Donnerstag, 16. Juni 2016

Ferdinand der Stier - die wahre Geschichte

Was kaum einer weiss, der Kinderbuchlassiker "Ferdinand
ist fast genauso alt wie Hemingways "Tod am Nachmittag"
und er ist keine Erfindung von Walt Disney
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von Philip de Málaga


Gerade in diesen Tagen widmete sich die spanische Tageszeitung EL MUNDO dem amerikanischen Filmproduzenten Walt Disney und seiner Beziehung zu der mundo de los toros. Ja mit den Tieren hat er sich gut verstanden. Er mochte sie und wollte sie auf humorvolle Art und Weise den Menschen näher bringen. Auch die toros. Und so wurde in den Augen der spanischen Presse Walt Disney zum torero: Walt Disney, `the toreador´

EL MUNDO vom 13. Juni 2016
Da ist unter anderem die Rede von seinem erfolgreichsten toro. Dem toro mit dem Namen  Ferdinand. Fälschlicherweise halten viele Ferdinand für eine Erfindung von Walt Disney. Sprechen sogar von "seinemtoro. Was nicht stimmt, und auch in dem o. g. Artikel von Robert Ryan wird darüber aufgeklärt. Das Missverständnis liegt vor allem wohl darin, dass Walt Disney für den Kurz-Film "Ferdinand the bull" 1939 mit einem Oscar ausgezeichnet worden ist. Aber die wahre Geschichte von Ferdinand begann  schon vier Jahre vorher.



Im  Jahr 1932 erschien das bekannte Werk von Ernest Hemingway „Tod am Nachmittag“. Jenes Buch, welches die mundo de los toros einem internationalem Publikum näher brachte. Nur drei Jahre später schrieb in nur vierzig Minuten der Englischlehrer Munro Leaf (1905 - 1976) in Massachusetts (USA) „The Story von Ferdinand“. Damit wollte er seinem arbeitslosen Freund dem Kinderbuch-Illustrator Robert Lawsen (1892 - 1957) einen Job verschaffen.

Munro Leaf und Robert Lawsen
Die Handlung ist kurz und einfach. „Es war einmal in Spanien ...“ Ferdinand ist ein junger toro der den Frieden wie die Blumen liebt und gerade in dem Moment wo die empresarios aus der plaza de toros von Madrid kamen um toros für die corridas zu kaufen, stach ihn eine Biene. Da wurde er ganz wild und die Herrschaften aus der spanischen Hauptstadt sahen in ihm den richtigen wilden und schnellen toro, kauften ihn ein und brachten ihn nach Madrid. Doch bei der corrida dachte Ferdinand gar nicht daran zu kämpfen und blieb einfach in der Mitte des ruedos sitzen. Da er so gar nicht auf die Provokationen der toreros einging, schickte man ihn wieder zurück auf die Weide.

1936 als amerikanische Erstausgabe
Bei diesem Werk fallen einem zwei Dinge auf. Zum einen ist es technisch falsch wiedergegeben. Zum Beispiel treten beim paseillo die toreros in der falschen Reihenfolge ein: „Zuerst kamen die banderilleros .... Darauf kamen die picadores .... dann erschien der matador“. Es war schon immer so, dass die matadores nach den alguaciles als erste das ruedo betraten. Aber warum findet Ferdinand den Weg zu Weide wieder? Auch das entspricht nicht dem reglamento taurino. Ein toro kann nur dann begnadigt werden, also ein indulto erfahren, wenn er sich als besonders bravo, also mutig und angriffsfreudig gezeigt hat. Dies war hier aber nicht der Fall. Normalerweise wäre Ferdinand ausgetauscht worden und im Schlachthof gelandet.

Der falsche Aufmarsch der toreros, die banderilleros zuerst.
Zum anderen war das Werk recht umstritten denn es kam genau zur Zeit des spanischen Bürgerkrieges 1936 auf den Markt und wurde als "subversives Kinderbuch" abgestempelt. Denn man warf dem Autoren Propagandazwecke vor, gerichtet an die Kommunisten, Faschisten wie auch Pazifisten. Munro Leaf winkte diese Vorwürfe einfach ab, sein toro Ferdinand sei einfach nur ein Philosoph mit einem höheren Geist, der guten Geschmack und Charakter bewiesen habe.

