja” zum Stierkampf trifft die Tierschützer, die antitaurinos weitaus mehr als ein “Nein” die afición.

Donnerstag, 10. Dezember 2009

… weil es so katalanisch ist!

Ab dem 15. Dezember schaut die Welt der afición und der antitaurinos nach Barcelona. Dort wird abgestimmt, wie es um die Zukunft der tauromaquia auf katalanischen Grund und Boden bestellt sein wird. Das es dabei schon lange nicht mehr um Stierkampf geht, sondern viel mehr um katalanisches Nationalbewusstsein, dürfte auch die Welt der Tierschützer erreicht haben.
So werden Randgruppen zu diesem Thema fast nicht bedacht. Da wäre zum Beispiel die Gastronomie, die sich in der Umgebung der plaza de toros der katalanischen Hauptstadt angesiedelt hat. So verkündet Evangelista García, Eigentümer der Bar La Gran Peña: “Los toros nos dan de comer!” Der Stiere geben uns zu essen! Und in der Tat, sobald es anspruchsvolle Stierkämpfe in Barcelona zu sehen gibt, steigen die Umsätze in den anliegenden Gastronomiebetrieben um ein Vielfaches. Evangelista verkauft an so einem Tag die doppelte Fleischmenge. Auch in der Kebabbude nebenan, werden gut 300 Euros mehr umgesetzt.
Wohlgemerkt, es müssen schon anspruchsvolle carteles sein, und nicht solche Spektakel für Touristen. Denn da wird kaum verdient, weiss Maria, die Geschäftsführerin der Bar Edtih (früher “El Toril”) zu erzählen. Da stürmen Gruppen von Touristen die Bar, einer bestellt sich einen Kaffee, die anderen zwanzig stürmen die Toiletten. Wenn dann aber ein Starmatador wie José Tomás auftritt, brummt das Geschäft. Ein meist elegant gekleidetes Publikum hinterlässt viele Euros für kulinarische Köstlichkeiten.
Das hat auch die südspanische Metropole Málaga erkannt.Während der Feria werden Sondergenehmigungen erteilt, um die Kapazität auf den Terrassen der anliegenden Lokale zu erweitern. Denn in den zwei Wochen sorgen 100.000 bis 150.000 zahlungskräftige aficionados für einen vielversprechenden Umsatz.
Doch in Barcelona wollen sie “Nein” sagen zum Stierkampf. Damit lehnen sie auch die taurinische Gastronomie ab. Schon jetzt gibt es die Lokale wie “Sol y Sombra” oder “El Burladero” nicht mehr (beides jetzt Auto- und Motoradwerkstätten). Und plötzliches gewinnt ein anderes Wort an Bedeutung: Emigration. Denn die taurinische Barkultur muss chinesischen rastros weichen. Die asiatische Antwort auf die Hundert-Peseten-Läden. Billiges Plastik und schlechte Imitationen aus dem Reich der Mitte statt spanischem Kulturgut, statt taurinischem Fundamentalismus. Ist es das, was die Bevölkerung aus Barcelona wirklich will? Wahrscheinlich, weil es ja so katalanisch ist...

Samstag, 14. November 2009

Ich bin gegen Stierfeste!

Ich stehe dazu, ich bin gegen die Willkürlichkeit bei Stierfesten
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von Philip de Málaga

Wenn ich vom Stierkampf rede, meine ich in erster Linie damit die klassische corrida de toros und was dazu gehört. In zweiter Reihe finden sich die novilladas (mit Jungstieren), rejoneos (berittenen Stierkämpfe) und die encierros (Stiertreiben). Also man kann sagen, Veranstaltungen die von professioneller Hand organisiert und durchgeführt werden.

