Sonntag, 9. August 2015

Auszug aus "Mannesalter" (1. Teil)

Anmerkungen zum Text "Mannesalter"
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von Dr. Andreas Krumbein




Michel Leiris (Julien Michel Leiris), geboren am 20. April 1901 in Paris, gestorben am 20. September 1990 in Saint-Hilare (Essonne), war Schriftsteller, Dichter, Ethnologe und Kunstkritiker für die französische Kunst.

Von 1924 bis 1929 gehörte er der Gruppe der Surrealisten an. Er arbeitete als Ethnologe und zählt zu den wichtigsten französischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Der "Spiegel der Tauromachie" ist vielleicht sein schönstes Buch. Er starb 1990. nach Vollendung seines vierbändigen literarischen Hauptwerks, seiner Autobiographie "Die Spielregel". Seine zentrale Maxime lautete:

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"Keine schöne Lüge produzieren,
sondern eine Wahrheit, 
die ebenso schön wäre wie die schönste Lüge."
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In Deutschland ist Leiris vor allem durch seinen autobiografischen Roman "Mannesalter" (1939) bekannt geworden. Techniken seiner surrealistischen Lehrjahre, psychoanalytische Selbstbefragung und ein auf die Deutung des eigenen Lebens gerichtetes ethnologisches Instrumentarium definierten das Genre der Autobiografie neu. Das Buch ist dabei retrospektiv ausgelegt: Der 34-jährige, geistig wie zerschlagene Ich-Erzähler bemüht sich um die rückhaltlose Rekonstruktion frühkindlichen Quellen seiner psychologischen und sexuellen Obsessionen. Der dem Werk seit 1946 üblicherweise vorgelagerte Essay La littérature considerée comme une tauromachie (Literatur als Stierkampf) begründet dies: Die völlige, exihibitionistische Selbstpreisgabe verwandelt den Schriftsteller in einen torero, der den monströsen toro (das eigene desaströse Ich) aufstachelt um es zu besiegen.

In der corrida de toro, dem spanischen Stierkampf, findet man eine Vielzahl von Details, Anteilen und Anspielungen auf Riten, Symboliken und Gebräuche aus vielen Regionen Spaniens.

Die Dinge, die bei einer corrida ablaufen, und die Art und Weise, wie diese Dinge aus- und aufgeführt werden, waren und sind Themen anthropologischer, soziologischer und psychologischer Untersuchungen und Deutungen. Diese Deutungen versuchen Antworten zu geben auf Fragen wie zum Beispiel:
  • Warum tun die Menschen das?
  • Warum tun sie es auf diese Weise?
  • Was bedeutet das, was dort für sie getan wird?
  • Wie sind die Dinge eingebettet in die geschichtliche Entwicklung eines Landes und seiner Bevölkerung?
Äusserungen wie "Die Geschichte der Stierkämpfe enthüllt einige der hintergründigsten Geheimnisse des spanischen Volkslebens seit fast drei Jahrhunderten. Und es geht dabei nicht um schwammige Bewertungen, sondern darum, dass man sonst die eigentümliche gesellschaftliche Struktur unseres Volkes während dieser Jahrhunderte nicht mit Schärfe zu bestimmen vermag, eine gesellschaftliche Struktur, die hinsichtlich sehr wichtiger Regeln dem Normalen in den anderen Nationen Europa genau entgegengesetzt ist," von José Ortega y Gasset mögen als Begründung dafür dienen, sich mit solcherart von theoretischen Aspekten der corrida de toros zu befassen.

Für mich selbst, als Nicht-Spanier, der seit mehr als 25 zu den Stieren geht, ist jeder gedankliche Ansatz willkommen, der beiträgt zu einer möglichst "konsistenten" Erklärung dafür, warum ich als früherer antitaurino - so wie man eben üblicherweise Stierkampfgegner ist, wenn man einer typischen bildungs-bürgerlichen Familie der ehemaligen Bundesrepublik Deutschland entstammt - sich so völlig ändern und am rituellen Töten von Stieren nicht nur Gefallen, sondern einen tiefen Sinn und eine Bereicherung für sein Leben finden kann. Diese Erklärung benötige ich in erster Linie für mich selbst. Ich will - nein ich muss! - in der Lage sein, einem anderen, der, wie es schon so häufig vorgekommen ist, fragt: "Mensch Krumbein, wie kannst Du nur so etwas gut finden?", zu er erklären, warum das bei mir so ist und ich, in dieser Hinsicht, so bin, wie ich bin. Es wird mir irgendwann gelingen, und dann werde ich dazu in der Lage sein, mich gut zu erklären. Das ist graue Theorie, ich weiss. Das, was ich irgendwann gut erklären kann, werden viele nicht verstehen. Vieles von dem dem, was sie verstehen, werden sie nicht akzeptieren. Sei`s drum.

Ein schwieriges Thema: Kinder und Stierkampf
Eine besondere Schwierigkeit und Herausforderung in dieser Hinsicht stellen Kinder dar, eine Schwierigkeit und Herausforderung, die mich zu besonderer Sorgfalt und Mühe in der Wahl meiner Worte und der Konsistenz meiner Argumentation und der tiefsten Aufrichtigkeit meiner Ausführungen motiviert. Hoffe ich doch einerseits einem noch in Teilen un voreingenommenen Geist zu begegnen, anderseits will ich das Risiko minimieren, durch ungeschickte Worte, missverständliche oder interpretierbare Formulierungen oder durch eine falsche Metapher, also durch Mangel an Einfühlung und fehlende Antizipation seines Verständnisses, diesen kindlichen Geist auf einen Weg zu führen, den ich für falsch halte. Und Kinder können gnadenlos sein in der Aufdeckung und offenen Zurschaustellung logischer Ungereimtheiten von Erwachsenen. Das sollen sie auch, ja das müssen sie sogar.