Der toro Ferdinand auf dem Weg zu seinem Baum ... bevor ihn die Biene sticht.
Wie dem auch sei, dieses Kinderbuch wurde ein Weltbestseller, ist in mehr als fünfzehn Sprachen erschienen und ist nun seit beinahe 80 Jahren auf dem internationalen Markt erhältlich. Auch gibt es mittlerweile dieses Werk von verschiedenen Illustratoren:



Zwei Jahre nach der Erstveröffentlichung wurde es von Walt Disney verfilmt. Dieser Verfilmung wurde 1939 mit dem Oscar für den bestanimierten Kurzfilm ausgezeichnet.


Auf der Insel Helgö in Schweden, setzte man Ferdinand im Jahr 2008 eine Skulptur:


Der toro Ferdinand in Schweden

Und Ferdinand soll noch eine Zukunft haben. Schon im Jahr 2011 hat die 20th Century Fox Animation die Lizenzrechte von dem toro Ferdinand von Walt Disney erworben. Und nun soll für den Juli 2017 in Connecticut (Unites States), in den Blue Sky Studios, welche auf Computeranimationen spezialisiert sind, ein neues taurinisches Werk entstehen. Unter der Leitung des bekannten portugiesischen Regisseurs Carlos Saldanha, der schon als Regisseur und Produzent für die populären Produktionen wie Ice Age oder Robots Pate stand, wird Ferdinand mit optischer Grafik neu erfunden. Man kann gespannt sein.
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Literaturhinweise:

FERDINAND THE BULL, Munro Leaf, Viking Press, 1936
FERDINAND, Munro Leaf, Diogenes Verlag Zürich, 1993

Mittwoch, 15. Juni 2016

Wenn Gott antwortet




von Pepe Dominguín


In der SfA Reportage Matador - die Kunst des Tötens erzählt Torodora Gorges von einer jungen morantista welche ihr bekannte: "Morante beim Agieren mit dem Stier zuzusehen, ist wie mit Gott reden, und Gott antwortet."

In der Tat ein bekannter Ausspruch in der tauromaquia um den Gefühlen gegenüber dem Gesehenen im ruedo einen emotionalen, einen schon nicht mehr zu übertreffenden Ausdruck an Emotionen zu verleihen. Der Ursprung dieser Worte geht auf das Jahr 1991 zurück.

Viele aficionados denken sicherlich noch an die corrida de beneficencia in Las Ventas, wo die beiden maestros, der Kolumbianer César Rincón und der Spanier Ortega Cano in einem mano a mano die afición begeisterten. Nicht nur im coso, denn auch im staatlichen Fernsehen TVE 2 wurde diese corrida live übertragen und erreichte ein Millionenpublikum. Dabei war es vor allem der Südamerikaner, der die afición in den tendidos in der spanischen Hauptstadt geradezu in einen wahren Rausch versetzt. Denn in dieser temporada bestritt César Rincón in Madrid vier corrida de toros, bekam neun orejas und öffnete vier Mal die puerta grande. Für die mundo de los toros ein historisches Ergebnis. 
Der spanische König Juan Carlos I, selbst ein grosser aficionado de toros
begrüsst due beiden maestros Ortega Cano und César Rincón
Kommen wir wieder zurück zum 6. Juni 2991 in Las Ventas. Diese corrida de beneficencia sorgte für einen Rekordeinschaltquote bei RTVE. In einigen taurinischen Städten war sie geradezu ein Strassenfeger. Auch die plaza de toros zählte ein No hay billetes. Und vor dieser Kulisse erlebten die Zuschauer zwei ovaciones, zwei dos orejas und zwei orejas

Bevor die beiden maestros auf den Schultern aus dem ruedo getragen wurden, wendeten sie sich an Seine Majestät und fragten nach, ob er zufrieden gewesen sei. Don Juan Carlos I entgegnete darauf, "Ich bin zufrieden, wenn ihr zufrieden seit".  Dann verliessen die toreros durch die puerta grande die plaza.

