Freitag, 14. August 2015

Finale in Málaga online





T O R O S   L I V E


Wer Lust hat, das Finale des X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas in Málaga live am Computer zu verfolgen hat hier die Möglichkeit dazu: 101.tv (Directo anklicken). Somit kann man weltweit dieses festejo taurino sehen und aus verständlichen Gründen verfolgen es viele aficionados aus México.

Der Lokal novillero aus Málaga wird mit dabei sein
Die novillada beginnt um 19:00 für die novilleros:
  • Francisco Morales aus Málaga
  • Sergio Roldán aus Almería
  • Héctor Gutiérrez aus México
Die novillos kommen von der ganadería Luis Algarra.

Málaga: Kein guter Tag, und doch ...




von Philip de Málaga


Diese novillada lag unter dem Niveau der vergangenen Jahre
und Gegner der toros versuchten wieder auf sich aufmerksam zu machen
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Es mag zum einem an dem extrem warmen Wind gelegen haben und zum anderen an der Fernsehübertragung aus San Sebastián, dass sich die Malagueta zu dieser novillada sin picadores weniger füllte. Weniger als 6.000 Zuschauer füllten die tendidos und diejenigen welche nicht kamen hatten nichts verpasst. Die novilleros wirkten wenig motiviert den Weg ins Finale zu schaffen, geschweige denn Emotionen taurinos rüberzubringen. Auch die novillos der ganadería Santiago de Domecq verstanden alles andere als zu überzeugen. Ewig knickten sie ein oder lieferten volteretas.

Während der novillada gab es einen Zwischenfall, den es hätte nicht geben sollen. Eine antitaurina sprang nach dem Tod des ersten novillos ins vom tendido 5 aus ins ruedo um gegen die mundo de los toros zu protestieren. Auf einem Papier kündigte sie an, sich jetzt auf dem schon toten novillo zu reiten. Und in der Tat gelang es ihr sich auf dem Boden liegenden novillo niederzulassen, bis sie von verschiedenen Personen in den callejón gebracht worden ist.

Eine antitaurina springt in das ruedo der Malagueta.
Zwei Dinge sind dabei aufgefallen: Erstens: Die antitaurinos springen entweder bevor der toro oder novillo kommt aktiv oder springen ins ruedo wenn das Tier schon getötet worden ist. Und zweitens, obwohl es hier um eine Veranstaltung mit mehreren tausend Beteiligten war, nicht ein einziger Polizist war gegenwärtig. Weder von der National Polizei noch von der lokalen. Die antitaurina wurde mit lauten fuera - fuera - Rufen aus der plaza geführt.


Francisco Morales (Málaga): oreja tras aviso
Fernández de la Torre (Murcia): silencio tras aviso
Marcos (Cuenca): silencio
Jorge Rico (Valencia): silencio
Antonio de María (Benidorm): silencio
Álvaro Gamo (Guadalajara): oreja tras aviso

Keine Frage, von den drei novilladas in diesen Tagen war diese die schlechteste, weit unter dem Niveau der novilladas auch in den vergangenen Jahren. Vier silencios, da fehlte es definitiv an transmisión der meisten alumnos. Immerhin zwei Drittel der Teilnehmer! Da fragt man sich, wozu sind diese eigentlich angetreten?

Aber etwas Gutes hatte dieser tarde. Gleich zwei novilleros schafften den Sprung in das Finale. Und zur Freude der tendidos auch jemand aus Málaga. Francisco Morales gelang es, trotz starkem Wind mit der muleta zu überzeugen:

Francisco Morales aus Málaga mit einer manoletina

Aber der Höhepunkt des Tages kam aus Almería: Sergio Roldán. Schon mit der capa war zu erkennen, er wollte! Mit einer Vielseitigkeit an capotazos brachte er Ambiente in die plaza. Bei seiner faena scheute er kein Manöver, zeigte Mut und mit einem estoconazo hätte er dos orejas verdient, welche der presidente ihm verweigerte.

Das Finale

Und so stehen die Teilnehmer für das Finale des X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas fest, welches um 19:00 Uhr beginnt:
  • Francisco Morales aus Málaga
  • Sergio Roldán aus Almería
  • Héctor Gutiérrez aus México

Die novillos kommen von der ganadería Luis Algarra.

Obwohl der entrada gratis ist, wer im Raum Málaga wohnt hat zusätzlich die Möglichkeit das Finale des X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas live im 101 TV Málaga zu verfolgen.

Die Stiere sind wieder zurück in San Sebastián




von Philip de Málaga
(Fotos: SfA, mundotoro)

Die Rückkehr der toros nach San Sebastián
im spanischen öffentlichen Fernsehen live
Und die spanische Königsfamilie war teilweise auch vertreten
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In Gegenwart des Ex-Monarchen Don Juan Carlos wurde in San Sebastián mit seinen 190.000 Einwohnern gestern Abend um 18 Uhr die temporada taurina wieder eröffnet. Nach einem zweijährigen politisch vollkommen ungerechtfertigten Verbot durch das Rathaus wurde die tradición taurina erneut im nordspanischen Küstenort eingeführt. Ein interessantes cartel gab es zu sehen mit den matadores de toros Enrique Ponce, José María Manzanares und als Ersatz für "Paquirri" kam Alberto López Simón

Das besondere an dieser corrida de toros, sie wurde live im öffentlichen Fernsehen TVE 1 übertragen und gelang so in die spanischen Haushalte der aficionados und in die öffentlichen Bars und Restaurants, welche mit TV-Bildschirmen ausgestattet waren und erreichte eine Einschaltquote von 10,2 Prozent und knappen 900.000 Zuschauern

