Montag, 16. Dezember 2013

Colin Ernst: 10 Fragen 10





mit Colin Ernst


Seit Januar diesen Jahres gehört Colin Ernst zum Team von SfA. Mir ihren Fachkenntnissen, vor allem aus der mundo de los toros, mit ihrer Erfahrung über die toros und den ganaderías konnte sie viele Leser überzeugen. Sie kann nicht nur mitreden, sie kennt sich aus, weiss Bescheid wie es den Tieren geht und noch mehr, wie man mit ihnen umzugehen hat. Heute stellt sie sich den 10 Fragen 10:


1.Wie würdest Du am besten die derzeitige Krise geradebiegen?

Sparen, nicht über seine Verhältnisse leben und neue Ideen entwickeln.

2. Dein Lieblingsrezept?

In der deutschen Küche ist Grünkohl und Sauerbraten mein Favorit in Winterzeiten. In der spanischen Küche mag ich cabrito al horno und im Sommer ein bocadillo mit lechuga cebolla y atun

3. Dein Traum-cartel?

Manolete, Morante und Enrique Ponce

4. Bist Du ein Freak von etwas?

Alles was mit toros und toreros zu tun hat, interessiert mich brennend.

5. Was stört Dich am meisten?

Wenn man mir frech ins Gesicht lügt und glaubt ich hätte es nicht gemerkt.


6. Welche Zeichentrickfilme gefallen Dir am besten?

Alte Walt Disneys, wie Aristocats, oder aktueller Ice Age

7. Ein Bekenntnis?

Wenn toreros, die ich persönlich kenne, eine corrida haben, bin ich wahrscheinlich nervöser als sie selbst.

8. Was scheint Dir lächerlich?

Wenn sich jemand größer macht als er ist.

9. Wie rufen sie Dich?

Ich habe keinen Spitznamen.

10. Was hat Dir selbst in dieser temporada gefehlt?

Mehr indultos und mehr Möglichkeiten corridas zu sehen, sei es live oder im TV.




Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (3. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
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Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein


Costillares
Während der Regentschaft Karls des Dritten wurde Joaquín Rodríguez 'Costillares' zur wichtigsten Gestalt im Stierkampf und setzte die andalusische tauromaquia durch, wobei er die toreros des Baskenlandes und aus Aragón in den Schatten stellte. Die endgültige Niederlage jener toreros trat ein, als Pamplona und Zaragoza es vorzogen eher Costillares oder Pedro Romero unter Vertrag zu nehmen als sie. Von diesem Zeitpunkt an war die lidia Nordspaniens, die auf dem recorte a cuerpo limpio und auf Verwegenheit beruhte, verbannt auf das Stierlaufen in den Straßen und zu den fiestas populares, wo es bis heute überdauert. Und diese altertümliche Form des toreo wird zweifelsohne seine Fortsetzung in der Zukunft finden, vorausgesetzt dass die Europapolitiker und die Stierkampfgegner einwilligen es hinzunehmen.
Pedro Romero
Die Andalusier waren obenauf. Im Jahre 1789 wurde zur feierlichen Thronbesteigung Karls des Vierten ein cartel aus jenen Dreien aufgestellt, die die Pracht des 18. Jahrhunderts darstellten - Costillares, Hillo und Pedro Romero. Zu diesem Zeitpunkt waren die norteños nichts wert.
Nichtsdestotrotz nahmen die Andalusier, um dem Publikum zu gefallen, die spektakulärste und kühnste suerte der Nordspanier auf - die banderillas, die nun auch Teil ihres Repertoires wurden. Oder eher, des Repertoires ihrer cuadrillas, denn einer der Gründe, warum die Andalusier gegenüber den norteños die Oberhand gewannen, war, dass sie organisiert waren und die norteños nicht. Die Nordspanier hatten ein absolut anarchisches Konzept der lidia, bei dem sie zu jedem beliebigen Zeitpunkt einschreiten konnten um suertes auszuführen, in denen sie spezialisiert waren, jede Form von Hierarchie missachtend. Die Andalusier waren organisiert in Mannschaften, zu denen picadores gehörten, die die lidia mit der Herabsetzung der Stärke des Stiers begannen, und Assistenten zu Fuß, denen bald die Aufgabe übertragen wurde die banderillas zu setzen, während der Leiter der lidia durch seine Arbeit mit der capa und der muleta hervorstach, und durch das Töten des Tieres. Hier war sie, die moderne Gliederung der lidia, erdacht von Francisco Romero, im Überfluss praktiziert von Costillares, Hillo und Pedro Romero und 30 Jahre später in eine endgültige Abfolge gebracht von Paquiro.
Die suerte de banderillas ist wohl die suerte, die sich am wenigsten weiterentwickelt hat. Während die verónica von Costillares sehr wenig Ähnlichkeit mit derjenigen von Rafael de Paula hätte, so wäre ein Paar banderillas von El Licenciado de Falces wenig anders als eines ausgeführt von El Fandi. Die suertes, die sich am meisten verändert haben, sind diejenigen, bei denen man stillstehen muss. Bei suertes, bei denen Bewegung erforderlich ist, gibt es weniger Gelegenheit zu experimentieren und so haben sich solche suertes weniger entwickelt. Warum ist das der Fall? Vielleicht deswegen, weil, wenn man sich bewegt, es viel schwieriger ist den Angriff des Stiers zu kontrollieren und deshalb technische und ästhetische Fortschritte weniger wahrscheinlich vorkommen.
El Gordito
Victor Pérez López, ein aficionado wie er im Buche steht und intelligenter Gelehrter des toreo, sagt, die suerte de banderillas habe seit der Zeit von Antonio Cormona 'El Gordito' keine sichtbare Entwicklung durchgemacht, also seit der Mitte des 19. Jahrhunderts. El Gordito ist hinsichtlich der banderillas das, was José und Juan [Joselito und Belmonte] für den toreo im allgemeinen waren. Er markiert den Zeitpunkt, zu dem das Paar al Quiebro eingeführt wurde, und er trat mit den banderillas in allen Formen auf, die man kennt. Es ist möglich, dass er nicht der Erfinder der banderillas al quiebro ist, - er könnte der suerte in seinen frühen Tagen als torero in Portugal begegnet sein - aber er war es, der die suerte in die gewöhnliche lidia eingebaut hat. Der quiebro ist die modernste Form die banderillas zu setzen - der Rest war bekannt seit den Anfängen des professionellen toreo und El Gordito wendete sie häufig an.

