


ERIC FISCHL
Corrida en Ronda
CAC Málaga
Centro de Arte Contemporáneo de Málaga
29. Januar 2010 bis zum 04.April 2010
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 20:00 Uhr
Eintritt: frei
AUSSTELLUNG BEENDET





Wie soll das gehen?
Nehmen wir mal an, es würde den Tierschützern gelingen einen solchen Einfluss auf die Politiker zu bekommen, um eine Abschaffung der Stierkämpfe zu bewirken. Was würde eine abolición de la tauromaquia, sagen wir mal im nächsten Jahr bewirken?
Denn ein solches Verbot wirft zunächst folgende Fragen auf:
Fragen aber fast keine Antworten.
Was sagen die Tierschützer?
Fragt man einen antitaurino, wie er sich die Abschaffung von Stierkämpfen vorstelle, und mit welchen wirtschaftlichen, politischen und ökologischen Konsequenzen zu rechnen sei, wird man angeschaut als ob man von Marsmännchen erzähle. Tierschützer fordern bekanntlich die totale Abschaffung von Stierkämpfen in Europa. Aber über die möglichen Konsequenzen für die betreffenden Länder (Spanien, Frankreich und Portugal) haben sie wohl dabei noch nicht nachgedacht. Ist ihnen nicht mal in den Sinn gekommen. Jüngst nahm Sandra B. aus Marbella, eine überzeugte antitaurina, wie folgt Stellung: “Die haben das ganze Leben lang Stiere gequält, damit sehr viel Geld verdient, und da geschieht es ihnen nur recht, wenn sie jetzt selbst dafür zahlen müssen”. Kann man den Meinungen einiger Tierschützer glauben schenken, so sollen die Geschädigten sich selbst überlassen werden. Und ob das eine demokratische Alternative ist, sei mal dahingestellt.
Und was meinen die Politiker?
Auf nationaler Ebene fürchtet man am Beispiel von Spanien bei einem Stierkampfverbot vor allem zwei Dinge. Erstens: Spanien steuert eine Arbeitslosenquote von 20 Prozent an. Da können sie so einen weiteren Brocken von bis zu 150.000 joblosen Personen nun wirklich nicht mehr gebrauchen. Zum anderen ist der Stierkampf nach wie vor zu populär. Das erkennt auch der sozialistische Regierungspräsident Rodriguez Zapatero, der nach verschiedenen Vorstössen durch seine Partei schliesslich seine Mannen zurückpfiff und in der Tageszeitung ABC verkündete, dass der Staat “no tiene ninguna intención de hacer nada contra los toros”, also nicht die Absicht habe, gegen den Stierkampf vorzugehen. Das Wählerpotential unter der afición sei einfach zu groß.
Auf europäischer Ebene sieht es ein wenig anders aus. Dort herrscht keine Furcht vor Wähler-Verlust. Allerdings scheinen die 785 Abgeordneten nur recht einseitig von den Antragstellern informiert worden sein. Obwohl einige Vertreter aus der Stierkampfszene für wenige Tage beim Parlament präsent waren, um ihre Welt der toros zu vertreten hat es eine ernsthafte Auseinandersetzung über die Konsequenzen wohl nie gegeben. Verschiedene Schreiben an die Abgeordneten wurden im Sinne der tauromaquia sehr oberflächig gar unbefriedigend beantwortet: "Angesichts der Folgen, die sich bei einem Verbot der Stierkämpfe ergeben würden, ist es natürlich zu bedauern, dass so viele Menschen ihre Arbeit verlieren. Allerdings steht der Schutz des Arbeitsmarktes nicht über allen Gütern." Oder:
"Auch wenn ich prinzipiell ein Verfechter des Subsidiaritätsprinzips bin - insbesondere wenn es den Bereich der Kultur betrifft - so besteht doch Handlungsbedarf seitens der EU, wenn Mitgliedstaaten nicht vertragskonform handeln. In diesem Fall können auch wirtschaftliche Gründe nicht geltend gemacht werden." Schliesslich: “Wir danken Ihnen für den Hinweis. Ich muss zugeben, mir darüber noch keine Gedanken gemacht zu haben. Ich werde es aber im Arbeitskreis anregen”. Mit anderen Worten, auch Europa ist auf eine mögliche abolición de la tauromaquia so gar nicht vorbereitet.