Meine momentan 13-jährige Patentochter ist für mich eine solche Herausforderung, und bei jedem ihrer Besuche geht sie einerseits kopfschüttelnd durch unsere von Stieren hier, Stieren dort überbordende Wohnung und stellt bohrende Fragen, so dass ich überzeugt bin, dass ihr eine Erklärung, die sie "verstehen" oder besser: annehmen kann, wichtig ist, um das "kranke" Hobby ihres Paten in Einklang mit ihren Vorstellungen und Werten zu bringen. Anderseits scheint sie eine gewisse grundlegende Offenheit zu besitzen, die es ihr erlaubt, eine solche Andersartigkeit bei anderen zuzulassen. Ihr zwei Jahre jüngerer Bruder, sehr tierlieb, zeitweise Vegetarier und voller Mitleid für jedes Tier, äussert hingegen das Verlangen, dass der Stier gewinnen möge, dadurch dass er den torero tötet. Das würde ihn freuen. In solchen Momenten bin ich der Verzweiflung nahe, um mich schnell genug daran zu erinnern, dass ich selbst schon älter als zwanzig Jahre war, als ich noch genauso dachte und sprach.

In dem hier wiedergegebenen Auszug aus "Mannesalter" von Michel Leiris befinden sich etliche der oben angesprochenen gedanklichen Ansätze, die meinen eigenen entsprechen und die Teile einer solchen Erklärung oder die Grundlage dafür liefern oder liefern können. Es werden Deutungen, teilweise sehr persönlicher Natur, vorgenommen, teilweise klingen sie lediglich an (diesbezügliche Stichworte: Sexualität, Liebesakt, Erregung, Vereinigung, Todesgefahr, Opfer, Kult, Rolle zwischen Mann und Frau, Rollenwechsel, Machtverlust des Mannes, Angst, Mut, Niederlage, ...)

Manche Details im Text entsprechen nicht meinem persönlichen Empfinden oder meiner Überzeugung. Sie innerhalb der Gesamtheit des Textes zu lesen und sie als Anregungen zur Diskussion verfügbar zu haben, ist allemal interessant und wertvoll.

SfA: Fortsetzung mit dem entsprechenden Auszug aus "Mannesalter" folgt.


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Quellennachweise:

Michel Leiris bei Matthes & Seitz Berlin
Michel Leiris in Wikipedia
Michel Leiris in art DIRECTORY literatur

Siehe auch:
Stierkampf und die Kinder, SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 3. 7.2015
Mit Kinderschutz gegen den Stierkampf SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 11.5..2015
Und wenn die Zuschauer Kinder sind (1. Teil) SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 7.8.2007
Und wenn die Zuschauer Kinder sind (2. Teil) SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 9.8.2007
Und wenn die Zuschauer Kinder sind (3. Teil) SfA-Reportage von Philip de Málaga vom 19.8.2007

Samstag, 8. August 2015

Guter Taurino, toter Taurino!

Menschen den Tod zu wünschen?
Politisches wie moralisches Interesse der Gegner von Stierkämpfen?
Welle der Empörung bei zahlreichen SfA-Lesern
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von Philip de Málaga



In den Strassen von Palma de Mallorca war es kaum zu überhören "Taurino bueno, taurino muerto!" Ein guter taurino ist ein toter taurino. Auch in der plaza de toros sollen ähnliche Worte vernehmbar gewesen sein. Es war also nicht die Stimme nur eines oder weniger Vertreter, nein, zahlreiche antitaurinos standen hinter dieser Aussage. Und das in aller Öffentlichkeit und in allen bekannten spanischen Medien wurde es gebracht.

Sie haben geschrien Slogans wie: "Heute sind es die toros, morgen ihr"
oder "guter taurino, toter taurino"
Millionen Spanier konnten diesen Ausruf zur Kenntnis nehmen, ob im Internet, der Zeitung oder im Fernsehen und sich ihre Meinung bilden.

Zahlreiche SfA-Leser zeigten sich in ihren Mails und im Gästebuch schockiert über solche Äusserungen. Wie kann man als Mensch den Tod eines Menschen herbeisehnen. Fernando Ramos aus Málaga meinte dazu, es erinnere ihn an Francos Zeiten, als es hiess "Nur ein toter Zigeuner ist ein guter Zigeuner!". Kennen wir nicht ähnliche Ausrufe aus der Nazizeit und anderen politischen wie historischen Vergangenheiten?

Es scheint so, als ob hier vom antitaurinismo Begriffe wie Moral, Ethik, Respekt, Toleranz oder andere Synonyme neu definiert werden. Da sie auf demokratischem Wege nicht so richtig voran gekommen sind, werden nun mit an Anarchie angrenzenden Fundamenten neue Ansätze platziert. 

Und kennen wir das bei SfA nicht schon? Gleich zu Beginn der Zeiten von SfA begannen die antitaurinos dieses Portal verbal unter Beschuss zu nehmen:


Und das war im Herbst 2009. Im Beitrag Den Tod den Taurinos wurde die Autorin eines Kommentars des "Wunsches" zitiert: "Den Tieren das Leben - den Taurinos den Tod!" Und das in aller Öffentlichkeit auf einem deutschen Internetportal in Wuppertal. Mit anderen Worten: Eigentlich hat sich in der Haltung und Einstellung der antitoristas rein gar nichts geändert. Sie akzeptieren lediglich ein totales weltweites Verbot der toros. Eine Dialogbereitschaft in Sachen tauromaquia gibt es nicht. Tradition, Kultur, demokratische Zustimmung, verfassungstreue Rechte und fast 70 Millionen aficionados auf der Welt zählen für sie nicht. Gehören gar dem Tod geweiht.

