Freitag, 9. Oktober 2015

Stierkämpfe in Afrika: Mosambik

Über die südlichste Plaza de Toros auf der Welt
und den ersten Torero aus Afrika
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von Philip de Málaga

Ganz im Süden von Afrika am indischen Ozean findet sich die Küsten-Republik Moçambique. Mehr als 7.000 Kilometer Richtung Süden von der wahrhaftigen mundo de los toros entfernt. Und dort soll es toros geben? Warum nicht, scheint gar nicht mal so ungerechtfertigt. Immerhin ist die Amtssprache Portugiesisch (zugegeben, nur 15 Prozent der Bevölkerung beherrschen diese auch), denn immerhin war es ja auch mal eine portugiesische Kolonie. Und Portugal und die toros, das gehört doch irgendwie zusammen. 


Toros gab es dort wohl schon öfters. Vor allem in den zwanziger und dreissiger Jahren. Leider gibt es kaum Material über diese festejos taurinos. Mein weiss nur, dass auch grosse spanische matadores de toros wie der maestro Marcial Lalanda dort in improvisierten cosos aufgetreten sind. 

Die erste richtige plaza de toros in Mosambik wurde erst 1956 in der Hauptstadt Maputo eingeweiht. 

Die plaza de toros in der Hauptstadt von Mosambik im Jahr 1956
Dem Photo nach zu urteilen nicht mal so klein und so an die 3.000 Zuschauer werden in den tendidos wohl Platz gefunden haben. Trotzdem ist darüber ist relativ wenig bekannt. Weder im Cossío noch bei mundotoro wird sie erwähnt. Somit ist völlig unbekannt, wie viel corridas es dort gab, welche toreros dort antraten, woher kamen die toros oder über sonstige Ereignisse. Aber es gibt sie noch. Aber keine toros. Sonntags findet im Inneren jede Woche der Markt statt und im äusseren Bereich haben sich einige Geschäfte untergebracht, wie zum Beispiel auch eine Autowerkstatt.

Die plaza de toros in Maputo heute.
Aber Mosambik hat auch eine andere Geschichte zu erzählen. Denn von dort kam der erste afrikanische matador de toros, dem es auch in Spanien gelang, einen gewissen Bekanntheitsgrad zu bekommen. Sein Name Ricardo Paulo Chibanga und wurde am 8. November 1947 in Lourenço Marques (dem heutigen Maputo) geboren.


Seinen ersten Auftritt in Europa hatte er am 9. Mai 1965 bei einer novillada in der portugiesischen Hauptstadt Lissabon in der plaza de toros Campo Pequeño. Ein merkwürdiges festejo taurino, bei dem ein novillero, aus welchem Grund auch immer, vor der plaza streikte. Trofeos konnte der afrikanische novillero nicht erobern, aber es reichte für zwei vueltas al ruedo. Und so wurde man in Spanien auf ihn aufmerksam. Die konservative Tageszeitung ABC schrieb: "Ein schwarzer Triumph bei einer seltsamen novillada in Lissabon!". So bekam er 1967 seinen ersten Auftritt in Spanien, in San Sebastián. Drei Jahre später, am 15. August 1970 hatte er in der Real Maestranza de Sevilla seine alternativa, wo er als einziger matador ein oreja erhielt. Sein padrino war immerhin der bekannte maestro Antonio Bienvenida und als testigo fungierte Rafael Torres.

Viele Kollegen waren begeistert von ihm. Selbst der legendäre Curro Romero, der anfangs der schwarzen Gestalt nicht allzu viel zutraute.  Er galt vor allem als ein sehr kompletter torero, der fast alle Teile der lidia ziemlich überzeugend beherrschte. So setzte er selbst auch die banderillas. Es folgten verschiedene erfolgreiche corrida de toros, auch in Las Ventas in Madrid, auch in México, Kolumbien und Frankreich.


Aber 1973 zog es ihn wieder dorthin wo alles begonnen hatte. In seine Heimat Mosambik. Sein Elternhaus war nur wenige Schritte von der plaza de toros entfernt, einer der Gründe wie sein afición begann. Denn mit nur acht Jahren verteilte er Werbezettel für die festejos taurinos. Nun stand er selbst auf dem cartel, und immer wenn er antrat füllte sich die plaza zum lleno bis No hay billetes und lockte zahlreiche aficionados aus dem benachbarten Südafrika an. 