Aber eines dürfte klar sein. Ein Ende der Stierkämpfe wird Europa sehr viel Geld kosten. Und ob diesen Aufwand die Bürger der Europäischen Union bereit sind zu leisten, steht auf einem anderen Papier.
Und was machen dann die Stierkämpfer
Bei einer Abschaffung von Stierkämpfen werden bis zu 150.000 direkte wie indirekte Arbeitsplätze vernichtet. Eines der Probleme der ungefähr 70.000 direkt Involvierten ist, ein großer Teil hat nichts anderes gelernt, als die Welt der toros. Sie benötigen nicht nur einen neuen Arbeitsplatz, sondern sie müssten erst einmal umgeschult werden. Ein teures Vergnügen für den Staat.
Über die Perspektiven der Züchter
Ein Anfrage bei dem Verband der Stierzüchter, dem Departmento de Comunicación de la Union de Criadores de Toros de Lidia, kurz UCTL, wie sie im Falle einer abolición de la tauromaquia ihre Zukunft sehen, fand zügig eine Reaktion: “Muy negativamente en el ámbito de empleo y muy negativamente en cuanto al mantenimiento de las explotaciones agropecuarias y lo que esto implica en sostenibilidad en condiciones óptimas de la dehesa, lugar donde se crían los animales”. Weder für die Mitarbeiter noch für die landwirtschaftliche Entwicklung lägen interessante Perspektiven ja nicht mal akzeptable Alternativen vor. Das Problem, man könne eben nicht von heute auf Morgen auf Massentierhaltung umstellen, damit es sich finanziell lohnend auswirkt. Auch wären die so genannten dehesas, die Weiden der Kampfstiere dafür vorerst nicht geeignet.
Fazit
Weder Tierschützer noch Politiker haben irgendeine Vorstellung davon, wie man denn im Sinne aller Beteiligten eine Abschaffung von Stierkämpfen europaweit realisieren könnte. Mehr noch, es gab nicht einmal sondierende Gespräche dazu. Und solange antitaurinos weiterhin die afición dermassen verbal beschimpfen, ihr “Menschsein” abwerten, wird es eine solche Annährung nicht so schnell geben.
Subventionen auf dem falschen Weg? So sehen es die Tierschützer
Es scheint nur verständlich, dass Tierschützer auch mit menschlichen Argumenten versuchen zu punkten. So reden sie häufig von einer Stierkampf-Mafia die Millionen verdient, oft auch wegen der Subventionen, und dass man mit diesem Geld wohl viel nützlichere Dinge anstellen könnte. Gerade in der letzten Woche wurde im Beitrag Der grosse Irrglaube: Stierkampf sei für den Tourismus! ein Kommentar darüber geschrieben: “Die Subventionen in Millionenhöhe für die Tauromaquia sollten besser dem spanischen Bürger zufliessen und nicht einigen wenigen Bonzen der Tauromafia”. Und weiter heisst es: “Mit all diesem Geld könnte man in Spanien Krankenhäuser modernisieren oder neu bauen, man könnte genügend ärztliches Fachpersonal bezahlen.” Von Klaus M. aus Bocholt erhielt ich ein Mail mit unter anderem folgendem Inhalt: “Es scheint mir unerträglich, dass es in diesen Zeiten in Europa immer noch so viel Armut gibt. Und statt die Gelder in solche modernen Gladiatorenspiele der Neuzeit, wie den spanischen Stierkampf zu verschwenden, sollte man sich um die Bedürftigen kümmern”. Öffentliche Gelder für Stierkämpfe, dass erzürnt wohl einige Gemüter.