In Gorditos cuadrilla befand sich ein junger subalterno, Rafael Molina 'Lagartijo', der sehr bald seinen Lehrer übertraf. In allem war er besser als er, in absolut allem, einschließlich der banderillas, mit denen Lagartijo kolossal war und ein Vorbild an Eleganz.

Sonntag, 15. Dezember 2013

Fast eine Million Besucher in Madrid




von Philip de Málaga


Madrid bleibt in der mundo de los toro weiterhin ziemlich populär
So wenig oder doch so viele?
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Die plaza de toros der spanischen Hauptstadt Las Ventas in Madrid ist weiterhin ein beliebtes Ziel der afición und auch der Touristen. 2013 wurden insgesamt mehr als 890.000 entradas verkauft. Eine beeindruckende Zahl bei 63 festejos taurinos. Zwar ist im Vergleich zu 2012 ein kleiner Rückgang von 4,3 Prozent zu verzeichnen, aber die toros bleiben weiterhin populär. Und immerhin, 61 Prozent wurden live im Fernsehen übertragen.

Madrid, stets gut besucht (Foto: mundotoro)
Die empresa hat nun die Bilanz offen gelegt: 54 matadores de toros, 50 novilleros, 8 rejoneadores sowie 3 novilleros ohne picador. Die toreros begegneten 372 reses von 73 ganaderías. Die einzigen puertas grandes in diesem Jahr gab es für den matador de toros Alejandro Talavante und den rejoneador Diego Ventura. Das Durchschnittsgewicht eines toros betrug 547,8 Kilo. Auch das Gewicht der novillos lag bei beindruckenden 489,2 Kilo.

Sevilla, was läuft da eigentlich ab




von Colin Ernst


Hier ein wenig weitere Gedanken zum Thema
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Nach der Bekanntgabe der Startoreros Morante de la Puebla, El Juli, Manzanares, Perera und Talavante, dass sie nicht in Sevilla auftreten, solange der Betreiber Pages, die Real Maestranza managet, fragt man sich vielleicht, welche Bedeutung hat die An und Abwesenheit einer „figura“ für eine plaza? Und welche Bedeutung hat eine plaza für einen torero

Bei meinen Gesprächen mit novilleros konnte ich feststellen, das sich viele eine alternativa in der Real Maestranza de Sevilla wünschen. Und wenn ich mich nicht täusche, gab es 2013 keine alternativa dort und Pages hat auch keine für 2014 vorgesehen. 

