Sonntag, 26. Oktober 2014

Stierkampf wird von der EU subventioniert ... der grosse Irrtum

Über das phantasievolle Lügengebilde aller Organisationen, 
welche gegen die mundo de los toros Unwahrheiten in den Umlauf bringen. 
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von Philip de Málaga

Es ist wohl eine Tatsache, dass der antitaurismo in den letzten Jahren in Spanien wenig bis gar nichts erreichen konnte. Und zwar überall; auf den politischen, wirtschaftlichen, kulturellen wie gesellschaftlichen Ebenen gelang es den antitaurinos nicht zu punkten. Nicht einmal das katalanische Verbot der corridas konnten sie auf ihre Flagge schreiben. Und da es ihnen derzeit beinahe unmöglich ist, gegen diese regelrecht legale Lawine der mundo de los toros anzutreten, haben sie nach neuen Wegen gesucht und ansatzweise auch welche gefunden.

Am vergangenen Mittwoch wurde im Europäischen Parlament darüber abgestimmt, ob den ganaderías von toros die Subventionen ab 2015 gestrichen werden sollen. Und zwar komplett. SfA hatte darüber berichtet (Weitere Niederlage für den Antitaurinismo). Vor allem den beiden grossen Parteien (den christlichen Demokraten wie den Sozialisten) ist es zu verdanken, dass es für die toros zu einem positiven Ergebnis kam. Für die toros? Ist es wirklich so?

Beginnen wir von vorne. Wie bekannt, wurde der Antrag, die Agrar-Subventionen für die landwirtschaftlichen Betriebe welche toros bravos züchten, zu streichen, nicht angenommen. Kurios ist dabei zu beobachten, wie die Verlierer und verschieden Medien dieses sehen und damit an die Öffentlichkeit treten:




Hier wird suggeriert, dass Millionen von Euros deutscher Staatsbürger in den Stierkampf investiert werden. Jedoch diejenigen die sich in der mundo taurino auskennen wissen davon anderes zu berichten. Denn Tatsache ist, weder die empresarios von festejos taurinos oder plaza de toros, noch die toreros oder gar das Publikum kommen in den finanziellen Genuss von europäischer Unterstützung. Es geht noch weiter. Nicht einmal die toros selbst, welche an diesen festejos teilnehmen, sehen einen Cent.

Wie lässt sich das erklären? Die Antwort hierauf ist relativ simple. Bei den so genannten ganaderías handelt es sich um landwirtschaftliche Betriebe, welche sich neben der Zucht von toros auch anderen landwirtschaftlichen Bereichen zuwenden. Da gibt es unter anderem Pferde- oder Schweinezucht, Olivenplantagen und Weinanbau, Korkeichenbestand und vieles mehr. Dieses benötigen die Betriebe zum Überleben, denn die toros für die lidias reichen da nicht aus. Gerade im letzten Jahr mussten einige Betriebe ihren Tierbestand (auch Pferde und Schweine) reduzieren, also der Schlachtung zuführen, weil sie finanziell nicht mehr tragbar waren. Mit dem Versuch der antitaurinos, die Subventionen zu streichen, will man diesen landwirtschaftlichen Unternehmen ihrer Existenzgrundlage berauben. Das führt ohne Frage zum Verlust von Arbeitsplätzen. Was übrigens im Rahmen der Krise schon geschehen ist. Landwirtschaftliche Betriebe kommen in die roten Zahlen. Mit anderen Worten:
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"Die Gegner von Stierkämpfen scheuen sich nicht davor,
die Existenz von Menschen zu gefährden,
nur um ihr eigenes Interesse 
eines Verbotes von Stierkämpfen
durchzusetzen."
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Im Jahr 2007 fragte SfA einige Abgeordnete der EU zum Thema "Verbot von Stierkämpfen in Europa", welche Alternativen sie bei einer abolición de los toros anzubieten hätten:
  • Welche Verdienstalternativen werden den ca. 125.000 zusätzlichen Arbeitslosen angeboten?
  • Welche Perspektiven werden den Stierzuchten in Aussicht gestellt?
  • Welche Massnahmen werden zum Schutz des ökologischen Gleichgewichts in Andalusien in die Wege geleitet?
  • Welche Schritte werden zum Erhalt der 230.000 Tieren auf den Weiden eingeleitet?
  • Wie wird der ohne Frage ruinierte Wirtschaftszweig entschädigt?
Die Reaktionen waren mehr als bescheiden. Viel schlimmer noch, man hatte sich darüber noch nicht einmal Gedanken gemacht. Ein Tatbestand welcher sich bis heute noch nicht geändert hat.


Auch mit den Gefühlen wird gespielt, ohne Rücksicht auf Dritte. Peter W. aus Marbella erzählte folgende Geschichte: "Zur feria in Málaga besuchte ich mit meinen Kindern (13 und 14 Jahre) das Festival für die Nachwuchsstierkämpfer. Vor der plaza de toros trafen wir ein deutsches Paar. Als sie erfuhren, das ich mit meinen Kindern diesen Nachswuchsstierkampf besuche wurde ich in Gegenwart meiner Kinder aufs bösartige und beleidigende Art und Weise beschimpft. Ich sei ein Verbrecher und von christlicher Erziehung hätte ich keine Ahnung, und würde viel dazu beitragen, das die Kinder zur Gewalt erzogen werden ..." Was soll man dazu sagen. Ein weiteres Beispiel, wie skrupellos antitaurinisch eingestellte Personen agieren und vorgehen.