Es begann bei einem Stierkampf in Benalmádena Pueblo, wo mich Freunde mit anderen Spaniern bekannt machten. Da lernte ich auch Carlos kennen, der nach dem letzten novillo eifrig dass weisse Taschentuch schwenkte, um ein zweites oreja für den jungen torero einzufordern. Erstaunt blickte er zu mir. Mein Tuch blieb nämlich in der Tasche. Drei pinchazos y media estocada (vier Tötungsversuche), nein, dafür hat er wirklich keine Auszeichnung verdient, nicht mal eine! Unsere Meinung war offensichtlich verschieden aber er meinte beherzt: ”Que esperabas, ha sido muy entretenido” (Was erwartest du, war doch recht unterhaltsam.). Und genau an diesem Punkt schieden sich unsere Geister. Unterhaltung um jeden Preis, dass kann nicht der Sinn sein. Mein Argumentation, der toro habe nach Ablauf der Zeit ein Recht auf einen zügigen Tot und es sei die Pflicht eines jeden matadores dafür zu sorgen, damit er sich den Titel auch redlich verdient, fand bei meinem Gegenüber offensichtlich nicht die gleichgesinnte Zustimmung. Das sei doch das Schicksal eines jeden Stieres. Hierfür werden sie ja gezüchtet. Hierfür leben und sterben sie.

Ich frage nach. Carlos kam aus einem Dorf in Jaén und da leisten sie sich jedes Jahr einen Stier, den sie durch die Straßen treiben, und ein jeder der Bewohner kann auf welche Weise auch immer seinen Mut beweisen. Das dabei, Messer, Gabeln und ähnliches Werkzeug zum Einsatz kommen, nun, dass sei schon immer so gewesen.

Für solche Feste sind meistens gewisse Brüderschaften oder peñas taurinas verantwortlich, die diese das ganze Jahr über vorbereiten, dafür sparen und schliesslich sie auch organisieren. Dieses Jahr, verkündete Carlos in geradezu stolzer Haltung haben sie sich einen echten toro der Zucht Domecq leisten können. Den Stierzüchtern kommen solche Veranstaltungen gerade recht, denn sie können auf diese Weise ihre für corridas und novilladas nicht tauglichen Stiere trotzdem an den Mann bringen.

Solche Veranstaltungen gibt es in Spanien immer noch in zahlreichen Gegenden, meistens in Dörfern, und die Zahl der misshandelten Stiere geht in die Tausende. Fiestas, wo die Stiere der Willkür des Volkes ausgesetzt sind, finden auch in den Reihen der afición eine gewisse Ablehnung. Da werden, meist junge Tiere in die Straßen gelassen und sind einem puren Despotismus der Menschen gnadenlos ausgesetzt. Ob mit Feuer, Messerchen, Steinen, Teer, Stöcken oder was auch immer, dem Ideenreichtum für die dem toro schmerzufügenden Utensilien scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.

Toro Júbilo de Medinaceli (Soría), der Toro de Coría (Cásares) oder der Toro de la Vega in Tordesillas (Valladolid) sind wohl die grausamsten Beispiele für solche Stierfeste. Feste? Wo liegt hier das Fest? Wo befinden sich Eleganz, Anmut und Disziplin? Wo bleibt der Respekt gegenüber dem Wesen Stier? Dominanz findet hier eine ganz andere Bedeutung. Nicht Kontrolle sondern Erniedrigung. Auch wenn der Stier zum Tode bestimmt ist, hat er Würde verdient. Doch bei diesen Festen wird den toros bravos genau jene Ehrerbietung vorenthalten. “Öffentliches Massakrieren” käme diesem wohl näher als jede Interpretation der tauromaquia. Ein Opferritual in seiner hemmungslosesten Form.

Das mit dem Opfer ist nicht mal so weit hergeholt. In Coría erzählt man sich die Geschichte, dass es vor ziemlich langer Zeit mal ein Brauch gewesen sein soll, einen Burschen zu opfern. Dieser Opfervorgang musste wohl zu einer brutalen Unterhaltung des Dorfes ausgeartet sein. Als das Los nun einen Jungen einer reichen Witwe traf bot sie der Stadt ihre Stierzucht an, im Gegenzug zum Leben ihres Sohnes. Die Stadtväter schlugen ein, und organisieren seitdem die Stierfeste. Zwar nur eine Anekdote, sie zeigt aber auf, mit welcher inneren Einstellung die Spanier diese fiestas angehen.