Soweit so schlecht für den Toreronachwuchs. Eine alternativa in einer plaza der ersten Kategorie ist für eine Karriere wichtig, das liest sich anders als eine alternativa in Kleinkleckersdorf. Auch sind die ersten plazas für die novilleros generell wichtig, aber diese reduzieren ihre novilladas auf ein Minimum. Auch für die „ausgelernten toreros“ sind die führenden plazas der ersten und zweiten Kategorie ein wichtiger Faktor. Nicht nur finanziell, sondern allein die Präsens in einer großen Arena, einer großen Feria in einer großen Stadt, ist beinahe existenziell wichtig. Der Name auf dem cartel, mit anderen figuras, trägt zur Bekanntheit bei und somit kann man mehr Fans bekommen. Wäre ein Manzanares bisher nur in dritt und viertklassigen plazas aufgetreten, würde, bei aller Kunst, kaum ein Hahn nach ihm krähen (von seinem berühmten Namen mal abgesehen). Hat man es, auf Grund eines guten apoderados und genügend Geld im Rücken geschafft, regelmäßig auf den carteles der ferias wie Pamplona, Madrid, Sevilla etc. zu stehen, läuft alles wesentlich besser, man ist bekannt, die aficionados wollen einen sehen. Stellen sich nun, diese Startoreros quer, aus welchem Grunde auch immer, ist das eine großartige Chance für die nachrückenden Talente. Wie sieht es der empresario? Gibt er viel Geld aus, für drei bis vier corridas mit den Stars, kann er die Arena füllen. Ob dies gelingt, wenn er auf die weniger bekannten toreros zurückgreift, die nur auf eine oportunidad warten? Am Ende entscheidet der aficionado

Für ihn reist die afición sehr weit, der matador de toros José Tomás (Foto: mundotoro)
Und wie sieht der die Sache? Mit einigen habe ich gesprochen und auch hier ist es eine Frage des Preises und der Sichtweise. Eine „Dauerkarte“ ein abono für eine feria kostet oft mehr als einen Durchschnittslohn. Dafür erwartet der aficionado Qualität. Was die toros angeht und die toreros. Wenn eine feria drei corridas de toros, eine novillada picada und eine corrida de rejones anbietet, ist das recht schön. Wenn alle drei corridas de toros mit kleinen ganaderías und unbekannten toreros besetzt sind, ist das schlecht. Dafür kauft man keine Dauerkarte. Ist natürlich ein Morante angesagt, nimmt man alles andere lächelnd in Kauf. Mit einer figura tritt auch meist eine gehobene ganaderías auf den Plan, ein Grund mehr, hin zu gehen. Als torista gehe ich am liebsten zu corridas, wo ich Stiere finde wie die Santa Colomas, Miuras, Albaserradas und Saltillos. Da ist es mir sogar egal wer dann im ruedo steht. Als Morantista lockt mich keiner mit einem abono, wo nicht wenigstens eine figura mit einer namhaften ganadería zu finden ist. Viele aficionados können sich nur eine Eintrittskarte leisten, die für den Auftritt der Startoreros ist meist die teuerste. Also schaut man sich die novillada an, zum halben Preis. Die professionellen aficionados, gut situiert, die ihren toreros um den halben Erdball nachreisen, sind eine Seltenheit, aber für einen José Tomás fliegen viele mal eben nach Málaga, Nîmes oder Valencia. Selbst wenn man innerhalb Spaniens anreist, kostet der Spass noch genug Geld: Anreise, Hotel, Eintritt, Essen, da gehen mal schnell 300.-€ und mehr drauf, die keiner zahlt um einen Nobody zu sehen. In der Weigerung der Stars, in Sevilla aufzutreten, liegt ein klarer Vorteil, für andere plazas, die nicht in der ersten Reihe stehen… Bei gutem Management könnten sie ihre Arenen füllen und vielleicht zwei, anstatt nur ein festejo veranstalten. Die plazas wie Sevilla, bei einer 1/3 Besetzung der tendidos, hätte dann das Nachsehen. Einen Spruch, den ich derzeit oft höre ist: Die fiesta brava braucht keine antitaurinos, die Gegener sitzen in den eigenen Reihen, sie richten die fiesta ganz von alleine zu Grunde“ – da steckt ein großes Körnchen Wahrheit drin …

Samstag, 14. Dezember 2013

Wieder Stiere im kolumbianischen Cartagena de Indias




von Philip de Málaga


Nach drei Jahren Pause öffnet die plaza de toros wieder ihre Pforten
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Eine relativ junge plaza de toros in Cartagena de Indias. Im Januar 1974 wurde sie eingeweiht mit einem doch imposanten aforo für 18.000 Zuschauer. Immerhin, bei der ersten corrida wirkte der matador de toros Francisco Ruiz Miguel mit, den viele derzeit als Co-Kommentator bei TPT sehen können. 

