Dienstag, 21. Juni 2016

Fast 5.000 Zuschauer beim Stierkampf auf Mallorca




von Philip de Málaga


Obwohl man es in Mallorca verhindern möchte, 
es gibt weiterhin Stierkämpfe und mit grossem Besucherandrang
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In Spanien nennt man es ein casi lleno, wenn sich eine plaza de toros fast füllt. Und genau das ist in Muro auf der Baleareninsel Mallorca am letzten Sonntag geschehen. Mehr als tres cuartos Zuschauer in den tendidos bei einer corrida de toros. Ein ohne Frage erstaunliches Interesse für eine Insel, welche mit dem Slogan "Mallorca ohne Blut" wirbt. Wenn eine kleine Gemeinde von gut 7.000 Einwohnern, ihren coso mit 5.000 Besuchern zu füllen versteht, ist das eine klare Antwort der mundo taurino auf die Bestrebungen, alle festejos taurinos zu verbieten: "Si, la isla quiere los toros!" Ja, die Insel will die Stiere! Oder wie die spanische Tageszeitung ABC schrieb: "Mallorca beansprucht die fiesta de los toros für sich".

Es war nicht nur ein gut besuchter tarde de toros um die tauromaquia auf den Balearen zu verteidigen und zu rechtfertigen, die Zuschauer bekamen auch etwas geboten. Die drei matadores de toros konnten durchaus überzeugen. Allen voran der 1974 in Salamanca geborene maestro Álvaro de la Calle mit drei orejas. Auch seine Mitstreiter im ruedo, Morenito de Aranda und Paco Ureña erhielten jeweils ein oreja für ihre Leistung.
Volle plaza de toros auf Mallorca
Das neue Tierschutzgesetz solle alle toros auf den Balearen verbieten. Doch kaum ist man die Umsetzung angegangen, gab es in den eigenen Reihen der regierenden Sozialisten Wiederstand. Und nun gibt es doch Stierkämpfe auf Mallorca in diesem Sommer

Aber nicht nur den taurinos missfällt das Vorgehen der Balearenregierung. Auch die Jäger fühlen sich missverstanden. Denn mit dem neuen Tierschutzgesetz müssten diese auf die Wettkämpfe des Taubenschiessens verzichten. Das Taubenschiessen habe eine über 60-jährige Tradition, und das könne man nicht einfach so unterbinden. Die jährlich an die 50.000 geschossenen Vögel kommen als Essenspende karitativen Organisationen zugute. Dabei gehe es den Jägern nicht nur um die Erhaltung ihrer Tradition, vielmehr sei zu berücksichtigen, dass die Tauben zu einer Plage werden könnten, wenn man die Vermehrung nicht mehr kontrollieren könne. Toros und Tauben, zwei "T", welche dem Regionalparlament der Inselgruppe zu einem Problem werden.

Montag, 20. Juni 2016

Momentaufnahme vor dem Tod




von Paco Cano


Jeder aficionado kennt den 28. August 1947 und verbindet damit automatisch zwei Namen: Manolete und Islero. Ein torero und ein toro. Im andalusischen Linares, in der Provinz Jaen, begegnete damals die wichtigste figura des toreos, der matador de toros Manuel Laureano Rodríguez Sánchez, bekannt unter dem Künstlernamen Manolete, dem letzten toro in seinem Leben. Der toro mit Namen Islero brachte 495 Kilo mit auf die Waage, kam von der gefürchteten ganadería Miura, sein Geburtsdatum war kurioserweise unbekannt, und er war an diesem diesem tarde de toros das fünfte ejemplar, welcher in das ruedo kam, um mit dem maestro Manolete anzutreten. 