Es erinnert mich an den Ausspruch von König Philipp II von Spanien aus dem Jahr 1567: “Den Spanier liegen die Stiere im Blut!” Und zu Recht können Tierschützer dem entgegensetzen, wenn den Spaniern die Stiere im Blut liegen, warum müssen dann die Stiere dafür bluten?



Samstag, 7. November 2009

Ein seltsames Argument! Nur noch ein Drittel?

Nur noch …
Gerade heute können wir es  bei der Welt Online lesen: “Nur noch ein Drittel der Spanier kann dieser Fiesta etwas abgewinnen”. Die Neue Züricher Zeitung sieht es ähnlich: “Nur noch knapp 30 Prozent der Bevölkerung können der Fiesta etwas abgewinnen”. Auch in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bezieht man sich gerne auf die Gallup-Umfrage, wonach es nur noch 27 Prozent an aficionados zu geben scheint und stellt fest: “Noch nie gab es so wenige Zuschauer”.

… ein Drittel?

Also nur ein Drittel stehen zur tauromaquia? Stellen wir fest, dass selbst die Tierschützer den Anteil der Spanier, die den Stierkampf befürworten zwischen 25 und 35 Prozent ansiedeln. Rechnet man dieses um, sind das immerhin zwischen 11 und 16 Millionen Menschen. Und da reden sie allen Ernstes von einer Minderheit? Gut, in der Volksrepublik China könnte man es so sehen, aber doch nicht in Spanien. 

Nur ein Drittel? Ist das wirklich ein Argument?

Wagen wir einen Vergleich: Die Bundesliga kommt auf etwas mehr als 13 Millionen Zuschauer. Disneyland in Paris kommt auf 15 Millionen Besucher. Die öffentlichen deutschen Theater zählen durchschnittlich im Jahr ca. 19 Millionen Besucher. Letzteres sind lediglich an die 23 Prozent der Deutschen und auch in ihrer Anzahl kleiner als die afición. Trotzdem käme keiner auf die Idee diese Veranstaltungen und Kulturgüter wegen der Feststellung, “nur noch ein Drittel oder gar weniger an Besuchern”, irgendwie auch nur andeutungsweise in Frage zu stellen.

Aber beim Thema Stierkampf scheinen sich diese Betrachtungen auf wunderbarerweise den eigenen antitaurinischen Interessen anzupassen.

Sonntag, 1. November 2009

Das Ende der Stierkämpfe

Wie soll das gehen?

Nehmen wir mal an, es würde den Tierschützern gelingen einen solchen Einfluss auf die Politiker zu bekommen, um eine Abschaffung der Stierkämpfe zu bewirken. Was würde eine abolición de la tauromaquia, sagen wir mal im nächsten Jahr bewirken?

Denn ein solches Verbot wirft zunächst folgende Fragen auf:

  • Welche alternativen Jobmöglichkeiten werden den bis zu 150.000 Arbeitslosen angeboten?
  • Welche Perspektiven werden den Stierzüchtern in Aussicht gestellt?
  • Welche Maßnahmen werden zum Schutz des ökologischen Gleichgewichts in Andalusien in die Wege geleitet?
  • Welche Schritte werden zur Erhaltung der "Kampfstierrasse", des toro bravo unternommen?
  • Wie wird der ohne Frage ruinierte Wirtschaftszweig entschädigt?
  • Wer kommt für den finanziellen Ausgleich auf? Spanien? Europa?

Fragen aber fast keine Antworten.

Was sagen die Tierschützer?

Fragt man einen antitaurino, wie er sich die Abschaffung von Stierkämpfen vorstelle, und mit welchen wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Konsequenzen zu rechnen sei, wird man angeschaut als ob man von Marsmännchen erzähle. Tierschützer fordern bekanntlich die totale Abschaffung von Stierkämpfen in Europa. Aber über die möglichen Konsequenzen für die betreffenden Länder (Spanien, Frankreich und Portugal) haben sie wohl dabei noch nicht nachgedacht. Ist ihnen nicht mal in den Sinn gekommen. Jüngst nahm Sandra B. aus Marbella, eine überzeugte antitaurina, wie folgt Stellung: “Die haben das ganze Leben lang Stiere gequält, damit sehr viel Geld verdient, und da geschieht es ihnen nur recht, wenn sie jetzt selbst dafür zahlen müssen”. Kann man den Meinungen einiger Tierschützer glauben schenken, so sollen die Geschädigten sich selbst überlassen werden. Und ob das eine demokratische Alternative ist, sei mal dahingestellt.

