Samstag, 16. Mai 2015

Wo sitzt man am besten?





von SfA


Besucht man eine corrida in einer plaza de toros wird man zu Beginn stets mit derselben Frage konfrontiert. Welche entradas möchte bzw. sollte man erwerben. Das ist zunächst eine sehr persönliche Entscheidung und hängt grundsätzlich von zwei Punkten ab:
  • Wie viel ist man bereit zu zahlen?
  • Welche Ansprüche werden gestellt? Was möchte man sehen und somit erleben? 
Da dies eine sehr subjektive Angelegenheit ist, ist das SfA-Team dieser Frage einmal nachgegangen.

Die Qual der Wahl! Wo sitzen und was ist man bereit auszugeben?

Wo sitze ich am liebsten?
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von Colin Ernst


Schon bei meinem ersten Besuch einer corrida habe ich mir die dritte Reihe ausgesucht. Etwas erhöht um alles gut im Blick zu haben, aber schön nah am Geschehen. Das war im tendido bajo, in der 3. fila. Als ich später andere plazas kennenlernte orientierte ich mich, im sombra, dem Schatten, irgendwo zwischen der Loge des Präsidenten und der puerta grande. Bald war mir das aber nicht mehr genug, ich wollte noch näher ans Geschehen und leistete mir einen Platz in der ersten Reihe, der barrera. Und das ist mein Lieblingsplatz. Hier, direkt über dem callejón, habe ich alles was dort vor sich geht im Blick, spüre das Zittern der Holzplanken wenn der Stier die tablas rammt und sehe die Schweisstropfen auf der Stirn der toreros. Da ich filme und fotografiere, ist dieser Platz für mich ideal. Meine Mutter bevorzugt die 3-5. Reihe, seit dem sie einmal dabei war, als ein toro über die barrera sprang. In einigen plazas habe ich auch im tendido alto, oder in den gradas, oben gesessen, aber das gefiel mir nicht so sehr, viel zu weit entfernt von toros und toreros

Die Nähe zu toros und toreros, ein Motiv ganz vorne zu sitzen (Fotos: Colin Ernst)
Neueinsteigern würde ich die achte Reihe im sombra empfehlen. Links oder rechts von der puerta grande. Von dort hat man einen guten Überblick in den meisten plazas. Die sol tendidos sind besonders im Sommer heiss und man wird geblendet, je nach dem wo man sitzt. Im Bereich des sombras hat man oft auch auf den höheren Rängen eine gute Sicht, je nach plaza, während man auf der Sonnenseite, besser in den unteren Rängen auf seine Kosten kommt. Und diese sind auch ein Thema, denn Schatten und erste Reihe gehen richtig ins Geld, wenn es sich nicht um eine Wohltätigkeitscorrida handelt. 

Eine andere Sache sind die plazas. In den großen, wie Las Ventas, Madrid, welche einen grösseren Radius hat als eine Arena der zweiten oder dritten Kategorie, finde ich die dritte Reihe attraktiv, denn die Distanz zum toro, wenn er in der Mitte oder gar am anderen Ende seinem torero gegenübertritt, ist grösser und lässt sich da aus der Vogelperspektive der dritten Reihe besser beobachten. Ich selbst fühle mich in kleineren plazas sehr wohl und dort in der ersten Reihe, barrera, oder gar im in einem burladero de callejón.


Wo soll ich sitzen?
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von Dominik Sachsenheimer 

Sowohl das Benehmens der umsitzenden Zuschauer als auch die Nähe zum eigentlichen Geschehen beeinflussen den Genuss eines Stierkampfes sehr und mithin kommt der Wahl der Eintrittskarten große Bedeutung zu.

Für den Novizen würde ich einen Platz nicht allzu nahe an der barrera empfehlen, nach Möglichkeit in einer Arena der zweiten oder ersten Kategorie. Eine teure Karte ganz unten lohnt sich nicht, weil das Publikum dort eher schweigend beobachtet und nur selten anerkennend brummt oder aber in spontanen Jubel ausbricht ob eines Details, das dem Neuling höchstwahrscheinlich verborgen bleibt. Zudem werden Novizen aus grosser Nähe von der Gewalt der pica oder einem während der faena sehr stark blutenden Tier oder mehrfachen pinchazos oft sehr mitgenommen, stören sich in diesen Situationen aus grösserer Distanz aber weniger bis gar nicht. In der Mitte der Ränge hingegen hat der Neuling einen besseren Überblick über die gesamte Atmosphäre in der plaza und kann mehr Menschen samt deren oft sorgfältig gewählter Garderobe bewundern. Zudem besteht eine grössere Chance, dass ein Einheimischer dem Touristen einige Details erklärt, was in den eher elitären Kreisen nahe am Geschehen seltener passiert. Und letztlich wird auf den mittleren bis oberen Rängen meist wohlwollender mit den matadores umgegangen, was eine insgesamt positive Atmosphäre schafft.