Das tragische Ende kennen alle. Bilder, Filme, Momente der dramatischen cogida, viele aficionados tragen sie in ihrem Gedächtnis. Islero war der zweite toro von Manolete und seine todbringende Attacke führte er erst bei der estocada dem torero zu, der versuchte mit einem volapié seinen enemigo zu töten. Doch vor dieser nervenaufreibenden Szene gab es andere Momente, die auch festgehalten worden sind. So wie die folgende Aufnahme des bekannten Photographen taurino Paco Cano:
28. August 1947. Minuten vor der todbringenden cornada.
Da steht Manolete vor seinem zweiten toro des tardes, Islero. Das letzte tercio hat begonnen, die muleta hält er in der rechten Hand, mit der anderen kontrolliert er die Hörner, blickt provozierend vom Tier weg ins Publikum, der momento de verdad folgt in wenigen Minuten und noch ahnt er nicht, dass er den nächsten Tag nicht mehr erleben wird. 

Sonntag, 19. Juni 2016

Stierkämpfe auf den Azoren




von Philip de Málaga


Zwischen Ja und Nein können sich die Stiere auf den Azoren halten
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Die portugiesische Inselgruppe der Azoren bildet eine Brücke nach Amerika. Und im Sinne der tauromaquia gilt das auch für die toros, zwischen Europa und Mittel- wie Südamerika. Mit ihren ¼ Million Einwohnern balanciert die Iihas dos Açores zwischen der tradición taurina und einer abolición de los toros. Die afición auf den Azoren ist klein, aber intensiv und voller Leidenschaft. Sie pendelt zwischen den klassischen corrida de touros picadas und den festejos populares touradas á cordas, wo die Stiere an Seile angebunden durch die Dörfer getrieben werden, und junge Männer die Möglichkeit haben, sich ihnen zu stellen. besonders taurinisch fixiert ist die Insel Terceira, auch deswegen, weil es dort bekannte ganaderías gibt. Nicht umbedeutsam, eben auch weil wir in Portugal sind, die forcados.
Das cartel taurino für 2016
Und trotzdem machen sich die Gegner immer wieder stark. Nicht so wie die aggressiven antitaurinos in Frankreich, sondern hier geht man demokratische Wege. So kam es 2005 dazu, dass das Regionalparlament der Azoren, mit 28 zu 26 Stimmen eine Legalisierung der blutigen festejos taurinos zurückgewiesen hatte. Immerhin, 48 Prozent stimmten für die tauromaquia! Wenige Jahre später wurde dieses Verbot wieder aufgehoben und auf den darf man sich wieder auf den Iihas dos Açores mit und an der mundo de los toros erfreuen.
Cartel taurino aus dem Jahr 2013
Beeindruckend die carteles taurinos auf den Azoren. Übergrosse Strassenplakate verzieren das Landschaftsbild, und lassen keine Zweifel darüber aufkommen, dass die toros eben doch auf die Atlantikinselgruppe gehören, mehr noch, sie sind eine Tradition. Bestandteil des kulturellen Lebens. Mehr noch, die Bevölkerung nimmt für sich in Anspruch, auf der isla más taurina del mundo, auf der taurinischsten Insel der Welt zu leben.
Cartel taurino aus dem Jahr 2015
Auch in diesem Jahr finden hier anlässlich des der Festlichkeit zur Johannesnacht festejos taurinos statt. Angekündigt sind unter anderem eine corrida de toros mit den matadores de toros José Garrido, Juan Leal und Daniel Luque und den toros, natürlich aus heimischem Gefilde der Insel Terceira, von der ganaderías Rego Botelho. Ebenfalls im Programm selbstredend rejoneos und touradas á cordas
Plaza de toros in São João für 5.000 Zuschauer.
Die plaza de toros mit einem aforo von 5.000 Zuschauern, in der Hauptstadt der Insel Terceira wurde am 21. Juni 1984 wieder eingeweiht, nachdem diese vier Jahre vorher im Jahr 1980 bei einem Erdbeben zerstört worden ist. Die erste plaza in der Mitte des Atlantischen Ozeans, drei Flugstunden von Lissabon und vier Flugstunden von Boston entfernt, entstand 1870 in São João. Über die einzigartige plaza de toros dem Cráter de toros auf dem Vulkan der Insel Graciosa hatte SfA schon berichtet.