Doch diese Triumphe sollten nur noch ein Jahr dauern, denn das Augenlicht von Ricardo Paulo Chibanga begann sich extrem zu verschlechtern und er sah sich gezwungen seine Karriere als torero zu beenden. Dies tat er nicht in seinem Heimatland sondern im chinesischen Macao. Und da sage man, das Thema der toros sei nicht so international.

Donnerstag, 8. Oktober 2015

Die Antitaurinos in Frankreich



von Ursula Herzog
und Philip de Málaga


Sie versuchen es immer wieder, auch aggressiver, aber erfolglos
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Die antitaurinos beim französischen Nachbarn gehen weitaus aggressiver vor als hier in Spanien. Dabei scheuen sie sich auch nicht gegen die Gesetzgebung zu verstossen, bzw. Rechte zu missachten. Federführend dürfte hier wohl die Organisation CRAC sein, welche sich auch nicht selten für ihre Aktionen vor Gericht verantworten muss, bzw. deren Mitglieder bei ihren antitaurinischen Tätigkeiten von der Polizei verhaftet worden sind. Obwohl es ihnen per Gesetz untersagt ist, sich festejos taurinos zu nähern, bzw. zu versuchen zu stören oder sie gar zu verhindern versuchen sie es immer wieder. Und so gehören mittlerweile verstärkte mobile Einsatzkräfte der Polizei zur Tagesordnung einer corrida de toros.

Wenn es in Frankreich toros gibt ist die Polizei präsent.
In Nîmes war in diesem Jahr ruhig. Die Medien berichteten, dass „nur“ Nägel auf die Strasse geworfen worden waren, um den Transport der toros zu verhindern. Bei der Arènes de Nîmes blieb es jedoch ruhig.

Die Polizei hält die antitaurinos auf Distanz
Dafür wurde es in Rodilhan vor ein paar Tagen turbulent. Dort kommt es jedes Jahr zu Demonstrationen der antitaurinos. SfA-Leser werden sich erinnern. im letzten Jahr haben sich die antitaurinos im ruedo vor Beginn der corrida angekettet, wobei es zu richtige Tumulten kam, auch deswegen, weil die Polizei erst recht spät eintraf. Wahrscheinlich einer der Gründe, warum die CRAC erneut diese plaza de toros (übrigens verfügt der Ort nicht über eine eigene plaza, sondern errichtet dafür eine plaza portátil) als Einsatzgebiet für ihre Manifestation wählte. Doch diesmal stiessen sie auf polizeilichen Wiederstand.

Mit brachialer Gewalt dringen die antitaurinos vor. Illegal natürlich.
Sitzblockaden gegen das Kulturerbe.
Aber letztendlich gelang es der Polizei den Ablauf der corrida zu gewährleisten.
Der Polizei gelang es, wenn auch mit Verzögerung, den ruhigen Ablauf der corrida zu ermöglichen, wobei sogar Tränengas eingesetzt wurde. Zehn Personen wurden vorübergehend festgenommen. Die antitaurinos (CRAC) sprechen von 500 bis 700 Demonstranten, die Polizei zählte dagegen etwa 350. 

Schliesslich konnte die corrida beginnen.
Aber nicht alle aficionados trauten sich zur plaza de toros,
 um nicht mit den gewaltbereiten antitaurinos zusammenzustossen. 
Ob nun 300 oder 700 spielt eigentlich keine Rolle. In Spanien sind es weitaus weniger. In Málaga zum Beispiel gab es während der feria taurina im August mit ihren zwölf festejos taurinos drei Demonstrationen von antitaurinos. Jedoch kamen alle drei zusammen auf viel weniger als 100 Personen. Im Gegensatz dazu wurden die toros in der La Malagueta von weit mehr als 100.000 Menschen besucht. In anderen Städten Spaniens sieht es nicht anders aus.