Ungerechtfertigte Gehälter?
Die Zweifel, dass ein José Tomás bei seinem letzten Auftritt angeblich 400.000 Euros erhalten haben soll habe ich ja schon im Beitrag Wenn Wohltätigkeit weh tut! dargestellt. Aber wenn es so gewesen wäre, ist nicht nachzuvollziehen, warum dieses als “nicht vertretbar” interpretiert wird.
Ein berühmter matador de toros verdient im Verhältnis zu anderen Stars aus Sport und Showgeschäft relativ wenig. Es sind vielleicht gerade mal an die zehn toreros, wenn überhaupt, die da pro Auftritt 100.000 Euros oder mehr verdienen. So ein Stierkämpfer muss, gleichwie ein Fussballer, seinen möglichen Triumpf über Jahre hart erarbeiten. Und nur sehr wenige haben es auch wirklich geschafft.
Prioritäten oder schlechtes Gewissen?
Den Übel dabei sehen die Tierschützer wohl im Publikum. Würden diese nämlich ihre Gelder nicht zu den plaza de toros bringen, würde man der so genannten Stierkampflobby die Fundamente entziehen. Also will man den Besuchern, oder möglichen Besuchern ins Gewissen reden, sie informieren, welche Armut es auf der iberischen Halbinsel gibt. Sollte man das wirklich tun?
Jüngst sass ich mit Geschäftspartnern in einem gehobenen Lokal. Die Speisen waren köstlich genauso wie die Rechnung: Fast zweihundert Euros. Schließlich meinte Don Pedro: “Mit dem Geld hätten wir auch für ein halbes Jahr die Patenschaft von einem Kind oder von sechs Kindern für einen Monat übernehmen können”. Ein anderer rechnete weiter: “Und wenn man das umrechnet wären es insgesamt so zwischen 400 und 600 Speisen”. Wir stimmten zu und diskutierten über diese Thematik. Ist es nicht so, dass fast alles was wir machen, so wie wir leben, auch bei aller Bescheidenheit, im Vergleich zu restlichen Welt purer Luxus ist? Da könnte man hinterfragen, nur weil es so viel Elend gibt, sollte man zum Beispiel die besseren Lokale meiden? Nicht mehr bei Hermés einkaufen gehen oder BMW fahren? Darf man seinen kulturellen Ansprüchen nicht mehr gerecht werden? Sicherlich nicht. Es sollte einem jedem selbst überlassen sein, nach ethischen oder religiösen Werten seine eigenen Prioritäten zu setzen, und sich nicht von Bestimmungen durch Dritte bevormunden zu lassen. Wohlgemerkt, in unseren Breitengraden jedoch unter Anerkennung demokratischer Werte und gesetzlichen Vorgaben.
Was sagt die Wirtschaft dazu?
Nicht alle Stierkampfarenen fahren kostendeckend oder gar gewinnbringend. Zum Beispiel Barcelona, Córdoba und Granada. Hier geht es in erster Linie um die Erhaltung der Tradition der tauromaquia.
Das trifft auch für Stierkämpfer zu. Ein Grund warum sich unter den banderilleros, den so genannten Hilfsstierkämpfern, zahlreiche gescheiterte matadores de toros oder novilleros befinden. Wie oben schon beschrieben, nur wenige schaffen den finanziellen Durchbruch und das gilt auch für viele empresarios.
Aber trotzdem ist der Stierkampf ein gewinnbringendes Geschäft. Direkt wie indirekt werden in Spanien Millionen an Euros umgesetzt. Und in Zeiten der Krise, die natürlich auch die tauromaquia eingeholt hat, scheint es nicht sehr sinnvoll, gerade jetzt einen funktionierenden kompletten Wirtschaftszweig einzustampfen.