Live im spanischen öffentlichen Fernsehen
Die plaza de los toros mit dem Namen Illumbe füllte sich mit an die 9.000 Zuschauern, also die tendidos zu mehr als drei Viertel belegt. Auch hier ein klares Si al los toros! Der Ex-König von Spanien Don Juan Carlos und seine Tochter die Infantin Doña Elena mit ihren beiden Kindern Victoria Federica und Felipe Juan Froilán, bezogen Stellung hinter einem burladero im callejón. Die Kommentare des Königshauses sind eindeutig: So sagte Don Juan Carlos: "Ich war noch nie bei den toros in San Sebastián. Es ist das erste Mal in einer überdachten plaza de los toros. Und ich bin mit meiner Tochter und den Enkelkindern gekommen. Wir müssen die fiesta nacional unterstützen, es ist spanische Lebensenergie die es gilt zu fördern." Auch Doña Elena bezieht Stellung: "Es ist das erste Mal dass wir hier sind und es ist wunderbar. Es ist mit Sicherheit nicht das letzte Mal gewesen."

Alle drei matadores widmeten ihre faenas ihrer ersten toros Don Juan Carlos
Der matador de toros Enrique Ponce richtete seinen ersten brindis an Don Carlos mit den Worten: "Danke dafür, nicht nur dass Sie hier sind und die tauromaquia unterstützen, sondern auch an die Demokratie und die Freiheit!"

Hier die Leistungen der einzelnen espadas

Enrique Ponce (ovación und oreja tras aviso)

Enrique Ponce
José María Manzanares (ovación tras petición de oreja und palmas)

José María Manzanares
Alberto López Simón (ovación tras aviso und ovación tras aviso, tras petición de oreja)

Alberto López Simón
Die toros kamen von der ganadería Torrestrella. präsentierten sich korrekt, angriffsfreudig, waren teilweise auch gefährlich, ausser der 5. toro, welchem im Laufe der die faena Kräfte abhanden gekommen sind.

So richtig überzeugen konnte diese corrida de toros eigentlich nicht. Aber auch deswegen, weil man irgendwie mehr erwartet hatte. Enttäuschend die maestros mit dem acero und nicht selten warteten sie zu lange bevor sie zum descabello ansetzten. Man betrat die plaza de los toros oder setzte sich vor den Fernseher mit zu viel Emotionen zur Wiedereröffnung.  Ponce wie immer, Manzanares gut und hätte auch das erste oreja verdient und López Simón ziemlich überzeugend hätte er nicht mit dem acero versagt.

Und doch: So ging ein historischer, emotionaler wie symbolisch wichtiger tarde de toros dem Ende zu. Obwohl es lediglich für ein oreja reichte wurden die toreros mit starker ovación aus dem ruedo entlassen. Die Gran Semana in San Sebastián war eröffnet. Die toros sind erneut heimgekehrt. Die Libertad hat den Illumbe wieder erobert.

Donnerstag, 13. August 2015

Málaga: Auch am zweiten Tag füllte sich die Plaza de toros





von Philip de Málaga


... und es wurden mehr in den Rängen der Plaza de  los toros!
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Was gibt es für eine empresa eine bessere Botschaft, als dass sich die tendidos weiter füllen. Gran entrada, mehr als 9.000 Besucher. Und was den Verantwortlichen besonders gefiel, unter den Zuschauern fanden sich auffallend viele junge Menschen. Das Interesse für die mundo de los toros scheint bei der Jugend hier in Málaga extrem geweckt worden zu sein.

Selbst in dem obersten Rang füllten sich einige Sitzplätze
Bei einem solchen Besucherandrang in der Malagueta wird allein das X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas auf über 35.000 Besucher kommen. Ein toller Erfolg.

Und diesmal bekam das Publikum von den toreros ein wenig mehr geboten. Zwei novilleros setzten selbst recht spektakulär die banderillas, so Juan Carlos Benítez (al violin, al quiebro und sogar ein kurzes Paar banderillas). Seine faena war durchaus korrekt, aber irgendwie gelang es ihm nicht die entscheidenen Emotionen in die tendidos zu bringen. Aber die banderillas reichten aus um als trofeo nach einer estocada trasera ein oreja zu erlangen.

Auch Antonio Moscoso setzte dei banderillas bei er der in seiner Haltung sehr stark an das Setzen der banderillas des matadores de toros Luis Francisco Espla erinnerte.

Der novillero Joao Martins empfing seinen novillo auf den Knien mit einer porta gayola:

Joao Martins empfängt den jungen Stier auf den Knien
Doch dann kam der Auftritt des jungen espadas Diego Luque aus Algeciras. Seine faena begann er auf den Knien und endlich bekam das Publikum das zu sehen, auf das sie schon so lange warteten. Den temple. Die Zeitlupe mit der muleta. Emotionen erreichten die tendidos und obwohl der torero ein pinchazo und media estocada benötigte, bekam er ein oreja und wir mit Sicherheit zu den Finalisten gehören.

In aller Ruhe den novillo passieren lassen
Die restlichen novilleros versagten vor allem mit dem espada.