Zugegeben, nachdem SfA darüber berichtet hatte und auch auf den Protest in den eigenen Reihen hin, wurde der Kommentar vom 14. Oktober 2009 vom Administrator gelöscht (Siehe SfA-Reportage: Doch kein Tod den Taurinos). Und plötzlich ging es um den Umgang miteinander. SfA schrieb dazu: Verständlich und menschlich zugleich. Wenn wir nicht mehr in der Lage sind zu kommunizieren ohne uns gegenseitig zu beschimpfen, werden wir nie etwas erreichen. Ohne Frage, ein guter Ansatz.

An die 100 antitaurinos konnten es nicht verhindern,
dass über 10.000 aficionados die corrida de toros in Palma de Mallorca besuchten.
(Foto: mundotoro)
Aber wie wir gerade in diesen Tagen auf Mallorca erkennen konnten, es hat sich nichts geändert. Der Wunsch nach dem Tod der taurinos sitzt weiterhin fest verankert in den Köpfen zahlreicher antitaurinos. Auch wenn sie nicht unbedingt den Tod der taurinos selbst herbeisehnen, so unterstreicht diese Erkenntnis ihren Hass auf die mundo de los toros und ihre Kompromisslosigkeit in jeder Hinsicht. Statt Dialog setzen sie auf Aggressionen und Beeinflussung der links orientierten Parteien. Sie setzen alles dran, die toros wieder zu einem Politikum zu machen. Das ist die einzige Chance die sie noch haben. Und sie nützen sie vorerst in jenen Gebieten, wo die tauromaquia sowieso eine untergeordnete Rolle spielt.

Die Beantwortung der Frage, warum die abolición de los toros für die antitaurinos eine so wichtige Rolle spielt bleibt weiterhin offen. Denn selbst unter den Tierschützern stehen die toros und deren Verbot mit an einer der letzten Stellen. Der letzte Versuch der antitoristas mit der Schriftlichen Erklärung beim Europäischen Parlament im Mai 2007 hat es eindeutig bestätigt. Nur 51 Prozent der tierschützenden Parlamentarier unterschrieben den Antrag für ein europaweites Verbot von festejos taurinos. Insgesamt lehnten diesen Antrag 72 Prozent der Parlamentarier ab. Nichts verdeutlicht eindeutiger, wie kontrovers das Thema der tauromaquia auch in den Reihen der Tierschützer gesehen wird. Und nebenbei bemerkt, Europa hat sichere andere Prioritäten zu setzen als die toros zu verbieten.

Das letzte Wort soll einem SfA-Leser aus unserem Gästebuch gehören:

Freitag, 7. August 2015

Grosser Besucherandrang in Palma de Mallorca





von Philip de Málaga


Mit geballter Kraft gegen die Welt der Stiere,
doch die Plaza de toros von Palma füllte sich trotzdem mit aficionados!
Und ein mutiger antitaurino!
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Es ärgerte die Stadtväter von Palma den Mallorca schon gewaltig, dass sie die nächtliche corrida de toros von gestern um 22:00 Uhr in Palma de Mallorca nicht verhindern konnten. So versuchte man die empresa der plaza de toros mit städtischen Inspektoren, wie Architekten, Statiker, Tierärzte etc. zu tyrannisieren, ob sich die plaza überhaupt in einem entsprechenden Zustand befände, um ein festejo taurino zu organisieren. Bei der deutschen Veranstaltung "Wetten dass ..." wären sie damals wie heute nicht auf eine solche Idee gekommen. In der Tat konnten wohl hier un da einige unbedeutenden architektonische Mängel geortet werden, aber der Rest der plaza, inklusive der enfermería befänden sich in einem sehr guten Zustand.

Gegen die toros
Das Rathaus wie verschiedene Organisationen des antitaurinismo versuchten diese corrida zu behindern bzw. gar zu verhindern wo sie nur konnten. Es ist schon auffallend, wie stark die-antitaurinos vor allem in jenen Gegenden auftreten, wo es sowieso kaum toros gibt. In Palma de Mallorca ist es in Jahr in der Regel gerade mal eine einzige corrida de toros pro Jahr. Klingt irgendwie mit dem Elefanteneffekt, im Schutze der Touristen und Ausländer gegen die Maus der afición. Doch die aficionados aus Mallorca liessen es sich nicht nehmen die grossen matadores de toros der Gegenwart im ruedo des Coliseo Balear zu sehen. Obwohl leider auch die Nationale Polizei anrücken musste um die aggressiv wirkenden an die 100 antitaurinos, welche auch Kinder und Jugendliche beschimpften, auf Distanz zu halten. Denn die provozierenden Rufe der Gegner gingen weit unter die Gürtellinie wie "Heute sterben die toros, morgen sterbt ihr" oder die corrida de toros.
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"Ein guter taurino ist ein toter taurino"

Rufe von antitaurinos in Palma de Mallorca

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Ohne Frage, eine verbale Entgleisung der besonderen Art. Kein Satz zeigt besser auf, auf welchem Niveau der antaurinismo agiert, bzw. angekommen ist. Wer Menschen den Tod wünscht, sollte selbst erst einmal über Menschenrechte in einer Demokratie nachdenken und sie respektieren. Wohlgemerkt, wir leben weder in einer Diktatur noch in einer Anarchie.

Trotzdem verzeichnete der aforo einen gran entrada, einen grossen Andrang bis hin zum casi lleno an interessierten aficionados von mehr als 10.000 Besuchern. Auf dem Festland hätte es bei diesem cartel ein No hay billetes gegeben.

Eine sehr gut besuchte plaza de toros in  Palma de Mallorca (Foto: mundotoro)
Als die corrida begann, der paso doble ertönte und die toreros einmarschierten, erhalten laufe Rufe "Libertad, Libertad" (Freiheit, Freiheit) in das Rund des ruedos als Proklamation gegen das Verbot.

Ein paseillo für die taurinische Freiheit  (Foto: mundotoro)
Und was die afición zu sehen bekam konnte sich zeigen lassen. Die toros der ganadería Zalduendo zeigten sich umgänglich, öfters schwach und liessen den matadores nicht allzu viel Möglichkeiten ihr Können so richtig unter Beweis zu stellen.