Und was meinen die Politiker?

Auf nationaler Ebene fürchtet man am Beispiel von Spanien bei einem Stierkampfverbot vor allem zwei Dinge. Erstens: Spanien steuert eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent an. Da können sie so einen weiteren Brocken von bis zu 150.000 joblosen Personen nun wirklich nicht mehr gebrauchen. Zum anderen ist der Stierkampf nach wie vor zu populär. Das erkennt auch der sozialistische Regierungspräsident Rodriguez Zapatero, der nach verschiedenen Vorstössen durch seine Partei schliesslich seine Mannen zurückpfiff und in der Tageszeitung ABC verkündete, dass der Staat “no tiene ninguna intención de hacer nada contra los toros”, also nicht die Absicht habe, gegen den Stierkampf vorzugehen. Das Wählerpotential unter der afición sei einfach zu groß.

Auf europäischer Ebene sieht es ein wenig anders aus. Dort herrscht keine Furcht vor Wähler-Verlust. Allerdings scheinen die 785 Abgeordneten nur recht einseitig von den Antragstellern informiert worden sein. Obwohl einige Vertreter aus der Stierkampfszene für wenige Tage beim Parlament präsent waren, um ihre Welt der toros zu vertreten hat es eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Konsequenzen wohl nie gegeben. Verschiedene Schreiben an die Abgeordneten wurden im Sinne der tauromaquia sehr oberflächig gar unbefriedigend beantwortet: "Angesichts der Folgen, die sich bei einem Verbot der Stierkämpfe ergeben würden, ist es natürlich zu bedauern, dass so viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Allerdings steht der Schutz des Arbeitsmarktes nicht über allen Gütern." Oder:
"Auch wenn ich prinzipiell ein Verfechter des Subsidiaritätsprinzips bin - insbesondere wenn es den Bereich der Kultur betrifft - so besteht doch Handlungsbedarf seitens der EU, wenn Mitgliedstaaten nicht vertragskonform handeln. In diesem Fall können auch wirtschaftliche Gründe nicht geltend gemacht werden." Schliesslich: “Wir danken Ihnen für den Hinweis. Ich muss zugeben, mir darüber noch keine Gedanken gemacht zu haben. Ich werde es aber im Arbeitskreis anregen”. Mit anderen Worten, auch Europa ist auf eine mögliche abolición de la tauromaquia so gar nicht vorbereitet.

Aber eines dürfte klar sein. Ein Ende der Stierkämpfe wird Europa sehr viel Geld kosten. Und ob diesen Aufwand die Bürger der Europäischen Union bereit sind zu leisten, steht auf einem anderen Papier.

Und was machen dann die Stierkämpfer

Bei einer Abschaffung von Stierkämpfen werden bis zu 150.000 direkte wie indirekte Arbeitsplätze vernichtet. Eines der Probleme der ungefähr 70.000 direkt Involvierten ist, ein großer Teil hat nichts anderes gelernt, als die Welt der toros. Sie benötigen nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern sie müssten erst einmal umgeschult werden. Ein teures Vergnügen für den Staat.

Über die Perspektiven der Züchter

Ein Anfrage bei dem Verband der Stierzüchter, dem Departmento de Comunicación de la Union de Criadores de Toros de Lidia, kurz UCTL, wie sie im Falle einer abolición de la tauromaquia ihre Zukunft sehen, fand zügig eine Reaktion: “Muy negativamente en el ámbito de empleo y muy negativamente en cuanto al mantenimiento de las explotaciones agropecuarias y lo que esto implica en sostenibilidad en condiciones óptimas de la dehesa, lugar donde se crían los animales”. Weder für die Mitarbeiter noch für die landwirtschaftliche Entwicklung lägen interessante Perspektiven ja nicht mal akzeptable Alternativen vor. Das Problem, man könne eben nicht von heute auf Morgen auf Massentierhaltung umstellen, damit es sich finanziell lohnend auswirkt. Auch wären die so genannten dehesas, die Weiden der Kampfstiere dafür vorerst nicht geeignet.