Samstag, 18. Juni 2016

Ein Gentleman und Torero




von Philip de Málaga


Der Torero José María Manzanares wird in Spanien 
zum Gentleman 2016 gewählt
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Der matador de toros José María Manzanares, 1982 in Alicante geboren, wurde in dieser Woche von dem spanischen Monatsmagazin Gentleman mit dem Award Gentleman 2016 ausgezeichnet. Hiermit wurde vor allem sein elegantes wie diplomatisches Auftreten in der Öffentlichkeit bewertet, seine Repräsentation für die tauromaquia und letztendlich seiner Leistung bei der corrida de beneficencia in der spanischen Hauptstadt Madrid die Krone des stilvollsten Mannes von San Isidro  aufgesetzt. Ein Gentleman und torero
Nicht nur im ruedo macht der maestro José María Manzanares eine gute Figur
Bei der Preisverleihung im Museum Lázaro Galdiano, neben dem Prado und Thyssen-Bornemiszca der wichtigste Kunstrepräsentant in der spanischen Metropole, wo auch schon die Künstler Francisco de Goya oder Isidro Carnicero (Stierkampf am Himmel) zu sehen waren, sagte der maestro: "Ich bin glücklich heute Abend hier zu sein, um die mundo del toro zu repräsentieren. Ein  harter Beruf aber voller Schönheit."

Diese Anerkennung erhält der diestro aus Alicante nicht nur wegen der Gegenwart, sondern auch als Auszeichnung für seinen Werdegang als torero. Dreizehn Jahre kann er zurückblicken, und es gelang ihm in allen wichtigsten cosos der Welt zu triumphieren wie Las Ventas von Madrid, in der La Monumental von Barcelona,  in den Las Maestranzas von Sevilla und Ronda, genauso wie in der französischen Arènes de Nîmes oder in der grössten plaza de toros der Welt, der Monumental de México


José María Manzanares ist gegenwärtig überall nicht nur auf der Iberischen Halbinsel präsent. Grosse Zeitschriften wie Men`s Health, Gentleman, Hola, Times, Vogue, Vanity Fair, Bazar oder die Wochenmagazine der Tageszeitungen El País, El Mundo oder ABC, bringen ihn gerne auf ihre Titelseiten und grosse Photographen von bekannten Marken bevorzugen ihn häufig als Objekt der Leidenschaft und Eleganz, wie Mario Testino, Jaume de Laiguana, Bruce Weber oder Firmen wie IWC oder Dolce y Gabbana




Freitag, 17. Juni 2016

Nun gibt es doch Stierkämpfe auf Mallorca in diesem Sommer




von Philip de Málaga


Die Entscheidung über das Stierkampfverbot auf den Balearen
ist erst einmal verschoben worden
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Eigentlich sollten die toros auf der Inselgruppe der Balearen schon seit dem 1. Juni diesen Jahres verboten sein. Doch es kam anders. SfA hatte darüber ja schon in Kippt das neue Tierschutzgesetz auf Mallorca berichtet. Die internen Streitigkeiten zu diesem Thema spaltete die Regierung regelrecht in zwei Lager, so dass die Landesregierung der Balearen diese Tage bekannt gegeben hat, dass das neue Tierschutzgesetz erst im laufe des Septembers verabschiedet werden soll. Mit anderen Worten, in diesem Sommer sind festejos taurinos, seien es encierros, fiestas populares oder corridas de toros, auf Mallorca weiterhin erlaubt. 

Hiermit will man nicht nur die innerparteilichen Zwiespältigkeit ein wenig beruhigen, sondern auch die Entschädigungszahlungen für die empresarios für den entstehenden Verlust, durch die abgesagten festejos taurinos, über mehrere hunderttausend Euro umgehen.

Somit steht der corrida de toros am kommenden Sonntag in Muro nichts mehr im Wege. Mit absolut moderaten entradas, zwischen zehn Euro für junge Menschen unter 25 Jahren  und siebzig Euro für den guten Platz an der barrera im sombra, da kann sich die afición wirklich nicht beklagen. Zumal das cartel ja auch etwas zu bieten hat, wie unter anderem den maestro Paco Ureña, welchen SfA-Leser aus Und wieder Madrid kennen. Die gewaltigen 6 Toros 6 kommen von der ganadería de la Ramadería aus Salamanca, bringen ein Gewicht von 480 bis 515 auf die Wage, und sind schon am letzten Sonntag eingetroffen.