Persönlich bevorzuge ich einen Platz im tendido sol y sombra, weil es erstens kostengünstiger ist als sombra-Tickets und man zweitens im Verlauf des Nachmittags bei sinkender Sonne sowieso in den Genuss des Schattens kommt. Drittens ist man dort in punkto Nachbarn in der Regel von einer guten Mischung umgeben, weil man von echten aficionados bis zu Gelegenheitsbesuchern bis zu Touristen alles findet und so einen gesunden Querschnitt der Reaktionen auf die Darbietungen erleben kann. Und viertens hat man den Balkon mit dem Präsidenten gut im Blick, weil man nicht ganz auf der anderen Seite der Arena, aber auch nicht direkt unter dem “palco presidencial” sitzt.

Was spezifische Arenen anbelangt, ist mein Lieblingsplatz des tendido 7 in der Real Maestranza zu Sevilla samt der unvergleichlichen Stille, in der man dort dem Geschehen im kirchlichen Sinne “andächtig” folgt, unterbrochen nur vom Zwitschern der Vögel am nahen Guadalquivir oder aber vom mitreissendsten “Olé" der taurinen Welt nach gelungenen Aktionen. Nicht zu verwechseln mit dem tendido 7 in Las Ventas in Madrid, einst eine Hochburg kritischer Betrachter des Geschehens, seit 10-15 Jahren verkommen zu einer Bruderschaft all jener verkommen, die grundsätzlich alle figuras hassen und aggressiv stören, den Stümpern aber verzeihend oder zumindest schweigend begegnen und einen “guten Stier” als ein übergewichtiges Monster definieren, ganz unabhängig von den eigentlichen Qualitäten des Tiers. Selbstverständlich gibt es in Madrid noch immer eine grosse Anzahl von “buenos aficionados”, dank des Fassungsvermögens von 24.000 Menschen und dem wachsenden Anteil der Schickeria ist diese Gruppe aber weniger tonangebend als man sich das wünschen würde und viele matadores und Experten halten das Publikum in Sevilla und Bilbao insgesamt für kundiger.

Wenn sich in Sevilla die tendidos füllen findet man mit die fachkundigsten aficionados
Als unerträglich empfinde ich die Sonnenseite in Pamplona, wo die Atmosphäre zwischen sturzbesoffenen Menschen aus aller Welt zwar zweifellos ausgesprochen herzlich und unterhaltsam ist, einer Stierkampfarena aber unwürdig und vergleichbar mit Fans von Schalke 04 auf einer Auswärtsfahrt oder einem Heavy-Metall-Open-Air-Festival. Im Schatten hingegen herrscht in Pamplona eine wunderbar familiäre Atmosphäre, die Zuschauer sind Experten mit grossem Fokus auf die Stiere. Viele aficionados bringen ein Vesper mit samt Wein in Lederbeuteln, beides wird grosszügig mit Umsitzenden geteilt, eine tolle Erfahrung. 

Noch etwas weiter im Norden stehen die wunderschönen Amphitheater von Nîmes und Arles, die immer eine Reise wert sind, auch wenn die besten corridas Frankreichs an der Antlantikküste veranstaltet werden. Beide coloseos sind oval und es empfiehlt sich ein Sitz auf der Breiseite statt an einer der Spitzen. Vor allem in Nîmes finden oft auch am Vormittag Veranstaltungen statt, so dass sich Besitzer eines “sombra”-Tickets auf einmal in der prallen Morgensonne wiederfinden.

Nîmes, für viele einer der schönsten plaza de toros der Welt (Foto: mundotoro)
Überall in Spanien, vor allem aber auch in Mexico, empfehle ich dem fortgeschrittenen Studenten der spanischen Kultur auch jenseits der Stiere den Besuch ganz kleiner plaza, in denen das Landvolk wenig von den Details der corrida versteht aber sich mit grossem Ernst der Feierlichkeit des Momentes widmet und mit zunehmendem Alkohol auch der Feier der jeweiligen Gemeinde und sich selbst.

In der mit 42.000 Plätzen grössten Arena der Welt in Mexico City sass ich bislang zweimal an der barrera, allerdings unter sehr unterschiedlich Voraussetzungen: Schwer beeindruckt von der Intensität des Publikums bei der legendären “reaparición” von José Tomás an der Stätte seiner alternativa 2007 vor mindestens zu 90% gefüllten Rängen. Und vollkommen entsetzt während einer regulären corrida des langen Winterzyklus, weil das riesige Rund selbst bei einer Besucherzahl von 3.000-4.000 deprimierend leer wirkt und dann einfach nur eine furchtbar hässliche Betonschüssel ist.

Die Antwort auf die Frage nach dem “richtigen” Platz ist also nur mit einem entschiedenen “kommt ganz darauf an” zu beantworten, je nachdem was für ein Erlebnis der Besucher sucht und in welcher Phase der nie endenden Entwicklung eines aficionados sich die jeweilige Person befindet.