Si a los toros. In der südspanischen Metropole wird es gelebt und vorgeführt. Und die von SfA gezeigten Fotos gehören nicht der Vergangenheit an, wie es gerne von antitaurinos behauptet wird. Das sind Live-Aufnahmen dieser Tage. Live aus der La Malagueta im August 2015:

Die plaza de toros ist voll! Das kann keiner leugnen: Mittwoch der 12. August 2015

Doch heute gibt es harte Konkurrenz auf dem Bildschirm:

Wie gut die heutige novillada sin picadores besucht wird hängt wohl auch davon ab, wie viele aficionados es heute Abend vor den Fernseher ziehen wird. Denn ab 17:55 Uhr überträgt TVE 1 eine corrida de toros live:


Zur Wiedereröffnung der plaza de toros in San Sebastián treten an die matadores de toros Enrique Ponce, José María Manzanares und Alberto López Simon.

Wie viele Zuschauer auch heute kommen werden, am Freitag wird sich die Malagueta zum grossen Final der escuelas taurinas mit Sicherheit hasta la bandera füllen.

Grosser Andrang in Málaga





von Philip de Málaga


Es war eine Kampfansage an die Gegner von Stierkämpfen
Schon am ersten Tag füllte sich die Malagueta in Málaga
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Damit hatten nicht einmal die Veranstalter, die empresa gerechnet. Die plaza de toros in der südspanischen Metropole begann schon sich beim ersten festejo taurino zu füllen. Und es war lediglich eine novillada sin picadores für die alumnos verschiedener escuelas taurinas aus diversen Ländern. Und die Malagueta konnte so schon an ihrem ersten Tag zur feria taurina ein gran entrada registrieren. 

Die Malagueta mit vollen Rängen
Wer zu spät kam musste erst einmal sich anstellen um die plaza zum X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas Zugang zu erhalten. Nicht mal die Besucher hatten mit einem solchen Andrang gerechnet. So etwas hat es schon seit zehn Jahren hier nicht mehr gegeben.

LINKS: Die tendidos füllten sich dermassen,
dass die Zuschauer sich auf den Treppenaufgängen niederliessen mussten.
RECHTS: Der Andrang war so gross, dass viele Besucher warten mussten,
um die plaza de toros zu betreten. Die novillada hatte schon begonnen.
Schätzungsweise zwischen 8.000 und 9.000 Zuschauer füllten den aforo. Eine eindeutige Kampfansage: Si a los toros!, was man auch in grossen weissen Buchstaben in den roten Sand des ruedos der Malagueta geschrieben hatte. Eine klare Mitteilung an die antitaurinos zur defensa de la tauromaquia.
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"Und sie sagen, 
es gehe keiner mehr zu den toros!"
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Die toros gehören zu Spanien. Und zwar nicht zu den Zigarren rauchenden Francoanhängern, die mundo de los toros ist Teil des spanischen Lebens in allen gesellschaftlichen Bereichen. Besonders auffallend die hohe Anzahl der jungen Zuschauer in den tendidos, welche mit Interesse dem Geschehen folgten. Viele kannten sich auch in der tauromaquia aus und erklärten ihren Begleitern was im ruedo gerade zu sehen war und warum was geschah oder geschehen musste. Welche Manöver gerade zu sehen waren, wie zum Beispiel im folgenden Foto:

Der französische novillero Carlos Olsina mit einer natural.
Die novillos der ganadería Carlos Nuñez zeigten sich manejable hätten aber durchaus angriffsfreudiger sein können.

Dagegen waren die novilleros sichtlich beeindruckt von der Kulisse, taten sich dagegen ein wenig schwerer, und die teilweise missenden olés irritierten. Trotzdem waren sie bereit alles zu geben, wollte ja ein jeder das grosse Finale am Freitag erreichen. Jedoch mangelte es an artistischer Vielfalt. Momente, die eben die Emotionen in die tendidos tragen.

Hier die Leistungen der einzelnen novilleros:

Cristian Pérez (Albacete): silencio tras aviso
Pedro José Aguilar "El Jareño" (Málaga): vuelta al ruedo tras aviso
Carlos Olsina (Beziers): oreja
Adrien Salenc (Arganda): oreja
Toñete (Salamanca): silencio tras dos avisos
Carlos Ochoa (Madrid) silencio tras aviso)
Pablo Mora ( (Moralzarzal): oreja
Teilweise füllte sich die plaza bis in den obersten Gang.
Das Wetter spielte ebenfalls mit. Es war bewölkt und so füllten sich auch die Plätze in der sol. Bei den letzten beiden novillos begann es ein wenig vom Himmel an zu tröpfeln, was der Stimmung keinen Abbruch gab. 

Man kann gespannt sein, was Málaga in den nächsten tardes de toros noch so alles aufbringen wird.

Mittwoch, 12. August 2015

Eine tragische Dimension

Über die Gegenwart des Lebens und des Todes
Wenn das Schauspiel zur Realität wird
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von Philip de Málaga



Keine Frage, die corridas de toros sind eine fiesta für sich. Eben eine fiesta brava. Die arte de torear ist etwas Originelles, etwas Besonderes, eine einzigartige Form der Kunst. Und zwar versteht sich das toreo als eine Kunst, welche eine Dimension betritt wie keine andere: Sie begegnet der Realität. Der Zuschauer in den tendidos wird mit der Wahrheit konfrontiert wie bei keinem anderen Schauspiel. Im Theater wird geschauspielert, keine äusseren oder unbekannten Einflüsse, nichts dem Zufall überlassen, es sei denn die Bühnendekoration fällt auseinander oder der Schauspieler vergisst im schlimmsten Fall seinen Text. 