Die toros für die corrida am Sonntag sind auf Mallorca eingetroffen.
In der plaza de toros von Muro ist es in diesem Jahr das zweite festejo taurino. Die Tradition der toros gibt es hier in diesem coso mit dem beindruckenden Namen La Monumental für 5.350 Zuschauer seit 1918, also knapp einhundert Jahre. 

Donnerstag, 16. Juni 2016

Ferdinand der Stier - die wahre Geschichte

Was kaum einer weiss, der Kinderbuchlassiker "Ferdinand
ist fast genauso alt wie Hemingways "Tod am Nachmittag"
und er ist keine Erfindung von Walt Disney
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von Philip de Málaga


Gerade in diesen Tagen widmete sich die spanische Tageszeitung EL MUNDO dem amerikanischen Filmproduzenten Walt Disney und seiner Beziehung zu der mundo de los toros. Ja mit den Tieren hat er sich gut verstanden. Er mochte sie und wollte sie auf humorvolle Art und Weise den Menschen näher bringen. Auch die toros. Und so wurde in den Augen der spanischen Presse Walt Disney zum torero: Walt Disney, `the toreador´

EL MUNDO vom 13. Juni 2016
Da ist unter anderem die Rede von seinem erfolgreichsten toro. Dem toro mit dem Namen  Ferdinand. Fälschlicherweise halten viele Ferdinand für eine Erfindung von Walt Disney. Sprechen sogar von "seinemtoro. Was nicht stimmt, und auch in dem o. g. Artikel von Robert Ryan wird darüber aufgeklärt. Das Missverständnis liegt vor allem wohl darin, dass Walt Disney für den Kurz-Film "Ferdinand the bull" 1939 mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist. Aber die wahre Geschichte von Ferdinand begann  schon vier Jahre vorher.



Im  Jahr 1932 erschien das bekannte Werk von Ernest Hemingway „Tod am Nachmittag“. Jenes Buch, welches die mundo de los toros einem internationalem Publikum näher brachte. Nur drei Jahre später schrieb in nur vierzig Minuten der Englischlehrer Munro Leaf (1905 - 1976) in Massachusetts (USA) „The Story von Ferdinand“. Damit wollte er seinem arbeitslosen Freund dem Kinderbuch-Illustrator Robert Lawsen (1892 - 1957) einen Job verschaffen.

Munro Leaf und Robert Lawsen
Die Handlung ist kurz und einfach. „Es war einmal in Spanien ...“ Ferdinand ist ein junger toro der den Frieden wie die Blumen liebt und gerade in dem Moment wo die empresarios aus der plaza de toros von Madrid kamen um toros für die corridas zu kaufen, stach ihn eine Biene. Da wurde er ganz wild und die Herrschaften aus der spanischen Hauptstadt sahen in ihm den richtigen wilden und schnellen toro, kauften ihn ein und brachten ihn nach Madrid. Doch bei der corrida dachte Ferdinand gar nicht daran zu kämpfen und blieb einfach in der Mitte des ruedos sitzen. Da er so gar nicht auf die Provokationen der toreros einging, schickte man ihn wieder zurück auf die Weide.

1936 als amerikanische Erstausgabe
Bei diesem Werk fallen einem zwei Dinge auf. Zum einen ist es technisch falsch wiedergegeben. Zum Beispiel treten beim paseillo die toreros in der falschen Reihenfolge ein: „Zuerst kamen die banderilleros .... Darauf kamen die picadores .... dann erschien der matador“. Es war schon immer so, dass die matadores nach den alguaciles als erste das ruedo betraten. Aber warum findet Ferdinand den Weg zu Weide wieder? Auch das entspricht nicht dem reglamento taurino. Ein toro kann nur dann begnadigt werden, also ein indulto erfahren, wenn er sich als besonders bravo, also mutig und angriffsfreudig gezeigt hat. Dies war hier aber nicht der Fall. Normalerweise wäre Ferdinand ausgetauscht worden und im Schlachthof gelandet.