Nach so vielen geballten Emotionen musste ein jeder nach dem festejo taurino erst einmal tief durchatmen, wieder Mensch werden. So befand sich unter den Zuschauern auch die figura, der bekannte matador de toros Pepe Dominguín. Auch er war beeindruckt was er in Madrid in diesen Tagen zu sehen bekam.

José Gonzáles Lucas mit Künstlernamen Pepe Dominguín (1922 bis 2003)
"Lo de César Rincón es como si le hablaras a Dios ...
... ¡Y que Dios te conteste!"

"Das mit César Rincón ist wie mit Gott zu reden ...
... Und Gott antwortet dir!"

Madrid den 6. Juni 1991

Dienstag, 14. Juni 2016

Matador – von der Kunst des Tötens





von Torodora Gorges


Wer leidet mehr? Das Publikum oder der Torero?
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Ob eine faena gekrönt wird mit einer Puerta Grande, bleibt bis zur letzten Minute – dem „Augenblick der Wahrheit“ – unvorhersehbar. Es hängt von der Sicherheit ab, mit dem die estocada – der Degenstoss – den Stier trifft.  Die  Handhabung des Degens missrät häufig. Der Stier stirbt erst nach einem zweiten Versuch, den Degen richtig zu platzieren. Manchmal missglücken auch  mehrere Anläufe. 

Das widerfährt auch Morante immer wieder. Man sagt, dass das Töten nicht seine Sache sei.  Man beruft sich auf Hemingway: „Nur selten (ist) ein großer Künstler mit der capa und der muleta ein Töter. .... Ein großer Töter muss gern töten..... Der wahrhaft große Töter muss ein Gefühl für Ehre haben und ein Gefühl für Ruhm, welches das des gewöhnlichen Stierkämpfers weit übersteigt. In anderen Worten, er muss ein primitiverer Mensch sein (1). Seine Überlegungen zum Tod am Nachmittag von 1932 evozieren nahezu  Nietzsches Moral „Jenseits von Gut und Böse“. Ich wüsste gerne, was Morante de la Puebla darüber, aber auch über das folgende Zitat von Hemingway denkt: „Der wahrhaft grosse Töter... muss den Augenblick des Tötens als spirituelles Hochgefühl empfinden ......(und) eine der grössten Freuden dabei ....ist das Gefühl der Rebellion gegen den Tod, das man erlebt, wenn man ihn verursacht.
Für die aficionados ein unschöner Moment, für den matador ein Alptraum ...
... wenn die estocada nicht gelingen will.
Die Gefühle der aficionados decken sich vermutlich ebenso wenig wie die der matadores und toreros mit den  Äusserungen Hemingways, der sich so eingehend dem Verherrlichen des Tötungsaktes widmet.

Der 21. Mai 2009 in Las Ventas gehört zu den Höhepunkten von Morantes diesjähriger temporada. Las Ventas se rinde a Morante“ (2), schreibt der Rezensent. Das Publikum dankt Morante mit „Ehrerbietung und Hingabe“. Alle Einzelheiten dieser kreativen, künstlerischen Improvisation, alle suertes mit capa und muleta werden – wie man es nun schon kennt – in Form einer Eloge noch einmal in Worte gebannt: Epifanía, Pasmo, Milagro!
Auch dieses Mal blieb ihm die Puerta Grande von Las Ventas verschlossen. 

José Antonio Morante büsste die zweite Trophäe wegen der verfehlten estocada ein. Seine Zuschauer, die „normalen Sterblichen“, leiden mit ihm, dem genio, lassen ihm mit ihrer extatischen Freude Trost zukommen. Sie spüren seine sowohl seelische wie köperliche Erschöpfung und Leere. Die Filme in Youtube zeigen uns: Am Beginn der Ehrenrunde, nach Übergabe der Trophäe, laufen Morante die Tränen über das Gesicht. Der Zuschauer projiziert die eigene Enttäuschung auf den torero, der sichtbar leidet. Ungewiss, ob es ein Leiden ist  unter dem Zustand der Erschöpfung oder unter dem Gefühl, sein Ziel, die Puerta Grande von Las Ventas zu öffnen, wegen eines pinchazo (einem Stich „daneben“) verfehlt zu haben? Da erst der zweite Degenstoss tödlich traf, verweigerte der Präsident die zweite Trophäe, die das Publikum temperamentvoll und gebieterisch einforderte.
Wenn der maestro Morante de la Puebla bei der estocada versagt,
und der momento de verdad für morantistas zum Alptraum wird.
Unter den anhaltenden Ovationen der Besucher in der Plaza weicht Morantes Traurigkeit   einem glücklichen Lächeln, das die Glücksempfindungen des Publikums wiederspiegelt  und bestätigt. Sogar das strenge, kritische Publikum aus dem Tendido 7 jubelte Morante vorbehaltlos zu.