In einer plaza de toros verhält es sich vollkommen anders. Da ist die Realität im ruedo gegenwärtig. Nichts wird gespielt oder vorgemacht. Da wird nicht künstlich gestorben und wieder aufgestanden, das Leben und der Tod sind stets präsent. Wie sagte dazu der amerikanische Schauspieler und Regisseur Orson Welles dazu: 
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"Der torero ist ein Schauspieler, 
dem die Dinge wirklich passieren."

Orson Welles
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Die corrida de toros ist ein tragisches Drama, in welchem das Unerwartete, die Verwundung bis hin zum Tod stets präsent sind. Und sie zeigt dem Betrachter, dem aufmerksamen Beobachter, ob aficionado oder nicht, auf ziemlich klare Weise seine Verwundbarkeit auf bis hin zur Erkenntnis des Todes. Das Bewusstsein, dass auch wir mal sterben müssen und werden.

Wer über den Tod bestimmt ist unbedeutend, letztendlich sterben beide,
der torero wie der toro!
Trotz all der berauschenden Schönheit, der Harmonie mit dem Paso Doble, dem Glanz der trajes de luces, dem wunderbaren Spiel zwischen sol und sombra, der eleganten Bewegungsabläufe der toreros, des wunderbaren Führen der capa oder der muleta, des vorbei gleitenden toros mit zeitlupengleichem temple bis hin zur gelungenen estocada, entzückt es den Zuschauer für Sekunden, gar Minuten, versetzt ihn in einen Rausch der Liebe, der Euphorie und Ekstase des gegenwärtigen Lebens, bringt aber auch die Vergänglichkeit hervor, und zeigt uns auf, dass unser Leben, von welchem wir in unserer Jugend noch träumten, nicht ewiglich ist.

Ein Gefühl übrigens, welches der toro nicht kennt. Zwar spürt er sich bedroht, weiss, dass man ihm Schmerzen zuführen kann, aber dass es mal vorbei sein soll, ist ihm unbekannt.

Dienstag, 11. August 2015

Und wieder wenn es an die Kinder geht ...





von Volkmar Gärtner


Vorwort von SfA

Die verschiedenen Auftritte des antitaurinismo, aktive wie verbale, sorgten nicht nur bei den taurinos für Betroffenheit, auch Personen fernab der mundo de los toros zeigten sich erstaunt bis entrüstet. Nach dem SfA-BeitragGuterTaurino, toter Taurinoerhält SfA fast täglich Post zu diesem Thema. So auch heute aus Norddeutschland, jemand, der in seinem Leben noch keinen festejo taurino beigewohnt hat, der sein Mail auch teilweise im Gästebuch unterbrachte. Mit seiner Genehmigung veröffentlichen wir es hiermit auszugsweise, das Thema betreffend:

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„... Mir ist aufgefallen, dass fast alle Bereiche wie Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in das Thema Stierkampf integriert sind. Der Stierkampf gehört zu Spanien. Und so sollte man es auch den Spaniern überlassen letztendlich zu entscheiden, was mit ihm geschehen soll.

Wenn ich mir die verbalen Vorgehensweisen der Gegner von Stierkämpfen durchlese (ich habe mir diesbezüglich auch andere Seiten der Tierschützer angeschaut), da frage ich mich, in welcher zivilisierten Welt leben wir eigentlich, dass ich meine Mitmenschen dermassen beleidigen darf. Oft am Thema vorbei, voller Hass und Aggressionen. Und um ehrlich zu sein, obwohl ich noch keinen Stierkampf gesehen habe, fühle ich mich allein von den Argumentationstechniken, also Pro wie Kontra, dem Stierkampf eher hingezogen als ablehnend gegenüber diesem, wobei ich noch nicht einmal weiss ob er mir gefallen wird.

Noch etwas ganz Wichtiges, weshalb ich diese Meinung hauptsächlich vertrete: Wie ich an mehreren Stellen lesen konnte, ich spreche selbst die spanische Sprache und konnte es so auch in der wichtigsten Tageszeitung El País lesen, da wurden auf der Strasse in aller Öffentlichkeit sogar die kleinen Kinder beschimpft, beleidigt, geradezu diffamiert. Gesellschaftspolitisch wie erziehungstechnisch geht das für mich gar nicht. Was erlauben sich diese Herrschaften, sich in die Erziehung zum Beispiel meiner Kinder einzumischen? Wer von Erziehung nichts versteht, sollte es bestens unterlassen die Gesellschaft zu belehren, bzw. sich als Moralapostel oder Lehrer aufzuspielen, als Personen die das Recht für sich in Anspruch nehmen, die einzige Wahrheit zu kennen. Eine solche Vorgehensweise hat in einer Demokratie nichts zu suchen. Ich bin sogar der Meinung, dass in diesem Falle die spanische Justiz viel mehr durch greifen müsste, denn immerhin versteht sich der Stierkampf doch als ein anerkanntes spanisches nationales Kulturerbe.

Kinder für eigene Interessen politisch einzubinden bzw. auszunutzen, und das in aller Öffentlichkeit, verdient einfach nur die totale Ablehnung. Hätte man meine Kinder so angeschrien, denen hätte ich aber meine Meinung gesagt, wahrscheinlich sogar angezeigt. ...“

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Anmerkung von SfA:

In Frankreich müssen sich per Gesetz die antitaurinos während eines festejos taurinos von der plaza de los toros oder dem Veranstaltungsort auf Distanz halten. Die jeweiligen städtischen Behörden sind angewiesen für die Umsetzung jener Gesetzesvorlage Gewährleistung zu garantieren.