Morante de la Puebla (ovación und ovación)
José María Manzanares (oreja con petición de la secunda und palmas)
Alejandro Talavante (oreja und oreja)

Dann gab es noch diesen mutigen antitaurino

Und es gab einen waghalsigen antitaurino vor einem toten toro. Ein Unbekannter war es nicht. Der Niederländer Peter Jansen hatte schon mal in Pamplona versucht die Arbeit des matadores de toros Juan José Padilla zu stören.

Ein gekleideter antitaurino bei seinem Auftritt in Palma de Mallorca (Foto: mundotoro)
Und so mutig wie er sich dem toten toro elegant gegenüberstellt! (Foto: mundotoro)
Dieser illegale Auftritt, nach Angaben von der Seite Toros y Toreros, wurde angeblich von linken Politikern finanziert, und zeigt auf, mit welchem Mut der antitaurino ins Geschehen eingreift um vor einem toten toro seine Schau abzuziehen. Keine Gefahr für ihn und trotzdem zog er sich Verletzungen zu, tönte er lautstark, nach seiner Verhaftung. Allerdings kämen die Verwundungen nicht durch den toro sondern durch die cuadrilla des matadores de toros Morante de Puebla hätte sie ihm zu gefügt, als dieser versuchte im callejón dem maestro handreiflich entgegenzutreten. Das Gewahrsam durch die Polizei dauerte nur eine Stunde und sich auf das Erfassen der Daten beschränkt. Früher wurden in Spanien solche espontáneos härter bestraft, so wie heute beim Fussball. Hätte er das bei einem Messi oder Ronaldo versucht, er wäre erst einmal in der Untersuchungshaft gelandet.

Trotz all antitaurinischer Repressalien, der doch aggressiven Vorgehensweise der antitaurinos, wie es die grossen Tageszeitungen bezeichneten EL PAIS und EL MUNDO, wurde die corrida de toros im Coliseo Balear von Palma de Mallorca zum Erfolg und endete mit einer puerta grande des diestros Alejandro Talavante.

Und sollte es der linken Regierung auf den Balearen wirklich gelingen die toros ganz abzuschaffen, haben sie nicht nur eine Menge Geld dafür zu zahlen, es würde der tauromaquia von Spanien nichts ausmachen. Denn es verliert ein Territorium auf dem die toros sowie kaum eine bedeutende Rolle spielen, und wie auf der Inselgruppe der Kanaren, es würde sie kaum einer vermissen. Aber eine kulturelle Veranstaltung mit mehr als 10.000 Besuchern, die kann und sollte man nicht einfach so ins Abseits schieben, und schon gar nicht mit einer Erklärung, es interessiere sich keiner dafür.

Mittwoch, 5. August 2015

Pamplona: Vor 20 Jahren

Es scheint auffallend, das Interesse für die mundo de los toros ist auch in Deutschland gestiegen. Vor allem San Fermín in Pamplona hat es nicht nur den Deutschen angetan. Der SfA-Leser Manfred B. aus Hamburg schickte uns einen aktuellen Link eines Spiegel Online Videos über Pamplona, wo auf der rechten Seite noch weitere Videos zur Auswahl stehen.Vielen Dank dafür:


Dienstag, 4. August 2015

Armut wegen den Stieren?

Über verschiedene Argumentationen gegen die Stiere
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von Philip de Málaga


Es scheint nur verständlich, dass antitaurinos auch mit menschlichen Argumenten versuchen zu punkten. Aber ist das wirklich gerechtfertigt:

Subventionen auf dem falschen Weg? 

So reden sie häufig von einer Stierkampf-Mafia die Millionen verdient, oft auch wegen der Subventionen, und dass man mit diesem Geld wohl viel nützlichere Dinge anstellen könnte. Gerade in den letzten Jahren wurde im Beitrag Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus! ein Kommentar darüber geschrieben: “Die Subventionen in Millionenhöhe für die tauromaquia sollten besser dem spanischen Bürger zufliessen und nicht einigen wenigen Bonzen der tauromafia”. Und weiter heisst es: “Mit all diesem Geld könnte man in Spanien Krankenhäuser modernisieren oder neu bauen, man könnte genügend ärztliches Fachpersonal bezahlen.” Von Klaus M. aus Bocholt erhielt ich ein Mail mit unter anderem folgendem Inhalt: “Es scheint mir unerträglich, dass es in diesen Zeiten in Europa immer noch so viel Armut gibt. Und statt die Gelder in solche modernen Gladiatorenspiele der Neuzeit, wie den spanischen Stierkampf zu verschwenden, sollte man sich um die Bedürftigen kümmern”. Öffentliche Gelder für Stierkämpfe, dass erzürnt wohl einige Gemüter.

Und zu recht. Wie SfA ja schon berichtet hat, setzten die municipios, bzw. die verantwortlichen Politiker sehr wohl Prioritäten im Verteilen hier finanziellen Verfügbarkeiten (Siehe SfA-Beitrag: Bücher statt Stiere). Also daran ist eindeutig der Trend zu erkennen, dass zahlreiche empresarios und Politiker mit neuen Konzepten versuchen, alte Strukturen des Finanzierung zu ändern.

Neue Wege die Stiere näher zu bringen

Zum Beispiel in der südspanischen Metropole Málaga, sind es nicht nur die corridas die das Publikum der mundo de los toros näher bringen sollen, sondern gleich zwei Museen, ein Restaurant und in der plaza de toros selbst ein ganzer Gastronomiebereich. 


Grosser Andrang bei den kulinarischen Köstlichkeiten in der Malagueta

Hinzu kommen Führungen in verschiedenen Sprachen und zahlreiche Geschäfte welche Produkte aus der tauromaquia anbieten.