Der falsche Aufmarsch der toreros, die banderilleros zuerst.
Zum anderen war das Werk recht umstritten denn es kam genau zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges 1936 auf den Markt und wurde als "subversives Kinderbuch" abgestempelt. Denn man warf dem Autoren Propagandazwecke vor, gerichtet an die Kommunisten, Faschisten wie auch Pazifisten. Munro Leaf winkte diese Vorwürfe einfach ab, sein toro Ferdinand sei einfach nur ein Philosoph mit einem höheren Geist, der guten Geschmack und Charakter bewiesen habe.

Der toro Ferdinand auf dem Weg zu seinem Baum ... bevor ihn die Biene sticht.
Wie dem auch sei, dieses Kinderbuch wurde ein Weltbestseller, ist in mehr als fünfzehn Sprachen erschienen und ist nun seit beinahe 80 Jahren auf dem internationalen Markt erhältlich. Auch gibt es mittlerweile dieses Werk von verschiedenen Illustratoren:



Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde es von Walt Disney verfilmt. Dieser Verfilmung wurde 1939 mit dem Oscar für den bestanimierten Kurzfilm ausgezeichnet.


Auf der Insel Helgö in Schweden, setzte man Ferdinand im Jahr 2008 eine Skulptur:


Der toro Ferdinand in Schweden

Und Ferdinand soll noch eine Zukunft haben. Schon im Jahr 2011 hat die 20th Century Fox Animation die Lizenzrechte von dem toro Ferdinand von Walt Disney erworben. Und nun soll für den Juli 2017 in Connecticut (Unites States), in den Blue Sky Studios, welche auf Computeranimationen spezialisiert sind, ein neues taurinisches Werk entstehen. Unter der Leitung des bekannten portugiesischen Regisseurs Carlos Saldanha, der schon als Regisseur und Produzent für die populären Produktionen wie Ice Age oder Robots Pate stand, wird Ferdinand mit optischer Grafik neu erfunden. Man kann gespannt sein.
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Literaturhinweise:

FERDINAND THE BULL, Munro Leaf, Viking Press, 1936
FERDINAND, Munro Leaf, Diogenes Verlag Zürich, 1993

Mittwoch, 15. Juni 2016

Wenn Gott antwortet




von Pepe Dominguín


In der SfA Reportage Matador - die Kunst des Tötens erzählt Torodora Gorges von einer jungen morantista welche ihr bekannte: "Morante beim Agieren mit dem Stier zuzusehen, ist wie mit Gott reden, und Gott antwortet."

In der Tat ein bekannter Ausspruch in der tauromaquia um den Gefühlen gegenüber dem Gesehenen im ruedo einen emotionalen, einen schon nicht mehr zu übertreffenden Ausdruck an Emotionen zu verleihen. Der Ursprung dieser Worte geht auf das Jahr 1991 zurück.

Viele aficionados denken sicherlich noch an die corrida de beneficencia in Las Ventas, wo die beiden maestros, der Kolumbianer César Rincón und der Spanier Ortega Cano in einem mano a mano die afición begeisterten. Nicht nur im coso, denn auch im staatlichen Fernsehen TVE 2 wurde diese corrida live übertragen und erreichte ein Millionenpublikum. Dabei war es vor allem der Südamerikaner, der die afición in den tendidos in der spanischen Hauptstadt geradezu in einen wahren Rausch versetzt. Denn in dieser temporada bestritt César Rincón in Madrid vier corrida de toros, bekam neun orejas und öffnete vier Mal die puerta grande. Für die mundo de los toros ein historisches Ergebnis. 
Der spanische König Juan Carlos I, selbst ein grosser aficionado de toros
begrüsst due beiden maestros Ortega Cano und César Rincón
Kommen wir wieder zurück zum 6. Juni 2991 in Las Ventas. Diese corrida de beneficencia sorgte für einen Rekordeinschaltquote bei RTVE. In einigen taurinischen Städten war sie geradezu ein Strassenfeger. Auch die plaza de toros zählte ein No hay billetes. Und vor dieser Kulisse erlebten die Zuschauer zwei ovaciones, zwei dos orejas und zwei orejas

Bevor die beiden maestros auf den Schultern aus dem ruedo getragen wurden, wendeten sie sich an Seine Majestät und fragten nach, ob er zufrieden gewesen sei. Don Juan Carlos I entgegnete darauf, "Ich bin zufrieden, wenn ihr zufrieden seit".  Dann verliessen die toreros durch die puerta grande die plaza.