Zurück zum Thema. Schon seit einigen Jahren wird die Zucht des toros bravos nicht mehr von der EU offiziell subventioniert. Lediglich sein Umfeld, also alle Tiere, die nicht an festejos taurinos teilnehmen, bzw. dafür gezüchtet werden. Hier spiegelt sich auch ein weiterer Widerspruch. Denn nicht alle toros, in der Regel der grösste Teil, werden letztendlich auch bei einer corrida oder anderen espectáculos taurinos landen.

Aber um es wahrheitsgemäss darzustellen, bzw. die europäischen Parlamentarier im Sinne des antitaurismo zu beeinflussen, scheuen sich die antitaurinos nicht Rechtsanwälte einzusetzen um die Politiker unter Druck zu setzen, und um ihren eigenen Standpunkt juristisch zu rechtfertigen.

Das es sich bei den Spesen nicht um ein Taschengeld handelt, davon kann man ausgehen.
Die Gegner von Stierkämpfen reden von Subventionen, finanziert mit dem Geld europäischer Bürger, welches für die mundo de los toros verwendet wird. Dabei machen sie ebenfalls selbst Gebrauch davon, um gegen die toros zu intervenieren. Allein schon einen solch grossen Apparat wie das Europäische Parlament zu bewegen, welches jährlich mehrere Milliarden an Euro verschlingt, diese Erkenntnis verschweigen sie.

Und weil es so totgeschwiegen wird, hat der Antragsteller Bas Eickhaut angekündigt im nächsten Jahr diesen Antrag erneut zu stellen. Natürlich auf Kosten der europäischen Steuerzahler. Dabei soll der entsprechende Druck auf jene Parlamentarier erhöht werden, die sich ihnen noch nicht angeschlossen haben.


Die Frage drängt sich auf, gibt es in den Niederlanden keine wichtigeren Themen, als sich auf spanische Traditionen einzuschiessen? Oder gerade im Bereich des Tierschutzes?

Dabei ist kurios zu beobachten, welche Prioritäten da in der EU gesetzt werden. Im Jahr 2007 als die Schriftliche Erklärung zur Abschaffung von Stierkämpfen eingereicht wurde, gab es parallel dazu ein Antrag das rituelle wie religiöse Schlachten von koscheren Tieren innerhalb von Europa zu verbieten. Das Schächten, welches auch in Deutschland praktiziert wird, fand bei den europäischen Abgeordneten kein Interesse. Bei religiösen Ritualen sei schmerzhaftes Töten wohl zulässig. Keine Tierschutzorganisation hat sich jemals für diese Tiere eingesetzt.

Um es zusammenzufassen:
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"Die Aussage, dass die EU, europäische Staatsbürger 
oder nichtspanische politische Parteien 
den Stierkampf subventionieren 
entspricht einfach nicht der Wahrheit!" ___________________________________________________

Im Gegenteil, von nun an müssen europäische Steuerzahler ein jedes Jahr für die Kosten aufkommen, damit antitaurinos immer wieder neu mit derselben Angelegenheit vorpreschen können! Müssen in Frankreich und Spanien die Bürger die teuren Polizeieinsätze und anschliessende Gerichtsverfahren übernehmen, um die aggressiv auftretenden antitaurinos an die Rechtslage zu erinnern! Überhaupt wird die Politik durch diese Vorgehensweise aufgefordert zu reagieren, und das, was in Spanien und Frankreich gesetzlich verankert und als Kulturerbe deklariert ist, entsprechend zu schützen. Das alles kostet viel Geld. Und letztendlich finanziert dieses der Steuerzahler.
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Siehe auch:

Eigentlich wollen sie den Tod, SfA-Reportage von Philip de Málaga, 30. Mai 2013

Samstag, 25. Oktober 2014

Auch die Anzahl der Corridas ist wieder leicht gestiegen





von Philip de Málaga


Das Ende der taurinischen Talfahrt in Sicht?
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Seit dem Ende der temporada taurina 2007 befindet sich die Anzahl der corridas im freien Fall. Erst 2013, sechs Jahre später, konnte man diesen Fall abfangen und dieses Jahr wieder eine leichte Zunahme von 1,1 Prozent an den klassischen festejos taurinos erkennen. Aber eben immer noch 53 Prozent weniger als im Jahr 2007.

Die Entwicklung der corridas seit dem Jahr 2.000
Sicherlich sind dies noch keine Zahlen die Freudenschreie auslösen sollten. Aber es ist ein klares Zeichen, dass endlich ein kleines Licht in der taurinischen Finsternis zu erkennen ist. Wirft man einen genaueren Blick auf die Regionen, kann man sehen, das 70 Prozent der corridas sich auf vier Regionen konzentrieren: Madrid, Kastilien León und La Mancha sowie Andalusien sind mit 670 corridas de toros die spanischen Hochburgen der tauromaquia.