Augenblicke der Wahrheit

Die Frage stellt sich: Wer leidet mehr darunter, wenn sich die Puerta Grande – wie in diesem Fall – wieder nicht für den verehrten torero öffnet? Der matador der die Aufgabe zu töten nicht optimal erfüllt hat? Oder das Publikum, dem die Gelegenheit genommen ist, den „angehimmelten“ maestro emphatisch zu feiern und sich selbst in ihm zu feiern, sich durch ihn erhaben fühlen?

Manche enttäuschten aficionados versuchen, dem Akt der Tötung am Ende des Rituals eine geringere Bedeutung, dem „triumphierenden Tod“ (3) weniger Wert beizumessen. Nachdem sie Morantes  suertes – vor allem die mit der capa – genossen und sich an ihnen berauscht haben, würden sie in solchen Situationen vorziehen, den Stier am Leben lassen. Denn schon ein pinchazo kann die Puerta Grande vereiteln!

Hierzu passt ein Zitat aus dem alten Spanienbuch von W. L. Kristl: „Die Stierfeste sind nicht ganz zufällig mit regionalen und religiösen Feiern verbunden. Wenn der Glaube an diesen Geist schwindet, löst sich der Bann, den er auf den spanischen Menschen ausübt. Wenn sich der kultische Charakter des Festes verflüchtigt, wird aus der barbarischen Messe eine Einrichtung des grossstädtischen Vergnügungsbetriebes. Die Arena, eine gigantische Opferschale, die Blut und Tod dem heissen Himmel darbietet, verwandelt sich in ein Varieté-Theater, daraus die Seele des Mythos entwichen ist.“ (4)

Mario Vargas Llosa
Mario Vargas Llosas Beitrag (5) weist auf die Notwendigkeit der Immanenz des Todes im Ritual der corrida hin: „Der Stierkampf besitzt Elemente des Rituellen und der Improvisation. Er ist in manchen Augenblicken aufgeladen mit Religiosität, Mystik und einem Symbolismus, der die conditio humana widerspiegelt, – unser Leben existiert nur dank seines Gegenstücks, dem Tod.  Er fasst die Gefühle der zuschauenden Teilnehmer abschliessend zusammen: „In der schönsten Nachmittagssonne ausgetragen, erinnern uns die Stierkämpfe daran, wie unsicher unsere Existenz ist und wie wunderbar sie gerade aufgrund ihrer zerbrechlichen und vergänglichen Natur ist“.

Heidnische und christlich-religiöse Mythen treffen in der fiesta de toros zusammen, an entsprechenden Metaphern wird nicht gespart, um sie zu charakterisieren. Die Sehnsucht der aficionados nach  Hingabe, Hingebung – Erhebung, Erhabenheit trägt religiöse Züge. Eine junge morantista bekannte: „Morante beim Agieren mit dem Stier zuzusehen,  ist wie mit Gott reden, und Gott antwortet!
Eine plaza de toros und eine Kirche, zusammen als eine Einheit.
Ähnlichkeit nicht nur von äusseren Optik, sondern auch im "inneren" Ablauf.
In säkularisierter Zeit stellt die corrida de toros  ein Religionsäquivalent dar. Die Ähnlichkeit der tradierten Zeremonien in Ablauf und Symbolik der Handlungen mit der katholischen Messe sind unverkennbar. Hier wie dort wird das Profane durch sakrale Rituale negiert,  von der spezifischen Kleidung bis zu den feierlichen Weihen der Amtsübernahme als Priester oder matador de toros.  Die corrida als ein „leibhaftiges Ritual (6), den Opferriten nahe,  lässt diese religiöse Vereinnahmung zu. Zwar zehren moderne Massen-veranstaltungen – ob Fußballspiel oder Popkonzert – ebenfalls von der Idolisierung ihrer Stars. Doch es fehlt diesen kulturellen Grossereignissen die vergleichbare mythologische Tiefe.
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Quellennachweise:

(1) Ernest Hemingway, Tod am Nachmittag, Hamburg 1967, S. 198
(2) Titel der Rezension von Paco Aguado in 6TOROS6 Heft Nr. 778
(3) Ein Begriff aus: Wilhelm Lukas Kristl, Kampfstiere und Madonnen, Hamburg 1954
(4) a.a.o., Kristl, S. 110
(5) s. SZ, Fußnote 73
(6) G. Schmid-Noerr, A. Eggert, a.a.o. S. 145
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Textauszug aus dem Buch:

Torodora Gorges
Morante de la Puebla, Torero

Der spanische matador de toros José Antonio Morante Camacho verkörpert gegenwärtig die Kunst der tauromaquia auf ganz besondere Weise. Das Buch handelt vom Leben und Werdegang dieses toreros. Die erste Biografie über einen Stierkämpfer einer deutschen Autorin!

Hier gibt es eine Leseprobe.

Link: Morante de la Puebla, Torero - Portrait eines Künstlers
ISBN-13: 978-3- 8391-5770-1

Montag, 13. Juni 2016

Innerhalb eines Monats, das dritte Todesopfer bei Stierkämpfen




von Philip de Málaga


Nach einem novillero und einem matador de toros 
fiel nun auch ein recortador den Stieren zum Opfer
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Ich liebe den toro wie den Mond. Je weiter weg, umso besser, heisst es irgendwo in der taurinischen Literatur. Und in kaum einem Satz reflektiert sich die Wahrheit, die Realität, die Gefahr, welche von einem toro, einem toro bravo ausgeht, dermassen wieder. Ein torero riskiert bei einer Begegnung sein leben. Je mutiger, um so näher arbeitet er am Tier, lässt es so nah wie möglich passieren, begibt sich zwischen die Hörner, se juega la cornada, wie die taurinos sagen. Das ist eine Tatsache. 

Juan Carlos Otero
Nachdem es nun am 17. Mai den novillero Renato Mota in Peru erwischte und vierzehn Tage später am 2. Juni den matador de toros El Pana in México, dauert es keine weiteren zehn Tage, bis am letzten Samstag der recortador Juan Carlos Otero seinen beiden cornadas, im Bein und in der Brust,  hier in Spanien, in der Provinz Valladolid erlag. Innerhalb von 26 Tagen gab es somit in der mundo de los toros drei Männer, welchen die Begegnung mit den Stieren bei einem festejo taurino das Leben kostete.
Die fiestas taurinas sind in La Padilla populär und haben viel Tradition
Zugezogen hatte der 34-jährige aus der Provinz Segovia sich seine zwei Hornwunden bei einem encierro in der Gemeinde La Padilla. Wie man von offizieller Seite informierte, sei er beim Versuch über den Stier zu springen ausgerutscht. So konnte ihm der toro zwei cornadas zufügen, wobei ein Horn das Herz durchbohrte, was zum Tod des jungen aficionados führte. Zwar brachte man ihn noch in das Hospital von Valladolid, aber dort angekommen, konnte man ihm nicht mehr helfen.

Von der Bürgermeisterin wurden alle restlichen fiestas taurinas annulliert, so auch das festejo der recortadores am selben Nachmittag.

Sonntag, 12. Juni 2016

Über die Symbolkraft der Stiere




von Bernd Jogalla


Der Chefredakteur des Mallorca Magazin Bernd Jogalla erkennt sehr wohl die politische Dimension und die Zerstrittenheit der balearischen Landesregierung wenn es um die toros geht, und letztendlich um die Tiere bei fiestas populares im Allgemeinen. Zwar vertritt er den Standpunkt, dass die corridas de toros nie richtig zu Mallorca gehört haben, sieht aber den Zwietracht kommen, weil ziemlich konsequent so alle Feste mit Tieren verboten werden sollen. Statt mit einem Rundumschlag alles zu verbieten, hätte man sich mehr darauf konzentrieren sollen es einzuschränken.