Fazit

Weder Tierschützer noch Politiker haben irgendeine Vorstellung davon, wie man denn im Sinne aller Beteiligten eine Abschaffung von Stierkämpfen europaweit realisieren könnte. Mehr noch, es gab nicht einmal sondierende Gespräche dazu. Und solange antitaurinos weiterhin die afición dermassen verbal beschimpfen, ihr “Menschsein” abwerten, wird es eine solche Annährung nicht so schnell geben.

Dienstag, 27. Oktober 2009

Armut wegen Stierkampf?

Subventionen auf dem falschen Weg? So sehen es die Tierschützer

Es scheint nur verständlich, dass Tierschützer auch mit menschlichen Argumenten versuchen zu punkten. So reden sie häufig von einer Stierkampf-Mafia die Millionen verdient, oft auch wegen der Subventionen, und dass man mit diesem Geld wohl viel nützlichere Dinge anstellen könnte. Gerade in der letzten Woche wurde im Beitrag Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus! ein Kommentar darüber geschrieben: “Die Subventionen in Millionenhöhe für die Tauromaquia sollten besser dem spanischen Bürger zufliessen und nicht einigen wenigen Bonzen der Tauromafia”. Und weiter heisst es: “Mit all diesem Geld könnte man in Spanien Krankenhäuser modernisieren oder neu bauen, man könnte genügend ärztliches Fachpersonal bezahlen.” Von Klaus M. aus Bocholt erhielt ich ein Mail mit unter anderem folgendem Inhalt: “Es scheint mir unerträglich, dass es in diesen Zeiten in Europa immer noch so viel Armut gibt. Und statt die Gelder in solche modernen Gladiatorenspiele der Neuzeit, wie den spanischen Stierkampf zu verschwenden, sollte man sich um die Bedürftigen kümmern”. Öffentliche Gelder für Stierkämpfe, dass erzürnt wohl einige Gemüter.

Ungerechtfertigte Gehälter?

Die Zweifel, dass ein José Tomás bei seinem letzten Auftritt angeblich 400.000 Euros erhalten haben soll habe ich ja schon im Beitrag Wenn Wohltätigkeit weh tut! dargestellt. Aber wenn es so gewesen wäre, ist nicht nachzuvollziehen, warum dieses als “nicht vertretbar” interpretiert wird.

Ein berühmter matador de toros verdient im Verhältnis zu anderen Stars aus Sport und Showgeschäft relativ wenig. Es sind vielleicht gerade mal an die zehn toreros, wenn überhaupt, die da pro Auftritt 100.000 Euros oder mehr verdienen. So ein Stierkämpfer muss, gleichwie ein Fussballer, seinen möglichen Triumpf über Jahre hart erarbeiten. Und nur sehr wenige haben es auch wirklich geschafft.

Prioritäten oder schlechtes Gewissen?

Den Übel dabei sehen die Tierschützer wohl im Publikum. Würden diese nämlich ihre Gelder nicht zu den plaza de toros bringen, würde man der so genannten Stierkampflobby die Fundamente entziehen. Also will man den Besuchern, oder möglichen Besuchern ins Gewissen reden, sie informieren, welche Armut es auf der iberischen Halbinsel gibt. Sollte man das wirklich tun?

Jüngst sass ich mit Geschäftspartnern in einem gehobenen Lokal. Die Speisen waren köstlich genauso wie die Rechnung: Fast zweihundert Euros. Schließlich meinte Don Pedro: “Mit dem Geld hätten wir auch für ein halbes Jahr die Patenschaft von einem Kind oder von sechs Kindern für einen Monat übernehmen können”. Ein anderer rechnete weiter: “Und wenn man das umrechnet wären es insgesamt so zwischen 400 und 600 Speisen”. Wir stimmten zu und diskutierten über diese Thematik. Ist es nicht so, dass fast alles was wir machen, so wie wir leben, auch bei aller Bescheidenheit, im Vergleich zu restlichen Welt purer Luxus ist? Da könnte man hinterfragen, nur weil es so viel Elend gibt, sollte man zum Beispiel die besseren Lokale meiden? Nicht mehr bei Hermés einkaufen gehen oder BMW fahren? Darf man seinen kulturellen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden? Sicherlich nicht. Es sollte einem jedem selbst überlassen sein, nach ethischen oder religiösen Werten seine eigenen Prioritäten zu setzen, und sich nicht von Bestimmungen durch Dritte bevormunden zu lassen. Wohlgemerkt, in unseren Breitengraden jedoch unter Anerkennung demokratischer Werte und gesetzlichen Vorgaben.