Es gibt keine Unterhaltungsform, wo man bereit ist, so unbequem zu sitzen
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von Ursula Herzog

Die Frage, wo man in der Arena am besten sässe, lässt sich nach verschiedenen Kriterien beantworten.  Zunächst einmal muss man klar stellen, ob es um den theoretischen Wunschsitz geht oder um die Plätze, die man am Ende wirklich kauft. Die werden bei den hohen Preisen der entradas immer auch durch die finanziellen Möglichkeiten bestimmt. 

Mein Mann und ich sind schon in vielen Kategorien gesessen. Jeder Platz hat sein eigenes Ambiente. Wir sassen in Las Ventas ganz oben unter den Pensionisten gut vor dem Regen geschützt und hatten eine tolle Gesamtschau. Auf halber Höhe hat man sicher den besten Überblick über das gesamte Geschehen. 

Sitzt man barrera oder contrabarrera, dann  kann man fast mitspielen und kann das Gesicht des matadores beobachten. Sol ist im März in Valencia recht angenehm, wenn es noch ziemlich kühl ist, und kostet außerdem nicht einmal die Hälfte des entsprechenden Platzes sombra. Man bekommt barrera ganz vorne für etwa 50 Euro. sol im Sommer kann schlimm werden. 

Valencia: Neben guten corridas, eine preisliche Alternative
Ich bin 70 Jahre alt und habe eine nicht mehr perfekte Wirbelsäule und auch die Knie sind vom Bergsteigen   lädiert. Da spielt natürlich die Bequemlichkeit eine größere Rolle. Mein Traumplatz ist daher butaca de tendido sombra in der Malagueta (bequem und toller Überblick). Wir haben immer wieder festgestellt, dass wir keine Unterhaltungsform kennen, bei der man bereit ist, ohne Pause so unbequem zu sitzen, wie bei einer corrida. Und das manches Mal im Regen. Der Platz, der einem zusteht, ist oft so schmal, dass nur mit Druck alle in die Reihe hineinpassen. In Arles geht es oft nicht einmal mit Druck. Dazu hat man die Knie des Hintermannes im Rücken. Ob es gut wird, dass kann man nie im Vorhinein sagen. Und trotzdem geht man immer wieder hin.


Noch auf ein letztes Wort
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von Philip de Málaga

Eigentlich ist alles schon geschrieben worden. Die Tendenz eindeutig. Wer nach einer preislichen Alternative im Mittelbereich, aficionados im Umfeld und eine gewisse Nähe zum eigentlichen Geschehen im ruedo sucht, ist gewiss in den filas 3 bis 5 im tendido sol y sombra gut untergebracht. Aber Achtung, einige plaza de toros verfügen logischerweise über zwei sol y sombra, die Bereiche eben zwischen Sonne und Schatten. Da macht es Sinn nachzufragen, wo sich denn hauptsächlich die afición befindet. In der La Malagueta in Málaga ist es zum Beispiel der tendido 3 (nicht tendido 6, welcher ebenfalls ein sol y sombra ist, aber vorwiegend den Nichtkennern der Szene angeboten wird).

(Foto: Lexikon des Stierkampfs Dr. Andreas Krumbein)
Was die barrera-Plätze im sombra angeht, sie haben vor allem den Vorteil, dass man das Geschehen im callejón verfolgen kann, da sich dort alle Beteiligten aufhalten. Besonders wenn man der spanischen Sprache mächtig ist und die Kommunikationen unter den toreros mitverfolgen kann, also mitbekommt, wie sie das Geschehen im ruedo beurteilen oder welche Tips sie den Akteuren zurufen.

Wenn man keinen anderen Zuschauer vor sich haben möchte gibt es nur vier Möglichkeiten. Da wäre zunächst die erste Reihe, die barrera, dann die erste fila, welche sich hinter dem Gang zwischen barrera und den filas befindet (Achtung: in einigen plaza de toros nennt sich diese Reihe contrabarrera, obwohl diese eigentlich direkt hinter der barrera und noch vor dem Gang liegen sollte). Dann die ersten Reihen, delanteras in den Rängen (pisos) und die Sitzplätze über den Zugängen zu den tendidos.

In der peña taurina in der Malagueta sind die beliebtesten asientos die filas 3 und 4 im sombra. Zum einen bekommt man da gerade noch mit, was im callejón so vor sich geht, und zum anderen kann man die matadores besser bei ihrer Arbeit beobachten, wenn sie mit ihrem toro in der Nähe der barrera agieren. Von dort kommen auch die kompetenten Kommentare und manchmal wird lautstark das Geschehen mit dem reglamento taurino und anderen historischen Ereignissen verglichen.

Das es unbequem sein könnte, meistens sitzt man nicht nun eng zusammengedrängt sondern auch auf Stein, hat Ursula Herzog schon angesprochen, ein Grund sich beim Eingang ein Sitzkissen zu besorgen. Einige aficionados bringen sich ihre eigenen mit.

Freitag, 15. Mai 2015

Freier Stier sorgt für ein Chaos





von Philip de Málaga


Entflohener Stier verletzt in Kastilien - La Mancha elf Personen
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Es ist nicht das erste Mal, dass es einem toro beim Transport zu einer plaza de toros, oder beim Ausladevorgang gelingt die Flucht anzutreten. Und meistens befindet sich jener Fluchtweg auf irgendwelchen Strassen, wo sich die Tiere nicht einmal scheuen, die vorbeifahrenden Kraftfahrzeuge anzugreifen.