"Alles, was mit Stieren zusammenhängt, 
hat eine enorme Symbolkraft. 
Auch für Tierschützer, 
die mit Stierkampf oder Correbou besser punkten können 
als mit streunenden Katzen oder Legebatterien."
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Quellennachweis:

Tierschutz sorgt für Zoff im Regierungsbündnis, Bernd Jogalla, Mallorca Magazin, 9.6.2016

Samstag, 11. Juni 2016

Stierkampf im Alpenvorland

von Philip de Málaga

Die Ausstellung "Rotes Tuch" von Dietmar Bramböck
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In der westlichsten gemeinde des Landkreises Rosenheim, in Feldkirchen-Westerham gibt es seit dem 3. Juni eine Ausstellung mit 13 Bildern zum Thema der mundo de los toros. Dort stellt der  1958 in  Penzberg geboren Dietmar Bramböck noch bis September seine Sichtweise zu den toros dar. Fasziniert ist der Künstler vor allem von dem Gegenspiel der toros und der toreros, dem Kontrast der Farben, dem toro negro und der roten muleta. Daher auch der Name für die Ausstellung, "Rotes Tuch". Das die muleta einmal weiss war ist dem Künstler wohl eher unbekannt, denn kurioserweise hat er noch nie eine festejo taurino besucht, und wie er selbst sagt, es auch nicht möchte. So ist es doch erstaunlich, wie Bramböck solch emotionsgeladenen Kunstwerke der toros schaffen konnte.
Die Ausstellung wurde speziell für die Gemeindebücherei Feldkirchen-Westerham konzipiert und ist noch bis Mitte September zu besichtigen.

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Ausstellung "Rotes Tuch"
von Dietmar Bramböck

Anschrift:
Gemeindebücherei Feldkirchen-Westerham
Münchner Strasse 4 (gleich neben der Pfarrkirche)
83620 Feldkirchen-Westerham
Tel.: +34 8063 - 9367

Öffnungszeiten:
Montag, Dienstag und Freitag: 15:00 bis 18:00 Uhr
Mittwoch: 9:00 bis 12:00 und 19:00 bis 21:00 Uhr
Donnerstag: 16:00 bis 19:00 Uhr
Sonntag: 10:00 bis 12:30 Uhr 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Kippt das neue Tierschutzgesetz auf Mallorca?




von Philip de Málaga


Das totale Verbot von Stierkämpfen auf den Balearen
stösst in den Reihen der Sozialisten auf unerwarteten Widerstand
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Damit hatte keiner mehr gerechnet. Mitte Februar diesen Jahres hat die Landesregierung der Balearen Inselgruppe die Schritte in die Wege geleitet, um auf der besagten Inselgruppe alle festejos taurinos, und somit die Tradition der tauromaquia endgültig zu verbieten. Um ihr Ziel zu erreichen musste die sozialistische Regierung mit Hilde der Parteien Podemos und Mas das Tierschutzgesetz entsprechend anpassen um dann ein Verbot durchzusetzen. Nichts schien diesen Prozess aufzuhalten? 


Nichts? Ausgerechnet aus den eigenen Reihen der PSIB (Sozialistische Partei der Inselgruppe der Balearen) wächst Widerstand. Das Motiv für diese Uneinigkeit findet sich im correbous der mallorquinischen Gemeinde Fornalutx. Obwohl unblutig, fällt es ebenfalls in das Verbot, denn es sollten ursprünglich ausnahmslos alle festejos taurinos nicht mehr erlaubt werden. Wie SfA berichtet hatte, ging man in der 700-Seelengemeinde Ende April diesen Jahres auf die Strasse um für den Erhalt ihrer Tradition zu demonstrieren. Denn immerhin gehe dieser Brauch des correbous auf das Jahr 1892 zurück. Obwohl das Dorf von der konservativen Partei PP regiert wird, stehen die Sozialisten für die Wahrung der Tradition der toros. Sie haben sogar der Zentralregierung gedroht, komplett aus der Partei der PSIB sich auszugliedern, falls man weiterhin auf ein Verbot des correbous bestehe. Zwar revidierte man diesen Standpunkt später, aber trotzdem brachte dieses ein wenig Unruhe in das sozialistische Lager. Denn mittlerweile steht die PSIB nicht mehr geschlossen hinter einem Verbot der tauromaquia