Auch die ganaderías sind aktiver geworden. Zahlreiche Stierzuchten bieten an sie zu besuchen, und nicht selten auch mit kompletten Programmen, wie Unterkünften, Mahlzeiten, capeas, tientas und aber auch Flamenco oder Sherryverkostungen. Bei einigen ganaderías hat man sogar die Möglichkeit sich als aficionado práctico zu üben, also selbst mal die capa oder die muleta in die Hand zu nehmen und sich einem Kalb zu stellen.

Stierzuchten, welche man besuchen kann.

Mehr Informationen auf der offiziellen Seite: Turismo UCTL (in spanischer Sprache)

Ungerechtfertigte Gehälter?

Die Zweifel, dass zum Beispiel ein matador de toros wie José Tomás bei einem seiner Auftritte angeblich 400.000 Euros erhalten haben soll hat SfA ja schon im Beitrag Wenn Wohltätigkeit weh tut! dargestellt. Ob es so nun gewesen ist spielt keine Rolle. Aber ist nicht nachzuvollziehen, warum dieses als “nicht vertretbar” interpretiert wird.

Ein berühmter matador de toros verdient im Verhältnis zu anderen Stars aus Sport und Showgeschäft relativ wenig. Es sind vielleicht gerade mal an die zehn toreros, wenn überhaupt, die da pro Auftritt 100.000 Euros oder mehr verdienen. So ein Stierkämpfer muss, gleichwie ein Fussballer, seinen möglichen Triumph über Jahre hart erarbeiten. Und nur sehr wenige haben es auch wirklich geschafft. Pro Jahr kann man sie an einer Hand abzählen, wenn überhaupt.

Prioritäten oder schlechtes Gewissen?

Den Übel dabei sehen die antitaurinos wohl im Publikum. Würden diese nämlich ihre Gelder nicht in die tendidos der plaza de toros tragen, würde man der so genannten Stierkampflobby die Fundamente entziehen. Also will man den Besuchern, oder möglichen Besuchern ins Gewissen reden, sie informieren, welche Armut es auf der iberischen Halbinsel gibt. Und einer der Hauptschuldigen hierfür sei die mundo de los toros. Sollte man das wirklich tun?

Vor längerer Zeit sass ich mit Geschäftspartnern in einem gehobenen Lokal. Die Speisen waren köstlich genauso wie die Rechnung: Fast zweihundert Euros. Schließlich meinte Don Pedro“Mit dem Geld hätten wir auch für ein halbes Jahr die Patenschaft von einem Kind oder von sechs Kindern für einen Monat übernehmen können”. Ein anderer rechnete weiter: “Und wenn man das umrechnet wären es insgesamt so zwischen 400 und 600 Speisen”. Wir stimmten zu und diskutierten über diese Thematik. Ist es nicht so, dass fast alles was wir machen, so wie wir leben, auch bei aller Bescheidenheit, im Vergleich zu restlichen Welt purer Luxus ist? Da könnte man hinterfragen, nur weil es so viel Elend gibt, sollte man zum Beispiel die besseren Lokale meiden? Nicht mehr bei Hermés einkaufen gehen oder BMW fahren? 

Darf man seinen kulturellen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden? Oder wie steht es um die teuren Karten für den König Fussball? Sicherlich nicht. Es sollte einem jedem selbst überlassen sein, nach ethischen oder religiösen Werten seine eigenen Prioritäten zu setzen, und sich nicht von Bestimmungen durch Dritte bevormunden zu lassen. Wohlgemerkt, in unseren Breitengraden jedoch unter Anerkennung demokratischer Werte und gesetzlichen Vorgaben.

Was sagt die Wirtschaft dazu?

Keine Frage. Seit 2007 ist die mundo taurino geradezu in eine wirtschaftliche Flaute geraten. Kein Einzelfall, hat sich lediglich der spanischen allgemeinen Situation angepasst. Nicht alle Stierkampfarenen fahren kostendeckend oder gar gewinnbringend. 

Das trifft auch für toreros zu. Ein Grund warum sich unter den banderilleros, den so genannten Hilfsstierkämpfern, zahlreiche gescheiterte matadores de toros oder novilleros befinden. Oder jene, welche es trotz guter Leistung es einfach nicht schaffen bekannt zu werden. Wie oben schon beschrieben, nur wenige schaffen den finanziellen Durchbruch und das gilt auch für viele empresarios.

Aber trotzdem ist der Stierkampf wieder ein gewinnbringendes Geschäft. Direkt wie indirekt werden in Spanien Millionen an Euros umgesetzt. Und in Zeiten der Krise, die natürlich auch die tauromaquia eingeholt hat, schien es nicht sehr sinnvoll oder logisch, gerade da einen funktionierenden kompletten Wirtschaftszweig einzustampfen.

Das die toros in der Tat Arbeitsplätze schaffen und im Wohltätigkeitsbereich häufig tätig sind, kann ruhig auch am Rande erwähnt werden.

Wie SfA schon berichtet hat, seit zwei Jahren beginnen sich die plaza de toros bis zu einem No hay billetes zu füllen, zahlreiche empresas schreiben grüne Zahlen und in vielen Gemeinden werden die öffentlichen Gelder mittlerweile für andere Zwecke eingesetzt. Was aber nichts daran ändern, das sich die toros wieder auf einem steigenden Ast befinden.

Montag, 3. August 2015

Stierkampf in Bosnien-Herzegowina

Über populäre aber harmlose Stierkämpfe in Bosnien
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von Philip de Málaga


Das das deutsche Wort Stierkampf für die spanischen toros falsch verwandt wird ist SfA-Lesern weitgehend bekannt. Es sei denn, die toros treten im wahrsten Sinne des Wortes gegenseitig an, wie in der Reportage (Siehe: Im wahrsten Sinne des Wortes: Stierkampf). 