Die Anzahl der corridas de toros verteilt auf die Regionen
Für den deutschen Betrachter vielleicht ein wenig erstaunlich, denn auch auf der "alemannischen Insel" Mallorca (Balearen) gab es in diesem Jahr immerhin noch drei corridas de toros (in Palma de Mallorca, Inca und Muro) wo unter anderem bekannte matadores de toros wie Juan Padilla, El Cordobés oder El Fandi antraten.

Freitag, 24. Oktober 2014

Rekordzahlen aus Valencia





von Philip de Málaga


Über 7.000 festejos populares allein in der Region Valencia
- So viel wie noch nie!
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Da wird doch ausserhalb von Spanien behauptet, die toros seien selbst auf der Iberischen Halbinsel nicht mehr beliebt. Wie man auch immer zu diesen populären Stierfesten stehen mag, sie erleben derzeit einen echten Boom. So verzeichnet zum Beispiel die Region Valencia in diesem Jahr an festejos populares einen neuen Rekord. 2014 wurden 7.052 bous al carrer organisiert. Das sind durchschnittlich knapp 18 Prozent mehr als in den vergangenen Jahren. Die meisten festejos wurden in den Provinzen Castellón, Valencia und Alicante organisiert.

Wenn man von 2013 absieht, der Trend geht kontinuierlich nach oben.
Wirft man einen Blick allein auf die letzten fünf Jahre, so wurden in Valencia mehr als 30.000 festejos populares veranstaltet. Statistisch betrachtet bedeutet es jeden Tag im Jahr mindesten 19 correbous. Eine wohl beeindruckende Anzahl, wenn jemand die Meinung vertritt, in Spanien seien die toros immer weniger populär.

Luis Santamaría
Keine Frage, die festejos populares sind populär wie noch nie. Luis Santamaría, Ratsmitglied der valenzianischen Landesregierung sagte dazu: "Dieses zeigt die tiefen Wurzeln jener Tradition der festejos taurinos in unserem Gebiet auf, ein Markenzeichen und ein Teil unserer Kultur wo sich die Gewohnheiten des Volkes widerspiegeln." Es sei keine Frage, dass die Landesregierung verpflichtet sei diese Tradition zu schützen, wobei die öffentliche Sicherheit und der Respekt den Tieren gegenüber besondere Bedeutung geschenkt wird. Diese neue Popularität sei auch nicht einfach nur eine Modeerscheinung, sondern tief in den Seelen des Volkes verankert.

Correbous, wenn sich das Volk den Stieren stellt. (Foto: mundotoro)
Wie lässt sich diese Entwicklung erklären. Da gibt es wohl in erster Linie zwei Gründe. Hier hat jeder die Möglichkeit, sich selbst mal in die Nähe eines solches toros oder novillos zu begeben um seinen eigenen Mut unter Beweis zu stellen. Zum anderen sind die festejos der correbous gratis. Weder als Zuschauer noch als Teilnehmer muss man dafür zahlen. Nervenkitzel umsonst, denn jene bous al carrer sind nicht gerade ungefährlich. In diesem Jahr gab es 609 Verletzte und 3 Tote.

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Weitere Niederlage für den Antitaurinismo





von Philip de Málaga


Gestern wurde der Antrag auf ein Subventionsverbot für die Stierzuchten 
vom Europäischen Parlament abgelehnt
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Gestern wurde vom Europäischen Parlament der Antrag, dass ab dem kommenden Jahr die ganaderías von toros keine Agrar-Subventionen mehr erhalten sollen, abgelehnt. Jedoch sei zu beobachten, dass die Stimmen gegen die mundo de los toros im Vergleich zur Abstimmung der Schriftlichen Erklärung aus dem Jahr 2007 gestiegen ist. Erlangt sogar eine knappe Mehrheit. Aber es reichte nicht aus, denn man benötigte 376 Stimmen.


Der Antrag wurde von dem niederländischen Grünen-Abgeordneten Bas Eickhaut eingereicht: "Haushaltsmittel dürfen nicht genutzt werden, um die Zucht oder Haltung von Stieren zu unterstützen, die für tödliche Stierkampf-Aktivitäten eingesetzt werden". Ob der Niederländer jemals ein corrida gesehen hat, kann bezweifelt werden: "Schliesslich wird dem durch Blutverlust geschwächten Tier der Hals durchgeschnitten". Woher er auch immer diese Weisheit hat, bestimmt nicht aus der mundo de los toros

Lassen wir einen Moment die toros beiseite und gehen der Frage nach, ob das Streichen einer Subvention für Europa finanziell gesehen auch sinnvoll ist? Ist die Vorgehensweise gerechtfertigt? Der Vizechef des Haushaltsausschusses Jens Geier sieht es eindeutig anders: " ... es ist unkontrollierbar, ob ein Stier zur Zucht eingesetzt wird, als Schlachtvieh endet oder in der Stierkampfarena. So viele Beamte, die das erheben und überwachen, kann niemand bezahlen". Bei den über 1.200 ganaderías ein durchaus nachvollziehbarer Gedanke.