Das musste auch Guillermo Amengual, Sprecher der Kampagne "Mallorca ohne Blut", enttäuscht erkennen und zeigt sich alles andere als optimistisch. Trotz mehr als 350.000 Unterschriften gegen die encierros, trotz 33 Gemeinden, welche die toros mit einem Verbot belegt haben, sei bei dem neuen Tierschutzgesetz alles noch vollkommen offen. Er geht noch weiter und spricht von einem Verrat an der mallorquinischen Gesellschaft. Denn es könne nicht sein, das nur eine so kleine Gemeinde mit an die 200 wahlberechtigten Einwohnern, den anderen 33 anderen Gemeinden und 350.000 Gegnern Schach bietet. 
Es sind nicht wenige, die es auf Mallorca zur Tradition der toros zieht
Das es auch andere Gemeinden wie Muro oder Inca gibt, wo zahlreiche Leute aus vielen Gegenden von den Balearen hin pilgern um die toros zu sehen, oder es sogar eine ganadería gibt, scheint man in den Augen der antitaurinos vergessen zu haben. 

Mittwoch, 8. Juni 2016

Stierkampf auf deutschen Bildschirmen




von Philip de Málaga


Bekommt man die toros in Deutschland über Satellit zu sehen?
Vor allem das populäre Toros para Todos kann jeder sehen
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Im wieder erreichen SfA Anfragen, ob man die Möglichkeit hat in Deutschland Stierkampfmagazine oder Liveübertragungen im Fernsehen mit zu verfolgen. Grundsätzlich sind es nur wenige Sender, die aktuell und kontinuierlich die Stierkampfsaison in Spanien verfolgen:

Da ist zunächst der öffentliche Sender RTVE mit seinen beiden Kanälen TVE 1 und 2. Zwar wird hier auf TVE 2 jeden Samstag das Magazin Tendido Cero, und ein bis zwei Mal im Jahr eine corrida de toros auf TVE 1 übertragen, jedoch hält der Internationale Kanal von RTVE, TVE Internacional sich zurück, und überträgt nichts von den toros. Bleibt zu hoffen, dass wenigstens die encierros von Pamplona in der ersten Julihälfte via satellite zu sehen sind.

Leider haben sich alle spanischen Regionalsender aus dem freien Satellitenprogramm zurückgezogen. Somit gibt es für die toros bei Telemadrid und Castilla - La Mancha derzeit keine internationale Plattform. Lediglich die andalusische Gruppe RTVA bietet auf Andalucía TV (Astra 19,2 Grad Ost. Transponder 11 156 MHz vertikal (DVB-S, Symbolrate SR 22 000, Fehlerkorrekter FEC 5/6) seinem internationalen Publikum alle Übertragungen an, die sich mit der mundo de los toros auseinandersetzen. So haben die deutschen aficionados die Möglichkeit an, jeden Sonntag so ab 13:05 Uhr, das beliebte Sendung Toros para Todos zu sehen. Der charismatische Enrique Romero berichtet in gut fünfzig bis sechzig Minuten über das aktuelle Geschehen in den vorwiegend andalusischen cosos. Dabei wird aber auch ein besonderes Auge auf die Zucht des toros bravos geworfen. Mit imposanter musikalischer Begleitung wird hier ein besonderes Erlebnis den Zuschauern geboten.


Wer die Sendung verpasst, hat die Möglichkeit sie in der Wiederholung in der Nacht zum Mittwoch gegen 2:00 Uhr zu sehen. 


Der andalusische Sender denkt gar nicht daran, seine Traditionen zu verstecken. Warum auch. Die toros sind in Andalusien populär und auch eine Zone antitaurino gibt es hier nicht. Im Gegenteil, hier ist man dabei in zahlreichen escuelas taurinas sich um den Nachwuchs zu kümmern. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Andalucía TV die festejos taurinos des Certamen de escuelas taurinas jeden Sonntag ab 18 Uhr live überträgt. Kommentiert wird der Auftritt der jungen toreros von Enrique Romero und dem maestro Francisco Ruíz Miguel, selbst eine figura, welcher schon über hundert Mal gegen die gefährlichen toros der ganadería Miura angetreten ist.