Mittwoch, 7. Oktober 2015

Stierkämpfe im Libanon

In Beirut gab es den Stierkampf mit den meisten Zuschauern der Geschichte
Eine katholische Tradition im moslemischen Reich
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von Philip de Málaga


Stierkämpfe im Libanon? Klingt ungewöhnlich, fremd, geradezu abstrakt. Aber trotzdem konnten sich die Libanesen in den 50ger bis 70ger Jahren mit den toros anfreunden. Und zwar mit den toros nach dem spanischen Vorbild. Katholische toros im moslemischen Teil der Erde.

So gab es am 2. Juli 1954 die erste novillada in Beirut, mit den novilleros Ramón Aran, El Exquisito und Salvador Ruiz. Es folgten weitere festejos taurinos, sogar corridas de toros, über die es leider recht wenig Informationen zu bekommen gibt.


Den Höhepunkt der mundo de los toros im Libanon gab es im Oktober 1961. Zwei corridas de toros in Beirut. Die erste mit den maestros Julio Aparicio, Juan Bienvenida und Mondeño


Toreros in Beirut: Julio Aparicio, Juan Bienvenida und Mondeño
Das beeindruckende an den festejos taurinos war die Kulisse in den tendidos. An die 60.000 Zuschauer füllten den aforo. Das übertrifft sogar die grösste plaza de toros der Welt, die Monumental de México, mit ihren über 40.000 Sitzplätzen.

Damit die zwei Veranstaltungen ein Erfolg wurden, inszenierte man eine regelrechte Propaganda-Kampagne in arabischer, englischer und französischer Sprache. Interviews standen an der Tagesordnung, und eine Pressekonferenz wurde abgehalten. Dabei wurde der matador de toros Aparicio von einem Journalisten gefragt, ob die toros wirklich getötet werden. Darauf erhob sich der torero, zog sein Hemd aus und zeigte den Presseleuten seine grosse Narbe, welche er beim letzten San Isidro in Madrid bekommen hatte. Selbstverständlich ginge es um den Tod.


Die corrida de toros begann mit viel Pomp. Allein schon die Anzahl der orientalischen Persönlichkeiten, welche mit ihren Rolls Royce vorfuhren waren beeindruckend. Auch der spanische Botschafter Don Emilio García Gómez sass mit seiner Gattin im Publikum. Eine banda taurina gab es nicht. Sondern ein zusammengewürfelter Haufen von Musikern aus den damals 47 Kabaretts der Stadt sorgte für die paso dobles.

Beim Anblick der areneros kam man nicht gleich auf die Idee dass es hier um toros gehe.
Für die toreros war es nicht ganz ungefährlich, denn es gab keine enfermería. Lediglich eine Ambulanz stand vor der plaza, um im Notfall den oder die Verwundeten zum nächsten Hospital zu bringen. In den corrales warteten zwölf toros, denn am nächsten Sonntag gab es noch eine corrida.


Pünktlich um 15:30 Uhr begann das festejo. Die Sonne knallte auf den Platz aber die toreros waren zu allem entschlossen und wollten der arabischen Welt viel an purer tauromaquia vermitteln. Und es gelang ihnen bestens das Publikum in den Bann zu ziehen. Wunderbare suertes mit der capa, faenas die bezauberten und estocadas die sassen. Mit ihrer arabischen Mentalität bewunderten die Zuschauer besonders die Arbeit der berittenen picadores, mehr noch als die der banderilleros. Man muss gar nicht weiter ins Detail gehen, bei jedem toro gab es mindestens eine trofeo.

Der matador de toros Julio Aparicio mit den Prinzen von Saudi Arabien
Alles ging aber auffallend rasch über die Bühne in nur einer Stunde und fünfundvierzig Minuten war die corrida beendet. Es gab übrigens auch keine mulillas. Die toten toros wurden mit Lastwagen abtransportiert.

Ein espectáculo taurino, welches ins Guinnessbuch der Rekorde gehört. 60.000 Zuschauer, alle waren begeistert und keiner hatte vorzeitig seinen Platz verlassen. Und eins dürfte fest stehen. In keinem Land ausserhalb der wahren mundo de los toros hat es jemals so viel Emotionen gegeben wie in Beirut an diesem tarde de toros. Keine Frage, die drei matadores de toros agierten wie spanische Botschafter im Orient, von denen alle 91 Zeitungen in Beirut lobend berichtet hatten und die Narbe des spanischen matador de toros Julio Aparicio als Symbol der Unsterblichkeit deklarierten. Aber sie sahen die toros auch nicht als so gefährlich an. Die Tageszeitung Oriente beschrieb es folgendermassen: "Die toros seien nicht so wilde Fleischesser wie wir dachten".