Der japanische Schriftsteller Yasushi Inoue (1907 bis 1991) zeigte der Welt mit seinem Buch Der Stierkampf aus dem 1949, das man auch im ostasiatischen Staat im Pazifik die Stiere aufeinander losliess, und hier wurde der Stierkampf zum Wettkampf befördert, wurde hierbei nämlich um Geld gewettet, welches der Tiere als Gewinner hervorgeht. 

"Stierkampf" in Japan
Und in noch einem Land werden die Tiere aufeinander losgelassen. In dem bosnischen Bergdorf Čecljanovići, etwa 30 Kilometer südlich von der Metropole Sarajevo, lässt man ebenfalls die Stiere gegeneinander antreten. Zwar hat hier diese Veranstaltung den ähnlichen Namen wie die spanische corrida, sie nennen es Korida, hat aber so ziemlich gar nichts mit der iberischen Variante gemein. Denn ein richtiger Kampf, ein Messen der Kräfte scheint es nicht zu sein. Hier fehlen die Charaktereigenschaften eines toros bravos, welcher ja extra für eine corrida de toros gezüchtet wird. Hier werden irgendwelche Almochsen aufeinander losgelassen.

"Stierkampf" in Bosnien
So stehen bei dieser Veranstaltung die beiden Tiere sich gegenüber, schauen sich an und schubsen ab und zu mal. Mal mehr, mal weniger. Das geht dann so lange bis einer den Rückzug antritt. Manchmal und zur Freude des Publikums geht es dann auch etwas heftiger zu ab stets vollkommen unblutig.

Volksfest in den Bergen
Ende eines jeden Julis wird diese Korida hier in Čecljanovići zelebriert und zieht tausende von Menschen an. Es ist die grösste Korida in Bosnien. In den Zeiten vor der Krise zog es sogar bis zu 100.000 Personen an, welche auch aus Deutschland oder Österreich anreisten.

Und dieses Fest ist kein Einzelfall. Jedes Jahr finden in Bosnien-Herzegowina 68 Koridas statt, welche von 13 Züchtern veranstaltet werden. Und was die Organisatoren hierbei besonders hervorheben, dass bei diesen Volksfesten politische, nationale, ethische oder religiöse Zugehörigkeiten keine Rolle spielen. Die Koridas sind für alle. Jeder ist Willkommen! Im wahrsten Sinn des Wortes: Stierkampf für Alle.
Alle sind dabei
Da wird getanzt, gesungen, Musikgruppen treten auf, gegessen, private Picknicks, eben ein richtiges Fest des Volkes in dessen Mittelpunkt der Stierkampf steht. Eine besondere Geste findet sich schon zu Beginn der Veranstaltung. Da werden durch die Lautsprecher die Leidensgeschichten von anwesenden Kranken erzählt, und im Anschluss werden für diese Spenden gesammelt.


Sonntag, 2. August 2015

Deutsche Medien in Spanien mehrheitlich gegen die Stiere

Fast alle deutschsprachigen Medien in Spanien
berichten nicht neutral über die mundo de los toros.
Ein Nachtrag zu Deutsche Medien in Spanien mehrheitlich gegen die Stiere
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von Ursula Herzog und einem aficionado aus Marbella

Mich würde wundern, wenn es anders wäre. Wenn man den bereits pervertierten Tierschutz betrachtet, dann kann gar nicht sachlich geschrieben werden. In Österreich werden Riesenschlangen, die ihren Besitzern entkommen sind, eingefangen und in ein Tierschutzheim gebracht. Wenn  man in Rumänien Straßenhunde, die bereits eine Gefahr darstellen,  einschläfern will, dann gibt es gewaltige Unterschriftenlisten dagegen. Wir haben uns von der Wirklichkeit entfernt. Schnitzel kauft man im Supermarkt eingeschweißt in der Folie. Besonders gerne haben wir heute Fisch als „Fischstäbchen“ oder Hühnerfilet in Form von „Chicken-Nuggets“. Wir sind so wunderbar human geworden. Und Veganer? Dümmer geht es wohl nicht. Besonders die Deutschen sind da sehr aktiv und wir Österreicher machen  fleißig mit. Uli Pürschel, Gründer des Portals La Tauromaquia schrieb einmal, dass die Deutschen immer schon allen anderen sagen wollten, wo es lang geht. Eine kleine militante Minderheit wird leider immer der passiven Mehrheit ihren Willen aufzwingen.

Auch im Gästebuch von SfA findet sich dazu ein Eintrag:

Samstag, 1. August 2015

Besucherrekord bei SfA: Über 10.500 Leser im Juli!




von Philip de Málaga


In der Hauptstadt auf der Insel der Deutschen, 
auf Mallorca hat man sich gegen die toros entschieden,
doch das Interesse der Deutschen an der mundo de los toros scheint zu steigen!
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Der Monat Juli bei SfA begann normal. Es wurde berichtet, dass die Tendenz der toros in den letzten Jahren wieder steigend ist, was auf das bis dorthin gewohnte Interesse von durchschnittlich 150 bis 250 Besucher erregte. Doch dann begann die feria del toro in Pamplona. Obwohl SfA eher bescheiden darüber Informationen brachte, eher Randnotizen, denn das Portal Toros y Toreros brachte täglich in deutscher Sprache die aktuellen Neuigkeiten aus Pamplona, schien San Fermín im allgemeinen für ein gesteigertes Interesse für die mundo de los toros zu sorgen. Man begann sich dafür zunehmend mehr zu interessieren. So stiegen die Besucherzahlen bei SfA um 30 bis 50 Prozent und erreichte im Juli das erste Mal die monatliche Grenze von über 10.000 Hits. 
Pamplona begann am 7. Juli und trieb die Zahlen nach oben.
Im Juli 2009 ging deutschsprachige Portal Stierkampf für Alle an den Start und hat allein im Monat Juli diesen Jahres die stolze Zahl von 10.679 Besuchern erreicht!
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Das Team von SfA bedankt sich bei allen seinen Lesern, 
für die zahlreichen Mails die uns erreichten,
für die Einträge im Gästebuch 
für die Anregungen zu bestimmten Beiträgen
und für die Treue die sie uns halten.
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Man erkennt eindeutig, dass Interesse an den Stieren ist da. Man will mehr über die mundo de los toros erfahren. Nur oft traut man sich nicht mal nachzufragen, weil antitaurinos oder andere Tierschützer relativ schnell recht aggressiv gegen sie vorgehen, wie zum Beispiel in den Spanienforen, und nicht gerade zimperlich mit Beleidigungen um sich schmeissen.