Der empresario Don Hernán Ruiz "El Gino" verkündete nun, nach vielen Jahren des Kampfes haben sie ihr Ziel erreicht. Die plaza de toros wird am 4. Januar wieder ihre puertas öffnen um die matadores de toros Sebastían Castella, Juan Bolivar und den rejoneador Andrés Chica bei einer corrida goyesca zu empfangen. Vor allem dem Bürgermeister Don Dionisio Vélez Trujillo sei es zu verdanken, dass die toros wieder nach Cartagena de Indias kommen.

Sind die Stiere weitsichtig und doch nicht so ganz farbenblind?




von Colin Ernst


Neue Erkenntnisse über die toros von der Universität in Madrid
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Der bekannte Professor, Martín Roldán, (Catedrático de Anatomía de la Facultad de Veterinaria de la Universidad Complutense de Madrid), berichtet in seinen Studien, das Stiere sehr wohl Farben unterscheiden können. Sie sollen orange, rot, grün und blau unterscheiden können. Ich weiß nicht wie er zu diesen Ergebnissen gelangt ist, aber ich habe meine Zweifel. Das die Farbe der muleta keinen Einfluss auf die Angriffslust eines toros hat, ist bekannt. Mit einem weißen Tuch, toreriert es sich genauso, wie mit einem beigen sombrero. Die Farbskala im Weiß-Grau-Schwarz- Bereich ist eine feine Palette. Ähnlich wie ein farbenblinder, dürfte der Stier die feinen Unterschiede wahrnehmen, in jedem Farbbereich.


Eine andere Abhandlung von Martín Roldán beschäftigt sich mit dem Blickwinkel des Stieres. Er spricht von einer ungenügenden Nah und einer normalen Fernsicht. Die Augen, seitlich am Kopf gelegen, können das, was sich direkt vor ihnen, zwischen den Hörnern und Augen befindet, auf Grund dessen mitunter gar nicht sehen auch wenn sie einen größeren Drehradius haben. Die toreros, meist von schmaler Gestalt, passen perfekt zwischen die Hörner, die Augen befinden sich noch weiter seitlich. Kurzsichtig sind sie nicht, aber ihr Blickwinkel unterscheidet sich von vielen anderen Individuen. Tritt der torero aus dem „toten Winkel“, der sich zwischen den Hörnern befindet heraus, oder die muleta winkt außerhalb des Winkels, reagiert der Stier sofort. Er erfasst mit dem äußeren Auge die Bewegung des Zipfel der muleta, während sich das innere Auge mit einer verschwommenen Masse konfrontiert sieht.  Die Reaktion ist klar auf das sich bewegende Objekt gerichtet. Stiere sind nicht kurz.- oder weitsichtig im eigentlichen Sinne. Zwischen den Augen existiert eine Zone, wo sie nicht sehen können, aber wenn man sich weiter entfernt, verändert sich dieser Winkel. Nun können sie, mit einer leichten Kopfbewegung wahrnehmen, das da jemand ist. Vorteil für den banderillero, wenn er das weiß. Er wird über die Entfernung wahrgenommen. Was bedeutet dass Wissen über das Sehvermögen der toros für die toreros?  Es dürfte von enormer Wichtigkeit sein, ja lebenswichtig. „Verliere nie den Stier aus den Augen“, ist eine Formel des toreo. Viele reden von der „mirada“, dem Blick des toros… toreros wissen, in welchem Blickwinkel des Stieres sie sich zu bewegen haben. Darum sind Stiere mit einem Sehfehler so gefürchtet. Denn er hat einen anderen Blickwinkel, den ein matador mitunter nicht kalkulieren kann. Oft passieren die volteretas und cornadas mit toros, deren Augen dem Tuch auf anderem Weg folgen. Dies frühzeitig zu erkennen, liegt in der Hand des toreros. Schon bei den ersten Kontakten mit der capa, muss er erkennen, wo der Blickwinkel liegt. Es ist also nicht mit schönen Schwüngen der capa getan. Hat er erkannt, wie der Stier die Welt sieht, hat er, wenn er den toro intelligent handhabt, die halbe Schlacht gewonnen. Wenn nicht, sieht der Zuschauer eine schlechte corrida, an der der Stier keine Schuld hat.