Das genaue Abstimmungsergebnis der einzelnen Parlamentarier finden sie hier.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Portugal: Die Tortur nach dem Stierkampf?

Ist der portugiesische Stierkampf eine Alternative?
Ist es besser und gerechtfertigt den toro ausserhalb des ruedos zu töten?
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von Philip de Málaga


Immer wieder erreichen SfA Anfragen, ob die portugiesische Variante nicht eine bessere Alternative zur spanischen corrida sei. Vor allem deswegen, weil der toro nicht im ruedo getötet wird. Zwar unterscheiden sich die spanische und portugiesische Variante, aber beide haben das Ziel den toro zu schwächen. Im wesentlichen reflektiert sich Differenz im ersten und dritten tercio
  1. In Portugal gibt es zwar im ersten tercio einen Reiter, nur statt den toro mit der pica zu provozieren und zu verwunden, setzt er vom Pferd aus die ersten banderillas. Dieses tercio nennt sich lide a cavalo
  2. Das lide a pie gleicht dem spanischen tercio de banderillas, wobei hier die toreros im Anschluss mit capa und muleta agieren. Im Gegensatz zur spanischen Variante werden oft mehr als sechs banderillas gesetzt, um den toro entsprechen zu schwächen.
  3. Bei dem letzten tercio, dem a pega das caras kommen die forcados zum Einsatz. Für viele der Höhepunkt der corrida portuguesa. Dabei treten acht Männer dem toro entgegen und versuchen ihn von vorne so in den Griff zu bekommen, dass dieser sich nicht mehr bewegen kann, vielleicht sogar einknickt.
Forcados nähern sich dem toro (Foto: La Tauromaquia)

Die forcados versuchen den toro zum Stillstand zu bringen (Foto: mundotoro
Danach ist die eigentliche corrida beendet. Das toril öffnet sich, an die zehn vacas betreten das ruedo und führen den toro wieder in das corral. Aber nicht um zu überleben, sondern um zu sterben. Und genau hier beginnt für viele die tourada a la portuguesa.  Denn oft dauert es Stunden, es wurde sogar davon berichtet, erst am nächsten Tag, dass die toros zum matadero gebracht werden. Wohlgemerkt, Tiere welche teilweise schwer verwundet und extrem geschwächt sind. Adrenalin lässt nach und die Beta Endorfine hören auf zu wirken. Und je länger es sich hinzieht um so grösser wird die Tortur. Selbst in portugiesischen Medien ist man sich einig. Die wahre Tortur beginne erst nach der corrida.

Und das alles nur um das Publikum zu schonen? Den Anblick von Blut und Tod nicht zuzumuten? Dem Tod aus dem Wege zu gehen? Ganz unter dem Motto, wie es der französische Philosoph Francis Wolff nüchtern feststellt: "Was man nicht sieht, existiert nicht". Und fügt hinzu, dass man damit der corrida die symbolischen, estetischen und ethischen Beweggründe entzieht.

Genauso betreibt es der antitaurinismo. Auch er verschliesst gerne die Augen und schmeisst in die Runde der Argumente ein, dass in Portugal die toros nicht getötet werden. Schlicht und einfach unwahr. Erstaunt kann man nur beobachten, dass die antitaurinos deswegen noch nicht auf die Barrikaden gegangen sind.

Was kaum einer weiss: Es gibt in Portugal einen Ort mit Namen Barrancos, wo jährlich auf legale Weise ein toro getötet wird. Dieses festejo taurino war lange Zeit verboten und wurde erst zum 1. Juli 2002 von der portugiesischen Regierung legalisiert. Mittlerweile haben schon andere Gemeinden entsprechende Anträge eingereicht um ihre fiestas mit den toros zu spanisieren. Der Wunsch nach festejos a la española scheint im zweiten Land auf der Iberischen Halbinsel wohl vorhanden zu sein.

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Quellennachweis:

Francis Wolf, 50 raisons de défendre la corrida, Editions Mille de une nuits, Fayard, Paris, 2010

Dienstag, 21. Oktober 2014

Zur Darstellung der Stiere in deutschsprachigen Medien

Die deutschsprachigen aficionados müssen sich zu Wort melden
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von Dr. Andreas Krumbein



Ein besonderer Wert, den eine Vielzahl der Meldungen bei SfA für mich hat, ist die hohe Aktualität der Informationen sowie die Tatsache, dass sie Ereignisse, Entwicklungen und Aspekte zum Inhalt haben, die für mich von hohem Interesse sind oder meinen Wissens- oder Erkenntnishorizont erweitern. Manche Nachricht hätte mich ansonsten nicht oder stark verspätet erreicht, und das Verdienst, diesen Zustand zu mildern, liegt in hohem Masse bei Philip de Málaga.