Trotzdem hält es immer weniger Menschen davon ab, sich mehr über das Thema der toros zu informieren. Einige davon allein schon deswegen, um mal mitreden zu können. Denn die deutschsprachigen Medien hier in Spanien berichten ja doch relativ einseitig (Siehe SfA Reportage: Deutsche Medien in Spanien mehrheitlich gegen die Stiere). Viele möchten halt endlich mal erfahren, was eigentlich Sache ist. Das erkennt man auch an den Suchbegriffen bzw. an den Beiträgen und Reportagen, welche am meisten gelesen werden:
  • Stierkämpfe in Málaga
  • Stierkämpfe in Sevilla
  • Literatur in deutscher Sprache
  • Stierkampf in der Werbung
  • Das erste Mal
  • Das Team von SfA
  • Die Mafia der Tauromachie
  • Das Geld der Touristen
  • Der spanische Stier
  • Stierkampf für Alle
Und wo kommen die Leser alle her? Nur weil SfA in deutscher Sprache gehalten ist, bedeutet es noch lange nicht, dass es nur in Deutschland gelesen wird:
  1. 59 % Deutschland
  2. 13 % Spanien
  3. 08 % Vereinigten Staaten
  4. 06 % Ukraine
  5. 05 % Österreich
  6. 03 % Schweiz
  7. 02 % Russland
  8. 02 % Frankreich
  9. 01 % Arabische Emirate
  10. 01 % Vereinigtes Königreich
Fazit: Man kann auf jeden Fall nicht behaupten, dass man sich im deutschsprachigen Bereich nicht für die mundo de los toros interessiere oder sie sogar ablehne. Man erkennt, der Stierkampf beschränkt sich nicht einfach nur auf die Zucht der toros und dann einem angeblichen "Abschlachten" vor einem Publikum in einer meist runden plaza de toros. Die mundo taurino, die Welt des Stierkamps ist Teil spanischer Kultur, eine tradición taurina, welche im wirtschaftlichen, sozialen wie gesellschaftlichen Leben er- und gelebt wird, und gehört zu Spanien wie der Sherry, Paella oder der Flamenco. Und nicht nur zu Spanien. Weltweit werden zwischen 65 und 70 Millionen aficionados gezählt. Das sind nicht wenige und viele wollen nun eben mal erfahren warum sich so zahlreiche Menschen für die toros begeistern.

Bestätigt wird das Interesse an den toros mit den fast 90.000 Begriffen in drei Jahren, welche im deutschsprachigen Lexikon des Stierkampfs, dem Cossío en alemán nachgeschlagen worden sind.
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Vielen Dank vor allem an alle,
welche sich mit Beiträgen, Hinweisen und Korrekturen
an der Entwicklung von SfA beteiligt haben!
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Der Erfolg von SfA lässt sich zum einen Teil auf sein Team zurückführen, welches mit seinen Reportagen dazu beigetragen hat und sich nicht aufhalten liess, trotz Drohungen aus der Welt der antitaurinos, realitätsnahes Wissen zu vermitteln. Zum anderen halfen uns die zahlreichen Hinweise durch die Leserschaft und andere Fachkundige zum Thema der tauromaquia, sowie unseren spanischen Freunden aus der mundo taurino, wie empresarios, toreros, ganaderos, kompetente aficionados oder Journalisten taurinos die uns zahlreich bei unseren Recherchen zu den verschiedenen Themen zur Seite standen. Ohne sie alle wäre der Erfolg von SfA sicherlich nicht möglich gewesen.

¡Muchas gracias!

Freitag, 31. Juli 2015

Bücher statt Stiere




von Philip de Málaga



Über das Setzen von Prioritäten einer Gemeinde
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Keine Frage. Die tauromaquia ist nicht nur Teil der spanischen Kultur sondern auch zum spanischen Kulturerbe deklariert worden. Das gibt den toros eine gewisse Priorität. Aber es bedeutet auf keinen Fall, dass sich deswegen ein municipio verschulden muss, oder es zu Lasten von anderen geht. Wie zum Beispiel der Ausbildung, der Infrastruktur, den sozialen Hilfen etc.

Nicht allen Städten geht es so wie Pamplona. Mit ihrer berühmten feria del toro  und dem weltweiten Interesse brachte es stolze 74 Millionen Euro in die Stadtkasse! Davon können kleine Gemeinden nicht einmal träumen.

Wie zum Beispiel die 5.000 Seelengemeinde Villafranca de los Caballeros, in der Zone der spanischen Windmühlen, in La Mancha. Dort hat der Bürgermeister Don Julián Bolaños (PSOE) eine solche Entscheidung gegen die toros getroffen. Und das Stadtoberhaupt versteht sich durchaus nicht als ein antitaurino. Im Gegenteil sogar, wenn jemand anderes die festejos taurinos finanzieren möchte und kann, würde er dieses grundsätzlich begrüssen und befürworten. Also ist sein Entscheidung keine gegen die tradición taurina.