Was sagt die Wirtschaft dazu?

Nicht alle Stierkampfarenen fahren kostendeckend oder gar gewinnbringend. Zum Beispiel Barcelona, Córdoba und Granada. Hier geht es in erster Linie um die Erhaltung der Tradition der tauromaquia.

Das trifft auch für Stierkämpfer zu. Ein Grund warum sich unter den banderilleros, den so genannten Hilfsstierkämpfern, zahlreiche gescheiterte matadores de toros oder novilleros befinden. Wie oben schon beschrieben, nur wenige schaffen den finanziellen Durchbruch und das gilt auch für viele empresarios.

Aber trotzdem ist der Stierkampf ein gewinnbringendes Geschäft. Direkt wie indirekt werden in Spanien Millionen an Euros umgesetzt. Und in Zeiten der Krise, die natürlich auch die tauromaquia eingeholt hat, scheint es nicht sehr sinnvoll, gerade jetzt einen funktionierenden kompletten Wirtschaftszweig einzustampfen.

Dienstag, 20. Oktober 2009

Doch kein Tod den Taurinos?

Kommentar auf SOS Galgos gelöscht.
Kaum einer meiner Beitrage erlebte so zahlreiche Reaktionen wie Den Taurinos den Tod! Er bezog sich auf einen Kommentar zum dem Artikel Spanien, ein Spanien, ein Land gewaltätiger Machos, wo der “Wunsch ausgesprochen” wurde : “Den Tieren das Leben - den Taurinos den Tod!” auf dem Internetportal SOS Galgos. Diese Äusserung empörte nicht nur taurinos, sondern auch aus den Reihen der Tierschützer kamen kritische Stellungsnahmen. SOS Galgos hat reagiert und diesen Kommentar gelöscht.
Interessant dabei zu beobachten wie die einzelnen Statements ausgefallen sind. Nicht mehr der Stierkampf selbst war das Thema, sondern es ging eher um Umgangsformen miteinander. Verständlich und menschlich zugleich. Wenn wir nicht mehr in der Lage sind zu kommunizieren ohne uns gegenseitig zu beschimpfen, werden wir nie etwas erreichen.
Tierschutz ist sehr wichtig!
Ich gebe es gerne zu. Das Elend der Menschen auf dieser Erde hat für mich Vorrang. Trotzdem finde ich Tierschutz sehr wichtig, gerade heute und hier in Spanien. Mein Bedenken dem übereifrigen Tierschutz gegenüber zeigt sich in jedoch folgender Darstellung. Wenn ich einem vielleicht fanatischen Tierschützer zwei Fotos zeige, eines mit einem ausgemergelten Hund aus Andalusien und ein zweites mit einem verhungerndem Kind in Afrika und frage, welchem Wesen würdest du helfen wollen, hätte ich die Befürchtung dass dieser sich ohne zu zögern für den andalusischen Hund festlegen würde. Und diesen Punkt sehe ich halt anders. Prioritäten werden hier wohl differenziert gesetzt. Und deshalb fand ich es unmöglich, das die Spende eines José Tomás in der Dreck gezogen worden ist.
Meinungsverschiedenheit auch bei den Tierschützern?
Selbst unter den Tierschützern steht der Stierkampf an einer der letzten Stellen. Der letzte Versuch mit der Schriftlichen Erklärung beim Europäischen Parlament im Mai 2007 hat es eindeutig bestätigt. Nur 51 Prozent der tierschützenden Parlamentarier unterschrieben den Antrag für ein europaweites Verbot von Stierkämpfen. Dieses veranschaulicht wie kontrovers das Thema der tauromaquia auch in den Reihen der Tierschützer gesehen wird.