Fragt man in Europa nach, ob denn in Barcelona noch Stierkämpfe veranstaltet werden, erhält man meistens ein “Nein – ich glaube nicht” als Antwort. Das man so in Europa glaubt, in ganz Katalonien sei der Stierkampf abgeschafft lässt sich wohl auf eine einseitige Berichterstattung der internationalen Medien zurückführen, die immer nur dann hinschaut, wenn antitaurinos sich beeindruckend in Szene setzen. Zum Beispiel als Barcelona in einer geheimen Abstimmung im Jahr 2004 vom Rathaus zu einer “Barcelona antitaurina” gewählt wurde Und schliesslich gibt es da eine Liste mit 180.000 Unterschriften von Katalanen die eine sofortige abolición de la tauromaquia, eine Abschaffung von Stierkämpfen fordern.
Und es gibt doch Stierkämpfe in Barcelona
Doch wie sieht es in der Realität aus? Nach wie vor werden in der katalanischen Hauptstadt Stierkämpfe organisiert. Und nicht wenige sogar, in diesem Jahr sind es bis jetzt 18 corridas de toros. Das ist eine Steigerung zum Vorjahr von über 12 Prozent. Und es sind mehr als in den Stierkampfmetropolen wie Pamplona, Bilbao, Nîmes oder Málaga.
Am vergangenen 27. September trat der Superstar unter den toreros José Tomás in der Monumental von Barcelona an. ¡No hay billetes! Ausverkauft bis unter die Dachgiebel. Von nah und fern kamen sie angereist um diesen Event nicht zu verpassen. Prominenz aus Politik, Wirtschaft, Kultur und der Filmbranche gaben sich ein Stelldichein und füllten die 19.582 Sitzplätze in den tendidos.
Antitaurinisches Spiessrutenlaufen
Und bei Prominenz stellt sich doch mal die Frage, wo bleiben da eigentlichen die antitaurinisch gesinnten Persönlichkeiten? Eine kleine Gruppe von an die 150 Personen mit Pappschildern und Plakaten bewaffnet glich eher einem Häufchen Verzweiflung denn aktiven Widerstand. Unter dem höhnischen Gelächter der afición glich deren Auftritt einem bemitleidenswerten Spiessrutenlaufen. Ein spanischer Journalist bringt es auf den Punkt: “Reine Potentialverschwendung. Sie ziehen mit 150 No-Names in eine Schlacht gegen eine 130-fache Übermacht gespickt mit Persönlichkeiten und vor allem mit Entscheidungsträgern”. Selbst die Stierkampfgegner erkennen dieses und auf einer deren Webseite ist zu lesen, dass solange in den ersten Reihen der Demonstrationen nicht Politiker, Journalisten, Schauspieler usw. stehen, wird man den spanischen Durchschnittsbürger nicht überzeugen können. Resigniert stellt man auf sos-galgos fest: “Für den Normalbürger sind wir nur ein Haufen Verrückter, Linker, Kommunisten, Terroristen, Separatisten, Marihuana rauchende Hippies und Grüne. Weiter nichts. Und so lange dieses Bild von uns rüberkommt, wird sich uns kein normaler Mensch anschließen”.
Und eigentlich lohnt es sich gar nicht mal
Finanziell gesehen fährt die Monumental mit ihren Stierkampfveranstaltungen nämlich rote Zahlen ein. Durchschnittlich werden die corridas in der katalanischen Metropole von 6.000 bis 8.000 Zuschauern besucht. Und rechnerisch muss der Veranstalter, die Familie Balañá, bei einer Belegung von nur 40 Prozent an die 20.000 Euros Verlust einstecken. Nur wenn die großen toreros anrücken klingelt es in der Kasse, Trotzdem hat sich die katalanische afición zusammengetan und setzt alles dran die tauromaquia auch in ihren Gefilden am Leben zu erhalten.
Wer entscheidet letztendlich darüber?
Was wir aus europäischen Zonen nicht nachvollziehen können ist wohl, wie geht das eigentlich? Da erklärt sich die Hauptstadt zu einer “Barcelona antitaurina”, und fünf Jahre danach werden immer noch Stierkämpfe organisiert. Und ein Ende scheint nicht in Sicht.