So geschah es heute Mittag gegen 13:40 in der Provinz Toledo (Kastilien - La Mancha), als die Mitarbeiter des cosos in Talavera de la Reina versuchten den toro von dem Transporter in die corrales der plaza de toros zu überführen. Der toro erstürmte schnell einen Park und die Strassen, und Einwohner verständigten zügig die Notrufnummer, worauf eine entsprechende Einsatzgruppe der Polizei eingriff und das Leben des Tieres auf einer Brücke beendete um Schlimmeres zu verhindern. Kurioserweise wurde der toro nicht durch den Einsatz von Schusswaffen getötet sondern von einem Polizeifahrzeug, dessen Fahrer Sohn eines toreros ist.

(Foto: mundotoro)
Dabei wurden elf Personen verletzt, zwei mit cornadas. Einem 30-jährigen Mann und einem 9-jährigen Kind. Unter den Verletzten fünf Frauen und ein 82-jähriger Mann. Der toro sollte nicht für eine tödliche corrida eingesetzt werden sondern für ein festejo taurino mit recortadores.

Donnerstag, 14. Mai 2015

Mit der Tauromachie geht es wieder aufwärts





von Philip de Málaga


Der Talfahrt der mundo de los toros scheint ein Ende gesetzt zu sein
Zahlen, Daten und Fakten - es geht wieder leicht nach oben
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Jeder Kenner der taurinischen Szene konnte im letzten Jahr die positive Wende beobachten. Die No hay billetes mehrten sich, das Interesse am taurinischen Geschehen wuchs und überhaupt widmete man dem Umfeld der mundo de los toros mehr Aufmerksamkeit. Auch im deutschsprachigen Bereich konnte man dieses an den Besucherzahlen von SfA erkennen. 

So gab nun zur grössten feria taurina auf dem spanischen Festland, San Isidro in Madrid, das Ministerium für Kultur, Erziehung und Sport seine Estadística de Asuntos Taurinos 2014 bekannt, dass der sector taurino im Jahr 2014 eine Steigerungsrate von 0,5 Prozent vorweisen kann, und somit auch den roten Zahlenbereich verlassen hat.


Insgesamt zählte laut dem Ministerium das Jahr 2014 insgesamt 1.868 festejos taurinos. Darunter unter anderem 298 corridas de toros, 242 novilladas con picadores und 348 novilladas sin picadores. Lediglich die Zahl der corridas de toros ist um 7 Prozent gesunken.

Die meisten festejos gab es in fünf Regionen:
  • 442 Kastilien - La Mancha
  • 412 Kastilien - León
  • 305 Andalusien mit den meisten corridas de toros (77)
  • 305 Madrid (Region)
  • 116 Extremadura
Besonders gross war das Interesse an festejos populares. Also Veranstaltungen mit toros, novillos oder becerros wo die Bevölkerung mit teilnehmen kann. In Spanien gab es davon 15.844 Veranstaltungen, was einer Steigerung von 14,7 Prozent zum Vorjahr entspricht. Man bedenke, das in Katalonien, wo die corridas verboten sind, sehr wohl festejos populares organisiert werden.

Tendenz steigend
Auch im Registro General de Profesionales Taurinos lässt sich ebenfalls eine Tendenz mit einem Plus von 3,5 Prozent  beobachten. Derzeit sind 10.194 Personen registriert. Darunter:
Auch die escuelas taurinas haben um 21 Prozent zugelegt. Vor allem im Raum Madrid haben sie sich geradezu verdoppelt. Derzeit gibt es in Spanien 52 aktive escuelas taurinas.

Nur bei der Stierzucht gab es im Jahr 2014 zwei weniger: 1.339 ganaderías.

Hinzu kommen die kulturellen Arrangements, wie die Eröffnung zahlreicher museos taurinos (in Málaga gibt es mittlerweile schon zwei), Führungen durch plaza de toros sowie ganaderías und zahlreichen Vorträgen mit Themen rund um die tauromaquia. Auch die Galerien und die Filmindustrie zeigen wieder ein bestimmtes Interesse.

Fazit: Schritt für Schritt der sector taurino scheint seine Talfahrt nicht nur gestoppt zu haben, sondern beginnt sich geradezu langsam wieder zu erholen. Den roten Zahlenbereich verlassen zu haben, nimmt dem antitaurinismo wieder einen weiteren Grund gegen die mundo taurino zu agieren. Und somit wird der Red Internacional Antitauromaquia nach dem Kinderschutz das zweite Argument des finanziellen Defizits entzogen (Siehe SfA Reportage: Mit Kinderschutz gegen den Stierkampf).

Eine positive Tendenz ist auf jeden Fall eindeutig zu erkennen. Das kann man auch in den spanischen Medien verfolgen:

Leichte Erholung für 2014,
der Stierkampf bricht mit der sinkenden Tendenz der letzten temporadas.