Freitag, 13. Dezember 2013

Ein Stück Scheisse

Die Gegner von Stierkämpfen können sich nur noch mit verbalen Beleidigungen wehren
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von Philip de Málaga


Was soll man da noch sagen? Das Portal SfA hat von vornherein persönlich verbale Beleidigungen kritisiert und schliesslich untersagt. Egal in welche Richtung. Antitaurinische Portale wie SOS Galgos handhaben es ein wenig anders. Der Mensch spielt hier keine Rolle mehr. Menschliche, demokratische Rechte sind nichts wert. Wie kann eine Martina Szyszka solche Kommentare zulassen, wo Menschen als ein Stück Scheisse bezeichnet werden:

"Dieser Krieg nährt uns, weil er uns auch die Befriedigung schenkt, dass wir nicht ein Stück Scheisse wie ihr geworden sind, sondern moralische Handelnde Menschen"


Menschen als ein Stück Scheisse zu bezeichnen, ein niedrigeres Niveau kann man kaum noch erreichen. Es zeigt auf, dass die antitaurinos gesehen haben, dass sie eigentlich auf allen Ebenen nur noch verlieren. SfA hat schon im Vorfeld den Dialog gesucht, aber niemals versucht jemand von der mundo de los toros zu überzeugen, lediglich zu informieren. Ich bedaure sehr diesen aggressiven Einsatz von SOS Galgos. Tierschutz ist wichtig. Sehr wichtig sogar! Aber machen wir uns nichts vor, beim Thema der toros müssen wir uns wirklich nichts vorschreiben lassen, von Menschen die fern ab dieser mundo de los toros leben.

Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (2. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La DivisaClub Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
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Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein



Genug davon. Mir ist, als setzte ich banderillas, nachdem der Stier an mir vorbeigelaufen ist. Lassen Sie uns zurückkehren vor den Kopf des toros. Die Existenz des tercio de banderillas kann nicht durch die Teleologie erklärt werden; vielmehr existiert es aus historischen Gründen. Als die banderillas in die konventionelle lidia eingegliedert wurden, geschah dies, weil den Leuten die suerte gefiel und nicht weil sie benötigt wurde.
Die banderillas sind alles, was in der modernen lidia vom toreo, der im Baskenland praktiziert wurde, übergeblieben ist. Sie sind die letzten Überbleibsel des toreo der Pyrenäen.
Wie ich zuvor in Avatares Históricos del Toro de Lidia erklärt habe, war der erste Konflikt, der im professionellen Leben des toreo a pie auftauchte, der Kampf zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens, ein Kampf, der vor demjenigen zwischen Rondeños und Sevillanos stattfand, zu dem Historiker und Gelehrte reichlich Stellung genommen haben. Im Gegensatz dazu ist der Streit zwischen den toreros Nordspaniens und Andalusiens nicht eingehend untersucht worden (viel Glück den Historikern, die es tun). Doch bildet er einen entscheidenden Teil der Entwicklung der fiesta.
Das war kein einfacher Zank zwischen zwei lokalen Splittergruppen. Es war eine Konfrontation zwischen zwei Konzepten des toreo, zwei völlig unterschiedliche tauromaquias. Der toreo der Andalusier basierte darauf den Stier mit Ködern zu täuschen, während der toreo der Norteños auf dem recorte aufgebaut war, darauf, den Stier mit dem menschlichen Körper zu locken. Das andalusische Konzept hat zweifellos den Sieg davongetragen. Aber, weil das Publikum dies verlangte, sollte die lidia der Andalusier für immer die spektakulärste suerte der Norteños in sich aufnehmen - die banderillas. Das war der Zweck der banderillas - das Publikum zufrieden zustellen.
Costillares
Jeder singt die Loblieder auf Costillares und das Lob ist verdient, denn er erfand die verónica (den wichtigsten pase der Arbeit mit der capa) und den volapié, die üblichste und effektivste Form des Tötens. Francisco Romero jedoch ist ungerecht behandelt worden; die Leute neigen dazu, einfach zu sagen, dass er der Großvater des großen Pedro Romero und Begründers einer Stierkampf-Dynastie gewesen sei. Es scheint, dass fast jeder vergessen hat, dass er es war, der das Instrument erfunden hat, von dem in späteren Jahren zunehmend Gebrauch gemacht wurde - der muleta -  und dass, damit bewaffnet, er damit anfing, Stiere von vorne zu töten, statt hinterhältig und unredlich aus einer anderen Richtung. Zusätzlich war er es, der mit der Struktur der lidia von heute aufwartete, eingeteilt in drei tercios und zum Schluss war er der erste, der versuchte die picadores dem matador zu unterstellen, obwohl die Person, die dies schließlich erreichte, Paquiro war.