Kostenlose Stierkämpfe in Málaga




von Philip de Málaga


Heute beginnen die Stierkämpfe in Málaga 
... und zu Beginn ist der Eintritt frei
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In der südspanischen Metropole Málaga beginnt in der Nacht zum nächsten Freitag die Feria. Selbstredend wird diese von einer feria taurina begleitet. 



Aber die toros beginnen schon heute. In der La Malagueta wird an den nächsten vier Tagen das Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas veranstaltet. Das besondere dabei ist, die entradas sind kostenlos. Der Eintritt an diesen vier Tagen ist frei.

11.August: Erstes Halbfinale des X Certamen Internacional de las Escuelas Taurinas. Novillos von Carlos Núñez für Cristian Pérez; Pedro José Aguilar ‘El Jareño’; Carlos Olsina; Adrien Salenc; Toñete; Carlos Ochoa und Pablo Mora.
12. August: Zweites Halbfinale des X Certamen Internacional de las Escuelas TaurinasNovillos von Torregrande für Juan Carlos Benítez; Joao Martins; Antonio Moscoso; Romera; Davis Bolsico; Diego Luque und Héctor Gutiérrez.
13. August:  Drittes Halbfinale des X Certamen Internacional de las Escuelas TaurinasNovillos von Santiago Domecq für Francisco Morales; Fernández de la Torre; Sergio Roldán; Marcos; Jorge Rico; Antonio de María und Álvaro Gamo.
14. August: Grosses Finale des X Certamen Internacional de las Escuelas TaurinasNovillos von Luis Algarra für die drei besten toreros der vorhergehenden festejos.
Plaza de toros von Málaga mit Platz für 10.500 Zuschauer
(Foto: Dr. Andreas Krumbein)
Dem aficionado und Kenner wird es sicherlich gleich auffallen. Die novillos werden von namenhaften ganaderías gestellt und werden wie auch in den vergangenen Jahren mit einer gewissen Grösse und temperamentvollem Auftreten auffallen. Dementsprechend wird sich die La Malagueta an diesen Tagen gut füllen.Weit mehr als media entrada, also mehr als 6.000 aficionados sind an den ersten Tagen jeweils zu erwarten. Beim Finale werden sich die tendidos erfahrungsgemäss bis zu einem casi lleno, also gut 10.000 Zuschauern füllen.

Die Veranstaltungen beginnen um 19:00 Uhr.

Montag, 10. August 2015

Auszug aus "Mannesalter" (2. Teil)

Wenn ich einem Stierkampf beiwohne habe ich die Neigung ...
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von Michel Leiris
(übersetzt von Dr. Andreas Krumbein)



Lucretia

Lucretia, Frau des Tarquinius Collatinus, eines Verwandten des Tarquinius Superbus, gestorben 510 v. Chr., berühmt durch ihren tragischen Tod, der den Sturz des römischen Königtums herbeigeführt haben soll. Während der Belagerung von Ardea wollten die Prinzen der königlichen Familie wissen, wie sich ihre Frauen in ihrer Abwesenheit betrugen. Sie steigen zu Pferde, kommen nachts in Rom an, und finden ihre Gattinnen bei fröhlichem Zeitvertreib. Nur Lucretia war damit beschäftigt, mit ihren Frauen Wolle zu spinnen. Ihre Schönheit hinterliess einen tiefen Eindruck auf Sextus Tarquinius. Einige Tage danach kam er nach Rom zurück und besuchte Lucretia und bat sie um Gastfreundschaft; nachts drang er in ihr Schlafgemach ein und drohte sie zu töten, wenn sie ihm widerstünde: später würde er sagen, er habe sie getötet, weil sie ihrem Gatten untreu war; Lucretia gab nach; am nächsten Morgen liess sie jedoch ihren Vater und ihren Gatten kommen und erzählte ihnen die Schmach, die sie erlitten hatte; dann tötete sie sich vor ihren Augen mit einem Dolchstoss. Sofort ruft Junius Brutus, den blutigen Dolch schwingend, das zum Aufstand auf, und die Absetzung der Tarquinier wird proklamiert. Nouveau Larousse Illustré, nach Livius. 
Der Tod der Lucretia von Eduardo Rosales-Martinez (1836 - 1873)
In Bezug auf den Liebesakt - oder vielmehr auf seinem Schauplatz, das Lager - möchte ich gern den Ausdruck "Wahrheitsgelände" gebrauchen, der beim Stierkampf die plaza de toros umschreibt, also die Stätte des Kampfes. Wie der matador oder der "Töter" erst seinen wahren Wert zeigt, wenn er sich allein dem Stier gegenübersieht (in dieser Position, die der Jargon der Arena so treffend mit dem Wort "eingeschlossen" kennzeichnet), so hat sich im Geschlechtsverkehr der Mann unter vier Augen mit der Partnerin, die er sich gefügig machen muss, einer Wirklichkeit gegenüber zu bewähren. Ich, den es eine so enorme Anstrengung kostet, mich auf der Höhe der Dinge zu halten, und der ich, ausser wenn ich Angst habe, stets die Empfindung habe, mich in der formlosesten Unwirklichkeit zu verausgaben, bin ein leidenschaftlicher Besucher der Stierkämpfe, der corridas, weil ich dort - mehr als im Theater, ja sogar mehr als im Zirkus, wo alles dadurch vermindert erscheint, dass jeden Abend das gleiche Programm abrollt, stereotyp und vorherbestimmt, wie gross die Gefahr auch sein mag - weil ich dort den Eindruck habe, etwas Wirkliches mitzuerleben: eine Tötung, ein sacrificium, gültiger als irgendein im eigentlichen Sinne religiöses Opfer, weil der Opferer beständig vom Tode bedroht ist, und zwar von einem materiellen Todesstoss - auf die Hörner genommen - an Stelle des magischen, dass heisst fiktiven Todes, dem sich jeder aussetzt, der in einem zu jähen Kontakt mit dem Übernatürlichen eintritt.