Nach so vielen geballten Emotionen musste ein jeder nach dem festejo taurino erst einmal tief durchatmen, wieder Mensch werden. So befand sich unter den Zuschauern auch die figura, der bekannte matador de toros Pepe Dominguín. Auch er war beeindruckt was er in Madrid in diesen Tagen zu sehen bekam.

José Gonzáles Lucas mit Künstlernamen Pepe Dominguín (1922 bis 2003)
"Lo de César Rincón es como si le hablaras a Dios ...
... ¡Y que Dios te conteste!"

"Das mit César Rincón ist wie mit Gott zu reden ...
... Und Gott antwortet dir!"

Madrid den 6. Juni 1991

Dienstag, 14. Juni 2016

Matador – von der Kunst des Tötens





von Torodora Gorges


Wer leidet mehr? Das Publikum oder der Torero?
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Ob eine faena gekrönt wird mit einer Puerta Grande, bleibt bis zur letzten Minute – dem „Augenblick der Wahrheit“ – unvorhersehbar. Es hängt von der Sicherheit ab, mit dem die estocada – der Degenstoss – den Stier trifft.  Die  Handhabung des Degens missrät häufig. Der Stier stirbt erst nach einem zweiten Versuch, den Degen richtig zu platzieren. Manchmal missglücken auch  mehrere Anläufe. 

Das widerfährt auch Morante immer wieder. Man sagt, dass das Töten nicht seine Sache sei.  Man beruft sich auf Hemingway: „Nur selten (ist) ein großer Künstler mit der capa und der muleta ein Töter. .... Ein großer Töter muss gern töten..... Der wahrhaft große Töter muss ein Gefühl für Ehre haben und ein Gefühl für Ruhm, welches das des gewöhnlichen Stierkämpfers weit übersteigt. In anderen Worten, er muss ein primitiverer Mensch sein (1). Seine Überlegungen zum Tod am Nachmittag von 1932 evozieren nahezu  Nietzsches Moral „Jenseits von Gut und Böse“. Ich wüsste gerne, was Morante de la Puebla darüber, aber auch über das folgende Zitat von Hemingway denkt: „Der wahrhaft grosse Töter... muss den Augenblick des Tötens als spirituelles Hochgefühl empfinden ......(und) eine der grössten Freuden dabei ....ist das Gefühl der Rebellion gegen den Tod, das man erlebt, wenn man ihn verursacht.
Für die aficionados ein unschöner Moment, für den matador ein Alptraum ...
... wenn die estocada nicht gelingen will.
Die Gefühle der aficionados decken sich vermutlich ebenso wenig wie die der matadores und toreros mit den  Äusserungen Hemingways, der sich so eingehend dem Verherrlichen des Tötungsaktes widmet.

Der 21. Mai 2009 in Las Ventas gehört zu den Höhepunkten von Morantes diesjähriger temporada. Las Ventas se rinde a Morante“ (2), schreibt der Rezensent. Das Publikum dankt Morante mit „Ehrerbietung und Hingabe“. Alle Einzelheiten dieser kreativen, künstlerischen Improvisation, alle suertes mit capa und muleta werden – wie man es nun schon kennt – in Form einer Eloge noch einmal in Worte gebannt: Epifanía, Pasmo, Milagro!
Auch dieses Mal blieb ihm die Puerta Grande von Las Ventas verschlossen. 