Martincho
Aber zweifellos ist derjenige Pionier unter den toreros, mit denen die Geschichte am schlechtesten umgegangen ist, Bernardo Alcalde 'El Licenciado de Falces'. Fast niemand erwähnt ihn als den Vater der suerte de banderillas, obwohl vor ihm jeder der Stöcke nur einzeln gesetzt wurde, in einer Art rejoneo zu Fuss, einer Nachwirkung der ritterlichen corrida, die gerade dabei war zu Ende zu gehen. El Licenciado war der erste, der die banderillas paarweise setzte, in jeder Hand einen Stock haltend. Dennoch hat ihn Goya während der suerte de banderillas, die ihn berühmt gemacht hat, nicht abgebildet, sondern ihn stattdessen eingehüllt in einen Umhang gezeigt, womit er eine Parodie auf die chicuelina dargestellt hat. Ein anderer berühmter torero des Nordens war Juanito Apiñani, den Goya auf dem bekanntesten Bildnis seiner Tauromaquia portraitierte, wie er mit einem Stab hoch über einen Stier springt. Aber der berühmteste von allen war Martincho. Martín Barcaiztegui war des unbesonnensten Aktes fähig, der das Publikum in der Mitte des 18. Jahrhunderts in Aufregung versetzte. Goya hat uns zwei Beispiele seines Wagemutes gezeigt und ihn einmal auf einem Stuhl vor dem toril sitzend abgebildet, bereit den Stier zu töten, und ein anderes mal oben auf einem Tisch, mit gefesselten Füßen, wie er sich bereit macht einem Stier über den Kopf zu springen.

Diego Silveti: 10 Fragen 10




mit Diego Silveti
(Fotos: mundotoro)

Es sind nicht nur die Spanier die mit den toros umzugehen verstehen, auch in Mittel- und Südamerika werden toreros geboren. Einer der es versteht die tendidos zu füllen ist mit Sicherheit der im September 1985 in Irapuato geborene Diego Silveti. Seine alternativa hatte er im August 2011 im spanischen Gijón und sein padrino war kein geringerer als der grosse maestro José Tomás und sein testigo war der diestro Alejandro Talavante. Silveti hat sich nie gescheut in wichtigen plaza de toros anzutreten um seinen Mut und seine Eleganz unter Beweis zu stellen. In diesem Jahr erinnert sich die afición vor allem an das oreja in San Isidro unter strömendem Regen. Aber auch in Frankreich wie Arles und Nîmes konnte der maestro überzeugen. Seine Bilanz: 36 festejos, 45 orejas, 2 rabos und ein indultoSilveti stellt sich den 10 Fragen 10 von mundotoro:


1.Wie würdest Du am besten die derzeitige Krise geradebiegen?

Das ist kompliziert ... Man sollte mehr Druck auf die Jungen ausüben und auf bessere Zeiten hoffen.

2. Dein Lieblingsrezept?

Mir gelingen besonders gut die quesadillas.


3. Dein Traum-cartel?

Die ganze Silveti Dynastie zusammen.

4. Bist Du ein Freak von etwas?

Mir gefällt der Sport.


5. Was stört Dich am meisten?

Wenn Menschen nicht ehrlich sind.

6. Welche Zeichentrickfilme gefallen Dir am besten?

Ein jeder mit Superhelden.


7. Ein Bekenntnis?

Vor einem jeden toro lutsche ich ein Halls, damit mein Mund nicht austrocknet.

8. Was scheint Dir lächerlich?

Der Pessimismus in den Medien wie in der Gesellschaft.


9. Wie rufen sie Dich?


10. Was hat Dir selbst in dieser temporada gefehlt?

Mehr Möglichkeiten in grossen plaza de toros zu triumphieren.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Berühmte Toreros wollen nächstes Jahr nicht in Sevilla antreten



von Colin Ernst
& Philip de Málaga


Wird Sevilla zu Bedeutungslosigkeit deklariert?
Die Hauptstadt des toreos bald nichts mehr wert?
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Für die Besucher und Liebhaber der Feria de Sevilla, dürfte die folgende Nachricht eine bittere Pille sein. Auch das Team von SfA ist betroffen, hatten wir uns doch schon darauf vorbereitet in die andalusische Hauptstadt zu reisen. In Erwartung die figuras dort live zu sehen. Nun ist es wohl besser die Koffer im Keller zu lassen, denn die figuras packen ihren eigenen erst gar nicht. Morante de la Puebla, Julián López El Juli, José María Manzanares, Miguel Ángel Perera, Alejandro Talavante, keiner dieser grossen maestros ist bereit seine Reise nach Sevilla im nächsten April anzutreten. Eduardo Canorea, der empresa Pages, wird scharf kritisiert. In einem Schreiben setzten die figuras die Verantwortlichen von ihrer Entscheidung in Kenntnis. 