Schliesslich gibt es da noch den spanischen Bezahlsender Canal+ Toros. Wer dafür nicht zahlen möchte, hat gelegentlich die Möglichkeit das Programm von diesem Pay-TV im Internet zu verfolgen. Man gebe hierzu lediglich canal+ toros gratis in die Suchmaschine und findet sogleich einige Hinweise. Der grösste Vorteil von Canal+ Toros dürfte wohl sein, dass fast alle wichtigen ferias taurinas in Spanien, sei es die Feria de Abril in Sevilla, San Isidro in Madrid, Sanfermines in Pamplona oder die feria von Bilbao dort komplett live übertragen werden.


Beim Thema Internet kommt man nicht an RTV Toros vorbei. Dem mexikanischen Network, wo 24 Stunden täglich die mundo de los toros weltweit abrufbar ist. Dabei konzentriert sich das Programm nicht nur auf México oder Amerika, auch aus Europa wird regelmäßig übertragen, und historische corridas de toros, wie zum Beispiel der legendäre Vormittag im September 2013 in Nímes mit dem diestro José Tomás, welche gerade in diesen Minuten, wo diese Zeilen entstehen, auf RTV Toros zu sehen ist.

Dienstag, 7. Juni 2016

Die Stiere im Fernsehen sind beliebt




von Philip de Málaga


Weiterhin erfreuen sich Stierkämpfe auf dem Bildschirm 
grosser Popularität 
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Gerne wird es immer wieder von den antitaurinos angebracht, alles um die mundo de los toros, vor allem die Live-Übertragungen von corridas nicht zu kinderfreundlichen Sendezeiten zu bringen. Aber die Einschaltquoten sprechen andere Zahlen.

Da gab es unter anderem die Live-Übertragung im staatlichen ersten Fernsehsender TVE 1, der corrida de beneficencia mit dem espada único Miguel Ángel Perera in Albacete. Durchschnittlich verfolgten 878.000 Zuschauer das festejo taurino. Die Einschaltquote von 9,1 Prozent lag 18 Prozent über der normalen Quote zur selben Zeit an anderen Samstagen mit durchschnittlich 7,7 Prozent.

Das jeden Samstag in TVE 2 ausgestrahlte Magazin Tendido Cero erreichte an diesem Wochenende 214.000 Zuschauer. Etwas mehr das am Sonntag nur in Andalusien oder über Satellit zu sehende populäre Magazin Toros para Todos mit Enrique Romero in Canal Sur. Zwischen 200.000 bis manchmal hin zu 374.000 Zuschauer zählt dieses Programm.

Toreros wie El Juli oder Enrique Ponce sind überhaupt gern gesehene Gäste bei den verschiedenen Fernsehanstalten. So am Montag den 30. Mai 2016 der matador de toros Cayetano Rivera Ordoñez, der zu Gast bei Pablo Moto im Programm El Hormiguero war. 2.769.000 Zuschauer verfolgten diese 48 Minuten. Im Ranking des Tages stand es an zweiter Stelle.

Über die Rekordeinschaltquote bei der Live-Übertragung von Telemadrid, Ende Mai diesen Jahres, hatte SfA schon berichtet. Nur in der Region der spanischen Hauptstadt zog es 178.000 Zuschauer zu den toros auf dem Bildschirm. 

Nicht zu vergessen die encierros in Pamplona, welche wieder im Juli in TVE 2 live übertragen werden, ein espectáculo taurino, welches von einem Millionenpublikum weltweit verfolgt wird.


Man kann feststellen, wenn es um die mundo de los toros im Fernsehen geht, pendeln die Einschaltquoten zwischen 8 und 12 Prozent. Gewiss keine Mehrheit, aber mit Sicherheit auch keine Minderheit. Ein Publikum, welches sich zu den toros hingezogen fühlt und stets deswegen auch immer wieder einschaltet ist ein Garant für einen jeden Sender. Vor allem, und das zeigen die Zahlen, da die corridas zu schwierigen Sendezeiten laufen, sind sie eben eine echte Alternative, da teilweise die Einschaltquote 20 Prozent höher liegen als gewöhnlich.