José Antonio Morante büsste die zweite Trophäe wegen der verfehlten estocada ein. Seine Zuschauer, die „normalen Sterblichen“, leiden mit ihm, dem genio, lassen ihm mit ihrer extatischen Freude Trost zukommen. Sie spüren seine sowohl seelische wie köperliche Erschöpfung und Leere. Die Filme in Youtube zeigen uns: Am Beginn der Ehrenrunde, nach Übergabe der Trophäe, laufen Morante die Tränen über das Gesicht. Der Zuschauer projiziert die eigene Enttäuschung auf den torero, der sichtbar leidet. Ungewiss, ob es ein Leiden ist  unter dem Zustand der Erschöpfung oder unter dem Gefühl, sein Ziel, die Puerta Grande von Las Ventas zu öffnen, wegen eines pinchazo (einem Stich „daneben“) verfehlt zu haben? Da erst der zweite Degenstoss tödlich traf, verweigerte der Präsident die zweite Trophäe, die das Publikum temperamentvoll und gebieterisch einforderte.
Wenn der maestro Morante de la Puebla bei der estocada versagt,
und der momento de verdad für morantistas zum Alptraum wird.
Unter den anhaltenden Ovationen der Besucher in der Plaza weicht Morantes Traurigkeit   einem glücklichen Lächeln, das die Glücksempfindungen des Publikums wiederspiegelt  und bestätigt. Sogar das strenge, kritische Publikum aus dem Tendido 7 jubelte Morante vorbehaltlos zu.

Augenblicke der Wahrheit

Die Frage stellt sich: Wer leidet mehr darunter, wenn sich die Puerta Grande – wie in diesem Fall – wieder nicht für den verehrten torero öffnet? Der matador der die Aufgabe zu töten nicht optimal erfüllt hat? Oder das Publikum, dem die Gelegenheit genommen ist, den „angehimmelten“ maestro emphatisch zu feiern und sich selbst in ihm zu feiern, sich durch ihn erhaben fühlen?

Manche enttäuschten aficionados versuchen, dem Akt der Tötung am Ende des Rituals eine geringere Bedeutung, dem „triumphierenden Tod“ (3) weniger Wert beizumessen. Nachdem sie Morantes  suertes – vor allem die mit der capa – genossen und sich an ihnen berauscht haben, würden sie in solchen Situationen vorziehen, den Stier am Leben lassen. Denn schon ein pinchazo kann die Puerta Grande vereiteln!

Hierzu passt ein Zitat aus dem alten Spanienbuch von W. L. Kristl: „Die Stierfeste sind nicht ganz zufällig mit regionalen und religiösen Feiern verbunden. Wenn der Glaube an diesen Geist schwindet, löst sich der Bann, den er auf den spanischen Menschen ausübt. Wenn sich der kultische Charakter des Festes verflüchtigt, wird aus der barbarischen Messe eine Einrichtung des grossstädtischen Vergnügungsbetriebes. Die Arena, eine gigantische Opferschale, die Blut und Tod dem heissen Himmel darbietet, verwandelt sich in ein Varieté-Theater, daraus die Seele des Mythos entwichen ist.“ (4)

Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosas Beitrag (5) weist auf die Notwendigkeit der Immanenz des Todes im Ritual der corrida hin: „Der Stierkampf besitzt Elemente des Rituellen und der Improvisation. Er ist in manchen Augenblicken aufgeladen mit Religiosität, Mystik und einem Symbolismus, der die conditio humana widerspiegelt, – unser Leben existiert nur dank seines Gegenstücks, dem Tod.  Er fasst die Gefühle der zuschauenden Teilnehmer abschliessend zusammen: „In der schönsten Nachmittagssonne ausgetragen, erinnern uns die Stierkämpfe daran, wie unsicher unsere Existenz ist und wie wunderbar sie gerade aufgrund ihrer zerbrechlichen und vergänglichen Natur ist“.