Wie es aussieht, geht es wieder einmal mehr um die Bezahlung. SfA hat schon im November über die Aussage des empresarios Canorea berichtet: Wenn ein Klempner in Zeiten der Krise weniger verdient, warum nicht dann auch ein torero? Der Veranstalter will wohl die Gelder für die toreros kürzen, aber seine Einnahmen nicht. Als Begründung muss wieder einmal die Krise herhalten. Der Veranstalter Pages hat einen Generationenvertrag und die plaza de toros, jene berühmte Real Maestranza de Sevilla ist so nie zur offenen Ausschreibung gekommen. Ein anderer empresario kommt also nicht in die Real Maestranza de Sevilla und als „Alleinherrscher“ kann Pages machen was er möchte. Nun begehren die führenden toreros dagegen auf, verlangen Respekt für die toreros und deren Repräsentanten, wünschen sich, das die plaza de toros wieder ihre Identität zurück gewinnt. Und der empresario kann sich schon mal warm anziehen, denn Sevilla ohne Morante – undenkbar, auch wenn es nur eine media veronica ist. Kein El Juli, welch ein Verlust und viele kommen nur wegen José María Manzanares…, wegen Herrn Canorea kommt bestimmt keiner. Eine Chance birgt sich natürlich dahinter: Die toreros in der zweiten Reihe bekommen vielleicht eine Möglichkeit. Aber wenn der Veranstalter diese für ein „Apfel und ein Ei“ verpflichtet, fehlt es ihm wirklich an Respekt. Man wird sehen, wie die feria sich am Ende gestaltet und wie der empresario seine abonos los wird.

Besonders Sevilla gilt als die Championsleague des toreo. Und genau dort werden Real Madrid, Bayern München, FC Barcelona, Manchester City und so so weiter nicht mehr antreten. Die besten toreros der Welt, die ihr Leben riskieren, um eine gute Arbeit abzugeben, haben ein klares NO von sich gegeben. Der Vergleich des empresarios mit den Klempner ist wohl vollkommen daneben. Sportstars, die verdienen auch ihre Gehälter in Zeiten der Krise. Oder glaubt man wirklich, die Spieler von Madrid verdienen plötzlich weniger. Und jene Fussballspieler riskieren nicht mal ihr Leben. 

Nun können wir also gespannt sein, wie ein Herr Canorea die tendidos füllen will. Die mundo de los toros ist auf jeden Fall enttäuscht.

Das Tercio de Banderillas und sein Zweck (1. Teil)







von Domingo Delgado de la Cámara eingeleitet und übersetzt von Tristan Wood entnommen aus La Divisa, Club Taurino of LondonNumber 168 - January/February 2006, S. 29-33: The Tercio de Banderillas and Its Purpose
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Übersetzung von Dr. Andreas Krumbein
(Fotos: SfA, tauromaquia.de, mundotoro)