Aber in seiner Gemeinde herrsche viel Arbeitslosigkeit, und man müsse das Geld den Familien zur Verfügung stellen, die nicht in der Lage seien die Schulsachen für ihre Kinder zu finanzieren. "Dies sei eine Frage der Prioritäten", so der Bürgermeister. Hinzu käme die Tatsache, die Gemeinde verfüge nicht über eine eigene plaza de toros und müsste sich für teures Geld eine plaza portátil anmieten.

Ein kleine Gemeinde ohne eigene plaza de toros
Das Besondere an dieser Aktion ist, dass selbst aficionados, als Befürworter der mundo taurino, diese Entscheidung befürworten. Wenn man toros sehen möchte, könne man dieses ohne weiteres auch in anderen Städten tun. Festejos taurinos gäbe es ja schliesslich fast in ganz Spanien.

Auch in der spanischen Hauptstadt sieht man es positiv. Denn auch dort fliesse nicht ein öffentlicher Euro in die corrida de toros, so verkündete die Bürgermeisterin Doña Manuela Carmen. Allerdings sei Las Ventas, die plaza de toros von Madrid mit ihren 24.000 Plätzen, über 30 festejos taurinos und anderen Veranstaltungen zur mundo de los toros sehr gut selbst in der Lage die Veranstaltungen der toros zu organisieren und zu finanzieren. So sollte es auch grundsätzlich gehandhabt werden.

Allerdings, mit der politischen Entscheidung in der Gemeinde Villafranca de los Caballeros ist man nicht überall einverstanden. Zum Beispiel in Valencia vertritt man die Meinung, dass die toros als spanisches Kulturerbe auf jeden Fall nicht politisch benutzt werden dürften und dementsprechend geschützt werden sollten.

Kurios am Rande, auch bei den antitaurinos stösst diese Entscheidung nicht gerade auf Begeisterung. In deren Augen sei es einfach zu wenig. Statt die Gelder der toros für ein paar Bücher auszugeben, sollte man lieber sehen, sich komplett für die abolición de los toros einzusetzen. Also diese Gelder in den antitaurinismo investieren. Das kann doch nicht deren Ernst sein? Mehr Politisierung ist ja nun wirklich nicht möglich.

Donnerstag, 30. Juli 2015

Palma de Mallorca von nun an eine antitaurinische Stadt





von Philip de Málaga


Palma de Mallorca hat sich zur Stierkampf freien Stadt deklariert
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Wie zu erwarten war, konnte man im Rathaus von Palma de Mallorca mit der politisch links orientierten Mehrheit (PSOE, Som Palma und Més per Palma) mit 16 zu 13 Stimmen erreichen, die Inselhauptstadt zu einer ciudad antitaurina zu deklarieren. Das Ziel der drei linken Parteien ist klar definiert. Die toros sollen in der Zukunft auf allen Baleareninseln komplett verboten werden. Bis jetzt sind es 19 municipios, auf Mallorca selbst, wo festejos taurinos nicht mehr zugelassen sind.

Klare Absage an die toros in Palma de Mallorca
"Wir verstehen", so ein Sprecher der Partei Ciudadanos, Befürworter der tauromaquia auf den Balearen, "das hier andere Prioritäten gesetzt werden müssen. Solche, welche der Gemeinschaft mehr nützen, wie das Problem der Flüchtlinge, die Versorgung der Kinder usw. Und das unterstützen wir auch. Aber wir glauben auch an die toros als eine Tradition in Spanien und auf unserer Insel. Schliesslich entstand die erste plaza de toros auf den Balearen hier in Palma de Mallorca."

Mit der Entscheidung, Palma zur ciudad antitaurina zu deklarieren ging man aber noch einen Schritt weiter: Bürger die weiterhin mit corridas zu tun haben, sie besuchen wollen, sollen von jeglichen offiziellen Ehrungen durch die Stadt ausgeschlossen werden, selbst wenn sie wohltätig agieren oder anderen helfen.

Trotzdem ärgert etwas die Stadtväter ungemein. Zum einen findet trotz Verbot am kommenden 6. August eine corrida de toros in Palma statt (Siehe SfA Reportage: Stierkampf in Palma de Mallorca). Zum anderen wird eingeräumt, dass die Stadt selbst weitere corridas im Coliseo Balear nicht verbieten kann. Dieses Recht hat allein die Landesregierung, und die ist wiederum von solch einem Urteil weit entfernt.

Was die tauromaquia im Allgemeinen angeht, so verhält es sich auf den Balearen doch wie in Katalonien. Weniger noch, denn die mundo de los toros hat hier eigentlich nie eine besondere Rolle gespielt, obwohl sie sehr wohl präsent war. Allein in den letzten Jahren waren es doch recht wenige festejos taurinos, welche hier veranstaltet worden sind. Und letztendlich kostet es den Steuerzahler eine Menge Geld diese komplett abzuschaffen. Die empresa Balaña und Eigentümer der plaza de toros von Palma wird dementsprechend finanzielle Entschädigung fordern und erhalten. Kultur wurde hier wieder zu einem Politikum. Die antitaurinos wird es freuen, mehr noch, sie werden diesen Triumph sicherlich auf ihre Flagge schreiben, obwohl sie damit rein gar nichts zu tun haben.

Das es hier nicht um Tierschutz geht, dürfte allen Beteiligten klar sein. Und ob so mehr Touristen kommen, darf ebenfalls bezweifelt werden; die meisten wissen nicht einmal, dass es überhaupt noch corridas auf Mallorca gibt.  Also stellt sich die Frage, was soll das ganze Theater eigentlich? Wer hat was davon? Und da werden soviel politische Steuergelder verwendet, um eine einzige corrida de toros zu verbieten, welche jährlich in Palma de Mallorca organisiert wird.

Wird es den maestros gelingen das aforo von 12.000 Sitzplätzen zu füllen?
Man darf gespannt sein, wie sich das Coliseo Balear zur nächsten corrida de toros in den tendidos füllen wird. Denn hier wird sich die wahre afición a los toros von Palma widerspiegeln.