Viele Details und Ansichten in den Ausführungen und Angaben sind dabei nicht in meinem Sinne, vieles sehe und verstehe ich völlig anders, und gerade solche Situationen sind für mich Anlass, bestimmte Überzeugungen und ein bestimmtes Verständnis auf meiner Seite zu überprüfen und zu versuchen, mein Verständnis prägnant in Worte zu fassen, auch wenn es mir häufig nur unzulänglich gelingt.

Ohne die Meldungen bei SfA hätte ich den Artikel mit dem Titel „El Toro de la Vega – Blutiger Tag auf der Wiese“ von Leo Wieland, der am 15.09.2014 in der Online-Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (F.A.Z.) erschienen ist, bisher nicht gelesen. Der Inhalt dieses Artikels hat mich einerseits veranlasst, den Aufsatz „Eine Lanze für den Toro de la Vega“ zu schreiben und zu veröffentlichen. Andererseits hatte ich das Bedürfnis, der F.A.Z. meine Bewertung des Inhalts dieses Artikels in Form eines Leserbriefes zukommen zu lassen.

Fast immer, – Es gibt nur ganz wenige Ausnahmen. – wenn in deutschsprachigen Medien über die Stiere, seien es die corridas de toros oder die volkstümlichen „Stierspiele“ berichtet wird, ist der Inhalt der Artikel gekennzeichnet von Unkenntnis, fehlerhaften Details, vorgefasster Meinung und mangelhafter Recherche. Das mag für jemanden, der nicht aus einem Land mit Stierkampf-Hintergrund stammt, in der Natur der Dinge liegen. Für einen Journalisten, der für eine renommierte, überregionale Tageszeitung schreibt, gelten allerdings höhere Ansprüche. Dass häufig ganz offen oder hintergründig, sei es mit Absicht oder unbewusst, Elemente des Versuchs der Manipulation des Lesers in solche Artikel einfließen, kommt verschärfend hinzu. In dem hier erwähnten Artikel erkenne ich eine Reihe der aufgezählten Elemente.

Es ist wichtig und notwendig, dass sich auch die deutschsprachigen aficionados in ihrer Medienlandschaft mit ihren Ansichten und ihrer Kritik zu Wort melden. Das darf nicht nur über Online-Diskussionen erfolgen. Ich möchte meine Bewertung des besagten Artikels der SfA-Leserschaft zur Kenntnis bringen:



El Toro de la Vega – Blutiger Tag auf der Wiese, vom 15.09.2014
Leo Wieland publizierte unlängst in der Rubrik „Gesellschaft“ der F.A.Z. den oben genannten Artikel. So gelungen die Berichterstattungen und Analysen Herrn Wielands als politischem Korrespondenten der F.A.Z. für die Iberische Halbinsel im Hinblick auf die aktuellen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Spanien, deren Verflechtungen im Hintergrund und deren Einordnung in die gesamtgesellschaftliche Situation des Landes sind, so mangelhaft sind gelegentlich seine Beiträge, die sich mit sozio-kulturellen und gesellschaftspolitischen Aspekten in Spanien befassen. In dieser Hinsicht stechen immer mal wieder Beiträge zum Spanischen Stierkampf und insbesondere der oben genannte Artikel hervor.
Seit vielen Jahren wird in Spanien über Aufrechterhaltung oder Abschaffung der in weiten Teilen des Landes verbreiteten Stierspiele, von denen die corridas de toros eine besonders entwickelte Variante ist, gestritten. Was im Deutschen als „Stierkampf“ bezeichnet wird, wird von einem großen Teil der spanischen Bevölkerung lediglich „los toros“ genannt: die Stiere. „Ich gehe zu den Stieren“, nicht: „Ich gehe zur corrida.“ Dass „die Stiere“ eine besondere Bedeutung für Spanien, seine Entwicklung, auch als Nation, die Entwicklung seiner Gesellschaft und der Mentalität der Bevölkerung haben, äussert sich u.a. in einer Vielzahl von Begrifflichkeiten und Ausdrücken, die aus allem, was mit dem Stierkampf zu tun hat, in die Umgangssprache übergegangen sind. Folgt man Äusserungen des liberalen, spanischen Philosophen José Ortega y Gasset, wie: Die Geschichte der Stierkämpfe enthüllt einige der hintergründigsten Geheimnisse des spanischen Volkslebens seit fast drei Jahrhunderten. Und es geht dabei nicht um schwammige Bewertungen, sondern darum, dass man sonst die eigentümliche gesellschaftliche Struktur unseres Volkes während dieser Jahrhunderte nicht mit Schärfe zu bestimmen vermag, eine gesellschaftliche Struktur, die hinsichtlich sehr wichtiger Regeln dem Normalen in den anderen Nationen in Europa genau entgegengesetzt ist. oder: Die Geschichte des Stierkampfes ist mit derjenigen Spaniens verknüpft, so sehr, dass ohne die erste zu kennen, es sich als unmöglich erweist die zweite zu begreifen., müssen sich Fragen auftun, wie: Was bedeutet das rituelle Töten von Stieren, vielleicht sogar allgemeiner: von Tieren, dem Spanier? Was hat es ihm früher bedeutet und was bedeutet es heute? Was bedeutet eine Veränderung der Wichtigkeit und Akzeptanz dieser Riten für die spanische Gesellschaft? In welchen Gesellschaftsschichten spielen sich diese Veränderungen ab und warum? Wie ist die Auswirkung dieser Veränderungen auf diejenigen Schichten, in denen sie nicht stattfinden? Wie stark sind Einflüsse politischer Parteien, Akteure und Strömungen auf diese Veränderungen, in welche Richtung gehen sie, welche möglichen Ziele sind damit verbunden, wem nutzen und wem schaden sie?
Anstatt einzuflechten, wie die Kinder von Papst Alexander VI. hiessen,  sollte erläutert werden, was genau „Freunden des regulären Stierkampfes“ beim Töten des Toro de la Vega „inzwischen peinlich“ ist und was damit eigentlich gemeint ist. Es ist ein Missverständnis zu schreiben, das Erstechen des Stieres sei „unzeremoniell“ oder habe „so gar nichts nobles, elegantes, tapferes, sportliches oder kulturelles“. Es ist nicht ausreichend, sich auf „Die Männer (…)  erwarten ohne rotes Tuch den fast 600 Kilogramm schweren Kampfstier auf einer Wiese hinter der Brücke. Wer ihn erlegt, hat das Recht, ihm die Hoden abzuschneiden und sie auf seiner Lanze zu paradieren.“ zu beschränken. Das ist doch nicht alles. Was genau machen die denn da? Und warum tun die das? Was hat es für sie für eine Bedeutung? Warum tun die das auch heute noch?
Sind die Spanier besonders grausam zu Tieren? Auf diese Frage des Online-Dienstes „El Confidencial Digital“ wird die Antwort eben dieses Online-Dienstes „60.000 Tiere, darunter neben Stieren und Kälbern auch Pferde, Ziegen und sogar Gänse, lassen nach seiner Hochrechnung jährlich bei spanischen Volksfesten ihr Leben.“ zitiert, ohne einen Hinweis darauf, mit wem oder womit hier implizit verglichen wird. Im Vergleich zu welchen anderen Völkern sind die Spanier besonders grausam zu Tieren? Oder: Welche anderen Völker sind genauso grausam zu Tieren wie die Spanier? Stellt ein Online-Dienst solche Fragen nicht selbst, muss man sie selber stellen. Hat „El Confidencial Digital“ es tatsächlich nicht getan, ist es um dessen Seriosität nicht weit her, und dann gehören solche Zitate nicht in einen Zeitungsartikel von Qualität. 
Dass im Abschluss des Artikels das rituelle Töten von bestimmten Tieren in scheinbar direkten Zusammenhang mit der Vernachlässigung, dem Aussetzen, der Misshandlung und dem Töten von Haustieren und Jagdhunden gebracht wird, ist ein besonderes Ärgernis, denn beide Dinge haben nichts miteinander zu tun. Ob tatsächlich das rituelle Töten von Tieren in einem Lebensbereich eines Volkes, nämlich bei einer Festlichkeit, die oben genannten Handlungsweisen gegenüber Tieren in ganz anderen Lebensbereichen begünstigt oder nicht, ob ein solch möglicher Zusammenhang untersucht wurde und welche Ergebnisse dabei gewonnen wurden und auch, warum die Spanier die offenbar in besonders großer Zahl ausgesetzten Hunde und Katzen überhaupt kaufen und worauf dies beruht, wäre einen eigenen, gut recherchierten Artikel wert.
Für einen Artikel, der sich in der Rubrik  „Gesellschaft“ befindet und nicht eine „Herzblatt-Geschichte“ erzählt, ist diese fehlende Tiefe nicht angemessen. Dass Herr Wieland zu einer profunderen Diskussion der Verhältnisse und einer auch bei diesem Thema differenzierten Analyse nicht imstande wäre, hat er in vielfältiger Weise bezüglich anderer Themen widerlegt.
Dr. Andreas Krumbein, Göttingen


Kein meinungsbildendes oder Informationsmedium ist gegen schlechte oder Falschdarstellung gefeit, ganz gleich wie qualitativ hochwertig, seriös und renommiert es im Prinzip in der Gesamtheit seiner Berichterstattung und hinsichtlich seines journalistischen Anspruches ist. Erkennt man dies als Konsument, ist Kritik und die Forderung nach Richtigstellung wichtig und notwendig.

In Spanien werden die Verzagtheit, die Mutlosigkeit, das Schweigen und die Untätigkeit weiter Teile der mundo taurino gegen Angriffe auf die Stiere zu Recht beklagt – siehe dazu „Intoxicación informativa“ von Alfonso Santiago, in der Zeitschrift 6 toros 6, No. 1.057, 30. Sep. 2014. In Spanien können und müssen wohl die spanischen aficionados und die mundo taurino selbst die Verteidigung der Stiere tragen und verantworten, ebenso das Scheitern in Falle des Unterlassens. Im deutschsprachigen Raum können dies nur die deutschsprachigen aficionados. Und: sie müssen es tun. 