Die Tauromaquia lässt die roten zahlen hinter sich

Mittwoch, 13. Mai 2015

Benefizstierkampf live im öffentlichen Fernsehen





von Philip de Málaga

Am 31. Mai Wohltätigkeitsveranstaltung im staatlichen Fernsehen
Benefizveranstaltungen für die Kinderkrebshilfe
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Nachdem das öffentlich staatliche Fernsehen RTVE eine zweijährige Pause eingelegt hat, wird am 31. Mai diesen Jahres wieder eine corrida de beneficencia live ab 18:00 Uhr übertragen.

(Foto: mundotoro)
Eine corrida en solidaria, wo der populäre matador de toros Julián López "El Juli"  alleine gegen sechs toros in der plaza de toros von Cáceres in der Extremadura antreten wird. Ein Nachricht, welche in der gesamten spanischen Presse mit Interesse aufgenommen worden ist:



Alle grossen Tageszeitungen berichten darüber.
Man achte darauf, wie sie es mit der Kultur in Verbindung bringen.
El Juli gilt unter den toreros als recht medienwirksam und setzt sich an allen Fronten für die tauromaquia ein. So scheut er sich nicht in verschiedenen Fernsehprogrammen aufzutreten um sich den Fragen der Moderatoren oder Journalisten zu stellen. Auch beim Europäischen Parlament. Gerne veranstaltet er festejos taurinos für junge Leute, wie für Schulen, um den jungen Leuten die mundo de los toros näher zu bringen. Bekannt wurde dieser torero dadurch, dass er einer der jüngsten matadores de toros der Geschichte in Spanien geworden ist.

Nun tritt er vor 8.000 Zuschauern in der historischen plaza de toros von Cáceres, mit einem ruedo von 50 Metern Durchmesser aus dem Jahr 1846 an, um sich für einen wohltätigen Zweck zu engagieren. In diesem Fall für die Sociedad Española de Hematología y Oncología sowie für die Federación Española de Padres de Niños con Cancer. Beide Organisationen setzen sich für die Bekämpfung von Kinderkrebs ein. Hat man nicht die Möglichkeit dieses festejo taurino zu besuchen kann man die Organisationen auch mit Spenden unter der Bezeichnung Fila 0 (Sitzreihe 0) unterstützen: IBAN: ES08 0049 5113 43 2418304296


Es ist übrigens auffallend, wie sich der in Madrid geborene torero Julián López "El Juli" für die junge Generation in der westspanischen Region Extremadura einsetzt.

Was die aficionados de los toros anbetrifft, bleibt zu hoffen, dass diese nicht wieder zwei Jahre warten müssen, bis das öffentliche Fernsehen sich dazu durchringt erneut eine corrida de toros zu übertragen.
Sociedad Española de Hematología y Oncología Pediátricas - See more at: http://www.mundotoro.com/noticia/tve-televisara-la-encerrona-de-el-juli/1240545#sthash.hPRBBK1g.dpuf
Sociedad Española de Hematología y Oncología Pediátricas - See more at: http://www.mundotoro.com/noticia/tve-televisara-la-encerrona-de-el-juli/1240545#sthash.hPRBBK1g.dpuf

Dienstag, 12. Mai 2015

Mit Kinderschutz gegen den Stierkampf - Reaktionen

Der SfA-Artikel von gestern hat einige Reaktionen hervorgerufen
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von Philip de Málaga


Zum gestrigen SfA-Beitrag hat es einige Reaktionen gegeben, welche ich hier wiedergeben möchte:
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Den Artikel über den Kinderschutz finde ich interessant. Vor allem deswegen, da wird die junge Generation im Fernsehen, in Comic oder im Internet mit dermaßen viel Gewalt konfrontiert und nichts geschieht. Und das ist richtige Gewalt gegen Menschen. In Spielen werden massenhaft menschliche Leben ausradiert, im TV haufenweise getötet und alle schauen zu.

Horst. G. aus Deutschland
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Wie Du weißt verhalte ich mich dem Thema Stierkampf weiterhin neutral gegenüber. Dank den guten Berichten in Stierkampf für Alle. 

Deinen letzten Beitrag habe ich soeben gelesen. Wenn ich mich recht entsinne hast Du über Kinder und Stierkampf schon öfters berichtet. Trotzdem ist mir etwas aufgefallen. Du berichtest von einer neuen internationalen, also weltweiten Kampagne (so steht es zumindest auf deren Webseite). Damit kann doch neben den drei europäischen Ländern doch nur Süd- und Mittelamerika gemeint sein. Eine Zone, in der die Gewalt von und durch Kinder doch recht hoch anzusetzen ist. Einer der Ursachen dafür dem Stierkampf zuzuordnen scheint mir wirklich sehr weit hergeholt zu sein. Somit kann man diese "weltweite" Kampagne durchaus als eine Farce ansehen.