Sonntag, 18. Oktober 2009

Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus!

Trägt der Tourismus die Schuld am Weiterleben der Stierkampfe? So sehen es die Tierschützer!

Wenn PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) die wohl grösste Tierrechtorganisation der Welt in die Tasten haut, scheinen die Worte für den restlichen Welt der Tierschützer als geschriebenes Gesetz zu gelten.

So können wir bei PETA nachlesen: “Einer der größten Befürworter der Stierkämpfe ist die Tourismusbranche”, und bei peta-kidsTouristen halten die Stierkämpfe am Leben, indem sie Stierkämpfe besuchen”. Und schon übernehmen es andere Organisationen wie zum Beispiel der Deutsche Tierschutzbund der in einem Schreiben darauf hinweist: “Eine entscheidende ökonomische Basis für das Fortbestehen des Stierkampfes ist der Tourismus”. Oder der Verband Schweizer Tierschutzorganiosationen: “Leider gilt der Tourismus als grösster Stierkampf-Promoter und viele Touristen lassen sich noch immer beschwatzen”. Schliesslich wird bei tierdach.de festgestellt: “Der Touristenmarkt ist hingegen das "Lebensblut" der Stierkampf-Profitmacher”. Da stellt sich doch die Frage, glauben die eigentlich selbst was sie da schreiben?

Die Fakten!

Im August diesen Jahres besuchten die Stierkämpfe in Málaga an die 165.000 Zuschauer. Ich fragte nach und José Luis winkte ab, “Nicht mal ein halber Prozent seien ausländische Touristen! Und wenn überhaupt sind es Studenten der Sprachschulen aus Málaga”. Bleiben wir in der Provinz, und kommen nach Ronda, der Wiege des Stierkampfes. Auch bei der berühmten corrida goyesca keine Touristen, denn hier kommt man nur mit Vitamin B oder einem Campingzelt vor dem Verkaufsschalter an Eintrittskarten. Ebenfalls in der spanischen Hauptstadt sind es laut eines mir bekannten Reiseführers gerademal eine Handvoll: “Von den Touristen aus meinen Reisegruppen sind es keine 5 Prozent die für Stierkämpfe ein gewisses Interesse zeigen”. In den anderen Metropolen wie Valencia, Zaragoza, Bilbao, Sevilla, Murcia, Granada, Valladolid zeigt sich kein anderes Bild: Die tendidos voller Spanier! Das Internetportal La Tauromaquia ist davon überzeugt, “dass der Touristenanteil bei den novilladas und corridas de toros (im Durchschnitt für ganz Spanien) einen ein- bis zweiprozentigen Anteil der Zuschauer nicht übersteigt”. Selbst die vielen Veranstaltungen auf dem Land, in den Dörfern, werden nur mal eher zufällig von ausländischen Reisenden aufgesucht.

Gewiss, es gibt Plaza de toros, die vor allem in den Sommermonaten, gezielt den Tourismus ansprechen. Zum Beispiel Mijas oder Benalmádena. Aber auch diese Veranstaltungen werden von recht wenigen Touristen besucht, einfach deswegen, weil man für überteuerte Eintrittsgelder (in der Regel 50 bis 100 Euros) wenig zu sehen bekommt: “Viele Touristen scheuen sich diese Geldsummen auszugeben, um dann etwas zu sehen was ihnen eventuell gar nicht gefallen wird. Und darum binden wir eine kurze Flamenco-Vorführung in unser Programm mit ein”, so Paco aus Benalmádena. Diese Extra-Vorstellung wird auch auf den Plakaten mit angekündigt: TOROS Y SHOW FLAMENCO. Hinzu kommt die Tatsache, dass spanische Einheimische oft kostenlos Zugang erhalten, um jene Touri-Arena überhaupt mit ein wenig Leben zu füllen. Aber solche Plaza de toros gibt es nicht viele.