Dienstag, 6. Oktober 2015

Stierkampf in Jugoslawien

Selbst in Belgrad wollte man die mundo de los toros zeigen ... live
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von Philip de Málaga



Am 2. und 3. Oktober 1971 veranstaltete man in der jugoslawischen Hauptstadt Belgrad jeweils eine corrida mixta. Dabei war es nicht unbedingt das Ziel, die tauromaquia in jenem Balkanstaat einzuführen, sondern hatte eher den Effekt einer Ausstellung, einer Vorführung, einem Näherbringens jener spanischer Kultur, wo die toros als Teil der iberischen Tradition gelten. Während der corrida wurde dem Publikum über Lautsprecher die einzelnen tercios mit ihren suertes und sonstige Geschehen erklärt. 


Dazu wurde das Fussballstadium von Belgrad in eine plaza de toros umverwandelt. Und an den beiden tardes de toros erschienen immerhin an die 5.000 Zuschauer, welche für die entradas einen doppelt so hohen Preis zahlten, wie für ein Fussballspiel der ersten Liga.

Das cartel war an beiden Tagen dasselbe, lediglich die ganaderías wechselten. Es traten an die matadores de toros Luis Miguel Dominguín und der Franzose Roberto Piles (dem übrigens einen halben Monat vorher, am 12. September 1971, Luis Miguel Dominguín als padrino bei seiner alternativa in Barcelona zur Seite stand) sowie der portugiesische rejoneador Alfredo Conde. Die toros für die erste corrida kamen von der ganadería Carlos Núñez, für das zweite festejo von der ganadería Guardiola.

Luis Miguel Dominguín, Roberto Piles und Alfredo Conde
Die erste corrida begann in einem höchst merkwürdigen Ambiente. Als der Rechtsanwalt Don Manuel Amorós González aus Madrid das festejo eröffnete, begann in den Rängen ein gewisses Murren, weil dass Publikum sich nicht so recht im Klaren war, was es jetzt zu sehen bekam. Sie wussten nur, das jetzt etwas getötet wird. Trotzdem erklang beim paseillo auch einiger Applaus. Und überhaupt, während der corrida zeigten die Zuschauer immer mehr Interesse, man verfolgte aufmerksam das Geschehen und es entwickelte sich dementsprechend eine gewisse Emotion für die toros und toreros beim Publikum.

Der erst toro gehörte Dominguín und meinte es nicht gut mit dem matador. Mit einer voltereta beförderte dieser den torero zu Boden, wo jener ein kurze Zeit lang bewusstlos liegen blieb. Sekunden des Schreckens ging durch die Reihen der Zuschauer, doch dann erhob sich der maestro wieder, und man war erleichtert, Dominguín unverletzt wieder agieren zu sehen. Und je mehr die Jugoslawen diesem Schauspiel beiwohnten, umso mehr konnten sie sich dafür begeistern. So gelang es Luis Miguel Dominguín bei seinem zweiten toro eine gewisse Begeisterung in die tendidos der Fussballarena zu übertragen, auch wenn die meisten nicht wirklich verstanden, was sie zu sahen bekamen, aber mit der Stimmung in den Rängen wurde er mit dos orejas y rabo belohnt.

Am zweiten tarde de toros hatte der matador aus Madrid weniger Glück. Auch hier erwischte Dominguín der erste toro schon gleich zu Beginn beim Beenden einer Serie von verónicas und verwundete seine Hand dermassen, dass er die lidia nicht fortführen konnte und ins Hospital gebracht wurde, wo man seine cornada mit sechs Nähten behandeln musste.

Obwohl sich das Publikum ohne Frage mit den toros anfreunden konnte, gab es nie wieder eine corrida de toros in Jugoslawien. Nun hat sich dort ja auch die politische Landschaft ein wenig verändert.