Im letzten Jahr lernten wir in Marbella einen Torero-Schüler aus Malaga kennen. Er machte auf uns einen sehr disziplinierten Eindruck. Hörte aufmerksam zu, sah einem tief in die Augen, antwortete ruhig und wirkte sehr gut erzogen. Wir hatten nicht das Gefühl uns mit einem angehenden Tierkiller zu unterhalten. Sondern mit einem jungen Menschen, der mit aller Seriosität versucht einen Beruf zu erlernen.

Petra B. aus Andalusien

ANMERKUNG VON SfA:

Folgende Beiträge sind bei SfA über Kinder und Stierkampf schon erschienen:
Und wenn die Zuschauer Kinder sind (2. Teil)
Die oben genannten zwei Beiträge sind damals vorerst im Andalusienforum veröffentlicht worden
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Mir ist eigentlich nicht so ganz klar, was diese Organisation will. In der Regel werden doch die Kinder von schon bestehenden Stierkampfanhängern zum Stierkampf mitgenommen. Diese Eltern wird man wohl kaum umerziehen können, sind sie doch selbst sich bekennende Aficionados. Und das sich Kinder auf die Seiten von Stierkampfgegner verirren halte ich eher für unwahrscheinlich.

Und selbst die angehenden Toreros aus den Stierkampfschulen halten sich in der Regel in einem Freundeskreis auf, der sich ebenfalls für die Stierkämpfe begeistert.

Rüdiger M. aus Alicante
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Hallo Philip, bei deinem Bericht über Kinderschutz gegen den Stierkampf hast du über Drogen geschrieben. Gab es da nicht mal einen Bericht über einen Torero der gerade wegen dem Stierkampf es aus der Drogenzone schaffte? Ich kann ihn  nicht finden. Wäre für einen Link dankbar. Ist doch sicherlich für andere auch interessant.

Peter aus Marbella

ANMERKUNG VON SfA:

Bei dem torero handelt es sich um den matador de toros José Miguel Arroyo Delgado "Joselito". Hier der Link zum gewünschten Beitrag: 
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Ich finde das ist ein guter Artikel. 

Du sprichst das an, auf was es ankommt. Gut finde ich, dass du das mit der Rechtsanwaltskanzlei ansprichst. Diese 300.000 € könnte man besser für not leidende Kinder in aller Welt einsetzen. Aber das wollen die doch gar nicht. Benefizveranstaltungen sind denen doch auch ein Dorn im Auge.

Ja, wenn man die Startseite jener Red Internacional Antitaurina anschaut, kommt man wie du richtig sagst, ins Staunen. Ich hätte vielleicht noch die Scheinheiligkeit der Antis, welche immer ihre Friedfertigkeit hervorheben, angesprochen. Wir wissen doch, dass das nicht der Fall ist.

Kurz und knapp. Du hast es in deinem letzten Beitrag auf den Punkt gebracht. Als letzten Ausweg schieben die Antis jetzt schon die Kinder vor.

Deine diversen Artikel über Kinder und Stierkampf kenne ich.

Und das sie immer so friedlich demonstrieren, glauben sie doch selbst nicht. In Palevas in Frankreich wurde am Wochenende das Pferd des Rejoneadores Andy Cartagena mit roter Farbe besprüht. Die Augen, die Nase und das Maul wurden in Mitleidenschaft gezogen.

V.H.B. (SPANIENFORUM: Neues von den Stieren)

ANMERKUNG VON SfA:

V.H.B. berichtet regelmässig im Spanienforum unter der Rubrik Stierkampf beim Thema Neues von den Stieren über Aktuelles aus der mundo de los toros.

Hier einige Links zu dem Thema von Benefizstierkämpfen:
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Montag, 11. Mai 2015

Mit Kinderschutz gegen den Stierkampf

Mit Kindern gegen die Welt der Stiere - ein neuer Versuch
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von Philip de Málaga


Um es gleich vorweg zu nehmen, ob sich jemand für die mundo de los toros, bzw. den Besuch einer corrida mit einer eventuellen sich anschließenden afición a los toros entscheidet, liegt bei einem jeden selbst. Es ist in keinster Weise das Ziel von SfA, noch seiner Mitarbeiter, den Leser davon zu überzeugen aficionado zu werden. Lediglich versuchen wir Informationen weiter zu geben, die schlicht und einfach der Realität entsprechen. Wir versuch zu erklären, warum weltweit mehr als 65 Millionen sich zu den aficionados de los toros bekennen.

Bei den von antitaurinos geprägten Seiten verhält sich die Lage ein wenig anders. Nicht nur wollen sie beeinflussen, den Besuch von festejos taurinos zu verhindern, ebenfalls versuchen sie die taurinos nicht zu zu beleidigen bzw. menschlich gesehen abzuwerten sondern auch noch geradezu zu kriminalisieren. Ihr endgültiges Ziel ist es die toros und ihr Umfeld komplett weltweit zu verbieten.