Heidnische und christlich-religiöse Mythen treffen in der fiesta de toros zusammen, an entsprechenden Metaphern wird nicht gespart, um sie zu charakterisieren. Die Sehnsucht der aficionados nach  Hingabe, Hingebung – Erhebung, Erhabenheit trägt religiöse Züge. Eine junge morantista bekannte: „Morante beim Agieren mit dem Stier zuzusehen,  ist wie mit Gott reden, und Gott antwortet!
Eine plaza de toros und eine Kirche, zusammen als eine Einheit.
Ähnlichkeit nicht nur von äusseren Optik, sondern auch im "inneren" Ablauf.
In säkularisierter Zeit stellt die corrida de toros  ein Religionsäquivalent dar. Die Ähnlichkeit der tradierten Zeremonien in Ablauf und Symbolik der Handlungen mit der katholischen Messe sind unverkennbar. Hier wie dort wird das Profane durch sakrale Rituale negiert,  von der spezifischen Kleidung bis zu den feierlichen Weihen der Amtsübernahme als Priester oder matador de toros.  Die corrida als ein „leibhaftiges Ritual (6), den Opferriten nahe,  lässt diese religiöse Vereinnahmung zu. Zwar zehren moderne Massen-veranstaltungen – ob Fußballspiel oder Popkonzert – ebenfalls von der Idolisierung ihrer Stars. Doch es fehlt diesen kulturellen Grossereignissen die vergleichbare mythologische Tiefe.
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Quellennachweise:

(1) Ernest Hemingway, Tod am Nachmittag, Hamburg 1967, S. 198
(2) Titel der Rezension von Paco Aguado in 6TOROS6 Heft Nr. 778
(3) Ein Begriff aus: Wilhelm Lukas Kristl, Kampfstiere und Madonnen, Hamburg 1954
(4) a.a.o., Kristl, S. 110
(5) s. SZ, Fußnote 73
(6) G. Schmid-Noerr, A. Eggert, a.a.o. S. 145
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Textauszug aus dem Buch:

Torodora Gorges
Morante de la Puebla, Torero

Der spanische matador de toros José Antonio Morante Camacho verkörpert gegenwärtig die Kunst der tauromaquia auf ganz besondere Weise. Das Buch handelt vom Leben und Werdegang dieses toreros. Die erste Biografie über einen Stierkämpfer einer deutschen Autorin!

Hier gibt es eine Leseprobe.

Link: Morante de la Puebla, Torero - Portrait eines Künstlers
ISBN-13: 978-3- 8391-5770-1

Montag, 13. Juni 2016

Innerhalb eines Monats, das dritte Todesopfer bei Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Nach einem novillero und einem matador de toros 
fiel nun auch ein recortador den Stieren zum Opfer
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Ich liebe den toro wie den Mond. Je weiter weg, umso besser, heisst es irgendwo in der taurinischen Literatur. Und in kaum einem Satz reflektiert sich die Wahrheit, die Realität, die Gefahr, welche von einem toro, einem toro bravo ausgeht, dermassen wieder. Ein torero riskiert bei einer Begegnung sein leben. Je mutiger, um so näher arbeitet er am Tier, lässt es so nah wie möglich passieren, begibt sich zwischen die Hörner, se juega la cornada, wie die taurinos sagen. Das ist eine Tatsache. 

Juan Carlos Otero
Nachdem es nun am 17. Mai den novillero Renato Mota in Peru erwischte und vierzehn Tage später am 2. Juni den matador de toros El Pana in México, dauert es keine weiteren zehn Tage, bis am letzten Samstag der recortador Juan Carlos Otero seinen beiden cornadas, im Bein und in der Brust,  hier in Spanien, in der Provinz Valladolid erlag. Innerhalb von 26 Tagen gab es somit in der mundo de los toros drei Männer, welchen die Begegnung mit den Stieren bei einem festejo taurino das Leben kostete.
Die fiestas taurinas sind in La Padilla populär und haben viel Tradition
Zugezogen hatte der 34-jährige aus der Provinz Segovia sich seine zwei Hornwunden bei einem encierro in der Gemeinde La Padilla. Wie man von offizieller Seite informierte, sei er beim Versuch über den Stier zu springen ausgerutscht. So konnte ihm der toro zwei cornadas zufügen, wobei ein Horn das Herz durchbohrte, was zum Tod des jungen aficionados führte. Zwar brachte man ihn noch in das Hospital von Valladolid, aber dort angekommen, konnte man ihm nicht mehr helfen.

Von der Bürgermeisterin wurden alle restlichen fiestas taurinas annulliert, so auch das festejo der recortadores am selben Nachmittag.