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Siehe auch:

Stirbt der Stier? von Philip de Málaga, Andalusienforum, 30. 6. 2007: Wie sich selbst erfahrene deutsche Journalisten schwer tun mit der Thematik des Stierkampfs. Hier am Beispiel eines Artikels in der FAZ vom 26. Juni 2007 des Journalisten Leo Wieland.

Montag, 20. Oktober 2014

Vom Zuschauer zum reinen Aficionado




von Walter Johnston


Walter Johnston war von 1962-1972 erster, gewählter Präsident des Club Taurino of London, Herausgeber des club-eigenen Magazins A La Lucha und Autor des Buches Brave Employment – The Myth and reality of the Spanish Corrida, Club Taurino of London, 1997. Das Zitat entstammt einem Leitartikel einer undatierten Ausgabe von A La Lucha aus den 1960er Jahren.

"Aus dem Vergnügen des Zuschauers mit der Vorführung 
erwächst der torerista.

Aus der Bewunderung des torerista für sein Idol 
erwächst der Halb-aficionado.

Aus der Sorge des Halb-aficionados um den toreo 
erwächst der torista.

Aus dem Studium der Verfassung des Stiers durch den torista 
erwächst der Voll-aficionado.

Aus dem Verständnis des Voll-aficionados für die Begebenheiten des Kampfes 
erwächst der reine aficionado.

Aus der Hingabe des reinen aficionado zur Makellosigkeit und Reinheit 
erwächst das Bedürfnis, einen einzelnen torero zu sehen, wie er einen ganz bestimmten pase mit einem ganz bestimmten Stier ausführt – um ihn dann zu bemängeln."

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Quellennachweis:
Text entnommen aus La Divisa, Club Taurino of London,
Number 214 - September/October 2013, S. 21 
übertragen aus dem Englischen von Dr. Andreas Krumbein

Sonntag, 19. Oktober 2014

Begegnung mit dem Stier

Über die geistige Haltung eines Toreros, über die taurinische Intelligenz
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von Philip de Málaga
(Fotos: La Tauromaquia, licamcuntz)


Was verbirgt sich dahinter, wenn sich ein Mensch einem gefährlichem Wesen stellt. Wir sprechen hier vom toreo. Dem wichtigsten Element der tauromaquia. Torear bedeutet nicht nur einfach sich zu trauen, sich vor einen toro zu stellen, vor einem Tier dass einem Schaden zufügen, gar den Tod bringen könnte. Hinter der Kunst des toreos verbirgt sich ein einzigartiges Ereignis, eine Demonstration von Intelligenz. Die Griechen hätten dieses, und jetzt würden wir sogar Ansätze beim angeblich archaischen Ursprung finden (siehe Ist der Stierkampf archaisch?), als Hinterlist, Cleverness und mit der nötigen Portion an Raffinesse bezeichnen.

Enrique Ponce
Den eigenen verwundbaren Körper, einem animalischen Wesen zu stellen, welches nur dem Instinkt gehorcht, aber in der Lage ist sehr schnell zu begreifen, zu lernen was hier im ruedo geschieht und von wo die Gefahr wirklich ausgeht. Das entspricht gewiss nicht der Natur eines Menschen, besonders in diesem Zeitalter. Die Angst einer lebensgefährlichen cornada ist stets präsent. Der Umgang mit dem toro, das toreo verbindet einen gewissen Bewegungsablauf mit Kenntnissen über dem res, seinem Verhalten wie seine möglichen Reaktionen. Intuition sowie eine strategische Intelligenz sind notwendig um eine abgerundete lidia zu planen und durchzuführen. Jeder Augenblick der Unachtsamkeit, des Entgehens bedeutender Momente kann ungeahnte Folgen bringen.

José Tomás
Der matador de toros betritt das Geschehen nicht nur um den toro zu töten, sondern er muss ihn auf seinem letzten Weg zum Tod begleiten. Mehr noch, es muss sein Anliegen sein, ihm zum letzten Ruhm zu verhelfen. Dem Publikum in den tendidos zeigen, welche bravura, welche Gefahr in diesem Tier steckt, gar einen toro manso in einen  toro bravo zu verwandeln. 

Morante de la Puebla
Doch das Ende, das Ziel ist und bleibt der Tod des toros. Und es liegt an der maestría eines matadores, mit einer gekonnten estocada dem Tier einen würdevollen und vor allem schnellen Tod zu bereiten. Denn dafür wurde er unter grossem Aufwand auf den dehesas in absoluter Freiheit gezüchtet. Einer Freiheit, von der seine Artgenossen im europäischen Raum nur träumen können.