Die Erklärung ist einfach: Der Stierkampf in Spanien untersteht in erster Linie dem spanischen Staat, insbesondere dem Innen- und Justizministerium. Von ihm wird das Reglamento Taurino Nacional als königlicher Erlass herausgegeben, welches für das ganze spanische Territorium seine Gültigkeit hat, wobei es in einigen Regionen den traditionellen Gegebenheiten entsprechend abgewandelt oder angepasst werden kann – aber eben nicht abgeschafft. Da liegt der entscheidende Unterschied. Autonome oder lokale Entscheidungen dürfen und können staatliche Vorgaben nicht aufheben. Und so lange es im katalonischen Raum eine afición gibt, auch wenn sie in Barcelona nur 8.000 Personen zählt, wird der Staat das zu respektieren haben, denn durch Stierkämpfe kommen ja andere Bürger definitiv nicht zu Schaden.
Unblutige Stierkampfe in Las Vegas bald ohne Toreros?
Groß wurde es angekündigt. Unblutige Stierkämpfe in den Vereinigten Staaten. Es sollte eines der medialen Ereignisse in der Glamourwelt von Las Vegas werden. VIP-Lounges, Sterne-Menus für 650 Dollar und die normalen Eintrittskarten ab 75 bis 550 Dollar sollten Zuschauer aus Amerika und der ganzen Welt anlocken um die 7.000 Plätze im South Point Hotel and Casino zu füllen.
Erste Reaktionen auf der iberischen Halbinsel belächelten dieses Vorhaben. So ganz nach dem Motto, sollen sie nur mal machen! Ein Freund von mir winkte gleich ab: “Genau, ich gebe da zwei- bis dreitausend Dollar oder mehr aus, um mir mit einem mit Sicherheit nicht fachkundigem Publikum irgendwelche Kerle anzuschauen die sich toreros nennen und auf so komische Matratzen einstechen!”
In einem Punkt irrte sich mein Freund. Nicht vollkommen unbekannte Provinzkerle, sondern die Stars der Stierkampfszene sollten einen Erfolg garantieren. Und in der Tat, waren auf den Ankündigungen große Namen zu lesen. Die Creme de la Creme der aktuellen tauromaquía: Enrique Ponce, Julián López El Juli, El Fandi, Francisco Rivera Ordóñez, José Ortega Cano, Morante de la Puebla, Javier Conde, Pedrito de Portugal, um nur einige zu nennen. Die Presse und die einschlägigen Medien in Spanien hielten sich zu diesem Thema eher bedeckt. Nur in den Reihen der aficionados wollte man es genauer wissen: Was bewegt einen Startorero wie Enrique Ponce sich für so ein Spektakel zur Verfügung zu stellen? Was bringt die Künstlertoreros Morante de la Puebla oder ein Javier Conde dazu? Mit welchen Summen wurden sie wohl gelockt? Gut, ein Ortega Cano, das weiß ganz Spanien, dem fehlt es an finanziellen Mitteln und kann ein jedes Geld ziemlich gut gebrauchen. Nur, was ist eigentlich, wenn in Amerika keiner diese Stars aus der Welt der Stierkämpfe kennt?
Da kam die Stunde der Wahrheit und keiner ging hin!
Die 44 VIP-Tische wurden entfernt, das Menu gestrichen und nicht einmal zu einem Drittel konnten sich die restlichen Zuschauerreihen füllen. 315 bis 450 Dollar für einen Sitzplatz in den ersten acht Reihen, dass ist einfach zu viel! Auch am nächsten Tag sah es nicht anders aus. Weder Touristen noch Amerikaner können sich dafür begeistern, was beim amerikanischen Sender Univisión in spanischer Sprache in der Rubrik “Sport” zu sehen ist: Toros sin sangre!
Stiere ohne Blut?