Fazit

Man kann wohl feststellen, dass der Anteil an ausländischen Touristen bei Stierkämpfen mit Sicherheit keine drei Prozent betragen dürfte. Mit großer Wahrscheinlichkeit weniger. Und trotzdem wird von Tierschützern einfach behauptet, dass die Urlauber die Schuld an der Fortsetzung dieser in ihren Augen blutigen Tradition tragen. Es entzieht sich einer jeden Logik, warum die antitaurinos der breiten Masse suggerieren wollen, nur der Tourismus mache den Stierkampf möglich. Diese Aussage entspricht einfach nicht der Realität. Denn die sieht definitiv anders aus: Den Stierkampf gibt es nicht für den Tourismus, sondern trotz des Tourismus.

Freitag, 16. Oktober 2009

Wenn Wohltätigkeit weh tut!

Eine 200.000 Euros Spende verärgert die Tierschützer
Da spendet der matador de toros José Tomas 200.000 Euros für 13 gemeinnützige Organisationen in Katalonien und sagt dazu: “Zu können was einem am meisten gefällt und das Leben erfüllt, um Menschen zu helfen die es wirklich brauchen erfüllt einen mit einer gewissen Befriedigung.” Und sich auf den Stierkampf beziehend äussert er: “Ich schulde Barcelona viel, und das ist meine Form zurückzuzahlen was man mir gegeben hat”. Doch die Tierschützer sehen es anders. Da ist die Rede von Heuchelei, an anderer Stelle schreiben sie von einem Akt der Peinlichkeit. Auch in diesem Blog hiess es in den Kommentaren: “Ach ja, macht Euch aber keine Sorgen,solange Starmatadors wie Jose Tomàs, heuchlerische Wohltätigkeitsspenden macht,um in Katalonien sich den Stierkampf zu erhalten,werdet Ihr bestimmt nicht auf den Stierkampf verzichten müssen in den nächsten Jahren!” Der Tierschützer José Ortega Fraile sieht darin den verzweifelten Versuch den Stierkampf in Katalonien am Leben zu erhalten. Und um diese Spende abzuwerten, schreibt er, dass es ja eh nur der halbe Betrag von dem gewesen sei. was José Tomás beim letzten Auftritt in Barcelona verdient hat. Das könne sein Konto leicht verschmerzen.
400.000 Euros für José Tomás?
Da kommen einem wohl berechtigte Zweifel auf. Zum einen ist bekannt, dass der Betreiber der La Monumental, die Familie Balaña, schon seit Jahren mir der Stierkampfarena rote Zahlen schreibt. Da ist es zu bezweifeln, dass nur einem matador de toros diese hohe Summe ausgezahlt worden sei. Denn, und jetzt kommen wir zum zweiten Punkt, wenn in Madrid, mit 23.500 Sitzplätzen die grösste Stierkampfarena Europas, bei vollem Hause 435.000 Euros einspielt, dann wird wohl die La Monumental mit über 5.000 Plätzen weniger nicht einen ähnlichen Betrag erlangen. Wahrscheinlich dürfte er so um 350.000 Euros liegen. Und dass die gesamten Einnahmen einem José Tomas ausgezahlt worden sind, ist eher unwahrscheinlich, denn schliesslich galt es Kosten zu decken, wie das Personal und die beiden anderen matadores de toros mit ihren kompletten cuadrillas gab es sicherlich nicht gratis dazu. Es zeigt auf, wie unseriös der in 20minutes verfasste Artikel von José Ortega Fraile gehalten ist.
Dürfen Taurinos nicht sozial tätig sein? 
Diese Frage stellt sich in der Tat. Dürfen in den Augen der Tierschützer die Stierkämpfer und deren Anhängerschaft nicht wohltätig aktiv werden, ohne den Vorwurf der Heuchelei? Nur weil die afición zu ihrer Leidenschaft steht, sollen sie zu Kriminellen, Mördern oder sonstigen Verbrechern abgestempelt werden? Dürfen gar ihren Mitmenschen nicht mehr helfen? Mit allem Respekt, wenn antitaurinos nun propagieren, dass gemeinnützige Taten der afición nicht vertretbar seien, was soll man da noch sagen. Kindern nicht zu helfen, weil der Tierschutz es so will? So gesehen gewinnen wir eine neue Betrachtungsweise über den Tierschutz.