Der torero: stets der Gefahr ausgesetzt von den Hörnern des Stieres erwischt zu werden
Die Frage ist nicht, zu wissen, ob die corrida von den kretischen Stierspielen abstammt oder nicht, oder vom Mithraskult oder von irgendeiner anderen Religion, in deren Dienst Rinder vernichtet werden, sondern es kommt einzig und allein darauf an, zu klären, warum er diesen kultischen Anschein hat, der viel mehr als sein unmittelbarer sadistischer Reiz ihm einen seelischen Wert verleiht, insofern die durch die Gegenwart des Numinosen (1) erzeugte Verwirrung an der sexuellen Erregung teilnimmt.

Im ganzen stellt sich die corrida zunächst einmal als eine Art mystisches Drama dar, dessen Thema das folgende ist: Das Tier erst gebändigt, dann getötet durch den Helden. Die Augenblicke, durch die das Göttliche hindurchgeht, - wenn die Empfindung einer beständig abgelenkten und wieder aufgegriffenen Katastrophe ein Schwindelgefühl erzeugt, in dessen Tiefe Entsetzen und Genuss zusammenfallen - sind jene, wo der torero mit dem Tode spielt, ihm nur durch ein Wunder entgeht, ihn bezaubert; dadurch wird er zum Heros, und die Menge sieht sich in ihm verkörpert, sie gelangt durch seine Stellvertretung zur Unsterblichkeit, zu einer Ewigkeit, die umso berauschender ist, als sie nur an einem Faden hängt.

Zeichnung von André Masson
Was nun das Tier betrifft, so hat man den Eindruck, es schicksalhaft verurteilt, umgeben von der verschworenen Gemeinschaft - oder der Kommunionsgemeinde - der Zuschauer, die alle an diesem Mord teilhaben, die den Töter mit Beifall oder Hohn überschütten, je nachdem ob er gross genug ist oder nicht, um ihnen eine Identifikation mit ihm zu ermöglichen, ihn mit ihren Olé-Rufen anfeuern, nicht als Belohnung, sondern als Beistand, wie man ihn etwa mit Geheul einer Frau bei der Niederkunft leisten könnte. Von der capa zur pica, von der pica zum Mann, der sich in die capa verwandelt, vom Mann zur banderilla, von der banderilla zur estocada, von der estocada zum Dolchstoss, wird das mächtige Tier mehr und mehr hingerissen und ist bald nur noch ein Berg dampfendes Fleisch. Gäbe es nur diesen Mord, mit mehr oder weniger verführerischen Verzierungen beschönigt, dann hätte die corrida nicht jene übermenschliche Schönheit, die auf der Tatsache beruht, dass zwischen dem Töter und seinem Stier (das Tier eingehüllt von der es lockenden capa, der Mann eingehüllt vom Stier, der um ihn herum kreist) zugleich mit dem Kampf eine Vereinigung sich vollzieht - ebenso wie es in der Liebe und bei den verschiednen Opferzeremonien der Fall ist ist, in denen es engen Kontakt mit dem Opfer gibt, Vermischungen aller Offizianten und Mitwirkenden in diesem Tier, das ihr Botschafter sein wird bei den Mächten des Jenseits, und in den meisten Fällen auch Einverleibung seiner Substanz durch kultisches Verzehren seines toten Leibes. Das gegenwärtige Zeremoniell der corrida liesse sich gewiss nur schwierig als unmittelbares Überleben eines Kultes deuten, denn man weiss, dass der Stierkampf ursprünglich eine ritterliche Schaustellung war, in der Art Turniere, und bevor die Berufstoreros Pedro Romero, Costillares und Pepe Hillo gegen Anfang des 19. Jahrhunderts den Codex des modernen Kampfes ausarbeiten, verlief alles viel gröber. Jedoch lassen sich gewisse Tatsachen hervorheben, die in merkwürdigerweise die These von der kultischen Bedeutung stützen. 

Pedro Romero, Costillares und Pepe Hillo
Zunächst einmal das Zusammentreffen der grossen Stiergefechte mit den lokalen fiestas, die religiösen Festen entsprechen. Dann die Verwendung von Spezialkostümen, die von glänzenden Stickereien starren, den so genannten Lichteranzug, der trajes de luces, die als künstlerische Kleidung figurieren und die Hauptdarsteller gewissermassen in einen Klerus umwandeln; sogar noch die coleta, ein kleiner, heute künstlicher Haarknoten, den die toreros als Abzeichen ihres Berufes tragen, erinnert an die Tonsur der Priester.