Beim Internetportal “La Tauromaquía” bringt man es auf den Punkt: “Fliesst bei diesen toros Coca Cola durch die Adern? Korrekt wäre "Toreo sin sangre" Es zeigt auf wie oberflächig und unseriös die Veranstalter mit diesem doch für viele traditionellem Kulturgut umgehen. Zugegeben, in Spanien existiert sehr wohl der Begriff der toros. “Vamos a los toros” ein typischer Ausruf, dass wir jetzt eben nicht nur zu Stieren sondern zu einem Stierkampf gehen. Aber der Begriff löst bei Nichtkennern mit Sicherheit Irritationen aus. Und die von Don Bull erklärte Aufklärung und Annäherung an die Welt der toros findet so mit Sicherheit nicht statt. Noch ein Beispiel:
Ein Stier wird nicht getötet und begnadigt?
Da wird geworben, dass die Stiere weder verwundet noch in der Plaza de toros getötet werden. Mit allem Respekt, wie kann man da einen toro bravo auch noch begnadigen? Passiert da den Tierchen doch etwas hinter den Kulissen? Sofort ab ins Steakhaus? Es ist ganz gewiss nicht so, dass die Stiere nicht getötet werden sollen oder können. An keiner Stelle wird das von Don Bull oder seiner “Produktionsfirma” festgehalten, aber man will es suggerieren, dass den Stieren eben nichts geschieht.
Erkennen wir hier nicht eine Doppelmoral? Ist es nicht so, wenn wir uns einen guten Stier anschauen, viele olés rufen, toros und toreros bewundern, und wissen dabei, dass der Stier in wenigen Minuten sterben wird? Bewegt man sich da nicht in die Richtung eines ethisch-moralischen Zwiespalts? Werden hier Werturteile den momentanen und vor allem optischen Bedürfnissen angepasst und „mit zweierlei Maß“ bewertet sodass man sie publikumswirksam in Szene setzen kann? Der Stierkampf nur noch als ein reines Marketingobjekt?
Und jetzt Toros ohne Blut und ohne Toreros?
Da tönte Don Bull noch vor wenigen Tagen bei der Radiosendung Carrusel Taurino, er sei sehr stolz und befriedigt wie sein Projekt angelaufen sei. Zwar waren die ersten beiden corridas nicht so gut besucht, aber er will weitermachen, auch mit einem neuen Marketingkonzept. Und der US-Bundesstaat Nevada will mithelfen und sich darum sorgen, dass wenigsten 4.000 verbilligte Karten an den Mann gebracht werden können. Doch mal ehrlich, wovon will man dann eigentlich die Torero-Stars bezahlen?
Am besten gar nicht, denn ein Großteil der spanischen Elite hat sich zurückgezogen oder stellt ihren Auftritt in Frage. Nicht nur, weil es ihnen selbst suspekt erscheint, nein, die Kritik aus den Reihen der eigenen afición ist grösser geworden. Und die treuen Anhänger will man natürlich nicht verärgern.
So gesehen hat mein oben zitierter Freund gar nicht mal unrecht! Wer zahlt schon über 200 Euros zum Beispiel für einen Enrique Ponce, El Fandi und Francisco Rivera Ordóñez in Las Vegas, wo allein schon Anreise und Unterkunft ein Vermögen kosten, wenn man dieselben Toreros vor spanischer Kulisse in einer Plaza de toros der ersten Kategorie für 20 bis 65 Euros sehen kann?
Bleiben noch die Amerikaner. Aber, kommt es denen nicht billiger und vor allem authentischer dann nach Mexiko zu reisen?
Man kann es drehen und wenden wie man will. Es entsteht der Eindruck, das Don Bull, in seiner Eigenschaft als Veranstalter weder den toreros und den toros noch dem Publikum den nötigen Respekt gegenüber zeigt. Wahrscheinlich ist wohl auch der Name “Don Bull” nicht richtig gewählt. “Don Bill” würde eher passen, der Herr der Banknoten, derjenige dessen Illusion nur aus vielen, vielen Dollars besteht und nicht in der Befriedigung der afición. Da liegt der entscheidende Unterschied.