Dabei stossen sie vorwiegend auf zwei Probleme. Zunächst einmal gehen ihnen sachlich wie logisch betrachtete die Argumente aus. So kommt es zu Wiederholungen, und die werden in der Regel ausfallender und lauter. Zum anderen, gerade in den letzten Jahren zu beobachten, nimmt die Zahl der aficionados wieder zu. In Spanien ist die statistische Erfassung der afición von 27 Prozent auf 33 Prozent gestiegen. Also knapp 16 Millionen Einwohner! Allein Andalusien, SfA hat darüber berichtet, zählte 2014 lediglich bei den corridas fast eine Million Besucher. Das ist Realität! Eine Tatsache. 

Und so sucht der antitaurinismo stets nach neuen Wegen. Da wird zum Beispiel eine Rechtsanwaltskanzlei für Brüssel eingesetzt um über Europa Einfluss für ihre Verbotsinteressen zu nehmen. Ein Interesse, dass immerhin 300.000 Euros im Jahr verschlingt. Und dabei benutzen sie einen Namen, den sie meistens in negativer Form für einflussreiche taurinos einsetzen: Lobby. Sie reden gerne von der Stierkampflobby, welche nach angeblich korrupten Methoden Einfluss auf nationale wie internationale Politiker und Brüssel ausübt. Kurios: Sie führen einen Namen, der eher für die mundo de los toros spricht als dagegen: TOROLOBBY.

Ob nun mit Anwälten oder anderen "Spezialisten", ob mit unter die Gürtellinie gehenden Argumenten in Foren oder anderen Seiten, sie kommen und gehen. Dabei bleibt die Argumentation stets dieselbe. So versucht man nun den Level zu vergrössern. Nachdem das europäische Niveau nicht viel gebracht hat, eher das Gegenteil, den die toros wurden in zahlreichen Gebieten zu unantastbaren Kulturgütern erklärt, versucht man es nun auf weltweiter Ebene. Su sandte uns ein SfA-Leser folgende Seite zu:



Wirft man einen Blick auf die Startseite jener Red Internacional Antitaurina und wirft einen Blick auf die Argumentation kommt man schnell ins Staunen:


Das dort unter anderem von Gewalt gegen Tiere die Rede ist ja noch nachvollziehbar. Aber an erster Stelle wird der Schutz der Kinder genannt. Da ist die Rede von einem Komitee für Kinderechte,  in taurinischen Ländern, wo festejos gesetzlich zugelassen sind, welches in seiner jährlichen Bekanntgabe auffordert, die Gewalt der tauromaquia von den Kindern zu trennen. Da ist die Rede von Gewalt. Das diese sich wiederum im historischen wie sozialen Kontext ändert scheint wohl unbekannt zu sein. Zumindest nicht der genaueren Betrachtung wert.

Rafael Sánchez Ferlosio
Selbst eingefleischte antitaurinos, wie der spanische Schriftsteller Rafael Sánchez Ferlosio, vertreten den Standpunkt, dass der Akt der toros, also von einer corrida de toros keine Gewalt auf das Publikum in den tendidos übertragen wird. Er geht sogar noch weiter: "Bei all den Grausamkeiten bei einer corrida erfreut sich das Publikum in keiner Weise am Leiden des toros" schrieb er in einem Leserbrief an die spanische Tageszeitung EL PAÍS. Aficionados seien keine Sadisten, von denen eine gewisse Gewalt ausgehe. Zumindest nicht bei dem Thema der toros. Und auch nicht bei Kindern oder Jugendlichen. 

Im Gegenteil, für jene Kinder, die sich selbst mal als ein matador de toros sehen wollen, wird in den escuelas taurinas schon von Beginn an auf ein ethisches Leben bestanden. So sind Themen wie Alkohol oder Drogen von Anfang an verboten. Respekt und Ehrfurcht den Tieren gegenüber absolute Pflicht. Wer diesem nicht glauben will, sollte mal eine ganadería besuchen und wird erkennen, was es wirklich bedeutet, mit Tieren respektvoll umzugehen.

Ein  Standpunkt, der im europäischen Parlament ähnlich gesehen wurde. Bei der letzten Schriftlichen Erklärung im Jahr 2007, stimmten von den Abgeordneten für Landwirtschaft lediglich 51 Prozent für ein europaweites Verbot. Nichts zeigt eindeutiger auf, wie selbst unter Kreisen von Tierkennern, dieses Thema sehr wohl differenziert angesehen wird. 
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Quellennachweis:

Rafael Sánchez Ferlosio, Leserbrief, EL PAÍS vom 25.06.1985

Sonntag, 10. Mai 2015

Was ist eigentlich Tauromaquia?

Auf dem Weg durch Spanien, die Tauromachie ist immer präsent!
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von Philip de Málaga

Immer wieder erreichen SfA Anfragen nach dem Hintergrund und der Entstehungsgeschichte der tauromaquia. Was ist das eigentlich genau, die Tuaromachie, wie sie im Deutschen genannt wird, und seit wann gibt es sie?