Sieht man den Dingen auf den Grund, so kann man nur von der extremen Genauigkeit der Etiquette frappiert sein, gerade was den Tötungsakt betrifft. Auf Seiten der Akteure konstatiert man, dass umgekehrt wie bei den Regeln eines Sports, die eine grosse Anzahl von Schlägen oder Stössen oder Griffen erlauben und nur eine geringe Zahl verbieten, der Kodex des Stierkampfs dem Spieler nur eine sehr geringe Zahl erlaubter Stösse übriglässt, im Verhältnis zu einer beträchtlichen Anzahl verbotener Stösse; darum kann man glauben, nicht einem Spiel von sportlichem Charakter beizuwohnen, dessen Regeln nur ein ziemlich weitmaschiges Rahmennetz bilden, sondern einen magischen Unternehmen von peinlichst geordnetem Ablauf, wo die Probleme der Etikette, des Stiles, die unmittelbaren Auswirkungen zurückdrängen. Auf Seiten des Publikums bemerkt man, dass der Tötungsakt sich in einer Atmosphäre eindeutiger Feierlichkeit vollzieht. Ob der matador mit Beifall bedacht wird, wenn er als tapferer Mann und zugleich als grosser Künstler gearbeitet hat, oder ob er mit Pfiffen und Entrüstungsrufen von denen überhäuft wird, die ihm zum Vorwurf machen, er habe nicht getötet, wie es der Anstand vorschreibt, sondern nur einfach abgeschlachtet; ob man dem Stier applaudiert, weil er sich tapfer aufgeführt hat, oder ihn schmäht, wenn er Feigheit zeigt: das ändert nichts daran, dass die Haltung des Publikums in diesem Augenblick eine religiöse Haltung hat, angesichts des Todes, den ein Geschöpf erleiden soll, und dafür wohl auch die Tatsache sprechen, dass auf manchen plazas sich alle erheben, sobald dass Tier zusammenbricht, und sich erst wieder setzen, wenn der nächste Stier in das ruedo gelassen wird.

Der nächste toro wird ins ruedo gelassen. Die Besucher können sich wieder setzen. 
Anderseits liessen sich Bräuche anführen wie die alternativa, diese dem neuen matador durch einen älteren gegebene Weihe, ähnlich dem Ritterschlag; oder die Sitte, das Tier, bevor es getötet wird, einer anwesenden Persönlichkeit zu dedizieren, oder dem ganzen Publikum oder der Stadt, in der das Fest abspielt (so dass der auf diese Weise dargebotene Stier im eigentlichen Sinne als "Opfer" auftritt), oder auch solche Gepflogenheiten wie das Verzehren der Genitalien des geopferten Tieres, die, wie es scheint, jüngeren Datums ist und von einigen eingefleischten Liebhabern praktiziert wird, die sich diese Körperteile an ihren Platz bringen lassen und sie essen, während sie die nächsten Gefechte ansehen: so begehen sie mit den fleischlichen Überresten des toten Stieres eine Art rituelles Fest, als beabsichtigen sie, sich dessen Kraft einzuverleiben.

Der zauberhafte Charakter des Stierkampfes ist im Innersten gebunden an diese Allüre (2) einer religiösen Zeremonie (gültiger als alle jene der modernen westlichen Religionen, die ihren tiefen Sinn verloren haben, weil sie ein Opfer nur noch in symbolischer Form zulassen), und ich glaube, damit er erregend sei, ist es weniger wichtig, ob ein Kampf technisch gut oder schlecht ist; das Wesentliche liegt darin, dass ein Mord an einem Tier nach den präzisen Regeln vollzogen wird und dass dabei Lebensgefahr für den besteht, der die Tötung ausführt.

Die estocada, der Todesstoss: El momento de la verdad.
Der matador begibt sich ungeschützt zwischen die Hörner des toros und dabei in Lebensgefahr.
Von den sechs Kämpfen, die ich bisher habe sehen können, war der erste, im Römischen Theater von Fréjus, eine reine Schande: zu  junge oder zu alte toreros; grosse Ochsen, die schlimmer als auf dem Schlachthof massakriert wurden und manchmal vor Angst Harn liessen oder brüllten; eine Menschenmenge, die sich in Kundgebungen ohne Sinn und Verstand bemühte, dem spanischen Vorbild treu zu bleiben; der presidente liess den Schwanz eines nicht allzu schäbig umgebrachten Tieres abschneiden, der matador, dem diese unverdiente Ehrengabe zufiel, warf den Schwanz mit galanter Bewegung einer Zuschauerin in den Logen zu, die Frau fiel in Ohnmacht, ihre Begleiter versuchten sie wiederzubeleben, wickelten die trofeo in Zeitungspapier ein und gaben sich Mühe, der Verstörten die Feinheit der Absicht begreiflich zu machen. 

Der zweite (einer der Kämpfe "zum Schein" im französischen Katalonien in Saint-Laurent de Cerdan) war lächerlich, aber ergreifend: Als Eröffnung wurden sardanas auf dem Marktplatz getanzt - wo auch der Kampf stattfand -, zum sonnenhellen Klang der tenoras genannten Blasinstrumente; Hotelfenster in Logen verwandelt, die Fensterbretter mit Schals drapiert; Begeisterte liessen sich niedertrampeln im Streit um den Ruhm, die Kokarden zu erwischen (der stärkste war ein Metzgergeselle); eine Spendensammlung sollte die von einem Stierhorn zerrissene Hose eines toreros ersetzen. 