Montag, 5. Oktober 2015

Stierkampf in Ungarn

Stierkämpfe gab es nicht nur in den klassischen Ländern der Stiere, 
sondern ...
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von Philip de Málaga



Wer meint, Stierkämpfe hätte es nur in den wenigen Ländern wie Spanien, Frankreich, Portugal, México, Kolumbien etc. gegeben der irrt. In vielen Ländern, es sind weit mehr als zwanzig, hat es festejos taurinos gegeben. Corridas mit wahrhaftigen toros und richtigen matadores.


So zum Beispiel in Ungarn. Dort wurden Anfang des letzten Jahrhunderts verschiedene corridas de toros zur nächtlichen Stunde in der Hauptstadt Budapest veranstaltet. Nach dem portugiesischen Vorbild durften die toros jedoch nicht verletzt oder gar getötet werden. Am 14. Juli 1904 wurde der matador Pouly Fils von seinem toro erwischt, und man musste ihn in die enfermería bringen. Die Verwundung war so schlimm, dass er einen Monat lang im Hospital verbringen musste. Da schwor sich der matador, Budapest nicht eher zu verlassen, bevor er jenen toro getötet hatte, der ihn so schwer verletzte. Bei seinem nächsten Auftritt betrat er mit einem estoque zum Töten das ruedo. Doch statt des toros kam die Polizei um ihn zu verhaften.

Die cuadrilla von Pouly Fils aus dem Jahr 2004 in Ungarn
"Parejito"
Zwanzig Jahre später gab es noch ein besonderes Ereignis taurino in Budapest. Denn dort trat der aus dem andalusischen Lucena (südlich von Córdoba) stammende Francisco López Parejo "Parejito"auf, dessen padrino kein geringerer war als der bekannte maestro Ignacio Sánchez Mejías. Viel Glück brachte es dem matador nicht, denn am 20. April 1930 wurde er von einem novillo in der Provinz Jaen schwer verwundet. Ein cornada, an welcher er lange zu leiden hatte und schliesslich nach fast zwei Jahren an dieser am 5. Abril 1932 erstarb.

"Parejito" übrigens gab noch ein Gastspiel als torero in einem für die toros untypischem Land. In Rom.

Sonntag, 4. Oktober 2015

Viele Manöver ist nicht gleich torear




von Domingo Ortega


Der matador de toros Domingo López Ortega (1906 bis 1988) war in seiner Zeit einer der führenden figuras, vor allem weil es ihm gelang schwierige toros zu dominieren. Er gehörte ohne Frage zu den maestros die gleich alle drei tercios beherrschten. Wunderbar konnte er mit der capa umgehen, mit der muleta geradezu exzellent und ein grosser Meister mit dem espada.

Domingo López Ortega, rechts mit einem pase de pecho 

„Sie, aficionados, wenn Sie sich nur kurz erinnern, werden bei den corridas de toros viele Male faenas mit zwanzig, dreissig, vierzig pases gesehen haben und den Stier ein jedes Mal in stärkerem Masse intakt und ungeschwächt. Wie ist es möglich, dass bei einer solchen Anzahl von pases, augenscheinlich schönen pases für den grossen Teil des Publikums, der Stier sich nicht bezwungen fühlt? Die Antwort ist sehr einfach: was geschehen ist, ist, dass der torero fortwährend pases verteilt hat, doch pases verteilen ist nicht dasselbe wie torear.“
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Quellennachweis:

Dr. Andreas Krumbein

Samstag, 3. Oktober 2015

Die Geschichte von Ferdinand

Was kaum einer weiss, der Kinderbuchlassiker "Ferdinand
ist fast genauso alt wie Hemingways "Tod am Nachmittag"
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von Philip de Málaga



Im Jahr 1932 erschien das bekannte Werk von Ernest Hemingway „Tod am Nachmittag“. Jenes Buch, welches die mundo de los toros einem internationalem Publikum näher brachte. Nur drei Jahre später schrieb in nur vierzig Minuten der Englischlehrer Munro Leaf (1892 - 1957) in Massachusetts (USA) „The Story von Ferdinand“. Damit wollte er seinem arbeitslosen Freund dem Kinderbuch-Illustrator Robert Lawsen einen Job verschaffen.