Eine der Freuden des Spanisch lesenden aficionado war in den letzten Jahren die Entstehung der Buchtrilogie von Domingo Delgado de la Cámara über die corrida de toros - Revisión del toreo, avatares históricos vom toro de lidia und von dem paseíllo al arrastre: Die lidia und ihre Evolution. Dieser zuvor wenig bekannte Kritiker hat ein scharfes Auge auf allgemeine Überzeugungen hinsichtlich des toreo geworfen, wobei er mehrere, lange für gültig gehaltene Annahmen widerlegt, obwohl er nach meinem Dafürhalten weit interessanter ist, wenn er über den toreo, der vor seiner Zeit stattgefunden hat, schreibt als über denjenigen, den er leibhaftig miterlebt hat, bei dem er dazu neigt viel dogmatischer zu sein. Er schreibt in einem leicht zu lesenden, unterhaltsamen Stil. Der nun folgende Auszug ist dem Buch entnommen, das das letzte einer Serie zu sein scheint, Del Paseíllo al ArrastreDie lidia und ihre Evolution, in dem er sich der Funktion des zweiten tercio widmet. (TW)
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Der peruanische Schriftsteller Felipe Sassone sagte, dass das tercio de banderillas so schön sei, wie es unnütz ist. Der Humorist Álvaro de la Iglesia hatte denselben Eindruck. Die Schreiber gelangten in ihrem Enthusiasmus, für die banderillas einen Nutzen zu finden, zu der Schlussfolgerung, dass sie den toro befähigten, nach der suerte de varas Kraft zu schöpfen. Deshalb wurden die banderillas für lange Zeit als 'avivadores' angesehen. Es schien denjenigen, die dieser Ansicht waren, dass der Stier seine Energie erneuerte und durch das Jagen der banderilleros in seinem Mut gestärkt wurde. Alle stimmten darin überein, dass das tercio de banderillas nützlich war, um den toro in die Lage zu versetzen gemütlich einen Spaziergang zu machen. Dieses Konzept kam in der Tat schon in den tauromaquias von Pepe Hillo und Paquiro vor. (Obwohl, wie jeder weiß, diese toreros nicht die Autoren waren - Pepe Hillo war des Lesens und Schreibens unkundig, während Paquiro ein Mann war, der eher der Tat als dem Schreiben von Buchstaben zugeneigt war. Sie wurden von den aficionados José de la Tixera und Santos López Peregrín 'Abenámar' geschrieben. Die banderillas befähigten diesen beiden zufolge den Stier Sauerstoff aufzunehmen und seinen Angriff zu verbessern.)
Suerte de varas
Ich habe diese Theorie nie gutgeheißen, denn hinter den banderilleros herzurennen und die notwendige Arbeit mit der capa des subalterno del turno durchzuhalten hat auch eine Schwächung des toro zur Folge - eine geringere Schwächung im Vergleich zur suerte de varas, aber nichtsdestotrotz eine Schwächung. Die gesamte lidia ist darauf ausgelegt, eine zunehmende Schwächung beim Stier zu erreichen, eine graduelle Abnahme seiner Stärke, um das Hineingehen zum Töten zu erleichtern. Die lidia hat dies alleinige Ziel, und das tercio de banderillas bildet davon keine Ausnahme. Der toro wird ohne Pause Stück für Stück geschwächt.
Oft wird gesagt, "Der Stier rafft sich während der banderillas auf". Ich glaube solche Behauptungen nicht. Wir könnten ebenso gut sagen, es habe eine mangelhafte Beurteilung der Züchtigung, die dem Tier während der suerte de varas zugefügt wurde, vorgelegen. Der Stier sei crudo geblieben und dies manifestiere sich in der starken Verfolgung der banderilleros. Auf jeden Fall ist das, was gewöhnlich passiert, das Gegenteil, nämlich dass der Stier viel mehr Züchtigung in den varas erhält als er tatsächlich braucht. In diesem häufig auftretenden Fall zeigt sich, dass die Theorie, dass die banderillas dazu dienen den toro zu beleben, Blödsinn ist. Ist in den varas erst einmal Züchtigung erteilt worden, beleben die banderillas nichts: Tatsächlich verschärfen sie die Situation bis zu dem Punkte, an dem der matador um den Wechsel des tercio bittet, bevor das dritte Paar Stöcke gesetzt worden ist, um das Rennen und die Arbeit mit der capa, die das mit sich bringt, zu vermeiden - in anderen Worten: um weitere Züchtigung zu verhindern.
Wenn keiner an die Idee, dass die banderillas dem Stier helfen sich zu erholen, glaubt, warum wird diese Theorie auf so lästige Weise immer wieder in allen Abhandlungen zu diesem Thema wiederholt? Wegen der Besessenheit, die Schriftsteller haben, für alles einen Grund finden zu müssen. Der Schriftsteller findet, wie der Wissenschaftler, den Zufall langweilig und hasst Dinge, die zufällig passieren. Er hat ein anmaßendes Bedürfnis, die Teleologie [Auffassung, nach der Ereignisse oder Entwicklungen durch bestimmte Zwecke oder ideale Endzustände im Voraus bestimmt sind und sich darauf zubewegen] auf alles, was mit dem Menschen und der Natur zu tun hat, anzuwenden. Ich weiß gut, wovon ich spreche - nach Erklärungen für Zufallsereignisse zu suchen, ist eine meiner großartigsten Beschäftigungen (eine fruchtlose Beschäftigung, denn keine Schlussfolgerung ist zufriedenstellend und ein neues Zusammenprallen von Zufällen las tira por tierra).