Die aktuelle dreißigbändige Ausgabe des Cossíos, mit immerhin 21.000 Seiten, verwendet gerade mal vier Worte zur Erklärung: Arte de lidiar toros, also die Kunst mit den Stieren zu kämpfen. Fertig! Nicht mehr und nicht weniger. Der amerikanische Schriftsteller Ernest Hemingway bezeichnet es 1932 als Kunst, Stiere zu Fuss oder zu Pferd zu bekämpfen. Lorenz Rollhäuser spricht von künstlerischen Regeln bei der Lehre vom Stierkampf und Rolf Neuhaus benötigt in seinem Buch gar nur ein Wort: Stierkämpferkunst. Und für den chilenischen Dichter und Schriftsteller Pablo Neruda war die corrida , dabei geht er auch schon mehr in das Detail der tauromaquia als eine Veranstaltung mit toros, ein Fest, Kunst und ein metaphysischer Schrei des Volkes.

Tauromaquia und Kunst, zwei Begriffe die vereint zu sein scheinen. Und so lässt sich die Frage, seit wann der Stierkampf als Kunst zu bezeichnen ist leicht beantworten: Solange es die tauromaquia gibt! Aber … die tauromaquia gibt es noch nicht so lange wie die Stierfeste. Also stellt sich diesbezüglich eine weitere Frage:

Seit wann gibt es eigentlich die tauromaquia?

Bis weit in das 18. Jahrhundert waren die Stierfeste ein unorganisiertes Durcheinander. Ursprünglich durften fast alle teilnehmen und jeder konnte mit den Stieren treiben wozu er Lust und Laune hatte. Ob Bauernjungen aus Andalusien, Schlachterssöhne aus Madrid, Akrobaten aus Navarra oder edle Ritter, die sich hoch zu Ross mit Lanzen im Kriegsspiel übten, es war stets eine heillose Unordnung. Gäbe es heute noch diese Art von Stierfesten, der Stierkampf, die mundo de los toros wär mit Sicherheit schon längst abgeschafft worden. Zwar gab es schon im 13. Jahrhundert Gesetzblätter zur Organisation von Stiergefechten, jedoch bezogen diese sich nicht auf den Ablauf selbst, sondern mehr mit der Veranstaltung im allgemeinen.

Doch das sollte sich ändern. Am 20. Juli 1729 erblickte in Sevilla das Licht der Welt jemand, welcher der erste berühmte torero der tauromaquia werden sollte: Joaquín Rodríguez, bekannt unter dem Namen Costillares. Um 1750 wurde er zum matador de toros, und war der erste bekannte Stierkämpfer, der mit dem Umhang, der so genannten capa und der heute roten muleta kunstvolle Manöver vollführte. Vor allem wird ihm die Erfindung des volapié zugeschrieben, eine Tötungsart, bei der der torero von vorne auf den Stier zugeht. In seinem Schatten eroberte ein weiterer den Torerohimmel: Der ebenfalls in Sevilla am 14. März 1754 geborene José Delgado, genannt Pepe-Hillo. Unter seinem Namen wurde 1796 in Cádiz die erste Tauromaquia o Arte de torear veröffentlicht. Dabei handelte es sich um die erste Systematisierung des Stierkampfs. Der Pöbel wurde aus der plaza de toros entfernt, und professionelle Stierkämpfer übernahmen das Zepter im Rahmen einer klar strukturierten Ordnung, die noch heute grösstenteils ihre Gültigkeit hat. Doch Pepe-Hillo hat das Buch nicht selbst geschrieben, konnte er doch gerade mal, kunstvoll seine Unterschrift auf das Papier bringen. Somit wird als Verfasser der ersten Tauromaquia der Freund des maestrosJosé de la Tixera gesehen. Dass Pepe-Hillo es damit auch nicht so ernst nahm, zeigt die Tatsache, dass er selbst sich des Öfteren nicht an die Regeln hielt, sobald er die Möglichkeit hatte, auf andere Weise zu Ruhm zu gelangen. Erst der am 19. November 1754 in Ronda geborene Pedro Romero perfektionierte die Tauromaquia und schuf sogar eine eigene Stilrichtung, den schnörkellosen Ronda-Stil, im Gegensatz zur verspielten sevillanischen Schule.

Die toreros Costillares, Pepe-Hillo und Pepe Romero
Fazit: Wie weit man auch immer die kunstvollen Formen dem Stierkampf, insbesondere der tauromaquia, zuordnen kann, die Anfänge, welche sich in den heutigen corridas widerspiegeln finden sich gegen Ende des 18. Jahrhunderts in Verbindung mit den drei toreros CostillaresPepe-Hillo und Pedro Romero.

Lorenz Rollhäuser hat es so beschrieben, dass ab diesem Zeitpunkt die toreros mit der Würde einer wissenschaftlich-künstlerischen Disziplin auftraten.
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Quellennachweise:

COSSÍO, Espasa, Calpe 2007, Band 1
EL COSSÍO, Espasa, Calpe 1996, Band 5
Ernest Hemingway, Tod am Nachmittag, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1957
Lorenz Rollhäuser, Toros, Toreros, Rowohlt Taschenbuchverlag, Reinbek bei Hamburg 1990
Rolf Neuhaus, Der Stierkampf, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 2007
Pierre Imhasly, Corrida, Edition Erpf, Bern 1982