Munro Leaf und Robert Lawsen
Die Handlung ist kurz und einfach. „Es war einmal in Spanien ...“ Ferdinand ist ein junger toro der den Frieden wie die Blumen liebt und gerade in dem Moment wo die empresarios aus der plaza de toros von Madrid kamen um toros für die corridas zu kaufen, stach ihn eine Biene. Da wurde er ganz wild und die Herrschaften aus der spanischen Hauptstadt sahen in ihm den richtigen wilden und schnellen toro, kauften ihn ein und brachten ihn nach Madrid. Doch bei der corrida dachte Ferdinand gar nicht daran zu kämpfen und blieb einfach in der Mitte des ruedos sitzen. Da er so gar nicht auf die Provokationen der toreros einging, schickte man ihn wieder zurück auf die Weide.

1936 als amerikanische Erstausgabe
Bei diesem Werk fallen einem zwei Dinge auf. Zum einen ist es technisch falsch wiedergegeben. Zum Beispiel treten beim paseillo die toreros in der falschen Reihenfolge ein: „Zuerst kamen die banderilleros .... Darauf kamen die picadores .... dann erschien der matador“. Es war schon immer so, dass die matadores nach den alguaciles als erste das ruedo betraten. Aber warum findet Ferdinand den Weg zu Weide wieder? Auch das entspricht nicht dem reglamento taurino. Ein toro kann nur dann begnadigt werden, also ein indulto erfahren, wenn er sich als besonders bravo, also mutig und angriffsfreudig gezeigt hat. Dies war hier aber nicht der Fall. Normalerweise wäre Ferdinand ausgetauscht worden und im Schlachthof gelandet.

Der falsche Aufmarsch der toreros, die banderilleros zuerst.
Zum anderen war das Werk recht umstritten denn es kam genau zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges 1936 auf den Markt und wurde als "subversives Kinderbuch" abgestempelt. Denn man warf dem Autoren Propagandazwecke vor, gerichtet an die Kommunisten, Faschisten wie auch Pazifisten. Munro Leaf winkte diese Vorwürfe einfach ab, sein toro Ferdinand sei einfach nur ein Philosoph mit einem höheren Geist, der guten Geschmack und Charakter bewiesen habe.

Der toro Ferdinand auf dem Weg zu seinem Baum ... bevor ihn die Biene sticht.
Wie dem auch sei, dieses Kinderbuch wurde ein Weltbestseller, ist in mehr als fünfzehn Sprachen erschienen und ist nun seit beinahe 80 Jahren auf dem internationalen Markt erhältlich. Auch gibt es mittlerweile dieses Werk von verschiedenen Illustratoren:



Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde es sogar von Walt Disney verfilmt.


Auf der Insel Helgö in Schweden, setzte man Ferdinand im Jahr 2008 eine Skulptur:

Der toro Ferdinand in Schweden
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Literaturhinweis:

FERDINAND, Munro Leaf, Diogenes Verlag Zürich, 1993

Freitag, 2. Oktober 2015

Die Tauromachie in der Photographie

Über die optische Anziehungskraft der toreros
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von Dominik Sachsenheimer 

Einmal mehr zeigt sich die Anziehungskraft der tauromaquia auf Anverwandte aus anderen Kunstformen, in diesem Falle durch den Fotografen Jose Ramon Lozano

Der Künstler und aficionado der seine Leidenschaft auf das Papier bringt. (Foto: Vocento)

Für die traditionell letzte große feria taurina der spanischen Saison, El Pilar in Zaragoza, entstanden diese Bilder von matadores de toros die sich als pure Kunst verstehen:

Julian Lopez "El Juli", der tauromaquia und Respekt verkörpert:




Diego Urdiales, der für Reinheit und Aufrichtigkeit steht: 


Der Newcomer López Simón, der mit Wahrhaftigkeit gleichgesetzt wird.


Alejandro Talavante, der zusehends zum poetischen Improvisator reifte und deshalb den Begriff der Freiheit vertritt, im Bild mit Miguel de Cervantes mit einer Prise Lope de Vega erinnernd. 




Zu guter letzt Morante de la Puebla, er darf natürlich in dieser Sammlung nicht fehlen, dem Universalgenie in Anspielung auf Salvador Dali.