Javier Conde
Und seien wir doch ehrlich, ohne diese taurinische Intellektualität eines toreros würde es in den tendidos an dem entsprechenden Pläsier fehlen. Genau jene intelligente Dominanz ist es, was begeistert, was überzeugt, welche bei eleganter und anmutiger Ausführung den duende zur afición in die Ränge begleitet. Der matador bestimmt wann, wo und wie, und um das im richtigen Moment entscheiden und umzusetzen zu können, benötigt er jene Intuition eines professionellen toreros. Nicht dass das Tier stirbt, sondern der Weg dahin, genau dahinter verbirgt sich die Leidenschaft eines aficionados, eines jeden taurinos.
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Literaturhinweise:

José Antonio del Moral, Cómo ver una corrida de toros, Alianza Editorial, Madrid, 2001
Francis Wolff, 50 razones para defender la corrida de toros, Editorial Almuzara, Zaragoza 2001

Samstag, 18. Oktober 2014

Der Film: Blancanieves

Wenn die mundo de los toros zu einem Märchen in Schwarz Weiss wird ...
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In der Mediathek des spanischen nationalen Fernsehsenders RTVE findet sich der Stummfilm Blancanieves. Diese spanisch-französische Produktion stammt aus dem Jahr 2012 und beruht ziemlich wage auf das Märchen Schneewittchen der Gebrüder Grimm. Die Regie führte Pablo Berger. Diese Schwarzweiss-Produktion wurde für zahlreiche Filmpreise nominiert, und bei der Goya-Verleihung in Spanien mit zehn Auszeichnung der erfolgreichste Film in der Geschichte des Goyas. In den Kritiken deutschsprachiger Zeitungen wie zum Beispiel aus Frankfurt, die Rundschau und die FAZ, wurde Blancanieves besser bewertet als The Artist, aber für eine Oscar-Nominierung 2013 zum besten fremdsprachigen Film hat es jedoch nicht gereicht.



Donnerstag, 16. Oktober 2014

Ist der Stierkampf archaisch?

Ist es gerechtfertigt den klassischen Stierkampf als archaisch zu bezeichnen?
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von Philip de Málaga


Wenn antitaurinos gegen die mundo de los toros zu Felde ziehen richtet sich ihr Zorn in erster Linie gegen die klassischen corridas. Also die corrida de toros, die novilladas und das rejoneo. Fast nie gegen die festejos populares, wenn man von dem Toro de la Vega und den becerradas in Algemesí (Valencia) absieht. Die grossen Aktionen der antitoristas richten sich vorwiegend gegen den passionierten aficionado, bzw. die taurinos der corridas. Dabei wir oft damit argumentiert, dass das Geschehen im ruedo nicht mehr zeitgemäss wäre und nicht zu einem modernen Spanien gehöre. Dabei wird häufig die fiesta de los toros als archaisch abgestempelt. Als etwas dermassen Antikes, welches noch weit vor Christi Geburt platziert gehöre.

Gewiss, der Umgang mit den toros im Allgemeinen, den gibt es schon seit langem. Man denke nur an die minoischen Stierspiele auf der griechischen Insel Kreta. Und so finden sich in der Tat in der Mythologie diesbezügliche Zusammenhänge. So wird es dem griechischen Heros Herakles zugeschrieben, der Erste gewesen zu sein, der versuchte einen Stier zu bändigen.

Im Plast non Knossos (Kreta) findet sich ein Fresko mit einem Springer über einen Stier,
welches athletisches wie kultisches Ereignis galt.
Auch in der Bibel finden finden sich unter Moses Stierkulte als Opferritual, beziehungsweise als Spender der weiblichen Fruchtbarkeit.

Die erste historisch bekannte Persönlichkeit, welche Stiere in Sevilla und Cádiz vom Pferd aus mit einer Lanze bekämpfte war Julius Caesar. Sozusagen der erste namentlich bekannte picador oder rejoneador. Der römische Imperator war dermassen davon angetan, dass er dieses Schauspiel beim Circus in Rom einführte. Man kann sagen, es war das erste Mal, dass ein Stier vor einem Publikum antrat um zu sterben. Jedoch gab es hierfür kein Regelwerk. Die Stiertöter konnten vorgehen wie sie wollten um das Publikum zu befriedigen.

Costillares
Gewiss lassen sich solche Ereignisse, wie gerade beschrieben, als archaisch bewerten. Nur haben diese Spektakel mit der heute corrida de toros so gar nichts gemein. Was sie unterscheidet sind zwei Begriffe: Willkür und Reglementierung. Und Willkür ist im ruedo nicht erwünscht. Die heute organisierten festejos taurinos unterliegen einem strengen reglamento taurino.  Es kommt nicht nur darauf an, dass der toro stirbt, sondern im Laufe der Zeit ist das Wie an Bedeutung gestiegen. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts. Der Anfang des klassischen toreo a pie findet sich im 18. Jahrhundert wieder. Erst ab 1750 gab es den ersten matador de toros, mit Namen Costillares, der es verstand mit einer capa und der muleta umzugehen und der den Beginn der tauromaquia in die Wege leitete.

In Frankreich wird der Beginn der Geschichte der corridas sogar erst in das 19. Jahrhundert verlegt. Also mit die Letzten, welche der mundo de los toros beitraten. Und trotzdem waren sie die Ersten, welche die tauromaquia zum Kulturerbe deklarierten.

Man kann also gut erkennen, dass mindestens zweitausend Jahre nach der Archaik der Beginn der corrida anzusiedeln ist. Welches wiederum darlegt wie verfehlt die Argumentation vom archaischen Ursprung angewendet wird.