Der dritte, in Zaragoza, war eine novillada (ein regelrechter Kampf, aber mit jungen Stieren oder ausrangierten Tieren, die nicht geeignet wären, bei einer formellen corrida aufzutreten); die Mittelmässigkeit dieses Schauspiels zu ermässigten Eintrittspreisen konnte nicht verhindern, dass es faszinierend war: ein gewisser Fidel Cruz wurde zweimal auf die Hörner genommen, hochgehoben, kam unentwegt auf den Stier zurück und vollbrachte schliesslich einen gelungenen descabello, wie der Stich ins Genick heisst, der den Stier niederwirft, indem er ihm das Rückenmark abschneidet; ein geängstigtes Tier sprang beinahe ins Publikum; ein ganz junger Sevillaner, der sehr hübsch mit der capa spielte, hatte in geziemender Form ei Tier getötet, das leider zu schmächtig war und dessen Zurückstellung das Publikum vergebens verlangt hatte; in die Enge getrieben, beendete er seine Arbeit unter einem Hagel von Kissen und ging dann, nachdem sein Gegner erlegt war, weg, von seinen Freunden gestützt und in sein Barett hinein schluchzend. Unterbrochen von einer Verlosung, mit Hilfe eines durch Kurbel in Drehung versetzten Fasses, das die Nummern enthielt, endete die Versammlung mit dem Eingreifen der Polizei, die vom Gummiknüppel Gebrauch machte, da die menge nach dem Zwischenfall, unter dem der junge Andalusier gelitten hatte, in die Kampfbahn eingedrungen war. 
Barcelona 1916: Die grosse Dame (Gran Dama) unter den plaza de toros
Der vierte spielte sich in Barcelona ab, auf der La Monumental, einer plaza, die mit Reklamen bedeckt war wie eine Radrennbahn; zwei matadores, ein Mexikaner und ein Baske, setzten sich gegen die schwierigen Tiere, so gut sie konnten, durch, niemand fand es seltsam, dass dazu das Orchester des Roten Kreuzes spielte; es war eine mühsame und gefährliche Darbietung, aber im ganzen blass und eintönig. 

Die beiden letzten habe ich jüngst vergangenen Sommer gesehen, den einen in Vitoria - mit Joaquín Rodríhuez "Cagancho" (ein hochmütiger Zigeuner, ebenso berühmt durch seine Grazie als auch die Häufigkeit seiner Panikanfälle), Pepe Bienvenida (in feinem klassischem Stil), Luis Gómez "El Estudiante" (ein Medizinstudent, der zum Stierkampf umgesattelt hat, aufrecht wie eine Eins, schlank und aristokratisch), Luis Castro "El Soldado" (ein Mexikaner mit blendendem Mut, ein wilder Gladiator): - den anderen in Valencia, mit Rafael Ponce "Rafaelillo (das heisst "kleiner Rafael"), einem Sohn der Stadt, den die Presse einstimmig als ein Wunder begrüsste. Diese beiden letztgenannten Spiele waren in jeder Hinsicht bewundernswert; sie haben mich begeistert, aber sie haben mir keine Offenbarung gebracht, die meine Ansicht wesentlich verändert hätte.

Bei allen meinen corridas, ausgenommen nur die eine, die ohne Tötung verlief, bin ich ungefähr im gleichen Grade erregt gewesen. Das Wesentliche ist also gar nicht das Schauspiel, sondern das kultische Element: streng festgelegte Gesten, vollzogen zwei Finger vom Tod entfernt und um den Tod zu geben.

Die Neigung entweder mit dem toro oder dem matador
Wenn ich einem Stierkampf beiwohne, habe ich die Neigung, mich entweder mit dem Stier, in dem Augenblick, wo der Degen in seinen Leib taucht, zu identifizieren, oder mit dem matador, der Gefahr läuft, durch einen Hornstich getötet (vielleicht entmannt) zu werden, in dem Augenblick, wo er am eindeutigsten seine Männlichkeit bekundet. Das Bild der Lucretia in Tränen, nach der Vergewaltigung durch ihren Schwager, den Haudegen Sextus Tarquinius, ist also eine Anspielung, ganz danach angetan mich zu berühren. Ich verstehe die Liebe kaum anders als in der Qual und in den Tränen; nichts erregt mich und reizt mich so sehr wie eine weinende Frau, es sei den eine Judith (3) mit Blicken, als wolle sie alle ermorden. Bis in meine frühste Kindheit zurückreichend finde ich Erinnerungen, die sich auf Geschichten von verwundeten Frauen Beziehen.
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Anmerkungen:

(1) numinos: (in Bezug auf das Göttliche) schaudervoll und anziehend zugleich
(2) Allüre: auffälliges oder übertriebenes menschliches Verhalten
(3) Judith: jüdische Heldin, deren Geschichte in dem Buche des Alten Testaments erzählt ist, das ihren Namen trägt. Dies ist der wesentliche Inhalt: Die Stadt Bethulien wurde von der Arme des Holofernes, des Feldhauptmannes Nebukadnezars, Königs von Ninive, belagert und drohte zu unterliegen. Eine Witwe mit Namen Judith beschloss, von Gott inspirit, ihr Volk zu retten. Sie verliess die Stadt mit einer ihrer Mägde und begab sich in das Feldlager der Assyrer. Vor Holofernes geführt, bestrickt sie ihn durch ihre Schönheit, willigt ein, an seiner Tafel zu sitzen, und als sie ihn betrunken niedersinken sieht, schneidet sie ihm den Kopf ab und kehrt während der nacht nach Bethulien zurück. Am nächsten Tag hängen die Juden das blutige Haupt des Holofernes auf ihrer Stadtmauer auf, und die entsetzten Assyrer gaben die Belagerung auf, nachdem sie eine blutige Niederlage erlitten haben. Nouveau Larousse Illustré, nach dem Buch Judith. Siehe dazu Michel Leiris, Mannesalter: Judith, Seite 87 - 92.

Quellennachweise: